Druckfrisch mit Denis Scheck am 29.08.2010 um 23.35 Uhr in der ARD

Zum Auftakt nach der Sommerpause trifft Denis Scheck in seiner Literatursendung „Druckfrisch“ am 29.08.2010 um 23.25 Uhr in der ARD zwei literarische Giganten.

Mit Håkan Nesser, einem der größten und erfolgreichsten skandinavischen Krimi-Autoren, spricht er über dessen neuen Thriller „Die Perspektive des Gärtners„, Nobelpreisträger Günter Grass stellt im Gespräch mit Denis Scheck  sein wohl eigenwilligstes Buch, das unter dem Titel „Grimms Wörter“ Anfang August im Steidl Verlag erschienen ist, vor.

Die Perspektive des Gärtners Håkan Nesser

Ihre kleine Tochter wurde entführt, keine Spur nach mehr als einem Jahr. Um Abstand zu gewinnen, ziehen Winnie und Erik in die USA, nach New York †“ doch der Wunsch, hier ein „normales“ Leben anzufangen, bleibt Illusion. Denn am Grund der Beziehung selbst liegt ein dunkles Geheimnis. Nach den Mehrteilern mit den Komissaren Van Veeteren und Barbarotti legt Erfolgsautor Håkan Nesser (allein in Deutschland mehr als fünf Millionen Bücher) einen neuen spannenden Thriller vor.

Kurzbeschreibung
Der neue Nesser †“ Tatort New York
Wo ist Sara? Vierzehn Monate ist es her, dass Erik und Winnie Steinbecks vierjährige Tochter verschwunden ist. Beim Spielen von einem fremden Mann auf der Straße angesprochen, in einem dunklen, großen Wagen mitgenommen. Das ist alles, was man weiß. Danach verliert sich die Spur. Kein Erpresserbrief, kein Hinweis auf mögliche Täter. Es ist nicht der erste Schicksalsschlag für Winnie †“ war doch ihr erster Mann zusammen mit der gemeinsamen Tochter tödlich verunglückt. Um Abstand zu gewinnen, schlägt Winnie Erik deshalb vor, in die USA zu ziehen. Die beiden lassen sich in New York nieder. Und zunächst scheint dies die rettende Idee. Winnie fängt wieder an zu malen, Erik geht jeden Tag in eine öffentliche Bibliothek, um dort zu schreiben. Schon bald jedoch kippt die Situation. Seltsame Dinge geschehen. Winnie behauptet zu wissen, dass Sara noch lebt. Sie malt ein Bild, das exakt die Situation der Entführung wiedergibt, alles ist fotogenau wiedergegeben †“ bis auf das Gesicht des Mannes. Erik ist beunruhigt. Durch Zufall entdeckt er, dass seine Frau heimlich aus dem Haus geht, wenn er fort ist. Dass sie obskure Bekanntschaften pflegt. Sie streitet es ab. Und dann erfährt er, dass Winnie ihm nicht die Wahrheit gesagt hat über ihre Vergangenheit …

Grimms Wörter – Eine Liebeserklärung von Günter Grass

Der neue Grass ist zugleich der eigenwilligste. In „Grimms Wörter“ setzt Günter Grass seinen autobiographischen Rückblick fort (nach „Beim Häuten der Zwiebel“) †“ aber er verknüpft ihn mit der Geschichte der Brüder Grimm. Er nennt sein Buch eine „Liebeserklärung“ an die beiden Sprachforscher, die unermüdlich am Material der Wörter arbeiteten und sich auch heftig mit der Obrigkeit stritten †“ und erkennt in ihnen entfernte Verwandte. Die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit gießt Grass in eine originelle Form: Als Hommage an das Grimmsche Wörterbuch wird jedes Kapitel von einem Buchstaben des Alphabets geprägt. So hat noch kein Grass geklungen.

Kurzbeschreibung
Die Brüder Grimm erhalten im Jahr 1838 einen ehrenvollen Auftrag: Ein Wörterbuch der deutschen Sprache sollen sie erstellen. Voller Eifer machen sie sich ans Werk. Aberwitz, Angesicht, Atemkraft fleißig sammeln sie Wörter und Zitate, in wenigen Jahren sollte es zu schaffen sein. Barfuß, Bettelbrief, Biermörder sie erforschen Herkommen und Verwendung, sie verzetteln sich gründlich. Capriolen, Comödie, Creatur am Ende ihres Lebens haben Jacob und Wilhelm Grimm nur wenige Buchstaben bewältigt.
Günter Grass erzählt das Leben der Brüder Grimm auf einzigartige Weise als Liebeserklärung an die deutsche Sprache und die Wörter, aus denen sie gefügt ist. Er schreibt über die Lebensstationen der Märchen-Brüder, über ihre uferlose Aufgabe und die Zeitgenossen an ihrer Seite: Familie und Verleger, Freunde, Verehrer und Verächter.
Spielerisch-virtuos spürt Grimms Wörter dem Reichtum der deutschen Sprache nach und durchstreift die deutsche Geschichte seit der Fürstenherrschaft und den ersten Gehversuchen der Demokratie. Von der Vergangenheit mit ihren politischen Kämpfen und ganz alltäglichen Sorgen schlägt Günter Grass manche Brücke in seine eigene Zeit.

Und wie immer in „Druckfrisch“: Denis Scheck kommentiert, kritisiert und zerpflückt die aktuelle SPIEGEL-Bestsellerliste.

Quelle: Druckfrisch

Die drei Musketiere: Milla Jovovich, Orlando Bloom u. Christoph Waltz in München

Literaturverfilmung: Drehbeginn für „Die drei Musketiere“ mit Milla Jovovich, Orlando Bloom u. Christoph Waltz in München

Der französische Schriftsteller Alexandre Dumas der Ältere (auch Alexandre Dumas Davy de la Pailleterie oder Alexandre Dumas père) wurde am 24. Juli 1802 in Villers-Cotterêts Aisne geboren. Er starb im Alter von 68 Jahren in Puys, Seine-Maritime.
Heute ist Dumas vor allem durch seine zu Klassikern gewordenen historischen Romane und deren Verfilmungen weltweit bekannt.

Die bekanntesten, immer wieder neu aufgelegten Romane sind: Les trois mousquétaires (Die drei Musketiere, 1844), Vingt ans après (Zwanzig Jahre später, 1845), La reine Margot (Königin Margot, 1845), Le comte de Monte-Christo (Der Graf von Monte Christo, 1845†“46) und Le collier de la reine (Das Halsband der Königin, 1848†“50).

Dumas Roman über d†™Artagnan und seine Freundschaft zu den drei Musketieren Athos, Porthos und Aramis wurde seit 1921 bereits 19 Mal fürs Kino verfilmt. Jetzt beginnen die Dreharbeiten für eine Neufassung der „Drei Musketiere„. Gedreht wird in München, Würzburg, Bamberg, Burghausen und Herrenchiemsee. Oberbürgermeister Christian Ude hat bereits die Drehgenehmigungen für die Alte Residenz und den Münchner Hofgarten erteilt. Hier werden schon in der nächsten Woche einige Hollywoodstars anzutreffen sein.

Filmproduzent Martin Moszcowicz lobte bei der Pressekonferenz am 20.08.2010 im Bayerischen Hof die Kooperationsbereitschaft des Münchner Stadtoberhaupts. Und so ist der Weg frei für die 20. Filmproduktion der „Drei Musketiere“ mit Stars wie Milla Jovovich, Orlando Bloom und Oscarpreisträger Christoph Waltz bereitet. 2011 soll die Produktion in den Kinos anlaufen. Die Regie führt Paul W. S. Anderson.

Der junge Draufgänger D†™Artagnan (Logan Lerman) will in den Dienst von König Ludwig XIII treten und verlässt seine Heimat, die Gascogne, in Richtung Paris. Unterwegs passieren ihm einige Missgeschicke, die vor allem auf sein Temperament zurückzuführen sind. Aufgrund seines Mutes, den er unter Beweis stellen kann, freundet er sich mit den unzertrennlichen Musketieren Athos (Matthew Macfadyen), Porthos (Ray Stevenson) und Aramis (Luke Evans) an.

Nach der Belagerung von La Rochelle, wird er Mitglied der Musketiere. Zusammen bestehen die vier Freunde im Kampf gegen Kardinal Richelieu (Christoph Waltz) und Lady Winter (Milla Jovovich). Als die Ehre von Königin Anna (Juno Temple) durch eine Intrige des Kardinals und der Lady bedroht wird, beginnt ihr größtes und gefährlichstes Abenteuer, das sie selbstverständlich mit Bravour bestehen. Schließlich stellen und töten sie die schöne Lady Winter. Athos und Porthos ziehen sich ins Privatleben zurück, Aramis tritt in ein Kloster ein, und d†™Artagnan wird Leutnant der Musketiere.

So endet der erste Teil von Alexandre Dumas Musketier-Trilogie. Der zweite Teil erschien im Jahr 1845 unter dem Titel „Zwanzig Jahre später„.

Da Orlando Bloom die Rolle des Duke of Buckingham spielen wird und dieser zuerst im zweiten Band in die Handlung eingeführt wird, ist davon auszugehen, dass die Neuverfilmung zumindest einen Bogen über die ersten beiden Bände spannen wird. Eines ist gewiss, die Devise wird lauten: „Einer für alle. Alle für einen“.

Summit Entertainment, die für die Produktionsfirma Constantin Film den Weltvertrieb übernehmen, haben das neue kostspielige 3D Action-Abenteuer bereits in nahezu alle Länder verkauft.

Quelle: Münchenblogger

Deutscher Buchpreis 2010: Die 20 Bücher der Longlist im Überblick

Deutscher Buchpreis 2010: Jury nominiert 20 Romane

Die Jury hat in den letzten Monaten 148 Titel, die zwischen Oktober 2009 und dem 08. September 2010 erschienen sind oder noch erscheinen, gelesen und heute die 20 Romane, die für die Longlist nominiert sind, bekanntgegeben.

