März 2001: Das Vermächtnis der Eszter – Sándor Márai

Cover Das Vermächtnis der Eszter

Vor zwanzig Jahren hat der Hochstapler Lajos, Eszters große und einzige Liebe, nicht nur sie, sondern auch ihre übrige Familie mit Charme und List bezaubert. Eszter hat es ihm nicht verziehen, daß er ihre Schwester Vilma geheiratet hat. Nun kehrt er zurück, um die tragischen Ereignisse von damals zu klären und die offenen Rechnungen zu begleichen. Bei dieser Gelegenheit kommen drei Briefe zum Vorschein, die für Eszter gedacht waren, die sie aber nie erhalten hatte … Nach dem Welterfolg von Sandor Márais Roman „Die Glut“ ein weiteres Meisterwerk des großen ungarischen Autors.

Sándor MáraiÜber den Autor
Sándor Márai [ˈʃaːndor ˈmaːrÉ’i], geboren am 11. April 1900 in Kaschau, Österreich-Ungarn, gestorben am 22. Februar 1989 in San Diego, USA, war einer der bedeutendsten ungarischen Lyriker, Schriftsteller und Dramatiker der Zwischenkriegszeit. Mit der Neuausgabe seines Romans Die Glut erfuhr er 1998 eine vielbeachtete Renaissance in Deutschland. Márai hatte deutsche Wurzeln und schrieb zunächst auch in deutsch, um ab 1928 nur mehr in ungarischer Sprache zu publizieren. Márai führte nach seiner Emigration aus Ungarn ein Wanderleben, das in Einsamkeit und Depressionen endete.

Eine sehr umfangreiche Biografie gibt es hier bei Wikipedia.

Das Buch eignet sich vorzüglich für Buchbesprechungen bzw. Lesekreise. Auch wenn wir uns fast die „Köpfe eingeschlagen“ hätten, haben wir uns sehr lange damit beschäftigt!

Januar 2001: Liebesleben – Zeruya Shalev

Cover Liebesleben

„Das ist vermutlich die Wurzel der Liebe, allen möglichen Blödsinn zu erzählen, der einem passiert ist, in der Hoffnung, daß auf dem gewundenen Weg vom Mund des einen zum Ohr des anderen die Geschichte ihre Bedeutung bekommen wird, ihre Berechtigung.“ So zumindest die Hoffnung von Ja’ara, der Erzählerin dieses erotischen Romans. Ja’ara ist Dozentin an der Universität von Jerusalem. Ihr scheinbar geregeltes Leben kommt nach der Begegnung mit Arie, einem nach langen Jahren im Ausland nach Israel zurückgekehrten Freund ihres Vaters, vollkommen durcheinander. Vom ersten Moment an verfällt sie der erotischen Anziehungskraft des ebenso rätselhaften wie tyrannischen Egozentrikers. Die bedingungslose Liebe zu Arie bringt sie dazu, auf alles zu verzichten, was ihr Leben bisher ausgemacht hat: die Zukunft mit einem liebevollen, doch harmlos-langweiligen Ehemann, ihre wissenschaftliche Karriere, selbst ihre Vorstellung von Treue und Anstand. Auf der Suche nach dem Sinn ihrer Geschichte, ihres „Liebeslebens“, nimmt Ja’ara eine lange Kette von Demütigungen auf sich, erträgt standhaft Situationen von zum Teil grotesker Komik. Erst ganz zum Schluß eröffnet sich ihr ein überraschender, doch folgerichtiger Ausweg.

Über die Autorin
Zeruya Shalev, hebr. †×¦×¨×•×™×” שלו†Ž, geboren am 13. April 1959 im Kibbuz Kinneret am See Genezareth in Galiläa, Israel, ist eine israelische Schriftstellerin.

