Flüsterkind – Dein Mann hat mich missbraucht. Ein Brief an meine Mutter von Mona Michaelsen

Am 15. März 2010 ist „Flüsterkind“ von Mona Michaelsen erschienen. Die schonungslose Abrechnung mit der eigenen Familie ist ein erschütterndes Zeugnis menschlichen Leids und aktuell neu auf Platz 21 der Spiegel-Bestenliste der Sachbücher angesiedelt.

„Obwohl du die Einzelheiten (noch) nicht kennst, bist du in meinen Augen genauso schlimm wie er“, schleudert Mona Michaelsen ihrer Mutter in „Flüsterkind“ entgegen. Eigentlich wollte sie ihr einen Brief schreiben. Einen Brief über den ständigen sexuellen Missbrauch, dem sie als Mädchen von Seiten ihres sadistischen Stiefvaters ausgesetzt war – und über das vollkommene Versagen der Mutter. „Du hast jahrelang von meinem und dem Elend meiner Schwester gewusst […]. Und du hast nichts unternommen“, schreibt Michaelsen in ihrem erschütternden und beschämenden Buch, zu dem der Brief letztlich geworden ist.

Kurzbeschreibung
Als sie fünf ist, wird Mona zum ersten Mal von ihrem Stiefvater missbraucht. Jahrelang fügt sie sich seinen Drohungen und erduldet ihr Martyrium in dem Glauben, dass ihr niemand helfen kann. Als sie es nicht mehr aushält, erzählt sie ihrer Mutter von den Dingen, die niemand wissen darf. Die jedoch schenkt ihr kein Gehör und verurteilt sie damit zu einem unentrinnbaren Kreislauf aus Leiden, Angst und Scham. Hilflos muss Mona mitanschauen, wie sich der brutale Stiefvater auch noch an ihrer kleinen Schwester vergeht.

Erst dreißig Jahre später schreibt Mona einen Brief an ihre Mutter. Die wegschaute, die nichts wissen wollte, die den Missbrauch duldete. Endlich erzählt Mona ihr all das, was sie damals nicht sagen durfte. Mit beklemmender Eindringlichkeit konfrontiert sie ihre Mutter mit der schrecklichen Wahrheit. Doch mehr als um die Mutter geht es um Mona selbst: Wort für Wort befreit sie sich von ihrer Vergangenheit. Flüsterkind ist der ehrliche, schonungslose Bericht einer Betroffenen, der zeigt, dass es mehr als einen Schuldigen gibt, wenn es um Kindesmissbrauch geht: den Täter und diejenigen, die wegschauen und ihn gewähren lassen. Eine Tochter klagt ihre Mutter an: ein erschütterndes und mutiges Buch!

Über die Autorin
Mona Michaelsen wurde 1964 in Niedersachsen geboren und wuchs dort in ländlicher Umgebung auf. Sie heiratete und bekam zwei Söhne, die inzwischen erwachsen sind. Nach der Scheidung lernte sie ihren jetzigen Mann kennen, mit dem sie heute in einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein lebt. Sie ist ausgebildete Seminarleiterin und Pädagogin für Entspannungsverfahren.

Vollkommen schutzlos waren Mona und ihre kleine Schwester Ulla von früher Kindheit an den Übergriffen des Stiefvaters ausgesetzt. Sie sind nur zwei von rund 15.000 Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs, die laut Bundeskriminalamt pro Jahr in Deutschland angezeigt werden. Die Zahl der nicht gemeldeten Fälle ist dem Hamburger Verein Dunkelziffer e.V. zufolge mehr als zehn Mal so hoch.

Ingo Schiweck, buchreport

3 Gedanken zu „Erschütterndes Zeugnis menschlichen Leids: Flüsterkind von Mona Michaelsen

  1. Ich habe gerade das Buch zu Ende gelesen. Es ist für mich unbegreiflich und unfassbar, was Eltern tun können. Es freut mich, dass die Betroffene ein normales Leben führen kann.
    Meine Kindheit war ähnlich – nur alles wurde viel versteckter gemacht – der Schein nach außen wurde mehr gewahrt, so dass sogar noch gesagt wurde, was ich für eine tolle Mutter hätte, was natürlich für mich nicht verständlich war und auch weh tat.
    Ich musste ab dem 3. Lebensjahr bei meinem Onkel aufwachsen – es war ein ähnliches Monster, wie in dem Buch von Mona Michaelsen beschrieben.
    Mein vollstes Mitgefühl für die Autorin und für ihre Zukunft alles Gute.

  2. Willkommen Marlene, und vielen Dank für deinen Kommentar. Frau Michaelsen hat durch die Veröffentlichung des Romans in gewisser Weise sicherlich eine Art von Trost erfahren, ich wünsche dir ebenfalls, dass du trotz dieser traumatischen Erfahrungen in deiner Kindheit ein glückliches Leben führen kannst. Eine vollständige Heilung dieser Wunden ist wohl nicht möglich. Aber das Geschehen zu thematisieren, hilft vielleicht ein wenig. Es ist ja leider immer noch so, dass die Scham über die eigene Familie oftmals größer ist, als der Wille und die Kraft die Situation zu ändern. Du hast auf jeden Fall ebenfalls mein vollstes Mitgefühl und ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute.
    Liebe Grüße

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