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Weihnachtslied, chemisch gereinigt von Erich Kästner (1928)

20. Dezember 2007 | Von | Kategorie: Dies und Das, Gedichte, Lesekreis, Weihnachten

Weihnachtslied, chemisch gereinigt von Erich Kästner

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte Euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht soweit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Straßen!
Dort gibt’s Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen –
Lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heil’ge Nacht –
Weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit …
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

Quelle: Kästner für Erwachsene, © Atrium Verlag, Zürich 1966, S.35

 

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8 Kommentare
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  1. blödes Gedicht!!!!!!!!!!!
    der sinn von weihnachten ist weg!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. wird von Jahr zu Jahr immer aktueller, da die Verteilung in der Gesellschaft immer ungerechter wird. weltweit!
    trotzdem frohe und besinnliche Feiertage

  3. ja, es ist kein “schönes Gedicht”, aber sehr wahrhaftig!
    ebenfalls frohes Fest @ all

  4. Leider hatte der Herr Kästner ein sehr scharfer Blick auch in die Zukunft gehabt. Sollte man doch meinen das der Mensch im laufe der Zeit vernünftiger wird. Leider gibt es heute noch Familien bei denen Wihnachten ein eher trauriges Fest ist. Schöne besinnliche Weihnachten.

  5. Tja, da lernt man wieder das zu schätzen was man hat!
    Frohe Weihnachten!

  6. Oh ja, der Herr Kästner. Da mag einem die Weihnachtsgans im Halse stecken bleiben.
    ….”Frohe Weihnachten, Ostern, Pfingsten und ein nachdenkliches Fest!”

  7. Schreibe gerade an meinen Erinnerungen aus einem erweiterten Kinderlandverschickungslager. Dort wurde uns das Gedicht als Lied beigebracht. Erstaunlich, : Es wurde vom Reichsschulrat für das Deutsche Einheits-
    Lesebuch angekauft. Noch erstaunlicher: Obwohl die Schriften Erich Kästners öffentlich verbrannt wurden,
    und Kästner Berufsverbot hatte, landete das Gedicht als Stoff an einer Oberschule, die sogenannte Leistungsbescheinigungen durch einen Gaubeauftragten für Schulerziehung ausstellten.

  8. E. Kästner hatte sogar einen erstaunlich hervorragenden Welt-Weitblick ( Vision ), denn die Weltwirtschaftskrise 1929 stellte so manches “Weihnachtserlebnis” in einen brutalen Schatten.
    Geschrieben hat er’s für die ERWACHSENEN, aber den (Hinter-)Sinn konnten auch Kinder ganz gut verstehen.
    Es müsste auf jeden Fall heutzutage in das HARTZ-IV-Volkslied-Tröster-Verheisungs-Liederbuch aufgenommen werden ( sofern es das gäbe ….. )
    Warum den Schulbildungs-Kultur-Nazis die Bedeutung des Autors Kästner bei der Auswahl des Gedichts entgangen ist, wäre eine eigene Untersuchung wert. Auf jeden Fall war die Nazi-Kultur-Ideologie GEGEN das süßliche, verklärende KIRCHEN-Weihnachts-Spektakel eingestellt, was sie aber keinesfalls daran hinderte zu versuchen, das GANZE auch in die kitschige GERMANISCHE Weihnachtsfeier umzulenken ( was nur unzulänglich gelang ).
    FAZIT : Der NAZI-Kulturterror hatte eben manchmal auch trotz Überwachung Lücken und Spalten.

    AKTUELL wird’s auch wieder angesichts des Flüchtlings-Dramas : Wie würde es der Hlg. Familie bei der Herbergssuche ergehen, wenn sie heute am Hlg. Abend durch die Weihnachtsmärkte stolpern würde ?
    DAS darf sich jeder selbst kreativ ausdenken,
    VIEL Spaß/ Freude beim Verbreiten/ Vermehren der gewonnenen Einsichten/ Erkenntnisse !

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