Sie ist die Tochter einer Malerin und Kunstdozentin und eines renommierten Literaturkritikers und Bibelgelehrten, sowie eine Cousine des Schriftstellers Meir Shalev. Nach ihrer Militärzeit studierte sie Bibelwissenschaften und arbeitet heute als Schriftstellerin und Verlagslektorin. Sie lebt mit ihrem dritten Mann und zwei Kindern aus verschiedenen Ehen in Jerusalem, wo sie am 29. Januar 2004 bei einem Bombenanschlag erheblich verletzt wurde.

In Deutschland bekannt wurde Zeruya Shalev mit dem ersten Band ihrer Romantrilogie über die moderne Liebe Liebesleben. Hier beschreibt sie die inneren Spannungen einer jungen Frau, die sich in einen älteren Mann, einen Bekannten ihres Vaters, verliebt und in Abhängigkeit zu ihm verfällt. Nach dem Roman haben Maria Schrader und Leila Stieler das Drehbuch für den gleichnamigen Film geschrieben, der am 8. November 2007 Kinostart hatte.

In Mann und Frau wird das Scheitern einer Ehe beschrieben. Die Protagonistin wird nach vielen Jahren gemeinsamen Zusammenlebens überraschend von ihrem Mann verlassen, begreift diese Neuerung als Chance und bleibt mit ihrem Kind vorerst allein zurück.

Der letzte Band ihrer Trilogie, Späte Familie, thematisiert das Scheitern einer Ehe und den Prozess dramatischer Krisen, die letzten Endes die Möglichkeit einer „späten Familie†œ eröffnen.

November 2000: Nach dem Gesetz – Solvej Balle

Cover Nach dem Gesetz
Kurzbeschreibung
Nicholas S. hat eine Obsession. Er will die chemischen Prozesse ergründen, die den Menschen zum aufrechten Gang befähigen. Tanja L. will dem Phänomen Schmerz auf den Grund gehen, mehr noch: ihn am eigenen Leibe erfahren. Sie bricht auf nach Barcelona, der „Hauptstadt des Schmerzes“. René G., der junge Mathematiker, hat nur einen Wunsch: er möchte den „absoluten Nullpunkt menschlichen Lebens“ erreichen. Alette V. zieht Skulpturen den Menschen vor und sehnt sich danach, sich in einen Gegenstand zu verwandeln. Auf verborgene Weise stehen die Figuren in Beziehung zueinander. Wissenschaft und Fantasie greifen in diesem Roman raffiniert ineinander.

Über die Autorin
Solvej Balle wurde 1962 geboren. Sie hat in Dänemark, Frankreich und den USA Literatur und Philosophie studiert. Heute lebt sie mit ihrem Mann, einem Neuro-Pathologen in Kopenhagen. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit ist sie Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift „Den Bla port†œ. Ihr drittes Buch, „Nach dem Gesetz†œ, war in Dänemark ein großer Erfolg und wurde inzwischen in acht Sprachen übersetzt.

Septermber 2000: Am kürzeren Ende der Sonnenallee – Thomas Brussig

Cover Am kürzeren Ende der SonnenalleeKurzbeschreibung
Am kürzeren Ende der Sonnenallee, gleich neben der Berliner Mauer, wohnt Micha Kuppisch. Wenn er aus der Haustür tritt, hört er die Rufe westlicher Schulklassen vom Aussichtspodest: „Guck mal, ’n echter Zoni!“ Micha aber hat eine andere Sorge: Miriam. Sie ist das schönste Mädchen weit und breit, doch leider schon vergeben. Pointenreich erzählt Thomas Brussig, wie im Schatten der Mauer auch die Sonne schien. Miriam, Micha und seine Freunde lieben und lachen, tricksen und träumen. Sie hören Jimi Hendrix, angeln Liebesbriefe aus dem Todesstreifen und erschaffen sich erfindungsreich ihre eigene Welt. Und erst später wird ihnen klar, dass sie unheimlich komisch waren.

Über den Autor
Thomas Brussig, geboren am 19. Dezember 1965 in Berlin, ist ein deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor.

