Helene Hegemann erhält Stipendium für Villa Aurora in Los Angeles

Helene Hegemann erhält Stipendium für Villa Aurora in Los Angeles

Die Jungautorin Helene Hegemann (Axolotl Roadkill) gehört zu den neuen Stipendiaten im Bereich Film der Villa Aurora in Los Angeles.

Zusammen mit einem Dutzend anderer Künstler kann die 18-Jährige im kommenden Jahr für drei Monate in der deutschen Künstlerresidenz im Ortsteil Pacific Palisades leben und arbeiten. Aufgabenschwerpunkt der Künstlerresidenz in Los Angeles ist die Förderung des deutsch-amerikanischen Kulturaustausches unter besonderer Berücksichtigung des geistig-kulturellen Erbes des deutsch-europäischen Exils. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt auf dem Stipendiatenprogramm für KünstlerInnen sowie dem Writer-in-Exile-Programm.

Das Villa Aurora Forum organisiert die Jurysitzungen zur Auswahl der Jahresstipendiaten und präsentiert der deutschen Öffentlichkeit die künstlerischen Ergebnisse der Stipendiatenaufenthalte in Ausstellungen, Filmvorführungen, Lesungen, Konzerten sowie durch die Herausgabe von Editionen.

„Grundlage aller Unternehmungen des Villa Aurora Forums in Berlin ist die Maxime Kulturaustausch wird sichtbar, heißt es auf der Homepage der Villa Aurora.

Die Villa Aurora, in der der deutsch-jüdische Autor Lion Feuchtwanger im Exil gelebt hat, wird aus Mitteln des Bundes unterstützt.

Helene Hegemann, die auch als Regisseurin arbeitet, vertritt mit Sonja Heiss, Lillian Rosa und Julian Neville den Bereich Film. Als Autoren erhalten Abbas Khider, Susanne Kippenberger und Patrick Findeis die Auszeichnung.

Auch für Komposition und bildende Kunst gibt es Stipendiaten. Die einjährige Förderung für einen in seinem Heimatland verfolgten Schriftsteller (Writer in Exile) geht im kommenden Jahr an den Iraner Amir Hassan Cheheltan. Die neuen Stipendiaten wurden von unabhängigen Jurys ausgewählt.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Die Nacht der Autoren der Süddeutschen Zeitung am 11.09.2010

Die Nacht der Autoren der Süddeutschen Zeitung am 11.09.2010

Bereits zum vierten Mal verlassen die Autoren und Redakteure der Süddeutschen Zeitung ihre Schreibtische, um sich bei der Nacht der Autoren ihren Lesern zu zeigen.

Am 11. September 2010 werden erneut sechs Veranstaltungsorte in der Münchner Innenstadt Schauplatz für 21 spannende und nachdenkliche, humorvolle und kritische Lesungen und Diskussionen. Hier zeigen sich die sonst hinter ihren Zeilen verborgenen Ressortleiter, Redakteure und Autoren wieder ganz persönlich ihrem Publikum.

Die Süddeutsche Zeitung Nacht der Autoren im Überblick:

Literaturhaus München, Salvatorplatz 1

  • 19.00 Uhr: Beim Griechen – Wie mein Vater in unserer Taverne Geschichte schrieb. Mit Alexandros Stefanidis
  • 20.00 Uhr: 20.00 Die besten Geschichten aus 20 Jahren SZ-Magazin – Gelesen von Katharina Marie Schubert und Nico Holonics(Münchner Kammerspiele)
  • 21.00 Uhr: Gewissensfragen – Rainer Erlinger erläutert gemeinsam mit Johannes Waechter Streitfälle der Alltagsmoral.

HVB Forum München – Maximiliansaal, Kardinal-Faulhaber-Straße 1

  • 18.30 Uhr – Ferne Welten †“ so nah Auslandskorrespondenten der SZ erzählen von ihrer Arbeit. Mit Arne Perras, Christiane Schlötzer und Kai Strittmatter
  • 19.30 Uhr: Hier leben heißt hier lesen. Eine Publikumsdiskussion zum neuen Lokal- und Regionalteil mit dem stellvertretenden Chefredakteur Wolfgang Krach.
  • 20.30 Uhr: Reden wir über Geld. Von depressiven Millionären, verhängnisvollen Spenden und dem Konsum von Hummer. Mit Alexander Hagelüken, Silvia Liebrich, Alexander Mühlauer und Hannah Wilhelm
  • 21.30 Uhr: Hartz, aber fair. Was deutsche Sozialpolitik leistet †“ und was nicht. Von schwierigen Kindern, ängstlichen Sozialarbeitern und unwürdigen Altersheimen. Mit Felix Berth und Nina von Hardenberg

