Der Suhrkamp Verlag hat wie angekündigt Florian Havemanns „Havemann“ in elektronischer Version ins Internet gestellt. Der Roman ist über den Verlagspartner Ciando für 24 Euro erhältlich. Um das Buch, das aufgrund persönlickeitsrechtlicher Einwände zurückgezogen werden musste, rasch wieder zur Verfügung zu stellen, wurden die betreffenden Stellen vorerst, in Absprache mit dem Autor, geschwärzt. Der Suhrkamp-Verlag stellt zwei Leseproben zur Verfügung. Die Leseprobe 1 umfasst 18 Seiten, beinhaltet die Einleitung und steht ohne geschwärzte Stellen zur Verfügung. Die Leseprobe 2 beginnt auf Seite 381 und zeigt bis Seite 401 viele geschwärzte Zeilen.

Und das sieht dann auf Seite 384 zum Beispiel so aus:

Und dann aber beginnt er nachzudenken, zu assoziieren, und sollte der Aktenvermerk an dieser Stelle exakt wiedergeben, was Biermann in diesem Telefonat mit dem Staatsschutz und dem Staatsschutz gegenüber gesagt hat, dann kann man ihm da richtig beim Denken und Assoziieren zuschauen: Balken

Balken

Balken
Diese Anna Havemann nun sei die Tochter von Ulrich Havemann, auch dies völlig richtig, Balken
Ob nun dieser Ulrich Havemann noch einen zweiten Schlüssel zu der Wohnung besitze, Balken
das wisse er nicht, würde er aber nicht ausschließen – so weit, so gut und als sachdienliche Hinweise durchaus zu rechtfertigen. Dann aber, und bei der Lektüre dieses Vermerks in der Akte des Staatsschutzes hat man direkt das Gefühl, man könne merken, wie es bei Biermann Klick macht und einrastet: dieser Ulrich Havemann
nun habe noch einen Bruder Balken und dieser Florian Havemann sei ihm, gelinde gesagt (eine typische Biermann-Formulierung), nicht wohlgesonnen – damit war die Sache für ihn klar: ich
müsse mir von meinem Bruder den Wohnungsschlüssel besorgt haben, Balken
ihn von dort aus angerufen, Balken daran könne es keinen Zweifel geben.

3 Gedanken zu „Florian Havemanns „Havemann“ mit geschwärzten Stellen im Internet

  1. Um die geschwärzten Zeilen ist es schade. Geschwärzte Zeilen ist wie untern Teppich kehren.

    Die DDR-Geschichtsaufarbeitung hat jedenfalls noch nicht wirklich begonnen. Es wird Zeit.

    Gruß – Klaus R.

  2. Willkommen Klaus!
    Na ja, ich weiß nicht, es geht ja um Persönlichkeitsrechte. In der Literatur ist so gut wie alles möglich, und wenn es Havemann so wichtig gewesen wäre diese ganzen Familieninternas ans Licht zu bringen, hätte er sich ein wenig mehr Mühe geben und vielleicht alles geschickter verpacken müssen. Irgendwie war doch klar, dass er so damit nicht durchkommt.
    Danke für deinen Kommentar und viele Grüße
    P.S.: ansonsten hast du natürlich völlig Recht mit der Forderung nach Geschichtsaufarbeitung..

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