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Shortlist zum Internationalen Literaturpreis

12. September 2009 | Von | Kategorie: Lesekreis

Haus der KulturenDas Haus der Kulturen der Welt und die Stiftung Elementarteilchen vergeben 2009 erstmals den “Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt” für zeitgenössische Erzählliteratur in deutscher Erstübersetzung.

Insgesamt haben sich 81 Verlage mit 131 Titeln beworben. Werke von Autoren aus 53 Ursprungsländern, übersetzt aus 33 Sprachen, wurden eingereicht.

Aus den eingesandten Titeln und einem vielsprachigen und vielgestaltigen Spektrum aktueller Erzählstimmen hat die Jury (Christian Döring -Lektor und Kritiker, Prof. Dr. Ottmar Ette – Literaturwissenschaftler, Universität Potsdam, Sigrid Löffler – Kritikerin, Moderatorin und Publizistin, Katharina Narbutovic – Leiterin Berliner Künstlerprogramm des DAAD, Peter Ripken – Programmleiter Internationales Zentrum Frankfurter Buchmesse, Dr. Susanne Stemmler – Programmleiterin Literatur am Haus der Kulturen der Welt, Jan Szlovak – Vorstandsvorsitzender Stiftung Elementarteilchen) nun die Shortlist für 2009 ermittelt.

Der Preis würdigt mit 25 000 Euro das Werk des Autors und mit 10 000 Euro das des Übersetzers.

Die Preisverleihung findet am 30. September 2009 um 19.30 Uhr in Anwesenheit der Preisträger im Haus der Kulturen der Welt mit Ilija Trojanow als Festredner, Anna Thalbach (Lesung) und Wilfried F. Schoeller (Moderation) statt.

Die Shortlist 2009 in alphabetischer Reihenfolge:

Alarcón, Daniel: Lost City Radio

Lost City Radio1Wagenbach 2008; aus dem Amerikanischen übersetzt von Friederike Meltendorf (Lost City Radio, HarperCollins 2007)

Kurzbeschreibung
Eine Frau, deren Stimme einem verwüsteten Land die Hoffnung zurückgibt, ein Kind ohne Eltern und die Geschichte einer entzweiten Liebe – “Lost City Radio” ist das großartige, universelle Porträt eines Landes zwischen Repression und Bürgerkrieg.
In einem Land, Jahre nach dem Ende eines blutigen Bürgerkriegs, regiert das Vergessen. Die alten Sprachen sind verboten, die Ortsnamen durch Zahlen ersetzt und die Erinnerungen an die Besiegten ausradiert.
Eine Frau jedoch, Norma, leistet mit ihrer unverwechselbaren Stimme subtilen Widerstand: Sie moderiert die Radiosendung »Lost City Radio«, in der die Zuhörer nach ihren Vermissten suchen können.
Eines Tages taucht im Sender ein Junge aus einem Dschungeldorf auf, Victor, mit einer Liste von Verschollenen und Toten, auf der auch der Name von Normas verschwundenem Mann Rey steht. Norma beginnt, die Wahrheit zu suchen und die Bausteine ihrer Vergangenheit zusammenzusetzen. Was weiß sie von Rey? Wer war er? Ethnobotaniker oder Untergrundkämpfer oder beides?
Ein ergreifender Roman und eine große Parabel eines nachdenklichen jungen Autors.

Doulatabadi, Mahmud: Der Colonel

Der ColonelUnionsverlag 2009 , aus dem Persischen übersetzt von Bahman Nirumand (Sawal-e Colonel, weltweite Erstveröffentlichung)

