Black Dagger Ladies Online †“ Vampire an Bord [Kapitel 3]

Black Dagger Ladies Online

Vampire an Bord
Kapitel 3

Nachdem Tiago für mich einen Wodka aus der Bar gezaubert hatte und die anderen ebenfalls flüssig kalt gestellt waren, war also Grüppchenbildung angesagt.
Allen war anzumerken, dass sie nichts dagegen hatten, die Gespräche zu vertiefen. Nach und nach leerte sich dann aber der Konferenzraum, nur Lilli und Lucy blieben noch mit Duncan Thorbe und Gavin, dem Fitness-Trainer, zurück.
„Macht nicht zu lange! Wir müssen uns für heute Abend aufbrezeln und unsere Kleiderschränke durchforsten!“, sagte ich mit einem Augenzwinkern. Lilli und Lucy lächelten vielsagend zurück.
Bis zur Einladung in den eleganten Black Pearl Club, um neun Uhr, hatten wir noch eine Menge Zeit für andere schöne Dinge. Mit einem verführerischen Lächeln wandte sich Lucy zu Gavin und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Abrupt stand er daraufhin auf und zog Lucy mit sich. Er schlang eine Hand um ihre Taille und schob sie vor sich her – Lucy eng an sich gedrückt. Lucy kicherte, offensichtlich genoss sie die Nähe von Gavin. Langsam schlenderten die beiden ebenfalls aus dem Konferenzraum. In dem Moment kam Dr. Fernando Zoom zurück und steuerte zielstrebig auf Lilli und Duncan zu.
Unverwandt starrte er Lilli an. Duncan beachtete ihn nicht, sondern musterte Lilli weiter mit seinen faszinierenden Augen. „Lilli, seid ihr eigentlich immer so furchtlos?“, fragte er sie mit seiner dunklen Stimme und sah sie dabei direkt an. Mit bebender Stimme antwortete Lilli: „Ja klar, in allen Lebenslagen!“ Dieser Vampir war wirklich ein männliches Musterexemplar. Er hatte eine gewisse beunruhigende Ausstrahlung, der man sich kaum entziehen konnte. Pure Kraft und wilde Entschlossenheit fühlte Lilli und verfiel in eine Art Schnappatmung, die nicht ganz so damenhaft wirkte.
Dr. Zoom blickte Duncan feindselig an und gab ein Knurren von sich. „Lilli, ich möchte unter vier Augen mit dir sprechen. Hättest du einen Moment Zeit für mich?“ Lilli bemerkte, dass Fernando aufgebracht war. War er etwa eifersüchtig, dachte sie bei sich und freute sich insgeheim darüber. Allerdings war dieser Duncan Thorpe auch nicht von schlechten Eltern. Bevor sie überhaupt antworten konnte, erhob sich Duncan und stellte sich provokant vor Fernando.
„Lilli ist beschäftigt!“ fauchte Duncan und es sah so aus, als würden sie gleich aufeinander losgehen.
Da stand Lilli auf, es war zwar schmeichelhaft für sie, aber Rivalität unter den Jungs war nicht gut, gar nicht gut.

Seite 26

Beschwichtigend hob sie die Hände und schob sich zwischen die beiden Vampir-Kampfhähne. Dann legte sie die eine Hand auf Duncans und die andere auf  Fernandos Brust und versuchte so die beiden voneinander weg zu schieben. Oh, dachte Lilli, was
für eine Power und diese Muskeln. Sie bekam bald einen Kreislaufkollaps und überlegte, ob es an Bord auch Sauerstoffflaschen gab.
Lilli, nun wieder ganz Frau ihrer Sinne, wandte sich an Fernando und säuselte sanft: „Gleich komme ich zu dir, Fernando,
einen Augenblick noch.“ Er drehte sich um und brachte etwas Abstand zwischen sich und Duncan.
Sie sah nun Duncan an und flüsterte ihm ins Ohr: „Wir sehen uns heute Abend im Club.“
Lilli ging zu Fernando, der Duncan mit einem triumphierenden Blick bedachte. Dann schlang er besitzergreifend einen Arm um Lillis
Schultern und sie schmiegte sich eng an ihn. Sanft zog er sie mit sich aus dem Konferenzraum und führte sie  in seine großzügige, sehr pompös und üppig eingerichtete Kabine.
„Möchtest du etwas trinken?“ fragte er.
„Nein, danke. Ich bin nicht durstig.“
Urplötzlich stand er genau vor Lilli und nahm ihr Gesicht sanft in seine schönen Hände. Er spürte ihre Nervosität und um sie zu beruhigen, flüsterte er ihr ins Ohr: „Ich habe nur die besten Absichten, glaube mir!“
Langsam senkte er seine Lippen auf ihren Mund. Ein wohliger Schauer fuhr durch Lillis Körper hindurch und ihre Knie wurden weich.  Er wurde fordernder und Lilli ließ es einfach geschehen. Er war so zärtlich und liebevoll, sanft aber auch herrisch.
Zwei Stunden später verließ Lilli Fernandos Kabine und machte sich mit einem Lächeln auf dem Gesicht auf den Weg in ihre Kabine.  Als sie an Angies Kabine vorbei kam, hörte sie schallendes Gelächter.  Sie öffnete die Tür und traute ihren Augen nicht. Überall lagen tolle Kleider in allen möglichen Farben und Formen herum. Eigentlich konnte man nicht unbedingt von Kleidern sprechen, denn manche bestanden nur aus ein paar Stofffetzen, die auf wundersame Weise nicht von unseren schlanken Körpern fielen.
Jede der Schwestern war mit der Mani- oder Pediküre, mit Lackieren, Drehen, Föhnen, Tuschen und Pushen beschäftigt.
„Lilli, da bist du ja.“ sagte ich und schob sie weiter in die Kabine. „Wo warst du denn so lange? Wir haben uns schon Sorgen gemacht!
Hey, ist alles in Ordnung? Du strahlst ja so von innen heraus.“
Lilli seufzte und schaute ganz verklärt in die Runde. Wir sahen uns alle wissend an und fragten nicht weiter.
„Komm“, sagte Lucy, „ich helfe dir beim Tuning und dann kannst du mir alles haarklein erzählen.“
Wir waren fast fertig, als es plötzlich an der Tür klopfte. „Herein!“,  brüllte ich. „Oh, Tiago.“ Er kam herein und rang um Beherrschung, offensichtlich hatte unser Anblick in sprachlos gemacht. Als er sich wieder gefasst hatte, sagte er: „Wenn ihr fertig seid, folgt mir bitte!“ Gemeinsam verließen wir die Kabine und folgten Tiago, der sich immer wieder bewundernd zu uns umdrehte.
Im Black Pearl Club angekommen, blieb uns fast die Spucke weg. Vor uns standen die Jungs. Alle hatten sich ordentlich herausgeputzt. Sie trugen so etwas Ähnliches wie einen sportlichen Smoking. Als sie uns herein kommen sahen, verstummten sie mitten im Gespräch. Es lag eindeutig ein Knistern in der Luft. Wir versuchten uns so wenig wie möglich anmerken zulassen. Als wir uns zu ihnen an die Bar gesellt hatten, wurden uns sofort unsere Lieblingsgetränke serviert.
Norbert trat ganz nah an mich heran. Ich konnte hören, wie er leise den Duft meines Parfums ein sog.

Seite 27

Als ich ihm in die Augen schaute, sah ich kleines schalkhaftes Grinsen. Was hatte das nur zu bedeuten?
Kerstin und Tim hatten sich in der Bar in eine gemütliche Sitzecke zurückgezogen und waren in ein sehr inniges Gespräch vertieft.
Bowen reichte Doc ein rötliches Getränk und sah ihr dabei ebenfalls sehr tief in die Augen. Dann zog er sie mit einer sanften aber bestimmten Bewegung an sich. Lilli wurde gleich von zwei Männern in Beschlag genommen. Duncan und Fernando versuchten gleichzeitig ihre ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, was Lilli überhaupt nicht in den Kram passte. Wie sollte sie aus dieser Situation wieder heraus kommen?
Lucy, die gesehen hatte, dass Lilli ihre Hilfe brauchte, gesellte sich mit Gavin zu ihnen. Das entschärfte die Situation ein wenig.
Kate schien so von Bones Aussehen beeindruckt zu sein, dass sie alles um sich herum zu vergessen schien. Aber das schien nur so, denn natürlich war sie, genau wie die anderen Schwestern, immer in Alarmbereitschaft. Und das war gut so, denn in dem Moment kam Eric von Castell herein. Sein Gesicht war leicht gerötet. Er musste also sehr schnell gelaufen sein. Die Informationen die er uns von Sweetlife brachte, war alles andere als erfreulich.
Die Dragons hatten sich in Bewegung gesetzt.
Wir umringten alle Jean und Duncan, dem er natürlich zuerst Bericht erstatten wollte. Sweetlife hatte erfahren, dass sich mehrere „Dragons“, mit schwerem Gerät, auf den Weg nach New Orleans gemacht hatten. Duncan fuhr sich kurz nachdenklich übers Kinn: „Ich habe in den Unterlagen irgendetwas über einen verlassenen Vodoo-Friedhof in New Orleans gelesen. Es könnte durchaus sein, dass die Dragons da einen Stützpunkt errichtet haben. Die Menschen dort meiden das Gebiet um diesen Friedhof. Das wäre natürlich ideal für so einen geheimen Stützpunkt.
Okay, Bones, nimmt bitte die nötige Kurskorrektur vor, wir machen uns auf den Weg nach New Orleans. Jean, setze Dich mit unserem Büro in Verbindung, die Ordensbrüder vor Ort sollen den Friedhof mal genauer unter die Lupe nehmen. Vielleicht können sie schon etwas herausfinden, bis wir da sind.†œ
Bones und Jean nickten und machten sich sofort auf den Weg. Duncan rief ihnen noch hinterher: †œNatürlich kommt ihr umgehend wieder hierher zurück. Wir wollen doch unseren rauschenden Ball nicht platzen lassen!†œ
Duncan drehte sich zu uns anderen herum, lächelte uns an und meinte:†œ So jetzt wenden wir uns wieder den schönen Dingen des Lebens zu. Kämpfen müssen wir in nächster Zukunft noch genug!†œ
In diesem Moment wurde es dunkel in der Black Pearl Bar und die Rückwand bewegte sich langsam zur Seite. Ein wunderschöner Ballsaal wurde sichtbar. Die Wände waren mit nachtschwarzem Samt verkleidet und über der riesigen Tanzfläche erstrahlten tausende von kleinen Lichtern, so dass es wie ein Sternenhimmel aussah. An der rechten Seite war eine einzige Glasfront, die einen wunderschönen Blick auf das Meer freigab. Vor der Glaswand befand sich eine sehr gemütlich wirkende Sitzecke mit ledernen Clubsesseln und gläsernen Beistelltischen, die einem geradezu zum verweilen einlud. Am anderen Ende des Saals wurde, im gedämpften Licht, eine Bühne sichtbar und eine Bigband fing an wunderschöne Swingmusik zu spielen.
Wir standen da, schauten verwundert um uns und bekamen den Mund nicht mehr zu. Die Jungs stellten sich freudestrahlend vor uns auf und Duncan fragte:†œ Wollen diese atemberaubenden Ladies vielleicht mit uns tanzen?†œ
Duncan hatte noch nicht ausgesprochen, da drehten sich schon sechs elegante Paare in geschmeidigen Bewegungen über die Tanzfläche.
Norbert hielt mich eng umschlungen und ich schmiegte mich an seine muskulöse Brust, unsere Körper passten perfekt zusammen und ich fühlte mich, als würde ich über Wolken schweben. Er beugte seinen Kopf ein wenig zu mir herab und strich mir mit seinen weichen, heißen Lippen über den Hals.

Seite 28

Ich erstarrte in meiner Bewegung, Gänsehaut jagte mir über den Körper und ich dachte: „So, Angie, jetzt wirst du wohl gebissen!“ Norbert lachte leise auf, strich mit seinen Lippen weiter über die empfindliche Stelle an meinem Hals und flüsterte: „Angie, lass einfach los und vertraue mir. Nicht alle Vampire sind blutrünstige Monster.“ Er hauchte mir einen Kuss auf die Haut, löste sich etwas von mir und mir tief in die Augen. Ich versank in diesen wunderschönen, meerblauen Augen, strich mit meinen Fingern über seine markanten Wangenknochen und flüsterte voller Überzeugung: „Ja, Norbert, ich vertraue Dir.“  Er führte meine Hand zu seinen Lippen und küsste zärtlich meine Fingerspitzen, während er seinen anderen Arm um meine Hüften schlang und mich langsam von der Tanzfläche zu der Sitzgruppe an der Seite führte. Wir spürten beide die Erregung des anderen, aber die Nacht war erst angebrochen und wir wollten uns von dem Zauber, der über dem Ballsaal lag, nicht trennen. Norbert besorgte uns einen Cocktail und ich ließ meinen Blick über die Tanzfläche schweifen. Die Szene die sich mir bot, ließ mich zufrieden lächeln.
Genau so etwas hatten wir gebraucht, bevor wir in eine unerbittliche Schlacht zogen.
Doc und Bowen wiegten sich langsam zum Takt der Musik. Sie hatten die Augen geschlossen und waren so eng aneinander geschmiegt, dass man nicht wusste, wo Doc aufhörte und Bowen anfing. Bowen streichelte ihr sanft über den Rücken hinunter. Doc genoß diese Zärtlichkeiten sichtlich.
Lucy und Gavin waren das eleganteste Tanzpaar, das ich je gesehen hatte. Er in seinem schwarzen Smoking und sie in ihrem hoch geschlitzten roten Satinkleid sahen einfach umwerfend aus, als wären sie direkt aus der Vogue auf die Tanzfläche gesprungen. Sie schauten sich tief in die Augen und Lucy überließ sich ganz den starken Armen Gavins, ihr Körper folgte seinem, geschmeidig und bedingungslos.
Kate und Bones saßen ein paar Tische weiter und unterhielten sich angeregt über irgendwelche Baupläne. Beide waren voll in ihrem Element, dass konnte man an ihren glänzenden Augen erkennen. Da hatten sich wohl zwei gesucht und gefunden.
Jean und Duncan konnte ich nirgends entdecken. Die hatten wohl wichtige Dinge zu bereden. Aber die waren für uns im Moment eher zweitrangig. Außerdem würde es am nächsten Tag sicher eine ausführliche Lagebesprechung geben. Das Motto heute Nacht lautete „Carpe Diem“!
Da fiel mein Blick auf Lilli und Fernando. Auch sie schwebten geradezu über die Tanzfläche. Lilli trug ein tiefdekoltiertes, nachtblaues Satinkleid, das ihre blasse Haut noch edler schimmern ließ. Das eng geschnittene Kleid betonte ihre schlanke Figur und hob ihre wohlgeformten Rundungen noch etwas mehr hervor. Ihre platinblonden Haare standen, wie immer, strubbelig in alle Richtungen und lieferten einen interessanten Kontrast zu dem eleganten Abendkleid. Fernando sah in seinem schwarzen Anzug aus wie ein glutäugiger Latin-Lover und genau diese Augen konnte er nicht von Lilli lassen. Sie waren ein wunderschönen Paar, dass wie für einander geschaffen schien.
Doch als ich Lillis Gesicht sah, wusste ich sofort, welchen Kampf sie gerade mit sich aus trug. Sie war dabei sich zu verlieben und genau das wollte sie nicht. Vor einigen Jahren hatte sie sich unsterblich in einen unserer Informanten verliebt und ihren Geliebten bei einem unserer Aufträge verloren. Lilli war am Boden zerstört und wir hatten Angst, sie auch zu verlieren. Doch die kämpfte sich, mit unserer Hilfe, zurück ins Leben und hatte sich geschworen, ab sofort Liebe und Arbeit strikt zu trennen. Wobei man von Liebe nicht mehr reden konnte. Natürlich lagen ihr die Männer zu Füßen und auf das ein oder andere Abenteuer hatte sie sich auch eingelassen, aber ihr Herz konnte keiner mehr erobern. Lilli wollte nicht mehr lieben. Aber jetzt war dieser Traummann in ihr Leben getreten. Ein Kämpfer, verwegen, furchtlos, sehr gut aussehend, zärtlich, liebevoll und ein Vampir. Er hatte ihre Abwehr irgendwie durchbrochen und damit hatte sie nicht gerechnet.
Da hörte Lilli abrupt auf zu tanzen, sagte etwas zu Fernando und zog ihn nach Draußen. Dort redete sie lange auf ihn ein, nahm sein Gesicht in ihre Hände, küsste ihn zärtlich und lief mit Tränen überströmtem Gesicht davon.