Er verbrachte seine Kindheit im Ostteil seiner Heimatstadt. Nach Besuch der Heinrich-Hertz-Schule begann er eine Berufsausbildung zum Baufacharbeiter, die er 1984 zusammen mit dem Abitur abschloss. Danach folgte der Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee. Während dieser Zeit machte er die Erfahrung, dass er sich mit seinem Dienst an der Waffe überhaupt nicht identifizieren konnte und verlebte eine unangenehme Zeit. Bis 1990 arbeitete er als Museumspförtner, Tellerwäscher, Reiseleiter, Hotelportier, Fabrikarbeiter und Fremdenführer. 1990 begann er ein Soziologie-Studium an der Freien Universität Berlin, wechselte allerdings 1993 an die Filmhochschule „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg, wo er im Jahr 2000 als Diplom Film- und Fernsehdramaturg seinen Abschluss machte. Während dieser Zeit lernte er auch seine spätere Frau Kirstin Ziller kennen.

Thomas Brussig ist ein international angesehener deutscher Autor, seine Bücher wurden bisher in 28 Sprachen übersetzt und waren fast allesamt Bestseller. Er erhielt einige Auszeichnungen und Preise, ist Mitglied verschiedener Jurys, hält weltweit Vorträge und arbeitet als Dozent an in- und ausländischen Universitäten und Hochschulen, er ist auch Gründungsmitglied der Lübecker „Gruppe 05“. Thomas Brussig ist verheiratet und lebt als freiberuflicher Schriftsteller und Drehbuchautor in Berlin und Mecklenburg.

Für das Drehbuch zu Sonnenallee von Leander Haußmann erhielt er unter anderem den Drehbuchpreis der Bundesregierung. Unter dem Titel Am kürzeren Ende der Sonnenallee ist der Roman erschienen. Auch sein Roman Helden wie wir wurde verfilmt, als Hörspiel produziert und fürs Theater dramatisiert. Auch für den 2005 in die Kinos gekommenen Film NVA von Leander Haußmann schrieb Thomas Brussig das Drehbuch. Zusammen mit Edgar Reitz schrieb er das Buch zur ARD-Reihe Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende.

Juli 2000: Mein Herz so weiß – Javier Marías

Der erste Satz aus Mein Herz so weiß:

Ich wollte es nicht wissen, aber ich habe es erfahren, daß eines der Mädchen, als es kein Mädchen mehr war, kurz nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise das Badezimmer betrat, sich vor den Spiegel stellte, die Bluse aufknöpfte, den Büstenhalter auszog und mit der Mündung der Pistole ihres eigenen Vaters, der sich mit einem Teil der Familie und drei Gästen im Eßzimmer befand, ihr Herz suchte.

Javier MaríasJavier Marías Franco, geboren am 20. September 1951 in Madrid, ist ein spanischer Schriftsteller.

Er wurde als viertes von fünf Kindern in Madrid geboren. Seine Mutter Dolores Franco Manera war Lehrerin, der Vater Julián Marías Aguilera Philosoph.

Da der Vater sich zu republikanischer Politik bekannte, wurde er vom Franco-Regime verfolgt, zeitweilig ins Gefängnis gesperrt und mit einem Berufsverbot belegt. Er reiste mehrfach in die USA und lehrte dort an Universitäten, so beispielsweise an der Universität Yale oder am Wellesley College. Die Familie begleitete ihn oft, so dass Javier Marías teilweise in den USA aufwuchs. Die Familie lebte zweitweilig im Haus des berühmten spanischen Schriftstellers Jorge Guillén, wo sie auch Bekanntschaft mit dem ebenfalls dort lebenden Vladimir Nabokov machte.

1959 kehrten die Eltern nach Madrid zurück, wo Javier Marías in der Folgezeit eine gute Erziehung erhielt, teils an der liberalen Schule Colegio Estudio, teils zu Hause von den Eltern, von deren intellektuellem Umgang er profitierte.

Schließlich ging er 1968 an die Universität Complutense Madrid, wo er sich für Literaturwissenschaft und Philosophie einschrieb. 1973 schloss er sein Studium mit der Licencia ab.

