August 2025: Annette, ein Heldinnenepos von Anne Weber

Am 09. August 2025 besprechen wir im Lesekreis Annette, ein Heldinnenepos von Anne Weber. Wir treffen uns um 20 Uhr bei Hanne und Henry.

Kurzbeschreibung: Was für ein Leben! Geboren 1923 in der Bretagne, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher – wofür sie von Yad Vashem später den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ erhalten wird –, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements aufseiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung … und noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams.

Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne Beaumanoir in einem brillanten biografischen Heldinnenepos. Die mit großer Sprachkraft geschilderten Szenen werfen viele Fragen auf: Was treibt jemanden in den Widerstand? Was wird dafür geopfert? Wie weit darf man gehen? Was kann man erreichen? Annette, ein Heldinnenepos erzählt von einer wahren Heldin, die uns etwas angeht.

Der Roman umfasst 207 Seiten. Er erschien im Februar 2020 bei Matthes & Seitz Berlin.

Über die Autorin: Anne Weber, 1964 in Offenbach geboren, lebt seit 1983 als freie Autorin und Übersetzerin in Paris. Sie hat sowohl aus dem Deutschen ins Französische übersetzt (u. a. Sibylle Lewitscharoff, Wilhelm Genazino) als auch umgekehrt (Pierre Michon, Marguerite Duras). Ihre eigenen Bücher schreibt sie sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache. Ihre Werke wurden u. a. mit dem Heimito von Doderer-Literaturpreis, dem 3sat-Preis, dem Kranichsteiner Literaturpreis, dem Johann-Heinrich-Voß-Preis und dem Solothurner Literaturpreis 2024 ausgezeichnet. 2024 erhielt sie außerdem den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis. Für ihr Buch Annette, ein Heldinnenepos wurde Anne Weber mit dem Deutschen Buchpreis 2020 ausgezeichnet.

Juni 2025: Seemann vom Siebener von Arno Frank

Am 28.06.2025 besprechen wir Seemann vom Siebener von Arno Frank. Wir treffen uns um 20 Uhr bei Tine und Markus.

Kurzbeschreibung: Ein Sommertag, der das ganze Leben erzählt.
Es ist heiß. Freibadwetter. Da sind das Schwimmbecken, die Liegewiese und der Sprungturm mit dem Siebener, der gesperrt ist seit dem Unglück damals. Aber die Vergangenheit lässt sich nicht ewig abriegeln. Das weiß Kiontke, der Bademeister, so gut wie alle anderen hier. Wie Joe und Lenny, oder Isobel, die immer mehr im Gestern lebt. Für sie alle ist das Freibad ein Ort, der ihren Lebensweg bestimmt. Mit feinem Humor und großem Einfühlungsvermögen erzählt Arno Frank vom Weggehen und Zurückkommen, vom Bleiben und der Suche nach dem Glück. Ein Buch, so leuchtend wie der letzte Spätsommertag. 

Brütende Hitze. Die halbe Stadt ist im Freibad. Da ist Kiontke, der Bademeister, der noch immer am Beckenrand steht, auch wenn die Leute meinen, dass es ihn eigentlich hätte umhauen müssen, dieses Unglück damals. Da ist Renate, die hinter der Kasse sitzt und zu viel raucht und die zwei, vier, acht Sachen an Kiontke mag, was sie natürlich niemals zugeben würde. Joe wiederum versucht anzuschwimmen gegen das Loch in ihrem Leben und die ungebetenen Erinnerungen. Lennart hat es aus der großen Welt hierher zurückverschlagen, zurück zu den Anfängen und zu Joe. Da ist Isobel, die das Freibad schon kannte, als es das Freibad noch gar nicht gab, und da ist ein Mädchen, das den Seemann machen will, erst vom Dreier, dann vom Fünfer, und schließlich vom Siebener – aber der ist gesperrt, seit Jahren schon, seit dieser Katastrophe damals, die wie ein fernes Donnergrollen unter diesem flirrenden Sommertag liegt.

Über den Autor: Arno Frank, geboren 1971, ist Publizist und arbeitet als freier Journalist vor allem für den SPIEGEL, die taz und den Deutschlandfunk. Er lebt in Wiesbaden. Zuletzt erschienen von ihm die Romane So, und jetzt kommst du (2017) und Seemann vom Siebener (2023).

April 2025: Baumgartner von Paul Auster

Am 12. April 2025 besprechen wir im Lesekreis Baumgartner von Paul Auster. Wir treffen uns um 20 Uhr bei Tine und Markus.

Kurzbeschreibung: Professor Seymour T. Baumgartner, unter Freunden Sy, ist ein über siebzigjähriger emeritierter Phänomenologe aus Princeton, der sich dem Schreiben philosophischer Bücher und, zunehmend, seinen Jugendreminiszenzen widmet: seiner kleinbürgerlichen Herkunft aus Newark; der schwierigen Ehe der Eltern, dem Collegebesuch und einem Studienaufenthalt in Paris; schließlich der wie ein Blitz einschlagenden Liebe zur Übersetzerin und Dichterin Anna, mit der er die glücklichsten Jahre verbrachte, bevor sie vor zehn Jahren einem Badeunfall zum Opfer fiel.

