Frauenrechtlerinnen kritisieren Nacktfoto von Simone de Beauvoir

BeauvoirDie Titelseite der Wochenzeitung Le Nouvel Observateur wirbt mit einem bisher unveröffentlichten Nacktfoto von Simone de Beauvoir (19o8 – 1986). Den Abdruck haben französische Frauenrechtlerinnen als „ganz klar reißerisch“ kritisiert. Das Bild stehe dafür, wie Frauenkörper für kommerzielle Zwecke instrumentalisiert würden, begründete die Anwältin Gisèle Halimi, die Präsidentin der Frauenrechtsorganisation Choisir la cause de femmes ihren Protest. Der Verein Choisir la cause des femmes wurde im Juli 1977 von Prominenten, wie Gisèle Halimi (Anwältin), Simone de Beauvoir (Philosophin, Schriftstellerin und erste Präsidentin des Vereins), Jean Rostand (Akademiemitglied), Christiane Rochefort (Schriftstellerin), Jacques Monod (Medizinnobelpreis), gegründet.

Lesung zum 100sten Geburtstag von Simone de Beauvoir

Simone de Beauvoir – Eine moderne Frau

Simone de BeauvoirAm 9. Januar 2008 jährt sich der Geburtstag von Simone de Beauvoir zum 100sten Mal. Die französische Philosophin, Schriftstellerin, Feministin und Chronistin lebte jenseits aller bürgerlicher Konventionen, ihre Beziehung mit Jean-Paul Sartre widersprach jeglichen Rollen- und Beziehungs­modellen ihrer Epoche. Barbara Vinken (Professorin für Romanistik, LMU München), spricht mit Hans-Martin Schönherr-Mann (Professor für Politische Philosophie, LMU München) über sein Buch »Simone de Beauvoir und das andere Geschlecht«.

Lesung und Filmpreview zum 100sten Geburtstag von Simone de Beauvoir mit Barbara Vinken und Hans-Martin Schönherr-Mann im Münchner Literaturhaus am 09. Januar um 20 Uhr.

Um 21 Uhr wird die Filmdokumentation »Simone de Beauvoir – eine moderne Frau. 1908 †“ 1986« von Dominique Gros (ARTE, Frankreich 2007, 52 min. Erstausstrahlung: ARTE, 10.1., 22:35 Uhr) gezeigt.

Veranstalter: ARTE – Medienpartner des Literaturhauses München, Deutscher Taschenbuch Verlag, Stiftung Literaturhaus
Eintritt: Euro 8.- / 6.- (Eintritt zum Film frei)

Unser Mann in Havanna von Graham Greene

Vorgestellt wird ein internationaler Bestseller aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, zu dem der Autor in der Einleitung schreibt:

Bei einem Märchen wie diesem †“ es spielt in der Zukunft, zu unbestimmter Zeit †“ scheint es überflüssig, meinen Gestalten jede Beziehung zu lebenden Personen abzusprechen. Trotzdem möchte ich feststellen, dass keine ihr wirkliches Vorbild hat […].

Die ersten Sätze:

†œSehen Sie den Nigger dort? Er geht eben die Straße entlang.† Dr. Hasselbacher stand in der Wunder-Bar. Er fügte hinzu: †œEr erinnert mich an Sie, Mr. Wormold.† Es war bezeichnend für Dr. Hasselbacher, dass er nach fünfzehn Jahren Freundschaft noch immer die Anrede †˜Mister†™ gebrauchte. Freundschaft ging langsam vonstatten, mit der Unbeirrbarkeit einer sorgfältigen Diagnose. Auf dem Totenbett, wenn Dr. Hasselbacher kam, um seinen erlahmenden Puls zu fühlen, würde Wormold vielleicht Jim werden.

Und noch eine Kost- und Leseprobe:

Eine nackte Birne, die schon viel zu viele Tage und viel zu viele Nächte gebrannt hatte, erhellte den Korridor. Abfallkübel verstellten ihn fast zur Gänze, und ein Neger kehrte mit einem Besen Baumwollabfälle zusammen. Sie waren voll Schmutz: Puder, Lippenstift und zweideutige Dinge. Es roch nach Birnenschnaps. Vielleicht hatte er sich umsonst geängstigt, vielleicht gab es niemanden namens Teresa, doch er wünschte, er hätte keine so volkstümliche Heilige gewählt. Er stieß eine Türe auf, und was er sah, war ein mittelalterliches Inferno †“ Rauch und nackte Weiber.

Graham Greenes Romane wurden wegen ihrer explosiven Mischung aus Abenteuer, Kriminalistik, Erotik und Religiosität zeit seines Lebens heftig diskutiert. Für die einen war er sexbesessen, für die anderen katholisch, die einen sahen seine Werke als Unterhaltungsliteratur, andererseits wurde er lange als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt.

