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November 1999: Unter dem Tagmond – Keri Hulme

1. November 1999 | Von | Kategorie: Bücher, Bücher aus dem Lesekreis, Der schönste erste Satz, Der schönste letzte Satz

Der Anfang:
Er geht die Straße hinunter. Der Asphalt läuft an ihm vorbei.
Alles ist Stille.
Die Stille ist Musik.
Er ist der Sänger:
Die Vorübergehenden lächeln und schütteln den Kopf.
Sie öffnen, scheu, ihre Hände wie Blumen.
Er lächelt mit ihnen.
Das Licht blendet: er liebt das Licht.
Sie sind das Licht.

Der letzte Satz:
Es dämmert, wahrhaftig, es dämmert, und weites helles Licht vergoldet unser Heim.

Keri HulmeKeri Hulme, geboren am 9. März 1947 in Christchurch, ist eine neuseeländische Schriftstellerin. Sie wurde als Ältestes von sechs Kindern geboren. Ihre Vorfahren waren schottisch-englische Einwanderer bzw. mütterlicherseits Māori.

1967-1968 studierte sie an der Universität von Canterbury Jura, musste es aber aus finanziellen Gründen abbrechen. Sie schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, als Tabakpflückerin, Köchin und Postangestellte, aber auch mit Arbeiten am Bau und in der Fischerei. Später bezog sie einen Turm an der Westküste Neuseelands, um dort ungestört zu schreiben, zu lesen, zu malen und zu fischen.

Für ihren Roman “The bone people” erhielt sie 1985 den Booker Prize (deutsche Ausgabe: “Unter dem Tagmond“). Außerdem erschien 1987 ein Bändchen mit Erzählungen “The Windeater. Te Kaihau” (deutsch, 1992: “Der Windesser. Te Kaihau”) 1967-1968

Cover Unter dem TagmondKurzbeschreibung
Dieses Buch ist beseelt von der Mythen- und Symbolwelt der Maori. Es ist ein heftiges, in mehrfacher Hinsicht verstörendes Buch und spielt in einer entlegenen Gegend an der Küste Neuseelands, einer urwüchsigen, von Stürmen und Regen heimgesuchten Landschaft. Im Zentrum der Geschichte stehen drei Menschen, eine Frau, ein Mann, ein Junge, die eine seltsame Art von Familie bilden, ohne zusammenzugehören, alle drei von ihren eigentlichen Möglichkeiten abgeschnittene, gebrochene Figuren. Zwischen ihnen kommt es in einem schicksalhaften Prozeß der Annäherungen und Mißverständnisse zu einem verzweiflungsvollen Drama widerstreitender Gefühle, und erst nachdem sie alle ihre individuellen Höllen durchmessen haben, finden sie ihre Form des Zusammenlebens, dessen Schilderung freilich mythisch, fast religiös überhöht ist. Keri Hulme hat ein ungewöhnliches, äußerst eindrucksvolles Buch geschrieben über die Verlorenheit des einzelnen.

Ein Buch, das unter die Haut geht, haben wir im Lesekreis sehr intensiv und kontrovers diskutiert.

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