Kurzbeschreibung
Eine pechschwarze Regennacht in einer iranischen Kleinstadt, ein altes Haus. Der Colonel hängt seinen Gedanken nach.
Erinnerungen stürmen auf ihn ein. An seine Jahre als hochdekorierter Offizier der Schah-Armee. An seine Kinder, die ihren eigenen Weg gingen, sich den Revolutionsgardisten Khomeinis angeschlossen haben und in den Krieg zogen, in die Leidenschaften der Revolution und des Todes. Durch die
Gassen werden die gefallenen »Märtyrer« getragen, in der Stadt werden ihnen Denkmäler gebaut. Es herrscht Krieg »diese giftige, fleischfressende Pflanze«. Und im Haus sind Geheimnisse verborgen: Ein Sohn versteckt sich im Keller, gepeinigt von den Albträumen seiner Erinnerungen. Da klopft es an die Tür. Der Colonel wird abgeführt, zur Staatsanwaltschaft.

Hage, Rawi: Als ob es kein Morgen gäbe

als ob es kein Morgen gäbeDuMont Verlag 2009 , aus dem Amerikanischen übersetzt von Gregor Hens (De Niro’s Game, Anansi Press 2006)

Kurzbeschreibung
Eine bewegende Geschichte, ein singuläres Buch
Bassam und sein bester Freund George, den alle nur De Niro nennen, ziehen durch das Bürgerkriegs-Beirut der achtziger Jahre. In ihrer Kindheit sammelten sie gemeinsam Kugeln und Granathülsen in den Ruinen, um sie gegen Zigaretten einzutauschen. Seitdem sind zehntausend Bomben auf Beirut gefallen. Heute sind sie Teenager und haben Eltern und Geschwister, Nachbarn und Freunde verloren. Sie sind Überlebenskünstler, die ihren Anteil am Glück fordern. Sie ergaunern sich Geld, sie verlieben sich, sie fangen an zu leben. Aber während Bassam davon träumt, nach Rom zu gehen, wo »sogar die Tauben glücklich und gut genährt wirken«, schließt De Niro sich einer christlichen Miliz an, um zu kämpfen. Bassam weigert sich, und eins ist klar: Er muss fliehen. Aber auf dem Weg zum Schiff in die Freiheit fängt De Niro ihn ab.
“Dass dieser Roman sein sein erstes Buch sein soll, ist schwer zu glauben, so perfekt ist es gebaut, so reich an Stimmen, Themen, Tonlagen. Dass Hage damit den IMPAC-Award gewann, den höchstdotierten Literaturpreis für ein Einzelwerk, gegen Philip Roth und Thomas Pynchon, hat nichts mit Glück zu tun, sondern mit der Wucht seines Stils: Hage montiert seinen Roman in schnellen Szenen, fast als seis’s ein Filmdrehbuch. Gleichzeitig ist sein Stil hochpoetisch und es ist immer wieder merkwürdig, wie er das hinkriegt, die harte Lakonie und das Lyrische, als würde Clint Eastwood durch seine zusammengebissenen Kiefer das alttestamentarische Hohelied zitieren.” (Süddeutsche Zeitung)

Hemon, Aleksandar: Lazarus

LazarusKnaus Verlag 2009 , aus dem Amerikanischen übersetzt von Rudolf Hermstein (The Lazarus Project, Riverhead Books 2008)

Kurzbeschreibung
In seinem neuen Roman folgt Aleksandar Hemon den Spuren eines ungelösten historischen Mordfalls. Dabei entdeckt sein Held Parallelen zwischen gestern und heute, begegnet einem verschollenen Freund und macht sich auf die Suche nach den eigenen Wurzeln in einem fernen Land. Eine lakonische, höchst unterhaltsame und rasant erzählte Geschichte über politische Hysterie, Heimatlosigkeit und geplatzte Träume. Und die Geschichte einer Männerfreundschaft, die ihresgleichen sucht.
Durch Zufall stößt der Schriftsteller Vladimir Brik in Chicago auf die Geschichte von Lazarus Averbuch, der 1908 während der Anarchistenunruhen erschossen wurde. Brik ist von Lazarus’ Schicksal tief berührt und beschließt, nach Osteuropa in die Heimat des jungen Einwanderers zu reisen. Kurz vor seinem Aufbruch läuft ihm Rora über den Weg, ein Jugendfreund aus Sarajevo – und Brik weiß, dass er den idealen Reisegefährten gefunden hat. Schon damals in Sarajevo war Rora das, wovon Jungs wie Brik nur zu träumen wagten: cool, charmant, verwegen. Brik und Rora machen sich auf, die Spuren des fremden Toten zu suchen. Doch im Grunde ihres Herzens wissen sie, dass diese Reise von der Neuen in die Alte Welt eine Reise zu den eigenen Wurzeln ist.

