März 2026: Vor Rehen wird gewarnt von Vicki Baum

Am 07. März 2026 besprechen wir im Lesekreis den Roman Vor Rehen wird gewarnt von Vicki Baum. Wir treffen uns um 20 Uhr bei Karin.

Kurzbeschreibung:Vor Rehen wird gewarnt.“ Diesen Satz, den er einmal in einem Wildpark gelesen hat, kann Rechtsanwalt Watts nur jedem entgegnen, der von der zarten und aufopferungsvollen Ann Ambros spricht. Denn so rehäugig Ann auch durchs Leben geht, so rücksichtslos nimmt sie sich, was sie will. Sie verführt den Mann ihrer Schwester, treibt nicht nur San Francisco, sondern auch Wien zur Verzweiflung, sorgt dafür, dass sie stets das Beste bekommt und dass man ihr noch dankbar ist, wenn man ihr das letzte Hemd schenken darf. Vicki Baum erzählt von einer Frau, der man nicht in die Quere kommen will – und deren Bann man sich doch bis zur letzten Seite nicht entziehen kann.

Der Roman Vor Rehen wird gewarnt von Vicki Baum erschien in der deutschen Übersetzung erstmals im Jahr 1951 (unter anderem bei der Deutschen Hausbücherei und als Lizenzausgabe beim Lesering Das Bertelsmann-Buch). Im Jahr 2020 brachte der Arche Literatur Verlag eine neu übersetzte bzw. wiederentdeckte Ausgabe des Buches heraus. Der Roman umfasst 416 Seiten.

Über die Autorin: Vicki Baum, geboren 1888 in Wien, zählt zu den größten Erzählerinnen der deutschen Literaturgeschichte. Im Berlin der Zwanzigerjahre war sie ein Medienstar – und reflektierte den Rummel doch immer ironisch. Ihr Roman Menschen im Hotel wurde mit Greta Garbo in der Hauptrolle verfilmt. In Deutschland wurden Baums Bücher von den Nazis verbrannt und als jüdische Asphaltliteratur verfemt, weshalb sie 1931 nach Hollywood auswanderte. Im Exil schrieb Vicki Baum nur noch auf Englisch; nach Deutschland oder Österreich kehrte sie nie zurück. Mit Vor Rehen wird gewarnt liegt ihr bester und lange Zeit vergessener Roman endlich wieder vor – und präsentiert Vicki Baum in neuem Licht als literarische Meistererzählerin

Januar 2026: Kalte Füße von Francesca Melandri

Am 24. Januar 2026 besprechen wir im Lesekreis Kalte Füße von Francesca Melandri. Wir treffen uns um 20 Uhr Eli und Ibra.

Kurzbeschreibung: Ein Militärlazarett in Venedig. Desinfektionsmittel, Fieberschweiß, der unerträgliche Gestank von Wundbrand. Der Sohn liegt im hintersten Bett, er schläft. Die Mutter hebt die Decke am unteren Ende an. Zwei Beine, zwei Füße. Eins, zwei, drei, sie zählt die Zehen – bis zum zehnten. Vorsichtig legt sie die Decke zurück: Endlich kann sie in Ohnmacht fallen. Im Winter 1942/43 flohen italienische Soldaten in Schuhen mit Pappsohlen vor der Roten Armee, Zehntausende erfroren. Der Rückzug aus Russland hat sich als Trauma im kollektiven Gedächtnis Italiens eingebrannt – auch in der Familie von Francesca Melandri. Ihr Vater hat ihn überlebt. Doch erst als Anfang 2022 Bilder und Orte des Kriegs in der Ukraine omnipräsent sind, wird ihr klar: Es ist vor allem die Ukraine, in der der Vater gewesen ist. Was hat er dort wirklich erlebt, warum war er überhaupt dort?Francesca Melandris Kalte Füße ist ein berührendes Zwiegespräch mit einem geliebten Menschen: ein unerschrockenes Buch über das, was der Krieg gestern wie heute in Körpern und Köpfen anrichtet, über das Erzählen als Überlebenskunst – und unsere historische Pflicht angesichts des Angriffs auf die Ukraine, die Stille zum Sprechen zu bringen.

Der Roman umfasst 288 Seiten. Er erschien in der deutschen Übersetzung von Esther Hansen im September 2024 im Klaus Wagenbach Verlag.

Über die Autorin: Francesca Melandri, geboren in Rom, gehört zu den beliebtesten italienischen Autorinnen der Gegenwart. Melandri hat sich in Italien zunächst als Autorin von Drehbüchern für Kino- und Fernsehfilme einen Namen gemacht. Mit ihrem ersten Roman Eva schläft wurde sie auch einem breiten deutschsprachigen Lesepublikum bekannt. Ihr zweiter Roman Über Meereshöhe wurde von der italienischen Kritik als Meisterwerk gefeiert. Ihr dritter Roman Alle, außer mir wurde 2018 zum Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels gewählt, erlebte zahlreiche Nachauflagen und stand zehn Wochen lang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Dezember 2025: Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro

Am 06. Dezember 2025 besprechen wir im Lesekreis Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro. Wir treffen uns um 20 Uhr bei Heike und Christian.