Seite 29

Fernando stand wie vom Donner gerührt da und machte ein fassungsloses Gesicht. Ich drehte mich zu Norbert um, der mit Bones und Kate redete:†œ Ich bin gleich wieder bei Dir. Ich muss das schnell was richten.†œ Ich ging zu Fernando, der mich gar nicht zu bemerken schien. Ich nahm vorsichtig seine Hände, sie waren schlaff und eiskalt. Mann, den hatte es wohl schwer erwischt. „Fernando , geh ihr nach. Wenn du Lilli wirklich liebst, darfst du nicht aufgeben. Sie hat durch unsere Arbeit einen schweren Verlust erlitten und jetzt ziehen wir in einen Kampf, von dem wir nicht wissen wie er endet. Ich habe ihr angesehen, dass sie sich in dich verliebt, deshalb stößt sie dich weg.†œ Fernando sah mich zweifelnd an: „Sie hat mir gesagt, dass ich nur ein Abenteuer für sie war und dass sie sonst kein Interesse an mir hätte. Du denkst, dass sie sich in mich verliebt hat?†œ „Ich weiß es!†œ sagte ich bestimmt. Fernando drückte meine Hände, lächelte mich an und eilte Lilli hinterher. Ich ging zurück zu Norbert und hoffte, dass Fernando bei Lilli was erreichen konnte. Ich wollte, dass sie wieder glücklich war.
Norbert kam auf mich zu und nahm mich zärtlich in den Arm. „Was ist mit Lilli und Fernando?†œ „Eine lange Geschichte, ich hoffe, dass Fernando sie zu einem guten Ende bringen kann.†œ Norbert lächelte mich auf eine Weise an, die mir den Atem raubte und flüsterte:†œ Komm wir bringen unsere Geschichte auch zu einem guten Ende.†œ
Während er mich mit sich zog, konnte ich noch sehen, dass der Ballsaal sich geleert hatte.
Diese wunderschöne Nacht würde bald zu Ende sein und der Kampf würde beginnen. Aber darüber wollte ich mir noch keine Gedanken machen. Ich schaltete meine Gedanken ab und ließ mich von Norbert hinaus in die sternenklare Nacht ziehen.
Wir drehten noch kurz eine Runde über das Oberdeck und trafen dort am Pool auf Kerstin und ihren Tim. Jetzt wusste ich, was mir die ganze Zeit im Ballsaal gefehlt hatte. Dass den beiden nicht so viel am Tanzen lag, konnte man sich ja denken. Ein Smoking und das knallenge Catsuit, dass Kerstin getragen hatte lagen achtlos am Rand des Wirlpools. Kerstin und Tim hielten sich im warmen Wasser eng umschlungen. Tim knabberte an Kerstins Ohrläppchen und flüsterte ihr fortwährend was ins Ohr. Kerstin hatte ein seliges Lachen auf den Lippen und strich mit einer Hand über Tims 3mm-Haarpracht. Norbert zog mich weiter und flüsterte mir noch zu: „Komm weiter, nicht dass wir die beiden bei ihrem Dirty-Talking noch stören. Wir suchen uns auch ein stilles Plätzchen. Da kannst du mir dann zeigen, wie sehr du mir vertraust.†œ Er lächelte verschmitzt und zog mich in die Richtung, in der die Kabinen lagen.
Und im Ballsaal lief inzwischen „Je t´aime“ vom Band.

Lucy und Gavin tanzten immer noch, aber inzwischen hatten sie alle Hemmungen abgelegt. In anmutigen Bewegungen bewegten sie sich zum Klang der Musik und zerflossen dabei zu einer Einheit. „Gott sei Dank, habe ich noch ein paar Fitnesseinheiten absolviert, sonst würde ich hier ja noch schlapp machen“, dachte Lucy. Gavin schien in einer außergewöhnlich guten körperlichen Verfassung, wenn man bedenkt, dass er ja eigentlich Computerexperte war. Er gehörte zu der Sorte Traummann, der alle Attribute erfüllte, er war groß, schlank und muskulös, aber nicht so Muskel bepackt wie Tim. Lucy konnte sich gut vorstellen, wie seine sehnigen Finger wieselflink über die Tastatur fliegen konnten. Sein Dreitagebart ließ ihn immer ein wenig mürrisch wirken, was aber überhaupt nicht seinem Naturell entsprach. Ganz im Gegenteil – er war witzig, hatte einen tollen Sinn für Humor und strahlte eine Lebensfreude aus, die ansteckend war. Lucy fühlte sich einfach wohl in seiner Gegenwart. Völlig außer Atem gingen sie zur Bar und ließen sich von Tiago einen Likör Nr. 42 einschenken, der inzwischen auch zu ihren Lieblingsgetränken gehörte. „So, so, Mr. Bombastic, bist du auch so very fantastic?“, fragte Lucy mit einem herausfordernden Grinsen im Gesicht.

Seite 30

„Als ob du das nicht schon wüsstest. Aber ich kann jederzeit den erneuten Beweis antreten, du musst es nur sagen“, entgegnete Gavin trocken. „Nein, nein“, lachte Lucy, „lass stecken, ich habe auch noch das kleinste Detail in Erinnerung.“ „Das Wort „klein“ solltest du in meiner Gegenwart nie benutzen, das könnte ich als Herausforderung verstehen“, meinte er und beugte sich leicht zu ihr herüber. Seine Lippen waren denen von Lucy so nah, dass man noch nicht mal ein Blatt Papier hätte dazwischen schieben können. „Weißt du, ich steh total auf deine Sommersprossen“, hauchte Gavin, „und dein Haar erst – ist das deine natürliche Farbe? Sie steht dir ausgezeichnet.“ Der Zug stand auf dem Gleis, das Ticket war gelöst. Lucy traute sich nicht zu atmen, sie glaubte, Funken in Gavins Augen zu sehen. „Deine Augen…“ „Was ist mit meinen Augen?“ „Deine Augen, sie sprühen Funken!“ „Oh, ja, das passiert mir manchmal. Ich dachte, ich könnte es vor dir verbergen, aber dem ist wohl nicht so“, sage Gavin und schaute leicht verlegen. „Was willst du verbergen, ich versteh nicht?“, fragte Lucy nun völlig fasziniert. „Nun, dir ist bestimmt aufgefallen, dass Norbert, Bowen und Thorpe Vampire sind“, antwortete Gavin und schaute Lucy dabei erwartungsvoll an. „Und du, bist du auch einer?“, fragte Lucy, die inzwischen doch ein wenig Angst bekam. „Ich ein Vampir? Nein, aber schau genau hin, ich zeige dir was ich bin.“ Gavin ließ sich vom Barhocker gleiten und stellte sich vor Lucy hin. Seine Augen waren jetzt fast schwarz, keine Funken waren mehr darin zu sehen. Aber auf einmal tanzten ein paar Flammen über Gavins Haut. Die Flammen bereiteten sich aus, und innerhalb von kurzer Zeit sah er aus wie eine riesige wandelnde Fackel. „Was bist Du? So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen!“, rief Lucy, ihre Angst war völlig verschwunden, zumal er zwar heiß aussah, es aber überhaupt nicht war. „Ich, meine Liebste, bin ein Feuerelfe!“
Lucy konnte sich nicht mehr zurückhalten, sie prustete los und ihr Lachen hallte durch den ganzen Ballsaal. „Ein Feuerelfe, haha, ich dachte, Elfen sind weiblich!“ Sie konnte sich vor Lachen kaum noch auf dem Hocker halten, dabei schlug sie mit den Fäusten auf die Theke. „Hey Tiago, mach dem kleinen Pyromanen und mir noch einen Zweiundvierziger, einen doppelten, den hab ich jetzt dringend nötig.“, sagte sie zu dem Barmann. Gavin wusste nicht recht, was er Lucys von Reaktion halten sollte und stand ein wenig beleidigt neben ihr. „Nicht schmollen, Großer, ich hab´s ja nicht so gemeint. Ehrlich, du bist wunderschön“, sagte sie und klopfte aufmunternd neben sich auf den Barhocker. „Ich habe nur immer gedacht, Feuerelfen oder Elfen überhaupt, gibt es nur im Märchen. Und dann kommst du und †“ hahahaha †“ ich kann nicht mehr, und dann kommst du! Du entsprichst so überhaupt nicht meinen Vorstellungen einer Elfe, sorry, ich bin jetzt ruhig, sonst mach ich es nur noch schlimmer.†œ Immer noch glucksend wandte sich Lucy ihrem Glas zu. Gavin wollte sich gerade zu ihr setzen, als auf einmal überall das Licht anging und die Sirene los heulte.
Alarmstufe rot. Das war nicht gut. Lucy und Gavin rannten aus dem Ballsaal in Richtung Kommandobrücke. Unterwegs stießen sie auf Doc und Bowen und Kerstin und Tim. Kerstin, die nur halb bekleidet war, zog sich unterwegs noch an. Jede andere hätte stehen bleiben müssen, aber nicht unser Bewegungstalent Kerstin. „Mit der Nummer kannst du in den Zirkus!“, rief Doc ihr zu. „Nummer?“, frage Kerstin erschrocken, ihre Gesichtsfarbe hatte einen leichten Rotton angenommen. „Ganz ruhig, Kerstin“, antwortete Doc, „ich mein das Anziehen im Rennen“, und zwinkerte ihr dabei zu. „Ach so, ja könnte ich.“ Erleichtert schenkte Kerstin ihre Aufmerksamkeit wieder dem Reißverschluss an ihrem Catsuit.
Die Kommandobrücke quoll fast über, alle waren da. „Was ist los?“, schrien fast alle gleichzeitig. „Wir werden angegriffen“, sagte Thorpe knapp. „Aber bis jetzt hat die Seraphim noch keinen echten Treffer hinnehmen müssen, wird Zeit, dass wir dem Spuk ein Ende bereiten.“ „Wissen wir wer oder was uns angreift?“
„Angie, das rauszufinden, wird deine Aufgabe sein. Nimm noch jemanden mit, alleine lassen wir dich nicht gehen.“
„Kann einer von euch fliegen? Ich hab leider meinen gesamten Flugstaub verloren – ach, alles nur ein Missverständnis“, versuchte ich mich zu verteidigen. „Ist ja jetzt auch egal, also wer kommt mit?“
Da stand ich nun in meinem sehr eng anliegenden tief ausgeschnittenen, rückenfreien Abendkleid aus feinster schwarzer Spitze, dessen Saum mir bis zu meinen Knöcheln reichte, aber das war jetzt nebensächlich.
Es war nun endlich an der Zeit, ihnen mein großes Geheimnis zu enthüllen. „Halt, bevor ich hier irgendetwas unternehme, muss ich euch noch dringend etwas sagen, oder besser gesagt, euch noch etwas zeigen“.

Seite 31

Ich seufzte tief und schaute vorsichtig zu Doc. Nur sie wusste, was ich jetzt vor hatte und nickte mir aufmunternd zu. Es war mucksmäuschenstill und alle Augen waren erwartungsvoll auf mich gerichtet. Noch einmal atmete ich tief ein, streifte meine Schuhe von den Füßen, und berührte dann mit dem Zeigefinger meiner rechten Hand den goldenen Ring, der an meinem linken Mittelfinger steckte. Der Ring war mit zwei intensiv leuchtenden grünen Smaragden versehen und eine sehr kostbare Handarbeit.
Als ich den Ring berührt hatte, durchfuhr mich augenblicklich die Magie des Ringes vom Kopf bis zu den Füßen. Ich schloss die Augen, verschränkte meine Hände am Hinterkopf, stellte mich auf die Zehenspitzen und bog meinen Oberkörper so weit nach hinten, dass meine Haare fast meine Kniekehlen berührten. Nur so konnte ich mich voll konzentrieren und alles andere ausblenden. Lucys leise Bemerkung zu Kate: „Ey,will sie uns jetzt eine Figur aus dem Nussknacker zeigen?“, drang wie aus weiter Ferne in mein Bewusstsein. Dann kreuzte ich die Arme über meinem Busen und richtete mich blitzschnell auf – schon schwebte ich ungefähr einen halben Meter über dem Boden. Das alles geschah innerhalb von Sekunden.
Ich öffnete meine Augen und blickte erwartungsvoll auf die Runde herunter. Ein erstauntes Raunen erfüllte die Brücke. Das lag allerdings nicht nur daran, dass ich mich schwebend in der Luft befand, meine Augen hatten sich verändert und die gleiche intensive grüne Farbe von den Steinen auf meinem Ring angenommen. „Tja, das ist das magische Erbe meiner Großmutter,“ sagte ich fast entschuldigend zu meinen Schwestern, „sie war eine Hexe und hatte damals etwas mit einem sogenannten „Normalo“. Meine Mutter war das Ergebnis dieser Affäre. Aber zu ihrer großen Enttäuschung übersprang das magische Erbe eine Generation und ging direkt auf mich über. Ich bin also eine halbe Hexe, ein Halbblut. Mit dem Ring habe ich die Fähigkeit zu fliegen und kann damit im Dunkeln genauso scharf zu sehen wie im Tageslicht. Leider funktioniert die Sache nur, wenn ich keinen Alkohol getrunken habe! Gott sei Dank habe ich heute nur an dem Cocktail genippt.“ Dann ließ ich mich wieder langsam auf den Boden gleiten. „Nur Doc und Sweetlife wissen davon, na ja, und ihr jetzt auch“.
Als die Mädels anfangen wollten mich mit Fragen zu bombardieren, vertröstete ich sie auf später. Erst mussten diese Angriffe auf die Seraphim geklärt und aus der Welt geschafft werden. Die Übeltäter können sich nicht weit vom Schiff entfernt aufhalten.
„Jean, dich brauche ich als Bodenpersonal und besorge mir doch bitte noch ein paar Handgranaten.“ Er nickte mir zu und verließ schnell die Kommandobrücke. Ich riss mir seitlich einen langen Schlitz ins Kleid um mehr Beinfreiheit zu haben. Schade um das schöne Teil, aber zum Umziehen fehlte jetzt einfach die Zeit.
Draußen an der Reeling band ich meine Haare zusammen und wartete auf Jean, der mir, wenn`s brenzlig werden sollte, Feuerschutz geben würde. Im Moment war alles ruhig und der Vollmond spiegelte sich auf der leicht gekräuselten Oberfläche der Meeres. Sachte schlugen kleine Wellen gegen den Schiffsrumpf. Es ging kein Wind und die Luft war angenehm warm. Ideales Flugwetter, dachte ich bei mir. Da stand auch schon Jean neben mir und übergab mir zwei Handgranaten. Ups, der ist aber fix, dachte ich erstaunt. „Sei vorsichtig“, raunte er mir zu. „Bin ich doch immer“, erwiderte ich mit einem Lächeln, stieß mich ab und schon flog ich über der Seraphim.
Das Adrenalin schoss durch meine Adern und der Wind streichelte meine Haut. Dieses Hochgefühl ist mit nichts zu toppen, na ja, mit fast nichts…!
Da, in etwa 500 Metern Entfernung konnte ich ein kleines Schnellboot ausfindig machen, das dort vor sich hin dümpelte. Mit einer leichten Drehung meiner Hände hielt ich genau darauf zu und flog dabei sehr niedrig, damit mich ihr Radar nicht erfassen konnte. Genau über dem Boot schwebend, erkannte ich zwei Männer, die gerade dabei waren die Bordkanone auf unser Schiff auszurichten. Ohne zu zögern zog ich mit meinen Zähnen die Splinte, spuckte sie ins Meer und ließ die Granaten zielsicher auf ihr Deck fallen. Pfeilschnell schoss ich zurück zur Seraphim. Mit einem freundlichen Gruß von Bruce – Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacken, auf den Lippen landete ich geschmeidig neben Jean auf dem Deck. Die Detonation der Granaten und die darauf folgende Explosion schickten das Boot sehr schnell auf den Meeresgrund.

