Facebook Seite Feed abonnieren

Geschenktipp: Ausgezeichnete Bücher 2012 zu Weihnachten

11. Dezember 2012 | Von | Kategorie: Geschenktipp, Lesekreis


Weihnachten steht vor der Tür und die fieberhafte Suche nach idealen Geschenken hat begonnen. Buchgeschenke sind besonders beliebt. Im letzten Jahr haben 44 Prozent der Deutschen ein Buch unter den Weihnachtsbaum gelegt. Die Auswahl aus der Fülle der unterschiedlichsten Genres ist allerdings nicht ganz einfach. Verschenkt man nun einen Thriller oder Krimi, einen Roman, ein Sachbuch oder lieber eine Biografie an lesebegeisterte Familienangehörige und Freunde, oder versucht gar einen Lesemuffel zu bekehren? Wer die Wahl hat, hat die Qual heißt es in einer alten Redensart und aufgrund der vielen Alternativen ist es schwer, sich zu entscheiden. Vielleicht erleichtert die folgende Liste mit einer bunten Mischung “ausgezeichneter” Bücher die Suche etwas Passendes zu finden. Alle Titel haben in diesem Jahr einen Literaturpreis gewonnen.

Den Anna-Seghers-Preis 2012 hat die 1984 in Baku (Aserbeidschan) geborene und im Kaukasus aufgewachsene Autorin Olga Grjasnowa für ihren Roman “Der Russe ist einer, der Birken liebt” erhalten. “Mit perfekter Ausgewogenheit von Tragik und Komik und mit einem bemerkenswerten Sinn für das Wesentliche erzählt sie die Geschichte einer Generation, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat.

Der Buxtehuder Bulle 2012 (Jugendliteraturpreis) ging in diesem Jahr Lauren Oliver für ihren Roman “Delirium“. Delirium ist ein dystopischer Roman für Jugendliche ab 14 Jahre. “Es ist jetzt vierundsechzig Jahre her, dass der Präsident und das Konsortium die Liebe als Krankheit identifiziert haben, und vor dreiundvierzig Jahren haben die Wissenschaftler ein Heilmittel dagegen entwickelt”, lautet der erste Satz. In Lenas Welt kann Amor Deliria Nervosa durch einen kleinen Eingriff geheilt werden, danach wird sie sich niemals mehr verlieben können…

Mit “Landgericht” hat Ursula Krechel den Deutschen Buchpreis 2012 gewonnen. Der Roman handelt vom Exil und von den fünfziger Jahren, von einer Rückkehr ohne Ankunft. Ursula Krechel geht auf Spurensuche in die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt. Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaasschen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna…

Den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012 für Jugendliche am 16 Jahre hat die Jury an den Hamburger Autor Nils Mohl für “Es war einmal Indianerland” vergeben. “Es ist ein kunstvoll gebauter Roman, der mit seinen zahlreichen Neologismen auch sprachlich innovativ und überzeugend ist. Er bietet dem Leser eine neue und aufregende Variante aus Bildungsroman und Liebesgeschichte. Mohl gelingt es, anspruchsvolles literarisches Erzählen thematisch dicht bei seinen jugendlichen Lesern zu realisieren – und das mit viel Herz und Ohr für seine Adressaten”, urteilte die Jury.

Mechtild Borrmann erhielt den Deutschen Krimi Preis 2012 für “Wer das Schweigen bricht“. Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt Robert Lubisch im Nachlass seines Vaters das Foto einer attraktiven Frau und einen Wehrpass, ausgestellt auf einen ihm unbekannten Mann. Was hat das alles mit seinem Vater zu tun? Robert macht sich auf die Suche und stößt dabei auf eine Journalistin, die sofort eine große Story ahnt und bereit ist, dafür auch den Ruf seines Vaters zu opfern. Doch noch bevor sie Robert etwas mitteilen kann, wird sie grausam ermordet. Robert ist entsetzt. Welche alten Wunden hat er mit seinen Nachforschungen wieder aufgerissen…

Die Journalistin Katja Thimm erhielt in diesem Jahr für ihr Sachbuch “Vatertage – eine deutsche Geschichte” den Evangelischen Buchpreis. In der Begründung der Jury heißt es: “Katja Thimm hat mit Vatertage ein herausragendes gleichermaßen politisches und persönliches Buch über die Begegnung mit der sogenannten Kriegskinder-Generation geschrieben.” Gemeinsam mit ihrem Vater Horst Thimm (geb. 1931) rekonstruiert die Autorin ein Stück Lebens- und Zeitgeschichte. Meisterhaft halte sie die Balance zwischen sachlicher Erzählweise und emotionaler Dichte, zwischen Sympathie und Distanz.

