Der Ruhm, Lateinamerikas berühmteste Malerin zu sein, gebührt der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo (1907–1954). Ihr Leben und ihre Kunst wurden von Kindheit an durch Krankheiten, Schmerzen und Operationen geprägt. Als das bekannteste unter ihren insgesamt 271 Werken zählt das Selbstbildnis „Die gebrochene Säule“. Die „Malerin der Schmerzen“ gilt als Bahnbrecherin einer weiblichen Ästhetik und gehört zu den Kultfiguren der feministischen Ideologie.

Frida Kahlo erblickte am 6. Juli 1907 im Stadtteil Coyoacán von Mexiko City das Licht der Welt. Sie war die Tochter eines aus Ungarn stammenden deutschen Juden, der aus Baden-Baden emigrierte, und einer Mexikanerin, in deren Adern spanisches und indianisches Blut floss.

1910 brach die mexikanische Revolution aus. Mit diesem Ereignis identifizierte sich Frida Kahlo später so stark, dass sie 1910 als ihr Geburtsdatum angab. Als Sechsjährige erkrankte Frida an Kinderlähmung, worauf ein Bein im Wachstum zurückblieb. Fortan hatte sie wegen der mit diesem Leiden verbundenen Behinderungen in der Schule unter manchem Spott zu leiden.

Die zierliche und temperamentvolle Frida bereitete sich auf das Medizinstudium vor, als sie im September 1925 in Mexiko-City beim Zusammenprall einer Straßenbahn mit einem Bus, in dem sie saß, folgenschwere Verletzungen erlitt. Dabei wurden ihre Wirbelsäule, ihr Schlüsselbein, ihre Rippen, ihr Becken und ihr bereits verkümmertes Bein mehrfach gebrochen. Nach dem Unfall bis zum Tod musste Frida insgesamt 32 Operationen und acht Korsetts ertragen.

1929 heiratete die 22-jährige Frida Kahlo in einer Vorstadt von Mexiko-City den 20 Jahre älteren Künstler Diego Rivera (1886–1957). Für den Bräutigam war es bereits die dritte Ehe. Die Verbindung wurde von Frida als „die Hochzeit zwischen einem Elefanten und einer Taube“ empfunden.

Das Ehepaar wohnte in Coyoacán hinter blau getünchten Mauern im „Blauen Haus“. Im Garten lebten Affen, Hunde, Rehe und Papageien. Diego Rivera betrog Frida Kahlo fortgesetzt, auch Frida stürzte sich bald in Affären. Frida und Diego waren überzeugte Kommunisten. Rivera schmückte mit revolutionärem Elan die öffentlichen Gebäude Mexikos mit monumentalen Wandbildern.

Als 1937 der russische Revolutionär Leo Trotzki (1879–1940) mit seiner Frau nach Mexiko kam, nahm Frida Kahlo ihn bei sich auf, worüber Diego Rivera eifersüchtig getobt haben soll. Trotzki hielt sich während seines Exils in Mexiko zwei Jahre lang im „Blauem Haus“ in Coyoacán auf und wurde zeitweise Fridas Geliebter. Nach seinem Auszug ließ Trotzki sein neues Domizil zur Festung ausbauen, trotzdem ermordete man ihn an seinem Schreibtisch.

Die Ehe von Frida Kahlo und Diego Rivera wurde 1939 auf Wunsch des Mannes geschieden. Aus Kummer über die Trennung schuf Frida ihr „Selbstbildnis mit abgeschnittenem Haar“ (1940): Frida hat sich ihr von Diego geliebtes langes Haar abgeschnitten, das auf dem Bild in Büscheln auf dem Fußboden liegt, und die ansonsten von ihr bevorzugte Tracht mexikanischer Frauen mit einem Herrenanzug vertauscht.

Als Frida Kahlo und Diego Rivera erkannten, wie sehr sie beide einander brauchten, heirateten sie 1940 zum zweiten Mal. Auch nach der Wiedervermählung kam es immer wieder zu Seitensprüngen Diegos, der als klassischer „Macho“ einerseits offen seine Frau betrog, andererseits aber mit der Pistole herumfuchtelte, wenn ein Rivale auftauchte. Die Liebe Fridas zu Diego und ihre turbulente Ehe bildeten ein wichtiges Thema ihrer Kunst.

