Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht am 7. März 2012 posthum einen Band mit Werken von Christa Wolf. „Rede, dass ich dich sehe“ versammelt Essays, Reden und Gespräche aus den letzten Jahren.  Viele davon erscheinen erstmals. Christa Wolf traf die Auswahl der Werke noch selbst.

Kurzbeschreibung
Rede, daß ich dich sehe – die sokratische Aufforderung deutet an, welches Ziel Christa Wolf mit ihren Büchern verfolgt: sich zu erkennen zu geben, „an die Wurzeln unserer Existenz vorzudringen“. In diesem Band sind es die Werke von Schriftstellerkollegen und bildenden Künstlern, denen sie sich zuwendet.

Sie schreibt über Doktor Faustus und Thomas Manns Exil in Los Angeles, Schauplatz ihres großen Romans Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud. Sie erzählt von den Kassandra-Radierungen der Malerin Nuria Quevedo, von den Aschebildern Günther Ueckers zu Tschernobyl und vom legendären Carl Friedrich Claus, der seine Sprachblätter in einer Aktentasche mit sich herumtrug. Sie zeichnet ein liebevolles Porträt von Uwe Johnson, ist streitbar für Günter Grass und entwirft beim Nachdenken über den blinden Fleck eine kurze Mentalitätsgeschichte der Deutschen und ihres Verhältnisses zur Literatur.

In den Essays, Reden und Gesprächen der letzten Jahre, von Christa Wolf selbst ausgewählt, viele davon hier erstmals veröffentlicht, webt eine große Autorin unserer Zeit ein dichtes Netz des künstlerischen Dialogs, in dessen Zentrum wir ihr eigenes Werk sehen. Und wie nebenbei entsteht über den Weg der Kunst ein Bild unserer Verhältnisse, wie sie sind und wie sie auch sein könnten.

Christa Wolf, geboren 1929 in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski), lebte in Berlin und Woserin, Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Georg-Büchner-Preis, dem Thomas Mann Preis und dem Uwe-Johnson-Preis, ausgezeichnet. Sie starb am 01. Dezember 2011 in Berlin.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

logo_suhrkampJetzt ist es offiziell: Der Suhrkamp Verlag zieht von Frankfurt nach Berlin.

Dies teilte heute am Nachmittag die Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz auf einer Betriebsversammlung den Beschäftigten mit. Für diesen Zeitpunkt hatte der Verlag auch eine offizielle Mitteilung angekündigt. Obwohl rund 80 Prozent der Beschäftigten sich gegen einen Umzug ausgesprochen haben, verbleiben neben den Stiftungen nur eine Suhrkamp-Dependance in Frankfurt, der Rest zieht Anfang 2010 nach Berlin.  Zu Entlassungen soll es nicht kommen.

Berlin knüpfe als Hauptstadt wieder da an, wo es nach 1945 zum Aufhören gezwungen wurde, sagte Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz dem Magazin „Kulturzeit“ des TV-Senders 3sat. „Außerdem ist es doch im Moment so: die Lage politisiert sich bis tief hinein ins kulturelle Leben, da muss Suhrkamp vor Ort sein.“ Wie einst in den 60er Jahren Frankfurt sei heute „eben das Labor in Berlin“.

Der Entscheidung für den Umzug sei nun eine Einigung der zerstrittenen Verlags-Gesellschafter vorausgegangen, so der Verlag. Die Unseld-Familienstiftung unter Vorsitz von Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz und die Winterthurer Medienholding AG hätten ihre Prozesse vor dem Landgericht Frankfurt durch einen Vergleich beendet. Teil der Einigung sei, dass die Unseld-Stiftung eine zeitlich befristete Möglichkeit zum Erwerb der Verlagsanteile der Medienholding habe. Diese Minderheitsanteile hält der Hamburger Unternehmer Hans Barlach. Er hat sich zuvor ebenfalls für einen Umzug nach Berlin ausgesprochen.

Für die Stadt Frankfurt sagte Kulturdezernent Prof. Felix Semmelroth:

„Ich bedauere den Entschluss der Leitung des Suhrkamp Verlags, einen Großteil der Geschäfte nach Berlin zu verlegen. Aufgrund der geistesgeschichtlichen Bedeutung des Verlags nicht nur für Frankfurt, sondern auch für die europäische Kultur insgesamt, hat die Stadt Frankfurt dem Verlag verschiedene substanzielle Vorschläge unterbreitet, die in wirtschaftlicher, kulturpolitischer und städtebaulicher Hinsicht sehr attraktiv sind und den vollständigen Verbleib des Verlags zum Gegenstand hatten. Auch für die Ausgestaltung einer Dependance ist die Stadt Frankfurt am Main nach wie vor gesprächsbereit und kann konkrete Vorschläge unterbreiten für den Fall eines Verbleibs namhafter Verlagsteile in Frankfurt. Wir bedauern, dass solche intensiven Gespräche mit dem Verlag, um die wir uns schon seit vielen Monaten bemühen, erst in den letzten Wochen möglich waren.“

Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte die Entscheidung der Suhrkamp-Geschäftsleitung:

„Ich freue mich über die Entscheidung und das eindeutige Bekenntnis des traditionsreichen Suhrkamp Verlages für die deutsche Hauptstadt.“ Mit dieser Entscheidung unterstreiche der Verlag die Bedeutung des Medienstandortes Berlin. „Es ist eine gute Entscheidung für unsere Stadt“, erklärte Wowereit.

