Deutscher Jugendliteraturpreis 2009 – ausgezeichnete Jugendliteratur

MomoAm 16. Oktober 2009 wurde auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Jugendliteraturpreis 2009 vergeben.

Als einziger Staatspreis für Literatur wird der Deutsche Jungendliteraturpreis seit 1956 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestiftet und jährlich verliehen. Ausgezeichnet werden herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur. Die Preissummen betragen insgesamt 50.000 Euro.

Zusätzlich erhalten die Preisträger eine Skulptur, die Michael Endes Momo darstellt.

Der mit 10 000 Euro dotierte Sonderpreis wurde Jutta Bauer für ihr Gesamtwerk Illustration verliehen. Der Sonderpreis ist Teil des Deutschen Jugendliteraturpreises und wird seit 1991 im jährlichen Wechsel an deutsche Autoren, Illustratoren und Übersetzer vergeben.

Bilderbuch

Geschichten aus der Vorstadt des UniversumsGeschichten aus der Vorstadt des Universums von Shaun Tan und Eike Schönfeld

Kurzbeschreibung
Kannst du dich an den Wasserbüffel erinnern, auf dem leeren Grundstück am Ende unserer Straße? Oder an den Taucher, den wir bei der Unterführung getroffen haben? Und weißt du warum Hunde mitten in der Nacht bellen? Shaun Tan entschlüsselt die kleinen, verborgenen Geheimnisse des Alltags. Er erzählt von selbstgemachten Haustieren, gefährlichen Hochzeiten, gestrandeten Meerestieren, winzigen Austauschschülern und geheimnisvollen Räumen voller Glück.
Jurybegründung
Es gibt Bücher, mit denen ist man nicht fertig, wenn man die letzte Seite zugeschlagen hat. Geschichten aus der Vorstadt des Universums ist ein solches Buch. Der fiktionale Raum der Vorstädte verortet die Geschichten im Realen und doch zeigt gleich die erste Erzählung, dass Tan sich auch außerhalb unserer Realität bewegt. […]

Kinderbuch

Rico, Oscar und die TieferschattenRico, Oskar und die Tieferschatten Andreas Steinhöfel (Text) und Peter Schössow (Illustration)

Kurzbeschreibung
Eigentlich soll Rico ja nur ein Ferientagebuch führen. Schwierig genug für einen, der leicht den roten oder den grünen oder auch den blauen Faden verliert. Aber als er dann auch noch Oskar mit dem blauen Helm kennen lernt und die beiden dem berüchtigten ALDI-Kidnapper auf die Spur kommen, geht es in seinem Kopf ganz schön durcheinander. Doch zusammen mit Oskar verlieren sogar die Tieferschatten etwas von ihrem Schrecken. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ….
Jurybegründung
Steinhöfels Sprache schließlich vereint Figurendarstellung und Milieuschilderung zu einem modernen Sozialroman für Kinder. Um aus der Perspektive Ricos erzählen zu können, schafft er ein umfassendes und sprachschöpferisch ausgeklügeltes Vokabular für dessen Weltwahrnehmung. Ohne Beschönigung taucht Steinhöfel ein in Ricos innere und äußere Welt, eröffnet uns einen neue kinderliterarische Maßstäbe setzenden Kosmos und legt so einen Roman für Kinder vor, der in Figurenzeichnung, Plotgestaltung, sprachlicher Gestaltung und Aussage nichts zu wünschen übrig lässt †“ eben ein Roman eines ganz und gar nicht tiefbegabten Autors. […]