Seite 32

Ein paar wenige brennende Trümmer zogen in sicherer Entfernung an unserem Schiff vorbei. Jean schloss mich erleichtert in seine Arme und drückte mich fest an seinen Körper. „Gott Lob, ich habe dich heile wieder“, flüsterte er nahe an meinem Ohr. Oh, oh, dachte ich nur leicht verwirrt, bitte nicht du auch noch…oder doch? Der Mann war heiß im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Körper glühte fast an meiner Haut und verwundert sah ich in seine goldgelben Augen. Moment mal! Goldgelb? Seine Augen waren doch braun! Und er war doch vorhin noch nicht so riesig gewesen wie jetzt! Misstrauisch fragte ich ihn: „Was hab ich den hier verpasst? Wer oder was bist du?“ Mittlerweile hatten sich auch die anderen Crew Mitglieder und meine Schwestern an Deck versammelt. „Ich bin ein Werwolf, und ich bin nicht alleine“, sagte er und drehte sich zu den anderen Jungs um. Eric, Tim, Tiago und Cyrus sahen mich mit ihren gelben ruhig und unbewegten Augen an. Sie bildeten einen ziemlichen Kontrast zu den tiefblauen Augen der Vampire. Unbeabsichtigt entfuhr mir ein lautes „Wuff“, und ich musste grinsen. „Keine Sorge“, sagte Jean leicht säuerlich“, wir sind die Guten. Im Mittelalter ist es einem Alchemisten, ihr nennt solche Männer heute Biochemiker, gelungen, unsere DNA und die der Vampire soweit zu verändern, dass alle schlechten Eigenschaften unserer verschiedenen Rassen verschwunden sind. So konnten wir untereinander eine Allianz eingehen und seitdem das Böse dieser Welt gemeinsam bekämpfen. Uns ist die Stärke, unsere Schnelligkeit und die Unsterblichkeit geblieben. Wir ernähren genauso wie ihr und wir sind nicht mehr ausschließlich auf Blut angewiesen. Nur unsere Fänge enthalten ein Sekret, das nicht giftig ist, sondern…ähm, leicht stimulierend wirkt…vorsichtig ausgedrückt. Deswegen sind wir von einem gelegentlichen „Schlückchen Blut“ auch nicht abgeneigt, das man uns bisher auch immer bereitwillig überlassen hat. Die Veränderungen, die du eben bemerkt hast, treten nur bei Vollmond auf und verschwinden bei Sonnenaufgang wieder.“
Da trat Doc vor und sagte: „So, nachdem wir nun alle ausgiebig das Feuerwerk bewundert haben, sollten wir vielleicht wieder rein gehen und zur Beruhigung was trinken.“ Langsam fanden wir uns alle wieder im Black Pearl Club ein, die Band hatte die Musik wieder aufgenommen und spielte My heart will go on – wie passend! Kate und Bones nahmen wieder in einer Ecke in den Sesseln Platz, Kerstin und Tim waren nicht zu sehen, Norbert wich nicht von meiner Seite und Lilli und Lucy sahen mich neugierig an. Schätze, ich hab ein paar Fragen zu beantworten. Doc setzte sich an die Theke und kippte ihren Wodka runter, stirnrunzelnd blickte sie auf die Theke und hob etwas auf. Sie sah umwerfend aus, trotz ihrer 235 Jahre. Sie wirkte höchstens wie 28. Dies war einer der vielen Vorteile, wenn man unsterblich ist, man erstarrt sozusagen auf der Höhe seiner Kraft. Docs Mum war eine Walküre, ihr Dad ein keltischer Merlin bei dem sie alleine aufwuchs, da Ihre Mutter die Geburt nicht überlebte.
Sie stand auf und steuerte auf den Ausgang zu. Als sie gerade an mir vorbeigehen wollte, hielt ich sie am Arm fest und sah sie fragend an. Sie öffnete ihre Hand und zeigte mir grinsend einen Jeton. „Ich schätze McRieve wollte mir damit einen Hinweis geben wo er sich versteckt hält, ich werde mal nachschauen gehen.“ Sie eilte hinaus und machte sich mit ihren geschmeidigen langen Schritten auf den Weg ins Casino.
Dort angekommen schlüpfte sie durch die Tür und war überwältigt von dem Anblick der sich ihr bot. Statt der Kronleuchter erhellten unzählige schwarze Kerzen in allen Größen das Casino, im Hintergrund lief leise The Fray.

Seite 33

Bowen lehnte am Roulette-Tisch, er sah wie immer unverschämt gut aus mit seinen kinnlangen blonden Haaren. Die tiefblauen Augen, riesengroß, und ein perfekter muskulöser Körper ergänzte genau das Bild von einem Mann, dem Doc schwer widerstehen konnte. Die Kerzen warfen verführerische Schatten auf sein Gesicht und er beobachtete sie aufmerksam, als sie langsam auf ihn zuging. In dem schummrigen Kerzenlicht bildeten ihre langen weißblonden Haare einen sehr exotischen Kontrast zu ihrem lilafarbenen hautengen kurzen Kleid. Die schwarzen Stiefel, die sie dazu trurg, betonten ihre langen Beine. Sie blieb dicht vor ihm stehen, nahm das Glas aus seiner Hand und kippte den Inhalt auf Ex hinunter. Dabei blickte sie ihn mit ihren kühlen hellblauen Augen an.
Dann wedelte sie mit dem Jeton vor seinem Gesicht herum, ließ diesen ins Glas fallen und stellte es ab. „Du hast es wohl nicht so mit Worten, was?“
Bowen schlang seine Arme um Docs Hüften, zog sie an sich und drehte sie dabei schwungvoll herum, sodass sie zwischen ihm und dem Tisch stand. Er strich ihr eine Strähne, die nach vorne gefallen war, über die Schulter. Dabei streichelte er sanft mit dem Daumen über ihre Wange, blickte auf ihre wunderschönen Lippen und dann den Hals entlang hinunter bis zu der Stelle, wo die Haut oberhalb des Schlüsselbeins am zartesten ist. Er seufzte. Sie legte eine Hand unter sein Kinn, damit er sie ansah. Nach einem tiefen Blick in ihre Augen, küsste er sie zaghaft… seine warmen Lippen waren sehr weich und schmeckten leicht nach Zimt. Er nahm seinen Kopf zurück und blickte in ihre Augen. Vor Anspannung biss sich Doc auf auf die Lippe – etwas zu fest, ein kleiner Tropfen Blut bildete sich. Bowen leckte den Tropfen ab, packte Doc an den Hüften und hob sie auf den Tisch. Er warf seine Zurückhaltung über Bord, presste sich ganz nah an sie und küsste sie so leidenschaftlich, als ob es kein Morgen gäbe.   Alles drehte sich – verdammt er roch auch noch so wahnsinnig gut, ihre Sinne überschlugen sich und spielten Roulette. Das alles fühlte sich so unglaublich an – bis plötzlich abrupt die Tür aufging. Jemand betrat mit laut klackernden Geräuschen das Casino. „Mist, wieso muss Cyrus ausgerechnet jetzt hier hereinplatzen?“, flüsterte Bowen. Er reagierte blitzschnell und schnappte sich alle herumliegenden Kleidungsstücke und zog sie an der Hand mit sich. Geduckt schlichen sie zum hinteren Ausgang. Draußen auf dem Gang zog Doc sich wieder an. Sie war noch ganz benommen, aber das Licht holte sie langsam wieder in die Realität zurück.
„Hast du noch Lust mit in meine Kabine zu kommen?“ fragte Bowen, als sie Hand in Hand den Korridor hinunter liefen. „Klar, gerne. Und? War´s lecker?“ Typisch Doc, sowas konnte sie sich ja nicht verkneifen.  Außerdem schätze ich, du hast ca. 1,8 Promille und solltest deine Cholesterinwerte mal checken lassen.“ Lachend bogen sie um die Ecke und standen bald darauf vor seiner Tür. Bowen öffnete sie und ließ Doc den Vortritt. Wie von Geisterhand flackerten auch hier wieder etliche Kerzen auf. Telekinese ist wirklich eine praktische Eigenschaft – Wahnsinn! Sie traten in seine etwa 60 Quadratmeter große Suite.

Seite 34

In der Mitte des Raumes bildete ein gigantisches Bett das Zentrum. Das Bett war komplett mit schwarzer Seide bezogen. Überall herum verstreut lagen CD´s und Zeitungen und diverse Kleidungsstücke. An einer Wand standen 2 Gitarrenkoffer, und auf der gegenüberliegenden Seite hing ein riesengroßes Flat-TV. Daneben war noch eine Tür, die vermutlich ins Bad führte. Gegenüber dem Eingang befand sich eine große Glasfront. Dadurch hatte man die freie Sicht aufs Meer. „Musiker oder El Mariachi? Da du der Waffenmeister bist, tippe ich wohl eher auf Letzteres“, bemerkte Doc und schritt durch das Zimmer. Vor dem Bett blieb sie stehen und drehte sich um. Bowen stand direkt hinter ihr: „Machen wir jetzt da weiter, wo wir aufgehört haben? Für Smalltalk ist später immer noch genug Zeit“, murmelte er in ihr Ohr und bearbeitete wieder den Reißverschluss ihres Kleides.
Kate saß währenddessen immer noch mit Bones in einem der bequemen Doppelsessel in der Black Pearl Bar und hielt ein Glas Rotwein in der Hand. Sie hatte mit ihm einen Bauplan für ein U-Boot durchgesehen, welches so bald wie möglich auf einer vertrauenswürdigen Werft in Miami gebaut werden sollte. Er war begeistert von ihren Ideen und lobte immer wieder die Weitsicht, die sie an den Tag legte. Informationen über die Organisation der Schwarzen Orchidee oder der Schwesternschaft durften auf keinen Fall in die Hände ihrer Feinde fallen. Falls die Seraphim jemals in Gefahr geriet ausspioniert zu werden, musste das Schiff zuvor zerstört werden. Für den Fall der Fälle wäre ein gut getarntes Fluchtfahrzeug Gold wert. Während sie über den Plänen saßen, kreuzten sich ihr Blicke immer wieder. In seinen zitrin-gelben Augen flackerte es unmerklich auf. Unwillkürlich musste sie lächeln, als sie an ihre erste Begegnung dachte. Bei einer zufälligen Berührung am ersten Tag an Bord der MS Seraphim wurde sie von einem kleinen Stromschlag getroffen. Unverhofft hatten sie sich dann bereits in der darauffolgenden turbulenten Nacht auf dem Schiff leidenschaftlich geliebt. Auch jetzt knisterte die Atmosphäre zwischen ihnen. Bones konzentrierte sich immer weniger auf die Pläne. Er ließ den Blick über ihre Gestalt gleiten und rutschte unruhig in seinem Sessel hin und her. Anerkennend musste sie feststellen, dass er sehr kultiviert war, sich ihr gegenüber auffallend zuvorkommend verhielt und ihr letztlich immer besser gefiel. Keinen Moment bereute sie die leidenschaftliche erste Nacht.
Jetzt streifte er wie beiläufig ihre Schulter und schob zärtlich eine rotbraune, widerspenstige Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Wieder senkte er seinen Blick und musterte sie eindringlich. Kate trug ein hellblaues, eng anliegendes, schulterfreies Corsagen-Minikleid von Pucci, welches ihre Figur toll zur Geltung brachte. Ihre zierlichen Füße steckten in silberfarbenen, hochhackigen Sandaletten von Paccolo Blaschik. Sie sah zum Anbeißen aus und niemand konnte ahnen, dass sie bereits seit 175 Jahren auf dieser Welt war. Im Alter von 26 Jahren hatte sie die Verwandlung durchgemacht und seitdem so manches erlebt. Damals wusste sie noch nicht, dass sie halb Mensch und halb Vampir war. Ihre Eltern hatte sie niemals kennengelernt, ein altes Ehepaar hatte sich liebevoll um sie gekümmert, nachdem sie eine Zeit lang auf der Straße gelebt hatte. Die Black Dagger-Ladies lernte sie zufällig kennen, als sie eines Tages in der Nähe eines Nachtclubs eine junge Frau verteidigte, die von vier brutalen Männer attackiert worden war. Dieser Zwischenfall sollte ihr ganzes Leben verändern. Die Mädels, die den Kampf zufällig beobachtet hatten, waren von ihrem Engagement und ihrer Schlagkraft so beeindruckt, dass sie Kate aufforderten, sich ihnen anzuschließen. Kate brauchte nicht lange zu überlegen und schloss sich den fünf Ladies an. Somit war sie nun das jüngste Mitglied und bereute es nicht eine Sekunde. Eine besondere Freundschaft verband sie mit Doc, eine Schicksalsgefährtin, die aufgrund ihrer 235 Jahre zudem über noch mehr Lebenserfahrung als Kate verfügte.
„Kate, ich möchte dir etwas zeigen†œ, flüsterte Bones jetzt mit rauer Stimme in ihr Ohr. Na endlich, dachte sie erleichtert. „Was denn?“, fragte sie unschuldig und bedachte ihn mit einem ermutigenden Lächeln. „Du wirst schon sehen“, sagte er und schnupperte an ihrem Haar. Er nahm ihr das Rotweinglas aus der Hand und zog sie mit sich. Sie gingen in Richtung Oberdeck zur Brücke. Na ja, da wollte sie eigentlich nicht hin.

