Wir haben einen neuen Advokaten, den Dr. Bucephalus

Der neue Advokat von Franz Kafka

Franz KafkaFranz Kafka, geboren am 3. Juli 1883 in Prag, Österreich-Ungarn, gestorben am 3. Juni 1924 in Kierling bei Klosterneuburg, Österreich (selten auch tschechisch František Kafka). Er war ein deutschsprachiger Schriftsteller. Sein Hauptwerk bilden neben drei Romanen bzw. Romanfragmenten (Der Process, Das Schloß und Der Verschollene) zahlreiche Erzählungen sowie Briefwechsel mit Felice Bauer und Milena Jesenská.

Zum Teil wurden Kafkas Werke erst nach seinem Tod und gegen seinen erklärten Willen von Max Brod, einem Schriftstellerkollegen und engen Freund, veröffentlicht. Sie übten bleibenden Einfluss auf die Weltliteratur des 20. Jahrhunderts aus.

In den Jahren 1916 bis 1920 experimentierte Kafka mit neuen literarischen Formen: Er versuchte sich an einem Bühnenwerk (Der Gruftwächter), verfasste Aphorismen (in Zürau) und schlug auch mit seinen Landarzt-Erzählungen Wege ein, die ihn von den ›realistischen‹ Konventionen des Erzählens weiter entfernten als je zuvor.

So tritt im Bericht für eine Akademie ein Affe als Ich-Erzähler auf; die Tiere in Schakale und Araber sprechen ebenfalls; Der neue Advokat ist in Wahrheit ein Pferd, und in Die Sorge des Hausvaters geht es um ein völlig undefinierbares, jedoch gleichfalls mit Bewusstsein ausgestattetes Wesen. Experimentell ist auch das Stück Auf der Galerie: Hier lässt Kafka in nur zwei langen, kunstvoll geflochteten Sätzen zwei Wahrnehmungswelten aufeinander prallen. Und in der vielgedeuteten Titelerzählung Ein Landarzt folgt die Handlung einer traumhaften, von starken Symbolen und Assoziationsfeldern beherrschten Logik.

Offenkundig ist, dass Kafka Bauelemente der Allegorie, des Gleichnisses, des Märchens und der Parabel erstmals extensiv zu nutzen suchte. Dahinter steht das erklärte Ziel, »die Welt« mit sprachlichen Mitteln »ins Reine, Wahre, Unveränderliche« zu heben. Offenbar war Kafka bereit, dafür auch das erzählerische Moment seiner Prosa weitgehend zu opfern: So gibt es etwa in dem langen Fragment Beim Bau der Chinesischen Mauer keine Handlung im eigentlichen Sinne mehr, stattdessen eine Abfolge sachlicher Erörterungen. Dieses Vordringen von Denkbild und Reflexion kennzeichnet auch die 1920 entstandenen Texte, etwa Prometheus, Der Geier, Der Kreisel oder Kleine Fabel.

Völlig singulär in Kafkas Werk sind die in Zürau entstandenen Aphorismen. Kafka begibt sich hier in eine Grenzzone zwischen Literatur, Philosophie und Theologie — nur wenige Interpreten haben damit etwas anzufangen gewusst, und trotz der nachweislichen Einflüsse und Bezüge (Altes Testament, Gnostik, jüdische Mystik, Kierkegaard) lässt sich ein geschlossenes ›Weltbild‹ aus diesen Gedankensplittern und Paradoxien gewiss nicht herauslesen. Deutlich sind jedoch die Querverbindungen zu Kafkas Erzählwelt. So ist etwa die Existenz einer transzendenten Machtinstanz, die für den Menschen unerreichbar und unerkennbar ist, ein Thema auch der Aphorismen.

8 Gedanken zu „Der schönste erste Satz von Franz Kafka

  1. Mahlzeit!

    Nein, Dolcevita, er lautet: „Wir haben einen neuen Advokaten, den Dr. Bucephalus.“

    (aus der Erzählung „Der neue Advokat“ von Franz Kafka)

  2. Hallo Don Farrago,
    das habe ich befürchtet, ich weiß zwar nicht wie er sich ohne „Advokat“ im Netz finden lässt, aber ich habe auch bemerkt, dass ich in dieser Hinsicht, ähnlich wie Mamalinde, doch noch einiges lernen kann. Wäre froh, wenn Du einen Neuvorschlag machen könntest, das es mir im Moment an der Zeit fehlt etwas zu suchen, vielen Dank vorab und viele Grüße, Christoph
    Fast vergessen: Ich schulde Dir natürlich eine Packung Kekse! Gratulation 😉

  3. Halli, hallo, mein Schneemann ist fertig 😉
    Ja, grats, Don, du bist supi, war zu googlen, gell? Ich weiß nicht, ich denke du könntest noch einen Versuch starten, lieber Christoph, hast ja Zeit, drängt dich niemand, oder möchtest du gerne, Don?
    Let it snow, let it snow, let it snow…

  4. Guten Abend, Dolcevita!

    Ja, dieser ES war auf Anhieb zu googeln. Für deine offizielle Auflösung: Die Story steht – neben einer Fülle weiterer kafkaesker Gedankengewächse – hier, ab S. 67.

    Ich bin übrigens auch dafür, dass Christoph noch mal einen Versuch starten sollte – wie heißt es doch so schön: Aller guten Dinge sind drei!

    Und es eilt ja wirklich nicht, zumal auch Anjelka sich erst morgen wieder von ihren aktuellen Brettspiel-Programmierarbeiten loseisen kann.

    Hier ist übrigens nix mit Schneemann bauen… 🙁
    Stattdessen werde ich mich weiter meiner Systempflege widmen, da hab ich in letzter Zeit einiges schleifen lassen.

    Also ciao, bis bald!

  5. Guten Morgen, nach einer schlaflosen Nacht, da ich erste Sätze gesucht habe, hier nun mein Neuvorschlag:

    Ich hätte gern geschrieben: „… nahm immer vier Stufen zugleich, er schnaufte dabei ein wenig“

    Verfasst hat das Buch eine Dame in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, sie war Europäerin und sehr populär. Selbstredend stehen die Punkte für einen Namen. Dieser Satz stammt aus einem ihrer Werke, welches nicht so bekannt ist.

    Schönen Tag, und danke für den neuen Aufschlag, hoffe auf ein Ass, viele Grüße 🙂

  6. ah, guten Morgen, lieber Christoph, vielen Dank für den neuen ES. Hoffentlich überstehst du den Tag gut, vielleicht kannst du ein kleines Mittags- oder Büroschläfchen halten ;.) Hoffe ebenfalls, dass dir die Suche Spaß gemacht hat, sonst habe ich ganz schlechtes Gewissen und der Don sicherlich ebenfalls 🙂
    bis später..
    und danke nochmals für den „Kafka“!

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