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Der schönste erste Satz von Giovanni Boccaccio

7. September 2007 | Von | Kategorie: Bücher, Der schönste erste Satz

Ihr reizenden Frauen, sooft ich darüber nachdenke, wie empfindsam die Natur euch erschuf, erkenne ich auch, daß das vorliegende Werk für euren Geschmack einen recht bitteren und ernsten Anfang haben wird, da es auf seinen ersten Blättern die schmerzlichen Erinnerungen an die vergangene Pestzeit heraufbeschwört, die für jeden, der sie erlebte oder irgendwie kennenlernte, gefahrvoll und traurig war.

Das Dekameron von Giovanni Boccaccio

BoccaccioGiovanni Boccaccio, geboren 1313 in Florenz oder Certaldo, gestorben am 21. Dezember 1375 in Certaldo bei Florenz, war ein italienischer Schriftsteller, Dichter und bedeutender Vertreter des Humanismus. Sein Meisterwerk, das Decameron, porträtiert mit bis dahin unbekanntem Realismus und Witz die facettenreiche Gesellschaft des 14. Jahrhunderts und erhebt ihn zum Begründer der prosaischen Erzähltradition in Europa.

Das Dekameron oder Il Decamerone (ital.; gr. deka, zehn; hemera , Tag) ist eine Sammlung von 100 Novellen, die der Feder von Giovanni Boccaccio entstammen. Die Abfassung erfolgte aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen 1350 und 1353. Der Titel Decamerone bedeutet in Anlehnung an das Griechische “Zehn-Tage-Werk”.

Die Rahmenhandlung verlegt Boccaccio in ein Landhaus in den Hügeln von Florenz, zwei Meilen vom damaligen Stadtkern von Florenz entfernt (Position). In dieses Landhaus sind sieben Mädchen und drei junge Männer vor der Pest (Schwarzer Tod) geflüchtet, die im Frühjahr und Sommer des Jahres 1348 Florenz heimsuchte. Im Landhaus versuchen sich die Flüchtlinge nach Möglichkeit zu unterhalten. Daher wird jeden Tag ein König oder eine Königin bestimmt, welcher einen Themenkreis vorgibt. Zu diesem Themenkreis hat sich nun jeder der Anwesenden eine Geschichte auszudenken und zum Besten zu geben. Nach zehn Tagen und zehn mal zehn Novellen kehrt die Gruppe wieder nach Florenz zurück. Das Landhaus, in dem Boccaccios Handlung angesiedelt ist, ist noch erhalten und befindet sich auf halbem Weg zwischen Florenz und Fiesole an der Via Boccaccio. Heute befindet sich dort ein Department des European University Institute (http://www.iue.it). Das Vorwort des Buches ist eine der detailliertesten Quellen über die Ausbreitung der Pest aus dem Mittelalter.

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18 Kommentare
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  1. Rettung in letzter Sekunde – war gerade mit Goethes “Walle, walle/ Manche Strecke! Das zum Zwecke, Wasser fließe!” beschäftigt :-) Passt irgendwie zu deinem neuen Vorschlag, mal sehen, was dabei heraus kommt…

  2. sag mal mein lieber Don, das ist doch nicht etwa von Goethe, oder?

  3. No, ma’am… da musst du wohl noch ein paar Jährchen zurückgehen!

  4. gut, dachte nur wegen der vielen Adjektive in dem Satz :-)

  5. Kleiner Tipp gefällig?
    Vielleicht hilft es ja zu wissen, dass an die Stelle der drei Pünktchen das Wort “Pest” gehört…

  6. danke! habe schon mit “Pestzeit” gegooglet :-) – komme im Moment gar nicht weiter – bin im Stress – heute 100 Gäste – meine Motte wird 18 – oh je – hoffentlich haben wir keine Alk-Vergiftungen im Haus *g

  7. hi Don, ich tippe mal ins Blaue auf Voltaire und Jeanne d’Arc, hm, aber irgendwie bin ich gar nicht glücklich damit, – also bitte ich dich gleichzeitig um Tipps und zwar 1. gehe ich davon aus, dass der Autor, den wir suchen, männlich ist, und 2. frage ich dich, ob er etwas im 14. oder 15. Jahrhundert verfasst hat, was diesen Anfang hat und 3. hätte ich gerne einen Tipp über das Land in dem die Geschichte spielt :-) ha, der Rest ist dann ein Kinderspiel….

