Jugendstrafe: Bücher lesen statt Arbeitsstunden leisten

Jugendstrafe: Bücher lesen statt Arbeitsstunden leisten

Der in Fulda amtierende Jugendrichter Christoph Mangelsdorf versucht, mittels Lektüre jugendliche Straftäter zu erziehen. Statt 20 bis 30 Arbeitsstunden für eine Prügelei oder betrunken auf dem Mofa fahren in einer gemeinnützigen Einrichtung zu arbeiten, verhängt der Richter bei einigen Ersttätern als Strafe einen Jugendroman zu lesen.

14 Titel hat der Fuldaer Richter auf einer Liste versammelt. Wer zum Beispiel in der Familie Probleme hat, in der Schule gemobbt wird und selbst gewalttätig ist, dem setzt der Richter vielleicht Evil von Jan Guillou vor. Das Buch ist nicht einfach, erzählt Mangelsdorf, es geht darin „um starke Gewalthandlungen in einem Internat“. Beschrieben werden aber nicht nur die Angriffe, sondern auch, was sie bei den Opfern auslösen.

Drei bis sechs Wochen bekommt der Täter, um den Roman zu lesen. In dieser Zeit muss er einen Aufsatz schreiben und dabei Fragen wie diese beantworten: Welche Parallelen gibt es zu meinem Leben? Wie hat sich die Hauptfigur verhalten? Was hätte ich an ihrer Stelle getan? Zuletzt folgt ein ausführliches Gespräch mit einem Mitarbeiter der Jugendhilfe. 15 Jugendliche wurden in diesem Jahr so zum Lesen verdammt.

Die Sozialpädagogin Bettina Lenz, die in Fulda bei der Jugendhilfe die straffälligen Täter betreut, sagt, dass es sich gelohnt hat. Die meisten haben sich wirklich in den Büchern wiedergefunden. Einer lieferte statt der geforderten fünf gleich 13 Seiten ab. Ein anderer will jetzt gar selbst ein Buch schreiben. Auch das ist ein Ziel des Versuchs. Er soll nicht nur zum Nachdenken zwingen, sondern auch Phantasie und Leselust anregen.

„Ein Buch zu lesen ist erzieherisch wesentlich sinnvoller als im gemeinnützigen Verein Schnee zu schippen„, sagt Marita Erfurth. In Dresden koordiniert die Sozialpädagogin ein ganz ähnliches Projekt, das junge Ersttäter bereits seit 2008 zum Lesen bringt. Es diente dem Fuldaer Richter als Vorbild. Mittlerweile 80 Titel finden sich im Dresdner Bücherkanon. „Für unsere Jugendlichen ist das Lesen eine richtige Anstrengung„, sagt Erfurth, „erst maulen sie meistens„.

In Spanien ist Emilio Calatayud ein prominenter Jugendrichter. Er wurde durch seine außergewöhnlichen Entscheidungen berühmt. So verurteilt er Computer-Hacker dazu, Gleichaltrige in Informatik zu unterrichten, andere müssen in Unfall-Kliniken oder mit Behinderten arbeiten oder eine Comic-Geschichte über die möglichen Folgen eines Vergehens anfertigen. Er lässt seine Klienten aber auch nach dem Urteilsspruch nicht allein.

„Man muss das Delikt berücksichtigen, aber auch wer es begangen hat. Denn ich verurteile einen Menschen, nicht ein Vergehen oder eine Straftat„, beschreibt Calatayud seine Einstellung.

Erziehung vor Strafe ist auch sein Prinzip.

Quelle: Marc Widmann, Süddeutsche Zeitung

Apple verschiebt internationale Markteinführung des iPads auf Ende Mai

Apple verschiebt internationale Markteinführung des iPads um einen Monat auf Ende Mai 2010.