„Nach Monaten der Lektüre, in denen wir immer wieder auch Entdeckungen gemacht haben, haben wir lange und durchaus kontrovers diskutiert. Wir freuen uns, eine Longlist zu präsentieren, die ein breites Spektrum abdeckt: eine Vielfalt der Formen und Welten, die in die deutsche Provinz führen, aber auch nach Russland, Israel, ins ehemalige Jugoslawien, nach Paris oder Prag†œ, sagt Jurysprecherin Julia Encke, Literaturkritikerin bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Es sind Romane mit eigenwilligen Stimmen, Gesellschaftsporträts und erzählerische Experimente, sehr komisch manchmal, ohne dass sie ihre Figuren denunzieren. Es wird bestimmt nicht leicht sein, aus diesen Titeln eine Shortlist zu erstellen, die, auch in unseren Köpfen, noch überhaupt nicht feststeht. Erst einmal muss alles wieder von vorne diskutiert werden. Wir sind selbst gespannt†œ, so Encke.

Am 8. September 2010 wird die Shortlist mit 6 Titeln veröffentlicht. Am Abend der Preisverleihung, am 4. Oktober 2010 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers, erfahren die sechs Autoren, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht. Der Preisträger erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.

Die nominierten Romane in alphabetischer Reihenfolge:

Alina Bronsky – Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

Kurzbeschreibung
Die Geschichte der leidenschaftlichsten und durchtriebensten Großmutter aller Zeiten
Am Anfang tut sie alles, um nicht Großmutter zu werden: Im Jahr 1978 ist Rosalinda wild entschlossen, die Schwangerschaft ihrer viel zu jungen und viel zu dummen Tochter zu beenden. Doch das misslingt, und sobald Aminat auf der Welt ist, entbrennt ein rücksichtsloser, grotesk-komischer Kampf um sie.
Jenseits des Urals herrschen klare Verhältnisse: Die Tatarin Rosalinda bestimmt, ihr Gatte Kalganov spurt, und ihre Tochter Sulfia benimmt sich schlecht. Es mangelt an vielem, aber nicht an Ideen, und schon gar nicht an Willenskraft. Es steht also immer etwas Scharfes auf dem Tisch, und alle größeren Malheurs, die Sulfia anrichten könnte, werden verhindert. Nur ihre Schwangerschaft nicht, und auch nicht die Geburt von Aminat, dem genauen Gegenteil ihrer Mutter: schön, schlau, durchsetzungsfähig – ganz die Großmutter eben.
Rosalinda steht zum ersten Mal einem Geschöpf gegenüber, das ihr ebenbürtig ist, und wird die leidenschaftlichste Großmutter aller Zeiten. Im ungleichen Kampf zwischen der glücklosen Sulfia und der rücksichtslosen Rosalinda wird das Mädchen zur Wandertrophäe – und der Leser zum Zeugen haarsträubendster Ereignisse, komischster Szenen, schlagfertigster Dialoge.
Alina Bronsky gelingt eine Glanzleistung: Sie lässt ihre radikale, selbstverliebte und komische Hauptfigur die Geschichte dreier Frauen erzählen, die unfreiwillig und unzertrennlich miteinander verbunden sind – in einem Ton, der unwiderstehlich ist. Durch drei Jahrzehnte und diverse Schicksalsschläge führt sie die ungleichen Frauen, und der Leser folgt ihr atemlos.
Voller Gefühl, Sinnlichkeit, Drastik und Exotik: ein scharfer Frauenroman!

Jan Faktor – Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag

Kurzbeschreibung
Ein ödipales Vergnügen – Faktors erotischer Entwicklungsroman über Widerstände, Schmutz und Schönheit. Georg wächst in der schönsten Wohngegend Prags in einem summenden Frauenhaushalt auf. Leider zur Zeit des politischen Terrors, der überirdischen Atomversuche und später des Reformversuchs von ’68. Zwischen Tanten mit Kriegstraumata, dem tyrannischen Onkel ONKEL und der überstrahlend-schönen Mutter bleibt ihm nur die Flucht nach vorn.
Das sozialistische Prag hat in den Jahren von Georgs Jugend seinen Glanz verloren. In einer Stadt voller gewalttätiger Müllmänner, 50-ccm-Motorradcowboys, sexbesessener Fremdgänger und vieler anderer unsozialistischer Elemente nutzt Georg alle sich bietenden Freiräume, um auszubrechen: Er experimentiert mit hochexplosiven Substanzen, verbringt die Nachmittage mit wilden Jugendcliquen und findet im Kreis der Familie schließlich auch eine Geliebte. In einer Gesellschaft, die von den Rändern her vergammelt und sich von innen auflöst, bekommt das Körperliche eine befreiend-subversive Bedeutung. Georg mobilisiert alle Kräfte, um neben der Mutter auch dem stickig-klebrigen Vaterhaushalt zu entkommen, in dem er seine verhassten Wochenenden verbringen muss. Als er nach der Okkupation des Landes den kulturellen Niedergang miterlebt und sich der Prager Dissidentenszene nähert, wird ein geschasster Intellektueller, der sich trotz seiner Blindheit wie ein Sehender in der Stadt bewegt, zu seinem Wunschvater.
Georg macht sich seit seiner frühen Kindheit Sorgen um seine Vergangenheit, seiner hellen glücklichen Zukunft ist er sich aber völlig sicher. Die Frage, ob er wirklich glücklich werden wird, beantwortet sich bei einer zufälligen, aber nicht wirklich vermeidbaren Begegnung auf der Straße.
Indem Jan Faktor Georg selbst erzählen lässt, macht er das Erzählen zu einem zweiten subversiven Akt – und führt damit den Entwicklungs- und den Gesellschaftsroman zusammen. So entstehen ein vor Witz strotzendes Psychogramm einer Familie und ein hellsichtiges Porträt einer Stadt.

Nino Haratischwili – Juja

Kurzbeschreibung
Beruhend auf einer wahren Geschichte stellt die erfolgreiche Theaterautorin Nino Haratischwili in ihrem ersten Roman die Frage nach Authentizität. Das Buch „Die Eiszeit“ von Jeanne Saré wird in den Siebziger Jahren ein großer Verkaufserfolg, vor allem in feministischen Kreisen. Das hasserfüllte Buch der jugendlichen Selbstmörderin Saré animiert mehrere Leserinnen zum Suizid. Nun, in der Jetztzeit, macht sich eine Kunstwissenschaftlerin in Paris auf die Suche nach Saré. Was hat der Verleger des Buches, ein frauenhassender älterer Herr mit Saré zu tun? Wer war Jeanne Saré eigentlich? Warum gibt es keine Zeugnisse? Und wie konnte das Buch derart wirken? Nino Haratischwili verknüpft geschickt mehrere Erzählstränge in diesem Roman, und beschreibt auf schwindelerregende Weise, welche Bedeutung das Reale und das Irreale für das soziale Leben haben können.

Thomas Hettche – Die Liebe der Väter

Kurzbeschreibung
Die berührende Geschichte eines Vaters, der um seine Tochter kämpft.
Peter hat eine Tochter, aber das Sorgerecht für sie hat er nicht. Annika war zwei, als er und ihre Mutter sich trennten. Seitdem gerät jede elterliche Absprache zum Machtkampf um die inzwischen dreizehnjährige Annika. Ein Silvesterurlaub auf Sylt wird für Vater und Tochter zur entscheidenden Probe auf ihre Liebe.
Die Reise auf die Insel ist für den Verlagsvertreter Peter auch eine Rückkehr in Landschaften der Vergangenheit. Hier hat er die Sommer seiner Kindheit verbracht, als seine Mutter in einer Buchhandlung in Kampen arbeitete. Die Spaziergänge am Strand, die alte Kirche von Keitum, der Leuchtturm rufen Erinnerungen in ihm wach. Zum ersten Mal versucht er, seiner Tochter von sich zu erzählen. Er begegnet Susanne wieder, einer Freundin aus der Schulzeit, mittlerweile verheiratet und Mutter zweier Kinder. Und er muss erleben, dass er auf die Väter der scheinbar heilen Familien, die diese Ferien zusammen verbringen, wie ein Menetekel wirkt.
Es ist die Zeit zwischen den Jahren, die Rauhnächte, in denen Tiere sprechen können und die Tore der Geisterwelt offen stehen. „Die Wilde Jagd“ tobt um das Ferienhaus auf der Düne, ein Wintersturm. Und in der Silvesternacht, zusammen mit Freunden im „Sansibar“, steht plötzlich Peters gesamte Existenz auf dem Spiel. Atemlos folgt man seiner Stimme, die erzählt, was ihm geschieht – gegenwärtig, distanzlos, unmittelbar.
Dieser Roman über die Schwierigkeit, heute Vater zu sein, ist Thomas Hettches persönlichstes Buch. Meisterhaft gelingt es ihm, die Atmosphäre des winterlichen Sylt mit einem Familiendrama zu verbinden, in dem es um die eigene Vergangenheit geht, die persönliche Integrität und eine gemeinsame Zukunft.

Michael Kleeberg – Das amerikanische Hospital

Kurzbeschreibung
Liebe in Zeiten der neuen Kriege
Paris, im Winter 1991. Hélène steht in der Empfangshalle des amerikanischen Hospitals, als vor ihr ein Mann zusammenbricht. Sein Blick brennt sich in ihre Augen. Das ist die erste Begegnung zwischen der dreißigjährigen Pariserin und David Cote, einem amerikanischen Soldaten. Die beiden vom Schicksal Gebeutelten freunden sich an und stützen einander auf ihrer schmerzhaften Suche nach der Wahrheit über sich selbst.
Michael Kleeberg versteht es auf eindringliche Weise, Zeitgeschichtliches und Privates, die seelischen Qualen des Krieges und die körperlichen des unerfüllten Kinderwunschs mit der dichten Atmosphäre von Paris zu verweben. Ein meisterhaft komponierter Roman voll erschütternder und unvergesslicher Szenen.