Residenz München, Max-Joseph-Saal, Residenzstraße 1

  • 19.00 Uhr: Die großen Reportagen †“ Die Seite Drei. Mit Alexander Gorkow und Holger Gertz
  • 20.00 Uhr: Streiflichtautoren lesen Streiflichter. Mit Harald Eggebrecht, Wolfgang Görl, Benjamin Henrichs und Hilmar Klute
  • 21.30 Uhr: Eine Frage †“ Eine Antwort †“ Eine Minute. Chefredakteur Hans Werner Kilz erklärt Ihnen alles, was Sie über dieSZ wissen wollen.

Rathaus München, Großer Sitzungssaal, Marienplatz 8

  • 18.30 Uhr: Endlich Wochenende. Rebecca Casati, Harald Hordych, Hilmar Klute und Petra Steinberger lesen Reportagen und Porträts.
  • 20.00 Uhr: Die Bayern-Beichte. Von geschlagenen Heimkindern, missbrauchten Ministranten und einem gestürzten Bischof. Ein Werkstattbericht von Heiner Effern, Stefan Mayr, Annette Ramelsberger und Andreas Ross.
  • 21.00 Uhr: Nullachtneun †“ Die besten München-Kolumnen aus dem neuen Regionalteil. Zum Schmunzeln und Nachdenken. Mit Wolfgang Görl, Stephan Handel, Ulrike Heidenreich, Franz Kotteder und Christian Mayer
  • 22.00 Uhr: Über Musik schreiben. Mit Harald Eggebrecht

Ampere München, Zellstr. 4

  • 19.00 Uhr: Ohne Netz. Ein nicht ganz ernst gemeintes Streitgespräch über den Sinn und Unsinn des Internets mit Alex Rühle und Dirk von Gehlen.
  • 20.00 Uhr: Urlaub in Digitalien. Eine Multimedia-Lesung mit Redakteuren von sueddeutsche.de
  • 21.00 Uhr: Neulich in … Die besten Geschichten am Rande der Reise. Mit Stefan Fischer, Hans Gasser, Margit Kohl und Dominik Prantl

Muffathalle München, Zellstr. 4

  • 18.30 Uhr: Das tägliche Brot der Demokratie †“ Von der Zukunft der Zeitung. Mit Heribert Prantl
  • 19.30 Uhr: Das Spiel lesen. Christian Zaschke über die erste Fußball-WM in Südafrika
  • 20.30 Uhr: Pop und Politik †“ Das andere Feuilleton. Mit Andrian Kreye und Alex Rühle
  • 21.30 Uhr: „Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden†œ … und 99 andere Sätze, mit denen man durchs Leben kommt. Max Scharnigg liest aus seiner Hauptsatz-Kolumne.

Die Karten für die gesamte Nacht der Autoren der Süddeutsche Zeitung kosten 5 Euro und sind im SZ-Servicezentrum (Fürstenfelder Straße 7), bei Ludwig Beck (Marienplatz 11), bei München Ticket und allen angeschlossenen Vorverkaufsstellen und an den Abendkassen (solange der Vorrat reicht) erhältlich.
Das Ticket gilt als Eintrittskarte zu allen sechs Veranstaltungsorten.

Quelle: SZ Veranstaltungen

Doris Dörrie verfilmt Ferdinand von Schirachs Verbrechen

Im August 2009 veröffentlichte der Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach seinen Erzählband „Verbrechen“ im Piper Verlag. Die Presse feierte sein Debüt als literarische Entdeckung des Jahres. Im April 2010 wurde von Schirach mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet.

„Schirach schreibt so souverän, klar und einfach, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Er ist ein großartiger Erzähler, weil er sich auf die Menschen verlässt, auf deren Schicksale… Geschriebenes Kino im Kurzformat“, lautete das Fazit einer Rezension im Spiegel.

„Verbrechen ist eins der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Erschütternd, authentisch und mit einer Präzision erzählt, die mich vor Ehrfurcht beinahe in die Knie gehen lässt, berichtet der renommierte Strafverteidiger Ferdinand von Schirach von verschiedensten „Verbrechen“ aus seiner anwaltlichen Praxis“, schreibt auch Maren auf ihrem Blog Biblomanie.

