Little Brother von Cory Doctorow: Kapitel 2

Little Brother

Kapitel 2

Dieses Kapitel ist Amazon.com gewidmet, dem größten Internet-Buchhändler der Welt. Amazon ist umwerfend †“ ein †œLaden†, in dem man praktisch jedes jemals publizierte Buch kaufen kann (nicht zu vergessen: praktisch alles andere auch, vom Laptop bis zur Käsereibe); wo Empfehlungen zu einer eigenen Kunstform erhoben worden sind; wo es ausdrücklich erlaubt ist, dass Kunden direkt miteinander sprechen; und wo permanent neue, verbesserte Techniken erfunden werden, um Bücher mit Lesern in Kontakt zu bringen.

Amazon hat mich stets wie pures Gold behandelt †“ sein Gründer, Jeff Bezos, veröffentlichte sogar eine Leserbesprechung meines ersten Romans -, und ich kaufe dort ein wie bescheuert (meinen Listen nach zu urteilen, durchschnittlich einmal alle sechs Tage). Amazon ist mittendrin, die Buchhandlung des 21. Jahrhunderts neu zu erfinden, und ich könnte mir kein Team vorstellen, das besser in der Lage wäre, die damit verbundenen Probleme anzugehen.

Amazon:

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Vielleicht studier ich Physik, wenn ich nach Berkeley gehe†, sagte Darryl. Sein Vater lehrte an der University of California in Berkeley, so dass er dort keine Studiengebühren würde zahlen müssen. Und ob er dort hin ginge, das stand in Darryls Haushalt nie zur Debatte.

†œOkay, aber könntest du das nicht auch online lesen?†

†œMein Dad sagte, ich solle das Buch nehmen. Im Übrigen hatte ich nicht geplant, heute noch ein Verbrechen zu begehen.†

†œSchule schwänzen ist kein Verbrechen, sondern ein Vergehen. Das ist was ganz anderes.†

†œWas machen wirn jetzt, Marcus?†

†œHm, verstecken geht nicht, also muss ichs grillen.†

RFIDs zu killen ist ne schwarze Kunst. Kein Händler kann bösartige Kunden brauchen, die in seinem Shop rumrennen und hirntote Waren zurücklassen, denen der unsichtbare Strichcode fehlt. Deshalb haben die Hersteller sich geweigert, ein †œKill-Signal† vorzusehen, mit dem man per Funk den RFID ausschalten kann. Mit den geeigneten Boxen kann man RFIDs umprogrammieren, aber ich hasse es, das mit Büchereibüchern zu tun. Es ist nicht dasselbe wie Seiten rauszureißen, aber es ist schon übel, weil ein Buch mit umprogrammiertem RFID nicht mehr einsortiert und nicht mehr gefunden werden kann. Es wird zu einer Stecknadel im Heuhaufen.

Also blieb mir nur eine Option: das Ding zu grillen. Im Wortsinn. 30 Sekunden in der Mikrowelle kriegen so ziemlich jeden handelsüblichen RFID klein. Und weil der Chip dann überhaupt nichts mehr sagen würde, wenn D es in die Bibliothek zurückbrächte, müssten sie bloß einen neuen ausdrucken und mit den Katalogdaten des Buchs codieren; dann würde es ganz ordentlich wieder auf seinem Regal landen.

Alles, was wir jetzt brauchten, war eine Mikrowelle.

†œLass uns noch zwei Minuten warten, dann ist das Lehrerzimmer leer†, sagte ich.

Darryl schnappte sich sein Buch und ging zur Tür. †œVergiss es einfach. Ich geh zurück in die Klasse.†

Ich griff ihn am Ellbogen und zog ihn zurück. †œHey, D, entspann dich. Alles wird gut.†

†œLehrerzimmer, ja? Hast du mir nicht zugehört? Wenn die mich noch einmal schnappen, bin ich weg vom Fenster. Begriffen? Die werfen mich raus!†

†œSie schnappen dich aber nicht†, antwortete ich. Wenn es einen Ort gab, an dem um diese Zeit kein einziger Lehrer war, dann das Lehrerzimmer. †œWir gehen hintenrum rein.†

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Das Lehrerzimmer hatte an einer Seite eine Küchenzeile mit separatem Eingang für Lehrer, die nur kurz auf einen Becher reinkamen. Die Mikrowelle, die immer nach Popcorn und verschütteter Suppe stank, war auch da drin †“ oben auf dem Minikühlschrank.

Darryl stöhnte, und meine Gedanken rasten.

†œHey, es hat schon wieder geklingelt. Wenn du jetzt ins Studierzimmer gehst, kriegst du ne Ermahnung für Zuspätkommen. Dann doch lieber gar nicht erst auftauchen. Ich krieg uns unbemerkt in jeden Raum auf dem Campus rein und wieder raus, D. Hast du doch schon gesehen. Mit mir bist du sicher, Alter.†

Er stöhnte wieder. Das war einer von Darryls Tells: Wenn er erst mal anfängt zu stöhnen, dann ist er bereit nachzugeben.

†œAuf gehts†, sagte ich, und wir legten los.

Es ging reibungslos. Vorbei an den Klassenräumen, rückwärtige Treppe nach unten, vordere Treppe direkt vorm Lehrerzimmer wieder hoch. Kein Piep war von drinnen zu hören; ich drehte den Türgriff und zog Darryl nach innen, um die Tür leise wieder hinter uns zu schließen.

Das Buch passte grade so in die Mikrowelle, die sogar noch unappetitlicher aussah als beim letzten Mal, als ich sie brauchte. Ich wickelte das Buch penibel in Papiertücher, bevor ich es reinsteckte. †œMann, Lehrer sind Schweine†, zischelte ich. Darryl, bleich und angespannt, erwiderte nichts.

Der RFID-Chip starb in einem Funkenregen, was ganz entzückend aussah (wenn auch nicht annähernd so hübsch wie der Effekt, wenn man eine tiefgefrorene Traube hochjagt †“ das muss man sehen, um es zu glauben).

Jetzt also bloß noch anonym weg vom Campus.

Darryl öffnete die Tür und schob sich nach draußen, ich direkt hinter ihm. Einen Moment später stand er auf meinen Zehen, seine Ellbogen in meine Brust gerammt, und drängte in die wandschrankgroße Küche zurück, die wir grade verlassen hatten.

†œZurück†, flüsterte er mit Nachdruck. †œMach schnell, Charles kommt!†

Charles Walker und ich können nicht miteinander. Wir sind im selben Jahrgang und kennen uns genauso lange, wie ich Darryl kenne, aber das wars auch schon an Gemeinsamkeiten. Charles war immer schon groß für sein Alter, und seit er Football spielt und Zeug schluckt, ist er noch größer. Er hat sein Temperament nicht unter Kontrolle †“ in der dritten Klasse ist ihm einer meiner Milchzähne zum Opfer gefallen -, und das bringt ihm nur deshalb keine Probleme, weil er einer der eifrigsten Spitzel an der Schule ist.

Ist ne üble Kombi, ein Schläger, der auch schnüffelt †“ es verschafft ihm enorme Befriedigung, mit jeder Kleinigkeit, von der er Wind kriegt, sofort zu den Lehrern zu rennen. Benson liebte Charles. Und der ließ gern durchblicken, dass er irgendein Problem mit der Blase hatte †“ perfekter Vorwand für ihn, in Chavez durch die Flure zu strolchen und zu gucken, wem er als Nächstes ans Bein pinkeln könnte.

Als Charles das letzte Mal was gegen mich in der Hand hatte, hatte das das Ende meiner LARP-Aktivitäten bedeutet. Von dem würde ich mich nicht noch mal erwischen lassen.

†œWas macht er?†

†œKommt genau in unsere Richtung†, sagte Darryl. Er zitterte.

†œOkay†, entgegnete ich. †œZeit für Notfall-Gegenmaßnahmen.† Ich holte mein Handy raus. Diese Sache hatte ich lange im Voraus geplant †“ Charles würde mich nie wieder drankriegen. Ich mailte meinen Server zuhause an, und der legte los.

Sekunden später kackte Charles†™ Handy spektakulär ab. Zehntausende von zufälligen Anrufen und SMS liefen parallel bei ihm auf, sämtliche Warn- und Klingeltöne meldeten sich gleichzeitig und dann wieder und wieder.

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Den Angriff hatte ich mithilfe eines Botnetzes bewerkstelligt, was mir einerseits ein schlechtes Gewissen bereitete; aber andererseits war es ja im Dienst einer guten Sache.

In Botnetzen fristen infizierte Rechner ihr untotes Dasein. Wenn du dir einen Wurm oder Virus fängst, sendet dein Rechner eine Botschaft an einen Chat-Kanal im IRC, dem Internet Relay Chat. Diese Botschaft zeigt dem Botmaster, also dem Typen, der den Wurm freigesetzt hat, dass da Computer sind, die auf seinen Befehl warten. Botnetze sind enorm mächtig, da sie aus Tausenden, manchmal Hunderttausenden von Rechnern bestehen, die über das ganze Internet verteilt sind, meist über Breitbandleitungen verbunden sind und auf schnelle Heim-PCs zugreifen. Normalerweise tun diese Rechner das, was ihre Besitzer wollen, aber wenn der Botmaster sie ruft, kommen sie wie die Zombies hervor, um ihm zu dienen.

Mittlerweile gibts im Internet so viele infizierte Rechner, dass die Mietpreise für ein, zwei Stunden Botnetz-Nutzung total im Keller sind. Die Kisten arbeiten zumeist als billige Spambots und fluten deine Mailbox mit Potenzpillen-Reklame oder wieder mit neuen Viren, um auch deine Kiste zu infizieren und fürs Botnetz zu rekrutieren.

Ich hatte also grade 10 Sekunden auf dreitausend Rechnern gemietet und jeden einzelnen angewiesen, eine SMS oder einen VoIP-Anruf an Charles†™ Handy abzusetzen; dessen Nummer hatte ich mal während einer dieser verhängnisvollen Bürositzungen bei Benson von einem Post-it abgelesen.

Muss ich erwähnen, dass Charles†™ Telefon nicht in der Lage war, damit umzugehen? Zuerst ließen die SMS den Gerätespeicher überlaufen, sodass das Handy nicht mal mehr seine Routinen ausführen konnte, etwa das Klingeln zu koordinieren und die gefälschten Rufnummern der eingehenden Anrufe aufzuzeichnen. (Wusstet ihr, dass es völlig simpel ist, die Rückrufnummer einer Anruferkennung zu faken? Dafür gibts ungefähr 50 verschiedene Möglichkeiten †“ einfach mal †œAnrufer-ID fälschen† googeln…)

Charles starrte sein Telefon fassungslos an und hackte auf ihm herum, die wulstigen Augenbrauen regelrecht verknotet ob der Anstrengung, dieser Dämonen Herr zu werden, die das persönlichste seiner Geräte in Besitz genommen hatten. Bis hierher war der Plan aufgegangen, aber nun tat er nicht, was er sollte †“ er sollte sich nämlich einen ruhigen Winkel suchen, wo er versuchen würde, sein Handy wieder unter Kontrolle zu bringen.

