Electrica – Lord des Lichts von Helene Henke [Rezension]

Electrica – Lord des Lichts von Helene Henke

Schottland, 1819. Auf der Isle of Mull, in dem kleinen Dorf Lochdon, sucht die junge hübsche Sue Beanton Zuflucht in Duart Castle, einem geheimnisumwobenen Schloss. Jemand ist ihr auf den Fersen und trachtet nach ihrem Leben. Im Schloss begegnet ihr der mysteriöse Lord Cayden MacLean. Er rührt nicht nur ihr Herz, sondern auch ihren Verstand. Durch ihn eröffnet sich ihr eine Welt, die sie nie für möglich gehalten hat. Cayden, ein überaus attraktiver Mann, bekennt sich nicht sofort zu seiner Liebe zu ihr, obwohl er ihrem Liebreiz und ihrer Anmut schon längst verfallen ist. Sein größter Feind, der grausame Baron Luthias, hat sich seine Vernichtung und die seiner großen Liebe zum Ziel gesetzt: „Cayden MacLean, erwarte meine Ankunft. Ich bin dein Mentor, du bist mein Geschöpf und ich werde dein Zerstörer sein.†œ
Mit diesem düsteren Versprechen macht sich der blutgierige und mächtige Vampir von London zur Isle of Mull auf, um seine Prophezeiung zu erfüllen.

Die Autorin Helene Henke lässt uns Leser teilhaben an einer Welt, in der die Elektrizität noch in den Kinderschuhen steckt, an der wunderschönen schottischen Landschaft und an der Industrialisierung Groß Britanniens. Sinnlich und romantisch, von der Autorin einfühlsam formuliert, wächst die Liebe zwischen Sue und Cayden. Hier treffen zwei Protagonisten aufeinander, die nicht nur vom Charakter her sehr unterschiedlich sind. Cayden, als Vampir geboren und nahezu unsterblich, ist seiner Zeit in technischen Dingen sehr weit voraus. Geschickt versteht er es, die Ideen, die noch ungereift in den Köpfen der ahnungslosen Erfinder schlummern, durch mentale Manipulation zu erwerben, um sie dann zu verwirklichen und sie gewinnbringend an den König von England zu veräußern. Doch was nützt ihm sein Reichtum, wenn er ihn nicht mit seiner Liebsten teilen kann? Seine Angst, sie durch die Liebe, die er für sie empfindet zu verlieren, ist übermächtig. Durch ein inneres Band mit seinem lange Jahre für tot gehaltenen Mentor und jetzigem Todfeind verbunden, weiß er, dass seine Liebe zu Sue für beide tödlich enden kann. Er kann zwar auch bei Tageslicht existieren, jedoch ohne seine besonderen Fähigkeiten, denn er wird verletzlich und sterblich. Erst nach Einbruch der Dunkelheit ist er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte.
Obwohl Sue ziemlich ahnungslos und unerfahren ist, begibt sie sich mutig unter den Schutz Lord Caydens. Sie hat einen wachen Verstand und weiß ihn auch zu nutzen. Sie ist eine der wenigen Frauen in der Zeit, die lesen und schreiben kann. Von ihrem verstorbenen Vater dazu angehalten und von ihrer Tante, bei der sie lebt, unterstütz, beginnt sie schon in jungen Jahren ihre Gedanken aufzuschreiben, obwohl Papier in der damaligen Zeit kaum erschwinglich war. Ihr Mut und ihr Wissensdurst sind sehr imponierend. Auch als ihr Vertrauen zu Cayden auf eine harte Probe gestellt wird, hält sie unerschütterlich an ihrer Liebe zu ihm fest, sogar, als er ihr seine wahre Natur gesteht. In der Zeit, in der der Roman spielt, sind Aberglaube und Misstrauen gegenüber technischen Errungenschaften, die für uns heute selbstverständlich sind, unter den Bewohnern Schottlands noch tief verwurzelt. Automobile, Telefon oder Elektrizität sind für uns schon lange nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken, Anfang des neunzehnten Jahrhunderts jedoch die absolute Sensation, oder gar noch Hexenwerk und Zauberei.