Mittlerweile wurden mehr als 200 000 Exemplare verkauft und die Rechte an dem Buch in 30 Länder verkauft. Wie jetzt bekannt wurde, sollen die Kurzgeschichten auch verfilmt werden. Die Constantin Filmgesellschaft sicherte sich bereits im Februar 2010 die Rechte an dem Stoff. Am 07.09.2010 teilte die Filmfirma mit, dass als erste der elf Geschichten die Episode Glück verfilmt werde.

Doris Dörrie wird das Drehbuch dazu schreiben und auch die Regie führen. „Doris Dörrie ist ein Ausnahmetalent der deutschen Kreativszene“, kommentierte Ferdinand von Schirach die geplante Verfilmung. „Ich freue mich sehr, eine solch inspirierende Partnerin für die filmische Umsetzung meiner Erzählung gefunden zu haben. Das wird eine spannende Zusammenarbeit.“

Die Besetzung steht noch nicht fest, gedreht wird ab April oder Mai 2011 in Berlin und Osteuropa. Produziert wird der Film von Oliver Berben. Die Constantin Film AG plant weitere Verfilmungen auf der Basis der „Verbrechen-Sammlung“, die alle auf Fällen aus Ferdinand von Schirachs Kanzlei basieren.

Im Mittelpunkt von „Glück“ stehen Irina, Kriegsflüchtling und Prostituierte in Berlin, wo sie ohne Aufenthaltsgenehmigung lebt, und der junge obdachlose Punk Kalle. Die beiden verlieben sich ineinander und versuchen einen gemeinsamen Ausbruch aus ihren Leben, ziehen zusammen †“ ein Glück auf Widerruf, das mit dem plötzlichen Herztod eines Kunden Irinas zu enden droht. Sie verlässt kopflos die Wohnung, Kalle findet die Leiche des Mannes. Auf radikale Weise versucht er, die Gefahr abzuwenden, zerteilt den Körper und vergräbt ihn im Park. Als Irina zurückkommt, ahnt sie, was geschehen ist †“ und ruft die Polizei.

Im August 2010 erschien, ebenfalls im Piper Verlag, sein zweites Buch unter dem Titel „Schuld„. Auch hier beschreibt von Schirach in kurzen Erzählungen Geschehnisse aus dem anwaltlichen Alltag. Sofort nach Erscheinen landete „Schuld“ auf Platz 1 der Spiegel-Bestenliste.

Quelle: Tagesspiegel.de

Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2010

Die Jury hat sich entschieden: Die sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2010 stehen fest und wurden heute bekannt gegeben.

„Einen Tag lang haben wir über die Kandidaten für unsere Shortlist diskutiert. Nicht immer, das gehört dazu, waren wir uns einig. Wir freuen uns, nun sechs außergewöhnliche Finalisten zu präsentieren, sechs sehr unterschiedliche literarische Stimmen: poetisch, komisch, experimentell. Es sind Romane, deren Gemeinsamkeit wohl vor allem in ihrer Welthaltigkeit zu finden ist“, sagt Jurysprecherin Julia Encke, Literaturkritikerin bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Die Jury hat in den letzten fünf Monaten insgesamt 148 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2009 und dem 8. September 2010 erschienen sind. 20 Titel haben es in die Longlist geschafft und nachfolgend die 6 nominierten Romane der Shortlist in in alphabetischer Reihenfolge:

Jan Faktor – Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag

Kurzbeschreibung
Ein ödipales Vergnügen – Faktors erotischer Entwicklungsroman über Widerstände, Schmutz und Schönheit. Georg wächst in der schönsten Wohngegend Prags in einem summenden Frauenhaushalt auf. Leider zur Zeit des politischen Terrors, der überirdischen Atomversuche und später des Reformversuchs von ’68. Zwischen Tanten mit Kriegstraumata, dem tyrannischen Onkel ONKEL und der überstrahlend-schönen Mutter bleibt ihm nur die Flucht nach vorn.
Das sozialistische Prag hat in den Jahren von Georgs Jugend seinen Glanz verloren. In einer Stadt voller gewalttätiger Müllmänner, 50-ccm-Motorradcowboys, sexbesessener Fremdgänger und vieler anderer unsozialistischer Elemente nutzt Georg alle sich bietenden Freiräume, um auszubrechen: Er experimentiert mit hochexplosiven Substanzen, verbringt die Nachmittage mit wilden Jugendcliquen und findet im Kreis der Familie schließlich auch eine Geliebte. In einer Gesellschaft, die von den Rändern her vergammelt und sich von innen auflöst, bekommt das Körperliche eine befreiend-subversive Bedeutung. Georg mobilisiert alle Kräfte, um neben der Mutter auch dem stickig-klebrigen Vaterhaushalt zu entkommen, in dem er seine verhassten Wochenenden verbringen muss. Als er nach der Okkupation des Landes den kulturellen Niedergang miterlebt und sich der Prager Dissidentenszene nähert, wird ein geschasster Intellektueller, der sich trotz seiner Blindheit wie ein Sehender in der Stadt bewegt, zu seinem Wunschvater.
Georg macht sich seit seiner frühen Kindheit Sorgen um seine Vergangenheit, seiner hellen glücklichen Zukunft ist er sich aber völlig sicher. Die Frage, ob er wirklich glücklich werden wird, beantwortet sich bei einer zufälligen, aber nicht wirklich vermeidbaren Begegnung auf der Straße.
Indem Jan Faktor Georg selbst erzählen lässt, macht er das Erzählen zu einem zweiten subversiven Akt – und führt damit den Entwicklungs- und den Gesellschaftsroman zusammen. So entstehen ein vor Witz strotzendes Psychogramm einer Familie und ein hellsichtiges Porträt einer Stadt.

Thomas Lehr – September. Fata Morgana

Kurzbeschreibung
Zwei Väter und zwei Töchter, zwei parallele Lebensgeschichten in den USA und im Irak. Ihre Schauplätze sind weit entfernt, und doch verbinden sie zwei politische Ereignisse: Sabrina stirbt am 11. September 2001 im New Yorker World Trade Center, während Muna 2004 in Bagdad bei einem Bombenattentat ums Leben kommt. Thomas Lehr, in Deutschland einer der „klügsten und brillantesten Schriftsteller“ (FAZ), begibt sich in seinem grandiosen, vielschichtigen Werk auf eine literarische Grenzwanderung zwischen zwei Kulturen. In einer verdichteten, lyrischen Sprache erzählt „September“ vom Islam, von Öl, Terror und Krieg und von zwei Frauen, die stellvertretend für die Opfer dieses Konflikts stehen.

Melinda Nadj Abonji – Tauben fliegen auf

Kurzbeschreibung
Eine ungarische Familie aus Serbien in der Schweiz. Ein schwungvoll und gewitzt erzählter Roman aus der Mitte Europas.Zuhause ist die Familie Kocsis also in der Schweiz, aber es ist ein schwieriges Zuhause, von Heimat gar nicht zu reden, obwohl sie doch die Cafeteria betreiben und obwohl die Kinder dort aufgewachsen sind. Die Eltern haben es immerhin geschafft, aber die Schweiz schafft manchmal die Töchter, Ildiko vor allem, sie sind zwar dort angekommen, aber nicht immer angenommen. Es genügt schon, den Streitigkeiten ihrer Angestellten aus den verschiedenen ehemals jugoslawischen Republiken zuzuhören, um sich nicht mehr zu wundern über ein seltsames Europa, das einander nicht wahrnehmen will. Bleiben da wirklich nur die Liebe und der Rückzug ins angeblich private Leben?