Seite 35

Als ob er ihre Gedanken gelesen hatte, sagte er schnell: †œIch funke nur die Pläne durch und dann hast du meine ungeteilte Aufmerksamkeit.†œ Unvermittelt küsste er sie sanft auf den Mund und Kate musste sich an seinen muskulösen Armen festhalten, sonst wäre sie unsanft auf dem Hintern gelandet. Nachdem er die Pläne verschickt hatte, betätigte er einen Knopf und wie durch Zauberhand öffnete sich die Decke. Eine Treppe kam zum Vorschein. Blitzschnell hatte er sie auf seine starken Arme gehievt und die Treppe hinauf getragen. Oben angekommen, konnte sie ihr Erstaunen nicht unterdrücken. Sie befanden sich direkt in einem Glashaus. Der Raum musste von außen gut getarnt sein, denn er wir ihr bislang auf dem Schiff nicht aufgefallen. Viele Blumen verströmten einen betörenden Duft. Durch die Glasdecke war der Sternenhimmel zu sehen, direkt über ihnen stand der Vollmond am Firmament und zauberte ein unheimliches Licht in den Raum. Langsam ließ Bones sie an sich herab gleiten und hielt sie immer noch ganz nah an sich gepresst. Seine schönen, festen Lippen näherten sich den ihren. Wie um ihr Einverständnis einzuholen, hielt er einen kurzen Moment inne.  Langsam entspannte sie sich.

Ein durchdringendes Alarmsignal riss sie beide unsanft aus ihrem Halbschlaf. Bones sprang als erster aus dem Bett und zog sich die Kleider in Sekundenschnelle über den Leib. Dann gab er Kate einen flüchtigen Kuss und fragte: „Alles okay?“
„Ja, ich habe so schön geträumt“, seufzte Kate noch im Halbschlaf.
Aber plötzlich war sie hellwach: „Bones, verdammt, wo hast du meine Klamotten gelassen, und was ist das für ein Alarm?“ Splitternackt sprang sie aus dem Bett und zog sich an. „Das kommt vom Achterdeck, soweit ich das beurteilen kann“, entgegnete er. „Was befindet sich dort?“
Kate beschlich ein ungutes Gefühl. An Bones Reaktion konnte sie erkennen, dass die Lage ernst war. Sie zog sich so schnell wie möglich an, um Bones zu folgen. Als sie gerade fertig war, tauchte er schon wieder auf. Mit einem verschmitzten Lächeln und zwei Tassen Kaffee stand er wieder in der Tür. „Es war nur Fehlalarm“, sagte er. „Lilli, Lucy, Garvin und Duncan haben irgendetwas ausprobiert und dabei ein kleines Feuerchen gemacht. Das hat dann den Rauchmelder ausgelöst.“ Er musste sich das Lachen verkneifen, als er in Kates Gesicht sah. Kate fand das gar nicht lustig. Da sie aber nicht in Stimmung zum Streiten war, sagte sie nur: „Ich werde dann mal gehen. Ich muss mich zur Besprechung noch umziehen. Wir treffen uns in 30 Minuten an Deck, okay?“ Bones wollte noch etwas erwidern, aber da war sie schon durch die Tür hinaus.
Sie brauchte etwas Abstand und musste sich über ihre Gefühle klar werden.

Seite 36
Kerstin und Tim hatten sich nach den vielen Offenbarungen an Deck, Angies Flugkunst und Jeans Eingeständnis ein Wolf zu sein, klammheimlich davon geschlichen. Sie wollten endlich etwas Zeit für sich haben, bevor womöglich der richtige Stress anfing. Also verdrückten sie sich in Kerstins Kabine, weil sie wussten, dass keiner, der seinen Kopf behalten wollte, sie da stören würde. Da es draußen noch dunkel war, ließ Tim durch seine Gedanken ein paar Kerzen aufleuchten. Ein leichter Schauer der Erregung lief Kerstin über den Nacken. Tim schaute sie die ganze Zeit an und Kerstin spürte, wie sich  der Reißverschluss an ihrem Catsuit bewegte. Die transparente Rückenpartie fiel leicht über ihre Schultern. Ein leiser Schreckenslaut verließ ihre bebenden Lippen. Mit zwei großen Schritten kam Tim auf sie zu, dabei ließ er sie nicht aus den Augen. Er nahm sie zärtlich in beide Arme und küsste ganz sanft ihr Gesicht.
„Holla, was passiert denn nun?“, fragte sie sich. Aber das war dann auch schon der letzte richtige Gedanke, den sie noch fassen konnte, denn jetzt hatte Tim komplett das Kommando übernommen.

Copyright © BD Sisterhood

Zur Fortsetzung mit Kapitel 4 geht´s hier lang. 😉

Weihnachtsgeschichte beim Deutschen Roten Kreuz schreiben

Mit jedem Wort Gutes tun!

Jeder kann mitmachen bei der Entstehung einer wunderbar wild wachsenden Weihnachtsgeschichte auf der Homepage beim Deutschen Roten Kreuz. Für jedes geschriebene Wort spendet Land Rover 50 Cent an das Deutsche Rote Kreuz.

Eine Aktion, die der Lesekreis gerne unterstützt.

DRK - Weihnachtsgeschichte

DRK Weihnachtsgeschichte1Liebes Lesekreis-Team,

das Deutsche Rote Kreuz wagt sich in moderne Web-Gefilde vor. Nach dem Wiki-Prinzip schreiben die Nutzer seit 1. Dezember unter http://weihnachtsgeschichte.drk.de gemeinsam an einer Weihnachtsgeschichte.

Jeder kann mitmachen. Jeden Tag vom 1. bis 24. Dezember wird ein neues Kapitel freigeschaltet. Die User können schreiben, ändern, korrigieren, diskutieren.

Den Anfang der Geschichte hat der Bestseller- und Drehbuch-Autor David Safier geschrieben (Mieses Karma, Berlin, Berlin).

Für jedes Wort der fertigen Geschichte spendet Land Rover 0,50 Euro an die Auslandshilfe des Deutschen Roten Kreuzes. Unter allen Usern wird zudem täglich ein Hörbuch von Audible verlost.

Links:
Prolog von David Safier: Die Weihnachtsfrau
Die Idee
Spielregeln

Vielleicht ist die Geschichte interessant für Ihre Leser. Für weitere Fragen zur Aktion sind wir natürlich immer zu haben.

Viele Grüße
Patrick Baumann

Black Dagger Ladies Online – Red Dragon [Kapitel 2]

Black Dagger Ladies Online

Red Dragon
Kapitel 2

schwarze OrchideeWir merkten sofort, dass dies nicht der Zeitpunkt war, um Fragen zu stellen. Also machten wir uns ungewöhnlich still auf den Weg und folgten Tiago. Doc nahm noch einen allerletzten Schluck von ihrem Wodka, seufzte und murmelte „was für eine Verschwendung“ zu ihrem noch halbvollen Glas.
Tiago führte uns durch ein Labyrinth von Gängen immer tiefer ins Schiff hinein. Ich war mir sicher, ohne Hilfe, würden wir hier nie wieder heraus finden. Vor einer großen Tür, verziert mit einer einzelnen schwarzen Orchidee, blieb Tiago stehen. Kate stupste Kerstin an, doch als wir seinen finsteren Blick sahen, verkniffen wir uns jeden Kommentar.
Lucy betrat als erste den komplett abgedunkelten Raum. Hunderte von brennenden Kerzen sorgten mit ihrem Schein für eine unheimliche Atmosphäre: „Iss ja geil hier“, entfuhr es ihr.
„Setzen, Señoritas, pour favore“, forderte uns Tiago mit seinem unverkennbar brasilianischen Akzent in der Stimme auf. Wir suchten untereinander Blickkontakt, aber die Gesichter der Schwestern waren im Kerzenschein nur verwischt.
Allmählich gewöhnten sich unsere Augen an die Dunkelheit und wir konnten die eigentliche Größe und Schönheit dieses Raumes erkennen. „Mund zu, Angie!“, flüsterte Kate mir ins Ohr, „schau mal nach vorne.“ Lucy, Lilli, Kerstin und Doc hatten ihr Gegenüber schon entdeckt und saßen wie erstarrt da.
Beeindruckt von so viel männlicher Präsenz, bemerkte ich einen erhöhten Puls bei mir. Ich war mir sicher, meinen Schwestern ging es nicht anders. Vor uns stand die komplette Crew, einschließlich Bones, unserem Kapitän.

Seite 15

Aber wo waren die schicken Uniformen geblieben? Sie waren in schwarze lange Umhänge gehüllt, die Kapuzen tief in die Gesichter gezogen. Zum ersten Mal fiel uns auf, wie groß und muskulös sie alle waren. Jeder trug eine schwarze Orchidee über dem Herzen, eine Tätowierung, die wir in der vergangenen Nacht auf die eine oder andere Weise entdeckt hatten.
Bones machte einen Schritt auf uns zu, nahm seine Kapuze ab und sah uns der Reihe nach tief in die Augen. Es fiel ihm offensichtlich nicht leicht über die anstehenden Dinge zu sprechen. Als seine Augen auf die meinen trafen, hatte ich das Gefühl, er könne mir direkt in die Seele schauen.
„Meine Damen, wir haben ein Problem“, sagte es dann mit fester Stimme, „wir, die Mitglieder des Ordens der Schwarzen Orchidee, beobachten Ihre Aktivitäten schon eine Weile, und uns ist auch nicht entgangen, wie erfolgreich Sie auf ihrem Gebiet arbeiten. Sicherlich haben Sie bemerkt, dass Sie sich mit ihrem Tun nicht immer nur Freunde gemacht haben. Ihr letzter Auftrag hat die Pläne der wohl mächtigsten und gefährlichsten Organisation krimineller Machenschaften in Asien, den Geheimbund „Red Dragon“, durchkreuzt. Die Bosse von Red Dragon haben durch Sie einen riesigen Verlust hinnehmen müssen und haben ihre Killer losgeschickt, um Sie zu töten. Ihre Namen stehen im Buch Mahjong, was bedeutet, Sie sind zum Abschuss freigegeben. Wir hatten erfahren, dass Sie die Insel verlassen wollten und mussten schnell handeln. Deshalb haben wir uns als die Crew dieses Schiffes ausgegeben. Was wissen Sie über den Geheimbund Red Dragon, Ladies?†œ
Lucy, wie immer unerschrocken, zuckte mit der Schulter und meinte mit einem Grinsen im Gesicht: „Nicht viel. Wir haben eine „Zusammenarbeit“ bisher selbstverständlich immer vermieden. „Aber was hat das mit dem Orden der Schwarzen Orchidee zu tun? Wir können ganz gut auf uns selber aufpassen“, rief Lilli trotzig und zeigte ihre Waffen, die sie wie Angie mittlerweile in einem Gürtel um die Taille geschnallt trug. Bones lächelte und ich bemerkte den selbstbewussten Ausdruck auf den Gesichtern meiner Schwestern. „Das glaube ich gern“, erwiderte er, er konnte sich noch gut an meine Wurfsterne erinnern und sah die Kampfbereitschaft meiner Schwestern.
„Angie“, war das erste Wort, das Norbert zu mir seit jener Nacht sagte, „wir brauchen eure Hilfe!“
Ich betrachtete Lilli und Lucy mit einem Lächeln. Das Spezialgebiet der beiden waren nämlich Computer und alles was damit zusammenhängt. Ihre Fähigkeiten lassen jeden Hacker alt aussehen und vor Neid erblassen. Es gibt keinen Code, der vor ihnen sicher ist.
Kate dagegen ist in technischen Dingen ein Ass. Sie reparierte LKW und Schweizer Präzisionsuhren in kürzester Zeit und öffnet jedes Schloss im Handumdrehen.
Doc ist unsere Chemikerin. Sie hat meine Messer und Sterne mit einer besonderen Substanz versehen, die bei Kontakt mit Blut meinen Gegner sofort für mindestens sechs Stunden bewegungsunfähig macht. Und sie ist unsere Schamanin und hat uns schon oft wieder zusammengeflickt.

Seite 16

Wir alle wurden zwar in jeder Art von Kampfsport ausgebildet, aber Kerstin ist auf diesem Gebiet unschlagbar. Ihre schnellen, geschmeidigen Bewegungen sind mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen, und ehe ihr Gegner auch nur „Huch“ sagen kann, liegt er schon platt auf dem Boden, mit ihrem Absatz im Genick. Tja, und ich konnte jedem mit meinen Messern einen neuen Scheitel ziehen, ohne die Kopfhaut auch nur anzuritzen, oder eben mit tödlicher Präzision den Schädel spalten, je nach Wunsch.
Ich nickte ihnen also zu, und nachdem ich mir die Jungs von dem Orden nochmal kurz angesehen hatte, stand ich auf und stellte mich mit verschränkten Armen vor Norbert. Gott, hoffentlich hat er nicht wieder diesen Blick drauf wie gestern. Vorsichtig sah ich in seine Augen, doch da war nichts in seinem Blick!
Keine Wärme, kein liebevolles Bedauern, noch nicht mal Kälte. Ausdruckslos sah er mich an. Ein leichter Schauer von Unbehagen durchfuhr mich.
Dann dachte ich an die letzte Nacht und sah rot. „Sag mal, für wie dämlich haltet ihr uns eigentlich?“, fuhr ich ihn an, „was glaubt ihr denn, wer ihr seid? Meint ihr etwa, wir hätten nicht mitgekriegt, dass hier Eindringlinge oder was auch immer an Bord sind. Verpuffung im Maschinenraum, hah, dass ich nicht lache! Habt ihr euch erst entschlossen uns um Hilfe zu bitten, nachdem ihr uns flachgelegt habt, um das hier zu sehen?“ Bei dem Wort flachgelegt zuckte er leicht zusammen. Ich hob mit beiden Händen meine Haare an und zeigte allen mein Tattoo im Nacken, das nur wir Mädels haben. Es war ein exakt sechs Zentimeter langer schwarzer Dolch mit unseren Initialen. Wütend warf ich meine Haare zurück und stand mittlerweile genau vor ihm und blickte ihm fest in die Augen. „Es war in den Getränken, richtig? Oder in der Klimaanlage, stimmt`s? Gott, wie erbärmlich! Warum habt ihr uns nicht einfach gefragt?“ Er sah mich nur kühl an. „Ach, vergiss es“, sagte ich resigniert, „wir werden jetzt zurück in unsere Kabinen gehen und zwar ALLEIN! Dort erwarten wir von euch in den nächsten Stunde eine überzeugende Erklärung für dieses Theater hier – und eine Entschuldigung für – na, ihr wisst schon! Mit den roten Drachen werden wir auch alleine fertig. Wir kämpfen immer alleine! Kommt Schwestern, bloß raus hier, sonst wird mir übel.“
Zustimmend nickten mir die Mädels beim Rausgehen zu. Ich schickte einen letzten verächtlich Blick zu den „Schwarzen Orchideen“ und knallte dann laut die Tür hinter uns ins Schloss.
„Das war längst fällig“, sagte Kerstin und führte uns durch die Gänge in diesem Labyrinth. Plötzlich blieb sie stehen. „Ach, guckt mal da“, flüsterte sie. Ein ziemlich kleiner Mann bog gerade um die Ecke und blieb etwa fünf Meter vor uns stehen. „Habe ich euch endlich, ihr dämlichen Kampfschnecken! Einem Don Goose pinkelt man nämlich nicht ungestraft ans Bein“, keifte der kleine Giftzwerg und lachte hämisch. „Na, dann komm mal, mein Kleiner. Ich zeig dir schon, wo der Frosch die Locken hat!“, erwiderte Kerstin ganz cool und winkte ihn mit beiden Händen zu sich heran. Wir fünf lehnten uns ganz entspannt an die Wand und verschränkten die Arme vor der Brust. Gelassen sagte Doc: „Er hat es so gewollt!“ „Jab, er hat danach geschrien“, erwiderte Lucy mit leichtem Grinsen. Ein paar gezielte Tritte und Schläge auf die richtigen Stellen und die Flachpfeife lag mit der Nase auf dem Gang! Schade, diesmal konnte ich das Schauspiel nicht so richtig genießen, ich war immer noch mit meinen Gedanken in diesem merkwürdigen Raum. „Ups“, sagte Doc, „Tom Cruise für Arme“. Dann sahen wir plötzlich am Ende des Ganges ein unwirkliches, gleißendes, unwahrscheinlich helles Leuchten, aus dem sich langsam eine Gestalt löste.