Darryl schüttelte mich an der Schulter, und ich zog mein Auge vom Türspalt weg.

†œWas macht er?†, flüsterte Darryl.

†œIch hab sein Handy geflutet, aber jetzt glotzt ers nur an, statt zu verschwinden.† Er würde Schwierigkeiten haben, das Ding zu rebooten. Wenn der Speicher erst mal komplett voll war, würde es schon schwer sein, auch nur den Programmcode zu laden, der fürs Löschen der Nachrichten gebraucht wurde; und bei seinem Handy konnte man auch nicht mehrere Nachrichten auf einmal entfernen, also würde er Tausende von Nachrichten einzeln löschen müssen.

Darryl schubste mich weg und schaute selbst durch den Türspalt. Kurz darauf begannen seine Schultern zu beben. Ich fürchtete schon, er hätte ne Panikattacke, aber als er sich umdrehte, sah ich, dass er so sehr lachen musste, dass ihm Tränen über die Wangen liefen.

†œGalvez hat ihn grade richtig rundgemacht, weil er während des Unterrichts im Flur war und sein Handy draußen hatte †“ hättst du sehen müssen, wie sie ihn zerfleischt hat. Hat ihr richtig Spaß gemacht.†

Darauf gaben wir uns die Hand; dann verschwanden wir zurück durch den Gang, Treppe runter, hinten rum, zur Tür raus, am Zaun vorbei und der strahlenden Nachmittagssonne über Mission entgegen. So schön war Valencia Street noch nie gewesen. Ich blickte auf die Uhr und erschrak.

†œTempo! Der Rest der Truppe erwartet uns in 20 Minuten bei den Cable-Cars!†

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Van sah uns zuerst. Sie hatte sich zu einer Horde koreanischer Touristen gesellt; das ist eine ihrer Lieblingstarnungen beim Schuleschwänzen. Seit dieses Schwänzer-Moblog online ist, wimmelt unsere Welt von neugierigen Ladeninhabern und Hobbyschnüfflern, die es für ihre Pflicht halten, Bildchen von uns zu machen und ins Netz zu stellen, wo sie von Schul-Offiziellen durchsucht werden können.

Sie kam aus der Menge heraus und steuerte auf uns zu. Darryl ist seit ewig hinter Van her, und sie ist so süß, so zu tun, als ob sies nicht merkt. Sie umarmte mich und ging dann zu Darryl weiter, um ihm ein züchtiges Küsschen auf die Wange zu drücken, das ihn bis über die Ohren knallrot anlaufen ließ.

Die beiden gaben ein lustiges Paar ab: Darryl ist ein bisschen stämmig, was bei ihm aber gar nicht schlecht aussieht, und hat einen rosigen Teint, der dazu neigt, an den Wangen rot zu werden, sobald er rennt oder aufgeregt ist. Er hatte schon mit 14 Bartwuchs entwickelt, aber glücklicherweise nach einer kurzen Zeit, die unter uns †œdie Lincoln-Jahre† hieß, mit Rasieren angefangen. Und er ist groß. Sehr, sehr groß. Basketballspielergroß.

Van dagegen ist sogar noch einen halben Kopf kleiner als ich, sie ist mager, und sie trägt ihr glattes schwarzes Haar in irrwitzig komplizierten Zöpfen, deren Machart sie im Internet raussucht. Sie hat hübsche kupferfarbene Haut und dunkle Augen, und sie steht auf Glasringe groß wie Rettich, die beim Tanzen gegeneinanderklirren.

†œWo ist Jolu?†, begrüßte sie uns.

†œWie gehts dir, Van?†, fragte Darryl mit belegter Stimme. In unseren Gesprächen mit Van war er immer einen Satz hinterher.

†œSuper, D. Und wie gehts deinen Kleinigkeiten?† Oh, sie war ein Miststück. Darryl fiel fast in Ohnmacht.

Jolu erlöste ihn von drohender sozialer Ächtung, indem er just in diesem Moment auftauchte: in übergroßer Leder-Baseballjacke, rattenscharfen Turnschuhen und einem Netz-Cap mit Logo unseres mexikanischen Lieblings-Wrestlers, dem maskierten El Santo Junior. Jolu ist Jose Luis Torrez, und er macht unser Quartett komplett. Er ging auf eine superstrenge katholische Schule in Outer Richmond, weshalb es für ihn nicht grade leicht war wegzukommen. Aber er schaffte es immer: Niemand verschwand so wie unser Jolu. Er liebte seine Jacke, weil sie ziemlich weit runterhing (was in gewissen Ecken der Stadt ziemlich stylisch war) und sein Katholikenschul-Outfit komplett überdeckte, denn das war ja wien Fadenkreuz für Schnüffelspinner, die das Schwänzer-Moblog in ihren Handy-Favoriten hatten.

†œAlles abmarschbereit?†, fragte ich, sobald wir mit sämtlichen Hallos fertig waren. Ich holte mein Handy raus und zeigte den anderen die Karte, die ich in der BART runtergeladen hatte. †œSoweit ich es begriffen habe, müssen wir zum Nikko zurück, einen Block dahinter Richtung O†™Farrell, dann links hoch Richtung Van Ness. Da irgendwo müssten wir das Funksignal kriegen.†

Van zog die Stirn kraus. †œDas ist eine eklige Ecke vom Tenderloin.† Da war nichts dran zu deuteln. Dieser Teil von San Francisco ist eins der schrägeren Viertel: Geh durch den Vordereingang des Hilton, und du hast den ganzen Touristenkram wie den Cable-Car-Wendepunkt und die Familien-Restaurants. Geh durch zur anderen Seite, und du kommst im Loin raus †“ dem Sammelbecken sämtlicher abgewrackter Transen-Huren, harter Zuhälter, Dealer und durchgeknallter Penner der Stadt. Was dort gehandelt wurde, dafür war keiner von uns alt genug (obwohl sich auch reichlich Nutten unseres Alters im Loin anboten).

†œDenk positiv†, entgegnete ich. †œDa will sich nun wirklich niemand rumtreiben außer am hellichten Tag. Also lassen sich die anderen Spieler frühestens morgen da blicken. Wir im ARG-Gewerbe nennen so was einen Monster-Vorsprung.†

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Jolu grinste mich an. †œWenn man dich hört, klingt das richtig gut.†

†œBesser als Uni zu essen allemal†, sagte ich.

†œQuasseln wir oder gewinnen wir?†, mischte sich Van ein. Sie war nach mir definitiv der härteste Spieler unserer Gruppe. Gewinnen war etwas, das sie sehr, sehr ernst nahm.

Wir machten uns auf den Weg, vier gute Freunde, einen Hinweis zu decodieren, das Spiel zu gewinnen †“ und für immer alles zu verlieren, was uns jemals wichtig war.

Die physische Komponente des heutigen Hinweises war ein Satz von GPS-Koordinaten †“ je einer für alle wichtigen Städte, in denen Harajuku Fun Madness gespielt wurde -, der anzeigte, wo wir das Signal eines Funknetz-Knotenpunkts finden würden. Dieses wurde von dem Signal eines anderen, in der Nähe versteckten WLAN-Zugangs gezielt überlagert, so dass man das eigentliche Signal nicht mit konventionellen WLAN-Findern erkennen konnte (das sind kleine Schlüsselanhänger, die dir anzeigen, ob du in Reichweite eines Funknetzes bist, das du gratis mitbenutzen kannst).

Die Aufgabe war, den versteckten WLAN-Zugang zu lokalisieren; dazu würden wir die Stärke des sichtbaren Signals analysieren und denjenigen Punkt finden müssen, an dem das Funknetz ohne offensichtlichen Grund am schwächsten war. Dort würden wir einen weiteren Hinweis finden †“ beim letzten Mal war dieser im Tages-Special auf der Speisekarte des Anzu verborgen, dem todschicken Sushi-Restaurant im Nikko-Hotel im Tenderloin.

Das Nikko gehörte zu Japan Airlines, einem der Sponsoren von Harajuku Fun Madness, und die Leute da hatten ein Mords-Tamtam veranstaltet, als wir den Hinweis endlich gefunden hatten: Sie servierten uns Schüsseln mit Miso-Suppe und brachten uns sogar dazu, Uni zu probieren †“ das ist Seeigel-Sushi mit der Konsistenz von sehr weichem Käse und dem Aroma von sehr weicher Hundekacke. Aber es war sehr lecker. Behauptete zumindest Darryl. Ich hatte den Kram nicht probiert.

Der WLAN-Finder meines Handys schnappte das Signal drei Blöcke O†™Farrell hoch auf, kurz vor Hyde Street, vor einem dubiosen †œAsiatischen Massagesalon† mit blinkendem rotem †œGeschlossen†-Schild im Fenster. Die Netzwerkkennung war HarajukuFM, wir wussten also, wir waren richtig.

†œWenns da drin ist, geh ich nicht rein†, sagte Darryl.

†œAlle WLAN-Finder bereit?†, fragte ich.

Darryl und Van hatten Handys mit eingebauten Findern, nur Jolu, der kein Telefon benutzen würde, das größer war als sein kleiner Finger, hatte ein gesondertes kleines Ortungsgerät.

†œOkay, ausschwärmen und schauen, was wir finden. Ihr müsst auf einen plötzlichen Signalabfall achten, der stärker wird, je mehr man sich in seine Richtung bewegt.†

Ich trat einen Schritt zurück und stand plötzlich jemandem auf den Zehen. Eine Frauenstimme sagte †œAutsch†, und ich wirbelte herum aus Angst, gleich würde mich eine Nutte abstechen, weil ich ihr die Absätze ruiniert hatte.

Stattdessen blickte ich einem Kind meines Alters ins Gesicht. Sie hatte strahlend pinkfarbenes Haar und eine riesige Pilotenbrille im kantigen Nagetiergesicht. Unter einem schwarzen Omakleid, geschmückt mit Bergen von japanischen Buttons mit Anime-Figuren, Führern der Alten Welt und ausländischen Limo-Logos, trug sie gestreifte Strümpfe.

Sie zückte eine Kamera und machte ein Bild von mir und meinem Team.

†œCheese†, sagte sie. †œHier ist die versteckte Spitzel-Kamera!†

†œNe†, sagte ich. †œDu wirst doch nicht…†

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†œUnd ob ich werde†, entgegnete sie. †œIch schick dieses Foto in dreißig Sekunden ans Schwänzerblog, wenn ihr vier nicht von hier verschwindet und meinen Freundinnen und mir den Hinweis überlasst. In einer Stunde könnt ihr wiederkommen und damit machen, was ihr wollt. Das wäre wohl mehr als fair.†

Hinter ihr sah ich noch drei Mädchen in ähnlicher Aufmachung †“ eins mit blauen Haaren, eins mit grünen und eins mit violetten. †œWer seid ihr eigentlich, das Eis-am-Stiel-Quartett?†

†œWir sind das Team, das euer Team bei Harajuku Fun Madness am Arsch kriegt†, sagte sie. †œUnd ich bin die, die genau jetzt euer Foto hochlädt und euch so richtig in die Scheiße…†

Hinter mir spürte ich Van nach vorn drängen. Ihre Mädchenschule war für ihre Prügeleien berüchtigt, und mir war klar, dass sie dieser Puppe ordentlich eine reinsemmeln würde.

