Schloss aus Glas von Jeannette Walls

Schloss aus GlasKurzbeschreibung
Jeannette Walls ist ein glückliches Kind: Ihr Vater geht mit ihr auf Dämonenjagd, holt ihr die Sterne vom Himmel und verspricht ihr ein Schloss aus Glas. Was macht es da schon, mit leerem Bauch ins Bett zu gehen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Wohnort zu wechseln. Doch irgendwann ist das Bett ein Pappkarton auf der Straße, und eine Adresse gibt es schon lange nicht mehr.

Jeannette Walls schildert autobiographisch ihre Kindheit.

„Ich nestelte an meiner Perlenkette und fragte mich, ob ich nicht doch zu elegant für die Party angezogen war, als ich aus dem Taxifenster schaute und Mom sah, die gerade einen Mülleimer durchwühlte“.

So beginnt das Buch von Jeannette Walls, die heute als Kolumnistin in New York lebt und arbeitet. Diese im Bürgertum lebende junge Frau sieht auf dem Weg zu einer Party ihre Mutter, die in einer am Straßenrand abgestellten Mülltonne nach Essensresten sucht. Sie wendet sich ab, da sie sich ihrer schämt. Dies reflektierend fängt sie an ihre Geschichte zu erzählen.

Die Mutter, eine egomanische Pseudo-Künstlerin, mit einem College-Abschluss als Lehrerin, arbeitet nur, wenn es gar nicht mehr anders geht. Sie predigt ihren Kindern stets Unangepasstheit.
Der Vater, ein Mensch mit überspannten Ideen, ein Träumer mit genialen Ideen, die er nie realisiert. Zudem ein Säufer, der in betrunkenem Zustand seine Frau schlägt, die Kinder beklaut und ständig auf der Flucht vor Gläubigern ist.
Intensiv vermitteln die Eltern ihren vier Kindern intellektuelle Werte, lehren sie, die Schönheiten der Natur wahrzunehmen. Jeannette, die Zweitgeborene ist die Lieblingstochter des Vaters. Die Faszination der Eltern in den guten Tagen wird deutlich, aber auch deren stetiger Absturz. Um die jüngste Tochter kümmert sich niemand, sie wird praktisch in der Nachbarschaft groß. Sie haben nie richtig zu essen, das Haus ist baufällig und undicht, Kleidung wird geklaut oder stammt aus dem Second Hand Laden, es gibt keine sanitären Anlagen, im Winter ist nichts da um zu heizen. Gespannt ist man als Leser, wann die Kinder anfangen zu rebellieren und die Zustände in Frage zu stellen. Eins nach dem anderen verlässt schließlich das Elternhaus um in New York Fuß zu fassen.

Jeannette Walls schildert in einem rasanten nie anklagenden, boshaften oder hasserfüllten Ton ergreifend offen und ehrlich ihre Kindheit in Amerika vor fast 40 Jahren. Das Buch ist spannend, irritierend und unbedingt zu empfehlen.

Der schönste erste Satz von Daniel Defoe

Mein eigentlicher Name ist in den Akten und Amtsregistern des Londoner Zuchthauses Newgate und des Londoner Kriminalgerichts Old Bailey leider nicht ganz unbekannt.

Moll Flanders von Daniel Defoe

Daniel DefoeDaniel Defoe, geboren als Daniel Foe vermutlich Anfang 1660 in Bristol, gestorben am 26. April 1731 in London, war ein englischer Schriftsteller, der durch seinen Roman Robinson Crusoe weltberühmt wurde.
Er war Sohn eines Fleischers und wurde streng presbyterianisch erzogen. Obwohl er ursprünglich, nach seines Vaters Willen, Geistlicher werden sollte, schlug er eine Laufbahn als Kaufmann ein.

Die Glaubensrichtung der Presbyterianer ist eine der vier aus der Reformation heraus entstandenen Kirchen und stand v.a. in England in Opposition zur Anglikanischen Kirche, die dort „Staatskirche†œ war. Im Jahre 1673 wurde vom englischen Parlament ein Gesetz verabschiedet, das gegen die Bestrebungen gerichtet war, die Karl II. unternahm, England zu rekatholisieren. Integraler Bestandteil dieses als „Test Act†œ bezeichneten Gesetzes war es, öffentliche Ämter nur mit Angehörigen der Anglikanischen Kirche zu besetzen. Das bedeutete den formalen Ausschluss nicht nur von Katholiken, sondern auch Angehöriger anderer nichtanglikanischer protestantischer Kirchen von Staatsämtern. Des Weiteren wurde von Beamten und Offizieren die Ableistung des Suprematseides verlangt, d.h. die Anerkennung der Oberhoheit des Königs über Kirche und Staat, die klare Ablehnung der Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi (Transsubstantiationslehre), und verlangte von ihnen den Empfang der heiligen Kommunion nach dem Ritus der Anglikanischen Kirche.