Jugendbuch

The Road of the DeadThe Road of the Dead von Kevin Brooks

Kurzbeschreibung
„Der Tod Ihrer Schwester war ein Versehen“, sagte er nebenhin. „Sie war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. So was passiert eben leider manchmal.“ Spät eines Nachts erfahren die beiden Brüder Ruben und Cole, dass ihre Schwester Rachel tot ist – sie wurde erwürgt, in einer gottverlassenen Gegend viele Meilen weit weg von ihrem Zuhause in London. Ruben und Cole brechen auf in diese Einöde, um mehr über den Mord und die Ermittlungen herauszubekommen, denn erst wenn der Mörder gefunden ist, kann Rachel beerdigt werden. Insgeheim ahnt Ruben – der Jüngere und Sensiblere der beiden -, dass es für Cole um mehr geht: Cole will Rache. Ruben kennt Coles Impulsivität und weiß, wie rasch sein Bruder zuschlagen kann; er will Cole vor sich selbst schützen. Doch das Dorf in Dartmoor, wo Rachel ihre letzten Tage verbrachte, entpuppt sich als Hexenkessel und den beiden schlägt so viel Hass entgegen, dass auch Ruben machtlos ist gegen den Strudel der Gewalt, in den Cole sich bewusst hineinbegibt. Gewalt erscheint in dieser gesetzesfernen Welt als das einzige Mittel, um herauszufinden, was Rachel wirklich passiert ist, als der einzige Weg, diejenigen dingfest zu machen, die für ihren grausamen Tod verantwortlich sind. Kann dieser Zweck die Mittel heiligen? Was passiert mit denen, die letztlich ähnlich handeln wie ihre Feinde? Verändern gute Motive den Charakter der Tat? So oder so droht die einmal entfesselte Gewalt auch Ruben fürs Leben zu zeichnen …
Jurybegründung
[…] Ihr Mord war tragischer Weise ein Versehen, eine Verwechslung. Der Preis ist hoch und die Frage nach seiner Legitimität werden sich die Leser, die sich einem solchen Roman zu stellen vermögen, noch lange nach der Lektüre dieser emotional, literarisch und moralisch herausfordernden Erzählung stellen.

Sachbuch

Das Rätsel der VarusschlachtDas Rätsel der Varusschlacht von Wolfgang Korn (Text) und Klaus Ensikat (Illustration)

Kurzbeschreibung
9 n. Chr. irgendwo in der norddeutschen Tiefebene: Der römische Statthalter Varus wird mit seiner Armee von Germanen in einen Hinterhalt gelockt und vernichtend geschlagen bis heute eines der wichtigsten, aber auch umstrittensten historischen Ereignisse auf deutschem Boden. Erst in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckte ein britischer Offizier ein Schlachtfeld aus römischer Zeit bei Osnabrück. Sind es die Überreste von Varus und seinen Legionen? Die Suche nach dem Ort der Schlacht, nach Hinweisen für ihren Verlauf und ihre Datierung ist ein Kriminalroman der Archäologie.
Jurybegründung
[…] Ob Ensikat Artefakte abbildet, Kampfszenen darstellt, uns verknorzelt-knollennasige Germanen vorführt oder stillebenhafte Szenerien skizziert †“ stets fügt sein charakteristischer Strich dem Text Maßgebliches hinzu. Einmal sind es historische Akkuratesse und Detailtreue, die überzeugen, ein andermal der augenzwinkernde Witz der Bildkomposition oder die Wahl dessen, was dargestellt wird, wie beispielsweise eine höchste gesellig wirkende Latrinenszene.
Immer gehen Text und Bild auf eine Weise zusammen, die in diesem sorgfältig recherchierten Sachbuch Informationsvermittlung, emotionale Ansprache und die Aufforderung zum Selbst-Denken in optimaler Weise verbindet und ein einzigartiges und didaktisch innovatives Sachbuch schafft, das über die Darstellung des historischen Ereignisses der Varusschlacht hinaus vorführt, wie man zur eigenen Erkenntnis gelangt.

Preis der Jugendjury

Die Bücherdiebin1Die Bücherdiebin von Markus Zusak

Kurzbeschreibung
Selbst der Tod hat ein Herz …
1939, Nazideutschland. Liesel lebt bei Pflegeeltern in der Himmelstraße in Molching. Sie sieht die Juden nach Dachau ziehen. Sie erlebt die Bombennächte über München. Und überlebt: weil der Tod sie in sein Herz geschlossen hat. Sie – und die Menschen aus der Himmelstraße.
Jurybegründung
Österreich, 1939. Die Zeiten sind finster für Liesel, die Nationalsozialisten überall. Aber das Schlimmste steht sowohl der jungen Heldin als auch der restlichen Welt noch bevor. Und wer wüsste das besser als der Tod? Er ist schwer beschäftigt. Und er hat nebenbei eine Schwäche für Liesel entwickelt. Das Mädchen kommt in eine Pflegefamilie. Sie schwebt in ständiger Gefahr, denn ihre leibliche Mutter ist Kommunistin. Wie Liesel einen einzigartigen Weg durch die schreckliche Zeit findet, davon berichtet uns der wohl ungewöhnlichste aller nur möglichen Erzähler. So erfahren wir nicht nur von ihren Bücherdiebstählen, sondern auch von Liesels größtem Geheimnis: Im Keller müssen sie und ihre Familie einen Mann verstecken. Max ist Jude, Liesels Keller seine einzige Hoffnung, Liesel und ihre Pflegeltern seine einzigen Verbündeten. Über Einzelschicksale im Zweiten Weltkrieg sind viele Jugendromane geschrieben worden, aber erzählerisch reicht keiner an dieses Buch heran. Er hält mühelos die Waage zwischen Leichtigkeit und bitterem Ernst, Angst, Hass und Humor mitten im Wahnsinn des Naziregimes und trägt den Leser durch das Leben Liesels.