Dann änderte sich die Welt für immer.

Zuerst spürten wirs bloß, dieses fiese Schwabbeln des Zements unter den Füßen, das jeder Kalifornier instinktiv erkennt †“ †œErdbeben†. Mein erster Impuls war wegzulaufen, wie üblich: †œBist du ängstlich und allein, hilft nur rennen oder schrei†™n.† Aber hier waren wir ja schon am denkbar sichersten Platz: weder in einem Gebäude, das über uns zusammenstürzen könnte, noch in der Mitte der Straße, wo uns herabfallende Dach-Teile das Hirn zermatschen könnten.

Erdbeben sind beängstigend geräuschlos †“ zumindest am Anfang -, aber das hier war nicht geräuschlos. Das hier war laut †“ ein unglaubliches Brüllen, lauter als alles, was ich jemals zuvor gehört hatte. Der Lärm war so bestialisch, dass ich in die Knie ging, und ich war beileibe nicht der Einzige. Darryl zerrte mich am Arm und wies über die Gebäude hinweg, und da sahen wir sie: eine gewaltige schwarze Wolke, die sich aus Nordwesten über die Bay erhob.

Dann noch ein Grollen, und die Rauchwolke dehnte sich aus, diese expandierende schwarze Form, die wir alle aus den Kinofilmen unserer Jugend kannten. Irgendjemand hatte etwas in die Luft gejagt, und zwar ganz gewaltig.

Noch mehr Grollen, noch mehr Beben. Die Straße rauf und runter erschienen Köpfe an Fenstern. Wir starrten schweigend die pilzförmige Wolke an.

Dann gingen die Sirenen los.

Sirenen wie diese hatte ich zwar schon mal gehört †“ sie testen die Zivilschutz-Sirenen immer dienstagmittags. Aber dass sie außerplanmäßig losgingen, das kannte ich nur aus alten Kriegsfilmen und Videospielen, diese Sorte, wo irgendwer irgendwen aus der Luft bombardiert. Luftalarm-Sirenen. Das wouuuuuuu-Jaulen machte das Ganze irgendwie unwirklich.

†œSuchen Sie sofort die Notunterkünfte auf.† Es war wie die Stimme Gottes, sie kam aus allen Richtungen zugleich. Auf einigen der Strommasten waren Lautsprecher angebracht, was mir noch nie aufgefallen war; und die waren alle auf einmal angegangen.

†œSuchen Sie sofort die Notunterkünfte auf.† Notunterkünfte? Wir starrten uns fragend an. Welche Notunterkünfte? Die Wolke wuchs immer noch und dehnte sich aus. War es eine Atombombe? Waren das jetzt unsere letzten Atemzüge?

Das Mädchen mit den rosa Haaren schnappte ihre Freundinnen, und sie rasten wie bekloppt den Hang runter, zur BART-Station am Fuß der Hügel.

†œSUCHEN SIE SOFORT DIE NOTUNTERKÜNFTE AUF.† Inzwischen war das Geschrei losgegangen, und alles rannte wild durcheinander. Touristen †“ die erkennt man immer daran, dass sie glauben, in Kalifornien sei es warm, und in San Francisco in Shorts und T-Shirts frieren †“ stoben in alle Himmelsrichtungen auseinander.

†œWir müssen weg!†, brüllte Darryl mir ins Ohr, kaum zu verstehen über dem Sirenengeheul, das mittlerweile durch normale Polizeisirenen verstärkt wurde. Ein Dutzend SFPD-Streifenwagen raste an uns vorbei.

†œSUCHEN SIE SOFORT DIE NOTUNTERKÜNFTE AUF.†

†œRunter zur BART-Station†, brüllte ich. Meine Freunde nickten. Wir schlossen die Reihen und machten uns zügig auf den Weg bergab. – Fortsetzung Kapitel 3

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Hintergründe, Handlung und weitere Informationen zu Little Brother findet ihr unter: Jugendthriller: Little Brother von Cory Doctorow komplett im Netz

Hier handelt es sich um die deutsche Übersetzung von Christian Wöhrl

Little Brother ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenzvertrag lizenziert.

Das Original wurde unter: http://craphound.com/littlebrother veröffentlicht.

Little Brother von Cory Doctorow: Kapitel 1

Little Brother

Kapitel 1

Dieses Kapitel ist BakkaPhoenix Books in Toronto, Kanada gewidmet. Bakka ist die älteste Science-Fiction-Buchhandlung der Welt, und ihretwegen wurde ich der Mutant, der ich heute bin. Mit ungefähr 10 Jahren schaute ich dort erstmals rein und fragte nach ein paar Empfehlungen. Tanya Huff (genau, die Tanya Huff, sie war damals allerdings noch keine berühmte Autorin) führte mich in die Second-Hand-Abteilung, drückte mir H. Beam Pipers †œLittle Fuzzy† in die Hand und veränderte so mein ganzes Leben.
Mit 18 arbeitete ich bei Bakka †“ als Nachfolger von Tanya, die dort aufgehört hatte, um ausschließlich zu schreiben -, und habe da bleibende Erfahrungen gemacht, wie und warum Leute Bücher kaufen. Meines Erachtens sollte jeder Autor mal in einer Buchhandlung arbeiten. Und bei Bakka haben im Lauf der Zeit eine Menge Schriftsteller gearbeitet: Zum 30-jährigen Bestehen erschien eine Anthologie mit Geschichten von Bakka-Autoren, darunter Michelle Sagara (bekannt als Michelle West), Tanya Huff, Nalo Hopkinson, Tara Tallan †“ und ich!
BakkaPhoenix Books:
http://www.bakkaphoenixbooks.com/
697 Queen Street West, Toronto ON Canada M6J1E6, +1 416 963 9993
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Ich bin ein Schüler an Cesar Chavez High in San Franciscos sonnigem Mission-Viertel, und damit bin ich einer der meistüberwachten Menschen der Welt. Mein Name ist Marcus Yallow, aber als diese Geschichte begann, kannte man mich als w1n5t0n. Gesprochen †œWinston†.
Nicht gesprochen †œWee eins enn fünf tee null enn† †“ es sei denn, man ist son planloser Schulleiter, der rückständig genug ist, das Internet immer noch †œDatenautobahn† zu nennen.
So einen kenn ich, und der heißt Fred Benson †“ einer von drei Stellvertretenden Direktoren an Cesar Chavez. Der Typ ist so sympathisch wie ein Loch in der Brust. Aber wenn schon im Knast, dann doch lieber mit planlosen Wärtern als mit solchen, dies drauf haben, oder?
†œMarcus Yallow†, sagte er an diesem Freitagmorgen über Lautsprecher. Die Anlage taugt sowieso nicht viel, und dazu noch Bensons übliches Murmeln, dabei kommt was raus, das nicht so sehr nach Schuldurchsage klingt als vielmehr nach jemandem, der sich abmüht, einen schlechten Burrito zu verdauen. Aber Menschen sind gut drin, aus Audiokuddelmuddel ihre eigenen Namen rauszuhören †“ verschafft dir Überlebensvorteile.
Ich schnappte mir meine Tasche, klappte den Laptop drei Viertel zu †“ wollte die Downloads nicht abbrechen †“ und bereitete mich auf das Unvermeidliche vor.
†œMelden Sie sich unverzüglich im Büro der Schulleitung.† Meine Gesellschaftskunde-Lehrerin Ms. Galvez verdrehte die Augen, und ich gab den Blick zurück. Der Typ hatte es immer auf mich abgesehen; nur weil ich durch die Schul-Firewall durchkomme wie durch nasse Tempos, die Schritterkennungs-Software austrickse und die Schnüffelsensoren zerlege, mit denen sie uns tracken. Egal, Galvez ist ne Gute, die dreht mir aus so was keinen Strick (zumal ich ihr mit ihrer Webmail helfe, damit sie mit ihrem im Irak stationierten Bruder reden kann).
Mein Kumpel Darryl gab mir nen Klaps hintendrauf, als ich an ihm vorbeikam. Den kenn ich schon, seit wir Windelkinder waren und die Vorschule schwänzten, und ich bring ihn ständig in die Bredouille, aber ich hau ihn auch immer wieder raus.