Erste Lockerungen dieser Bestimmungen erfolgten im Anschluss an die Glorious Revolution von 1688 durch den Toleration Act, der vornehmlich Baptisten, Kongregationalisten und puritanische Methodisten, die nichts mit der erst im 18. Jahrhundert aufkommenden methodistischen Bewegung zu tun haben, die Ausübung ihrer Religion in eigenen Kirchen mit eigenen Predigern und Lehrern erlaubte; von Parlamenten und politischen Ämtern blieben diese Glaubensrichtungen jedoch ausgeschlossen. Diese religiös motivierten Einschränkungen des Zuganges zu öffentlichen Ämtern existierten bis ins späte 19. Jahrhundert hinein, so blieb beispielsweise den Juden bis 1858 die Ausübung parlamentarischer Funktionen verwehrt.

Erst am 25. April 1719, im Alter von 59 Jahren, veröffentlichte Defoe seinen ersten Roman The Life And Strange Surprizing Adventures Of Robinson Crusoe (Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe), der schlagartig zu seinem bekanntesten und berühmtesten Werk wurde. Inhaltliche Grundlage des Romanes waren die Erlebnisse des Seemannes Alexander Selkirk, der auf einer der Juan-Fernández-Inseln vor der chilenischen Küste ausgesetzt worden war und dort mehr als vier Jahre verbracht hatte. Die zeitgenössischen Berichte darüber dienten dem Journalisten Defoe als Vorlage, die er jedoch so umarbeitete, dass von Authentizität im engeren Sinne keine Rede sein kann. So wurde beispielsweise von Selkirk erzählt, dass er nach seiner relativ kurz währenden Einsamkeit kaum noch sprechen konnte, wogegen Robinson selbst nach 28 Jahren noch fließend zu räsonieren versteht. Neuartig an diesem Roman waren die mit Faktenwissen durchsetzte Darstellung und der journalistische Stil. Weitere Abenteuerromane folgten, darunter Memoirs Of A Cavalier (1720) und Captain Singleton (1720). Wie diese, so trägt auch der 1722 veröffentlichte Roman The Fortunes And Misfortunes Of The Famous Moll Flanders (Glück und Unglück der berühmten Moll Flanders), in dem Defoe die Bekehrung einer Londoner Prostituierten beschreibt, starke Züge seines Glaubens an die Prädestination und die Vorsehung Gottes. Gezeigt werden soll das unglückliche Schicksal derer, die vom rechten Pfad der Tugend abweichen.

Zu Defoes weiteren Arbeiten gehören A Journal Of The Plague Year (Die Pest zu London, 1722), Colonel Jack (1722), Lady Roxana (1724), A Tour Through The Whole Island Of Great Britain (1724- 1727)), A General History Of The Pirates (1724- 1728) und The Complete English Tradesman (1725- 1727). Der Wert seiner publizistischen Schriften wird soeben erst erkannt.

Moll FlandersMoll Flanders
Im berüchtigten Londoner Gefängnis Newgate wird Moll Flanders als uneheliches Kind einer Diebin geboren. Als die Mutter kurz darauf nach Virginia deportiert wird, wächst Moll als Dienstmagd im Hause des Bürgermeisters von Colchester auf. Ihr wechselvolles Schicksal führt sie durch mehrere Ehen und viele Affären, bis sie schließlich zu einer sehr erfolgreichen Diebin wird. Dem Strang nur knapp entgangen, gelangt sie nach Virginia, wo sie von ihrer Mutter eine Plantage erbt und durch ehrliche Arbeit ein kleines Vermögen erwirbt. Kann sie ihr früheres Leben hinter sich lassen?

20 Romane für den Deutschen Buchpreis 2007 nominiert

deutscher BuchpreisDer Deutsche Buchpreis ist mit 37 500 Euro dotiert und wird in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Die Jury hat 20 deutschsprachige Belletristik-Werke nominiert.

„Ohne uns von Prominenz verführen oder von Originalitätsdruck ablenken zu lassen, haben wir eine Auswahl von zwanzig Titeln getroffen, die die außergewöhnliche Vielfalt und Vitalität spiegelt, mit der sich die deutschsprachige Literatur zumal in diesem Herbst präsentiert“, sagte Jury-Sprecherin Felicitas von Lovenberg am Mittwoch in Frankfurt. Insgesamt 117 Titel, die zwischen dem 1. Oktober 2006 und dem 12. September 2007 erschienen sind oder noch erscheinen, wurden von den sieben Jurymitgliedern in den letzten fünf Monaten gesichtet.