Zu Beginn kam mir Cayden ein bisschen sehr abgeklärt und skrupellos vor. Doch im Verlauf der Geschichte gewinnt er immer mehr an Sympathie, besonders, als er sich endlich zu seiner Liebe zu Sue bekennt. Auch seine liebevolle Fürsorge für Sean, seinem geistig zurückgebliebenen Nachfahren, lässt ihn in einem anderen Licht erscheinen.
Baron Luthias, dessen Grausamkeit und Aussehen kaum zu überbieten sind, als er in London sein Unwesen treibt, wird von Helene Henke so anschaulich geschildert, dass eine Gänsehaut vorprogrammiert ist. Von Rachegelüsten getrieben, kennt er nur ein Ziel – die Vernichtung von Cayden und seiner Geliebten.

Das Buch ist flüssig und wunderbar anschaulich geschrieben, der Stil sehr gut der damaligen Zeit angepasst. Die Handlung stellt eine ausgewogene Mischung aus Fantasie und Wirklichkeit dar und ist dazu noch herrlich spannend. Ein Roman zum Träumen und Abschalten, ein bisschen zum Gruseln und manchmal sogar zum Schmunzeln – und auf jeden Fall auch etwas für Herz und Sinne! 😉

Kurzbeschreibung
„Der einzige Glaube, der zählt, ist der an den Fortschritt†œ — Lord Cayden Maclean, Vampir. – Nach vielen Jahrhunderten kehrt Lord Cayden Maclean zurück auf die Isle of Mull, um sich auf Duart Castle, dem Sitz seiner Vorfahren, seinen Forschungen in der Entwicklung der Electrica zu widmen. Anders als das Gaslicht, soll diese neuartige Lichtquelle seine Nacht zum Tag erhellen. Als Sue Beaton im Schloss auftaucht, um ihn als ihren Lehnsherrn um Beistand zu bitten, ist er auf Anhieb fasziniert von ihrer Schönheit und ihrem Verstand. Sie erweckt lange unterdrückte Emotionen in ihm, die seinen Feind Luthias auf seine Fährte locken. Mithilfe fortschrittlicher Technologien setzt dieser alles daran, die alte Fehde wieder aufzunehmen. Caydens Liebe zu Sue könnte ihm zum Verhängnis werden …

Über die Autorin
Helene Henke wurde 1964 in Krefeld geboren. Seit über zwanzig Jahren führen sie und ihr Mann eine glückliche Beziehung. Die zwei Söhne sind im Alter von zwanzig und zwölf Jahren. Zwischen den Kindererziehungsjahren absolvierte  Helene Henke zwei Ausbildungen, als Erzieherin und Industriekauffrau. Rastlos jobbte sie in den verschiedenen Berufen. Seit sieben Jahren arbeitet die Autorin in einem Multiplexkino. Ein Job, der ihr nach eigenen Angaben Freude macht, sie inspiriert und in ihrem Leben Platz lässt für das, was sie wirklich tun möchte †“ Schreiben. „Denn manchmal bedarf es seine Zeit bis man seinen Weg gefunden hat. Doch das Warten hat sich gelohnt“, berichtet Helene Henke auf ihrer Homepage.

Der Lesekreis bedankt sich bei Angie für diese wundervoll ausführliche Buchbesprechung und beim Sieben Verlag für die freundliche Überlassung eines Rezensionsexemplares.

Electrica – Lord des Lichts von Helene Henke ist im Juni 2011 im Sieben Verlag erschienen. Die Taschenbuchausgabe umfasst 200 Seiten und ist für 14,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Quelle Foto: Helene Henke – Homepage

Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 28/2011

Platz 1 : Erlösung: Der dritte Fall für Carl Mørck von Jussi Adler-Olsen

Platz 2 : Schutzpatron von Volker Klüpfel und Michael Kobr

Platz 3 : Der schönste Fehler meines Lebens von Susan Elizabeth Phillips

Platz 4 : Schändung von Jussi Adler-Olsen

Platz 5 : Auf Treu und Glauben von Donna Leon

Platz 6 : Todestoß von Karen Rose

Platz 7 : Marina von Carlos Ruiz Zafón

Platz 8 : Der Regler von Max Landdorff

Platz 9 : Für Eile fehlt mir die Zeit von Horst Evers

Platz 10 : Der alte König in seinem Exil von Arno Geiger

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 28/2011

Platz 1 : Das Orchideenhaus von Lucinda Riley

Platz 2 : Zwei ein einem Tag von von David Nicholls

Platz 3 : Wer Wind sät von Nele Neuhaus

Platz 4 : Die Eifel-Connection von Jacques Berndorf
Platz 5 : Erbarmen von Jussi Adler-Olsen