Quelle: Deutscher Jugendliteraturpreis 2009

globale° Festival für grenzüberschreitende Literatur in Bremen und Bremerhaven

globale Logoglobale° Festival für grenzüberschreitende Literatur

Zum dritten Mal findet in Bremen und Bremerhaven das globale° Festival für grenzüberschreitende Literatur statt.

Die Festivalleitung, zu der Libuse Cerna, Immacolata Amodeo, Radio Bremen und die Jacobs University Bremen gehören, fühlt sich durch den Zuspruch des Publikums ermutigt, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. So findet vom 20.10. bis 25.10.2009 unter dem Schwerpunkt der interkulturellen Gegenwartsliteratur das Literaturfestival mit neuen Themen und ungewöhnlichen Perspektiven statt.

Literatur ist bei der globale° ein Ort der Begegnung: Schriftsteller diskutieren miteinander und mit dem Publikum; in einem englischsprachigen Creative Writing-Projekt formen Studierende unter Anleitung ihre Ideen zu literarischen Texten; Schülerinnen und Schüler machen ihre ersten Schritte auf dem literarischen Terrain; Jugendliche entwickeln in einem anderen Seminar ihre Drehbücher und setzen sie filmisch um; Studierende moderieren Veranstaltungen.

Die Ergebnisse dieser vielschichtigen Produktion bilden einen bedeutenden Teil des Festivalprogramms. Die globale° bietet neben Lesungen auch Ausstellungen, Filmvorführungen, Vorträge und Performances. Selbstverständlich gehören auch die mediale Aufarbeitung und die wissenschaftliche Analyse zum Konzept. Dafür stehen die Jacobs University Bremen und Radio Bremen im Wort.

Das Programm vom 20. bis 25. Oktober 2009:

Dienstag, 20 Oktober  um 19.00 Uhr

Vortrag: Deutschsprachige Literatur in Prag
FrantiŠ¡ek Cerný, Botschafter a.D. (Mitbegründer des Prager Literaturhauses deutschsprachiger Autoren)
Filmvorführung: Lenka Reinerová †“ Prags letzte deutschsprachige Autorin. Ein Film von Frank Gutermuth
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Schlott (Exil P.E.N.)
Weserburg /Studienzentrum für Künstlerpublikationen, Teerhof 20,28199 Bremen

Mittwoch, 21. Oktober um 19.30 Uhr

SaidMaria C. BarbettaJosé F. A. Oliver

Eröffnung: Jan Metzger, Intendant von Radio Bremen, und Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Joachim Treusch, Präsident der Jacobs University
María Cecilia Barbetta und SAID: Lesung
Präsentation der Ergebnisse der Globale°-Drehbuch-und Filmworkshops mit Jugendlichen Musik: Marja Seidel (Saxofon) und Ognyan Seizov (Klavier), Jacobs University
Moderation: José F.A. Oliver in Kooperation mit dem Instituto Cervantes Bremen
Radio Bremen, Café Weserhaus, Kurt-Hübner-Platz 1 (Hinter der Mauer 5), 28195 Bremen

Donnerstag, 22. Oktober um 14.00 Uhr

Maria C. BarbettaArtur BeckerJosé F. A. Oliver

María Cecilia Barbetta, Artur Becker, José F.A. Oliver Autorenwerkstatt (öffentlich)
Moderation: Prof. Dr. Immacolata Amodeo (Jacobs University) in Kooperation mit dem Instituto Cervantes Bremen
Jacobs University, Campus Ring 1, Gebäude: Campus Center, Conference Room, 28759 Bremen

Donnerstag, 22. Oktober um 18.00 Uhr

Eröffnung der Ausstellung
Gebetene Gäste (Kurator: Tilman Rothermel)
Begrüßung: Rose Pfister (Senator für Kultur)
Einführung: Tilman Rothermel
Senator für Kultur, Altenwall 15-16, 28195 Bremen

Donnerstag, 22. Oktober um 20.00 Uhr

Yadé Kara

Yadé Kara Lesung. Moderation: Ursel Bäumer
in Kooperation mit „Workshop literatur e.V.“ und „Bremen Stadt der vielen Kulturen“
Zentralbibliothek Bremen, Am Wall 201,28195 Bremen

