Natalie Pollock wurde am 15.04.1994 nicht geboren, sondern gegründet. Die 16-jährige Amerikanerin ist die Protagonistin in einem Online-Roman und die Erfindung der Autorinnen Laura Moser und Lauren Mechling, die ebenfalls nur im Netz zu finden sind. Auf der Website des amerikanischen Onlinemagazins Slate schreiben sie an einem Jugendroman unter dem Titel „My Darklyng„. Im Moment sind 33 Kapitel online gestellt und das Buch damit abgeschlossen. In My Darklyng, was ungefähr so viel wie „Mein dunkler Liebling“  bedeutet, geht es um Vampire –  um was auch sonst.

Natalie Pollock ist auf Facebook zum Leben erwacht. Sie mag Zucchini-Schokoladen-Muffins und Horrorfilme. Zu ihren Hobbies gehört die Fotografie, ihr Freund heißt Josh und heute überlegt sie sich, was sie zum kommenden Schulanfang anziehen wird. Sie postet Videos und Fotos und hat mittlerweile 850 Freunde, die ihre Pinnwand-Einträge lebhaft kommentieren und diskutieren.

Den ganzen Sommer über hat das Autorenduo  Mechling und Moser die Geschichte von Natalie Pollock erzählt.

Der Plot, der sich offen an den Vampir-Hype der Twilight-Saga ranhängt, entfaltet sich häppchenweise. Natalie erhält rätselhafte Nachrichten eines Stalkers, die auch auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht werden. Ihre Facebook-Fans können die Pinnwandeinträge kommentieren und werden so zu einem Teil der Geschichte.

„Schreibt man über irgendeinen Teenager im Jahr 2010“, sagt Mechling, „wäre es falsch, Facebook und Twitter nicht zu nutzen. Schließlich verbringen viele Teenager jede freie Minute im Netz. Dazu kommt ihr Hang, sich mitzuteilen und Dinge öffentlich gut oder doof zu finden. Jedes Mal, wenn die Leser eine Internetseite besuchen, und relevante Informationen zur Geschichte finden, sei es so, als hätten sie eine Schatzsuche gewonnen. Kleine, versteckte Zusatzinformationen halten auch die leicht ablenkbaren Leser im Geschehen.

Es wäre vermutlich übertrieben, das Projekt schon jetzt als bahnbrechend zu bezeichnen, dafür ist es zu klein, die Zahl der Leser zu niedrig. Dennoch zeigt die Arbeit der Autorinnen anschaulich, was im Netz in Sachen „Leserbindung“ inzwischen alles möglich ist.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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