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1995 zu brutal: American Psycho von Bret Easton Ellis

6. April 2008 | Von | Kategorie: Bücher, Buchskandale, Dies und Das, Lesekreis

Als das Buch 1991 erscheinen sollte, zog der Verlag Simon & Schuster sein Angebot zurück. Zu brutal. Der Vintage Books Verlag brachte eine geänderte Fassung in den USA heraus. In Deutschland kam American Psycho 1995 auf den Index. Sechs Jahre später war es wieder frei verkäuflich, da der Verlag Kiepenheuer und Witsch gegen das Verbot klagte. Bret Easton Ellis erhielt böse Briefe und Todesdrohungen wegen seines Buches. Im Jahr 2000 wurde der Roman verfilmt.

Kurzbeschreibung
Der Wallstreet-Yuppie Patrick Bateman scheint ein normaler Oberschichten-Snob Mitte der 80er zu sein: Er trägt teure Anzüge, hat eine überteuerte Wohnung und langweilt sich mit seinen oberflächlichen Bekannten in Luxus-Clubs oder auf Koks-Partys. Doch unter der Oberfläche ist er mehr als seine Bekannten erahnen können, denn er versucht, die Leere in seinem Leben auf die denkbar brutalste Weise zu kompensieren: Er misshandelt und tötet Menschen.

Im Laufe der Handlung verliert sich Bateman zusehends in seinem Blutrausch und weiß bald nur noch schwer Realität und Phantasie zu unterscheiden. Gegen Ende des Romans richtet Bateman ein Blutbad an, das nicht übersehen werden kann und beichtet seinem Anwalt alle seine Greueltaten. Allerdings muss er erkennen, dass selbst sein Anwalt ihn ignoriert, das Ganze für einen Scherz hält und ihn sogar mit einem anderen verwechselt. Das stellt ein Schlüsselmotiv des Romans dar, zum einen weil Bateman immer wieder von Bekannten verwechselt wird und zum anderen, da er ständig seine Greueltaten gesteht ohne jedoch Gehör zu finden. Als Bateman nach den Opfern, die er noch in der Eigentumswohnung eines von ihm ermordeten Bekannten vermutet, sehen will, sind diese schon alle verschwunden und die Wohnung, in der er die Leichen lagerte, ist gestrichen und zum Verkauf angeboten. Auch der Taxifahrer, der ihn als den Mörder eines Kollegen wiedererkennt, zeigt ihn nicht an, sondern will lediglich sein Geld und seine Rolex.

Bret Easton Ellis entwirft in American Psycho eine Art „Amerikanischen Albtraum“. Bateman hat das geschafft, wovon alle träumen: Reich zu werden und ein sorgenfreies Leben zu führen. Dieses Leben erscheint dem Leser jedoch als albtraumhaft langweilig und inhaltslos. Der einzige Inhalt sind Batemans Sex- und Gewaltexzesse. Sein Reichtum, seine Zugehörigkeit zur Gesellschaft der Reichen hat ihn in Wirklichkeit nicht weitergebracht. American Psycho zeigt das böse Gesicht eines amoralischen Materialismus, aus dem es für Bateman keinen Ausweg mehr gibt.

Der Roman ist überwiegend aus der Sicht Batemans geschrieben. Die Handlung ist aus Abschnitten seines Lebens innerhalb von etwa drei Jahren chronologisch aufgebaut. Der Romanheld sieht die Welt wie einen Film und bedient sich in seinen Beschreibungen der filmischen Techniken (z. B. Zeitlupe, Schwenken, Heranzoomen etc.). Die scheinbar einzigen Konstanten des Romans sind Batemans endlose Aneinanderreihungen von Besitztümern und den dazugehörigen Marken. Die Räume werden nicht bis ins allerletzte Detail beschrieben, sondern auf ihre Oberfläche (Designermöbel, Bilder von angesagten Künstlern) reduziert.

Autorenporträt
Bret Easton Ellis, geboren am 07. März 1964 in Los Angeles, ist ein US-amerikanischer Schriftsteller.
Aufgewachsen ist Ellis in Sherman Oaks in Kalifornien, seit 1987 lebt er in New York. Ellis ist Absolvent des Bennington College. In den frühen 80er Jahren spielte er Keyboard in einigen New-Wave-Bands. Mit seinem dritten Roman „American Psycho“ (1991) stieg Ellis zum Kultautor auf. Die detailliert beschriebenen brutalen Gewalt- und Sexexzesse, die eingebettet in das sinnentleerte Leben der Hauptfigur sind, haben dem Roman viel Aufmerksamkeit gebracht.

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