Platz 6 : Schneewittchen muss sterben von Nele Neuhaus

Platz 7 : Die Dienstagsfrauen von Monika Peetz

Platz 8 : Juliregen von Iny Lorentz

Platz 9 : Der Augensammler von Sebastian Fitzek

Platz 10 : Schattenspiel von Charlotte Link

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Literaturverfilmung: Nachtzug nach Lissabon im Kino

„Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Mercier gehört mit weltweit rund 2,5 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in 15 Sprachen zu den erfolgreichsten deutschen Romanen der letzten Jahre. Von dem Schweizer Philosoph und Schriftsteller Peter Bieri, der unter dem Pseudonym Pascal Mercier schreibt, ist nach Perlmanns Schweigen (1995) und Der Klavierstimmer (1998) Nachtzug nach Lissabon im Jahr 2004 im Hanser Verlag erschienen.

In der Verfilmung der Literaturvorlage wird die Rolle des Protagonisten Raimund Gregorius von Geoffrey Rush, der zuletzt in „The King’s Speech“ im Kino zu sehen war, gespielt. In weiteren Rollen werden Bruno Ganz und Vanessa Redgrave agieren. Der dänische Regisseur Bille August (Fräulein Smillas Gespür für Schnee) wurde für die deutsch-schweizerische Koproduktion verpflichtet.

Zum Inhalt
Raimund Gregorius, von seinen Schülern Mundus genannt, ein überaus verlässlicher und beliebter Lehrer für Latein, Griechisch und Hebräisch an einem Gymnasium in Bern, begegnet im strömenden Regen auf dem Weg zur Schule einer Frau, die auf ihn den Eindruck macht, als wolle sie sich das Leben nehmen. Er nimmt sich der Frau an; sie begleitet ihn in seine erste Unterrichtsstunde, die sie vorzeitig wieder verlässt. Noch am Vormittag verlässt Gregorius den Unterricht, um die Frau zu suchen. Dabei stößt er in einem Antiquariat auf ein dünnes Buch mit vergilbtem Einband, das 1975 in Lissabon erschienen ist. Der Buchhändler übersetzt für ihn nicht nur den Titel: „Ein Goldschmied der Worte„, sondern auch einige Zeilen aus diesem Text von Amadeu Inácio de Almeida Prado.
„Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist †“ was geschieht mit dem Rest?“

Raimund Gregorius ist von den wenigen Worten so ergriffen, dass er beschließt, Portugiesisch zu lernen und sich auf die Suche nach diesem Goldschmied der Worte zu begeben. Gleich am nächsten Morgen macht er sich auf die Reise über Paris und Irún, von dort geht es mit dem Nachtzug nach Lissabon, um den Spuren des geheimnisvollen Autors zu folgen.

Immer tiefer zieht es ihn in dessen Aufzeichnungen und Reflexionen, immer mehr Menschen lernt er kennen, die von diesem Mann, den ein dunkles Geheimnis umgibt, zutiefst beeindruckt waren. Eine wundervolle Reise †“ die vergeblich sein muss und deren Bedrohungen der Reisende nicht gewachsen ist. Endlich kann er wieder fühlen, endlich hat er von seinem Leben zwischen Büchern aufgeblickt †“ aber was er sieht, könnte ihn das Leben kosten …

Der Film wird die erste Gemeinschaftskooperation von Studio Hamburg Produktion GmbH und C-Films. Produzent ist Peter Reichenbach von den Zürcher C-Films. „Nachtzug nach Lissabon“ erscheint in Deutschland im Concorde Filmverleih.
Neben zehn Drehtagen in Bern im September soll überdies vier Wochen in Portugal gedreht werden, wobei sich das Budget der Produktion auf elf Mio. Franken (7,88 Mio. Euro) beläuft.

Das Medienboard Berlin-Brandenburg fördert die Filmproduktion mit 300 000 Euro.

Quellen: Börsenblatt, Wikipedia

Ingeborg-Bachmann-Preis 2011 geht an Maja Haderlap

Die österreichische Autorin Maja Haderlap hat den Ingeborg-Bachmann-Preis 2011 gewonnen. Sie setzte sich mit ihrem ruhigen, poetischen Text „Im Kessel„ – einem Auszug aus ihrem Romandebüt „Engel des Vergessens“ in Klagenfurt gegen 13 weitere Nachwuchsautorinnen- und autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch.  Maja Haderlap erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro.