Nachtrag vom 08.02.09:
Übers Wochenende wurde bekannt, wo sich der Suhrkamp Verlag in Berlin einrichten möchte: im Nicolaihaus in der Brüderstr. 13 in Berlin. Das Haus ist dem Suhrkamp Verlag vom Kultur-Staatssekretär André Schmitz als Domizil angeboten worden. Es befindet sich darin ein Museum, das zur Zeit geschlossen ist. Dem Vernehmen nach steht die Immobilie zum Verkauf. Quelle: Börsenblatt

Quelle: hr online.de

Weil ein anonymer Kläger seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah, war der Suhrkamp Verlag gezwungen das Buch von Florian Havemann „Havemann“ kurz vor Weihnachten 2007 zurückzuziehen. 7000 Exemplare waren bis dahin verkauft. Inzwischen wehren sich weitere Personen gegen ihre Charakterisierung in dem drei Generationen umfassenden Zeitgemälde. Lt. Verlagssprecher Thomas Sparr sind es eine gute Hand voll, die Einsprüche werden zur Zeit geprüft, es seien nicht alle berechtigt. Havemanns Schwester, Sibylle wehrte sich in einem offenen Brief gegen den „Missbrauch des Namens“ und die „Verletzung der Integrität von Menschen“. Das Buch sei „kokett, missgünstig, hämisch“ usw.

Der Suhrkamp Verlag will nun das überarbeitete Buch mit geschwärzten Stellen ins Netz stellen, später soll es auch eine Neuerscheinung in Buchform geben.

Ohne Rücksicht auf Dogmen und Personen schildert der 1952 geborene Sohn des Chemikers, Kommunisten und Dissidenten Robert Havemann seine, programmatisch als eigene, „nur meine Wahrheit“ bezeichnete Sicht. So suggeriert er, dass Wolf Biermann und Margot Honecker sexuelle Kontakte pflegten. Aber weder Biermann noch Honecker haben gegen die Darstellung geklagt.

HavemannInhalt
Heftig, wie ein Wintergewitter kommt Havemann über Berlin, über Deutschland, Ost- wie West-, So vieles ist umzudrehen und anzuzweifeln, zu enthüllen und aufzudecken, zu ergänzen und geradezurücken, so vieles zum ersten Mal zu erzählen, wenn die Geschichte der Familie Havemann über drei Generationen bis hinein in die unmittelbare Gegenwart ihres Autors dargestellt – oder wie Havemann sagt: „behauptet“ – werden soll.
Über die geteilte Stadt hat man uns viel erzählt: Ostberlin, den sowjetischen Sektor, die Hauptstadt der untergegangenen DDR, die in Anekdoten und Geschichten von offiziellen und inoffiziellen Mitarbeitern, Amtsträgern und Ausgewiesenen überlebt. Fast zwanzig Jahre nach dem Mauerfall jedoch ist Ostberlin, dieser Eigenkosmos mit Außenwirkung, noch immer ein Rätsel. Was geschah damals in Ostberlin wirklich, in der inzestuös übersichtlichen Enge, in der Kultur nicht ohne Politik, Abweichung nicht ohne Staatssicherheit, Loyalität nicht ohne Verrat zu haben waren? Druck und Herausforderung – wie haben sie Leben, Werk, Verhalten der Akteure bis heute geprägt?
In welcher Wahrheit haben wir uns eingerichtet?
Des Autors großer Bericht über Familie Havemann, Vater Robert, den bekanntesten Dissidenten der DDR,
und das eigene Leben in Ostberlin und, ab 1971, in Westdeutschland – als junger Rebell, Künstler, Linker, Flüchtling, als Außenseiter mit Ambitionen, künstlerischen und politischen, und als Verfassungsrichter-wirft, ohne mit Hieben und Seitenhieben zu sparen, zahllose Einsichten und Antworten ab. Havemann erzählt, klärt auf und greift ein.
Havemann provoziert.

Florian Havemann„Alle kennen Havemann. Keiner kennt Havemann“.
Der Großvater: Hans Havemann, Doktor der Philosophie, Gymnasiallehrer, Autor von Theaterstücken, philosophischen Büchern, Zeitungsredakteur, Feuilletonchef, dann Geologe, Arbeit in der Akademie der Wissenschaften der DDR, 1933 Mitglied der NSDAP, dann 1946 der SED.
Der Vater: Robert Havemann, Doktor der Philosophie, Naturwissenschaftler, Erfinder, Institutsdirektor, Professor, Autor, Widerstandskämpfer, durch die Nazis zum Tode verurteilt, Mitglied der SED, Abgeordneter der Volkskammer der DDR, Oppositioneller, Dissident, unter Hausarrest.
Der Sohn: Florian Havemann, Maler, Komponist, Autor, Arbeit als Elektriker, Reinigungskraft, Bühnenbildstudium, 1968 in der DDR wegen staatsfeindlicher Hetze im Gefängnis, Flucht in den Westen, Verfassungsrichter im Lande Brandenburg, Kandidat der PDS für die Bundestagswahl 2002«
Florian Havemann

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Suhrkamp Verlag, Wikipedia