„Obwohl wir mehr als 500.000 iPads in der ersten Woche ausgeliefert haben, ist die Nachfrage deutlich stärker als wir erwartet haben und wird voraussichtlich weiterhin unsere bereitgestellten Mengen in den nächsten Wochen übertreffen, da mehr und mehr Leute das iPad sehen und ausprobieren. Wir haben außerdem eine große Stückzahl an Vorbestellungen für das iPad 3G zur Auslieferung Ende April entgegen genommen. Konfrontiert mit dieser überraschend starken Nachfrage in den USA, haben wir die schwierige Entscheidung getroffen die internationale Markteinführung des iPad um einen Monat auf Ende Mai zu verschieben. Wir sind uns bewusst, dass viele Kunden auf der Welt, die auf den Kauf eines iPad warten über diese Nachricht enttäuscht sein werden, aber wir hoffen, dass sie zumindest über den Grund erfreut sind – das iPad ist bislang in den USA ein überwältigender Erfolg“, so Apple.

Zunächst sollte das so sehnsüchtig erwartete iPad bereits Ende April in den Handel kommen. Am 10. Mai will Apple die internationalen Preise bekanntgeben, dann soll auch die Vorbestellung möglich sein, berichtet Kress.de

Nichts für schwache Nerven: Der Kinderdieb von BROM

Vergiss das Märchen – erlebe das Abenteuer! Der Kinderdieb von BROM

So bewirbt der PAN Verlag den Jugendroman „Der Kinderdieb“, der seit dem 15. Februar 2010 aus den Buchregalen heraus glänzt.
Der Kinderdieb basiert auf dem Märchen von Peter Pan, jedoch hat sich der US-amerikanische Autor BROM (eigentlich Gerald Brom) sehr stark an die Originalgeschichte von James Matthew Barrie gehalten, die düster und voller Gewalt ist.

Geschickt kombiniert der in Deutschland wenig bekannte Autor das Märchen um den Jungen, der nie erwachsen werden will, mit den Legenden und Sagengestalten rund um die Insel Avalon. So schafft  er ein modernes Urban-Fantasy-Märchen für junge Erwachsene.

Peter ist einer der wenigen, der es schafft durch den verzauberten Nebel, der um die Insel Avalon liegt, hindurchzugehen, um in die Welt der Menschen zu gelangen. Dort angekommen, sucht er nach den wirklich verlorenen Kindern, nach den vergessenen, den verstoßenen, den missbrauchten und den gepeinigten Kindern. Er erschleicht sich ihr Vertrauen, um sie dann nach Avalon zu führen, denn die Insel liegt im Sterben. Seit vor Jahrhunderten ein Schiff voller Menschen an den Ufern Avalons gestrandet ist, herrscht zwischen den Völkern ein erbitterter Krieg, der beiden Seiten viele Opfer abverlangt. Avalon ist kaum noch bewohnbar. Das einst blühende Land ist verdorrt und wird langsam zu einer geisterhaften Umgebung ohne Fabelwesen. Fast alle starben in dem Krieg oder erlitten den Hungertod. Peter sieht seine Aufgabe darin, die Menschenkinder auf die Insel zu bringen, um sie zu Kriegern auszubilden, die gegen die Eindringlinge kämpfen sollen. In kurzen Rückblenden erfährt der Leser von Peters Vergangenheit, und warum er zu dem hinterhältigen Kinderdieb wurde, der er nun ist.

Das Buch entführt den Leser in eine bizarre, skurrile, blutige und gleichzeitig bezaubernde, faszinierende Welt, voller Krieg, Hass, Wahn und Missverständnisse. Bis auf die letzten paar Seiten bleibt ungewiss, ob es ein Happy-End geben wird oder nicht. Der Kinderdieb ist kein Buch für schwache Nerven und absolut nichts für Kinder! Wer ein Hollywood-Märchen erwartet, sollte die Finger von diesem harten Stoff lassen.

