Münchner BücherFrauen: Auf Spurensuche der Lena Christ in Glonn

Lena ChristDie bayerische Schriftstellerin Lena Christ wurde am 30. Oktober 1881 in Glonn als außereheliches Kind der Köchin Magdalena Pichler geboren und zählt zu den berühmtesten Töchtern dieser idyllisch gelegenen oberbayerischen Kleinstadt. Hier verbrachte Lena Christ bis zu ihrem 7. Lebensjahr nach eigenen Angaben die glücklichste Zeit ihres Lebens bei ihrem Großvater mütterlicherseits, Mathias Pichler, und seiner Frau Magdalena im Glonner Hansschusterhaus.

Im Jahr 1888 holte ihre Mutter, die inzwischen den Metzgergesellen Josef Isaak geheiratet und mit ihm eine Gaststätte eröffnet hatte, Lena nach München. Damit begann für sie ein häusliches Martyrium. Sie musste Schwerstarbeit leisten und wurde von ihrer Mutter misshandelt.

Immer wieder suchte Lena Zuflucht bei ihrer Großmutter in Glonn. Die meisten ihrer Werke sind in dieser Landschaft angesiedelt. In „Erinnerungen einer Überflüssigen“ (1912), „Lausdirndlgeschichten“ (1913) oder „Die Rumplhanni“ (1916) verarbeitete sie ihre eigenen Beobachtungen und Erlebnisse, die einen tiefen Einblick in das ärmliche Leben der Arbeiterklasse, der Dienstboten und der Landbevölkerung Anfang des 20. Jahrhunderts geben.

Am 24. Mai 2014 organisierten die Münchner BücherFrauen einen literarischen Spaziergang in Glonn, der durch Lena Christs Kindheit und zu Schauplätzen ihrer Werke führte. Gunna Wendt, Verfasserin der Biografie „Lena Christ. Die Glückssucherin.“ (erschienen bei LangenMüller im Juni 2012) und Kuratorin der gleichnamigen Ausstellung (2012/2013) in der Monacensia, berichtete vom Leben und Werk der außergewöhnlichen bayerischen Schriftstellerin. Unterstützung erhielt sie von dem Ortschronist Hans Obermair, der anlässlich des 125. Geburtstags der Schriftstellerin eine umfangreiche Dokumentation über „Lena Christ und Glonn †“ Glonn und Lena Christ †“ Herkunft und Wurzeln“ verfasste.

Nachfolgend ein Foto-Streiflicht über verschiedene Schauplätze und Stationen des literarischen Spaziergangs in Glonn:

Lena Christ_Treffpunkt vor dem Glonner Rathaus
Treffpunkt vor dem Glonner Rathaus
Lena Christ_Büste am Rathaus in Glonn
Lena Christ, Büste am Rathaus in Glonn
Lena Christ_Einführung im Glonner Heimatmuseum
Einführung im Heimatmuseum Glonn
Chronist Hans Obermair
Chronist Hans Obermair
Lena Christ_ Autorin und Publizistin Gunna Wendt
Autorin und Publizistin Gunna Wendt
Lena Christ_Stube im Heimatmuseum Glonn
Lena Christs „Stube“ im Heimatmuseum Glonn
Lena Christ_Schrank mit diversen Gegenständen
Schrank mit einigen persönlichen Gegenständen von Lena Christ
Lena Christ_ Fotografien
Fotografien
Lena Christ_Zur Erinnerung
Zur Erinnerung an Lena Christ
Lena Christ_Geburtshaus
Foto von Lena Christs Geburtshaus
Lena Christ_Heimatmuseum Glonn
Heimatmuseum Glonn
Lena Christ_vor der Glonner Kirche
Vor der Glonner Kirche
Lena Christ_Türgriff Glonner Kirche
Türklinke der Glonner Kirche
Lena Christ_Taufstein
Lena Christ wurde in diesem Taufstein 1881 getauft
Lena Christ_Katholische Kirche in Glonn
Katholische Kirche in Glonn
Lena Christ_Gunna Wendt
Gunna Wendt
Lena Christ_Katholische Kirche, Glonn
Ein Blick auf die katholische Kirche in Glonn
Lena Christ_BücherFrauen & Co in der Lena-Christ-Str.
BücherFrauen & Anhang in der Lena-Christ-Straße in Glonn
Lena Christ_Station Neuwirt mit Lena-Christ-Stube
Gaststätte Neuwirt mit Lena-Christ-Stube in Glonn
Lena Christ_Grundstück auf dem das Geburtshaus stand
Auf diesem Grundstück stand 1881 Lena Christs Geburtshaus
Lena Christ_Gedenktafel
Gedenktafel Lena Christ
Lena Christ_Gedenktafel am Geburtshaus in Glonn
Gedenktafel am Geburtshaus in Glonn
Lena Christ_Landschaft hinter dem Geburtshaus
Ein Blick auf die Landschaft hinter dem Geburtshaus

Die Veranstaltung war eine wunderbare Gelegenheit, sich dem Leben der Schriftstellerin Lena Christ vor Ort zu nähern. Vielen Dank an Gunna Wendt und Hans Obermair für die kompetente, informative und freundliche Führung sowie an die BücherFrauen Gerlinde Moorkamp und Karen Gerwig für die gelungene Organisation.