Freitag, 23. Oktober um 19.00 Uhr

Frank Albers (Robert Bosch Stiftung) Vortrag: Viele Kulturen – eine Sprache – 25 Jahre Adelbert-von-Chamisso-Preis
Buchpremiere:†œLiteratur ohne Grenzen† (Herausgeberinnen: Immacolata Amodeo, Heidrun Hörner und Christiane Kiemle)
Eröffnung des dritten Teils der Ausstellung Gebetene Gäste (Kurator: Tilman Rothermel)
Jacobs University, Campus Ring 1, Gebäude: University Club, 28759 Bremen

Samstag, 24. Oktober um 16:00 Uhr

Alina BronskyArtur Becker

Deutsches Auswandererhaus, Columbusstr. 65, 27568 Bremerhaven
Artur Becker und Alina Bronsky Lesung zum Thema: „Wert – Örtliches“
Moderation: Dr. Lore Kleinert (Radio Bremen)
In Kooperation mit dem Kulturamt Bremerhaven und dem Deutschen Auswandererhaus

Sonntag, 25. Oktober um 11.00 Uhr

Lingyan LuoJaroslav Rudis

Deutsches Auswandererhaus, Columbusstr. 65, 27568 Bremerhaven
Lingyuan Luo und Jaroslav RudiŠ¡ Lesung zum Thema: „In der Welt zuhause“
Moderation: Karsten Binder (Radio Bremen)
in Kooperation mit Porta Bohemica e.V., dem Kulturamt Bremerhaven und dem Deutschen Auswandererhaus
Deutsches Auswandererhaus, Columbusstr. 65, 27568 Bremerhaven

Sonntag, 25. Oktober um 14.00 Uhr

Jaroslav Rudis

Filmvorführung Grandhotel (Tschechische Republik 2006), Buch: Jaroslav RudiŠ¡, Regie: David Ondrícek
in Kooperation mit Porta Bohemica e.V.
Deutsches Auswandererhaus, Columbusstr. 65, 27568 Bremerhaven

Sonntag, 25. Oktober um 15.00 Uhr

Gespräch mit Madjid Mohit: Von Teheran nach Bremen †“ Majid Mohit und sein Sujet-Verlag.
Einführung und Moderation: Angelika Sinn in Kooperation mit der Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen
Stadtwaage, Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen, Langenstr. 13, 28195 Bremen

Sonntag, 25. Oktober um 20.00 Uhr

Carmen- F. BanciuJohn Giorno

Finissage (in englischer Sprache)
Carmen-Francesca Banciu: Lesung und Präsentation des Creative Writing mit Studierenden
John Giorno: Performance
Moderation: Maaheen Ahmed, Heidrun Hörner, Christiane Kiemle (Jacobs University)
Jacobs University, Campus Ring 1, Gebäude: University Club, 28759 Bremen

Quelle: globale Literaturfestival

Leidenschaftliche Krimi-Textzucht aus Köln: Mortus in Colonia

Mortus in Colonia von Jan-Eike Hornauer (Hrsg.)

Mortus in ColoniaKöln: ebenso ehrwürdig wie rauschhaft, weltbekannt für Dom und Karneval, bedeutend schon im Mittelalter und jetzt noch immer.
Der Herausgeber Jan-Eike Hornauer, der sich als „leidenschaftlicher Textzüchter“ bezeichnet, hat 19 Autoren um sich versammelt, die in 24 Geschichten die dunklen Ecken dieser traditionsreichen Großstadt beleuchten. Er selbst trägt zwei Geschichten bei.

So unterschiedlich die Gesichter der Stadt am Rhein sind, so verschieden sind auch die Autoren, deren Kurzgeschichten sich in diesem Band finden.

Mit Beiträgen von:

Stephan Everling, der mit dem prallen Leben in Köln durch seine Arbeit bei der „Rosa Sitzung“  bestens vertraut ist und auch †“ zusammen mit Maf Räderscheidt †“ bereits Erfolge mit einem Köln-Krimi gefeiert hat.

Myriane Angelowski, 1963 in Köln geboren, früher Referentin für Gewaltfragen bei der Stadt Köln. Bevor sie 2007 mit ihrem Lokalkrimi „Gegen die Zeit“ debütierte, hatte sie bereits zahlreiche Kurzgeschichten geschrieben, die auch †“ wie ihr Beitrag in „Mortus in Colonia†œ †“ stets Bezug zur historischen Geschichte der Stadt Köln hatten. Weitere Kölnkrimis haben sie bereits einem breiten Publikum vertraut gemacht.