Doron Rabinovici – Andernorts

Kurzbeschreibung
Weshalb polemisiert der israelische Kulturwissenschaftler Ethan Rosen gegen einen Artikel, den er selbst verfaßt hat? Erkennt er seinen eigenen Text nicht wieder? Oder ist er seinem Kollegen Klausinger in die Falle gegangen, mit dem er um eine Professur an der Wiener Universität konkurriert? Ethan Rosen und Rudi Klausinger: Beide sind sie Koryphäen auf demselben Forschungsgebiet, und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Rosen ist überall zu Hause und nirgends daheim. Selbst der Frau, die er liebt, stellt er sich unter falschem Namen vor. Klausinger wiederum ist Liebkind und Bastard zugleich. Er weiß sich jedem Ort anzupassen und ist trotzdem ruhelos: Was ihn treibt, ist die Suche nach seinem leiblichen Vater; sie führt ihn schließlich nach Israel und zu Ethan Rosen. Dessen Vater, ein alter Wiener Jude, der Auschwitz überlebte, braucht dringend eine neue Niere. Bald wird die Suche nach einem geeigneten Spenderorgan für die Angehörigen zur Obsession. Und selbst der obskure Rabbiner Berkowitsch hat plötzliches Interesse an den Rosens. Herkunft, Identität, Zugehörigkeit †“ um und um wirbelt Doron Rabinovici in seinem neuen Roman „Andernorts“ die Verhältnisse in einer jüdischen Familie, deckt ihre alten Geheimnisse auf und beobachtet sie bei neuen Heimlichkeiten. Am Ende dieser packend erzählten Geschichte sind alle Gewißheiten beseitigt. Nur eines scheint sicher: Heimat ist jener Ort, wo einem am fremdesten zumute ist. »Rabinovici gelingt das Kunststück, seine Prosa unterhaltsam, elegant und leicht, zugleich aber auch ausgesprochen artifiziell, genial und mehrdeutig darzubieten.« Tages-Anzeiger

Peter Wawerzinek – Rabenliebe

Kurzbeschreibung
Ein Buch wie ein Erdbeben. Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie. Das Ergebnis ist ein literarischer Sprengsatz, wie ihn die deutsche Literatur noch nicht zu bieten hatte. Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück.
Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin? Dass er auch eine Schwester hat, erfuhr er mit vierzehn. Im Heim hatte ihm niemand davon erzählt, auch später die ungeliebte Adoptionsmutter nicht. Als Grenzsoldat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzauns, auf halbem Weg wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirklich wiedersehen? Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit.
Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte und mit ihr die acht Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahrzehnte überlebensgroß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung.
Aber sie löste – nach jahrelanger Veröffentlichungspause – einen Schreibschub bei Peter Wawerzinek aus, in dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb: Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an Rabenliebe, übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur, das in der deutschsprachigen Literatur seinesgleichen noch nicht hatte.

Judith Zander – Dinge, die wir heute sagten

Kurzbeschreibung
Bresekow, ein Dorf in Vorpommern. Als die alte Frau Hanske stirbt, kommt ihre Tochter Ingrid mit ihrer Familie aus Irland zur Beerdigung. Ingrid hatte Bresekow vor vielen Jahren fluchtartig verlassen. Der Besuch verändert vieles im Dorf, wirft gerade für die Familien Ploetz und Wachlowski alte und neue Fragen auf. Die Dorfbewohner beginnen zu sprechen, über ihr derzeitiges Leben und ihre Verstrickungen von damals. Bresekow war immer eine kleine Welt, eng, abgelegen und heute zudem vom Verfall bedroht.
Judith Zander lässt drei Generationen zu Wort kommen. Sie erzählt mit ungeheurer Sprachkraft von einem verschwiegenen Ort im Nordosten Deutschlands, von Provinz und Alltag, von Freundschaft und Verrat, vom Leben selbst.

Am 4. Oktober 2010 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers, erfahren die sechs Autoren, wer von ihnen den Deutsche Buchpreis 2010 gewonnen hat. Der Preisträger erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.

Shortlist Man Booker Prize 2010

Shortlist Man Booker Prize 2010

Heute gab die Jury die Shortlist mit den nominierten 6 Titeln für den diesjährigen Man Booker Prize bekannt.

Insgesamt wurden in diesem Jahr 138 Bücher eingereicht – 13 schafften es auf die Longlist, die am 27.07.2010 veröffentlicht wurde.

Der Man Booker Prize ist mit £50.000 dotiert und gehört zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen im englischsprachigen Raum.

Der Gewinner wird am 12.10.2010 beim Dinner in Londons Guildhall bekanntgegeben.

Nachfolgend die nominierten Romane der Shortlist:

Peter Carey mit Parrot and Olivier in America

Kurzbeschreibung
Oliver ist ein französischer Aristokrat, traumatisiertes Kind der Überlebenden der Revolution, immer in Angst vor neuen Unruhen. Parrot ist der Sohn eines englischen Wanderarbeiters, der ein Künstler sein wollte aber als Diener endete. Auf ihrer Reise in die neue Welt, mal gemeinsam, mal getrennt, entdecken sie das Abenteuer der Amerikanischen Demokratie- erzählt wechselweise aus den Perspektiven von Herrn und Diener. Erfindungsreiche Erzählung einer unmöglichen Freundschaft.