Moonbow 1: Auge um Auge von Stephanie Madea [Rezension]

Moonbow 1View wird in jungen Jahren ihre angeborene besondere Gabe zum Verhängnis. Sie kann nur durch bloßen Blickkontakt andere Menschen erblinden lassen. Gefangen in einem geheimen Labor eines machtgierigen Mannes wächst sie, zahlreichen Tests und Forschungen ausgesetzt, ohne Kontakt zur Außenwelt zu einer jungen Frau heran.
Als ihr plötzlich die Flucht mit Hilfe eines jungen Mannes gelingt, wird ihr langsam klar, was eigentlich in diesem Labor mit ihr passiert ist. Und sie war dort nicht allein…

Junge Menschen, fast noch Kinder, mit besonderen Fähigkeiten verschwinden einfach spurlos. Unheimliches geschieht seit einiger Zeit in der Welt, eine Epidemie ungeahnten Ausmaßes bedroht die Menschheit. In dieser Zeit treffen Zachary, genannt Zac, und View in einem geheimen Labor zufällig aufeinander. Er überredet sie zur gemeinsamen Flucht.

Views Angst, jemanden mit ihrer Gabe zu verletzten, ist tief in ihr verwurzelt. Daher ist es besonders erstaunlich, dass ihre selbst auferlegte Blindheit sie nicht auf der Flucht einschränkt. Unter Zacs Führung und mit ihren hervorragend geschärften Sinnen ist es ihnen möglich ihren Verfolgern immer wieder einen winzigen Schritt voraus zu sein. Obwohl sie ihn nie gesehen hat, wächst in ihr eine innige Zuneigung zu Zac, der ihr auf der Suche nach seinem Vater behutsam die wahren Ausmaße ihres manipulierten Lebens verdeutlicht. Es ist wie das langsame Erwachen aus einem Jahre andauernden Winterschlaf. Ihre Naivität in manchen Dingen ist durchaus nachvollziehbar, da sie die ganze Zeit über in diesem Labor überwacht, ihre wahre Identität und Vergangenheit, sogar ihr richtiger Name mit allen Mitteln im Dunkeln gehalten wurde. Erst Steven, Zacs Vater, öffnet ihr im wahrsten Sinne des Wortes die Augen.

Der Leser fiebert unwillkürlich ebenso mit den Personen mit, die auf der Suche nach den geliebten Menschen sind, die scheinbar spurlos vom Erdboden verschwunden sind. Auch wenn die Personen und ihre Wege noch so verschieden sind, eines haben sie gemeinsam: Sie geben die Hoffnung nie auf und lassen sich auch durch kleine Rückschläge nicht beirren.

Mit diesem Buch überrascht Stephanie Madea uns mit einigen unterschwellig apokalyptischen Segmenten. Verschiedene Erzählstränge laufen in diesem Roman wie lose Fäden nebeneinander her um sich doch immer mehr im Lauf der Geschichte anzunähern. Die Protagonisten sind sympathisch und haben trotz einiger Eigenarten das Herz auf dem rechten Fleck. Ihre Mitstreiter stehen ihnen als faszinierende Persönlichkeiten in nichts nach, ob nun im Guten oder Bösen. Skrupellose Wissenschaftler, dubiose Machenschaften eines einzelnen Mannes und ein kaltblütiger Auftragskiller sorgen zusätzlich für einen echten Gänsehauteffekt.

Der fesselnde, flüssige Schreibstil der Autorin saugt jeden ohne Gnade in diese Geschichte ein, so dass man schnell die Zeit vergisst und nur kurz auftaucht um verwundert festzustellen, dass es mal wieder anders gekommen ist als erwartet. Auch die mystischen Elemente geben diesem Roman eine faszinierende Würze. Verblüffende Wendungen gehen Hand in Hand mit spannenden Sequenzen und zu Herzen gehenden Momenten, besonders die Überraschungen, die den Lauf der Geschichte prägen und auf ein famoses Final hindeuten, haben mir persönlich sehr gut gefallen.