Kohan, Martín: Zweimal Juni

Zweimal JuniSuhrkamp Verlag 2009 , aus dem Spanischen übersetzt von Peter Kultzen (Des veces junio, Editorial Sudamericana 2002)

Kurzbeschreibung
1978, 1982: Zweimal Juni, zweimal Fußballweltmeisterschaft, und beide Male verliert Argentinien knapp gegen Italien. Auf die erste Niederlage, in Buenos Aires, folgt dennoch der Titelgewinn und der propagandistische Triumph der Militärjunta. Die zweite Niederlage, in Spanien, führt nicht nur zum Ausscheiden der Nationalmannschaft – sie wird begleitet vom katastrophal gescheiterten Falklandkrieg, der das Ende der Schreckensherrschaft einleitet.
Und doch gibt es selbst in solchen Zeiten immer auch Leute, die es ganz gut getroffen haben. Etwa der junge Rekrut, der zunächst bei einem Militärarzt als Fahrer arbeitet und später als Medizinstudent den Krieg in der Zeitung verfolgt. Als er aber auf einer Gefallenenliste einen Namen bemerkt, der ihm bekannt vorkommt, entspinnen sich seine Erinnerungen, die an ein grauenhaftes Ereignis rühren. Mit dieser scheinbar unbeteiligten Stimme eines Mitläufers macht der Roman den Leser zum Komplizen und gewinnt eine Drastik und Intensität, die einem den Atem raubt. Martín Kohan schrieb mit Zweimal Juni den maßgeblichen Roman über die traumatischen Ereignisse der letzten Militärdiktatur.

Mengestu, Dinaw: Zum Wiedersehen der Sterne

Zum Wiedersehen der SterneClaassen Verlag 2009, aus dem Amerikanischen übersetzt von Volker Oldenburg (The Beautiful Things That Heaven Bears, Riverhead Books 2007)

Kurzbeschreibung
Was ist Glück? Ein Gefühl von Heimat, Freundschaft, Familie, Liebe? Mit feiner Komik, aber auch voller Melancholie lotet Dinaw Mengestu das Dasein eines äthiopischen Einwanderers aus, der auch nach Jahren in den USA nicht angekommen ist. Seine kraftvolle und farbenreiche Sprache zieht den Leser magisch in ihren Bann.
Pressestimmen
»Der junge äthiopisch-amerikanische Autor Dinaw Mengestu hat einen klugen, zartfühlenden, hingebungsvollen ersten Roman geschrieben.« (Die Welt, 11.04.09)
»Ich halte dieses Buch für eine große Entdeckung.« (Literaturclub im Schweizer Fernsehen, Iris Radisch, 21.04.09)
»Dinaw Mengestu macht einfach glücklich.« (Cosmopolitan, 2009/05)
Über den Autor
Dinaw Mengestu wurde 1978 in Äthiopien geboren, mit zwei Jahren kam er mit seiner Familie in die USA, wohin der Vater aus politischen Gründen geflohen war. Er studierte Literatur und erhielt 2006 ein Schreibstipendium von der New York Foundation for the Arts. Dinaw Mengestu hat Kurzgeschichten in Zeitschriften veröffentlicht, mit seinem ersten Roman Zum Wiedersehen der Sterne feierte er bereits Erfolge in den USA, Großbritannien und Frankreich. Dinaw Mengestu lebt in New York.

Quelle: Haus der Kulturen

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