Seite 17

„Verdammt, das Schiff ist nicht versiegelt! Hier kann jeder nach Lust und Laune auftauchen, der einen Materialisierungszauber beherrscht!“, grummelte Doc. Sie ging in Kampfposition, streckte ihren rechten Arm aus und hielt ihre Handfläche nach vorn gerichtet, ein lilafarbener Energieball löste sich aus ihrer Hand und schnellte nach vorne auf die Gestalt zu. Als der Engergieball die Gestalt erreicht hatte, umhüllte er sie. Dann fing die Gestalt an zu zucken, knallte dumpf auf den Boden und blieb regungslos liegen. Überrascht sahen wir Doc an. „Hab ich mit Sweetlife geübt letztens! Man kann seine Heilkräfte nämlich auch anders einsetzen, das ist für den Nahkampf aber eher ungeeignet, man braucht Zeit um sich zu konzentrieren!“, sagte sie stolz.
Dass sie mit ihren Händen auch kleinere Verletzungen heilen konnte, wussten wir ja, ebenso, dass sie gerne mal mit Tränken und Giften herumexperimentierte, aber hiervon hatte sie uns bisher kein Sterbenswörtchen erzählt. Ich ging langsam mit Kerstin nach vorne um zu sehen, wem Doc da gerade eine Packung verpasst hatte.
„Ach nee, das wird ja noch richtig nett hier mit so vielen alten Bekannten.“, meinte Kerstin und machte damit die anderen neugierig und so wir versammelten uns alle um K.O.-Boy.
Auf dem Boden lag Mr. Hattori Hayabusa, ein japanischer Ninja, der für seine Schwert-Kampfkunst berühmt und berüchtigt war. Wir kannten ihn aus Kawasaki, als wir den Auftrag hatten eine verzogene Milliardärstochter zu befreien, die ganz offensichtlich in den falschen Kreisen verkehrte. Dass wir ganz nebenbei in den dicksten Drogenhandel von Japan geplatzt waren, kam uns natürlich sehr gelegen. Wir haben den Jungs von Red Dragon kräftig in den Hintern getreten und ihnen ihr Geschäft vereitelt. Hayabusa war unser Kontaktmann dort gewesen, und er hat hier und da für uns den Dolmetscher gespielt, da Kates Japanisch doch etwas eingerostet war.
„Angie, was hat das zu bedeuten? Er gehört doch nicht zu den Red Dragon, oder etwa doch?“, fragte Kerstin. „Tja, das wüsste ich auch gerne. Kommt, wir fixieren ihn erstmal, dann kann er es uns ja selbst erzählen, wenn er wieder bei Bewusstsein ist.“, sagte ich.
Wir fesselten ihm mit meinem Gürtel die Hände und schleppten ihn den Gang entlang. Plötzlich fiel mir eine seltsame Tür auf, sie hatte weder eine Nummerierung noch ein Schild mit einem Hinweis darauf, was sich dahinter verbarg. Die Tür war aus Stahl. In Höhe des Türgriffs befand sich ein kleines Display mit Tastatur darunter.
„Lilli, Lucy? Seht euch das mal an!“, die zwei kamen direkt an meine Seite und inspizierten alles genauestens. „Das ist ein biometrisches Türschloss, es verschafft einem nur Zutritt mit dem passenden Fingerabdruck oder einem Netzhautscan.“ meinte Lilli prüfend. „Aber mit dem richtigen Equipment, müsste es ganz easy zu knacken sein. Am besten wir holen unsere Ausrüstung und checken das mal genauer.“ Die zwei sahen sich an, nickten und eilten voraus zu ihrer Kabine. Mit dem ohnmächtigen Hayabusa im Schlepptau, machten wir anderen uns auch auf den Weg zurück. In meiner Kabine angekommen, stürmten Lilli und Lucy total aufgebracht herein.
„Irgendjemand hat unsere Sachen durchwühlt!“, meinte Lucy und sah stinksauer aus. „Wenigstens ist nichts verschwunden“, meinte Lilli, „komm Lucy, wir werden jetzt mal rausfinden, wer oder was sich hinter der Stahltür versteckt. Kate, kommst du bitte auch mit, vielleicht brauchen wir dich mit deinen Fähigkeiten als Einbrecherin, wenn wir mit unserer Technik nicht weiterkommen?“, sagte Lilli dann zu Kate, die nur darauf gewartet hatte ihre Fähigkeiten mal wieder unter Beweis zu stellen.
Mit einem Laptop, einigen Kabeln und einem Mini-Werkzeugkasten bepackt verließen die drei die Kabine. Wir hievten unsere Geisel auf eines der Sofas und dann goss ich mir erstmal ein Glas Rotwein ein.
„Ich schau mal nach, ob bei mir auch jemand in der Unterwäsche rumgewühlt hat“, meinte Doc und ging in ihre Kabine.
Als sich Lilli, Lucy und Kate wieder vor dieser geheimnisvollen Stahltür befanden, bauten sie ihre empfindlichen  kleinen, elektronischen Helfer auf dem Boden auf.

Seite 18

Darunter befanden sich ein Laptop, ein Lesegerät und eine Einlernstation, die Fingerabdrücke erfasst und diese durch einen Algorithmus in einen biometrischen Referenzdatensatz umwandelt.
Stimmte also der Datensatz auf dem Scanner mit dem Datensatz auf der Karte nicht exakt überein, blieb die Tür verschlossen. Kate fragte leichthin, so als ob es nicht so wichtig wäre: „Sagt mal Mädels, brauchen wir nicht eine Karte mit einem Fingerabdruck von einem Crewmitglied?“ Lilli und Lucy blickten sich vielsagend an. „Wen hattest du denn da so im Sinn, Kate?“, fragte Lucy.
„Öhm, naja Kapitän Bones vielleicht“, antwortete Kate und lief rot an. Natürlich hatten die beiden sie schon durchschaut.
Lilli sagte energisch: „Kate, du weißt ganz genau, dass wir es auch ohne Abdruck von deinem Bones aufkriegen! Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“, meinte sie dann aber augenzwinkernd.  Kate nickte widerwillig mit dem Kopf, fügte sich aber ohne Murren. Ihre Hilfe wurde im Moment nicht benötigt, also schaute sie interessiert zu, wie Lucy vorsichtig das Gehäuse vom Türschloss entfernte.
Lilli entnahm dem Kabelsalat ein schwarzes, schmales Elektrokabel und steckte ein Ende in den Laptop und das andere in das nun offene Schloss. Dann stellten sie eine Verbindung zu dem Lesegerät her, und Lillis Finger glitten geradezu virtuos über die Tastatur, so als würde sie ein Instrument bearbeiten.
Kate observierte währenddessen den  Gang, im Moment schien alles ruhig zu sein. Sie entspannte sich etwas, ihre Sinne jedoch waren äußerst geschärft. Der Monitor blitzte auf, Daten flogen zwischen dem Lesegerät und dem Schloss hin und her. Dann machte es „pling“ und schon hatten sie einen brauchbaren Fingerabdruck. Diesen übertrug Lilli nun vom Lesegerät auf eine Karte, die wie eine normale Kreditkarte aussah. Ein erneutes „pling“ war zu hören und schon war die Karte für den Einsatz bereit. Lucy nahm sie und schob sie in das Schloss. Mit einem unheimlich lauten Knirschen gab die Stahltür nach.
Zuerst nahmen ihre empfindlichen Nasen einen sehr unangenehmen Geruch wahr. Der Gestank war so entsetzlich, dass sie sich die Nasen zuhalten mussten. Lilli schnappte sich ihr Handy und simste an Sweetlife und an alle Schwestern eine kurze Info und sagte zu Kate: „Hältst du uns bitte den Rückweg frei, ich möchte auf keinen Fall in diesem stickigen Loch lebendig begraben werden. Wir gehen rein.“ Kate nickte zustimmend und meinte ernst: „Das riecht nach Tod da drinnen, seid bloß vorsichtig! Schließlich will ich mit euch noch Partys feiern und jede Menge Drinks vertilgen!“ Lilli antwortete ein wenig gerührt: „Ja, versprochen Kate, nun werd´ mal nicht sentimental.“
Lilli und Lucy drückten gegen die schwere, massive Tür und schreckten leicht zurück. Beide hatten das Gefühl, dass sie gerade eine Gefriertruhe öffneten. Als sie mit zugehaltenen Nasen den Raum betreten hatten, standen sie direkt vor einem 2,10 m langen massiven Eichensarg, der mit kunstvollen, wahrscheinlich sehr alten Schriftzeichen, versehen war.
Dann blickten sie nach rechts und sahen noch mehr Särge. Allerdings waren diese sehr schlicht. In dem schwachen Licht war nicht mehr zu erkennen, aber Lilli und Lucy hatten das Gefühl, dass es besser sei, sich erstmal wieder zurückzuziehen. Außer den Särgen befand sich nichts in dem Raum. Nachdem sie die Tür wieder verschlossen hatten, machten sie sich auf den Rückweg und erzählten Kate unterwegs von den Särgen.
Als die drei durch meine Kabinentür kamen, sahen sie wie Kerstin und ich dabei waren unseren japanischen Gast zu wecken. Mit kaltem Wasser hatte es nicht geklappt, also versuchten wir es auf weniger charmante Art und Weise und gaben ihm ein paar Ohrfeigen. Nur Docs Energieball hatte ihn so komplett umgehauen, dass er erst mit Hilfe von kleinen Stromstößen wieder zu sich kam. Hayabusa wirkte alles andere als erfreut, als er uns sah. Wahrscheinlich hatten wir sein Ego ganz schön angekratzt, denn wer lässt sich schon gerne von einer Frau ausknocken. Natürlich hatten wir für solche Nebensächlichkeiten jetzt keine Zeit.

Seite 19

Wir mussten unbedingt herausfinden auf welcher Seite Hayabusa stand, und das war gar nicht so einfach. Unser japanischer Freund erwies sich als ganz schön zäher Brocken. Aber er war nicht der erste, den wir zum Sprechen bringen mussten, und schließlich hatten wir Doc und ihre Ingredienzien aus ihrem Medizinköfferchen. Doch bevor sie ein entsprechendes Mittelchen anwenden konnte, knallte es plötzlich an der Tür.
Erschrocken, aber kampfbereit und mit gezückten Waffen, drehten wir uns wie auf Kommando um. Die Tür war aufgesprengt worden und wer stand davor, natürlich dieser abgebrochene Gartenzwerg Don Goose. Er kam mit lautem Gebrüll auf uns zu gerannt und schwang dabei ein riesiges Samurai-Schwert über dem Kopf. Noch bevor er uns erreicht hatte, ließ er sein Schwert mit einem grellen Schrei fallen und hielt sich seine verletzte Hand vor die Brust.
Ehe  irgendeine von den anderen Schwestern reagieren konnte, hatte ich schon einen meiner Wurfsterne präzise in seine Schwerthand geworfen. Doc und Kerstin nahmen den wimmernden Don Goose in Empfang und Kate meinte nur trocken: „Wir hätten ihn wohl besser auch gleich gefesselt und hierher gebracht. Jetzt hat er unsere Kabinentür demoliert, so ein Blödmann!“
Doc verband dem kleinen Jammerlappen die Hand und Kerstin verschnürte ihn anschließend wie ein Paket und setzte ihn in die hinterste Ecke unserer Kabine.
Nun konnten wir uns wieder mit Hayabusa befassen. Irgendetwas stimmte nicht mir Hattori! Er plapperte nur unverständliches japanisches Zeug vor sich hin und wackelte mit dem Kopf hin und her, anscheinend befand er sich in einer Art Trance. Kate ging ganz nahe an ihn heran, musterte ihn von oben bis unten und drehte sich dann mit einem verwirrten Gesicht zu uns um: „Mädels, ich bin mir überhaupt nicht sicher, aber ich glaube, dass ist nicht unser Hattori. Irgendwas ist anders an ihm. Ich kann es aber nicht genau benennen, ist nur so ein absolutes Bauchgefühl. Ich glaube es ist am besten, wenn wir Kapitän Bones verständigen und ihm unsere zwei Gefangenen übergeben. Er kann sie sicher irgendwo unter Verschluss halten, bis wir genau wissen, was wir mit ihnen machen sollen. Vielleicht weiß er, was mit Hattori nicht stimmt.†œ
Wir waren mit Kate einer Meinung, doch wir konnten uns sparen, zum Kapitän zu gehen. In der Tür tauchten gerade Jean de Castelleu, der 1. Offizier, und Bowen McRieve, der 2. Offizier, auf. Sie sahen sich hektisch in unserer Kabine um: „Wir haben so was wie eine Explosion gehört und haben uns sofort auf den Weg hierher gemacht. Aber anscheinend haben die Ladies alles im Griff!“, bemerkte Jean de Castelle als erstes. „Was für zwei Prachtburschen habt ihr denn da am Haken?“ fragte Bowen.
„Das sind die Herren Don Goose, seines Zeichens Giftzwerg und absoluter Looser, und Hattori Hayabusa, ein japanischer Ninja, der uns bei einem Auftrag in Japan als Dolmetscher behilflich war. Wir wollten gerade beim Kapitän Meldung machen und ihn bitten, diese zwei Typen für uns in Verwahrung zu nehmen. Hattori benimmt sich sehr seltsam und Kate glaubt nicht, dass das der echte Hattori ist. Ansonsten haben wir leider nichts aus ihm herausbekommen.†œ
„Kein Problem, meine Damen, wir nehmen uns der Sache an†œ, meinte Jean und griff sich Hattori, während Bowen sich Don über die Schulter warf. „Bis später, Ladies! Heute gibt es noch eine klärende Zusammenkunft. Unser Oberboss ist auf dem Weg hierher!†œ sagte Bowen noch im Hinausgehen und schon waren sie verschwunden.
Wir wollten gerade anfangen, wie immer, durcheinander zu reden, da stand schon der Nächste in unserer Kabine. Tim Wiesel hatte eine neue Tür unter den Arm geklemmt, als wäre sie aus Pappe und grinste: „Ich habe gehört, dass bei unseren Damen etwas zu Bruch gegangen ist. Ich werde mich sofort darum kümmern und dafür sorgen, dass ihr wieder eure Privatsphäre genießen könnt.†œ Im Handumdrehen hatte er uns die neue Tür wieder eingebaut und war mit einem unverschämt, sexy Lächeln, dass er Kerstin zuwarf, wieder verschwunden.
Als wir erneut loslegen wollten, fing Lillis Handy an zu bimmeln! Alle stöhnten laut auf und Lilli schaute nach, wer da anrief.