Annas Tod hat ein tiefes Loch in seinem Leben hinterlassen, das aller Pragmatismus, alle Selbstironie nicht füllen kann. Denn Anna war wirklich das, was man seine bessere Hälfte nennt. Eines Tages, um sich zu trösten, wagt Sy sich endlich in ihr Arbeitszimmer, das er seit ihrem Tod nicht betreten hat.

Der Roman umfasst 208 Seiten und ist im November 2023 im Rowohlt Verlag erschienen.

Über den Autor: Paul Auster (* 1947 in Newark, New Jersey; † 2024 in New York City) war einer der bedeutendsten und einflussreichsten US-amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart. In seinem Werk brach er meisterhaft mit klassischen Erzählmustern und etablierte sich als prägende Stimme der amerikanischen postmodernen Literatur, die philosophische Tiefe mit spielerischen Form-Experimenten, Elementen des Kriminalromans und feinem Humor verbindet. Bis zu seinem Tod lebte der Bestsellerautor im New Yorker Stadtteil Brooklyn, der in vielen seiner berühmtesten Romane heimlicher Hauptdarsteller ist. In deutschsprachiger Übersetzung erscheint sein umfangreiches und vielfach preisgekröntes Werk exklusiv im Rowohlt Verlag.

März 2025: Zeit der Schuld von Deepti Kapoor

Am 23.03.2025 besprechen wir im Lesekreis Zeit der Schuld von Deepti Kapoor in der deutschen Übersetzung von Astrid Finke. Wir treffen uns um 20 Uhr bei Tine und Markus.

Kurzbeschreibung: Geboren in einem kleinen Dorf im nördlichen Indien wird Ajay als Kind seiner Familie entrissen und an ein kinderloses Ehepaar verkauft. Von früh bis spät arbeitet er in der Landwirtschaft des Ehepaars, er lernt lesen und schreiben, lernt zu beobachten – und er lernt zu dienen.

Als sein Dienstherr stirbt, findet Ajay Arbeit in einem Café – und dort macht er eine schicksalsweisende Bekanntschaft: Sunny Wadia, Abkömmling des einflussreichen Wadia-Clans, verbringt dort mit seinen Freunden das Wochenende. Ajay wird Sunnys rechte Hand und nicht nur in die politischen Machenschaften der Wadias, sondern auch in die verbotene Liebesbeziehung zwischen Sunny und der Journalistin Neda hineingezogen. Er würde für Sunny alles tun – ohne zu ahnen, dass sein größter Loyalitätsbeweis Sunny, Neda und ihn selbst in eine Spirale der Gewalt verstricken wird …

Über die Autorin: Deepti Kapoor, geboren 1980 in Moradabad, Uttar Pradesh, studierte Journalismus in Neu Delhi und arbeitete zehn Jahre lang als Journalistin. 2014 erschien ihr Romandebüt A BAD CHARACTER über weibliches Begehren in einer restriktiven, konservativen, zutiefst frauenfeindlichen Gesellschaft. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Goa lebt Kapoor nun in Portugal. ZEIT DER SCHULD ist das erste Buch der Autorin, das auf Deutsch erscheint.

Der Roman umfasst 688 Seiten und ist im März 2023 im Karl Blessing Verlag erschienen.

Januar 2025: Auerhaus von Bov Bjerg

Am 25. Januar 2025 besprechen wir im Lesekreis Auerhaus von Bov Bjerg. Wir treffen uns um 20.30 Uhr bei Elisabeth und Ibra.

Kurzbeschreibung: Sechs Freunde und ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht in Ordnern mit der Aufschrift Birth – School – Work – Death abgeheftet werden. Deshalb ziehen sie gemeinsam ins Auerhaus. Eine Schüler-WG auf dem Dorf – unerhört. Aber sie wollen nicht nur ihr Leben retten, sondern vor allem das ihres besten Freundes Frieder. Denn der ist sich nicht so sicher, warum er überhaupt leben soll.

Bov Bjerg erzählt mitreißend und einfühlsam von Liebe, Freundschaft und sechs Idealisten, deren Einfallsreichtum nichts weniger ist als Notwehr gegen das Vorgefundene. Denn ihr Ringen um das Glück ist auch ein Kampf um Leben und Tod.

Über den Autor: Bov Bjerg, geboren 1965, ist Schriftsteller und Vorleser. Sein Bestseller „Auerhaus“ und die Geschichtensammlung „Die Modernisierung meiner Mutter“ erschienen bei Blumenbar. Sein Roman „Serpentinen“ war 2020 für den Deutschen Buchpreis nominiert; „Deadline“, sein erster Roman, erschien 2021 neu.  Alle Bücher sind auch als E-Book und als Hörbuch lieferbar. Mehr zum Autor unter bjerg.de