Mit Spannung erwarte ich nun den 2. und letzten Teil der Dilogie, der hoffentlich die letzten losen Enden miteinander verknüpft und noch einige Überraschungen parat hat. Aber ich bin mir sicher, dass mich Stephanie Madea auch diesmal nicht enttäuschen wird und ein grandioses Finale für diese außergewöhnliche Geschichte vorgesehen hat.

Der Lesekreis bedankt sich ganz herzlich bei Angie für diese schöne Buchbesprechung!

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 20. Dezember 2013 bei bookshouse (323 Seiten)
Menschen erblinden, wenn View ihnen in die Augen blickt. Ein Schock, als sich herausstellt, dass sie fortan zur Sicherheit aller isoliert in einem Hochsicherheitslabor leben muss †“ bis zu einer Begegnung, die nicht hätte sein dürfen. Zachary Veil zeigt ihr mit grausamer Gewissheit, dass ihr Leben eine einzige Lüge ist.

Zac und View fliehen und es folgen weitere bittere Erkenntnisse: Die Welt hat sich seit Beginn ihrer Behandlung verändert. Die Menschheit verliert das Augenlicht, eine Prophezeiung scheint sich zu bewahrheiten und View weiß nicht, ob sie ihrem einzigen Verbündeten Zac vertrauen darf. Ihre Gefühle sprechen für ihn, aber irgendetwas verbirgt er vor ihr. Ist er der Richtige im Kampf gegen ihre skrupellosen Verfolger?

Über die Autorin
Stephanie Madea erblickte 1977 in Norddeutschland das Licht der Welt. Nach drei staatlichen Abschlüssen, mehrjähriger und vielfältiger Berufstätigkeit im In- und Ausland startete sie im kreativen Bereich ihre Selbstständigkeit und erfüllte sich damit ihren lang gehegten Traum. Seit 2007 lebt sie mit ihrem Lebensgefährten und ihren vier Katzen in einem kleinen Bergdorf auf Zypern und arbeitet neben ihrem Hauptberuf als freie Schriftstellerin. Stephanie Madea schreibt mit Herzblut Paranormal Romance-Serien und Romantic Thrill-Romane.

Mehr unter: www.stephanie-madea.com

Mai 2014: Erst grau dann weiß dann blau von Margriet de Moor

Erst grau dann weiß dann blauAm 03. Mai 2014 besprechen wir im Lesekreis „Erst grau dann weiß dann blau“ der niederländischen Autorin Margriet de Moor. Wir treffen uns um 21 Uhr bei Elisabeth und Ibrahim.

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 1991 im Hanser Verlag (280 Seiten). Originaltitel: Eerst Grijy dan wit dan blauw
Eines Tages ist Magda verschwunden, weggefahren, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Nach zwei Jahren steht sie plötzlich wieder in der Küche – als sei nichts gewesen. Robert, ihr Mann, bedrängt sie mit Fragen: Wo warst du, was hast du gemacht? Er bekommt nie eine Antwort, Magda entzieht sich ihm, sie verheimlicht ihr Leben, bis er es eines Tages nicht mehr aushält …

Ein Roman über die Unfähigkeit zur Freiheit, von der Liebe und von dem, was ein Leben ausmachen könnte.

Über die Autorin
Margriet de Moor, geboren 1941 in Noordwijk, studierte in Den Haag Gesang und Klavier. Nach einer Karriere als Sängerin, vor allem mit Liedern des 20. Jahrhunderts, studierte sie in Amsterdam Kunstgeschichte und Architektur. Sie veröffentlichte zunächst die Erzählungsbände „Rückenansicht“ und „Doppelportrait„. Schon ihr erster Roman „Erst grau, dann weiß, dann blau“ wurde ein sensationeller Erfolg, in alle Weltsprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet.

Literaturverfilmung: Gone Girl – Das perfekte Opfer ab 2. Oktober 2014 im Kino

Gone GirlUnter dem Titel „Gone Girl“ erschien der zeitgenössische Thriller der US-amerikanischen Schriftstellerin Gillian Flynn im Juni 2012 und führte schon kurze Zeit später für mehrere Wochen die Bestsellerliste der New York Times an. Noch im selben Jahr brachte der Fischer Scherz-Verlag die deutschsprachige Übersetzung unter dem Titel „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ in den Handel.

