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Der schönste erste Satz von Marcel Proust

10. Oktober 2007 | Von | Kategorie: Bücher, Der schönste erste Satz

Marcel ProustUm zum “kleinen Kreis”, der “kleinen Gruppe”, dem “kleinen Clan” der Verdurins zu gehören, genügte eine, freilich unerläßliche Bedingung: man hatte stillschweigend ein Credo zu übernehmen, zu dessen Glaubenssätzen gehörte, daß der junge Pianist, den Madame Verdurin in jenem Jahr protegierte und von dem sie zu sagen pflegte: “Es sollte wirklich nicht erlaubt sein, daß jemand so Wagner spielen kann!”, sowohl Planté wie Rubinstein “aussteche” und daß Doktor Gottard als Diagnostiker besser als Potain sei.

Eine Liebe Swanns von Marcel Proust

Marcel Proust, geboren 1871 in Auteuil, gilt neben Joyce und Kafka als Begründer der literarischen Moderne. Er führte (schon früh an Asthma leidend) nach Studium (Rechts- und Literaturwissenschaft) und kurzer Tätigkeit in der Bibliotheque Mazarine in Paris ein Salonleben, das nur von Reisen (Trouville, Evian, Venedig) unterbrochen wurde. Sein Leben und eine ganze Epoche resümiert der Roman “A la recherche du temps perdu” (7 Teile, erschienen 1913-27; deutsch “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit”).
Weder die frühen Prosaversuche noch seine Tätigkeit als Übersetzer und Literaturkritiker deuteten auf ein Werk vom Umfang und Gewicht der “Recherche” hin. Erst die Entdeckung des Romanfragments “Jean Santeuil” (entstanden 1896-1905, 3 Bände, herausgegeben 1952; deutsch) wies das Leben Prousts als kontinuierliche literarische Anstrengung aus.
Der Rückzug aus dem sozialen Leben (1905, nach dem Tod der Mutter) in die Einsamkeit im schallisolierten (mit Kork ausgeschlagenen) Zimmer am Boulevard Haussmann machten (seit 1908) die Arbeit an dem Roman zum einzigen Inhalt dieser Existenz. Im März 1922 beendete er das Werk und betrachtete dies als Erfüllung seines Lebens. Marcel Proust starb im November 1922 in Paris.Eine Liebe SwannsKurzbeschreibung
Die Geschichte von Charles Swann, der sich in die Kokotte Odette de Cr cy verliebt und unter seiner Eifersucht leidet, gehört zu den großen Klassikern des 20. Jahrhunderts.
Als der weltgewandte Lebemann Charles Swann im Salon der Verdurins ein weithin unbekanntes Musikstück hört, erkennt er darin eine Sonate wieder, die er schon einmal auf einer Soir e gehört und seitdem vergeblich gesucht hatte. Voller Dankbarkeit schenkt er Odette de Cr cy, die ihn in den Salon eingeführt hat, seine Zuneigung, obwohl diese nicht seinen Vorstellungen entspricht. Swann besucht nun regelmäßig die Verdurins, um sich dort mit Odette zu treffen. Eines Abends jedoch verspätet er sich, und Odette hat den Salon schon verlassen. Von ihrer Abwesenheit unerwartet heftig getroffen, macht Swann sich auf, um nach ihr zu suchen. Zufällig findet er sie auf einem der Boulevards und geleitet sie nach Hause, wo sie gemeinsam die Nacht verbringen. Fortan läßt sich Odette von Swann aushalten. Sie versteht es, sich ihn ge fügig zu machen, indem sie seine Eifersucht schürt, und Swann überhört die Stimmen, die ihn vor Odettes zweifelhaftem Lebenswandel warnen. Bis Odette eines Tages in Begleitung eines anderen Mannes, des Barons de Forcheville, zu einem Diner bei den Verdurins kommt.
Michael Kleebergs Neuübersetzung tritt mit dem Anspruch der größtmöglichen Nähe zum französischen Original an. Durch die differenzierte Übertragung der verschiedenen Sprachebenen werden vor allem die Komik, aber auch die Härten und Brüche des Werkes adäquat wiedergegeben. Besonders die verschachtelten, oft bis zum Zerreißen gespannten Sätze bildet Michael Kleeberg detailgetreu nach. So ist ein Sprachkunstwerk entstanden, daß dem deutschsprachigen Lesepublikum einen neuen, zeitgemäßen Blickwinkel auf das Werk Marcel Prousts eröffne

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9 Kommentare
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  1. hm, sehr gewagt, wahrscheinlich habt ihr ihn in zwei Minuten geknackt, aber ihr wolltet ja einen einfachen….:-)

  2. Hm, also nicht von mir geknackt, kann ich nur sagen. Jedenfalls nicht in zwei Minuten. Obwohl er mir ja irgendwie bekannt vorkommt … aber das täuscht vermutlich.

  3. nein, denke du hast es gelesen, bin mir fast sicher :-)

  4. Ach ja, doch, es ist, was ich dachte. Sehr schön ausgewählt!

    Also, ich würde Dir jetzt aber auch ein zweites Spiel zugestehen!

  5. Ähm, der Autor hat die Initialen MP.

  6. genau wie beim Tennis, gell :-) – mal sehen, vielleicht morgen, für heute ist es genug…

  7. Genau. “Ein Netzball (der Ball streift beim Überfliegen das Netz und landet innerhalb des gegnerischen Aufschlagfeldes) führt zu einer Aufschlagwiederholung.” Hab ich eben auch ergoogelt, es handelt sich dabei aber nicht um den ersten Satz der Regularien des DTB.

    Aber wenn jetzt ein erster Satz in der Preislage Muschg / Bayun von Dir kommt, dann streiche ich jedenfalls bis Freitagabend die Segel. Wenn Ihr wüßtet, wie gänzlich und vollständig ahnungslos ich in der Literatur der, sagen wir, letzten dreißig Jahre bin, dann müßte ich mich schamviolett wieder ins datentechnische Nirvana verkrümeln.

  8. Kaum hab ich die Seite aufgerufen, hat die Anjelka den Satz schon raus…
    Sage dann auch mal “à bientôt” – diesmal in der Sprache Prousts!

  9. Bonne nuit allerseits.

    Mit den Franzosen ist es hier scheinbar nix.

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