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Ich reckte die Arme hoch wie ein Preisboxer, ließ Gesellschaftskunde Gesellschaftskunde sein und machte mich auf den Büßerweg ins Büro.
Auf halbem Weg meldete sich mein Handy. Auch son No-no †“ die Dinger sind an Chavez High muy prohibido -, aber was sollte mich das stören? Ich verschwand im Klo und schloss mich in der mittleren Kabine ein (die ganz hinten ist immer am ekligsten, weil so viele dahin gehen und denken, dass es da nicht so stinkig und siffig ist. Wer klug ist, geht in die Mitte, da ist es am saubersten). Ich hatte eine E-Mail auf dem Handy †“ weitergeleitet vom PC daheim. Es gab da wohl Neuigkeiten bei †œHarajuku Fun Madness†, dem besten Spiel aller Zeiten.
Ich grinste. Freitags in der Schule zu sein war sowieso ätzend, und ich war dankbar für die Ausrede, hier wegzukommen.
Ich trottete weiter zu Bensons Büro und winkte ihm beim Eintreten zu.
†œNa, wenn das mal nicht Wee eins enn fünf tee null enn ist†, sagte er. Frederick Benson (Sozialversicherungsnummer 545-03-2343, geboren 15. August 1962, Mädchenname der Mutter Di Bona, Heimatort Petaluma) ist ne ganze Ecke größer als ich. Ich bin bloß mickrige 1,73, er dagegen gut zwei Meter; und seine Basketball-Zeit am College liegt so lang zurück, dass seine Brustmuskulatur inzwischen zu Hängetitten degeneriert ist, die in seinen Billigheimer-Polo-Shirts scheußlich gut sichtbar sind. Er sieht ständig so aus, als wolle er dich mit dem Arsch zuerst dunken, und er steht total drauf, seine Stimme zu heben, um auf Dramatik zu machen. Nutzt sich beides aber ab, wenn mans ständig wiederholt.
†œNö, tschuldigung†, entgegnete ich. †œHab von Ihrer R2D2-Figur da noch nie was gehört.† †œW1n5t0n† buchstabierte er noch mal. Dann musterte er mich scharf und erwartete, dass ich klein beigäbe. Klar war das mein Nick, seit Jahren schon. Unter der Identität postete ich in Foren, in denen es um angewandte Sicherheitsforschung ging. Na ja, halt so Zeug wie heimlich aus der Schule verschwinden und die Signalverfolgung im Handy deaktivieren.
Aber er wusste nicht, dass das mein Nick war. Das wussten nur ne Handvoll Leute, und zu denen hatte ich vollstes Vertrauen.
†œÄhm, da klingelt nix†, antwortete ich. Unter dem Pseudo hatte ich ne Menge cooles Zeug gemacht †“ auf die Sache mit den Schnüffeletiketten-Killern war ich verdammt stolz -, und wenn er da eine Verbindung herstellen konnte, wäre ich geliefert. Niemand an der Schule nannte mich w1n5t0n oder auch bloß Winston, nicht mal meine Kumpels. Ich hieß hier Marcus, sonst nichts.
Benson ließ sich hinterm Schreibtisch nieder und pochte mit seinem Abschluss-Ring nervös auf dem Löschpapier rum. Machte er immer, wenn die Dinge nicht so gut für ihn liefen. Pokerspieler nennen das einen †œTell† †“ einen Anhaltspunkt dafür, was im Kopf des Gegenübers vorgeht. Ich kannte Bensons sämtliche Tells rauf und runter.
†œMarcus, du begreifst hoffentlich, wie ernst die Sache ist.†
†œSelbstverständlich, sobald Sie mir erklären, worum es geht, Sir.† Ich sag zu Autoritäts-Typen immer †œSir†, wenn ich sie verarschen will †“ das ist mein Tell.
Er schüttelte den Kopf über mich und senkte den Blick †“ noch ein Tell. Jeden Moment würde er anfangen mich anzubrüllen. †œHör mal, Kleiner! Wird Zeit, dass du begreifst, dass wir wissen, was du getan hast, und dass wir nicht gedenken, da ein Auge zuzudrücken. Du wirst von Glück reden können, wenn ich dich nicht von der Schule werfe, bevor wir mit unserer Unterhaltung fertig sind. Du willst doch noch einen Abschluss?†
†œMr. Benson, Sie haben immer noch nicht erklärt, was das Problem ist…†
Er schlug mit der Hand auf den Tisch und zeigte dann mit dem Finger auf mich. †œDas Problem, Mr. Yallow, besteht darin, dass Sie an einer kriminellen Verschwörung beteiligt sind mit dem Ziel, die Sicherheitssysteme dieser Schule zu unterwandern, und dass Sie Ihre Mitschüler mit entsprechenden Gegenmaßnahmen versorgt haben. Wie Sie wissen, haben wir Graciella Uriarte vergangene Woche der Schule verwiesen, da sie eines Ihrer Geräte in Verwendung hatte.†

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Uriarte hatte es vergeigt †“ hatte in einem Headshop bei der BART-Station (1) 16. Straße nen Störsender gekauft, und das Ding hatte im Schulflur Alarm ausgelöst. Hatte ich nix mit zu tun, aber leid tat sie mir schon.
1 Bay-Area-Schnellbahn, Anmerkung des Übersetzers
†œUnd Sie denken, dass ich da mit drin stecke?†
†œWir haben zuverlässige Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass Sie w1n5t0n sind† †“ er buchstabierte es wieder, und ich fragte mich allmählich, ob er wohl begriffen hatte, dass die 1 ein i und die 5 ein s war. †œWir wissen, dass dieser Mensch namens w1n5t0n verantwortlich für den Diebstahl der standardisierten Prüfungen im letzten Jahr war.† Das allerdings war ich nicht gewesen; war aber ein gelungener Hack damals, und irgendwie schmeichelhaft, dass ers mir zuschrieb. †œDas bringt gut und gern ein paar Jahre Gefängnis, sofern Sie sich nicht kooperativ zeigen.†
†œSie haben zuverlässige Erkenntnisse†™? Ob ich die wohl mal sehen könnte?†
Er fixierte mich scharf. †œMit der Haltung kommen Sie hier nicht weit.†
†œNun, Sir, wenn es Beweise gibt, dann sollten Sie wohl die Polizei einschalten und denen die Sache übergeben. Klingt ganz so, als sei das was Ernstes, und ich wäre der Letzte, der einer intensiven Untersuchung durch die zuständigen Stellen im Wege stehen wollte.†
†œSie möchten also, dass ich die Polizei rufe?†
†œUnd meine Eltern; das wäre wohl das Beste.†
Übern Schreibtisch hinweg blickten wir einander an. Er hatte offensichtlich erwartet, dass ich einknicken würde, sobald er die Bombe platzen ließ. Ich knicke aber nie ein. Ich kenn einen Trick, mit dem man Leute wie Benson in Grund und Boden starrt. Ich gucke einen Hauch links an ihnen vorbei und denk an die Texte alter irischer Folksongs †“ die Sorte mit 300 Zeilen und so. Auf die Art seh ich aus wie völlig entspannt und im Lot.
† Und der Flügel am Vogel und der Vogel auf dem Ei und das Ei im Nest und das Nest auf dem Blatt und das Blatt am Zweig und der Zweig am Ast und der Ast am Stamm und der Stamm am Baum und der Baum im Moor †“ das Moor unten im Tal, oh! Heio, das rauschende Moor, der Baum drunten im Moor, oh!†
†œSie können in Ihre Klasse zurückgehen†, sagte er. †œIch rufe Sie wieder, sobald die Polizei bereit ist, mit Ihnen zu sprechen.†
†œRufen Sie sie jetzt sofort an?†
†œEs ist ein aufwendiges Verfahren, die Polizei einzuschalten. Ich hatte gehofft, wir könnten das kurz und schmerzlos unter uns klären, aber da Sie darauf bestehen …†
†œOh, es macht mir nichts aus, hier zu warten, während Sie die Polizei rufen†.
Er klopfte wieder mit seinem Ring, und ich machte mich auf den Ausbruch gefasst.
†œRaus!†, brüllte er. †œVerdammt noch mal raus aus meinem Büro, Sie kleiner Drecks-† Ich empfahl mich, ohne ne Miene zu verziehen. Er würde die Bullen nicht anrufen. Hätte er genug Beweise gehabt, um damit zur Polizei zu gehen, dann hätte ers gleich gemacht. Er konnte mich ums Verrecken nicht ausstehen. Vermutlich hatte er ein bisschen was an unbestätigten Gerüchten aufgeschnappt und gehofft, er könne mir ein Geständnis abtricksen.
Ich schlenderte munter den Gang runter, wobei ich für die Schritterkennungs-Kameras auf gleichmäßigen Gang achtete. Die waren im vorigen Jahr installiert worden, und ich liebte sie, weil sie so offensichtlich bescheuert waren. Früher war fast jeder öffentliche Winkel der Schule von Gesichtserkennungs-Kameras abgedeckt, aber die hatte ein Gericht als verfassungswidrig eingestuft. Also hatten Benson und ein paar andere paranoide Schulobere unser Bücher-Budget für diese schwachsinnigen Kameras verbraten, die angeblich den Gang zweier Leute voneinander unterscheiden konnten. Na klar.

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Ich ging zurück in die Klasse und setzte mich hin; Ms. Galvez begrüßte mich freundlich. Dann packte ich das primäre Arbeitsgerät unserer Schule wieder aus und wählte den Klassenzimmer-Modus. Die SchulBooks waren die verräterischsten Geräte von allen †“ zeichneten jede Eingabe auf, kontrollierten den Netzwerkverkehr auf verdächtige Eingaben, zählten alle Klicks, zeichneten jeden flüchtigen Gedanken auf, den du übers Netz verbreitetest. Wir hatten sie in meinem ersten Jahr hier bekommen, und es hatte bloß ein paar Monate gedauert, bis der Reiz dieser Dinger verflogen war. Sobald die Leute merkten, dass diese †œkostenlosen† Laptops in Wirklichkeit für die da oben arbeiteten (und im Übrigen mit massenhaft nerviger Werbung verseucht waren), fühlten die Kisten sich plötzlich sehr, sehr schwer an.
Mein SchulBook zu cracken war simpel gewesen. Der Crack war binnen eines Monats nach Einführung der Maschine online zu finden, und es war eine billige Nummer †“ bloß ein DVD-Image runterladen, brennen, ins SchulBook stecken und die Kiste hochfahren, während man ein paar Tasten gleichzeitig gedrückt hielt. Die DVD erledigte den Rest und installierte etliche versteckte Programme auf dem Laptop, die von den täglichen Fernprüfungs-Routinen der Schulleitung nicht gefunden werden konnten. Man musste bloß hin und wieder ein Update aufspielen, um auch die neuesten Testverfahren der Direktion zu umgehen; aber das war ein bescheidener Preis dafür, ein bisschen Kontrolle über die Kiste zu bekommen.
Ich startete IMParanoid, den geheimen Instant Messenger, den ich immer benutzte, wenn ich mitten im Unterricht eine Diskussion nebenher starten wollte. Darryl war schon eingeloggt.
>  Im Spiel gehts ab! Irgendein großes Ding läuft bei Harajuku Fun Madness, Alter. Biste dabei?
> Ver! Giss! Es! Wenn die mich zum dritten Mal beim Schwänzen erwischen, flieg ich. Ey, weißt du doch. Nach der Schule, OK?
>  Du hast noch Mittagessen und Studienzeit, oder? Macht zwo Stunden. Genug Zeit, den Hinweis zu knacken, und wir sind zurück, bevor uns jemand vermisst. Ich mach das ganze Team klar.
Harajuku Fun Madness ist das beste Spiel aller Zeiten. Ja, hatten wir schon, aber das kann man ruhig zweimal sagen. Es ist ein ARG, ein †œAlternate Reality Game†, und es dreht sich darum, dass ein paar japanische Mode-Kids einen wundersam heilenden Edelstein im Tempel von Harajuku entdeckt haben †“ das ist da, wo coole japanische Teens quasi jede nennenswerte Subkultur der letzten zehn Jahre erfunden haben. Die werden gejagt von bösen Mönchen, der Yakuza (der Japsen-Mafia), Aliens, Steuerfahndern, Eltern und einer schurkischen künstlichen Intelligenz. Und sie geben den Mitspielern codierte Hinweise, die wir entschlüsseln müssen, um neue Hinweise zu finden, die uns zu neuen codierten Nachrichten führen und so weiter.
Stell dir den besten Nachmittag vor, den du in einer Stadt verbracht hast †“ du strolchst durch die Straßen und checkst all die merkwürdigen Leute, komischen Flugblätter, die Spinner auf der Straße und die schicken Läden. Und dazu noch eine Schnitzeljagd, bei der du dich mit irren alten Filmen und Songs und Jugendkulturen von früher und heute und überall auf der Welt beschäftigen musst. Außerdem ist es ein Wettbewerb, bei dem das beste Viererteam satte zehn Tage nach Tokio reisen darf †“ auf der Harajuku-Brücke chillen, im Geek-Mekka Akihabara stöbern, Astro-Boy-Gimmicks einsammeln, so viel du essen kannst (na ja, außer dass er in Japan †œAtom Boy† heißt)…
Das ist Harajuku Fun Madness, und wenn du erst mal ein, zwei Rätsel gelöst hast, führt kein Weg mehr zurück.
>  Nein, Mann, nein. NEIN. Frag erst gar nicht.
>  Ich brauch dich, D. Ich hab keinen Besseren als dich. Ich schwörs, ich bring uns unbemerkt raus und wieder rein. Kann ich. Weißt du doch.
>  Ich weiß, dass dus kannst.