Michael Köhlmeier – Madalyn

Kurzbeschreibung
Sebastian Lukasser, Schriftsteller, kennt Madalyn seit ihrem fünften Lebensjahr. Sie kann ihm Dinge anvertrauen, die ihre Eltern nicht verstehen würden. Jetzt ist sie vierzehn und erlebt ihre erste, ausweglos komplizierte Liebesgeschichte. Kompliziert, weil Moritz alles andere als ein leichter Fall ist – er wurde bei einem Einbruch erwischt und ist ein notorischer Lügner. Oder spricht er vielleicht doch die Wahrheit? Michael Köhlmeiers Roman über Madalyn und Moritz ist eine herzzerreißende Erzählung über die erste Liebe und große Gefühle.

Thomas Lehr – September. Fata Morgana

Kurzbeschreibung
Zwei Väter und zwei Töchter, zwei parallele Lebensgeschichten in den USA und im Irak. Ihre Schauplätze sind weit entfernt, und doch verbinden sie zwei politische Ereignisse: Sabrina stirbt am 11. September 2001 im New Yorker World Trade Center, während Muna 2004 in Bagdad bei einem Bombenattentat ums Leben kommt. Thomas Lehr, in Deutschland einer der „klügsten und brillantesten Schriftsteller“ (FAZ), begibt sich in seinem grandiosen, vielschichtigen Werk auf eine literarische Grenzwanderung zwischen zwei Kulturen. In einer verdichteten, lyrischen Sprache erzählt „September“ vom Islam, von Öl, Terror und Krieg und von zwei Frauen, die stellvertretend für die Opfer dieses Konflikts stehen.

Mariana Leky – Die Herrenausstatterin

Kurzbeschreibung
Katja Wiesberg verschwimmt die Welt vor Augen. Ihr Mann ist fort, und sie ist ihren Job los. Katja ist allein. Da sitzt auf einmal ein älterer Herr auf dem Rand ihrer Badewanne und stellt sich als Dr. Blank vor. Es ist der Geist ihres ehemaligen Nachbarn. Und noch ein Fremder taucht auf: Nachts steht ein Feuerwehrmann vor der Tür, der behauptet, zu einem Brand gerufen worden zu sein und nicht wieder geht. Mit entwaffnender Zutraulichkeit nistet er sich in Katjas Leben ein. Erst allmählich begreift sie, wie gut er ihr tut: Ein kleinkrimineller Feuerwehrmann, der Karatefilme liebt, ist gerade das Richtige, um sie zurück ins Leben zu holen. Eine abenteuerliche Dreiecksgeschichte nimmt ihren Lauf, zwischen einer aus dem Alltag gefallenen Frau, einem überaus selbstbewussten Liebhaber und einem lebensweisen Toten, den allerdings nur Katja sehen kann. Mariana Lekys Roman verführt in eine Welt, die komischer und trauriger ist als unsere und dabei geisterhaft menschlich.

Nicol Ljubić – Meeresstille

Kurzbeschreibung
Die Macht der Vergangenheit
Morgens, wenn er aufwachte, lag er jedes Mal mit dem Kopf auf ihrem Kissen. Kann die Liebe zweier junger Menschen eine Brücke bauen über Schuld und Trauma nach dem Balkankrieg?
Es gibt etwas, das ist stärker als die Liebe, und das ist die Erinnerung an das, was geschehen ist. Die Völker des Balkans werden von den Schrecken der Vergangenheit verfolgt. Ana kann nicht vergessen, dass sie die Tochter eines angeklagten serbischen Kriegsverbrechers ist. Und Robert liebt Ana. Weil die zärtliche Liebe den entsetzlichen Kriegserinnerungen mehr und mehr zum Opfer zu werden droht, fährt er zunächst nach Den Haag zum Prozess von Anas Vater und später dann an den Ort des Geschehens, nach Vi egrad. Um Ana zu verstehen, will Robert hinter das kommen, was sie bewegt, ihre Vergangenheit. Kompositorisch klug, weil in den richtigen Momenten mal sanft, mal nüchtern erzählt, hangelt sich Nicol Ljubic durch eine fatalistische Liebeserzählung. Wer gerne die Tagesschau wegzappt, dem erschließt sich in diesem Roman zudem einer der unsagbarsten Konflikte des 20. Jahrhunderts. Mit „Meeresstille“ setzt die Vergangenheitsbewältigung ein. Da fällt dann auch kaum ins Gewicht, dass einige reflexive Passagen zu kurz geraten sind. (ml – Kulturnews.de)

Kristof Magnusson – Das war ich nicht

Kurzbeschreibung
„Bestimmt gibt es auch eine Zeit für das Privatleben. Frau. Kind. Später. Ich war erst 31. Zwischen dreißig und vierzig muss man brennen.“ Ein junger Banker, auf dem Sprung zur großen Karriere. Eine Literaturübersetzerin, auf der Flucht vor dem schön eingerichteten Leben mit Weinklimaschrank und Salzmühle mit Peugeotmahlwerk. Ein international gefeierter Schriftsteller mit Schreibblockade und Altersangst. Drei Menschen, die sich unversehens in abenteuerlicher Abhängigkeit befinden. Wie konnte es dazu kommen? Eine Bank, ein Leben ist schnell ruiniert. Das ist das Erschreckende, aber auch das Komische an diesem Roman, der mit großer Leichtigkeit von unheimlichen Zeiten erzählt.

Andreas Maier – Das Zimmer

Kurzbeschreibung
Mit einem Bein steht er noch im Paradies, dafür hat die Geburtszange gesorgt. Immer ist er ein Kind geblieben, und wurde doch stets älter, und leben mußte er auch irgendwie. Nun ist er schon dreißig und hat seine große Liebe, einen VW-Variant Typ 3, mit dem fährt er zwischen den blühenden Rapsfeldern umher. Es ist das Jahr der ersten Mondlandung, 1969, als man in Frankfurt am Main noch Treppensteigen geht in den Bordellaltbauten um den Bahnhof herum. Ein Tag im Leben Onkel J.s. Hin- und hergerissen zwischen Luis Trenker, der Begeisterung für Wehrmachtspanzer und den Frankfurter Nutten, wird J. plötzlich als ein Mensch erkennbar, der außerhalb jeden Schuldzusammenhangs steht, noch in den zweifelhaftesten Augenblicken. Einer, der nicht zugreift, weil er es gar nicht kann, während die Welt um ihn herum sich auf eine heillose Zukunft wie auf die Erlösung vorbereitet. Nach den Romanen „Wäldchestag“, „Klausen“, „Kirillow“, „Sanssouci“ und „Onkel J. Heimatkunde“ setzt Andreas Maier neu an: Das Zimmer ist ein Erinnerungsporträt und Roman zugleich, vielleicht der Beginn einer großen Familiensaga, eine Reflektion über Zeit und Zivilisation, über die Würde des Menschen und wie sie erhalten bleiben kann. „Der begabteste Schwadroneur unter den jüngeren Autoren.“ Ulrich Greiner, Die Zeit

Olga Martynova – Sogar Papageien überleben uns

Kurzbeschreibung
Ein verspielter und kluger Roman über eine russisch-deutsche Freundschaft mit ungewöhnlichen Ansichten des 20. Jahrhunderts in Russland.Marina stammt aus Petersburg und ist zu Besuch in Deutschland, wo sie bei einem Kongress über Daniil Charms und seinen Freundeskreis spricht. Außerdem ist da ein Mann, der in Leningrad Russisch studierte und mit dem sie damals, vor 20 Jahren, eine Liebesgeschichte lebte. Die Vergangenheit ist nicht vergangen und das gilt nicht nur für diese private Geschichte: »Ich habe Angst vor den Geheimnissen der Zeit.« Ein ganzes Jahrhundert (und manchmal auch mehr als das) passiert in den Assoziationen Marinas Revue, und nirgendwo sonst ist dieses letzte Jahrhundert vielfältiger, durch gewaltige Brüche im Sozialsystem fragmentierter gewesen als in Russland: vom Zarenreich über die Revolution, die Sowjetunion, die Weltkriege, die Belagerung Leningrads durch die Deutschen, die Perestrojka
Olga Martynova, Lyrikerin und Essayistin, fächert in ihrem ersten (und auf Deutsch geschriebenen) Roman mit bezaubernder Leichtigkeit das Schwierigste vor uns auf: die vielen Seiten der Vergangenheit, den »Grünspan der Zeit«, dieses Gleiten von Positionen und Ansichten, das nur die Literatur vermitteln kann. Wir lesen nicht nur von den literarischen Avantgardisten rund um Charms und Vvedenskij, von der Gegenwart des Jüdischen in vielen Bereichen der Alltagskultur, wir erfahren auch von Hippies und Landkommunen in Innerasien, von Autostopp-Reisen nach Sibirien und vom buddhistischen Kloster mit dem unverweslichen Lama. Martynovas genauer Blick fördert aber auch überraschende Beobachtungen an ihrer deutschen Umgebung zutage, an diesem an deutsch-russischen Kulturverbindungen interessierten Publikum.
„Sogar Papageien überleben uns“ ist ein berührender und überraschender Roman, der auf paradoxe Art ignoriert, was seine Protagonistin einmal fordert, »dass man in den Büchern besser nicht von den komplizierten Sachen schreibt«. Und was wäre komplizierter als das Wandern in die Vergangenheit, als das assoziative Gewebe der Erinnerung, als die Arbeit der Dichter an unserem Gedächtnis?

Martin Mosebach – Was davor geschah

Kurzbeschreibung
Es ist eine gefährliche Frage, die bereits den Keim einer Eifersucht enthält: Wie war das eigentlich mit dir, bevor wir uns kannten? Die beiden sind seit Kurzem ein Paar, und sie stellt ihm jene Frage. Seine Antwort wird zu einem Gespinst aus Wahrheit und Dichtung, einem wahren Lügenpalast, errichtet aus soliden Bausteinen von Wirklichkeit. Auf der Bühne Frankfurts inszeniert Martin Mosebach, mit detektivischer Genauigkeit und meisterhafter Sprachkunst, ein böses Spiel von Liebe und Zufall.