Seit 1944 führte Frida Kahlo ein gemaltes Tagebuch, in dem sie eine Brücke zwischen dem Schmerz ihres Körpers und der Herrlichkeit der Welt schlug. Die Malerei entwickelte sich für sie zur Überlebensstrategie: Dabei fand sie Trost, indem sie ihre Qualen mit expressiver Kraft auf die Leinwand bannte.

Nach einer Operation malte Frida Kahlo 1944 ihr Selbstporträt „Die gebrochene Säule“. Es zeigt ihren in der Mitte aufgebrochenen Körper, den ein orthopädisches Korsett zusammenhält. Durch den Riss ist ihre Wirbelsäule sichtbar, die durch eine zerbröckelte ionische Säule, auf deren Kapitell ihr Kinn ruht, dargestellt wird. Nägel, die in ihre nackte Haut geschlagen sind, veranschaulichen ihre Qual.

1946 entstand Frida Kahlos Doppelporträt „Baum der Hoffnung bleibe stark“. Das Motiv: Auf dem Krankenbett sitzt neben der am Rücken Aufgeschnittenen eine weitere Frida in rotleuchtender mexikanischer Tracht. Dieses Bild verkörpert ihren Lebenswillen, der über die Verletzte wacht. Andere Gemälde Fridas geben traumatische Erlebnisse wider, die alle Frauen betreffen können, wie etwa die Darstellung einer ihrer Fehlgeburten auf dem Werk „Henry Ford Hospital“.

Die eigenwillige Künstlerin wehrte sich dagegen, von der Fachwelt als Surrealistin bezeichnet zu werden. Sie legte großen Wert darauf, niemals Träume, sondern ihre Realität gemalt zu haben. Aber da sie sich nicht mit der Darstellung der Wirklichkeit begnügte, wenn sie beispielsweise auf dem Bild „Der verletzte Hirsch“ einem von Pfeilen getroffenen Hirsch ihr Gesicht gab, rechnen Experten ihren Stil dem „Phantastischen Realismus“ zu.

Ab 1950 verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Frida Kahlo drastisch. Nach mehreren Operationen malte sie im Liegen weitere Bilder. 1953 musste ihr rechtes Bein wegen Wundbrand amputiert werden. Danach ließ sie sich ein Paar rote Luxusstiefel mit chinesischen Goldverzierungen und kleinen Schellen anfertigen.

1953 erlebte Frida Kahlo die erste Einzelausstellung ihrer Werke in Mexiko. Ihr letztes Bild präsentiert ein Stilleben mit Wassermelonen, unter das sie mit blutroter Farbe schrieb: „Viva la Vida“ („Es lebe das Leben“). Ein letztes Foto von 1954 zeigt sie im Rollstuhl sitzend bei einer politischen Demonstration in Guatemala.

Frida Kahlo starb am 13. Juli 1954 im Alter von nur 47 Jahren in ihrem Geburtsort Coyoacán. Diego Rivera zog nach ihrem Tod in einen anderen Stadtteil um. Er sagte über Frida: „Sie ist die einzige Frau in der Geschichte der Kunst, die mit absoluter und schonungsloser Aufrichtigkeit, und man könnte sagen, mit ruhiger Gewalt, diejenigen allgemeinen und besonderen Themen aufgriff, die ausschließlich Frauen betreffen.“

6 Gedanken zu „Für Buchtrinker und Seitenfresser mit dem Faible für „Frida Kahlo“ der Malerin der Schmerzen – und für Dr. Sno*

  1. Ich muss zugeben, dass ich mit ihrer Kunst nie wirklich etwas anfangen konnte. Dass heisst aber nicht, dass ich sie nicht für bemerkenswert halte.

    Zusammengewachsene Augenbrauen gehen aber trotzdem nicht!

  2. hi dolce, ich finde das Video auch fantastisch, wußte gar nicht, dass es so etwas gibt.
    hi Dr. Sno* – alles Gute nochmals und einen schönen Tag, hast du eine Geburtstagstorte bekommen?
    Und ich meine alle drei – also, die Augenbrauen, Frida Kahlo als Künstlerin und Frau und Salma als Frida – kennst du den Film?

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