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Der schönste erste Satz von William T. Vollmann

16. Juli 2007 | Von | Kategorie: Bücher, Der schönste erste Satz

Wir alle kennen die Geschichte von der Hure, die, weil sich ihr China White als ein immer unzuverlässigerer Freund erwies, egal, wieviel davon sie auch injizierte, sich völlig verzweifelt die Wendung „die Scheiße schießen“ ins Gedächtnis rief und also die Nadel mit ihrem eigenen wäßrigen Exkrement füllte und sich dieses in den Arm pumpte, was prachtvolle Abszesse hervorbrachte.

Huren für Gloria von William T. Vollmann

William T. VollmannWilliam Tanner Vollmann, geboren am 28. Juli 1959 in Los Angeles, Kalifornien, ist ein amerikanischer Romancier, Journalist, Autor von Kurzgeschichten und Essayist.
Vollmann studierte am Deep Springs College und erwarb einen Bachelor in Komparatistik an der Cornell University.

Als Vollmann seinen ersten Roman You Bright and Risen Angels schrieb, arbeitete er als Computerprogrammierer. Während der sowjetischen Invasion in Afghanistan reiste er nach Afghanistan und schrieb über diese Erfahrung in An Afghanistan Picture Show, oder, How I Saved the World. Er publizierte Texte über das Reisen in der Zeitschrift Spin Magazine wie auch in The New Yorker und schreibt manchmal für die New York Times Book Review.

Nach vielen Verzögerungen erschien Anfang 2004 bei McSweeneys Rising Up and Rising Down, eine 3.300 Seiten lange, sieben bändige illustrierte Abhandlung über Gewalt, die für den National Book Critics Circle Award nominiert wurde. Eine gekürzte einbändige Ausgabe erschien Ende de Jahres bei Ecco Press. Vollmann hat daran über 20 Jahre gearbeitet und versucht umfassend die Ursachen und Folgen von Gewalt zu untersuchen, sowie die mit ihr verbundenen ethischen Fragen. Ein großer Teil des Textes besteht aus Vollmanns eigenen Reportagen von Orten voller Gewalt wie Kambodscha, Somalia, und Irak.

Vollmanns andere Werke beschäftigen sich oft mit der Besiedlung Nordamerikas (wie in Seven Dreams: A Book of North American Landscapes, einem Zyklus aus sieben Romanen), oder Geschichten von Menschen (oft Prostituierten) am Rand des Krieges, der Armut und der Hoffnung. Sein letzter Roman Europe Central, der sich mit einer Vielzahl von Charakteren beschäftigt, die in die Kämpfe zwischen Deutschland und der Sowjetunion verstrickt sind, erhielt 2005 den National Book Award für Fiktion.

Viele Kritiker rühmen die Kühnheit und Originalität seiner Werke, die oft Techniken fiktiven und journalistischen Schreibens vermischen, wie auch sein immenses Wissen und die Schönheit seiner Prosa. Einige Rezensenten haben ihn dafür gelobt, alle Möglichkeiten der Literatur zu nutzen während andere sein Schreiben prätentiös und egozentrisch finden. Manche meinen Vollmanns Obsession für Prostituierte grenze an Fetischismus.

Heute lebt Vollmann in Sacramento, Kalifornien.

Huren für GloriaKurzbeschreibung von Huren für Gloria
Jimmy heißt der Mann – ein Trinker, ein Träumer, ein trotzig Liebender. Oder auch: ein verkommener Freak, der in Vietnam war und nicht mehr nach Hause findet, zurück zur Behaglichkeit. Die Straßen, die er ruhelos durchstreift, führen durch den Tenderloin District von San Francisco, dort entlang, wo Frauen versuchen, ihre Liebe zu verkaufen, ohne ihre Seele zu verlieren. Jimmy nimmt sie mit oder folgt ihnen, denn er sucht Gloria, die er aus den Körpern und Geschichten der Straßenhuren zusammensetzt, die er von toten Telefonen aus anruft, Gloria, die erhabenste von allen, vielleicht ein Mädchen, das er mal kannte, oder bloß ein Gespinst seiner Phantasie. Es spielt keine Rolle – solange er sucht, ist er nicht verloren. Und was er einsammelt, macht ihn heroisch, für eine Weile zumindest: die Schönheit mißlungener Maskeraden, von Frauen, die ohne jede Hoffnung leben, von Geschichten, die fröhlich beginnen und traurig enden. Die Schönheit von Dingen, die einmal schön waren. Mit William T. Vollmann entdecken deutsche Leser einen der wichtigsten amerikanischen Erzähler der Gegenwart, den »einzigen Romanautor, dem es gelingt, die Siebenmeilenstiefel eines John Barth, William Gaddis und Thomas Pynchon auszufüllen« (Washington Post). Huren für Gloria – schmutzig und elegant, schroff und rhythmisch, provokant und poetisch – ist ein kleiner seiner großen Romane, ein Lied von Unbehaustheit und Erlösung.