Dass der weitgereiste Spion Greene mehr erlebt hat als jeder andere Schriftsteller des 20. Jahrhunderts gilt hingegen als unbestritten. Vielleicht ist nun, 100 Jahre nach seiner Geburt, die rechte Zeit, den Schriftsteller und Menschen Greene sowie sein reiches Werk neu zu entdecken.

Graham GreeneGraham Greene wurde am 2. Oktober 1904 in Berkhampstead, Hertfordshire, geboren. Sein Großonkel war der Autor der ‚Schatzinsel‘, Robert Louis Stevenson. Da Greene der Sohn des örtlichen Schuldirektors war, behandelten seine Mitschüler ihn als Außenseiter. Er entwickelte einen Hang zum Einzelgängertum, gegen den auch seine beiden Brüder nichts tun konnten. Nach Beendigung der Schule ging Greene nach Oxford und studierte am Balliol College Neuere Geschichte. Seine erste Anstellung war ein Redakteursposten bei der Times in London, danach fand er eine Stelle als Filmkritiker beim Spectator. Die großen Reisen, die er unternahm †“ u.a. nach Westafrika und Asien †“ wurden auch zum Fundus für seine schriftstellerische Tätigkeit. Ein entscheidender Schritt war 1934 sein Übertritt zum Katholizismus. Sein erster Roman, ‚The Man Within‘ (1929, dt. ‚Zwiespalt der Seele‘), beschreibt bereits den Konflikt zwischen Gut und Böse, der im Zentrum von Graham Greenes Werk steht. Man findet ihn in den Kriminalgeschichten wie in den psychologisch ausgerichteten Romanen. Als 1940 ‚The Power and the Glory‘ (dt. ‚Die Kraft und die Herrlichkeit‘) erschien, erhielt Greene dafür den Hawthorne-Preis. Viele halten es für sein vielleicht bestes Werk. Zweimal leitete er Verlage, Mitte der vierziger Jahre Eyre & Spottiswoode und Anfang der sechziger Jahre Bodley Head. Am 3. April 1991 starb Graham Greene in Genf. Er zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts.

Unser Mann in HavannaKurzbeschreibung zu Unser Mann in Havanna
Mr. James Wormold, ein harmloser, biederer, englischer Kaufmann in mittleren Jahren, der in Kuba – kurz vor der Machtergreifung Castros – eine Staubsauger-Vertretung leitet, wird vom britischen Geheimdienst angeworben, das „karibische Agentennetz“ aufzubauen. Er läßt sich darauf ein, unter anderem, um den extravaganten Lebensstil seiner Tochter Seraphina, genannt Milly, zu finanzieren. Weil er jedoch keine Ahnung hat, wie ein Spionagering funktioniert und keine verwertbaren Informationen besitzt, erfindet er diese, schickt fingierte Berichte nach London: Über die Zuckerindustrie, über Unruhen in der Marine, gepfefferte Details aus dem Privatleben hoher Regierungsbeamter. Unverschämt und fröhlich zugleich kassiert er so viele Spesen wie nur möglich, auch jene von erfundenen Agenten. Sein Meisterstück jedoch ist eine Planskizze militärischer Anlagen im Dschungel, die nichts anderes darstellt als einen enorm vergrößerten Staubsauger.
Als seine phantastischen Erfindungen schließlich aufgedeckt werden, gerät unglücklicherweise Mr. Wormolds Phantasiewelt sehr bald mit der Wirklichkeit in Konflikt. Um einer internationalen Blamage zu entgehen, stellt der britische Geheimdienst ihn letztlich zur Fortbildung seiner Mitglieder ein.

Don Farrago am 06. Januar, 2008

Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 2/2008

Platz 1 : Harry Potter und die Heiligtümer des Todes von Joanne K. Rowling
Platz 2 : Die Mittagsfrau von Julia Franck
Platz 3 : Tannöd von Andrea Maria Schenkel
Platz 4 : Tintenherz von Cornelia Funke
Platz 5 : Tintentod von Cornelia Funke
Platz 6 : Tausend strahlende Sonnen von Khaled Hosseini
Platz 7 : Die Frau im Mond von Milena Agus
Platz 8 : Millionär Tommy Jaud
Platz 9 : Die italienischen Schuhe von Hennig Mankell
Platz 10 : Tintenblut von Cornelia Funke

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 2/2008

Platz 1 : Drachenläufer von Khaled Hosseini
Platz 2 : Die Chemie des Todes von Simon Beckett
Platz 3 : Das Gottesgrab von Will Adams
Platz 4 : Zusammen ist man weniger allein von Anna Gavalda
Platz 5 : Das Rätsel von John Katzenbach
Platz 6 : Glennkill von Leonie Swann
Platz 7 : Höhenrausch von Ildikó von Kürthy
Platz 8 : Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafon
Platz 9 : Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier
Platz 10 : Tod auf dem Jakobsweg von Petra Oelker