  8. Ich geb ja zu, das ist wirklich schwer, zumal es unterschiedliche Übersetzungen und Bearbeitungen dieses um 1350 (nicht in Frankreich, sondern in einem Nachbarland Frankreichs) von einem Mann verfassten Klassikers der Weltliteratur gibt, in dem übrigens die Zehn eine tragende Rolle spielt…

  9. Ich tippe auf Giovanni Boccaccio, Das Dekameron.

    Liebe dolcevita, alles gut überstanden oder hattest Du Dir mit den Gästen die Pest an den Hals geholt? Sollten wir diesen Klassiker nicht mal im Lesekreis diskutieren? Würde doch gut zu Candide von Voltaire passen, oder? Und den Umfang müssen wir ja nicht so direkt ansprechen. Wir schlagen einfach die Dünndruckausgabe vor.

  10. ja, ja, das muss stimmen, sehr gut! Es geht um 7 Frauen, 3 Männer und 10 Geschichten und um die Pest am Anfang :-)
    Wir haben hier alles wunderbar überstanden, war überhaupt nicht schlimm und alle Panik im Vorfeld unbegründet.
    Von mir aus gerne die Pest von Camus, lese ja “fast” alles….

  11. @ Mamalinde:
    Bravo! Also hat die Zehn doch etwas geholfen ;-)
    10 Leute, 10 Tage, 10 Geschichten pro Tag…

    @ Dolcevita:
    Wie gesagt, das war echt schwer! Ich hab hier eine Übersetzung von August Wilhelm Schlegel vorliegen; daneben gibt’s noch Übersetzungen von Heinrich Leubing, Karl Witte, Klabund usw. Mein Erster Satz stammt aus der Einführung zum 1. Tag; diese Passage fehlt übrigens im Text von Projekt Gutenberg.

    Und so sah er übrigens aus, der gute Boccacio…

  12. super, wieder was gelernt, danke für die Infos – hast du es gelesen, Don? Oder etwa du liebe Mamalinde?

  13. Ich habs gelesen, allerdings nicht wie bei meinem üblichen Leseverhalten “in einem Rutsch”, sondern über eine längere Zeit verteilt (was beim Aufbau dieses Werks auch sinnvoll ist). Geistreich, galant bis frivol, mit viel Zeitgeist und Lokalkolorit – guter Lesestoff, wenn man sich erst mal in den Stil eingelesen hat.

    Hat mich ein bisschen an “Tausendundeine Nacht” erinnert.

  14. als wir “Candide” von Voltaire gelesen haben, ging es mir auch so, dass ich mich zunächst an die Sprache gewöhnen musste und dann hat es mir wunderbar gefallen….

  15. Hier übrigens zum Genießen der besagte Erste Satz im Original:

    Quantunque volte, graziosissime donne, meco pensando riguardo quanto voi naturalmente: tutte siete pietose, tante conosco che la presente opera al vostro iudicio avrà grave e noioso principio, sì come è la dolorosa ricordazione della pestifera mortalità trapassata, universalmente a ciascuno che quella vide o altramenti conobbe dannosa, la quale essa porta nella fronte.

  16. sehr schön – das könntest du mir bei Gelegenheit persönlich ins Ohr flüstern :-)

  17. Liebe Dolcevita, mein neuer erster Satz lautet:

    Er – denn es konnte keinen Zweifel an seinem Geschlecht geben, wenngleich die Mode der Zeit es eher verkleidete – er also war grade dabei, Fechthiebe nach einem Mohrenkopf zu führen, der von den Dachsparren hing.

    Laut Klappentext ist es ein Werk, das “der Weltliteratur angehört”.

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