Melinda Nadj Abonji – Tauben fliegen auf

Kurzbeschreibung
Eine ungarische Familie aus Serbien in der Schweiz. Ein schwungvoll und gewitzt erzählter Roman aus der Mitte Europas.Zuhause ist die Familie Kocsis also in der Schweiz, aber es ist ein schwieriges Zuhause, von Heimat gar nicht zu reden, obwohl sie doch die Cafeteria betreiben und obwohl die Kinder dort aufgewachsen sind. Die Eltern haben es immerhin geschafft, aber die Schweiz schafft manchmal die Töchter, Ildiko vor allem, sie sind zwar dort angekommen, aber nicht immer angenommen. Es genügt schon, den Streitigkeiten ihrer Angestellten aus den verschiedenen ehemals jugoslawischen Republiken zuzuhören, um sich nicht mehr zu wundern über ein seltsames Europa, das einander nicht wahrnehmen will. Bleiben da wirklich nur die Liebe und der Rückzug ins angeblich private Leben?

Doron Rabinovici – Andernorts

Kurzbeschreibung
Weshalb polemisiert der israelische Kulturwissenschaftler Ethan Rosen gegen einen Artikel, den er selbst verfaßt hat? Erkennt er seinen eigenen Text nicht wieder? Oder ist er seinem Kollegen Klausinger in die Falle gegangen, mit dem er um eine Professur an der Wiener Universität konkurriert? Ethan Rosen und Rudi Klausinger: Beide sind sie Koryphäen auf demselben Forschungsgebiet, und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Rosen ist überall zu Hause und nirgends daheim. Selbst der Frau, die er liebt, stellt er sich unter falschem Namen vor. Klausinger wiederum ist Liebkind und Bastard zugleich. Er weiß sich jedem Ort anzupassen und ist trotzdem ruhelos: Was ihn treibt, ist die Suche nach seinem leiblichen Vater; sie führt ihn schließlich nach Israel und zu Ethan Rosen. Dessen Vater, ein alter Wiener Jude, der Auschwitz überlebte, braucht dringend eine neue Niere. Bald wird die Suche nach einem geeigneten Spenderorgan für die Angehörigen zur Obsession. Und selbst der obskure Rabbiner Berkowitsch hat plötzliches Interesse an den Rosens. Herkunft, Identität, Zugehörigkeit †“ um und um wirbelt Doron Rabinovici in seinem neuen Roman „Andernorts“ die Verhältnisse in einer jüdischen Familie, deckt ihre alten Geheimnisse auf und beobachtet sie bei neuen Heimlichkeiten. Am Ende dieser packend erzählten Geschichte sind alle Gewißheiten beseitigt. Nur eines scheint sicher: Heimat ist jener Ort, wo einem am fremdesten zumute ist. »Rabinovici gelingt das Kunststück, seine Prosa unterhaltsam, elegant und leicht, zugleich aber auch ausgesprochen artifiziell, genial und mehrdeutig darzubieten.« Tages-Anzeiger

Hans Joachim Schädlich – Kokoschkins Reise

Kurzbeschreibung
«Hans Joachim Schädlich ist der grosse Lakoniker unter den deutschen Gegenwartsautoren.» (Die Zeit) Der Exilrusse Fjodor Kokoschkin kehrt auf der Queen Mary 2 von einer Reise an die Orte seiner Kindheit und Jugend nach New York zurück. Seine Erinnerungen rufen die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihren Verfolgungen, Schicksalen und Emigrationen wach …

Andreas Schäfer – Wir vier

Kurzbeschreibung
Lothar war Pilot bevor es geschah. Seine Frau Ruth war damals Stewardess, nun hilft sie in der Telefonseelsorge, damit es wenigstens anderen besser geht. Ihr Sohn Merten glaubt, als Einziger zu wissen, warum sein Bruder ermordet wurde. In der Familie Wilber klafft eine Lücke. Man redet nicht über Jakob und über den Grund, warum er nicht mehr da ist. Am Tag der Verurteilung des Mörders zünden sie eine Kerze an und warten, bis der Anruf kommt: Lebenslänglich. Nachts liegen die Eltern nebeneinander, und die Mutter fragt: Bist du erleichtert? – Nein. Andreas Schäfer erzählt luzide und souverän die Geschichte eines Traumas und seiner Folgen. Sie lässt den Leser nicht mehr los.

Peter Wawerzinek – Rabenliebe

Kurzbeschreibung
Ein Buch wie ein Erdbeben. Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie. Das Ergebnis ist ein literarischer Sprengsatz, wie ihn die deutsche Literatur noch nicht zu bieten hatte. Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück.
Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin? Dass er auch eine Schwester hat, erfuhr er mit vierzehn. Im Heim hatte ihm niemand davon erzählt, auch später die ungeliebte Adoptionsmutter nicht. Als Grenzsoldat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzauns, auf halbem Weg wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirklich wiedersehen? Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit.
Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte und mit ihr die acht Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahrzehnte überlebensgroß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung.
Aber sie löste – nach jahrelanger Veröffentlichungspause – einen Schreibschub bei Peter Wawerzinek aus, in dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb: Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an Rabenliebe, übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur, das in der deutschsprachigen Literatur seinesgleichen noch nicht hatte.

Judith Zander – Dinge, die wir heute sagten

Kurzbeschreibung
Bresekow, ein Dorf in Vorpommern. Als die alte Frau Hanske stirbt, kommt ihre Tochter Ingrid mit ihrer Familie aus Irland zur Beerdigung. Ingrid hatte Bresekow vor vielen Jahren fluchtartig verlassen. Der Besuch verändert vieles im Dorf, wirft gerade für die Familien Ploetz und Wachlowski alte und neue Fragen auf. Die Dorfbewohner beginnen zu sprechen, über ihr derzeitiges Leben und ihre Verstrickungen von damals. Bresekow war immer eine kleine Welt, eng, abgelegen und heute zudem vom Verfall bedroht.
Judith Zander lässt drei Generationen zu Wort kommen. Sie erzählt mit ungeheurer Sprachkraft von einem verschwiegenen Ort im Nordosten Deutschlands, von Provinz und Alltag, von Freundschaft und Verrat, vom Leben selbst.

Joachim Zelter – Der Ministerpräsident

Kurzbeschreibung
Ein politischer Roman, eine politische Satire. Die punktgenau trifft. Und zu denken gibt. Voller Esprit. Mitreißend erzählt.Dass er einen Autounfall hatte, dass dabei einiges passiert sei, insbesondere in seinem Kopf und mit seinem Gedächtnis. Dass er zehn Tage im Koma gelegen habe und erst seit Kurzem wieder wach sei … Und: dass er Claus Urspring heiße und er Ministerpräsident sei und es auch bleiben werde – ein politischer Begriff, ein Inbild der Vertrautheit und Unverrückbarkeit, der kurz vor einem alles entscheidenden Wahlkampf stehe …
All das und noch einiges mehr erfährt Claus Urspring, ein von Wahlkampfhelfern und politischen Beratern Getriebener, ein soufflierter und inszenierter Mensch, der seit seinem Unfall kaum mehr weiß, wer er einmal war und was mit ihm eigentlich ist.
Zwischen liebenswerter Ahnungslosigkeit und kindlichem Erstaunen, zwischen Fremdsteuerung und eigensinniger Selbstbehauptung erzählt der Roman einen um Erinnerungen und Selbstfindung ringenden Helden, der sich in einer Welt wieder findet, in der Politik nur noch leere Inszenierung und inhaltloser Schein ist.

Quelle: Börsenblatt

Seitensprung der Sisterhood – Kerstin unter Drachen

Seitensprung der Sisterhood

Kapitel 1
Kerstin unter Drachen

Wie lange der Flug schon gedauert hatte, wusste Kerstin nicht. Drago und sie waren schon kurz nachdem sie an Bord gegangen waren eingeschlafen. Nun hatte sie Dragos Stimme geweckt und verschlafen öffnete sie die Augen. Es hörte sich an, als würde er Selbstgespräche führen. Da wurde ihr bewusst, dass er telefonierte. Nachdem er bemerkt hatte, dass Kerstin aufgewacht war, verabschiedete er sich kurz und knapp und drehte sich zu ihr.
„Ah, er hat mit seiner Schwester telefoniert“, dachte sie.
„Ja, das habe ich“, beantwortete er ihre Gedanken und zwinkerte ihr dabei zu. An die Gabe des Gedankenlesens hatte Kerstin sich noch immer nicht richtig gewöhnt. Sie streckte sich und hatte plötzlich das Verlangen nach einem großen Pott Kaffee. Mit kleinen Tassen konnte sie nichts anfangen. Gerade als sie Drago bitten wollte ihr eine zu besorgen, kam jemand mit einem Tablett voller kleiner Köstlichkeiten aus dem vorderen Teil der Kabine. Und es duftete nach Kaffee. Kerstin wurde ganz kribbelig. Als sie tatsächlich eine große Tasse Kaffee in den Händen hielt, zeigte sich ein breites glückliches Grinsen auf ihrem Gesicht. Drago lachte laut.
„Was?†œ, fragte sie leicht irritiert.
„Du siehst einfach himmlisch aus, wenn du dich über so etwas Banales wie eine große Tasse Kaffee freust. Ich wusste nicht, dass du so leicht zufrieden zu stellen bist“, neckte er sie. Kerstin ließ sich aber nicht ärgern und streckte ihm nur die Zunge raus. Das war nicht sehr damenhaft, aber ungemein befreiend. Drago lachte wieder. Nachdem sie den ersten Schluck genossen hatte, blickte sie Drago ernst an. Jetzt oder nie, dachte sie im Stillen, schließlich blieb ihr nicht mehr viel Zeit bis zur Landung und bislang war er ihren Fragen nach seiner Familie stets ausgewichen.
„Okay, mein Schatz. Dann erzähl mir doch bitte ein bisschen von deiner Familie und von Neuseeland. Was muss ich beachten. Welches Fettnäpfchen sollte ich besser aus lassen?†œ Sie wusste aus Erfahrung, wenn es irgendwo ein Fettnäpfchen gab, traf sie es bestimmt. Drago lehnte sich in seinem Sitz zurück und blickte aus dem Fenster. Kerstin versuchte seine Gedanken zu lesen, aber er verbarg sie vor ihr. Und das gefiel ihr nicht. Nervös nahm sie einen weiteren Schluck Kaffee. Aber er antwortete noch immer nicht.
„Oh, mein Gott, ist es so schlimm mit mir, dass du nicht weißt, wo du anfangen sollst?“ Leichte Panik stieg in ihr auf. Drago drehte sich zu ihr und nahm ihre Hand.
„Nein, eigentlich sind da keine Fettnäpfchen, in die du treten könntest. Ich möchte dich nur darum bitten, dass du dich nicht zu sehr erschreckst.“ Kerstin schaute ihn verdutzt an. Er konnte die kleinen Fragezeichen in ihren Augen förmlich sehen.
„Nun, es ist so“, begann er, „dass meine Familie seit Anbeginn in einem Vulkan lebt. Er heißt Taranaki. Nun ja, …und sie leben dort so wie sie geboren wurden – also in Drachengestalt. Es ist der einzige Ort, an dem sie sie sich so geben können wie sie möchten.†œ Er machte eine kleine Pause, um Kerstin Gelegenheit für einen Aufschrei oder Ähnliches zu geben, aber sie war völlig sprachlos. „Natürlich wissen einige Bewohner in dem angrenzenden Tal Bescheid†œ, fuhr er fort, „aber sie akzeptieren meine Familie wie sie ist und profitieren von unserer Stärke und genießen unseren Schutz. Ich hoffe, du kannst das verstehen …?“ Sprachlos starrte Kerstin ihn an. Nachdem sie sich wieder gefangen hatte, sagte sie nur:
„Okay, das verstehe ich.“ In Wirklichkeit verstand sie natürlich gar nichts. Sie wusste zwar, dass Drago einer Drachenfamilie entstammte, aber auf die Idee, dass sie es nun mit leibhaftigen Drachen zu tun bekommen sollte, wäre sie nie gekommen. Ermutigt durch Kerstins cooler Reaktion und sichtlich erleichtert, erzählte Drago also weiter.
„Wir zeigen uns äußerst selten einem Menschen in Drachengestalt. Aber auch bei uns gibt es ein paar Exemplare die, nennen wir es mal …unverbesserlich …sind. Dazu gehören meine Brüder, mein Vater und mein Cousin.