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> Also bist du dabei?
>  Scheiße, nein.
>  Komm schon, Darryl. Du wirst dir schon nicht auf dem Sterbebett wünschen, mehr Zeit in der Schule verbracht zu haben.
>  Ich werd mir dann aber auch nicht wünschen, mehr Zeit mit ARGs verbracht zu haben.
> Aber vielleicht wirst du dir wünschen, mehr Zeit mit Vanessa Pak verbracht zu haben?
Van war ein Mitglied meines Teams. Sie besuchte eine private Mädchenschule in der East Bay, aber ich wusste, sie würde schwänzen, um die Mission mit mir zu erledigen. Und Darryl war nun schon seit Jahren in sie verknallt, schon bevor die Pubertät begonnen hatte, sie mit verschwenderischen Reizen zu bedenken. Darryl hatte sich in ihren Verstand verliebt. Echt traurig das.
>  Du Arsch.
>  Du bist dabei?
Er guckte zu mir rüber und schüttelte den Kopf. Dann nickte er. Ich blinzelte ihm zu und ging daran, den Rest des Teams zusammenzutrommeln.
ARG war nicht immer mein Ding. Ich hab ein finsteres Geheimnis: Ich war mal ein LARPer. LARPs sind Live-Action-Rollenspiele, und es ist genau so, wie es sich anhört: In Kostümen rumrennen, in lustigen Dialekten reden und so tun, als sei man ein Topspion, ein Vampir oder ein mittelalterlicher Ritter. Das ist so wie Fahnen erobern mit Monsterkutten, bisschen Drama Club dabei, und am besten waren die Spiele, die wir in Pfadfinderlagern draußen in Sonoma oder auf der Peninsula spielten.
Diese Drei-Tage-Events wurden manchmal echt haarig, wenn man den ganzen Tag wandern musste, ewig lang mit Schaumstoff- und Bambusschwertern kämpfte, Leute verhexte, indem man sie mit Bohnensäcken bewarf und †œFeuerball!† brüllte, all son Zeug. Total lustig; okay, auch albern. Aber nicht annähernd so ein Geek-Kram wie drüber zu reden, was dein Elb als nächstes tun wird, während man mit Diet Coke und bemalten Miniaturen bewaffnet um einen Tisch rumsitzt; und viel mehr physische Action als beim Mausschubsen bei einem Massive Multiplayer Game daheim.
Zum Verhängnis wurden mir die Minispiele in Hotels. Wann immer eine Science-Fiction-Convention in der Stadt war, überredete jemand die Leute, uns bei dem Event eine Reihe von Sechs-Stunden-Minispielen zu erlauben, so dass wir uns in deren gemietete Räumlichkeiten einklinken konnten. Gab der Convention ein bisschen Extra-Farbe, wenn da eine Horde enthusiastischer Kiddies in Kostümen rumrannten, und wir hatten Spaß mit Leuten, die noch härtere Sozialabweichler waren als wir.
Das Problem mit Hotels ist, dass da auch ne Menge Leute wohnen, die keine Gamer sind. Nicht bloß SciFi-Leute. Normale Leute. Aus Bundesstaaten, die vorne und hinten Vokale haben. Im Urlaub.
Und manchmal missverstehen solche Leute das Wesen solcher Spiele. Belassen wirs dabei, ja?
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Die Schulstunde würde in zehn Minuten vorbei sein, ich hatte also nicht viel Zeit für die Vorbereitungen. Erster Tagesordnungspunkt waren die nervigen Schritterkennungs-Kameras. Wie gesagt: Ursprünglich waren da mal Gesichtserkennungs-Kameras, aber die waren ja für verfassungswidrig erklärt worden. Meines Wissens hat sich noch kein Gerichtshof mit der Frage befasst, ob die Gang-Cams tatsächlich legaler sind, und bis dahin hatten wir sie am Hacken.
†œGang† ist ein schickes Wort für die Art, wie man läuft. Menschen sind ziemlich gut drin, Gang zu erkennen: Wenn du nächstes Mal Camping machst, achte mal auf die Bewegungen des Taschenlampenlichts, wenn ein Freund von weit weg auf dich zukommt. Wahrscheinlich kannst du ihn bloß anhand der Lichtbewegung erkennen, anhand der typischen Art und Weise, wie das Licht rauf- und runterwackelt, was unseren Affenhirnen verklickert †œda ist ein Mensch, der auf dich zukommt†.

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Schritterkennungs-Software fotografiert deine Bewegungen, versucht dich auf den Bildern als Silhouette zu isolieren und probiert dann, diese Silhouette mit einer Datenbank abzugleichen, um herauszufinden, wer du bist. Ein biometrisches Identifikationssystem also, wie Fingerabdrücke oder Iris-Scans, hat aber viel mehr †œKollisionen† als die anderen beiden. Eine biometrische †œKollision† bedeutet, dass eine Messung zu mehr als einer Person passt. Deinen Fingerabdruck hast du ganz allein, aber dein Gang ist ziemlich gleich wie der von etlichen anderen Leuten.
Nur †œziemlich†, nicht exakt. Dein persönlicher Gang, auf den Zentimeter genau erfasst, ist deiner, ganz allein deiner. Dumm ist nur, dass du nie auf den Zentimeter genau gleich gehst, weil das davon abhängt, wie müde du bist, auf welcher Sorte Untergrund du gehst, ob du deinen Knöchel beim Basketball geprellt hast und ob du kürzlich erst neue Schuhe gekauft hast. Also nähert sich das System deinem Profil mit sowas wie Fuzzy Logic und guckt nach Leuten, die irgendwie so ähnlich gehen wie du.
Aber es gibt ne Menge Leute, die irgendwie so ähnlich gehen wie du. Und außerdem ist es simpel, eben nicht irgendwie so ähnlich zu gehen wie du selbst †“ zieh bloß mal einen Schuh aus. Natürlich wirst du dann so laufen wie †œdu mit nur einem Schuh an† eben immer läufst, und die Kameras werden früher oder später merken, dass dus trotzdem bist. Deshalb gehe ich meine Angriffe auf die Schritterkennung mit einer Zufallskomponente an: Ich kippe ne Handvoll Kiesel in jeden Schuh. Billig und wirksam, keine zwei Schritte sehen gleich aus. Und klasse Reflexzonenmassage gibts gratis dazu (war nur Spaß. Reflexzonenmassage hat um und bei denselben wissenschaftlichen Wert wie Schritterkennung).
Die Kameras waren anfangs so eingestellt, dass sie jedes Mal Alarm schlugen, wenn jemand den Campus betrat, den sie nicht kannten.
Gaaanz schlechte Idee.
Wir hatten alle zehn Minuten Alarm. Der Briefträger. Irgendein Elternteil. Die Handwerker, die das Basketballfeld reparierten. Sogar bei Schülern mit neuen Schuhen ging der Alarm los.
Deshalb versucht das System jetzt bloß noch aufzuzeichnen, wer wann wo ist. Wenn also jemand während der Unterrichtszeit das Schulgelände verlässt, wird der Gang daraufhin abgeglichen, ob es einer der Schüler sein könnte. Und wenn ja, wup-wup-wup, geht die Sirene los.
Chavez High ist von Kieswegen umgeben. Ich hab für alle Fälle immer ein paar Hände voll Steinchen in meiner Umhängetasche. Kommentarlos gab ich Darryl ein Dutzend von den kantigen Biestern rüber, und wir füllten beide unsere Schuhe.
Der Unterricht war nahezu vorbei, als mir klar wurde, dass ich immer noch nicht auf der Website von Harajuku Fun Madness nachgeschaut hatte, wo man den nächsten Hinweis finden würde! Ich war viel zu sehr auf die Flucht konzentriert gewesen und hatte mich nicht drum gekümmert, wohin wir zu fliehen hatten.
Also griff ich noch mal in die Tasten meines SchulBooks. Der Browser, den wir benutzten, kam vorinstalliert. Eine dichtgemachte Spyware-Version des Internet Explorers, Microsofts Crashware-Dreck, den kein Mensch unter 40 freiwillig benutzte.
Ich hatte einen Firefox auf dem USB-Laufwerk in meiner Uhr, aber das reichte nicht †“ das SchulBook lief mit Vista4Schools, einem antiken Betriebssystem, das Schuladministratoren die Illusion geben sollte, sie könnten kontrollieren, welche Programme auf den Rechnern ihrer Schüler laufen.
Aber Vista4Schools steht sich selbst im Weg. Ne Menge Programme sollen so laufen, dass man sie in Vista4Schools nicht ausschalten kann †“ Keylogger, Zensurprogramme -, und die müssen in einer speziellen Betriebsart laufen, damit sie vom System nicht gesehen werden. Du kannst sie nicht ausschalten, weil du sie gar nicht im System sehen kannst.