Während seiner Universitätszeit gehörte der Autor einer kommunistischen Gruppierung an, distanzierte sich aber später davon und betonte seine politische Unabhängigkeit. Andererseits setzte er sich im Parlamento International de Escritores für Schriftstellerkollegen ein, beispielsweise während der Balkankriege und bzgl. des Tschetschenienkriegs.

Sein erstes Geld verdiente er mit Übersetzungen und Kurzauftritten in Filmen seines Onkels Jesús Franco, der Regisseur war.

Von 1974 bis 1978 lebte er in Barcelona und arbeitete für das Verlagshaus Alfaguara. Später zog er wieder nach Madrid. Er schrieb an eigenen Werken (Romane und Erzählungen), übersetzte, vor allem aus dem Englischen und veröffentlichte Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Für die Übersetzung des Tristram Shandy von Laurence Sterne erhielt er 1979 den Preis Premio Nacional de Traducción.

1983 ging Marías nach Oxford, wo er Unterricht in spanischer Literatur und Übersetzung erteilte. Im Jahr darauf unterrichtete er wie sein Vater am Wellesley College in Boston. Ab 1986 lebte und arbeitete er in Venedig. Seit 1987 befindet er sich meist in Madrid und unterrichtet an der Universität Complutense Madrid.

Marías ist bekennender Anhänger des Fußballvereins Real Madrid.

Werke

Mit elf Jahren begann Marías Geschichten zu schreiben und mit fünfzehn hatte er seinen ersten Roman La vispera fertiggestellt, der nie veröffentlicht wurde.

1968 brachte die Zeitung El Noticiero Universal und seine erste Kurzgeschichte La vida y la muerte de Marcelino Iturriago heraus.

Im Sommer 1969 schrieb er in Paris seinen zweiten Roman Los dominios del Lobo, der 1971 veröffentlicht wurde. Im nächsten Jahr lernte er den Schriftsteller Juan Benet kennen und schloss sich dessen Autorenkreis an.

Mit dem Roman El hombre sentimental (1986) gewann er im Erscheinungsjahr des Werks den Preis Premio Herralde de Novela.

Der 1992 erschienene Roman Corazón tan blanco (Mein Herz so weiß) wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt (deutsch 1996) und zu einem Welterfolg. In Deutschland lobte Marcel Reich-Ranicki das Buch in der Fernsehsendung Das Literarische Quartett. Auch sein nächster Roman Mañana en la batalla piensa en mí (1994, Morgen in der Schlacht denk an mich) heimste Lorbeeren ein, z.B. in Le Monde. Für beide Bücher wurden ihm zahlreiche Preise zugesprochen. Außerdem erhielt er beispielsweise 1997 den Nelly-Sachs-Preis für sein Gesamtwerk verliehen.

Cover Mein Herz so weißKurzbeschreibung
Eine junge Frau erhebt sich vom Tisch, geht ins Bad, knöpft ihre Bluse auf und erschießt sich. Diese dunkle Szene, von der der Ich-Erzähler nur gehört hat, läßt ihm keine Ruhe mehr. Die junge Frau war seine Tante, die Schwester seiner Mutter, die Frau, die sein Vater vor seiner Mutter geheiratet hatte. Vierzig Jahre später ist der Erzähler selbst verheiratet. Dunkle Vorahnungen und nebensächliche Ereignisse beunruhigen ihn. Der Ich-Erzähler ist Dolmetscher und leidet an einer »déformation professionelle«, die ihn dazu zwingt, jedes Detail zu registrieren und zu interpretieren: die kleinen, scheinbar unbedeutenden Dinge im Leben zu zweit und auch jene Details, die ihm nach und nach mehr über die Ereignisse vor seiner Geburt verraten, als ihm lieb ist. Javier Marías, 1951 in Madrid geboren, gilt als einer der bedeutendsten Schrift-steller Spaniens. Sein umfangreiches Werk ist in acht Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.