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Juli 2000: Mein Herz so weiß – Javier Marías

1. Juli 2000 | Von | Kategorie: Bücher, Bücher aus dem Lesekreis, Der schönste erste Satz

Der erste Satz aus Mein Herz so weiß:

Ich wollte es nicht wissen, aber ich habe es erfahren, daß eines der Mädchen, als es kein Mädchen mehr war, kurz nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise das Badezimmer betrat, sich vor den Spiegel stellte, die Bluse aufknöpfte, den Büstenhalter auszog und mit der Mündung der Pistole ihres eigenen Vaters, der sich mit einem Teil der Familie und drei Gästen im Eßzimmer befand, ihr Herz suchte.

Javier MaríasJavier Marías Franco, geboren am 20. September 1951 in Madrid, ist ein spanischer Schriftsteller.

Er wurde als viertes von fünf Kindern in Madrid geboren. Seine Mutter Dolores Franco Manera war Lehrerin, der Vater Julián Marías Aguilera Philosoph.

Da der Vater sich zu republikanischer Politik bekannte, wurde er vom Franco-Regime verfolgt, zeitweilig ins Gefängnis gesperrt und mit einem Berufsverbot belegt. Er reiste mehrfach in die USA und lehrte dort an Universitäten, so beispielsweise an der Universität Yale oder am Wellesley College. Die Familie begleitete ihn oft, so dass Javier Marías teilweise in den USA aufwuchs. Die Familie lebte zweitweilig im Haus des berühmten spanischen Schriftstellers Jorge Guillén, wo sie auch Bekanntschaft mit dem ebenfalls dort lebenden Vladimir Nabokov machte.

1959 kehrten die Eltern nach Madrid zurück, wo Javier Marías in der Folgezeit eine gute Erziehung erhielt, teils an der liberalen Schule Colegio Estudio, teils zu Hause von den Eltern, von deren intellektuellem Umgang er profitierte.

Schließlich ging er 1968 an die Universität Complutense Madrid, wo er sich für Literaturwissenschaft und Philosophie einschrieb. 1973 schloss er sein Studium mit der Licencia ab.

Während seiner Universitätszeit gehörte der Autor einer kommunistischen Gruppierung an, distanzierte sich aber später davon und betonte seine politische Unabhängigkeit. Andererseits setzte er sich im Parlamento International de Escritores für Schriftstellerkollegen ein, beispielsweise während der Balkankriege und bzgl. des Tschetschenienkriegs.

Sein erstes Geld verdiente er mit Übersetzungen und Kurzauftritten in Filmen seines Onkels Jesús Franco, der Regisseur war.

Von 1974 bis 1978 lebte er in Barcelona und arbeitete für das Verlagshaus Alfaguara. Später zog er wieder nach Madrid. Er schrieb an eigenen Werken (Romane und Erzählungen), übersetzte, vor allem aus dem Englischen und veröffentlichte Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Für die Übersetzung des Tristram Shandy von Laurence Sterne erhielt er 1979 den Preis Premio Nacional de Traducción.

1983 ging Marías nach Oxford, wo er Unterricht in spanischer Literatur und Übersetzung erteilte. Im Jahr darauf unterrichtete er wie sein Vater am Wellesley College in Boston. Ab 1986 lebte und arbeitete er in Venedig. Seit 1987 befindet er sich meist in Madrid und unterrichtet an der Universität Complutense Madrid.

Marías ist bekennender Anhänger des Fußballvereins Real Madrid.

Werke

Mit elf Jahren begann Marías Geschichten zu schreiben und mit fünfzehn hatte er seinen ersten Roman La vispera fertiggestellt, der nie veröffentlicht wurde.

1968 brachte die Zeitung El Noticiero Universal und seine erste Kurzgeschichte La vida y la muerte de Marcelino Iturriago heraus.

Im Sommer 1969 schrieb er in Paris seinen zweiten Roman Los dominios del Lobo, der 1971 veröffentlicht wurde. Im nächsten Jahr lernte er den Schriftsteller Juan Benet kennen und schloss sich dessen Autorenkreis an.

Mit dem Roman El hombre sentimental (1986) gewann er im Erscheinungsjahr des Werks den Preis Premio Herralde de Novela.

Der 1992 erschienene Roman Corazón tan blanco (Mein Herz so weiß) wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt (deutsch 1996) und zu einem Welterfolg. In Deutschland lobte Marcel Reich-Ranicki das Buch in der Fernsehsendung Das Literarische Quartett. Auch sein nächster Roman Mañana en la batalla piensa en mí (1994, Morgen in der Schlacht denk an mich) heimste Lorbeeren ein, z.B. in Le Monde. Für beide Bücher wurden ihm zahlreiche Preise zugesprochen. Außerdem erhielt er beispielsweise 1997 den Nelly-Sachs-Preis für sein Gesamtwerk verliehen.

Cover Mein Herz so weißKurzbeschreibung
Eine junge Frau erhebt sich vom Tisch, geht ins Bad, knöpft ihre Bluse auf und erschießt sich. Diese dunkle Szene, von der der Ich-Erzähler nur gehört hat, läßt ihm keine Ruhe mehr. Die junge Frau war seine Tante, die Schwester seiner Mutter, die Frau, die sein Vater vor seiner Mutter geheiratet hatte. Vierzig Jahre später ist der Erzähler selbst verheiratet. Dunkle Vorahnungen und nebensächliche Ereignisse beunruhigen ihn. Der Ich-Erzähler ist Dolmetscher und leidet an einer »déformation professionelle«, die ihn dazu zwingt, jedes Detail zu registrieren und zu interpretieren: die kleinen, scheinbar unbedeutenden Dinge im Leben zu zweit und auch jene Details, die ihm nach und nach mehr über die Ereignisse vor seiner Geburt verraten, als ihm lieb ist. Javier Marías, 1951 in Madrid geboren, gilt als einer der bedeutendsten Schrift-steller Spaniens. Sein umfangreiches Werk ist in acht Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

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