Festival Litcologne - Programm

Vom 10. bis 20. März 2010 steht Köln wieder ganz im Zeichen der Literatur:

An elf Festivaltagen wartet das größte Literaturfest Europas mit insgesamt 175 Veranstaltungen auf. Das Programm der lit.COLOGNE stellt international renommierte Autoren vor, lädt zu großen Themenabenden ein, präsentiert besondere Begegnungen von Autoren mit Journalisten, Schauspielern, Film- und Theater¬schaffenden, Philosophen, Musikern, Komikern, Sportlern und Künstlern.

Erstklassige internationale und deutschsprachige Autoren wie zum Beispiel Herta Müller, Nick Hornby, Siegfried Lenz, Martin Suter, Martin Walser, Javier Marías, Ulla Hahn, Margaret Atwood, Håkan Nesser, Roger Willemsen, Alissa Walser, Maarten t’Hart, Diana Gabaldon, Ferdinand von Schirach, Frank Schätzing, Henning Mankell und viele mehr werden bei der lit.COLOGNE 2010 lesen, diskutieren, erzählen und damit Literatur erlebbar machen.

Die lit.kid.COLOGNE: Für Kinder und Jugendliche bietet die lit.kid.COLOGNE – maßgeblich gefördert durch die Imhoff-Stiftung – insgesamt 71 Veranstaltungen an: vormittags im so genannten „Klasse-Buch“-Programm, welches mittlerweile 37 Veranstaltungen fasst und sich an Schulklassen richtet und am Nachmittag für Kinder ab fünf Jahren.

Heute startete der Kartenvorverkauf für das Kölner Literaturfestival 2010.

Das komplette Programm und Karten für alle Veranstaltungen erhalten Sie über unsere Homepage unter litcologne.de oder über KölnTicket unter 0221-2801.

lust-an-sichlead

Bei der Veranstaltung der LitCologne am 14.03. im Kölner Theater am Tanzbrunnen beschränkte sich die Lust an sich zunächst darauf, Hannelore Hoger und Richy Müller auf der Bühne zu erleben. Wahrscheinlich wusste niemand im Publikum der ausverkauften Veranstaltung so genau, was ihn erwarten würde. Es war zumindest keine Lesung im herkömmlichen Sinne, aber ein Event der besonderen Art.

Andreas Platthaus, Feuilleton-Redakteur der FAZ, führte souverän durch den Abend und spielte den ernsthaften Moralisten, wenn er Hannelore Hoger und Richy Müller abwechselnd aufforderte Texte zum Thema Onanie zum Besten zu geben.
masturaption_vornematuraption_hinten

Die historische Reise begann mit Diogenes und endete mit John Harvey Kellogg (Kellogs-Frühstücksflocken), der noch im 20. Jahrhundert gegen das Übel der Masturbation folgendes empfahl:

„Ein Mittel gegen Masturbation, welches bei kleinen Jungen fast immer erfolgreich ist, ist die Beschneidung. Die Operation sollte von einem Arzt ohne Betäubung durchgeführt werden, weil der kurze Schmerz einen heilsamen Effekt hat, besonders, wenn er mit Gedanken an Strafe in Verbindung gebracht wird. Bei Mädchen ist die Behandlung der Klitoris mit unverdünnter Karbolsäure hervorragend geeignet, die unnatürliche Erregung zu mindern.“

Auch wenn bei derartigen Passagen so manches Mal das Lachen im Halse stecken blieb, überwog eindeutig der Humor wegen der Absurdität dieses Feldzugs unserer Vorfahren im 18. und 19. Jahrhundert gegen die Masturbation. Die römisch-katholische Kirche betrachtete sie als Sünde, Wissenschaftler machten sie für Gehirnerweichung, Rückenmarksschwund, Krebs, Wahnsinn oder Lepra verantwortlich.

Christian Gotthilf Salzmann (1744 – 1811), Leiter des Philanthropinums in Schnepfenthal, erstellte eine Liste mit

acht Signalen, die ein Leben retten können:

1. Die ehemals gesunde Gesichtsfarbe wird leichenblass.
2. Die Muskeln werden schlaff.
3. Die Haut um die Augen färbt sich auffallend braunrot bis schwärzlich, die Augen selbst wirken eingesunken, blicken trüb und scheu.
4. Die Lippen wirken blutleer und fahl.
5. Alle Bewegungen des Gesichts geschehen mühsam.
6. Der Betroffene ist leicht reizbar, neigt zu übler Laune und Zorn, nimmt leichter als gewöhnlich übel.
7. Im Schlaf wird man, besonders an den betreffenden Teilen, auch manches wahrnehmen können, vor allem des Morgens.
8. Auch das allzuhäufige Urinlassen ist verdächtig, so wie das Verunreinigen des Bettes damit.

hoger-muller1

Es war ein sehr interessanter, kurzweiliger und humorvoller Abend dank der brillanten Hannelore Hoger, dem charmanten Richy Müller und dem großartigen Andreas Platthaus. Und natürlich war es ein zutiefst menschlicher Abend, abgerundet durch die Schlussworte von Hannelore Hoger:

Lieben Sie sich selbst! 😉