Dem regimekritischen chinesischen Schriftsteller, Dichter und Musiker Liao Yiwu wurde der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012 verliehen. Im Oktober erschien “Die Kugel und das Opium: Leben und Tod am Platz des Himmlischen Friedens“, ein ebenso schockierendes wie bewegendes Zeugnis der unfassbaren Ereignisse vom 4. Juni 1989, als die chinesische Regierung die Volksbefreiungsarmee mobilisierte, um die friedlichen Demonstrationen Zehntausender Studenten niederzuschlagen, die mehr Freiheit und Demokratie forderten. Am Platz des Himmlischen Friedens richteten sie ein Massaker an, das die Welt schockierte.

Die 51-jährige deutsche Schriftstellerin Felicitas Hoppe wurde mit dem Georg-Büchner-Preis 2012, dem wichtigsten Literaturpreis in Deutschland, ausgezeichnet. Zuletzt erschien im März 2012 ihr biografisches Buch “Hoppe“. Hoppe ist keine Autobiographie, sondern Hoppes Traumbiographie, in der Hoppe von einer anderen Hoppe erzählt: von einer kanadischen Kindheit auf dünnem Eis, von einer australischen Jugend kurz vor der Wüste, von Reisen über das Meer und von einer Flucht nach Amerika. Hoppes Lebens- und Reisebericht wird zum tragikkomischen Künstlerroman, mit dem sie uns durch die Welt und von dort aus wieder zurück in die deutsche Provinz führt, wo ihre Wunschfamilie immer noch auf sie wartet”, lautet die Kurzbeschreibung.

Die Landeshauptstadt München und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern haben den Geschwister-Scholl-Preis 2012 an Jürgen Dehmers für sein Buch “Wie laut soll ich denn noch schreien? Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch” verliehen. Jürgen Dehmers (Pseudonym) schildert in seinem Bericht was ihm und anderen Schüler angetan wurde, er beschreibt auch die Folgen einer Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch – Gefühle der Ohnmacht, Angst, Wut, Ekel, Störungen der Persönlichkeitsentwicklung, bis hin zu Suchtkrankheiten und Suizidgefahr. Opfer sexueller Gewalt äußern sich selten öffentlich. Dies machen sich Täter zu nutze. Dass Jürgen Dehmers es gewagt hat, das Schweigen zu durchbrechen und zu benennen, was geschah, würdigt die Jury des Geschwister-Scholl-Preises als ein seltenes Beispiel von Mut.

Der 55-jährige rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu bekam den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt für seinen Roman “Der Körper“ zuerkannt. “Dem rumänischen Autor Mircea Cărtărescu ist mit “Der Körper” ein fulminanter Roman und sprachlich elektrisierendes Kunstwerk von seltener Intensität und Leuchtkraft gelungen. Er gleicht einem grellbunten Kaleidoskop aus Bewusstseinssplittern und Kindheitserinnerungen, familiengeschichtlichen Episoden und Bildern des unter Ceaucescu in großen Teilen zerstörten Bukarests, aus politischen Momentaufnahmen seiner Herrschaftszeit und phantastischen, elektrisierenden Gedankenflügen“, lautet die Begründung der Jury.