Die Themen seien so breit gestreut wie selten, und die Autoren begegneten ihnen mit unterschiedlichsten Erzählweisen, sagte von Lovenberg. Neben renommierten Autoren seien auch weniger bekannte Namen – auch Debütanten – auf der sogenannten Longlist vertreten. Am 12. September werde die Jury eine eingeschränkte Auswahl von nur noch sechs Titeln – die sogenannte Shortlist – veröffentlichen. Wer von den sechs Autoren den Preis erhält, wird erst am Abend der Verleihung bekanntgegeben. Diese sei am 8. Oktober 2007 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse.

Mit dem Deutschen Buchpreis 2007 zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Partner des Deutschen Buchpreises sind Florian und Gabriele Langenscheidt, der «Spiegel»-Verlag, die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis vor allem bei der Medienarbeit im Ausland. Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur übertragen die Preisverleihung live.

2006 erhielt Katharina Hacker für ihren Debütroman „Die Habenichtse“ und 2005 Arno Geiger für seinen Roman „Es geht uns gut“ den Deutschen Buchpreis. Über die unten aufgeführten Buchtitel ist wenig in Erfahrung zu bringen, es gibt bisher kaum Rezensionen, bei einem Buch fehlt sogar das Cover bei Amazon, zumeist sind es Neuerscheinungen, die erst in diesem Monat auf den Markt kommen. Über „Don Juan de la Mancha“ von Robert Menasse gibt es eine nette Vorstellung mit Textauszügen bei Roman Libbertz

Auflistung der Titel in alphabetischer Reihenfolge:

Thommie Bayer: Eine kurze Geschichte vom Glück (Piper, August 2007)
Larissa Boehning: Lichte Stoffe (Eichborn Berlin, August 2007)
Julia Franck: Die Mittagsfrau (S. Fischer, September 2007)
Thomas Glavinic: Das bin doch ich (Hanser, August 2007)
Lena Gorelik: Hochzeit in Jerusalem (SchirmerGraf, März 2007)
Sabine Gruber: Über Nacht (C.H. Beck, Januar 2007)
Peter Henisch: Eine sehr kleine Frau (Deuticke, August 2007)
Michael Köhlmeier: Abendland (Hanser, August 2007)
Katja Lange-Müller: Böse Schafe (Kiepenheuer & Witsch, August 2007)
Michael Lentz: Pazifik Exil (S. Fischer, August 2007)
Harald Martenstein: Heimweg (C. Bertelsmann, Februar 2007)
Pierangelo Maset: Laura oder die Tücken der Kunst (kookbooks, September 2007)
Robert Menasse: Don Juan de la Mancha (Suhrkamp, August 2007)
Martin Mosebach: Der Mond und das Mädchen (Hanser, August 2007)
Mathias Nolte: Roula Rouge (Deuticke, März 2007)
Gregor Sander: abwesend (Wallstein, März 2007)
Arnold Stadler: Komm, gehen wir (S. Fischer, Mai 2007)
Peter Truschner: Die Träumer (Zsolnay, März 2007)
John von Düffel : Beste Jahre (DuMont, August 2007)
Thomas von Steinaecker: Wallner beginnt zu fliegen (FVA, Februar 2007)

Als wir unsterblich waren von Tony Parsons

Als wir alle unsterblich warenKurzbeschreibung
Forever Young 16. August 1977, der Tag, an dem Elvis stirbt. London ist kulturelles Zentrum der Welt, Punk in seiner vollen Blüte. Drei Freunde verbringen zusammen die Nacht ihres Lebens. Am nächsten Morgen ist nichts mehr, wie es war. Terry kommt gerade von einem Kurztrip aus Berlin zurück und wird von Misty am Flughafen erwartet. Sie ist ein Glamour Girl und hat eine Vorliebe für Handschellen mit pinkfarbenem Fell. In Berlin hat sich Terry mit dem Punkrock-Star und Frauenheld Dag Wood angefreundet und kann es kaum erwarten, der angebeteten Misty sein Idol persönlich vorzustellen … Weiterlesen

Die Kunst des Scheiterns von Konstantin Wecker

Konstantin WeckerKurzbeschreibung
»Nicht nur die Stunde war blau, auch unsere Herzen: blau. Keine Alkaloide damals, nicht mal ein Bier. Himbeerlimonade und Waldmeister, einen Kakao im Kaffeehaus, mehr konnten wir uns sowieso nicht leisten. Einzig die wunderliche Komposition der Worte von Heym und Trakl verrückten unsere Welt …« In der Zeit der ersten Ausreißversuche von daheim begann für Konstantin Wecker, den Musiker, Liedermacher, Komponisten und Autor, jene Suche, die immer die gleiche blieb und bleiben wird: die ewige Suche nach dem Paradies. Er suchte es in Büchern, an der Isar und in Italien, bei den Frauen und in der Musik, in allen Extremen. Die Wellen des Erfolgs, sein intensives Leben spülten ihn ganz nach oben und ganz nach unten. War genug nie genug?

Entwaffnend ehrlich und tief berührend schreibt Konstantin Wecker über die Höhen und Tiefen in seinem Leben.