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Der schönste erste Satz von Thomas Bernhard

11. Juli 2007 | Von | Kategorie: Bücher, Der schönste erste Satz

Die anderen Menschen fand ich in der entgegengesetzten Richtung, indem ich nicht mehr in das gehaßte Gymnasium, sondern in die mich rettende Lehre ging, gegen alle Vernunft in der Frühe nicht mehr mit dem Sohn des Regierungsrats in die Mitte der Stadt durch die Reichenhaller Straße, sondern mit dem Schlossergesellen aus dem Nachbarhaus an ihren Rand durch die Rudolf-Biebl-Straße, nicht auf dem Weg durch die wilden Gärten und an den kunstvollen Villen vorbei in die Hohe Schule des Bürger- und des Kleinbürgertums, sondern an der Blinden- und Taubstummenanstalt vorbei und über die Eisenbahndämme und durch die Schrebergärten und an den Sportplatzplanken in der Nähe des Lehener Irrenhauses vorbei in die Hohe Schule der Außenseiter und Armen, in die Hohe Schule der Verrückten und der für verrückt Erklärten in der Scherzhauserfeldsiedlung, in dem absoluten Schreckensviertel der Stadt, an der Quelle fast aller Salzburger Gerichtsprozesse und im Keller als Lebensmittelgeschäft des Karl Podlaha, der ein zerstörter Mensch und ein empfindsamer Wiener Charakter gewesen war und der Musiker hatte werden wollen und dann immer ein kleiner Krämer geblieben ist.

Der Keller von Thomas Bernhard

Thomas BernhardNiclaas Thomas Bernhard, geboren am 9. Februar 1931 in Heerlen, Niederlande, gestorben am 12. Februar 1989 in Gmunden, Österreich, war ein österreichischer Schriftsteller. Er zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Prägend für Bernhards Entwicklung als Schriftsteller waren einerseits das seit frühester Kindheit, die er bei seinem geliebten Großvater, dem Dichter Johannes Freumbichler verbrachte, empfundene Gefühl, von seiner Mutter und dem Vater allein gelassen, ungeliebt, unerwünscht zu sein; andererseits ein schweres Lungenleiden (eine folgenreiche nasse Rippenfellentzündung, die zu einem Morbus Boeck (Sarkoidose) wurde), mit dem er seit den Kriegstagen zu leben hatte und das ihm stets die Nähe des Todes vor Augen hielt.

Bernhard schreibt meist über Einzelgänger, Selbstmörder, Kranke, angeblich Verrückte und Philosophen. Die menschliche Existenz ist für ihn sehr eng mit dem Leiden und dem Tod verbunden. Er geht sogar so weit, dass er das eigentliche Wesen der Existenz im Tod sieht: „Wenn wir ein Ziel haben, so scheint mir, ist es der Tod“ (Verstörung), „Das Aus ist das Ziel“ (Heldenplatz).

Der KellerKurzbeschreibung von Der Keller
Eines Morgens beschließt der sechzehnjährige Gymnasiast auf dem Schulweg spontan, sich seinem bisherigen, verhaßten Leben zu entziehen und sich im Keller, einem Kolonialwarenladen, eine Lehrstelle zu verschaffen. Im Keller, am Rande der Salzburger Scherzhauserfeldsiedlung, dem heruntergekommenen, tristen Wohngetto der Besitzlosen, der Asozialen und Kriminellen, lernt Bernhard all die von der Gesellschaft Ausgestoßenen kennen, verstehen und ergreift Partei für diese verlorenen, verstörten Existenzen.

3 Kommentare
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  1. Sorry, falsche Kommentarleiste – also, ich denke es ist ein Werk von Thomas Bernhard und zwar der este Satz von “Der Keller” :-)

  2. respekt!

  3. danke :-) wollte dich nicht ärgern, nur dieser Bandwurm….

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