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Ich glaube, man könnte sie mit Eigenbrötlern in der Menschenwelt vergleichen.“ Kerstin musste lachen, sie glaubte ihm natürlich kein Wort.
„Ach so, nach dem Motto, entweder du akzeptierst mich wie ich bin, oder du lässt es ?“
„Ja, so ungefähr. Was ich dir damit eigentlich sagen wollte, ist, erschreck dich bitte nicht, wenn dir bei der Begrüßung ein Drache seine Pranke reicht.“ Kerstin strahlte Drago an und gedanklich ließ sie ihn wissen, dass es für sie kein Problem war. Ganz im Gegenteil, sie freute sich inzwischen richtig darauf endlich Dragos ungewöhnliche Familie kennenzulernen. Dargo war offensichtlich ein riesiger Stein vom Herzen geplumpst. Er strahlte sie an, nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie leidenschaftlich. Durch die kleinen Fenster des Flugzeugs trafen die ersten Sonnenstrahlen in die Kabine. Beide schauten hinaus und hießen den sich ankündigenden Morgen willkommen. Es war atemberaubend zu sehen, wie sich die Sonnenstrahlen durch die dicken Wolken brachen. Durch einige Lücken in der Wolkendecke konnten sie plötzlich Wälder und Felder erkennen. Genau in diesem Moment erklang über den Lautsprecher die Aufforderung sich anzuschnallen. Kerstin atmete tief durch, denn so langsam wurde sie doch wieder nervös.
Als sie gelandet waren, wartete am Ende der Rollbahn eine große Limousine; genauer gesagt ein Hummer. Kerstin blieb der Mund offen stehen. Sie hatte ja schon viele schöne Autos gesehen, aber dieses war ein besonderes Exemplar. Vor ihnen stand ein original H2 Brabus. Überall glänzte Chrom. Die 28 Zoll Felgen steckten in 325/35er Schlappen. Der Motor lief als sie darauf zu gingen. Sie konnten förmlich die Kraft des 6,2 Liter V8 Motors mit seinen gestärkten 480 PS knurren hören. Die FOX-Sport-Auspuffanlage tat sein übriges dazu. Ein Geräusch, das bei Kerstin in der Magengegend ein angenehmes Kribbeln freisetzte. Drago schob die immer noch verdutzte Kerstin in Richtung Auto und öffnete eine der Flügeltüren, während einer der Angestellten das Gepäck im Heck verstaute. Drago musste über Kerstins Gesicht lachen.
„Ah, also nicht nur mit Kaffee kann man dich zufrieden stellen, sondern auch mit schicken Autos?†œ Aber Kerstin beachtete ihn gar nicht. Auch der Innenraum war ein Traum. Ein cremeweißer Teppich mit Trivlemuster bedeckte den Boden. Farblich dazu passend waren die Pilot-Sitze in Alcantara überzogen. Zwischen den Sitzen waren kleine Tischchen angebracht, die genügend Platz boten, um
Getränke abzustellen. Für angenehmes Licht sorgten eine beleuchtete Bar und ein glitzernder Sternenhimmel.

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Diverse Displays und eine Anlage mit Subwoofer-Lautsprechern rundeten das luxuriöse Ambiente ab. Im Hintergrund war Linkin Park zu hören.
„Äh, wie viel Watt hat die Anlage?“ Eigentlich eine überflüssige Frage, aber Kerstin wollte es genau wissen.
„Oh“, sagte Drago, „ich glaube, so um die 1360 Watt“. Wow, mehr als sie erwartet hatte. Langsam setzte sich der Wagen fast schwebend in Bewegung. Das Fahrwerk war so gut gefedert, dass man keine Bodenwelle spürte. Selbst der Champagner, der in Gläsern bereitgestellt war, schwappte nicht über.
„Das nenn ich mal ein ausgewogenes Fahrgefühl†œ, sagte Kerstin voller Ehrfurcht und strich dabei mit den Fingerspitzen abwesend über den Sitz.
„Hast du dich denn immer noch nicht sattgesehen an dem Ding… ähm … ich meine Auto?“, fragte Drago etwas schnippisch. Als Kerstin Drago ansah, musste sie laut lachen.
„Hey, du bist doch wohl nicht eifersüchtig auf ein Auto? Entschuldige, ja, du hast recht, aber es ist schon sehr lange her, dass ich so einen traumhaften Wagen gesehen habe. Ich habe doch nun mal eine Schwäche für schöne Autos.“ Drago verdrehte die Augen.
„Na klasse, dann werde ich wohl Luft sein, wenn du erst in unsere Garage gesehen hast… Kerstin horchte auf.
„Ihr habt noch mehr Meisterwerke wie dieses hier?“ Ihre Augen glänzten.
„Ja, haben wir. Oh man, hätte ich doch nur nichts gesagt“, antwortete Drago völlig genervt. Kerstin rückte ein Stück näher an Drago heran und legte ihre Arme um seinen Hals. Er nutzte die Gelegenheit und zog sie auf seinen Schoß.
„Sorry, ich wollte dich nicht nerven, wie kann ich das nur wieder gutmachen?“, sagte Kerstin und schaute ihm dabei tief in die Augen. Drago nahm Kerstins Gesicht in seine Hände und küsste sie innig. Sie spürte eine leichte Hitze in sich aufsteigen und küsste ihn leidenschaftlich zurück. Seine Hände wanderten forschend ihren Rücken entlang und verursachten eine leichte Gänsehaut. Kerstin spürte förmlich wie sich jedes einzelne Härchen aufstellte. Plötzlich wurde die Wagentür aufgerissen, die  fast aus den Angeln flog. Völlig überrascht starrten beide hinaus. Ein Schrei war zu hören und jemand kam in das Wageninnere gestürmt.