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Jedes Programm, dessen Name mit $SYS$ beginnt, ist fürs Betriebssystem unsichtbar. Es taucht weder im Explorer noch im Taskmanager auf. Also hatte ich meine Firefox-Kopie $SYS$Firefox genannt †“ und wenn ich es startete, wurde es für Windows unsichtbar und somit für die Schnüffelprogramme im Netzwerk.
Der Indie-Browser lief, jetzt brauchte ich nur noch eine Indie-Netzwerkverbindung. Das Schulnetz zeichnete jeden Klick rein und raus auf, und das konnte man ja nicht brauchen, wenn man fürn bisschen außerschulischen Spaß bei Harajuku Fun Madness vorbeisurfen wollte.
Die geniale Lösung heißt TOR †“ The Onion Router. So ein †œZwiebel-Router† ist eine Website, die Verbindungsanfragen zu Internetseiten entgegennimmt und zu anderen TORs weiterreicht; das Ganze ein paar Mal weiter, bis schließlich ein TOR die angeforderte Website aufruft und genauso durch die verschiedenen Zwiebel-Häute zurückgibt, bis sie bei dir ankommt. Der Netzwerkverkehr zu den Zwiebel-Routern ist verschlüsselt, so dass die Schule nicht sehen kann, wohin du eigentlich surfst, und die einzelnen Zwiebel-Häute wissen nicht, für wen sie arbeiten. Bei TOR gibts Millionen von Netzwerkknoten: Das Programm wurde vom Forschungsamt der US-Marine entwickelt, um den Navy-Leuten unzensierte Verbindungen in Ländern wie Syrien und China zu ermöglichen. Somit ist es das perfekte System im Bereich einer durchschnittlichen US-Highschool.
TOR funktioniert deshalb, weil die Schule eine begrenzte Liste von Schmuddeladressen pflegt, die wir nicht ansurfen dürfen, und weil die Adressen der Netzwerkknoten sich ständig ändern †“ keine Chance für die Schule, da ständig auf dem Laufenden zu bleiben. Firefox und TOR zusammen machten mich zum Unsichtbaren, unangreifbar für Schulbehördenschnüffelei, frei, zur Harajuku-FM-Site zu surfen und zu schauen, was abging.
Da war er, der neue Hinweis. Wie alle Hinweise bei Harajuku Fun Madness hatte auch dieser physische, Online- und mentale Komponenten. Der Online-Teil war ein Rätsel, und dafür musste man etliche knifflige Fragen beantworten. Diesmal waren dabei auch Fragen zur Handlung von Dojinshis †“ das sind Comics, die von Fans der japanischen Mangas gezeichnet werden. Dojinshis können genauso umfangreich sein wie die offiziellen Comics, von denen sie inspiriert sind, aber sie sind viel bizarrer, mit verschachtelten Handlungsfäden und manchmal völlig durchgeknallten Liedern und Action. Und massig Liebesgeschichten sowieso. Jeder Fan findet es toll, wenn seine Helden sich verknallen.
Um die Rätsel würde ich mich später daheim kümmern müssen. Das ging am leichtesten mit dem kompletten Team, weil man massenhaft Dojinshi-Files runterladen und nach Antworten auf die Rätselfragen durchflöhen musste.
Grade war ich fertig damit, die Hinweise zu sortieren, als die Schulglocke klingelte; unsere Flucht konnte beginnen. Unauffällig ließ ich die Kiesel in meine halbhohen Stiefel rieseln †“ knöchelhohe australische Blundstones, klasse zum Laufen und Klettern, und durch das Design ohne Schnürsenkel schnell aus- und angezogen, was bei den allgegenwärtigen Metalldetektoren natürlich praktisch ist.
Natürlich mussten wir auch die physische Überwachung austricksen, aber das wird im Grunde mit jeder neuen Schnüffeltechnik leichter †“ all der Alarmkrams vermittelt unserer geliebten Schulleitung ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Wir ließen uns mit all den anderen die Flure hinuntertreiben und steuerten meinen Lieblings-Hinterausgang an. Auf halber Strecke flüsterte Darryl: †œVerdammt, hab vergessen, dass ich noch ein Büchereibuch in meiner Tasche hab!†
†œMach kein Schei߆, entgegnete ich und zerrte ihn ins nächste Klo. Büchereibücher sind ne miese Sache. Bei denen ist immer ein RFID-Chip (ein Sensor zur Identifikation per Funk) in den Einband geklebt; damit können die Bibliothekare die Bücher ganz einfach auschecken, indem sie sie über ein Lesegerät ziehen, und ein Bücherei-Regal kann Bescheid sagen, ob eins der Bücher darin am falschen Platz steht.

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Aber es erlaubt der Schule auch, jederzeit den Aufenthaltsort jedes Buchs zu ermitteln. Auch so ein legales Hintertürchen: Die Gerichte hatten es verboten, uns per RFID zu tracken, aber Büchereibücher durfte man tracken, und ebenso war es erlaubt, mit den Schulaufzeichnungen abzugleichen, wer wohl wahrscheinlich grade welches Buch dabeihatte.
Ich hatte zwar einen kleinen Faraday-Beutel in der Tasche †“ das sind kleine Umschläge, die mit Kupferdraht-Gewebe gefüttert sind, Radiowellen wirksam blocken und RFID-Chips zum Schweigen bringen. Aber die Beutel waren dafür gedacht, Ausweise und Mautstellen-Transponder zu neutralisieren, nicht für…
†œEine Einleitung in die Physik?†, stöhnte ich. Das Buch war dick wie ein Lexikon. -  Fortsetzung Kapitel 2

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Hintergründe, Handlung und weitere Informationen zu Little Brother findet ihr unter: Jugendthriller: Little Brother von Cory Doctorow komplett im Netz

Hier handelt es sich um die deutsche Übersetzung von Christian Wöhrl

Little Brother ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenzvertrag lizenziert.

Das Original wurde unter: http://craphound.com/littlebrother veröffentlicht.

Jugendthriller: Little Brother von Cory Doctorow komplett im Netz

Der kanadische Science-Fiction-Autor, Journalist und Blogger (seit 2001 Co-Autor bei Boing Boning) Cory Doctorow ist einer der Mitgründer der Open Rights Group in England, die sich, ähnlich wie die EFF, unter anderem für eine Liberalisierung des Urheberrechts, gegen Digitale Rechteverwaltung und für den Datenschutz engagiert.

Seine Bücher veröffentlicht er unter einer Creative Commons-Lizenz, so auch 2008 seinen Jugendthriller Little Brother. Cory Doctorow ist überzeugt, dass die freie Verbreitung im Internet den Verkaufszahlen seines Buches nicht schadet.

Handlung
Der 17 jährige Schüler Marcus Yallow, der eine Schule in San Francisco besucht und sich Sicherheitssystemen beschäftigt wird Zeuge eines Terroranschlag auf die Bay Bridge. Anschließend wird er uns seine Freunde durch die Heimatschutzbehörde (Department of Homeland Security †“ kurz DHS) festgenommen, verhört und gefoltert wird, da er Hobbyhacker ist und sich weigert zunächst seine privaten Passwörter preis zu geben.
Als er nach einigen Tagen die Passwörter frei gibt, und nichts verdächtiges auf seinem Handy gefunden werden kann, wird er freigelassen. Er kehrt nach hause zurück und bemerkt, dass sein Laptop manipuliert wurde, und er von einem Tag auf den anderen zu einem gläsernen Menschen wurde. Als Reaktion darauf erklärt er dem DHS den Krieg. Außerdem wird sein Freund Darryl der in der Panik nach dem Anschlag verletzt wurde noch immer vermisst.
Mittels einer Distribution von Linux (ParanoidLinux – fiktiv!) gründet Marcus das sogenannte Xnet, ein Kommunikationsnetzwerk das der Widerstandsbewegung (Xnetter) eine verschlüsselte Kommunikation ermöglicht. Da die gesamte Stadt durch ein Überwachungssystem ununterbrochen beobachtet wird, findet Marcus schnell eine Schwachstelle: Wenn zu viele Fehlalarme, ausgelöst durch ungewöhnliche Bewegungsprofile, gegeben werden, bricht das System zusammen. Und so veröffentlicht er im Xnet eine Anleitung, wie man solche Fehlalarme provozieren kann (nämlich durch auslesen und verändern der FasTrack-Karten – einer Art „automatischer Stadt-Maut-Karte“).
Als der Kollaps kurz bevor steht, begreift das DHS die Sabotage und versucht gegen das Xnet vorzugehen, die jetzt auch als Terroristen angesehen werden. Das Xnet wird von DHS-Agenten infiltriert und ebenfalls überwacht, wodurch Marcus gezwungen wird das Medium zu wechseln und gründet ein Web-Of-Trust.
Marcus hat nur mehr eine Wahl: Er muss seine Geschichte veröffentlichen. Nach einem ersten gescheiterten Versuch, bei dem seine Aussagen nach belieben der jeweiligen Zeitung (sehr zu seinem Nachteil) interpretiert werden, bittet er Barbara Stratford, eine Reporterin, die Wahrheit zu veröffentlichen.
Mit Barbara Stratfords Hilfe schafft es Marcus schlussendlich die Stadt von dem DHS und seinen Freund Darryl aus der Gefangenschaft des DHS zu befreien. (Wikipedia)

Christian Wöhrl wollte nicht darauf warten, ob und wann Cory Doctorows Little Brother in einer deutschen Übersetzung auf den Markt kommt. Er ist zwar nicht der Meinung, dass Deutschland im Jahr 2008 ein totalitärer Staat ist,  findet die Einschätzungen von Bürgerrechtsaktivisten über einen schleichenden Umbau in einen Überwachungsstaat nicht abwegig.  Little Brother ist nicht nur ein spannender Entwicklungsroman über und für junge Erwachsene, sondern auch ein Plädoyer für angemessenen zivilen Ungehorsam und gegen undifferenzierte Terror-Hysterie. Im Sommer/Herbst 2008 hat Christian Wöhrl die tägliche U-Bahn-Pendelei dazu genutzt die Geschichte ins Deutsche zu „remixen“. Das vorliegende Ergebnis ist  inhaltlich kein „Mix“, sondern eine vorlagengetreue Übersetzung. Das Dokument versteht sich durchaus nicht als Endprodukt, sondern als „Work in Progress“. Sachliche Fehler werden laut Christian Wöhrl gerne entgegengenommen und in gegebenenfalls kommenden Versionen aktualisiert.

Little Brother, Doctorows erster Roman für Jugendliche, liest sich auch als Weckruf: für alle, die glauben, nichts zu verbergen zu haben, und für unbedachte Eigendatenschleudern in sozialen Netzwerken. Mehr als das: Er liest sich als Handlungsanleitung. Und seine Leser handeln, oft zur Begeisterung des Autors, unter einer Creative-Commons-Lizenz, die das Buch im Internet frei zugänglich macht und zu seiner Bearbeitung einlädt: In einer Wiki-Version des Buches können Fans Kommentare absetzen. In der Google Group „Watching Back†œ tauschen sich Jugendliche über Freiheit in der elektronischen Welt aus – ganz im Sinne des „Little Brother†œ, der dem Blick des Orwellschen „Big Brother†œ standhält. Eine Website erklärt die im Buch angeführten Tricks, Überwachung zu erkennen und zu verhindern, Programmierer wollen ParanoidLinux Wirklichkeit werden lassen, es gibt zahllose nichtkommerzielle Übersetzungen, allein in vier burmesische Sprachen“, schreibt die FAZ in einem Artikel vom 02.03.2010 unter dem Titel Amerikas Staatsfeinde 1 bis 4.

Little Brother erschien am 01.03.2010 in einer Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn im Rowohlt Verlag. Die 489 Seiten umfassende broschierte Taschenbuchausgabe wird Jugendlichen zwischen 14 und 15 Jahren empfohlen und ist für 14,95 Euro im Handel erhältlich.

Wer die Übersetzung von Christian Wöhrl als HTML-Dokument lesen möchte, findet die 23 Kapitel hier.

Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 09/2010

Platz 1 : Der Koch von Martin Suter

Der KochKurzbeschreibung
Weltweite Finanzkrise, Bürgerkrieg in Sri Lanka und eine Firma, die in aller Verschwiegenheit boomt: Love Food fürs diskrete Tête-à-Tête. Politische Gegenwart, Liebesgeschichte, Exotik und Sinnlichkeit.
Der Held der so sinnlichen wie spannenden Geschichte ist Maravan, ein 33jähriger tamilischer Asylbewerber, der als Hilfskraft in einem Zürcher Sternelokal arbeitet. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist seine Position die erste, auf die verzichtet werden kann: Maravan wird gefeuert. Doch er lässt sich nicht entmutigen und gründet mit seiner Kollegin Andrea †œLove Food†, ein Cateringunternehmen, das sich auf Liebesmenüs für Paare spezialisiert hat. Der Erfolg lässt nicht lang auf sich warten und bald beginnt eine zahlungskräftige Klientel, Interesse zu bekunden: Männer aus Politik und Wirtschaft.
Martin Suter erzählt in seinem neuen Roman von den Verführungen der Kochkunst †“ und führt tief hinein in die politischen Grauzonen der Gegenwart.