Seite 20

„Mädels, Ruhe, das ist Sweetlife!“ Wir verstummten sofort und schauten alle gebannt zu Lilli, die nur mal ein mh und ein o.k. von sich gab. „Mädels, wir bekommen Besuch auf unserem Schiff! Kein geringerer als der Boss vom „Orden der schwarzen Orchideen†œ ist auf dem Weg zu uns. Er hat sich mit Sweetlife in Verbindung gesetzt und sie darüber unterrichtet, dass der Orden uns um unsere Mithilfe bittet. Um was es dabei genau geht, wollte sie nicht sagen. Sie wollte ihm auch nicht vorgreifen. Wir werden also heute Abend genau erfahren, um was es hier eigentlich geht und was unsere Aufgabe hier sein wird. Und jetzt kommt´s – ratet mal, wer der Boss, dieses Ordens ist!“
„Lilli, spann´ uns nicht so auf die Folter!†œ, entfuhr es mir genervt. Hier war ja schon seit ein paar Minuten die Hölle los.
„Mister Duncan Thorbe ist der Oberste des Ordens. Na, wer hätte das gedacht?“ sagte Lilli grinsend.
Wir schauten uns alle an und Lucy meinte: „War ja irgendwie klar, oder?“
„Ach Mädels, hätte ich fast ganz vergessen! Sweetlife hat mit Herrn Thorbe über Bildtelefon gesprochen und gemeint, wir sollten uns anschnallen. Wir sollten uns zusammenreißen und nicht anfangen ihn anzuschmachten!“ erklärte Lilli mit einem superbreiten Grinsen auf den Lippen. „Häh, wieso?†œ fragten alle, wie aus einem Mund.
„Der Typ sähe aus wie unser Lieblingskönig Viggo Mortensen, nur die Augen wären noch hypnotischer, meinte Sweetlife. Also harter Tobak für uns, Mädels. Da müssen wir uns seelisch und körperlich drauf vorbereiten. Nicht, dass wir vor lauter Schmachten nur die Hälfte mitbekommen.“
In diesem Moment hörten wir ein leises Brummen auf das Schiff zukommen. Aus einem der Fenster konnten wir dann einen sich nähernden Hubschrauber entdecken. „Da kommt er ja, unser neuer Auftraggeber“, bemerkte Kerstin und schaute uns allen tief in die Augen, „ich bin ja mal gespannt, was der uns so alles zu erzählen hat!“
„Wie zurückhalten, wer schmachtet denn hier? Ich glaube, ich muss bei Sweetlife mal einiges klar stellen“, murmelte Lucy. „Wenn unsere sonst so zurückhaltende Sweetlife schon ins Schwärmen gerät, dann wollen wir uns den Burschen mal ansehen.†œ
Gemeinsam verließen wir meine Kabine und machten uns auf den Weg zum Helikopter-Landeplatz. Bis wir den Landeplatz auf dem riesigen Schiff erreicht hatten, war der Hubschrauber schon gelandet. Ein junger Mann in verrissenen Jeans und Muskel-Shirt, offensichtlich einer von Thorpes Angestellten, entlud gerade das Gepäck. „Man, der reist ja nicht gerade mit Handgepäck“, entfuhr es Kate, die die 6 schwarzen, mannshohen Lederkoffer bewunderte. „Da passt ja in einen Koffer mehr rein, als meine komplette Garderobe. Muss ein ganz schön eitler Fatzke sein.“
Lilli rief dem Mann zu: „Hey Bursche, wo ist denn dein Big Boss geblieben? Wenn du Hilfe brauchst mit den schweren Koffern, nur nicht zögern, wir stehen zu deiner Verfügung.“ Der Typ drehte sich langsam zu uns um, dabei wischte er sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Wir beobachten ihn gespannt, gefesselt von dem Muskelspiel seiner leicht gebräunten Oberarme. „Hilfe ist immer gut, meine Damen, aber die sind echt zu schwer für euch.“ „Schwachsinn“, rutsche es Lucy heraus, „das ist ein Kinderspiel für uns. Mädels, helft mit anpacken!“
Obwohl einige meiner Schwestern mit den Augen rollten und Lilli vorwurfsvolle Blicke für ihr Hilfsangebot zuwarfen, hievten wir gemeinsam die sechs Koffer aus dem Helikopter. Schon nach kurzer Zeit waren wir schweißgebadet und unsere einst so schicken sexy Kleidchen hingen wie billige KIK-Fummel an uns herunter.
Der Bursche hatte derweil nichts Besseres zu tun, als sich mit einem frechen Grinsen im Gesicht sein T-Shirt auszuziehen. Dann trocknete er in aller Seelenruhe damit seine nackte Brust ab. Fast wäre mir ein Koffer auf den Fuß gefallen. „Pass doch auf“, zischte Doc. „Angie, aber sieh doch, die Tätowierung! Der gehört auch dazu.“ Kerstin, die immer schon ein bisschen durchtrainierter war, kam als erste wieder zu Atem. „Wo ist denn nun dein Chef, ich dachte, er muss uns so dringend sprechen? Das ist ja wohl nicht die feine englische Art, uns so stehen zu lassen!“

Seite 21

„Ihr wollt zu Thorpe?“, fragte der Bursche immer noch grinsend.
„Oh Mann, ist dir dein Hirn in der Sonne eingeschrumpelt, oder war da noch nie mehr? Hör endlich auf mit dem dämlichen Gegrinse, Dreibein. Natürlich wollen wir zu Thorpe, von wem reden wir denn die ganze Zeit? Ich glaube, ich werde noch zum Elch bei diesen bornierten Mannsbildern.“ Ich war wütend und stinksauer noch mehr Zeit zu vertrödeln. Ich hungerte den uns versprochenen Informationen und Antworten entgegen. Und schließlich wollte ich mich endlich mit meinen Schwestern dem Kampf gegen die Red Dragon stellen.
Wenn ich nicht so aufgebracht gewesen wäre, hätte ich sicher das unbehagliche Schweigen meiner Schwestern bemerkt. Ich schaute in die Runde, keine sagte etwas. „Also, was check ich nicht?“
„Ich bin Duncan Thorpe!“ Mein Hirn war auf einmal wie leer gefegt, eine karge Wüste, gefüllt mit nutzlosem Sand. Ich geriet ins Schwanken und meine Beine drohten zu versagen. Doc und Lilli, die mir am nächsten standen, wollten mich schon stützen, aber das war dann doch nicht mehr nötig. Ich hatte mich schon wieder unter Kontrolle. Nur das Gefühl, mich komplett zum Trottel gemacht zu haben, blieb.
„Ich glaube, ich muss mich entschuldigen. Sonst ist es nicht meine Art so hübsche Exemplare der weiblichen Gattung auszunutzen. Aber dein Angebot war zu verlockend“, sagte er und fixierte dabei Lilli. Lillis Lider flatterten kurz. Thorpe war Lillis Reaktion bestimmt nicht entgangen, er ging aber nicht weiter darauf ein.
Ohne ein weiteres Wort verließ er den Landeplatz in Richtung Lounge. Wir folgten ihm schweigend.
In der Lounge setzte er sich in einen der riesigen Clubsessel. Bones und Jean de Castelleu erwarteten uns schon. „Also, da bin ich, ich denke wir müssen reden“, begann Thorpe.
„Wie jetzt, hier und sofort? Aber nicht so wie wir aussehen! Sie müssen uns schon 10 oder lieber 20 Minuten Zeit geben, damit wir uns frisch machen können – ist das okay?“, fragte ich ihn. Er nickte zustimmend: „In 20 Minuten wieder hier, und der ganze Orden wird auch da sei, um eure Fragen zu beantworten.“
Auf dem Weg zu unseren Kabinen konnte ich immer nur das Eine denken: wie peinlich war das denn wieder? Kannst du denn nicht einmal die Klappe halten? Erst das Hirn einschalten und dann der Zunge den Befehl zum Reden geben – nicht umgekehrt!
Als wir den Flur erreicht hatten, in dem unsere Kabinen lagen, hörte ich hinter meiner Kabinentür Geräusche – Geräusche, die da nicht hingehörten. Lautlos öffnete ich die Tür und sah einen Mann, der die Schubladen in meinem Schrank durchwühlte. Ihn sehen und mit zwei Messern seine Hände an die Schranktür nageln war eins. Zur Sicherheit schickte ich noch jeweils einen Stern in seine beiden Kniescheiben. Das Tütengesicht stimmte ein mörderisches Geschrei an und wurde schnell von Kate ins Land der Träume geschickt.
„Schade, an ihm hätte ich gerne meinen dreifachen Kerstinberger, eine neue Nummer, an der ich gerade übe, ausprobiert. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal“, sagte Kerstin grinsend zu uns. „Oh, ist der Schlüppiwühler nicht dieser Hack Vreße, der Kumpel von Weichei Don Goose?“, fragte Doc. „Jap, und da ist auch schon Tim um den Müll zu entsorgen. Danke!“, hauchte Kerstin und lächelte Tim strahlend an, der wie  immer sofort zur Stelle, wenn es bei uns brannte. Nachdem jede von uns in ihrer Kabine verschwunden war, zog ich mir nach einer schnellen Dusche meine „Uniform“ an: Schwarze Lederhose mit genug verstecktem Stauraum für meine Messer und Sterne, weißes enges T-Shirt und schwarze Stulpenstiefel, in denen auch noch ein paar Waffen untergebracht werden konnten.
Meine Schwestern trugen das Gleiche. Wir wussten, wir sahen umwerfend in unseren körperbetonten Outfits aus. Selbstbewusst und voller Neugierde erreichten wir ohne Zwischenfälle die Lounge.
Da standen sie zusammen und erwarteten uns.

Seite 22

Sehr große, sehr gut aussehende braungebrannte Männer mit breiten Schultern in hautengen Hosen aus feinstem Leder. Die Hosen bedeckten gerade noch die Hüften und wurden von breiten Gürteln mit großen silbernen Schnallen gehalten. In jede Schnalle war das Zeichen ihres Ordens eingraviert – eine schwarze Orchidee. Die schneeweißen altmodischen Rüschenhemden waren bis zum Bauchnabel geöffnet und gaben uns den Blick auf ihre glatten, muskulösen Oberkörper und duchtrainierten flachen Bäuche frei. Da war kein Gramm Fett zu viel. Ich ihren Augen sah ich dieses merkwürdige, helle, warme Leuchten. Die Raumluft war schon wieder mit diesem besonderen Duft erfüllt.
Mit leicht gespreizten Beinen standen sie da:

Kapitän Crispin Bones, Jean de Castelle, der 1. Offizier, Bowen McRieve, der 2. Offizier, Norbert Petersen, der Zahlmeister an Bord der MS Seraphim, Dr. Fernando Zoom, Schiffsarzt, Gavin Dandy, der Fitness-Trainer, Tim Wiesel, Steward, Cyrus, der Barkeeper, Tiago, der Mann von der Rezeption, und Ducan Thorbe, der Anführer dieser Blumenkinder. Damit stand es 10:6 für den Orden der schwarzen Orchidee. Aber wir Black Dagger Ladies ließen uns von dieser Übermacht nicht einschüchtern. Denn eines stand fest, in irgendeiner Form waren sie auf unsere Hilfe angewiesen.
Neben Jean stand noch ein fremder Mann. Beide kamen ein paar Schritte auf uns zu, und Jean stellte ihn vor: „Meine Damen, das ist mein Cousin Eric von Kastell aus Deutschland.  „Wie war er an Bord gekommen? Doc stupste mich an und flüsterte mir zu: „Johnny-Hase fehlte ja noch!“
Mit einem Handzeichen forderte Thorpe uns auf ihm in den Konferenzraum zu folgen. Als wir uns alle an den großen Tisch gesetzt hatten, sagte Thorpe: „Also gut, reden wir. Wie gut seid ihr in der chinesischen Mythologie bewandert?“
„Was gibt das denn? Für Geschichtsunterricht haben wir nun wirklich keine Zeit“, unterbrach ihn Lucy trotzig. Ein strenger, durchdringender Blick von Thorpe genügte, um Lucy zum Schweigen zu bringen. Dann fuhr er fort: „Ihr müsst verstehen, wer und vor allem was Red Dragon ist. Glaubt mir, da steckt weit mehr dahinter, als eine Bande dreckiger und stinkender Verbrecher. Es heißt, der Anführer von Red Dragon sei ein direkter Nachfahre des Drachen Liong. Möglicherweise ist er sogar einer seiner neun Söhne.“
„Was soll das nun schon wieder? Du willst uns nicht wirklich einen mehrere tausend Jahre alten roten Drachen jagen lassen?“, erwiderte Kerstin, obwohl ihr der Gedanke zu gefallen schien. Thorpe erwiderte lächelnd: „Nein, doch, äh – eigentlich ist er nicht als Drache zu erkennen, auf den ersten Blick zumindest. Drachen können viele andere Gestalten und Formen annehmen.“
„Aber lassen wir das mit dem Drachen mal etwas Beiseite und konzentrieren uns zunächst auf  die Organisation der „Red Dragon“. Da ihr Anführer halb Mensch und halb Drache ist, könnt ihr euch vorstellen, dass ihm fast jede menschliche Regung fremd ist.  Er strebt unbeirrbar nach Macht und Reichtum und geht dabei über Leichen.  Er ist völlig kalt, berechnend und grausam,  für ihn gibt es weder Freund noch Feind,  alles was sich ihm in den Weg stellt, wird gnadenlos vernichtet.“