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Kerstin war im Begriff sich eine einigermaßen gute Verteidigungsposition suchen, als Drago plötzlich laut auflachte. Erstaunt sah sie ihn an und folgte dann seinem Blick zur Wagentür. Da stand doch tatsächlich ein kleiner Drache vor ihnen. Ob männlich oder weiblich ließ sich auf Anhieb nicht so genau sagen. Nicht größer als 1,50 Meter schimmerte er giftgrün, eine orangefarbene Federboa zierte seinen dünnen Hals. Er hatte kleine Flügel, die von der Größe her überhaupt nicht zu dem Rest seines massigen Körpers passten. Mitten im Hummer stehend, nahm er die Position eines albernen US-Talkmaster an, streckte die Hände in die Höhe und rief voller Begeisterung:
„Tadaaa… unser Drago ist wieder da.“ Dabei quietschte er voller Begeisterung und lachte laut. Dann kam er auf Drago und Kerstin zugestürmt, sodass der ganze Wagen anfing zu wackeln. Dass er die beiden in einem ganz intimen Moment gestört hatte, schien er gar nicht bemerkt zu haben. Er hatte nur noch Augen für Drago. Etwas unsanft schob er seinen kleinen massigen Körper an Kerstin vorbei und nahm Drago in seine kurzen massigen Arme. Er quietschte wieder so laut, dass Kerstin sich die Ohren zuhalten musste.
„Oh Drago, bist du endlich mal wieder zu Hause. Hast dich die ganze Zeit nicht gemeldet, du böser Junge. Aber jetzt bist du endlich wieder da †“ wie schööön.“ Er ließ Drago gar nicht zu Wort kommen. Sanft aber bestimmt schob Drago den kleinen Drachen von sich und strahlte ihn an.
„Na, Gunther, meine kleine Tucke. Alles gut im Vulkan?“, fragte Drago. Gunther plusterte seine Bäckchen auf.
„Du sollst mich doch nicht immer so nennen“, antwortete der Drache und boxte Drago in die Rippen. Die vertraute Art der beiden ließ Kerstin schmunzeln. Dann spürte sie Gunthers Blick auf sich und wurde sofort wieder ernst. Er neigte den Kopf zur Seite und forderte Kerstin mit einer Handbewegung auf, sich einmal im Kreis zu drehen. Etwas widerstrebend tat sie es. Als sie ihre Pirouette beendet hatte, strahlten sie zwei riesige bernsteinfarbene Augen an. Kerstin hatte so eine leichte Vorahnung von dem, was jetzt passierte. Sofort legte er seine kleinen Arme um ihre Taille und drückte sie so stark an sich, das Kerstin das Gefühl hatte zu ersticken. Sie erwiderte seine Umarmung, wobei sie sich etwas nach unten beugen musste, da ihr der Drache gerade bis unter die Brust reichte. Die winzigen Stacheln seiner Frisur kitzelten an ihrer Nase. Sie blickte auf das sehr blonde Haar und dann zu Drago. Der zuckte nur mit den Schultern und wartete darauf, dass Gunther sich endlich von Kerstin löste. Aus Erfahrung wusste er, dass es keinen Zweck hatte die unendliche Freude der kleinen Frohnatur zu unterbrechen. So war Gunther nun mal, nichts und niemand vermochte es ihn aus seiner Stimmung reißen. Er hatte immer ein Lächeln und auf den Lippen und plapperte gern wie ein Wasserfall. Endlich ließ Gunther von Kerstin ab und wandte sich wieder an Drago.
„Oh, sie ist so süß. Ein bisschen dünn vielleicht aber, mein Gott, ist die süüüß“, quietschte er wieder. „Hach, wir werden bestimmt gute Freunde, nicht wahr?†œ Erwartungsvoll schaute er Kerstin an und diese konnte nur bestätigend nicken.
„So, nun wollen wir aber reingehen. Die anderen warten auch schon, und du weißt, dass deine Mutter es hasst, wenn man sie warten lässt. Husch, husch.†œ Erst jetzt hatte Kerstin die Möglichkeit sich um zusehen. Der Wagen hatte direkt vor einer Höhle gehalten. Ein riesiges Holztor, das bestimmt 10 Meter in die Höhe ragte und mit imposanten Schnitzereien verziert war, versperrte den Weg. Auf dem Holz waren verschiedene Kampfszenen zu sehen, bei denen Kerstin nicht erkennen konnte, aus welcher Zeit sie stammten. Drago bemerkte ihr Interesse und sagte:
„Das haben unsere Vorfahren anfertigen lassen. Immer wenn einer von ihnen aus einem Kampf zurückgekehrt war und seine Geschichten erzählt hatte, begannen einige der Zimmermannsleute mit den Schnitzereien. Du siehst also einen Teil unserer Familiengeschichte an dem Tor.

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Kerstin hatte seinen Worten gelauscht und war noch immer dabei die kunstvollen Schnitzereien zu betrachten, als Gunther plötzlich zu schnattern begann:
„Wenn die Süße jetzt nicht langsam ihren zarten Hintern in Richtung Eingangshalle schiebt, dann werde ich wirklich böse.“ Dabei versuchte er ein strenges Gesicht aufzusetzen, was ihm aber in Anbetracht seines Aufzugs mit der Federboa nicht ganz gelang.
„Oh Himmel, wir können später noch gucken. Aber wenn wir zu spät zum Dinner kommen, kriegen wir mächtig Ärger mit Tante Margret. Das ist Dragos Mutter. Und glaub mir, Schätzchen, das möchte niemand.“ Kerstin musste grinsen.
„Was macht sie dann? Schickt sie uns ohne Mittagessen ins Bett?“ Gunther drehte sich abrupt zu ihr um.
„Pscht, lass sie das bloß nicht hören. Meine Tante ist noch ein Drache aus der alten Generation. Sie legt sehr viel Wert auf Pünktlichkeit und Etikette. Also, keine Ellenbogen beim Essen auf den Tisch und es wird nicht geschlürft mit der Suppe. Die Unterhaltung wird auf ein Minimum beschränkt und, ach ja, wenn Tante Magret mit dem Essen fertig ist, sind auch alle anderen fertig. Verstanden?“ Kerstin verdrehte die Augen und sah Drago an.
„Das ist jetzt nicht sein Ernst, oder? Sag mir, dass er das nicht ernst meint.“ Drago presste seine Lippen so fest aufeinander, dass nur noch ein kleiner, weißer Strich zu sehen war. Dann brachen Gunther und er in schallendes Gelächter aus. Kerstin war völlig irritiert.
„Was?†œ, fragte sie.
„Das war nur ein Scherz. Natürlich ist meine Mutter eine Drachendame der alten Dekade, aber so staubige Ansichten hat sie nun doch nicht. Gunther macht sich da immer einen Spaß draus. Er und sein Freund George lieben es so ihre Späßchen zu treiben.“ Kerstin blieb der Mund offen stehen.“ Sein-Freund ? Du meinst Gunther ist wirklich…
„Schwul, vom anderem Ufer, eine Tucke – keine Transe, hast du damit ein Problem?“, fragte Gunther leicht gereizt.
„Nein, nein, ich bin nur überrascht“, sagte Kerstin schnell. Und um Gunther davon zu überzeugen, dass ihr das wirklich nichts ausmachte, beugte sie sich zu ihm runter und gab ihm einen dicken Kuss auf die Stirn. Woraufhin er wieder anfing zu quietschen.
„So, das wäre geklärt“, sagte Kerstin, „und nun möchte ich den Rest der Familie kennenlernen.“ Drago nahm ihre rechte Hand, weil an der linken schon Gunther hing, und zusammen gingen sie durch das riesige Tor in eine Halle, deren Ausmaß man kaum beschreiben konnte. Das Tor war schon eindrucksvoll, aber die Halle war gigantisch. In die Wände des Vulkansteins waren lebensgroße Figuren von Drachen, aber auch von menschlichen Gestalten gehauen. Wieder stand Kerstin sprachlos staunend mit großen Augen da.
„Das ist so etwas wie unsere Ahnentafel. Andere haben Gemälde, wir haben Skulpturen.“
Kerstin studierte Dragos Gesicht, aber er schien es diesmal wirklich ernst zu meinen.
„Wow†œ, brachte sie gerade noch heraus, als Gunther sie schon an der Hand zupfte.
„Können wir jetzt weiter oder fällst du gleich in Ohnmacht, bei so viel Familiengeschichte?“, dabei zog er sie schon weiter durch die imposante Halle, deren viele verschieden große Türen auf ein weiteres großen Innenleben deuteten. Der Boden war aus schwarzem Marmor, brennende Fackeln an den Wänden sorgten für ein angenehmes Licht.
Dann standen sie vor einer Flügeltür, hinter der ein angeregtes Gemurmel zu hören war. Kerstin atmete noch einmal tief durch, woraufhin Drago und Gunther gleichzeitig ihre Hände drückten, ganz so, als wollten sie ihr Mut machen. Als die Türen sich öffneten verstummte das Gemurmel und Kerstin sah in einen Saal voller Drachen und Menschen.

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„Oha†œ, dachte Kerstin und versuchte nicht ganz so wie ein Fisch an Land zu gucken. Es gelang ihr nur nicht, und Gunther amüsierte sich über ihren Gesichtsausdruck so sehr, dass er laut anfing zu lachen. Er verstummte jäh, als Drago ihn kräftig in den Arm kniff. Alle im Saal drehten sich zu den Ankömmlingen um, und Kerstin sah in viele lächelnde aber auch in skeptisch dreinschauende Gesichter. Das verkleinerte ihr Unbehagen nicht gerade.
Ein Drache in edler, stahlgrauer und mit zarten Stickereien verzierter Robe kam langsam auf sie zu. Sein Hals zierte ein überdimensionales, kostbares Collier und Kerstin wusste sofort, dass das nur Dragos Mutter sein konnte. Sie hätte es nie für möglich gehalten, dass eine so große Gestalt so graziös schreiten konnte. Hinter ihr hielt sich ein Drache mit einem Smoking-Jackett.
„Das wird dann wohl sein Vater sein?†œ, dachte sie als beide Drachen vor ihnen stehen blieben. In ihren Gesichtern zeigte sich keinerlei Regung. Kerstins Pulsschlag hatte sich auf eine ungesunde Höhe beschleunigt. Sie spürte ein Rauschen in ihren Ohren und wünschte sich, dass ihre Schwestern jetzt bei ihr wären. Angie hätte bestimmt einen passenden Spruch auf den Lippen gehabt, um sie ein wenig aufzuheitern und Doc und Lilli hätten ihr Mut gemacht. Aber so stand sie jetzt alleine mit Drago und einem vor Ehrfurcht erstarrtem Gunther auf der ersten Stufe einer wunderschönen Treppe. Diese hatte Kerstin in ihrer Aufregung zuvor noch gar nicht wahrgenommen.
Im Saal war es mucksmäuschenstill. Kerstin bekam sofort einen trockenen Mund. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und ihre Hände fingen an zu schwitzen.
Das, was Kerstin für Dragos Mutter hielt, guckte ihr für den Bruchteil einer Sekunde tief in die Augen und Kerstin erschrak.
Sie konnte die Stimme des Drachen hören und es war ganz bestimmt nicht die Stimme, die Kerstin erwartet hatte.
Sie klang sehr rauchig und tief, fast so, als wenn zu viel Whisky und Zigaretten im Spiel waren. In dem Moment wurde ihr bewusst, dass, wenn sie die Gedanken ihres Gegenübers hörte auch ihr Gegenüber ihre hören konnte. Kerstin wurde knallrot. Da war wieder eins von diesen kleinen hinterlistigen Fettnäpfchen. Dragos Mutter fing laut an zu lachen und zog Kerstin an sich. Auch Dragos Vater lachte. Es war im Gegensatz zu dem Lachen seiner Frau ein ganz normales Männerlachen und erst da begriff auch Drago, dass alles gut war. Kerstin war so überrascht, dass sie am längsten brauchte um zu verstehen, was hier vor sich ging. Noch immer ärgerte sie sich selbst, ihre Gedanken nicht unter Kontrolle gehabt zu haben.
„Meine Liebe, so ein tolles Kompliment hat mir noch niemand gemacht†œ, sagte Dragos Mutter und lächelte ihr aufmunternd zu, „ich danke dir und heiße dich in unserer Familie auf das herzlichste willkommen. Entschuldige bitte, dass ich dich auf die Probe gestellt habe, aber das ist meine Art Menschen kennenzulernen. Ich werde es dir in einer ruhigen Minute noch etwas genauer erklären.“ Kerstins Lächeln als Antwort verunglückte ein wenig, und Gunther schmiss sich auf die Treppe und hielt sich den Bauch vor Lachen.