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10 Kommentare
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  1. Nein, “wir alle kennen die Geschichte von der Hure” nicht und ehrlich gesagt ich möchte sie auch gar nicht kennen lernen. Igitt, das ist ja ekelig. Da reichts mir nach dem ersten Satz! Ich kann mir nicht vorstellen, daß Du das Buch ganz durchgelesen hast, lieber Fuß. Frage: Autor männlich, perverser Amerikaner oder Franzose mit Hang zu Provokation und biederem Privatleben?

    mamalinde am 16. Juli, 2007e

  2. oops – ja, da warten wir doch mal die Antworten ab….

  3. Hallo Mamalinde,
    muß Dich enttäuschen, habe das Buch gelesen.
    Autor: männlich und Amerikaner
    Fuss am 17. Juli, 2007

  4. wow, schwarze Poesie, ich habe es nicht gelesen, würde aber gerne, es geht nämlich so weiter… :-)

  5. Aha, dann erklär mir mal warum das der schönste erste Satz werden soll? Der provokanteste vielleicht, aber schön?????

  6. Charles Bukowski? David Lynch??

    Ich frag mich bei sowas immer, wie man nur auf solche Ideen kommt. Autobiografisch kann sowas ja nicht sein – hoffentlich zumindest!

  7. Nur die Hauptfigur in dem Roman ist erfunden. Der Autor wird gerne mit Charles Bukowski verglichen.

  8. Jimmy heißt der Mann – ein Trinker, ein Träumer, ein trotzig Liebender. Oder auch: ein verkommener Freak, der in Vietnam war und nicht mehr nach Hause findet, zurück zur Behaglichkeit. Die Straßen, die er ruhelos durchstreift, führen durch den Tenderloin District von San Francisco, dort entlang, wo Frauen versuchen, ihre Liebe zu verkaufen, ohne ihre Seele zu verlieren. Jimmy nimmt sie mit oder folgt ihnen, denn er sucht Gloria, die er aus den Körpern und Geschichten der Straßenhuren zusammensetzt, die er von toten Telefonen aus anruft, Gloria, die erhabenste von allen, vielleicht ein Mädchen, das er mal kannte, oder bloß ein Gespinst seiner Phantasie. Es spielt keine Rolle – solange er sucht, ist er nicht verloren. Und was er einsammelt, macht ihn heroisch, für eine Weile zumindest: die Schönheit mißlungener Maskeraden, von Frauen, die ohne jede Hoffnung leben, von Geschichten, die fröhlich beginnen und traurig enden. Die Schönheit von Dingen, die einmal schön waren. Mit William T. Vollmann entdecken deutsche Leser einen der wichtigsten amerikanischen Erzähler der Gegenwart, den »einzigen Romanautor, dem es gelingt, die Siebenmeilenstiefel eines John Barth, William Gaddis und Thomas Pynchon auszufüllen« (Washington Post). Huren für Gloria – schmutzig und elegant, schroff und rhythmisch, provokant und poetisch – ist ein kleiner seiner großen Romane, ein Lied von Unbehaustheit und Erlösung.
    :lol:

  9. Gratuliere liebe Dolcevita! Das ging ja schnell! Wie hast Du es
    rausbekommen? Google? Das Buch wurde groß in der SZ besprochen und sehr
    gelobt. Der Roman beginnt spannend aber wurde dann schnell langweilig.!
    Habe deshalb das Buch im Lesekreis nicht vorgeschlagen.
    Gruß Fuß

  10. @ Fuß: danke, ja habe gegooglet, bin davon ausgegangen, dass zumindest “die Nadel mit den wäßrigen Exkrementen” schon irgendwo auftaucht. Und so war es dann auch. Ich fand es übrigens sehr mutig von dir, dass du einen Satz ausgesucht hast, der im “herkömmlichen” Sinn tatsächlich nicht als “schön” bezeichnet werden kann. Aber da sind wir ja mal wieder beim Thema, was ist “schön”?
    @ Mamalinde: warum nicht ein bisschen provozieren? Gib es zu, du bist total geschockt, dass unser Fuß so ein Buch in den Fingern hatte :-)
    @ Dr. Sno*: wundere mich ein bisschen, dass du dir nicht vorstellen kannst, dass es so etwas gibt – bist doch ein weit gereister Mann…
    @all: der nächste Satz wird harmlos

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