Seite 23

Wir hingen alle vollkommen sprachlos an den Lippen von Duncan. Nie hätte ich gedacht, dass ich es mal erlebe, dass alle Schwestern gleichzeitig mucksmäuschen still dasitzen. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. „Durch einen dummen Zufall“,  fuhr Duncan fort, „fielen uns erst kürzlich wichtige Dokumente der Dragons in die Hände. Aus diesen Dokumenten geht eindeutig hervor, dass sie eine nie da gewesene Aktion planen, um an die Weltherrschaft zu gelangen. Unsere Nachforschungen haben das leider bestätigt.“
Abwesend fixierte Duncan Lilli. Es sah aus, als wollte er sich an ihrem Blick festhalten. Sichtlich schwer fiel ihm das Folgende auszusprechen, und seine Stimme wurde  immer leiser:  „Die Dragons planen durch Genmanipulation Doppelgänger aller führenden Staatsoberhäupter zu schaffen. Wenn ihnen das gelingt, haben sie ein leichtes Spiel die Weltherrschaft an sich zu reißen!“
Total geschockt stießen alle hörbar den Atem aus. Damit hatten wir in unseren wildesten Träumen nicht gerechnet. Wie war so etwas überhaupt möglich?
Lilli war die erste, die ihre Sprache wieder fand: „Das ist ja wohl der absolute Supergau! Was wollt ihr denn dagegen unternehmen, und welche Rolle spielen wir dabei? Duncan, der immer noch ganz auf Lilli konzentriert war, riss den Blick von ihr los und schaute uns alle der Reihe nach an.
„Ihr seid die Einzigen, die den Dragons ganz nah gekommen sind und ihr seid auch die Einzigen, die das überlebt haben! Deshalb sind wir auf euch aufmerksam geworden. Wir haben schon zwei Verluste zu beklagen. Ihr habt den „Dragons“ ein ganz großes Drogengeschäft in Japan vermasselt. Durch diese Drogengeschäfte kommen sie an das Geld, womit sie ihr Genprojekt finanzieren. Wahrscheinlich hat euch eure geheime Insel erstmal das Leben gerettet. Die Insel ist nicht so leicht zu finden und mit euch in Verbindung zu bringen. Da hat eure Sweetlife ganze Arbeit geleistet!“
Wir nickten uns gegenseitig zu und setzten ein breites Grinsen auf. „Ja, unsere Insel ist schon was ganz Besonderes und unsere Sweetlife ist unbezahlbar. Wir wissen ganz genau, was wir an ihr haben,†œ entgegnete Kerstin.
„Wir haben euch zum Glück vor den Dragons gefunden. Als wir erfahren hatten, dass die ersten Killer auf dem Weg zu euch waren, mussten sofort handeln. Ich gebe zu, dass wir gehofft hatten, dass euch der Anblick unserer MS Seraphim auf die Idee bringen würde, eine Kreuzfahrt zu unternehmen. Und so haben wir uns direkt vor euren Strand platziert und gewartet“, sagte Duncan und warf mir dabei einen um Entschuldigung bittenden Blick zu. Ein leichtes Grinsen konnte er sich dabei aber nicht verkneifen. Na, super, dachte ich, und ich Trottel habe mich von dem Anblick dieses Traumschiffs tatsächlich in die Falle locken lassen und uns alle hier einchecken lassen!
„Vielen Dank, für diese Entführung!“ entfuhr es Doc, die auch sichtlich verärgert war, ein wenig Informationen, vorher, wären ja auch nicht schlecht gewesen!“
Aber Duncan beachtete sie nicht weiter: „Wir waren uns eigentlich von Anfang an darüber im Klaren, dass dieses Szenario unsere Kräfte bei weitem übersteigt und wir eure Hilfe benötigen würden. Wir konnten uns aber nicht darauf verlassen, dass ihr kooperieren würdet, deshalb der Plan euch an Bord zu locken. Hier wollten wir euch ein bisschen verwöhnen und natürlich überzeugen“, dabei sah er schon wieder nur Lilli an und grinste. Anscheinend hatte er nicht nur ein berufliches Interesse an ihr. Doc und Kerstin tippten mir gleichzeitig mit den Fingern ans Knie und sahen mich verschwörerisch an. Also war das wohl nicht nur mir aufgefallen. Fernando hingegen wirkte nicht sehr erfreut.
„Was hat das eigentlich mit den Särgen in dieser Stahlkammer auf sich?“, fuhr Kate ungeduldig dazwischen.
Nur schwer löste Duncan den Blick von Lilli und konzentrierte sich auf Kates Frage, die uns natürlich alle brennend interessierte. „Uns ist natürlich aufgefallen, dass die Damen Lilli, Lucy und Kate, ohne Erlaubnis unsere Stahlkammer geöffnet haben, sagte Ducan und warf den Dreien dabei einen bewundernden Blick zu.

Seite 24

„Kurz bevor wir zu eurer Insel kamen, ist uns ein Schlag gegen die Dragons gelungen. Durch die Hilfe von Hattori, den ihr ja auch kennt, konnten wir diese Särge in einer entlegenen Region Japans erbeuten. Hattori hat dabei leider etwas abbekommen. Er wurde einer Art Gehirnwäsche unterzogen. Aber Fernando ist sich sicher, dass er wieder der Alte wird. Als ihr ihm begegnet seid, war er aus dem Krankenflügel geeilt, weil er Kampfgeräusche gehört hatte. Diese Aktion hat ihn aber in seinem Heilungsprozess wieder etwas zurückgeworfen. Aber keine Sorge, es geht ihm schon wieder etwas besser.“
„In den Särgen“, fuhr Duncen fort, „befinden sich bereits fertig erschaffene Doppelgänger von Staatsoberhäuptern aus Afrika. Scheinbar werden die Doppelgänger von den Dragons in Särgen zwischengelagert. Sehr makaber, wie ich finde, und zweifellos eine geniale Idee! Nach den Unterlagen, die wir erbeuten konnten, will die Organisation erst in kleinen Staaten aktiv werden und ihre Funktionalität testen.“
Duncan machte eine kurze Pause, was mir die Gelegenheit gab eine Zwischenfrage zu stellen: „Wie wollt ihr jetzt weiter vorgehen und wie kommt eigentlich Don Goose auf euer Schiff?“
„Da wir den genauen Standort der Hauptzentrale der Red Dragon nicht kennen, warten wir jetzt ihre Reaktion auf unseren Coup ab. Wir haben weltweit unsere Informanten genaustens instruiert und warten auf Rückmeldungen. Sowie einer von ihnen nur hustet, erfahren wir es. Unsere Schaltzentrale befindet sich mittlerweile hier auf dem Schiff.
Tja, und mit Don Goose habt ihr ja anscheinend schon Bekanntschaft gemacht. Er ist ein kleiner Möchtegernganove, der aber von den ganzen Zusammenhängen mit unserem Orden und den Dragons nichts weiß. Er denkt, dass er ein paar großen Drogendealern zu Diensten ist. Don muss sich bei unserer Aktion in Japan an Bord geschlichen haben. Er war schon in Gewahrsam genommen worden. Wie er da jetzt allerdings wieder herausgekommen ist, müssen wir noch klären. Durch Euer schnelles Eingreifen, konnte er ja keinen Schaden anrichten. Er ist jetzt wieder sicher in einer Zelle.“
Nun ergriff Kerstin das Wort: „Okay, soweit ist ja mal alles klar. Welche Rolle sollen wir jetzt aber dabei spielen?“
Duncan sah jetzt wieder eindringlich der Reihe nach an: „Ich habe bereits mit Sweetlife Kontakt aufgenommen und sie hat mir versichert, dass ihr geradezu darauf brennen würdet, uns in diesem Kampf zu unterstützen. Ich habe mir daher erlaubt, euer Einverständnis natürlich vorausgesetzt, Teams für verschiedene Aufgaben zu bilden, die ich euch vorstellen möchte!“
Er hatte uns überzeugt – und am liebsten wären wir sofort aufgesprungen, um uns an die Arbeit zu machen. Natürlich war jede von ganz gespannt, was dich Duncan für uns ausgedacht hatte.
Duncan schaute Kerstin und mich an: „Angie und Kerstin, ihr seid ja die absoluten Kampfexpertinnen. Ihr werdet mit Tim, Norbert u. Jean unsere Kampfeinheit bilden. Wenn es wo brennt, seid ihr die Ersten, die raus gehen!“ „Kate, du bildest ein Team mit Bones. Ihr seid zuständig für die Logistik und für die Wartung aller Gerätschaften. Du sollst ja ein echtes Reparaturgenie sein. Damit bist du die perfekte Ergänzung zu unserem Jungen hier.“ Er drehte sich um und klopfte Bones anerkennend auf die Schulter.
Zu Doc gewandt sagte er dann: Doc, da du die Heilerin unter den Schwestern bist, solltest du den einen oder anderen Trick noch auf Lager haben. Du bildest ein Team mit Fernando und mit Bowen. Mit Fernando kümmerst du dich um die medizinischen Sachen. Bowen ist unser Waffenmeister. Es wäre sehr nett von dir, wenn du ihm dabei behilflich sein könntest, unsere Waffen mit deiner speziellen Legierung zu versehen.“
Dann fiel sein Blick auf Lucy und Lilli. „So, und ihr beiden Computer-Freaks werdet mit Gavin und mir ein Team bilden, denn wir sind die Computer-Experten des Ordens!“
Da bewegte sich Eric von Kastell, der, von uns unbemerkt, mit Duncan Thorbe mit dem Hubschrauber angekommen war, und stellte sich direkt neben Duncan,

Seite 25

„Ach, tut mir Leid, unseren Neuankömmling aus Deutschland hätte ich ja fast vergessen. Eric wird unser Verbindungsmann zu Sweetlife sein. Später wird er wieder zurück nach Deutschland fliegen und Sweetlife zur Seite stehen. Die beiden werden immer sehr engen Kontakt zu uns halten.“
Duncan richtete sich zu seiner vollen Größe auf und ging mit Eric zurück zu den anderen Ordenmitgliedern.  Die Jungs standen da, nickten uns grinsend zu und Duncan sagte mit lauter kämpferischer Stimme: „Wie sieht es aus Ladies, seid ihr mit dabei, wenn wir den Dragons in den Arsch treten?“
Was für eine Frage! Natürlich waren wir dabei. Ganz abgesehen davon, dass wir ja nicht nach Hause schwimmen konnten, waren wir natürlich entzückt von dieser aufreizenden Gesellschaft. Und was gibt es Schöneres, wenn man nebenbei noch die Welt retten kann. „Natürlich sind wir dabei“, sagte ich also, nachdem ich mir kurz das Einverständnis der Schwestern eingeholt hatte, „aber jetzt brauchen wir erstmal eine kleine Stärkung in Form von einem doppelten Wodka!“
„Wunderbar Ladies! Ich bin sehr froh, dass wir mit eurer Unterstützung rechnen dürfen. Wir halten momentan Kurs auf Tortuga, von dort wurde unserer Organisation die letzten Aktivitäten von Red Dragon mitgeteilt, ob wir Liongs Enkelchen Dungeon dort antreffen, wage ich zu bezweifeln, aber möglicherweise finden wir dort ein paar Anhaltspunkte darüber, wo er sich im Moment aufhält. Schätzungsweise werden wir dort in 48 Stunden ankommen. Bis dahin, Ladies, hoffe ich, dass ihr euren Aufenthalt an Bord genießen und vielleicht sogar ein wenig abschalten könnt. Ich würde mich freuen, euch heute Abend um 21 Uhr im Black-Pearl Club anzutreffen. Schließlich sollten wir unsere Koalition doch gebührend feiern, nicht wahr?“
Vampirkeks von DocThorpe blickte nacheinander in unsere Gesichter und grinste uns selbstzufrieden an, dabei entblößte er seine blendend weißen Zähne und FÄNGE! Ist das zu fassen, er war ein Vampir! In unserer Laufbahn als Sixpack waren uns schon so einige fragwürdige Kreaturen untergekommen, aber Vampiren waren wir bisher noch nicht begegnet. Ich fragte mich, woher er hier an Bord wohl seine Nahrung bekam. Dass Vampire sich von Blut ernähren, stand fest, und uns hatte er bislang auch noch nicht angefallen. Ich sah mir die Jungs nochmal genauer an. Irgendwie war es mir vorher nicht aufgefallen, vielleicht, weil sie bisher nicht so unbeschwert aufgetreten waren, aber Bowen und Norbert zeigten ebenfalls ein breites Lächeln. Zum Vorschein kamen dabei ebenfalls zwei Reihen blendend weißer Zähne – nur, dass die Eckzähne deutlich länger waren üblich. Also hatten wir doch tatsächlich mindestens drei Vampire an Bord.
„Angie, ich kann es nicht fassen, ich glaube, ich hab´ mit einem Vampir geknutscht!“ flüsterte Doc an meiner Seite. Und was ich alles mit einem Vampir angestellt hatte, daran mochte ich gar nicht denken. Wo war mein Wodka????

Copyright © BD Sisterhood

Fortsetzung folgt von Kate!!!

Legende der lonesome Ladies an Bord der MS Seraphim

Angie und Zahlmeister: (Norbert Petersen – lernt Angie bei Abendessen kennen, verbringt eine leidenschaftliche Nacht mit ihm – alias Robert Pattinson) – später stellt sich raus – er ist ein Vampir!
Angie und Jean de Castelle, 1. Offizier: ( zwei Auftritte – 1. fängt Angie auf, als sie mit ihren High-Heels fast gefallen wäre, 2. Angie beschreibt kurz den tieferen Eindruck, den sie von ihm hat – alias George Clooney)
Meisterin im Kampf mit Messern, zieht damit Scheitel oder spaltet Schädel, ganz nach Bedarf.

Kate und Kaptitän Bones (langhaarig): (Vorname? – zwei Auftritte mit Kate, einmal wimmelt er sie ab und dann sitzt sie auf seinem Schoß 😉 – alias Jackman)
Kate ist in technischen Dingen ein Ass. Sie repariert LKW und Schweizer Präzisionsuhren in kürzester Zeit und öffnet jedes Schloss im Handumdrehen.

Doc und Bowen McRieve (2. Offizier): (mit Pistole im Hosenbund, ganz kurzer Auftritt zu Beginn, begleitet Doc, Doc hat ein Déjà-vu – und dann ein anregendes Meeting in ihrer Kabine mit Brüderschaftskuss nach Wodka-Absacker – alias WODKAGOTT) – Bowen ist ebenfalls ein Vampir
Doc und Cyrus, Barkeeper der Poolbar mit Badeschlüppi und Steward beim Dinner (alias Theo Theodoridis)
Doc ist die Chemikerin. Sie kann Messer und Sterne mit einer besonderen Substanz versehen, die bei Kontakt mit Blut den Gegner sofort für mindestens sechs Stunden bewegungsunfähig macht. Schleudert Energiebälle aus ihren Händen. Sie ist ebenfalls die Schamanin der Clique.

Kerstin und Tim Wiesel, athletischer Steward: ( 1 Auftritt mit kurzem Körperkontakt auf Kerstins Zimmer, dann nächtliches Treffen im und am Pool, mit anschließender Massage 😉 – alias Vin Diesel)
Kerstin ist Kampfsportmeisterin und kann mit ihren schnellen, geschmeidigen Bewegungen jeden sofort kampfunfähig machen.