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Ein ernst drein schauender junger Mann, vielleicht so Mitte zwanzig, kam auf Gunther zu und schaute ihn böse an. Sofort hörte Gunther auf und stand auf. Seine von Lachtränen feuchten Augen, guckten verlegen drein.
„Gunther, ich weiß ja, dass es dir wahnsinnig viel Spaß macht die Leute aufs Korn zu nehmen, aber das hier geht zu weit. Ich möchte, dass du dich bei Kerstin entschuldigst“, sagte der junge Mann. Gunther guckte ihn missmutig, ja sogar ein wenig trotzig an und zog einen leichten Schmollmund. Trotzdem drehte er sich zu Kerstin, verneigte sich ein wenig und murmelte eine Entschuldigung. Der junge Mann räusperte sich kaum hörbar.
„Ach so, ja, also das hier, mit einer Handbewegung zeigte Gunther auf den jungen Mann, „ist George. Er ist mein Freund, Partner und manchmal mein schlechtes Gewissen. Eigentlich für jeden Spaß zu haben, aber heute etwas unpässlich…“ Weiter kam Gunther nicht, weil George ihn in den Schwitzkasten nahm. Nun begann eine wilde Rangelei. Drago verdrehte die Augen und richtete das Wort an seine Eltern.
„Mum, Dad, ich freu mich wieder zuhause zu sein. Und ich danke euch für diesen tollen Empfang. Auch dafür, dass ihr Kerstin von ganzem Herzen in unsere Familie aufnehmt.“ Dragos Mum nahm Kerstins Gesicht vorsichtig in ihre großen Klauen und gab ihr einen für ihre Verhältnisse zärtlichen Kuss auf die Stirn. Das war das erste Mal, dass Kerstin an diesem Abend aufatmen konnte. Es folgte ein großer Begrüßungsmarathon. Dragos Mutter Margret und seinen Vater Alexander kannte sie nun. Jetzt warteten noch Onkel Edwin und Tante Berta, beide in Menschengestalt. Onkel Edwin war der Bruder von Dragos Mutter und eine stattliche Erscheinung. Er trug einen Frack, der ruhig eine Nummer größer hätte sein dürfen. Um seinen Bauch hatte er eine grüne Schärpe gebunden, die alles in Form zu halten versuchte. Seine Frau hatte eine zierliche Figur, aber der Händedruck hätte von einem Holzfäller stammen können. Kerstin versuchte danach unbemerkt ihre Hand auszuschütteln.
Tante Berta trug ein cremeweißes Kleid. Es zierte viele Stickereien in der gleichen Farbe. Ein kleiner Stehkragen und der taillierte Schnitt betonte ihre schlanke Figur. Sie trug ebenfalls eine grüne Schärpe. An ihnen vorbei drängelte sich Cousine Melinda. Ein zartes Wesen mit einem Porzellangesicht. Sie trug ein smaragdfarbenes weit ausgestelltes Samtkleid mit verspielten Rüschen am Dekolleté. Es passte wunderbar zu ihren Augen, die Kerstin überaus arrogant und kühl musterten. Sie schüttelten sich kurz die Hände.
„Okay†œ, dachte Kerstin, „wir werden wohl keine Freundinnen.†œ Melinda drehte sich ohne ein weiteres Wort um und verschwand in der Menge der Gäste.Hilflos schaute Kerstin zu Tante Berta. Diese zuckte aber nur mit den Schultern.
„Melinda wird sich schon wieder beruhigen. Sie ist oft etwas schüchtern.“
„Natürlich, schüchtern†œ, dachte Kerstin und blickte dabei zu Drago. In seinen Gedanken konnte sie hören, dass er sich das Lachen verkniff. Das gab ihr ein klein bisschen Sicherheit. Ihr Blick fiel auf einen kleinen Drachen, der sich hinter einem jungen Mann versteckte. Drago ging auf beide zu und umarmte erst den jungen und dann den kleinen Drachen. Lächelnd drehte er sich zu Kerstin um und stellte ihr die beiden als Carl und Sui vor. Seine Geschwister. In Gedanken teile Drago ihr mit, dass Sui wirklich sehr schüchtern war, und dass er ihr den Grund später erklären wollte. Kerstin nickte ganz leicht und lächelte Sui an. Diese guckte sie mit großen unsicheren Augen an und versuchte es ihrerseits mit einem Lächeln. Ein wenig verkrampft, aber wenigstens ein Anfang.
Nachdem Kerstin die wohl wichtigsten Leute von Dragos Sippe kennengelernt hatte, schwirrte ihr der Kopf. Hoffentlich konnte sie sich die ganzen Namen merken. Um sie ein bisschen abzulenken, nahm Drago ihre Hand und führte sie zur Tanzfläche. Eng an aneinander geschmiegt bewegten sich beide zu der Musik. Drago brach als erster das Schweigen.

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„Ich bin wirklich stolz auf dich. Du hast die Situation mit Bravor gemeistert.“ Ein wenig verlegen schaute Kerstin in Dragos Augen und lächelte. Sie spürte das starke Verlangen mit ihm allein zu sein. Gerade in dem Moment als sie es ihn sagen wollte, unterbrach Gunther ihren Tanz.
„So, jetzt bin ich dran. Ihr habt noch die ganze Nacht.“ Breit grinsend nahm er Kerstins Hand ohne eine Antwort abzuwarten. Auch das leise Knurren von Drago beeindruckte ihn nicht. Seine ganze Aufmerksamkeit galt jetzt nur noch Kerstin. Da es ein langsamer Tanz war, war es Kerstin leicht unangenehm, dass Gunther sie so dicht an sich drückte. Aber ihm war es egal.
„Weißt du eigentlich, dass ich meinen Cousin schon lange nicht mehr so glücklich gesehen habe. Seit, ach keine Ahnung, wie vielen Jahren“, sprach er in ihren Bauch. Da er ihr ja nur bis knapp unter die Brust ging, waren sie bestimmt ein lustiges Paar. Kerstin räusperte sich.
„Er macht mich auch glücklich und ich liebe ihn wie noch niemanden zuvor. Und so langsam fange ich an, seine Familie zu mögen“, sprach sie und wuschelte Gunther durch seine sorgfältig gestylten Haare.
„Hey, mach mir die Friese nicht kaputt. Hast du eigentlich eine Ahnung wie viel Zeit…..“, aber weiter kam er gar nicht. Drago packte ihn unter den Armen und stellte ihn auf die andere Seite der Tanzfläche. Mit einem finsteren Blick zeigte er Gunnar, dass die Zeit um war. Gunther streckte Drago die Zunge raus und warf Kerstin einen Kussmund zu. Dann verschwand er in der Menge.
Es war ein rauschendes Fest auf dem ausgelassen getanzt wurde. Mal modern, mal nach ganz altem Stil, der Kerstin überhaupt nicht vertraut war. Dann wurde zu Tisch gebeten. Das Abendessen war ein Gedicht. Und auch nicht ganz das, was Kerstin erwartet hatte. In einem Nebensaal, den Kerstin zuvor gar nicht bemerkt hatte, war eine riesige Tafel mit erlesenem Porzellan und Silber gedeckt. Die dazu gestellten Wein und Wassergläser funkelten im Einklag mit einem gigantischen Kronleuchter, der über der ganzen Szene hing. Zur Vorspeise gab es drei verschiedene Suppen – eine Krabbensuppe an Kressenschaum, eine Drachensuppe mit viel Chilli und eine Kartoffelsuppe. Letztere war die Leibspeise von Dragos Vater.
Danach gab es einen kleinen gemischten Salat.
Als Hauptgang wurde Spießbraten, Spanferkel und zu Kerstins großem Erstaunen Wiener Schnitzel mit vielen verschiedenen Soßen serviert.
Als Beilage gab es Reis, Kartoffeln, Nudeln, Kroketten und Gratin.
Dazu wurde verschiedenes Gemüse angeboten.
In noch größeres Erstaunen wurde Kerstin versetzt, als sie sah, wie jeder Gast sein Essen selber auf dem Teller anrichtete. Drago erklärte ihr, dass seine Mutter ganz gerne selbst bestimmte, was und wie viel sie aß und deswegen vor vielen Jahren diese Regel aufgestellt hat.
Anfangs stieß die Regel auf Unverständnis bei den anderen Familienmitgliedern. Aber Margret interessierte es nicht. Sie sagte dazu nur:
„Wem es nicht gefällt, braucht ja nicht kommen, dann gibt es weniger zu Spülen“. Als Drago Kerstin das erzählte, leuchteten seine Augen voller Liebe und Wärme zu seinen Eltern. Kerstins Bewunderung und Sympathie für Dragos Eltern wurde immer größer. Als sie ganz kurz zu ihnen hinüberschaute, warfen ihr beide ein freundliches Lächeln zu. Augenblicklich wurde Kerstin rot. Wieder hatte sie vergessen, dass beide ebenfalls Gedanken lesen konnten. Drago fing an zu Lachen und aus Reflex piekste Kerstin ihn mit ihrer Gabel in den Oberschenkel.

