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Münchner Bücherschau: Lesung am 17.11.07 – Sturmflut von Margriet de Moor

22. Oktober 2007 | Von | Kategorie: Bücher, Lesungen, Termine

SturmflutKurzbeschreibung
Im Januar 1953 verschlang die Nordsee weite Teile der Niederlande; nahezu 2000 Menschen starben bei der Flutkatastrophe, hunderte wurden vermisst. Lidy ist eine von ihnen. Auf Drängen ihrer Schwester Armanda willigt sie in einen zweitägigen Rollentausch ein, fährt an Armandas statt zu einer Familienfeier auf die Inseln, während Armanda sich in Amsterdam um Lidys kleine Tochter und ihren attraktiven Mann kümmern will. Und nun kommt alles ganz anders. Lidy gerät in jene Sturmflut, die einen Teil Hollands für immer von der Landkarte tilgen wird. Margriet de Moor erzählt fesselnd und detailgetreu von den dramatischen 36 Stunden, die Lidy mit Schicksalsgenossen bei den berstenden Deichen, auf dem Dachboden eines umspülten Hauses und in den eiskalten Fluten des Meeres erlebt. Parallel dazu führt sie aus, wie Armanda mit schlechtem Gewissen in Lidys durchschnittliches Leben schlüpft und es über Jahrzehnte weiterführt – bis beide Erzählstränge sich beim Tod der Schwestern treffen. Der Ton ist dabei nüchtern und sachlich; selbst der Verlust der Tochter oder bittere Selbstvorwürfe werden nicht analysiert, sondern nur dargelegt und als gegeben akzeptiert. Ein sehr nordischer Roman: tief, dunkel und aufwühlend wie die Nordsee bei Sturm.

Margriet de Moor
Biographie

Margriet de Moor wurde als Margaretha Maria Antonetta Neefjes am 21. November 1941 in Noordwijk geboren. Die Familie, in der sie aufwuchs, war kinderreich und katholisch. Der Vater war Schulleiter der örtlichen Volksschule (ULO), die Mutter Französischlehrerin. „Ich komme aus einer großen Familie mit zehn Kindern, davon sieben Mädchen“, erzählte De Moor in einem Interview mit dem Leeuwarder Courant. „Ich schlief oft mit meinen Schwestern in einem Zimmer, meistens sogar im selben Bett. Ich hatte dadurch eine sehr intimes und lockeres Verhältnis zu ihnen. Wenn es gut geht, können Schwestern unglaublich solidarisch sein. In guten und in schlechten Momenten.“ Das Schwesternthema kommt häufig in De Moors Werk vor, unter anderem in dem Roman „Der Virtuose“ (1993, deutsch 1994): Dort hat die Hauptfigur Carlotta eine sehr leichtsinnige ältere Halbschwester, die ihre Gedanken lesen kann.

Margriet de Moor studierte Piano und Sologesang am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Ab 1968 trat sie regelmäßig als Sängerin im Rahmen eines Avantgarde-Repertoires auf. Ende der siebziger Jahre begann sie ein Studium der Kunstgeschichte und der Archäologie an der Universität Amsterdam. Sie heiratete den Bildhauer Heppe de Moor, bekam zwei Töchter und eröffnete mit Ihrem Mann 1984 in `s-Graveland einen Kunstsalon. Für die dortigen sehr erfolgreichen Veranstaltungen produzierte sie Videoporträts der ausstellenden bildenden Künstler.

Margriet de Moor las viel. „Jahrelang hatte ich gedacht, nur eine Leserin zu sein. Eine Leserin mit einer Vorliebe für möglichst dicke Romane“, schrieb sie über diese Zeit in „Ich träume also“ (1995, deutsch 1996). „Bis eines Tages das Lesen ein Ausweiten zu seinem anderem Ich einforderte. Daraufhin setzte ich mich in einer Stimmung, die ich nicht anders als eine Kombination zwischen Arbeitslust und Leere beschreiben kann, in ein ungenutztes Zimmer oben im Haus.“

Margriet de Moor ist am 17.11.07 zu Gast bei der Münchner Bücherschau. Sie liest ab 19 Uhr in der Black Box. Die Karten kosten 10 Euro.

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