Die 1961 geborene und in Klagenfurt lebende Autorin beleuchtet in ihrer Dorf- und Familiengeschichte den Widerstand der Kärntner Slowenen gegen die deutsche Wehrmacht. Haderlap habe der Geschichte der Kärntner Partisanen eine Stimme gegeben, begründete Jurorin Daniela Strigl, die sie für den Wettbewerb vorgeschlagen hatte, ihre Wahl. „Sie beschreibt es bedächtig, mit großer Genauigkeit und ohne Hass„, sagte Strigl.

Kurzbeschreibung „Engel des Vergessens“
Ein großes Romandebüt, das von einem Leben in der Mitte Europas erzählt; mit kraftvoller Poesie; Geschichten, die uns im Innersten betreffen.Maja Haderlap gelingt etwas, das man gemeinhin heutzutage für gar nicht mehr möglich hält: Sie erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes. Erinnert wird eine Kindheit in den Kärntner Bergen. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn.

Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. In den Wald zu gehen hieß eben „nicht nur Bäume zu fällen, zu jagen oder Pilze zu sammeln“. Es hieß, sich zu verstecken, zu flüchten, sich den Partisanen anzuschließen und Widerstand zu leisten. Wem die Flucht nicht gelang, dem drohten Verhaftung, Tod, Konzentrationslager. Die Erinnerungen daran gehören für die Menschen so selbstverständlich zum Leben wie Gott. Erst nach und nach lernt das Mädchen, die Bruchstücke und Überreste der Vergangenheit in einen Zusammenhang zu bringen und aus der Selbstverständlichkeit zu reißen und schließlich als (kritische) junge Frau eine Sprache dafür zu finden.

Eindringlich, poetisch, mit einer bezaubernden Unmittelbarkeit. Maja Haderlap hat eine gewaltige Geschichte geschrieben… Die Großmutter wie noch keine, der arme bittere Vater wie noch keiner, die Toten wie noch nie, ein Kind wie noch keines. (Peter Handke)

Die österreichisch-slowenische Vergangenheit ist nach Angaben Strigls zwar historisch, aber bisher kaum literarisch aufgearbeitet worden. Haderlap sei ein „Glücksfall„, bei dem der Stoff zur Gestaltung gedrängt hätte.

„Das sind Geschichten, die mich mein ganzes Leben begleitet haben“, sagte die Gewinnerin, die auf Deutsch und Slowenisch schreibt, in einer ersten Reaktion. Sie sei damit aufgewachsen.

Über die Autorin
Maja Haderlap, geb. 1961 in Eisenkappel/Zelezna Kapla (Österreich), studierte Theaterwissenschaft und Germanistik an der Universität Wien. Sie war von 1992 bis 2007 Chefdramaturgin am Stadttheater Klagenfurt und unterrichtet regelmäßig am Institut für Angewandte Kulturwissenschaft der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt. Seit 2008 lebt Maja Haderlap als freie Schriftstellerin in Klagenfurt. Sie veröffentlichte Gedichtbände auf Slowenisch und Deutsch sowie Übersetzungen aus dem Slowenischen. „Engel des Vergessens“ ist ihr Romandebüt.

Mit dem Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, der seit 1977 in Klagenfurt stattfindet und mit der Vergabe des Ingeborg-Bachmann-Preises verbunden ist, wird die Erinnerung in die österreichische Dichterin (1926-1973) aufrechterhalten. Bachmann schrieb zahlreiche Erzählungen, Gedichte und Hörspiele. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts.

Haderlap setzte sich erst im vierten Wahlgang gegen den Deutschen Steffen Popp durch. Der in Berlin lebende Autor erhielt dann aber für seine Spurensuche in einem thüringischen Dorf den mit 10.000 Euro dotierten Kelag-Preis.

Der mit 7500 Euro dotierte 3sat-Preis ging an die junge deutsche Autorin Nina Bußmann.

Zuschauerliebling war der Berliner Thomas Klupp mit seinem unterhaltsamen Text „9to5 Hardcore“, in dem es um Pornografie und den Universitätsbetrieb geht. Er erhielt den Publikumspreis.

Der mit 7000 Euro dotierte Ernst-Willner-Preis ging an Leif Randt. Dieser Sonderpreis des Klagenfurter Wettbewerbs bietet den Verlagen aus dem deutschen Sprachraum, die ihn gestiftet haben, eine legitime eigene Public-Relations-Plattform.

Quelle: Tagesschau.de