Im Jahr 2012 zeichnete die Jürgen Ponto-Stiftung die Autorin Carmen Stephan für ihr literarisches Debüt “Mal Aria” mit dem Jürgen-Ponto-Literaturpreis aus. Am Abend lief Carmen noch um die Wette am Strand – in der Nacht weckt sie ein kalter Schmerz. Es ist der letzte Urlaubstag ihrer Reise durch den Amazonas. Von einem Tag auf den anderen kämpft die junge Frau um ihr Leben. Kein Arzt weiß ihr zu helfen, sieht das Naheliegende. In der scheinbaren Sicherheit eines Krankenhauses geschieht das Unvorstellbare – und nur einer weiß alles: der Moskito, der Carmen gestochen hat und von da an, durch das Blut mit ihr verbunden, zur Stimme der Natur, zum sprachmächtigen Erzähler wird. “Bewegend. Schön. Unheimlich. Und man vergisst, dass es ein Moskito ist, der die Geschichte über Leben und Tod erzählt“, so das Resümee von Prof. Dr. Hans-Martin Gauger, Fachkurator der Jürgen Ponto-Stiftung für den Bereich Literatur.

Wolfgang Herrndorf erhielt in der Kategorie Belletristik den Preis der Leipziger Buchmesse 2012 für seinen Roman “Sand“. “Ein furioser Abenteuerroman, ein faszinierend verwirrender Antiagenten-Thriller, der so waghalsig wie gekonnt mit verschiedenen Ebenen jongliert“, lautete die Begründung der Jury.

Die mexikanische Schriftstellerin Sabina Berman wurde für ihren Roman “Die Frau, die ins Innerste der Welt tauchte” mit dem LiBeraturpreis, der ausschließlich an Frauen vergeben wird, ausgezeichnet. Die Jury lobte die ungewöhnliche Perspektive, die Berman in ihrer Schilderung der Geschichte eines Mädchens, welches zu Beginn des Romans verwahrlost und autistisch ist und in der Obhut ihrer Tante, “ich” zu sagen und “ich” zu werden lernt. Das Meer und die großväterliche Thunfischfabrik werden ihre liebsten Orte, Wesen mit Kiemen sind ihr näher als “Standardmenschen”.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter” von John Green erhielt von der LovelyBooks-Community in der Kategorie Allgemeine Literatur als bestes Buch den Leserpreis 2012. „Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander – trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Ein tiefgründiges, emotionales und zugleich freches Jugendbuch über Krankheit, Liebe und Tod. “Der Leserpreis – die besten Bücher 2012” wurde übrigens in insgesamt 10 Kategorien vergeben. Hinter dem Link finden sich sicherlich weitere Anregungen.

Die Jury des Wilhelm-Raabe-Literaturpreises 2012 hat den Schweizer Schriftsteller Christian Kracht mit seinem Roman “Imperium“ bedacht. In der Begründung heißt es, die Geschichte der deutschen Kolonien zu Kaiserzeiten sei “noch nie so farbig schillernd, so böse komisch, phantastisch realistisch, pathologisch weltbeglückend, so schräg verzerrt” wie von Kracht erzählt worden. In “Imperium” erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans eines Melville, Joseph Conrad, Robert Louis Stevenson oder Jack London spielt…

In der Hoffnung, dass diese subjektive Zusammenstellung aus mittlerweile über eintausend jährlich zu vergebenen Literaturpreisen die eine oder andere Anregung erhält, wünsche ich allerseits eine stressfreie Adventszeit und besinnliche “Lese-Weihnachtsfeiertage”.

 

 

4 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. RT @Lesekreis: Geschenktipp: Ausgezeichnete Bücher 2012 zu Weihnachten: Weihnachten steht vor der Tür und die fieberha… http://t.co/W

  2. bin immer wieder froh um Buchbesprechungen, lesen ist Sehnsucht nach Wissen, Erleben, Fühlen.
    Danke

  3. Hm.. ich wollt eigentlich was Anderes fragen: erinnere ich mich falsch oder hattest Du hier irgendwo mal eine witzige Buchstütze? Bräuchte den Tipp jetzt, aber kann ihn nicht mehr finden :-/ Danke!

  4. :lol: aye, aye Madame – bin schon zur Stelle, kann aber gar nicht helfen. Ich weiß, dass ich “witzige” Buchstützen mal auf Facebook geteilt hatte… vielleicht kannst du die dort finden.

Schreibe einen Kommentar