Platz 2 : Axolotl Roadkill von Helene Hegemann

Kurzbeschreibung
‚Schreckliche Leben sind der größte Glücksfall‘, schreibt die 16jährige Mifti in ihr Tagebuch. Seit dem Tod ihrer Mutter lebt sie in Berlin, und als ‚pseudo-belastungsgestörtes‘ Problemkind durchläuft sie nach ‚Jahren der Duldungsstarre‘ gerade eine extrem negative Entwicklung.
Obwohl intelligent und gut situiert, nimmt sie Drogen, verweigert die Schule und hat sogar Argumente dafür. Anstatt sich an Konventionen abzuarbeiten hinterfragt und analysiert sie nämlich permanent die gesellschaftliche Situation, in der sie sich befindet. Sie wohnt bei ihren wohlstandsverwahrlosten Halbgeschwistern und ihr Vater steckt noch immer in seiner frühkindlichen Allmachtsphase. Freiheit und Selbstzerstörung fallen zusammen und Mifti entlarvt in ihren von Wahn und Genie geprägten Zwischenwelten Sprache, Lebensentwürfe und Vorgegebenheiten der Erwachsenen. Sie kokettiert mit ihrer Kaputtheit und sucht im ‚allgemeinen Dahinschimmeln‘ nach einem Zugriff auf ihr eigenes Leben.
Der siebzehnjährigen Helene Hegemann ist ein sprachmächtiges, kluges Debüt über einen Zustand gelungen, in dem Traum, Alptraum und knallharte Realität nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.

Platz 3 : Leopard von Jo Nesbø

LeopardKurzbeschreibung
Hongkong: Im Dunst der Garküchen und Drogenhöhlen dämmert einsam ein Mann vor sich hin. Kommissar Harry Hole ist am Ende, er hat alle Brücken hinter sich abgebrochen, die chinesische Mafia ist ihm auf den Fersen. Gleichzeitig erschüttert Oslo eine Serie grotesk-grausamer Morde.Die junge Kommissarin Kaja schafft es schließlich, Harry zurückzuholen. Schon bald wird er immer tiefer in den Fall hineingezogen. Der Täter erweist sich als äußerst unberechenbar und intelligent. Er arbeitet mit einem perfiden Mordwerkzeug, das lautlos und quälend langsam tötet. Die Spuren führen Harry von einer einsamen Hütte im norwegischen Hochgebirge bis nach Ruanda. Als er dem Killer gegenübersteht, muss er eine übermenschliche Entscheidung treffen.

Platz 4 : Erbarmen von Jussi Adler-Olsen

ErbarmenKurzbeschreibung
Der Albtraum einer Frau.
Ein dämonischer Psychothriller.
Der erste Fall für Carl Mørck vom Sonderdezernat Q in Kopenhagen.
Die verzerrte Stimme kam aus einem Lautsprecher irgendwo im Dunklen: „Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?“
Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton gefangen gehalten.
Wer sind die Täter? Was wollen sie von dieser Frau? Und: Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?
„Ein ungewöhnlich schöner und hochspannender Thriller, der einem bis zur letzten Seite den Atem abschnürt.“ politiken.dk

Platz 5 : Bis(s) zum Ende der Nacht von Stephenie Meyer

biss-zum-ende-der-nachtKurzbeschreibung
Wenn man vom dem getötet wird, den man liebt, hat man keine Wahl. Wie kann man fliehen, wie kämpfen, wenn man damit dem Geliebten wehtun würde? Wenn das eigene Leben das Einzige ist, was man dem Geliebten geben kann, wie kann man es ihm dann verweigern? Wenn es jemand ist, den man wirklich liebt? Ein Jahr voller Glück, aber auch voller Schmerz liegt hinter Bella. Ein Jahr, in dem sie fast zerbrochen wäre, weil ihre Leidenschaft für Edward und ihre innige Freundschaft zu Jakob einfach unvereinbar sind. Aber nun ist ihre Entscheidung gefallen. Unwiderruflich, auch wenn es so aussieht, als setze sie eine Entwicklung in Gang, die möglicherweise verheerend für sie alle ist.Noch hofft Bella, die verschieden Fäden ihres Leben wieder zusammenführen zu können, da droht alles für immer zerstört zu werden …

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Platz 6 : Gezeichnet. House of Night 1 von P.C. Cast und Kristin Cast

GezeichnetKurzbeschreibung
HOUSE OF NIGHT: die einzig legitime Nachfolge-Serie der Bis(s) Romane
Als auf der Stirn der 16jährigen Zoey Redbird eine saphirblaue Mondsichel aufscheint, weiß sie, dass ihr nicht viel Zeit bleibt, um ins House of Night, das Internat für Vampire, zu kommen. Denn jetzt ist sie gezeichnet. Im House of Night soll sie zu einem richtigen Vampir ausgebildet werden vorausgesetzt, dass sie die Wandlung überlebt. Zoey ist absolut nicht begeistert davon, ein neues Leben anfangen zu müssen, so ganz ohne ihre Freunde das einzig Gute ist, dass ihr unerträglicher Stiefvater sie dort nicht mehr nerven kann.
Aber Zoey ist kein gewöhnlicher Vampir sie ist eine Auserwählte der Vampirgöttin Nyx. Und sie ist nicht die Einzige im House of Night mit besonderen Fähigkeiten…
House of Night hat bereits über 8 Millionen Fans in den USA und erscheint in über 41 Ländern. Die Verfilmung von House of Night ist bereits in Vorbereitung – und jetzt erscheint der erste Band der neuen Bestseller-Serie endlich auch auf Deutsch.

Platz 7 : Ein geschenkter Tag von Anna Gavalda

Kurzbeschreibung
Frühling, irgendwo in Frankreich, die Geschwister Simon, Garance und Lola auf dem Weg zu einer Hochzeit: Schon die Autofahrt mündet in einen handfesten Streit mit der Schwägerin. Kurzerhand machen sich die drei aus dem Staub, lassen die gediegene Familienfeier sausen und besuchen stattdessen den Bruder Vincent, der in der Provinz auf einem Schloss in der Touraine lebt. In ihrer heiteren, spritzigen Frühlingslektüre erzählt Anna Gavalda von einer überraschenden Landpartie, die den Geschwistern ein Stück Kindheitsglück zurückgibt: einen geschenkten Tag, fernab von Small Talk und Förmlichkeiten, voller Erinnerungen – und ohne nervende Schwägerin.

Platz 8 : Radio Heimat: Geschichten von zuhause von Frank Goosen

Kurzbeschreibung
„Woanders is auch scheiße!“
Erfrischend ehrlich, wahrhaft komisch, entwaffnend sentimental – Frank Goosens geschichtensattes Hohelied auf das, was ihm und auch uns allen Heimat ist: die liebenswerte Haut, aus wir nicht mehr können.
Wo sonst auf der Welt wird die fröhliche Begrüßung »Ey, Jupp, du altes Arschloch!« als freundschaftliche und ehrerbietig empfunden? Nirgends, nur entlang der A 40, im Herzen der schönsten deutschen Provinz, die zwar nicht wirklich viel Gegend hat, dafür aber jede Menge skurrile, herzliche, raue, gnadenlos ehrliche Ureinwohner. Denn »es geht um die Menschen«, und von diesen Menschen erzählt Frank Goosen in seinem ganz besonderen, sehr persönlichen Ton. Er fördert Kindheitserinnerungen von Omma und Oppa (die im Bochumer Rathaus wohnten und stadtbekannt waren) zutage, er durchstreift mit Mücke, Pommes und Spüli die Untiefen einer Jugend, er steht an der Seltersbude auf ein Bierchen, leidet und jubelt mit den Fans im Stadion, durchkämmt Schrebergärten und Zechen, Industriebrachen und Einkaufszentren.

Platz 9 : Die Hütte: Ein Wochenende mit Gott von William P. Young

die-hutteKurzbeschreibung
Macks jüngste Tochter ist vor Jahren entführt und wahrscheinlich umgebracht worden. Ihre letzten Spuren hat man in einer Schutzhütte im Wald gefunden, in deren Nähe die Familie auf einem Ausflug campierte. Jetzt erhält Mack rätselhafte Einladungen, die ihn aus seiner tiefen Depression reißen, in der er mit Gott über den Verlust hadert. Diese Einladungen locken ihn in die Hütte, wo er an einem bemerkenswerten Wochenende Gott, Jesus und den Heiligen Geist persönlich trifft. In furiosen Dialogen mit Gott über das Böse und den Schmerz der Welt kommt Mack zu einem neuen Verständnis von Schöpfung und Christentum. Die Botschaft des Buches? Mack hatte Gottes Rolle in seinem Leben nicht nur unterschätzt, sondern falsch eingeschätzt. Der Verlust seiner Tochter ist eminent, aber das Leben geht nicht nur weiter, sondern es wird durch die Begegnung mit Gott um eine große Erfahrung bereichert. Mack beschreitet einen neuen Weg und hört auf, Gott immer nur zu beurteilen und ihn nur bei Tragödien in seinem Leben nach Gottes Rolle zu fragen. Es ist diese Botschaft, die Mack von Gott mit nimmt: Dass ich in der Lage bin, sogar aus entsetzlichen Tragödien noch unglaublich viel Gutes entstehen zu lassen, bedeutet nicht, dass ich die Tragödien orchestriere. Wenn ich sie für meine Zwecke nutze, heißt das auf keinen Fall, dass ich die Tragödien erschaffe oder sie benötige, um meine Absichten zu verfolgen…. Fur die Gnade ist es nicht erforderlich, dass Leid existiert,aber dort, wo Leiden ist, wirst du immer auch die Gnade finden,in vielen Facetten und Farben.