Emma Donoghue mit Room

Kurzbeschreibung
Es ist sein Geburtstag und Jack findet es aufregend fünf zu werden. Er lebt mit seiner Mutter im „Zimmer“. Das „Zimmer“ hat eine abgeschlossene Tür, ein Oberlicht und misst vier mal vier Meter. Er liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine „Freunde“, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge im Zimmer. Bis der Tag kommt, an dem Ma zugibt, dass es eine Welt da draußen gibt…
Lustig, niederschmetternd und erhebend zugleich – „Room“ ist ein Roman wie kein anderer.

Damon Galgut mit In A Strange Room

Kurzbeschreibung
A young man takes three journeys, through Greece, India and Africa. He travels lightly, simply. To those who travel with him and those whom he meets on the way – including a handsome, enigmatic stranger, a group of careless backpackers and a woman on the edge – he is the Follower, the Lover and the Guardian. Yet, despite the man’s best intentions, each journey ends in disaster. Together, these three journeys will change his whole life. A novel of longing and thwarted desire, rage and compassion, „In a Strange Room“ is the hauntingly beautiful evocation of one man’s search for love, and a place to call home.

Howard Jacobson mit The Finkler Question

Kurzbeschreibung
‚He should have seen it coming. His life had been one mishap after another. So he should have been prepared for this one‘. Julian Treslove, a professionally unspectacular and disappointed BBC worker, and Sam Finkler, a popular Jewish philosopher, writer and television personality, are old school friends. Despite a prickly relationship and very different lives, they’ve never quite lost touch with each other – or with their former teacher, Libor Sevick, a Czechoslovakian always more concerned with the wider world than with exam results. Now, both Libor and Finkler are recently widowed, and with Treslove, his chequered and unsuccessful record with women rendering him an honorary third widower, they dine at Libor’s grand, central London apartment. It’s a sweetly painful evening of reminiscence in which all three remove themselves to a time before they had loved and lost; a time before they had fathered children, before the devastation of separations, before they had prized anything greatly enough to fear the loss of it. Better, perhaps, to go through life without knowing happiness at all because that way you had less to mourn? Treslove finds he has tears enough for the unbearable sadness of both his friends‘ losses. And it’s that very evening, at exactly 11:30pm, as Treslove hesitates a moment outside the window of the oldest violin dealer in the country as he walks home, that he is attacked. After this, his whole sense of who and what he is will slowly and ineluctably change. „The Finkler Question“ is a scorching story of exclusion and belonging, justice and love, ageing, wisdom and humanity. Funny, furious, unflinching, this extraordinary novel shows one of our finest writers at his brilliant best.

Andrea Levy mit The Long Song

Kurzbeschreibung
Im turbulenten Jamaika des 19.Jahrhunderts lebt July als Sklavin auf der Zuckerrohrplantage „Amity“. Sie erlebt die letzten Jahre der Sklaverei, den großen Sklavenaufstand und die ersten Jahre der Freiheit …
Mit diesem Roman wirft britische Autorin Andrea Levy einen unterhaltsamen und spannenden Blick auf das Land ihrer Eltern und seine Geschichte. In ihren teils preisgekrönten Romanen reflektiert sie die Erfahrungen der schwarzen Briten und untersucht die innigen Bande, die die britische Geschichte mit der Geschichte der Kariben verbindet.

Tom McCarthy mit C

Kurzbeschreibung
The acclaimed author of Remainder, which Zadie Smith hailed as †œone of the great English novels of the past ten years,†gives us his most spectacularly inventive novel yet.
Opening in England at the turn of the twentieth century, C is the story of a boy named Serge Carrefax, whose father spends his time experimenting with wireless communication while running a school for deaf children. Serge grows up amid the noise and silence with his brilliant but troubled older sister, Sophie: an intense sibling relationship that stays with him as he heads off into an equally troubled larger world.
After a fling with a nurse at a Bohemian spa, Serge serves in World War I as a radio operator for reconnaissance planes. When his plane is shot down, Serge is taken to a German prison camp, from which he escapes. Back in London, he†™s recruited for a mission to Cairo on behalf of the shadowy Empire Wireless Chain. All of which eventually carries Serge to a fitful†”and perhaps fateful†”climax at the bottom of an Egyptian tomb . . .
Only a writer like Tom McCarthy could pull off a story with this effortless historical breadth, psychological insight, and postmodern originality.

Quelle: Man Booker Prize