Charlotte Engmann, 1971 in Neuss geboren, Wahlkölnerin, Studium der Anglistik, Germanistik und Geschichte, ausgebildete Verlagskauffrau. Anfang der neunziger Jahre schrieb sie in der Domstadt ihre ersten Kurzgeschichten. Meistens spielen ihre Stories in den Gefilden der Abenteuer-Fantasy und manchmal sogar auf fremden Planeten. In „Mortus in Colonia“ nun beweist sie, dass sie auch hervorragend das Dunkle des mittelalterlichen Kölns zum Leben zu erwecken vermag.

Elke Pistor, Jahrgang 1967, lebt und arbeitet seit ihrem Studium in Köln. Sie verfasst Kurzgeschichten, Krimis und Drehbücher †“ und hat eigentlich immer einen Bezug zu ihrer geliebten Domstadt in ihren Texten.

Brigitte Pons, geboren 1967 in Groß-Gerau, Ausbildung zur Bankkauffrau, wohnt im hessischen Mörfelden-Walldorf, Köln-Fan. Seit 2007 sorgt sie mit ihren Kurzgeschichten für Furore.

Heinrich Beindorf, 1956 am Niederrhein geboren, im Hauptberuf Übersetzer. Seine belletristischen Arbeiten (Kurzprosa und Lyrik) wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Alle Autoren zeigen ihre jeweils ganz eigene Sicht auf Köln. Sie führen ihre Leser zu den Toten und Todgeweihten. Sie lassen die Zeiten der wütenden Pest, der Jerusalemfahrten und der mächtigen Kirchen wieder auferstehen, blicken in die seelischen Abgründe des GEZ-Leiters, des Kommissars, der 1. FC Köln-Fan ist, und des von seiner Frau genervten Pensionärs. Sie zeigen, wie mörderisch Plakat-Werbung für Kölsch sein kann und dass es Dyrnenmorde wahrlich schon vor Jack the Ripper gegeben hat. Und sie führen die Zeiten zusammen, bringen den fürchterlichen Weckschnapp in die Gegenwart, Superman zu einem altrömischen Feldjäger und den Mord ins Museum. Ihre Geschichten sind voller Leidenschaft, Lust und Not †“ und immer wieder auch voll skurrilen Humors.

Die vorliegende Kurzkrimi-Sammlung mit 24 Geschichten von 19 Autoren wird laut dem Wellhöfer Verlag in den nächsten Monaten durch zahlreiche Lesungen und Veranstaltungen begleitet und bekannt gemacht.

So findet die Buchpremiere von „Mortus in Colonia“ am Samstag, den 17.10. von 15 bis 17 Uhr, in der Buchhandlung Thalia in den Köln Arcaden, Kalker Hauptstraße 55, 51103 Köln statt. Aus diesem Anlass stehen die Autoren zum Gespräch bereit.

Die broschierte Ausgabe umfasst 220 Seiten und ist  Wellhöfer Verlag am 30. September 2009 erschienen. Mortus in Colonia ist für 12,80 Euro im Buchhandel erhältlich.

Frankfurter Buchmesse: Die FAZ mit Peter Handke auf Abwegen

FAZ1Die FAZ berichtet exclusiv online mit einer „Zeitung zur Buchmesse“ von der Frankfurter Buchmesse, die heute ihre Tore geöffnet hat und noch bis zum 18.10.2009 zunächst Fachpublikum und am 17. und 18. Oktober auch Privatbesucher willkommen heißt.

Am Tag 1 geht es z.B. um die Outfits, Maße und Kosten der VIP-Escort-Damen, die darauf brennen, die Gentlemen der Verlagsbranche zu allen möglichen Meetings zu begleiten um dann ihre wuchtige Wirkung als Meeting-Luder entfalten.