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Sie versuchte, finster zu gucken, musste am Ende dann aber doch schmunzeln und beschloss, sich durch ihre eigene Ungeschicktheit nicht den Abend verderben zu lassen.
Als sich das Dinner langsam dem Ende näherte, dachte Kerstin, sie müsste platzen. So viel und so gut hatte sie schon lange nicht mehr gegessen. Aber das Dinner war ja noch nicht vorbei.
Es gab noch Nachtisch und Kerstin wäre am liebsten aus dem Saal geflüchtet.
Als die Dienerschaft mit den kleinen Wägelchen voller süßer Leckereien den Saal betrat, wurde ihr fast übel – aber eben nur fast.
Es gab Schokoladenkuchen mit dicker Schokoglasur, fünfzehn verschiedene Eissorten, wahlweise mit Soße oder mit Sahne, verschiedene Puddingsorten mit oder ohne Obst und den Lieblingskuchen von Kerstin und ihren Schwestern – Käsekuchen. Bei dem Anblick musste sie unweigerlich an Angie, Lilli und Doc denken und fragte sich, ob es ihnen gut ging. Sie nahm sich fest vor, allen so schnell wie möglich eine SMS zu schicken. Sie hatte eigentlich schon viel zu lange nichts mehr von ihnen gehört. Ein leichtes ungutes Gefühl beschlich sie. Drago bemerkte, dass sich Kerstins Stimmung geändert hatte und musterte sie neugierig.
„Nicht jetzt. Später“, teilte sie ihm per Gedankenübertragung mit. Sie wollte die Stimmung am Tisch nicht zerstören.
Nach dem Dessert konnte es Kerstin kaum noch in dem überfüllten Saal aushalten.
Drago schien es genauso zu gehen, denn er machte den Vorschlag, einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Mehr als erleichtert stimmte Kerstin zu. Durch eine kleine Tür gelangten sie in einen schmalen Flur, der zu den Außentüren führte. Draußen war die Luft angenehm klar und warm. Beide atmeten tief durch und genossen die Ruhe, die sie augenblicklich umgab. Der Garten glich einem Park. Umgeben von einigen Statuen, befand sich in der Mitte ein mächtiger Springbrunnen. Die Büsche und Sträucher in der Anlage waren kunstvoll beschnitten und eingerahmt von Blumenrabatten. Als Kerstin zum Nachthimmel sah, erblickte sie unzählige kleine funkelnde Sterne, die ihre Bilder zur Schau stellten. Drago legte zärtlich seinen Arm um ihre Taille, und Kerstin schmiegte sich an ihn. Zärtlich küsste er ihren Hals. Sie genoss die Berührung, da sie allem Anschein nach alleine waren. Sie schaute ihm tief in die Augen.
„Wow, das waren viele neue Eindrücke, die ich da sammeln durfte“, flüsterte sie ihm ins Ohr. Doch Drago war offensichtlich nicht zum Sprechen aufgelegt. Seine Küsse wurden leidenschaftlicher, und Kerstin spürte wieder dieses Prickeln, welches sie immer überkam, wenn sie mit Drago zusammen war. Sie spürte eine Gänsehaut der Erregung auf ihrem Körper. Auch Dragos Erregung war deutlich zu spüren. Leicht neckend biss Kerstin in seine Lippe. Seine Hände glitten an ihrem Rücken entlang. Dann nahm er ihr Gesicht in seine Hände.
„Ich liebe dich“, sagte er mit solcher Inbrunst, dass Kerstin leicht erschauerte.
„Ich liebe dich auch“, hauchte sie zurück.
„Oh, und ich liebe euch beide“, hörten sie plötzlich, und schon kam George hinter einer Hecke hervor. Kerstin und Drago stöhnten gleichzeitig auf.
„Hat man vor dir eigentlich nie seine Ruhe?“, schimpfte Drago. Aber George reagierte darauf nur mit amüsiertem Lächeln.
„Meinst du wirklich, jetzt wo wir Kerstin in unserer Familie haben, könnte ich Ruhe geben? Endlich ist mal jemand da, mit dem ich über Klamotten und Schminke und Gott und Welt ratschen kann. Wir können zusammen Kaffee trinken. Ich weiß ja nicht, wie viel Zeit ich mit ihr verbringen kann, aber ich werde mir jede Minute stehlen, die ich kriegen kann“, gab er trotzig zurück. Kerstin musste bei so vielen ehrlichen Gefühlen schlucken.

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„Ach komm her, du kleine Nervensäge“, sagte sie zu ihm und nahm ihn liebevoll in ihre Arme.
George kuschelte sich an sie und strahlte über das ganze Gesicht.
„Weißt du was, George, ich bin sehr froh, deine Freundin sein zu dürfen.“ Georges Augen wurden groß wie Untertassen. Er quiekte laut auf und schmiss sich sofort wieder in ihre Arme. Drago zuckte nur mit den Schultern und verdrehte die Augen.
„Meinetwegen. Aber nicht 24 Stunden am Tag und schon gar nicht jetzt“, raunzte Drago den kleinen Drachen an. Kerstin lächelte besänftigend, und versprach George, dass sie sich sehr gerne mit ihm am nächsten Morgen zum Frühstück treffen wollte. Sie vereinbarten eine Uhrzeit, und dass George sie von ihrem Zimmer abholen sollte, damit sie sich nicht verlief. George platze fast vor Stolz, doch als er Dragos leichtes Knurren hörte, verstand er die Drohung. Noch einmal schlang er seine kleinen dicken Arme um Kerstin und verschwand ohne Drago eines Blickes zu würdigen. Kerstin sah ihm grinsend nach. Augenblicklich zog Drago sie in seine Arme zurück.
„Dir ist schon klar, dass du George jetzt nicht mehr los wirst? Er wird mehr an dir kleben, als dein eigener Schatten.“
„Sag mal, du bist doch nicht etwa eifersüchtig? Das darf doch nicht wahr sein! Hey, lass ja meinen neuen Freund in Ruhe“, antwortete sie mit gespieltem Ernst. Drago sah sie ungläubig an. Und schon musste Kerstin lachen.
„Mal schauen, ob du in drei Tagen auch noch lachst“, gab er schelmisch zurück. Diese Überlegung hatte Kerstin auch schon beschäftigt, aber das wollte sie im Moment nicht zugegeben.
„Wo haben wir eben aufgehört?“, fragte Drago und bevor Kerstin antworten konnte, küsste er sie. Es war ein sehr langer Kuss voller Begehren. Mühsam löste er sich von ihr.
„Lass uns in unser Zimmer gehen. Noch eine Unterbrechung und ich kann für nichts mehr garantieren“, raunte er in ihr Ohr. Wieder bekam Kerstin eine Gänsehaut.
„Ich möchte auch keine Störung mehr. Können wir irgendwie in unser Zimmer kommen ohne gesehen zu werden?“ Vorfreude blitzte in ihren Augen.
„Hey, ich bin hier aufgewachsen. Ich kenne diese Gemäuer wahrscheinlich besser als seine Erbauer“, gab Drago geheimnisvoll zurück. Er nahm sie an die Hand und führte sie zu einem Rosenbusch. Interessiert beobachtete Kerstin wie Drago das Spalier anfasste und dann nach vorne zog. Sein Grinsen dabei war schon fast spitzbübisch.
„Darf ich bitten, my Lady?“ Mit einer tiefen Verbeugung reichte er ihr die Hand. Dann zog er sie in einen Tunnel, den sie zuvor gar nicht gesehen hatte. Als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte sie das gleiche Mauerwerk wie in der Eingangshalle. Winzige Lichtquellen verliefen auf dem Fußboden. Kerstin umfasste Dragos Hand etwas fester.
„Du brauchst keine Angst zu haben“, sagte er und Kerstin erkannt den leichten Spott in seiner Stimme.
„Hab ich auch gar nicht“, gab sie leicht schnippisch zurück. Drago musste lachen.
„Nein, natürlich nicht. Komm jetzt, sonst zeige ich dir noch hier unten, was ich eigentlich oben alles mit dir machen will.“ Seine Worte klangen wie ein Versprechen und sie hatte das Gefühl, dass der Tunnel nie enden würde. Sie wusste zuletzt nicht mehr, um wie viele Ecken sie gebogen waren, aber sie hatte bemerkt, dass es einen leicht bergauf ging. Endlich gelangten sie an eine Tür.
„Erschreck´ dich jetzt bitte nicht“, sagte Drago und sah sie verschwörerisch an. Das war jetzt nicht sehr beruhigend, aber sie atmete noch einmal tief durch und versuchte sich davor zu wappnen, was da kam. Drago drehte an dem Türknopf und die Tür sprang auf.

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Remake der „Millenium-Trilogie“ mit Rooney Mara und Daniel Craig am 21.12.2011

Literaturverfilmung: Remake der „Millenium-Trilogie“ mit Rooney Mara und Daniel Craig

Die weltweite Premiere für ein US-amerikanisches Remake von Stieg Larssons Millenium-Trilogie, bei dem James Bond-Darsteller Daniel Craig als Mikael Blomkvist agiert, ist für den 21.12.2011 geplant.

Heute gab Sony bekannt, dass die weniger bekannte 24-jährige US-amerikanische Schauspielerin Rooney Mara die Rolle der Lisbeth Salander spielen wird.  Die Dreharbeiten beginnen in einem Monat unter der Regie von David Fincher in Schweden. Aktuell ist geplant, dass die Schauspieler mit schwedischem Akzent sprechen sollen.

Fincher wird „The Girl With The Dragon Tattoo“ (orig. Titel) nach einem Drehbuch von Steve Zaillian und in 3D produzieren. In weiteren Rollen werden Robin Wright als Erika Berger und Stellan Skarsgård als Martin Vanger zu sehen sein.
Gerüchten zufolge soll Max von Sydow als Henrik Vanger agieren.

Dem schwedischen Autor Stieg Larsson gelang 2005 mit seiner †œMillennium-Trilogie“ posthum ein internationaler Mega-Erfolg. Im November 2004 starb der fünfzigjährige Stieg Larsson an den Folgen eines Herzinfarkts. Er konnte den phänomenalen Erfolg seiner Trilogie nicht mehr miterleben. Nach wie vor sind die drei Titel Verblendung, Verdammnis und Vergebung auf den Bestsellerlisten vertreten.

Die Millennium-Trilogie wurde bereits 2008 mit Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth Salander in Schweden verfilmt. Ursprünglich war die Verfilmung als Fernsehproduktion angelegt, schließlich aber in verkürzter Fassung zunächst ins Kino gebracht.

Im Frühjahr 2010 wurde eine verlängerte Fassung der drei Kinofilme an sechs Samstagen im öffentlichen schwedischen Fernsehen SVT1 ausgestrahlt.

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