Der Kinderdieb (orig. The Child Thief, 2009)  ist bereits das siebte Buch des gelernten Illustrators BROM, der sich auf vielen Reisen schon in der Kindheit angewöhnt hat nur seinen Nachnamen zu benutzen. Verfeinert ist die 655 Seiten umfassende gebundene Ausgabe mit auf hochglanz gedruckten Farbillustrationen des Künstlers, ebenso startet jedes Kapitel mit einem schwarz-weißem Szenenbild. Der Kinderdieb ist für 16,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

Der Lesekreis bedankt sich bei Grit für diese aussagekräftige Rezension!

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Literatur + Paris: Zazie in der Metro von Raymond Queneau

Literatur + Paris: Zazie in der Metro von Raymond Queneau

Die zehnjährige Zazie verbringt zwei Tage bei ihrem Onkel in Paris. Der Roman spielt an einem Wochenende von Zazies Ankunft Freitagabend bis zur Abfahrt Sonntag früh.

Die kleine Göre Zazie aus der französischen Provinz trifft am Gare d†™Austerlitz in Paris ein. Ihre Mutter will an dem Wochenende ein ungestörtes Liebesabenteuer verleben und vertraut ihre altkluge Tochter der Obhut ihres Onkels Gabriel an. Zazies sehnlichster Wunsch ist eine Fahrt mit der Pariser Metro, um so größer ist die Enttäuschung, als diese wegen eines Streiks außer Betrieb ist. So lernt Zazie erst einmal ihre neue Umgebung kennen: den Onkel Gabriel, der angeblich als Nachtwächter arbeitet, dessen sanfte Frau Marceline, den Kneipier Turandot, seine Kellnerin Mado Ptits-pieds, der vom Taxifahrer Charles der Hof gemacht wird, den Schuster Gridoux sowie Turandots Papagei Laverdure, der alles und jeden mit dem Satz „Du quasselst, du quasselst, das ist alles, was du kannst†œ kommentiert. Der Lieblingssausspruch der begeistert fluchenden Zazie ist dagegen „am Arsch†œ.

Bald wird es Zazie bei ihrem Onkel zu langweilig, und am nächsten Morgen büchst sie aus, um auf eigene Faust Paris zu erkunden. Als Turandot sie einfangen will, schreit Zazie laut um Hilfe, er wolle sie belästigen. Im entstehenden Menschenauflauf gelingt ihr die Flucht. Sie trifft den Trödler Pedro Surplus, der tatsächlich die Absicht zu haben scheint, sie zu belästigen. Bevor es dazu kommt, beschwatzt ihn Zazie erst mal zum Kauf einer „Cacocalo†œ und eines Paars der von ihr heiß geliebten „Bludschins†œ. Als sie sich mit dem Paket davonstehlen will, ist es dieses Mal an Pedro, einen Menschenauflauf herbeizuzetern, indem er Zazie des Diebstahls der Bluejeans bezichtigt. Pedro gibt sich als Polizist aus, später nimmt er die Namen Trouscaillon und Bertin Poirée an. Zazie rätselt, ob er nun ein Sittlichkeitsverbrecher in der Maske eines Polizisten oder ein Polizist in der Maske eines Sittlichkeitsverbrechers in der Maske eines Polizisten ist. Als Trouscaillon-Pedro Zazie bei ihrem Onkel abliefert, wird Gabriels wahrer Beruf offenbar: Er tanzt als Transvestit in einer Nachtbar. Fortan interessiert sich Zazie brennend dafür, ob ihr Onkel denn auch „hormosessuell†œ sei.
An der Pigalle kommt es zum nächtlichen Showdown.

Gabriel und Charles wollen Zazie Paris zeigen und führen sie auf den Eiffelturm. Dort treffen sie auf den Touristenführer Fédor Balanovitch samt seiner Reisegruppe. Gabriel nimmt die Touristen mit einigen philosophischen Ausführungen derart für sich ein, dass die fanatische Schar ihn kurzerhand in ihrem Reisebus entführt. Trouscaillon, die sich hinzugesellende mannstolle Witwe Mouaque und Zazie verfolgen den Bus. Die Verfolgungsjagd mündet in Onkel Gabriels Schwulenbar, wo sich alle Protagonisten wiedertreffen. Dort tanzt Gabriel vor aller Augen als „Gabrielle†œ den sterbenden Schwan. Die Touristen sind begeistert und brechen sogleich nach Gibraltar auf, ihrer nächsten Reiseetappe. Die verbliebene Gruppe begibt sich zum Place Pigalle, um den Abend mit einem Teller Zwiebelsuppe ausklingen zu lassen.