Lilli und Dr. Fernando Zoom (1 Auftritt beim Dinner, sitzt neben Lilli und ist Schiffsarzt – tauscht dann später heiße Küsse mit Lilli an Deck aus, wird aber von Angie gestört – alias Orlando Bloom)
Lilli ist spezialisiert auf Computer, kann jeden Code knacken

Lucy und Gavin Dandy (Fitness-Trainer, trinkt Likör 42 und gibt Aerobic-Kurse,
Lucy ist spezialisiert auf Computer, kann jeden Code knacken

Tiago, brasilianischer Mitarbeiter der Rezeption (alias Tiago Riani)

Duncan Thorpe – Anführer der „Schwarzen Orchidee“ – ebenfalls Vampir

Eric von Castell – (alias Johnny Depp) Cousin von Duncan Thorpe und Verbindungsmann zu Sweetlife <- sitzt zu Hause am PC und wird bald wahnsinnig vor Stolz auf  ihre tuffen Ladies an Bord der MS Seraphim

Mr. Hattori Hayabusa, ein japanischer Ninja, der für seine Schwert-Kampfkunst berühmt ist und den Ladies bei einem Japan-Auftritt als Dolmetscher gedient hat. Die Anwesenheit an Board des Schiffes ist unklar – Feind oder Freund?

Don Goose – Gift- und Kampfzwerg – auf jeden Fall feindlich gesinnt.

Die Vorleser am 04.12. um 22.30 Uhr im ZDF

Am 04.12.2009 und 22.30 Uhr strahlt das ZDF die vierte Folge der Literatursendung Die Vorleser mit Amelie Fried und Ijoma Mangold aus.

Zu Gast bei den Vorlesern wird Filmregisseur Volker Schlöndorff sein. Schlöndorff stellt „Die Blechtrommel“ von Günter Grass vor, das Buch, von dem er sagt, es sei das wichtigste Buch seines Lebens.
Die Blechtrommel erschien vor 50 Jahren. Für die Verfilmung der Blechtrommel erhielt Volker Schlöndorff 1979 einen Oscar. Nach der Oscar-Verleihung arbeitete er in den USA, mit der Absicht, auch den Rest seines Lebens dort zu verbringen. Mit dem Fall der Mauer änderte er seine Lebensplanung und zog von New York nach Berlin bzw. Potsdam.

Amelie Fried und Ijoma Mangold besprechen am 04.12. nachfolgende Bücher und präsentieren zudem weihnachtliche Lesetipps in Kürze als Anregung zum Verschenken oder zum selber lesen:

Vier ÄpfelVier Äpfel von David Wagner
Kurzbeschreibung
Vielleicht ist heute ein besonderer Tag. Mit vier Äpfeln fängt alles an. Ein Mann, der weniger zu tun hat als ihm lieb ist, erlebt an der Obst- und Gemüsewaage seines Supermarkts einen magischen Moment: die grüne Leuchtanzeige zeigt 1-0-0-0.
Vier Äpfel, die zusammen genau tausend Gramm wiegen – er ist, er weiß selbst nicht genau wieso, gerührt, klebt das Etikett mit der Strichcodezeichnung vorsichtig auf die Tüte und schiebt seinen Wagen durch eine ihm plötzlich fremd gewordene Welt.
Seine Gedanken schweifen ab in in eine Zeit, als man noch in kleineren Läden andere Dinge kaufte, zu Frühergerüchen , zum Konsumverhalten überhaupt, und er erinnert sich an L., die Frau, die ihn verlassen hat. Vier Äpfel erzählt von tieftraurigen Produkten und ihren Konsumenten, erzählt die Geschichte einer alten Liebe, einer Gegenwart, die immer schon vergangen ist. David Wagner hat ein Buch geschrieben, das Wahrnehmungsweisen schärft, sie vielleicht sogar verändert. Darin liegt seine große Kunst.

Eine Frau flieht vor einer NachrichtEine Frau flieht vor einer Nachricht von David Grossman
Kurzbeschreibung
Ora erzählt: von ihrer Liebe zu zwei Männern, von Wut und Zärtlichkeit, Verzweiflung und Leidenschaft und von ihrem Sohn Ofer, der sich freiwillig für einen Militäreinsatz im Westjordanland meldet. Seine Mutter hofft, das drohende Unglück zu bannen, indem sie ihrem Jugendfreund Avram, der im Sechstagekrieg selbst Soldat war, von Ofers Vorhaben berichtet. Und unerreichbar zu sein, falls das Schreckliche geschieht … Autor und Friedensaktivist David Grossman spiegelt die großen Fragen in den kleinen Erlebnissen des Alltags. Er zeigt, wie in Israel das Schicksal der Menschen unauflöslich mit Politik verbunden ist. Ein mitreißendes, unvergessliches Buch und ein Protest gegen den Krieg.

Die BlechtrommelDie Blechtrommel von Günter Grass
Kurzbeschreibung
Anfang der 50er Jahre trommelt und schreibt in einer Heil- und Pflegeanstalt ein Buckliger des Jahrgangs 1924 die Geschichte seines Lebens und seiner Familie vom Begin des Jahrhunderts bis in das Deutschland Adenauers. Oskar Matzerath hat alles gesehen und gehört, nichts ist ihm entgangen, denn er war ein hellhöriger Säugling, dessen geistige Entwicklung bereits bei der Geburt abgeschlossen war. Der Außenseiter, der Wirklichkeit ertrommeln und Glas zersingen kann, erweist sich dabei als der einzige Gesunde in einer Welt des Scheins, der Lüge und des Verbrechens. Am Ende seiner phantastischen Autobiographie, die Oskar vom Vorkriegs-Danzig bis ins Düsseldorf der Nachkriegszeit führt, „entdeckt man, daß man über Deutschland und Mitteleuropa – sowohl in der Zeit des Völkermordes als auch im Biedermeier der Restauration – mehr weiß als je zuvor“ (Lars Gustafsson). Mit dem Erscheinen der „Blechtrommel“ 1959 gewann der deutsche Nachkriegsroman Anschluss an die Weltliteratur und O skar der Trommler seinen festen Platz in der modernen Mythologie.

Bei den wilden KerlenBei den wilden Kerlen von Dave Eggers
Kurzbeschreibung
Der Kinderbuchklassiker „Wo die wilden Kerle wohnen“ als Roman: Dave Eggers, einer der besten amerikanischen Gegenwartsautoren, baut Maurice Sendaks nur 333 Worte umfassende Bildergeschichte aus zu einem hinreißenden Roman über den achtjährigen Max, Sohn getrennter Eltern, frech, wild und absolut liebenswert. „Bei den wilden Kerlen“, der umwerfende All-Age-Roman von Dave Eggers, entstand auf Anregung von Maurice Sendak und ist doch ein echter Eggers, ein Roman, der besticht durch Witz, psychologisches Einfühlungsvermögen, Phantasie und Herz. 2003 fragte der Regisseur Spike Jonze („Being John Malkovich“) Dave Eggers, ob er nicht mitarbeiten wolle an dem Drehbuch für die Verfilmung von Maurice Sendaks Klassiker aus dem Jahre 1963. Dave Eggers sagte zu. Und auch als Maurice Sendak Dave Eggers fragte, ob er die Geschichte von Max nicht in einem Roman erzählen wolle, sagte er ja, er wolle es probieren. Herausgekommen ist „Bei den wilden Kerlen“, eine herzergreifende Geschichte über den jungen Max, der sich und die Welt nicht mehr versteht. Seine Eltern sind getrennt, seine Mutter ist fast nur mit ihrem neuen Freund und ihrer Arbeit beschäftigt, seine Schwester Claire pubertiert heftig und hat überhaupt kein Interesse mehr an ihrem kleinen Bruder. Nach einem Streit verlässt Max das Haus, rennt in den Wald, findet ein Boot und kommt nach langer Reise übers offene Meer zur Insel, wo die wilden Kerle wohnen. Bald schon wird er zum König dieser riesigen, launenhaften und dennoch liebenswerten Wesen, die mindestens so viel von ihm erwarten wie er von ihnen. Max‘ Reise auf die Insel der wilden Kerle ist ein phantastisches Abenteuer, das ihn im Innersten verändern wird. Ein riesiges, wildes Lesevergnügen.

Strahlend schöner MorgenStrahlend schöner Morgen von James Frey
Gelesen von Rufus Beck, August Zirner, Eva Mattes, Stephan Schad, Matthias Brandt und anderen
Kurzbeschreibung
Dylan liebt Maddie und ist mit ihr unterwegs nach L.A., Stadt der Hoffnung so vieler Menschen auf eine bessere Zukunft. Die Filmstars Amberton und Casey sind nur zur Tarnung miteinander verheiratet und ständig auf der Suche nach Sex und Bewunderung. Esperanza aus Mexiko verdient ihr Geld im Haushalt einer tyrannischen Lady und verliebt sich in deren Sohn. Der Obdachlose Old Man Joe entdeckt seine Mitmenschlichkeit, als er ein drogensüchtiges Mädchen zusammengeschlagen hinter einer Mülltonne findet. Sie und viele andere Figuren, die im Vorübergehen den Weg des Lesers kreuzen, ergeben das fesselnde Bild einer sich ständig wandelnden Metropole, seit Generationen Verheißung und Moloch zugleich. In L.A., der eigentlichen Hauptfigur, spiegeln Fakten und Fiktion einander im Rhythmus von Geschichte und Gegenwart, von Illusion, Liebe und Gewalt. Ein fulminant komponierter Roman über den unzerstörbaren American Dream.

Die lange Straße aus SandDie lange Straße aus Sand von Pier Paolo Pasolini
Ein Cinquecento Tagebuch – Bildband
Kurzbeschreibung
EIN CINQUECENTO-TAGEBUCH
Während Pasolini 1959 gerade seinen zweiten Roman, Una vita violenta, veröffentlicht, arbeitet er auch für verschiedene Zeitschriften. Für die Illustrierte Successo unternimmt er in einem Fiat 500 eine Reise entlang der italienischen Küste, von Ventimiglia bis Triest. Das Tagebuch dieser Reise, La lunga strada di sabbia (Die lange Straße aus Sand), ist das eigenwillige Dokument einer Zeit zwischen dem Ende der Traditionen und dem Beginn des „Zeitalters der Herrschaft des Konsumismus“ (Pasolini).

Der GrüffeloDer Grüffelo. Pop-up-Theaterbuch von Axel Scheffler, Julia Donaldson
Mit Pop-up-Theaterbühne, Programmheft mit Spielanleitung, Spielfiguren (für Kinder ab 5 Jahren)
Kurzbeschreibung
Die berühmte Geschichte vom Grüffelo als Theaterstück mit einer wunderschönen Pop-up-Theaterbühne zum Spielen – das Geschenk für die ganze Familie.
In diesem Grüffelo-Theaterbuch findet sich alles, was man für eine eigene Grüffelo-Aufführung braucht: eine wunderschöne Grüffelo- Pop-up-Bühne zum Aufklappen (Format 50,8 x 32,8 x 32), Figuren und Requisiten zum einfachen Rausdrücken und Stecken (ohne Klebstoff), ein liebevoll gestaltetes Programmheft mit Noten und Text für den berühmten Grüffelo-Song, das Grüffelo-Stück (mit Spielanleitung) und vielen Tipps und Ideen für eine gelungene Aufführung die vollständige Grüffelo-Geschichte zum Vorlesen

Das Buch der anderenDas Buch der anderen von Zadie Smith (Hrsg.)
Kurzbeschreibung
„Es gibt so viele Möglichkeiten, Figuren zu erschaffen, wie es Autoren gibt. Zadie Smith.
Das Who is Who der literarischen Wunderkids des 21. Jahrhunderts in der englischsprachigen Welt – 21 Autoren schreiben 21 Geschichten über 21 Charaktere. Das Buch der anderen ist genau das, ein Buch über andere. Schlagen Sie die Seiten auf, und Sie werden eine ganze Reihe neuer, spannender Bekanntschaften machen! Autorinnen und Autoren ihrer Generation folgten Zadie Smiths Bitte, zugunsten der von ihr ins Leben gerufenen Charity-Organisation 826 New York – einer Non-Profit-Organisation, die Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren zum Lesen und Schreiben ermutigen will sowie Lehrer dabei unterstützt, Talente zu entdecken – eine Shortstory zu einer Anthologie beizutragen. Die Vorgabe: eine Geschichte schreiben, in deren Mittelpunkt eine Person steht. So ­präsentiert Nick Hornby das äußerst wechselvolle Autorenleben des J. Johnson in fiktiven Verlagsankündigungen Über den Autor (illustriert von Posy Simmonds), Jonathan Safran Foers Großmutter Rhoda bietet Plätzchen an, um uns die Geschichte ihrer Herzuntersuchung zu versüßen, und Dave Eggers lässt uns teilhaben an der Geschichte des hoffnungslos verliebten Steinriesen Theo. Mit einer Einleitung von Zadie Smith und Geschichten der besten jungen englischsprachigen Autorinnen und Autoren diesseits und jenseits des Atlantiks ist Das Buch der anderen so schillernd und innovativ wie seine Autoren und so lebendig und vielfältig wie seine Charaktere. Die Autoren: Edwidge Danticat, Dave Eggers, Jonathan Safran Foer, Andrew Sean Greer, Aleksandar Hemon, A.M. Homes, Nick Hornby (u. Posy Simmonds), Heidi Julavitz, Miranda July, A.L. Kennedy, Hari Kunzru, Jonathan Lethem, Toby Litt, David Mitchell, Andrew O’Hagan, ZZ Packer, George Saunders, Zadie Smith, Adam Thirwell, Colm Tóibín, Vendela Vida

MuttermilchMuttermilch von Edward St Aubyn
Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
Kurzbeschreibung
Dieses schneidend witzige Porträt einer Familie verhalf Edward St Aubyn zum internationalen Durchbruch. Wie er die wechselnden Allianzen zwischen Eltern und Kindern, Männern und Frauen beschreibt, das ist schlichtweg brillant und steckt voll trauriger Wahrheit. Patrick ist ein von Versagensängsten und Existenznöten getriebener Familienvater, dessen Frau Mary zu allem Überfluss auch noch den Sex aufgegeben hat. Mary geht ganz in ihrer Mutterrolle auf und wird beinahe aufgefressen von der Sorge um die Kinder. Aber erst als Patricks eigene schreckliche Mutter sich entschließt, das Zuhause der Familie ihrem New-Age-Guru zu vermachen, zerreißt das Netz der falschen Hoffnungen endgültig. Kinder, Ehe, Ehebruch und Sterbehilfe es sind die großen Themen, die St Aubyn mit Hilfe seiner strahlenden Prosa ohne Narkose seziert. Kein Zweifel: Für den, der von dieser Muttermilch getrunken hat, bekommt der Begriff „postnatale Depression“ eine ganz neue Bedeutung.

Quelle: Börsenblatt

Wenn Bücher erwachen: New Zealand Book Council Going West [Video]

New Zealang Book CouncilNew Zealand Book Council hat einen wirklich sehr beeindruckenden Spot entwickeln lassen, der die Mission hat, die Neuseeländer zum Lesen zu inspirieren und animieren.

Bücher bringen Menschen zusammen. Keine andere menschliche Tätigkeit eröffnet unsere Vorstellungskraft so wie das Lesen. Lesen ermöglicht es uns, Dinge um uns herum zu verstehen. Dadurch können wir die Zukunft projizieren und ebenso die Vergangenheit reflektieren. Lesen kann unterhalten und bilden und das Leben der Menschen verändern.

Nach genau diesen Kriterien ist der Spot aufgebaut, wow – eine wirklich sehr gelungene Werbung für Bücher und für das Lesen!

Quelle: Leander Wattig