Platz 10 : Das verlorene Symbol von Dan Brown

Das verlorene SymbolKurzbeschreibung
Das verlorene Symbol ist die lange erwartete Fortsetzung von Dan Browns The Da Vinci Code (Deutsch: Das Sakrileg). The Da Vinci Code war ein internationales Phänomen mit weltweit 81 Millionen gedruckten Exemplaren. In Großbritannien war es sogar das meistverkaufte Taschenbuch aller Zeiten. Die Verfilmung war ebenso ein Riesenerfolg. Seit Mai 2009 läuft Angels and Demons (Deutsch: Illuminati) weltweit in den Kinos.
In seinem neuen Buch The Lost Symbol ist erneut Robert Langdon der Held. Die Leser werden wieder ab der ersten Seite mit Robert Langdon mitfiebern, wenn sie mit ihm auf eine spannende Entdeckungsreise voller Überraschungen gehen †“ und das Ganze in nur 12 Stunden Handlungszeit. Dan Browns Talent für das Geschichtenerzählen mit eingewebten historischen Elementen, Codes und Intrigen machen den neuen Thriller wieder zu einem echten „Pageturner“.
„Dieser Roman war eine seltsame und wundervolle Reise“, sagt Dan Brown selbst. „Das Ergebnis von 5 Jahren Recherche in eine 12-stündige Handlung einzuweben, war anregende Herausforderung. Robert Langdons Leben schreitet definitiv schneller voran als mein eigenes.“

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 09/2010

Platz 1 : Bis(s) zum Abendrot von Stephenie Meyer

Kurzbeschreibung
Bellas Leben ist in Gefahr. Seattle wird von einer Reihe rätselhafter Mordfälle erschüttert, ein offensichtlich blutrünstiger Vampir sinnt auf Rache. Und seine Spuren führen zu Bella. Aber damit nicht genug: Nachdem sie wieder mit Edward zusammen ist, muss sie sich zwischen ihrer Liebe zu ihm und ihrer Freundschaft mit Jacob entscheiden – wohl wissend, dass sie damit den uralten Kampf zwischen Vampiren und Werwölfen neu entfachen könnte …
Der Tag der Entscheidung rückt immer näher – was wird Bella wählen: Leben oder Tod?

Platz 2 : Verblendung von Stieg Larsson

verblendungKurzbeschreibung
Eine Familiengeschichte, die einen nicht mehr loslässt. Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffens spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zutage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, sie hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt. An seinem 82. Geburtstag erhält der einflussreiche Industrielle Henrik Vanger per Post anonym ein Geschenk. Das Paket enthält eine gepresste Blüte hinter Glas, genau wie in den 43 Jahren zuvor. Vangers Lieblingsnichte Harriet hatte ihm 1958 zum ersten Mal dieses Geschenk gemacht, doch dann verschwand sie spurlos. Ihr Leichnam wurde nie gefunden. In einer letzten Anstrengung beschließt Vanger herauszufinden, was dem geliebten Mädchen tatsächlich zustieß. Er engagiert den Journalisten Mikael Blomkvist, der, getarnt als Biograf, bald auf erste Spuren stößt. Unterstützt wird er von der jungen Ermittlerin Lisbeth Salander, einem virtuosen Computergenie mit messerscharfem Verstand. Je tiefer Blomkvist und Salander in der Vangerschen Familiengeschichte graben, desto grauenvoller sind ihre Enthüllungen. Ausgezeichnet mit dem skandinavischen Krimipreis. -> mehr Infos zu der Trilogie und zum Film

Platz 3 : Vergebung von Stieg Larsson

vergebungKurzbeschreibung
Wer suchet, der tötet
Die Ermittlerin Lisbeth Salander steht unter Mordverdacht. Ihr Partner Mikael Blomkvist schwört, ihre Unschuld zu beweisen. Er weiß, dass es um Salanders Leben geht. Als seine Ermittlungen die schwedische Regierung in ihren Grundfesten zu erschüttern drohen, setzt er alles auf eine Karte.
Klappentext
†œLarssons Gespür für Timing und Spannung ist überragend.† taz
†œSo packend, dass man dafür Urlaub nehmen sollte!† TV Spielfilm
†œStieg Larssons erzählerische Virtuosität (…) lässt seine Trilogie weit über das Genre des Polit-Thrillers hinauswachsen: Sie ist ein großer Gesellschaftsroman.† Der Spiegel

Platz 4 : Verdammnis von Stieg Larsson

VerdammnisKurzbeschreibung
Mikael Blomkvist recherchiert in einem besonders brisanten Fall von Mädchenhandel, die Hintermänner bekleiden höchste Regierungsämter. Als sein Informant tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf Blomkvists Partnerin Lisbeth Salander. Eine mörderische Hetzjagd beginnt. Der neue große Roman des preisgekrönten Bestsellerautors Stieg Larsson. Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin „Millennium“ eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt.

Platz 5 : Die Tore der Welt von Ken Follett

Die Tore der WeltKurzbeschreibung
England im Jahre 1327. Es ist der Tag nach Allerheiligen. In der Stadt Kingsbridge trifft sich im Schatten der Kathedrale das Volk. Vier Kinder flüchten vor dem Trubel in den nahe gelegenen Wald. Dort werden sie Zeugen eines Kampfes – und eines tödlichen Geheimnisses. Merthin, ein Nachfahre von Jack Builder, dem Erbauer der Kathedrale, hat dessen Genie und rebellische Natur geerbt. Sein starker Bruder Ralph strebt den Aufstieg in die Ritterschaft an. Caris, Tochter eines Wollhändlers, hat den Traum, Arzt zu werden. Gwenda, Kind eines Taglöhners, will nur ihrer Liebe folgen. Und da ist noch Godwyn, Caris‘ Vetter, ein junger Mönch, der entschlossen ist, Prior von Kingsbridge zu werden. Koste es, was es wolle. Ehrgeiz und Liebe, Stolz und Rache werden den Weg dieser Menschen bestimmen. Pest und Krieg werden ihnen das Liebste nehmen, was sie besitzen. Glück und Unglück werden sie begleiten Doch sie werden die Hoffnung niemals aufgeben. Und immer wird der Schwur sie verfolgen, den sie an jenem schicksalhaften Tage leisteten.

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Platz 6 : Kind 44 von Tom Rob Smith

Kind 44Kurzbeschreibung
Dieser Spiegel-Bestseller »geht wirklich unter die Haut«. WDR 5
Moskau 1953. Auf den Bahngleisen wird die Leiche eines kleinen Jungen gefunden, nackt, fürchterlich zugerichtet. Doch in der Sowjetunion der Stalinzeit gibt es offiziell keine Verbrechen. Und so wird der Mord zum Unfall erklärt. Der Geheimdienstoffizier Leo Demidow jedoch kann die Augen vor dem Offenkundigen nicht verschließen. Als der nächste Mord passiert, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln und bringt damit sich und seine Familie in tödliche Gefahr …

Platz 7 : Das Haus in den Wolken von Judith Lennox

Kurzbeschreibung
Bei einer Autopanne begegnet der Frauenschwarm Richard der jungen Isabel, einer Frau aus eher kleinen Verhältnissen. Umso erstaunter ist der Gutsbesitzersohn, als sie ihn zurückweist. Dennoch verliebt er sich in sie – eine Liebe, die chancenlos scheint und trotzdem in eine Ehe mündet, die viele Stürme des Schicksals überdauern soll. Doch Isabel verpasst den Zeitpunkt, um ihrem Mann von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Denn es gibt ein Geheimnis, das sie und diejenigen, die sie am meisten liebt, eines Tages einholen wird … Mit feinem menschlichem Gespür erzählt Judith Lennox in ihrem mitreißenden Roman von Liebe, Loyalität und der Stärke einer Familie.

Platz 8 : Der Geschmack von Apfelkernen von Katharina Hagena

Der Geschmack von ApfelkernenKurzbeschreibung
Auf Anhieb ein sensationeller Erfolg – mehr als 250.000 verkaufte Exemplare. Schillernd und magisch sind die Erinnerungen an die Sommerferien bei der Groß­mutter, geheimnisvoll die Geschichten der Tanten. Katharina Hagena erzählt von den Frauen einer Familie, mischt die Schicksale dreier Generationen. Ein Roman über das Erinnern und das Vergessen – bewegend, herrlich komisch und klug. Als Bertha stirbt, erbt Iris das Haus. Nach vielen Jahren steht Iris wieder im alten Haus der Großmutter, wo sie als Kind in den Sommerferien mit ihrer Kusine Verkleiden spielte. Sie streift durch die Zimmer und den Garten, eine aus der Zeit gefallene Welt, in der rote Johannisbeeren über Nacht weiß und als konservierte Tränen eingekocht werden, in der ein Baum gleich zweimal blüht, Dörfer verschwinden und Frauen aus ihren Fingern Funken schütteln. Doch der Garten ist inzwischen verwildert. Nachdem Bertha vom Apfelbaum gefallen war, wurde sie erst zerstreut, dann vergesslich, und schließlich erkannte sie nichts mehr wieder, nicht einmal ihre drei Töchter. Iris bleibt eine Woche allein im Haus. Sie weiß nicht, ob sie es überhaupt behalten will. Sie schwimmt in einem schwarzen See, bekommt Besuch, küsst den Bruder einer früheren Freundin und streicht eine Wand an. Während sie von Zimmer zu Zimmer läuft, tastet sie sich durch ihre eigenen Erinnerungen und ihr eigenes Vergessen: Was tat ihr Großvater wirklich, bevor er in den Krieg ging? Welche Männer liebten Berthas Töchter? Wer aß seinen Apfel mitsamt den Kernen? Schließlich gelangt Iris zu jener Nacht, in der ihre Kusine Rosmarie den Unfall hatte: Was machte Rosmarie auf dem Dach des Wintergartens? Und wollte sie Iris noch etwas sagen? Iris ahnt, dass es verschiedene Spielarten des Vergessens gibt. Und das Erinnern ist nur eine davon.

Platz 9 : Es ist nie zu spät für alles von Kajsa Ingemarsson

Kurzbeschreibung
Das neue Lieblingsbuch aus Schweden
Eine typische Straße in einer kleinen schwedischen Stadt: Hier leben Nina, Ellinor und Miriam. Alle drei Frauen stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben, doch erst die geheimnisvolle Janina, die in das leerstehende Haus am Ende der Straße einzieht, wird ihnen zeigen, wie sie neue Wege beschreiten können.
Über die Autorin
Kajsa Ingemarsson, geboren 1965, arbeitet als freie Drehbuchautorin, Schauspielerin und Programmleiterin für Radio und Fernsehen. Zu hören ist sie unter anderem in der preisgekrönten Satiresendung ‚Public Service‘. Zuvor war sie sechs Jahre lang bei der schwedischen Sicherheitspolizei mit allen Fragen rund um Russland beschäftigt.

Platz 10 : Jesus liebt mich von David Safier

Jesus liebt michKurzbeschreibung
Marie hat das beeindruckende Talent, sich ständig in die falschen Männer zu verlieben. Kurz nachdem auch noch ihre Hochzeit platzt, lernt sie einen Zimmermann kennen. Und der ist so ganz anders als alle Kerle zuvor: einfühlsam, selbstlos, aufmerksam. Dummerweise erklärt er beim ersten Date, er sei Jesus. Zuerst denkt Marie, der Zimmermann hat nicht alle Zähne an der Laubsäge. Doch dann entpuppt er sich als der wahre Messias. Er ist wegen des Jüngsten Gerichts wieder auf die Welt zurückgekehrt. Und Marie fragt sich nun nicht nur, ob die Welt nächsten Dienstag untergehen wird, sondern auch, ob sie sich diesmal nicht in den falschesten aller Männer verliebt hat.

Quelle: Buchreport – Spiegel Online