Der Parfümeur Geza Schön hat in enger Zusammenarbeit mit Gerhard Steidl und dem Wallpaper* Magazine ein Parfum konzipiert, das an „die besondere Geruchsmischung von Papier und Tinte, die uns beim ersten Aufschlagen eines schönen Buches gefangen nimmt“, erinnern soll.

Wie der Steidl Verlag mitteilt, ließ sich Geza Schön für Paper Passion in der Steidl Druckerei inspirieren, nahm unzählige Papiermuster zur Hand und roch immer wieder an Druckerfarbe – alles um einen Duft zu entwickeln, der dem Papier gerecht wird, dem Menschen schmeichelt und mit dem Verstreichen der Zeit nicht an Wert verliert, sondern reift wie ein gutes Buch. Siebzehn Anläufe brauchte es bis zur Perfektion: der ausgewogenen Mischung aus Papier und Parfüm-Ästhetik.

Ganz neu ist die Idee nicht. Der US-Amerikaner Christopher Brosius entwickelte schon im Jahr 2010 „In the Library“, einen Duft, der nach einem bestimmten englischen Roman aus dem Jahr 1927, nach Bibliothek, einer Mischung aus russisch und marokkanischen Lederbindungen und einem Hauch von Holzpolitur riecht.

Paper Passion ist aufgrund der Verpackung, die Karl Lagerfeld gestaltete und wie ein Buch mit edlem Leineneinband aussieht, 32 bedruckten Seiten mit englischen Texten von Günter Grass, Karl Lagerfeld, Geza Schön und Tomy Chambers, Chefredakteur des Wallpaper* Magazines, eher eine Hommage an die luxuriöse Sinnlichkeit des Buches.

Immerhin kosten Parfüm-Flakon und Verpackung 88 Euro bzw. bei Amazon 84 Euro. Dennoch frage ich mich, wie ein „schönes Buch“ duftet und woher der Parfümeuer weiß, welches Buch ich „schön“ finde und was meine Umwelt davon hält, wenn ich wie ein Buch rieche. Aber das werde ich auf jeden Fall herausfinden und mich zumindest auf die Suche nach einer Duftprobe machen und wer weiß… vielleicht ist es wirklich ein schönes Geschenk „for Booklovers“. 😉

Quellen: Jörn von Eliterator.blog.de, Steidl Verlag

In The Library – der Duft nach Büchern und Bibliotheken von CB

Der US-Amerikaner Christopher Brosius entwickelt Düfte und verkauft seine Kreationen unter dem Firmennamen CB I Hate Perfume. Wer sich für seine Produkte interessiert, muss sich in seinen Laden in das Industriegebiet von Brooklyn begeben oder sie im Internet bestellen.

Christopher Brosius kreiert ganz ungewöhnliche Düfte und verzichtet komplett auf synthetische Zusätze. Seine Abneigung gegen Parfüm, das in einem allgemein üblichen Herstellungsverfahren produziert wird, verkündet er in seinem Firmenlogo.  Nach seiner Ansicht lösen viele Düfte Aggressionen aus und werden oftmals sowohl von Frauen als auch Männern viel zu stark aufgetragen. Brosius will mit seinen Düften Geschichten erzählen und Erinnerungen wecken. So verströmen aus seinen Fläschchen mit der Aufschrift „At the Beach 1966“ eine frische Meeresbrise, aus „Memory of Kindness“ der Geruch nach Erde und Tomaten oder moosiger Boden und nasses Laub aus „Wild Hunt„.
In seiner „Erlebnis-Serie“ finden sich Kreationen, die ein ganz besonderes Gefühl für einen bestimmten Ort oder eine Erfahrung auslösen sollen. Alle Düfte hat Christopher Brosius in seiner Heimat entworfen. Namen wie Walking In The Air (der Duft von frisch gefallenem Schnee), The Fir Tree (Tanne mit einem Hauch von gefrorener Erde), In The Summer Kitchen (frisches Gemüse und Kräuter aus dem Garten an einem klaren Sommerabend mit einem Touch von altem, gelagertem Holz) oder Burning Leaves (Rauch von brennenden Ahornblättern) stehen auf den schlichten Glasbehältern.

In The Library“ ist seine neueste Kreation. Inspiriert durch seine Sammelleidenschaft für antiquarische Bücher hat Brosius einen Duft entwickelt, der laut seiner Beschreibung nach einem bestimmten englischen Roman aus dem Jahr 1927, nach Bibliothek, einer Mischung aus russisch und marokkanischen Lederbindungen und einem Hauch von Holzpolitur riecht. Wie zu all seinen anderen Produkten hat der Parfümeur auch zu „In The Library“ eine ganz persönliche und ausführliche Geschichte darüber auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Vor vielen Jahren begann er seine Jagd auf die Erstausgaben seiner Lieblingsautoren. Immer wenn er liest, atmet er beim Öffnen des jeweiligen Buches tief ein. „Es gibt nur wenige Dinge, die besser sind als der Geruch eines geliebten Buches„, sagt Brosius. Der Geruch von neu gedruckten Büchern unterscheidet sich sehr stark von alten. Ältere Bücher riechen reifer und oft süßer. Illustrierte Bücher unterscheiden sich im Geruch stark von Büchern ohne Bilder. Bücher aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Epochen haben sehr individuelle Düfte und verraten viel über den Zeitpunkt ihrer Entstehung. Brosius sagt weiter, dass er  unterscheiden kann, ob ein Buch vernachlässigt oder gut aufbewahrt wurde. Er kann sagen, ob ein Buch in einer Bibliothek, in der Pfeifentabak oder Zigarren geraucht wurden, gestanden hat.  Bücher aus Kalifornien riechen anders als Bücher aus New York, London oder Paris. Auch die Düfte der verschiedenen Bindungen nach Leim, Leder,  Stoff oder Papier haben einzigartige Eigenschaften und würzen jedes Buch mit einer Prise Persönlichkeit. Manchmal erkennt Brosius an einem Buch auch einem Hauch von Schimmel. Das stört ihn aber nicht im geringsten, denn, wenn er es in Händen hält, bedeutet es, dass dieses Buch die Zeit überlebt hat.

Ihm ist klar, dass für viele Leseratten diese verschiedenen Gerüche nicht von Bedeutung sind, für ihn sind sie so zauberhaft wie das Bouquet eines vorzüglichen Weins. Nach Spannung, Abenteuer, Entdeckung, Aufklärung und Wissen duften Bücher und  Bibliotheken, und das alles hat Christopher Brosius in seine Parfümfläschchen mit der Aufschrift „In The Library“ gepackt.

Das behauptet er zumindest. Ich gebe zu, dass ich mich gerne davon überzeugen würde. Mehr aber auch nicht, denn wer möchte wirklich nach alten Büchern und Bibliotheken riechen. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass der Geruch nach Moos, verbrannten Blättern oder Sommergemüse wirklich attraktiv ist. Und wie riecht frisch gefallener Schnee?

Trotzdem scheint Brosius Erfolg mit seinen ungewöhnlichen Düften zu haben. 15 ml Parfüm „In The Library“ kosten immerhin 65 $ und 150 ml Raumspray sind für 45 $ zu haben.