Kurzbeschreibung: Klara ist eine künstliche Intelligenz, entwickelt, um Jugendlichen eine Gefährtin zu sein auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Vom Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts aus beobachtet sie genau, was draußen vor sich geht, studiert das Verhalten der Kundinnen und Kunden und hofft, bald von einem jungen Menschen als neue Freundin ausgewählt zu werden. Als sich ihr Wunsch endlich erfüllt und ein Mädchen sie mit nach Hause nimmt, muss sie jedoch bald feststellen, dass sie auf die Versprechen von Menschen nicht allzu viel geben sollte. Klara und die Sonne ist ein beeindruckendes, berührendes Buch und Klara eine unvergessliche Erzählerin, deren Blick auf unsere Welt die fundamentale Frage aufwirft, was es heißt zu lieben.

Der Roman erschien in der deutschen Übersetzung von Barbara Schaden im März 2021 im Karl Blessing Verlag. Er umfassst 352 Seiten.

Über den Autor: Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er später Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller Was vom Tage übrigblieb, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 50 Sprachen übersetzt. Er erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Der Autor lebt in London.

Oktober 2025: Trophäe von Gaea Schoeters

Am 25. Oktober 2025 besprechen wir im Lesekreis den Roman Trophäe von Gaea Schoeters. Wir treffen uns um 20 Uhr bei Tobi.

Kurzbeschreibung: Hunter White, steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger, hatte schon fast alles vor dem Lauf. Endlich bietet ihm sein Freund Van Heeren ein Nashorn zum Abschuss an und damit die Chance, die »Big Five« vollzumachen. Hunter reist nach Afrika, doch dort wird sein Vorhaben jäh von Wilderern durchkreuzt. Er sinnt auf Rache, als ihn Van Heeren fragt, ob er schon einmal von den »Big Six« gehört habe. Ersatzweise könne er ihm eine andere Trophäe zum Abschuss anbieten … Gaea Schoeters? preisgekrönter Roman ist von einer außerordentlichen erzählerischen Wucht. Die Tiefenschärfe, mit der sie die Geräusche und Gerüche der Natur beschreibt, lässt einen sinnlich erleben, was einen moralisch an die Grenzen zwischen Richtig und Falsch führt.

Der Roman Trophäe von Gaea Schoeters umfasst 252 Seiten und erschien im niederländischen Original unter dem Titel Trofee im Jahr 2020. Die deutsche Übersetzung von Lisa Mensing wurde am 19. Februar 2024 beim Paul Zsolnay Verlag veröffentlicht.

Über die Autorin: Gaea Schoeters, geboren 1976, ist eine flämische Autorin, Journalistin, Librettistin und Drehbuchautorin. 2012 hat sie den Großen Preis Jan Wauters für ihren kreativen Umgang mit Sprache gewonnen. Für Trophäe wurde sie mit dem Literaturpreis Sabam for Culture ausgezeichnet und war für den EU-Literaturpreis nominiert. Der Roman wurde auch von der deutschen Presse begeistert aufgenommen.

Oktober 2025: Kleine Probleme von Nele Pollatschek

Am 04. Oktober 2025 besprechen wir im Lesekreis Kleine Probleme von Nele Pollatschek. Wir treffen uns um 20 Uhr bei Rainer und Gerlinde.

Kurzbeschreibung: 31. Dezember. Steuererklärung, Wohnung putzen, Bett für die Tochter zusammenschrauben, Lebenswerk schreiben, mit dem Rauchen aufhören – eigentlich wollte Lars, neunundvierzigjähriger Vieldenker und angehender Schriftsteller, die Lücke zwischen den Jahren dafür nutzen, endlich alles zu erledigen, was in den letzten Dekaden so auf der Strecke geblieben ist. Das neue Jahr, so der Plan, soll in einem aufgeräumten Leben beginnen. Der Zeitpunkt dafür schien perfekt: Frau und Kinder sind unterwegs. Keiner da, der stören könnte.

Doch die Woche, in der noch alles zu schaffen gewesen wäre – plötzlich ist sie aufgebraucht. Der letzte Tag des Jahres ist angebrochen, das Haus ist immer noch chaotisch. Als Lars den ersten Punkt seiner To-do-Liste ansteuert, fühlt es sich an, als müsse er nicht nur sich selbst, sondern eine ganze Welt neu erfinden.

Der Roman erschien im September 2023 bei Galiani Berlin. Er umfasst 208 Seiten.

Über die Autorin: Nele Pollatschek, 1988 in Berlin geboren, hat Englische Literatur und Philosophie in Heidelberg, Cambridge und Oxford studiert und wurde darin 2018 promoviert. Für ihren Debütroman Das Unglück anderer Leute (2016) erhielt sie den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis (2017) und den Grimmelshausen-Förderpreis (2019). Es folgte das Sachbuch Dear Oxbridge. Liebesbrief an England (2020). 2023 erschien ihr Roman Kleine Probleme, der ein Bestseller wurde. Nele Pollatschek schreibt für DIE ZEIT, sie wurde Kulturjournalistin des Jahres (2023, 2024), erhielt den Deutschen Reporterpreis (2022) sowie den Förderpreis für Komische Literatur (2024).