Im Aux Nyctalopes bringen sie die Kellner des Restaurants gegen sich auf, und es kommt zu einer handfesten Prügelei mit einer wahren Armee von „Serviettenschwenkern†œ. Insbesondere Gabriel zeichnet sich in der Keilerei durch immense Körperkräfte aus. Schließlich greift die Polizei ein, angeführt vom sich nun Harun Alraschid nennenden Trouscaillon. Unter der Salve einer Maschinenpistole stirbt die Witwe Margo, die mit ihren letzten Worten ihrer Pension nachtrauert. Dem Rest der Gruppe gelingt die Flucht, ehe er sich in alle Himmelsrichtungen verstreut. Die zu einem Marcel transformierte Marceline begleitet Zazie zum Bahnhof. Der Streik ist beendet, die Metro fährt wieder, doch Zazie verschläft die Fahrt wie schon den Großteil des vergangenen Abends. Als ihre Mutter sie am Bahnhof abholt, weiß Zazie als Antwort auf die Frage, was sie das Wochenende über getan habe, nur zu sagen: „Ich bin älter geworden.†œIhr größter Wunsch, einmal mit der Metro zu fahren, zerschlägt sich aber gleich nach der Ankunft: Die Metro streikt. Da macht sich Zazie selbständig.

Quelle: Wikipedia

Die Eleganz des Igels am 06.05.2010 im Kino [Trailer]

Am 06.05.2010 startet die Verfilmung von Muriel Barberys Bestseller „Die Eleganz des Igels“ unter dem deutschen, etwas unglücklich gewählten, Titel „Die Eleganz der Madame Michel“.

Der Filmtitel bezieht sich auf die geheimnisvolle Protagonistin im Buch, die Concierge Renée Michel, die von der französischen Schauspielerin Josiane Balasko eindrucksvoll verkörpert wird.

Die französische Regisseurin Mona Achache hat dem durchaus tragischen, melancholischen Stoff durch eine poetische Inszenierung mit Trickfilmeinlagen, Filmausschnitten, Buchzitaten und wechselnden Kameraperspektiven eine wunderbare, heitere Leichtigkeit gegeben.

Die Eleganz der Madame Michel (Originaltitel: „Le Hérisson†œ), Frankreich 2009 – Filmstart: 06.05.2010

Der Roman „Die Eleganz des Igels“

Kurzbeschreibung
Renée ist 54 Jahre alt und lebt seit 27 Jahren als Concierge in der Rue de Grenelle in Paris. Sie ist klein, hässlich, hat Hühneraugen an den Füßen und ist seit längerem Witwe. Paloma ist 12, hat reiche Eltern und wohnt in demselben Stadtpalais. Hinreißend komisch und zuweilen bitterböse erzählen die beiden sehr sympathischen Figuren von ihrem Leben, ihren Nachbarn, von Musik und Mangas, Kunst und Philosophie. Die höchst unterhaltsame und anrührende Geschichte zweier Außenseiter, ein wunderbarer Roman über die Suche nach der Schönheit in der Welt.

Über die Autorin
Muriel Barbery wurde 1969 geboren, studierte Philosophie in Frankreich und lebt seit einigen Monaten in Kyoto. Ihr Romandebüt, „Die letzte Delikatesse“, erschien 2000 und wurde in 14 Sprachen übersetzt. „Die Eleganz des Igels“, ihr zweiter Roman, wurde zu dem literarischen Bestseller des Jahres 2007 in Frankreich, in 31 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet (u.a. mit dem Prix Georges Brassens 2006, dem Prix des libraires 2007 dem Prix Rotary International).