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Der niederländische Schriftsteller Harry Mulisch ist tot

1. November 2010 | Von | Kategorie: Lesekreis, Nachrufe

Der niederländische Schriftsteller Harry Mulisch ist tot

Der niederländische Schriftsteller Harry Kurt Victor Mulisch, geboren am 29. Juli 1927 in Haarlem, erlag am 30. Oktober 2010 in seinem Haus in Amsterdam einem Krebsleiden.

Harry Mulisch war der Sohn eines ehemaligen österreichischen Offiziers und einer Frankfurter Jüdin. Sein Vater Karl Viktor Kurt Mulisch war während der Zeit der deutschen Besetzung der Niederlande (1940–45) Personaldirektor von Lippmann, Rosenthal & Co., einer Bank, die konfisziertes jüdisches Eigentum verwaltete und verwertete. Für diese Tätigkeit musste der Vater nach dem Krieg drei Jahre in ein Internierungslager. Allerdings konnte er durch diese Position seine jüdische Ex-Gattin und den Sohn vor den Nationalsozialisten und der Deportation schützen, während Mulischs Großmutter und Urgroßmutter mütterlicherseits im KZ Sobibor ermordet wurden.

Diese Bindung Mulischs zwischen Verfolgung wegen seiner jüdischen Herkunft einerseits (über die Mutter) und der Kollaboration mit den nationalsozialistischen deutschen Besatzern (über den Vater) andererseits prägte ganz erheblich sein schriftstellerisches Werk. Mulisch behauptete von sich aufgrund dieser Verbindung, er sei der Zweite Weltkrieg („Ik ben de Tweede wereldoorlog“).

Mulisch besuchte von 1933 bis 1939 die Grundschule in Leiden und wechselte anschließend auf das Christliche Lyceum in Haarlem, das er im Mai 1945 ohne Abschluss verließ. Im Alter von 18 Jahren veröffentlichte er seine erste Geschichte. Weltweite Beachtung fanden seine Romane Das Attentat (1982) und Die Entdeckung des Himmels (1992); im seinem Roman Das Attentat geht es um die Folgen der Ermordung eines mit dem NS-Regime kollaborierenden niederländischen Polizisten, in Die Entdeckung des Himmels wird das Verhältnis von Wissenschaft und Religion auf mystische Weise behandelt.

In der niederländischen Nachkriegsliteratur war oft von den „großen Drei“ die Rede – gemeint sind Willem Frederik Hermans (gestorben am 27.04.1995), Gerard Reve (gestorben am 08.04.2006) und Harry Mulisch. Nach dem Tod Hermans’ und der fortschreitenden Demenzerkrankung Reves nannte sich Mulisch manchmal scherzhaft den „großen Einen“ („de grote Eén“).

Das Attentat – Kurzbeschreibung
Der Roman rollt in insgesamt fünf Teilen die Lebengeschichte Antons auf … Wie lebt ein Mensch mit einer solchen Vergangenheit? … Harry Mulisch benutzt für seinen Bericht die Mittel des Polit-Thrillers. Er erzählt spannend, zügig und unterhaltend, aber auch zugleich unerbittlich ernst und streng.Eine kleine Straße in Holland 1945: in einer Winternacht wird hier der mit den Nazis kollaborierende Polizist Ploeg erschossen. Eine fast unbedeutende Episode in der Geschichte des großen Mordens des Weltkrieges. Für die Bewohner der aus nur vier Häusern bestehenden Straße aber eine Katastrophe. Der zwölfjährige Anton Steenwijk, sieht durch einen Spalt in der Jalousie, wie der Nachbar Korteweg mit seiner Tochter Karin aus seinem Haus stürzt und die Leiche vor das Haus der Steenwijks schleift. Minuten später ist ein Kommando der Deutschen da. Weil Ploeg vor ihrer Tür liegt, werden die Steenwijks verhaftet, ihr Haus niedergebrannt. Anton sieht seine Eltern nie wieder. Er wird mit der tatsächlichen Attentäterin, die bei der folgenden Razzia zufällig verhaftet wurde, zusammengesperrt. Anton hat Glück und überlebt. Dreißig Jahre später kann er die Fakten jener Nacht genau rekonstruieren und trifft alle Beteiligten wieder: den Sohn des Polizisten Ploeg, der seinen Vater für ein Opfe r der Kommunisten hält, er erfährt, dass die Freundin jener Nacht in der Zelle die Schuld am Tod seiner Eltern trug, weil sie genau wusste, dass die Deutschen sich für den Mord an den Unschuldigen rächen würden. Und er trifft auch Karin Korteweg, die damals half, Ploegs Leiche vor die Tür seiner Eltern zu legen und die erzählt, dass ihr Vater Selbstmord verübt hat, weil er seine Schuld am Tod d er Steenwijks nicht ertragen konnte. So geraten die einstmals klaren Fronten zwischen Freund und Feind, zwischen Besatzung und Widerstand durcheinander und als bestürzendes Fazit bleibt, dass nur diejenigen, die in der Nacht des Attentates die Rolläden herunterließen und nichts gehört und gesehen haben wollen am Ende als einzige eine weiße Weste behalten.

Die Entdeckung des Himmels – Kurzbeschreibung
Es handelt sich hier um einen unterhaltsamen Bildungs-, Entwicklungs-, Abenteuer-, Kriminal- und Liebesroman, in dem die Freundschaft zwischen zwei ganz unterschiedlichen Männern eine besondere Rolle spielt.
Ein Totalroman, eine in dieses umtriebige und abgründige Jahrhundert ausschwärmende Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, eine Liebe, die aufmüpfigen sechziger, die pragmatischen siebziger und die windigen achtziger Jahre; und den langen Nachhall der Kriegs- und Nachkriegszeit; über ein ungewöhnliches Kind, das einen noch ungewöhnlicheren Auftrag hat; einen Astronomen und Don Juan, der nie zur Ruhe kommt, und ein Sprachgenie, das in der Politik Karriere macht.
Harry Mulisch hat sich selbst zum Romanhelden gemacht und ein Meisterwerk geschaffen. Ihm gelingt ein großer Zeitroman der Nachkriegsgeneration.” (Der Spiegel)

Quelle: Wikipedia

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