Die Spannung des Romans entwickelt die Autorin über die Unsicherheit beim Leser, ob die Hauptfigur Nick Dunne seine Frau Amy Dunne getötet hat oder nicht. In mehreren Interviews sagte Flynn, dass sie Interesse an der Erforschung der Psychologie und Dynamik einer langfristigen Beziehung hatte. Bei der Darstellung ihrer Hauptfiguren, die arbeitslose Journalisten sind, nutzte sie ihre eigenen Erfahrungen, die sie bei ihrer Tätigkeit für die US-amerikanische Zeitschrift Entertainment Weekly gesammelt hatte. Viele Rezensenten lobten die Art und Weise ihres „unzuverlässigen“ Erzählstils mit zahllosen völlig unterwarteten Wendungen. „Brillant und teuflisch gut inszeniert Gillian Flynn dieses Ehe-Psychospiel, diesen Blick in die Abgründe der Zweisamkeit„, urteilte Monika Schärer vom Schweizer Rundfunk.

David Fincher übernahm die Verfilmung von Gone Girl für die 20th Century Fox Film Corporation. Am 2. Oktober 2014 startet der Thriller bundesweit in den deutschen Kinos mit Ben Affleck und Rosamund Pike in den Hauptrollen.

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 19. August 2013 im Fischer Scherz-Verlag (592 Seiten)
Was denkst du gerade, Amy?“ Diese Frage habe ich ihr oft während unserer Ehe gestellt. Ich glaube, das fragt man sich immer wieder: Was denkst du? Wie geht es dir? Wer bist du? Wie gut kennt man eigentlich den Menschen, den man liebt?
Genau diese Fragen stellt sich Nick Dunne am Morgen seines fünften Hochzeitstages, dem Morgen, an dem seine Frau Amy spurlos verschwindet. Die Polizei verdächtigt sogleich Nick. Amys Freunde berichten, dass sie Angst vor ihm hatte. Er schwört, dass das nicht wahr ist. In seinem Computer findet die Polizei merkwürdige Hinweise. Er erhält sonderbare Anrufe. Was geschah mit Nicks wunderbarer Frau Amy?

Preis der Leipziger Buchmesse 2014: Die Preisverleihung im Überblick

Pünktlich um 16 Uhr eröffnete Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, den feierlichen Akt der Preisverleihung. Der Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2003 in den Kategorien Sachbuch/Essayistik, Übersetzung und Belletristik verliehen. Er ist mit jeweils 15.000 Euro dotiert. In diesem Jahr reichten 136 Verlage insgesamt 410 Titel ein, die im Zeitraum bis zur Leipziger Buchmesse 2014 erschienen waren.

Leipziger Buchmesse 2014_Oliver Zille
Oliver Zille

Die siebenköpfige Jury nominierte jeweils fünf Autorinnen und Autoren und Übersetzerinnen und Übersetzer in den drei Kategorien unter der Leitung von Journalist und Literaturkritiker Hubert Winkels.

Leipziger Buchmesse 2014_Jury
Jury, Leipziger Buchpreis 2014
Leipziger Buchmesse 2014_Hubert Winkels
Hubert Winkels

Robin Detje erhielt die begehrte Auszeichnung für seine Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von William T. Vollmanns „Europe Central„. Robin Detje holte die Vielstimmigkeit von Vollmanns großem Roman über Revolution, Krieg und Terror im 20. Jahrhundert ins Deutsche, urteilte die Jury.

Leipziger Buchmesse 2014_Robin Detje
Robin Detje

Ein glücklicher Helmut Lethen nahm die Auszeichnung in der Kategorie Sachbuch/Essayistik für „Der Schatten des Fotografen“ entgegen. Kunstinstallationen und Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg, Technik und Theorie der Fotografie, Erinnerungen an die eigene Kindheit verwebte laut Jury Helmut Lethen zu einem ebenso nachdenklichen wie eleganten Essay.

Leipziger Buchmesse 2014_Helmut Lethen
Helmut Lethen

Mit „Vor dem Fest„, erschienen am 10. März 2014 im Luchterhand Literaturverlag, gewann SaŠ¡a StaniŠ¡ic den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik. Ein Dorf in der Uckermark, voller Gegenwart, voller Legenden. In Vor dem Fest erzählt dieses Dorf sich selbst †“ ein Roman als furioser Chorgesang in Prosa, begründete die Jury ihre Wahl.

Leipziger Buchmesse 2014_SasÌŒa StanisÌŒic
SasÌŒa StanisÌŒic
Leipziger Buchmesse 2014_Gewinner Leipziger Buchpreis
SaСa StaniСić, Robin Detje, Helmut Lethen

Nach der Preisvergabe wurde gefeiert. Neben Sekt und Brezen spendierte die Leipziger Buchmesse anlässlich der 10. Buchpreisverleihung eine ausgesprochen leckere Torte in Buchform.

Leipziger Buchmesse 2014_Jubiläumskuchen