Elke Heidenreich beantwortet sehr aufschlussreich einen speziellen Buchmesse-Fragebogen der FAZ und Peter Handke glänzt wieder als Meister der Abwesenheit. Auf geniale Weise ist es der FAZ allerdings gelungen, seine Facebook-Seite zu knacken:

Intime Einblicke in die soziale Vernetzung eines Schriftstellers mit dem Fazit, dass Peter Handke das Geschwätz auf Facebook leider schon jetzt nicht mehr ertragen kann und niemals wieder etwas hineinschreiben wird. Schade eigentlich! 😉

Quelle: FAZ

Deutscher Buchpreis 2009 – Kathrin Schmidt gewinnt mit Du stirbst nicht

Kathrin Schmidt„Mal lakonisch, mal spöttisch, mal unheimlich schildert der Roman die Innenwelt der Kranken und lässt daraus mit großer Sprachkraft die Geschichte ihrer Familie, ihrer Ehe und einer nicht vorgesehenen, unerhörten Liebe herauswachsen“, lautet die Begründung der Jury, die am 12.10.2009 Kathrin Schmidt mit dem Deutschen Buchpreis 2009 ausgezeichnet hat.

Mit „Du stirbst nicht“ setzte sich Kathrin Schmidt gegen Rainer Merkel (Lichtjahre entfernt), Herta Müller (Atemschaukel), Norbert Scheuer (Überm Rauschen), Clemens J. Setz (Die Frequenzen) und Stephan Thome (Grenzgang), die es alle auf die Shortlist geschafft hatten, durch.

Am 21. September 2009 erhielt Kathrin Schmidt bereits den Preis der SWR-Bestenliste für Du stirbst nicht. Der stark autobiografisch geprägte Roman erzählt die Geschichte einer Frau, die nach einer Hirnblutung im Krankenhaus aus der Bewusstlosigkeit erwacht. Langsam erobert sie sich die Welt zurück.

Du stribst nichtKurzbeschreibung
Vom Hirnschlag erwacht – die Geschichte einer Heilung Helene Wesendahl weiß nicht, wie ihr geschieht: Sie findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Ihr Weg zurück ins Leben konfrontiert sie mit einer fremden Frau, die doch einmal sie selbst war. Kathrin Schmidt packt ihre Leser diesmal durch die Beschränkung, und zwar im wörtlichen Sinne. Mit den Augen ihrer erwachenden Heldin blicken wir in ein Krankenzimmer, auf andere Patienten, das Pflegepersonal und den eigenen Körper, der plötzlich ein Eigenleben zu führen scheint. Und wir erleben die mühsamen Reha-Maßnahmen mit, die Reaktionen der Familie, den aufopferungsvollen Einsatz ihres Mannes – und die bruchstückhafte Wiederkehr ihrer Erinnerung. Was da zutage tritt, konfrontiert Helene mit einem Leben, in dem sie sich kaum wiedererkennt, und das vieles in Frage stellt, was in der neuen Situation so selbstverständlich scheint. Sie entdeckt frühe Brüche in ihrer Biographie, verdrängte Leidenschaften und aus der Not geborene Verpflichtungen. Als ihr bewusst wird, dass ihr Herz sich bereits auf Abwege begeben hatte und sie den Mann, der sie jetzt so eifrig pflegt, eigentlich verlassen wollte, droht sie den Boden unter den Füßen zu verlieren. Kathrin Schmidt gelingt das Erstaunliche: Sie macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung, der in zwei Richtungen führt, zurück und nach vorn. Dabei entsteht ein Entwicklungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und durch die Rückhaltlosigkeit, mit der seine Heldin sich mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert, fasziniert. Er überzeugt vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neubeginns

Kathrin Schmidt, 1958 in Gotha/Thüringen geboren, hatte 2002 selbst eine Hirnblutung erlitten und war lange Zeit unfähig zu sprechen. Die Mutter von fünf Kindern arbeitete vor ihrer Schriftstellerkarriere unter anderem als Psychologin und Sozialwissenschaftlerin. In der DDR publizierte sie Gedichte und erhielt 1988 den Anna-Seghers-Preis. Nach der Wende wurde sie 1993 mit dem Leonce-und-Lena-Preis und 1998 dem Heimito-von-Doderer-Preis ausgezeichnet.

Der Deutsche Buchpreis ist mit insgesamt 37 500 Euro dotiert, der Sieger erhält davon 25 000 Euro.

Vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben, hat sich der Deutsche Buchpreis  in wenigen Jahren zur Auszeichnung mit der größten Publikumsresonanz in Deutschland entwickelt. 2008 ging die Auszeichnung an Uwe Tellkamp für seinen Roman Der Turm. Preisträger der Vorjahre waren Julia Franck (Die Mittagsfrau – 2007), Katharina Hacker (Die Habenichtse – 2006) und Arno Geiger (Es geht uns gut – 2005).

FAZ vom 12.10.2009: Deutscher Buchpreis 2009 . Nicht Müller, sondern Schmidt