Wenige Tage vor der Eröffnung präsentierten sich die Bayreuther Festspiele mit einem neuen Auftritt im Internet. Die Seite www.bayreuther-festspiele.de biete nun auch multimediale Einblicke in das Festspielgeschehen, hieß es in einer Mitteilung. Neben einem virtuellen Rundgang durch das Festspielhaus wird in einem Podcast berichtet, wie die Produktionen entstehen.

Auf der Internetseite heißt es:

„Pünktlich zum Beginn der Generalproben am Donnerstag, 17. Juli 2008, startet der Web-Auftritt der Bayreuther Festspiele in ein neues Zeitalter. Die neu gestaltete Homepage bietet dann neben den üblichen Informationen zu Spielplan, Besetzung und künstlerischer Leitung der Festspiele auch zahlreiche Features, die einen ganz besonderen, multimedialen Einblick in das Festspielgeschehen zulassen und interessante Informationen zu Architektur und Geschichte der Bayreuther Festspiele bereit halten.“

Weiterhin soll in diesem Jahr erstmals die Möglichkeit bestehen am Computer eine Aufführung der Bayreuther Festspiele – Katharina Wagners Interpretation der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ – als Live-Stream auf der Homepage mitzuverfolgen.

Richard Wagner träumte von Festspielen für jedermann – offen und erschwinglich.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Wikipedia

Don Farrago meint hierzu: „Alles plumpe Publicity!“

Ich hatte schon vor Wochen vor, zu dem Thema zu bloggen (Wagner goes public – online, innovativ, erschwinglich), weil ich dachte, die Katharina W. geht tatsächlich neue Wege. Aber als ich dann feststellen musste, dass man für den (ohnehin selektiv limitierten) Livestream der Meistersinger-Premiere 49 Euronen berappen muss und ihn anschließend nur noch ein einziges Mal über sein registriertes Account ansehen/anhören kann, ist mir die Sache so übel aufgestoßen, dass ich es gelassen habe.

Die Marketing-Aussage, man wolle Wagner einer breiteren Öffentlichkeit (speziell der modernen Jugend) nahe bringen, ist eine grandiose Farce. Der Livestream ist sogar für den Großteil der Wagner-Fans absolut überteuert (wen interessiert schon das als “exklusiv” angepriesene Backstage-Gelaber von Polit-, Adels- und C-Promi-Prolls), und das Public Viewing der Premiere für (immerhin bis zu) 15.000 Besucher ist eine Maßnahme, die während der EM und der WM fast täglich sogar von kleineren privaten Trägern gestemmt werden konnte. In Bayreuth profiliert sich dabei werbewirksam der Personal-Einspar-Profi Siemens.

“Der Volksfestplatz wird mit 2.000 Sitzplätzen bestuhlt und drumherum eine große Picknick-Zone eingerichtet. Um den gesamten Platz herum wird ein großzügiges gastronomisches Angebot aufgebaut.”

Also auch hier bleiben Klein-VIPs beim Catering unter sich, von Musikgenuss gar nicht zu reden… Und um das großzügige gastronomische Angebot herum stehen dicht (ab)gedrängt die Normalbürger an überteuerten Pommesbuden und Bierständen (siehe Lageplan, und die drei bis vier übernächtigten Backpacker-Wagner-Fans, die aus fernen Gefilden anreisen, geraten mit Sicherheit in die Fänge der Security.

Bleibt noch das Benefiz-”Open Air” mit munteren Wagnerklängen und weiteren musikalischen Ausflügen von “Mitgliedern des Festspiel-Orchesters” am 1. August auf dem Bayreuther Geißmarkt – eine Gelegenheit für knapp 2.000 lokale und regionale Honoratioren, Weckleproduzenten und sonstige Gschäftleshuber, sich zu präsentieren.

Bayreuther Festspiele – innovativ, erschwinglich? Blödsinn!

2 Gedanken zu „Freier Eintritt bei den Bayreuther Festspielen – virtuell

  1. Alles plumpe Publicity! Ich hatte schon vor Wochen vor, zu dem Thema zu bloggen (Wagner goes public – online, innovativ, erschwinglich), weil ich dachte, die Katharina W. geht tatsächlich neue Wege. Aber als ich dann feststellen musste, dass man für den (ohnehin selektiv limitierten) Livestream der Meistersinger-Premiere 49 Euronen berappen muss und ihn anschließend nur noch ein einziges Mal über sein registriertes Account ansehen/anhören kann, ist mir die Sache so übel aufgestoßen, dass ich es gelassen habe.

    Die Marketing-Aussage, man wolle Wagner einer breiteren Öffentlichkeit (speziell der modernen Jugend) nahe bringen, ist eine grandiose Farce. Der Livestream ist sogar für den Großteil der Wagner-Fans absolut überteuert (wen interessiert schon das als „exklusiv“ angepriesene Backstage-Gelaber von Polit-, Adels- und C-Promi-Prolls), und das Public Viewing der Premiere für (immerhin bis zu) 15.000 Besucher ist eine Maßnahme, die während der EM und der WM fast täglich sogar von kleineren privaten Trägern gestemmt werden konnte. In Bayreuth profiliert sich dabei werbewirksam der Personal-Einspar-Profi Siemens.

    „Der Volksfestplatz wird mit 2.000 Sitzplätzen bestuhlt und drumherum eine große Picknick-Zone eingerichtet. Um den gesamten Platz herum wird ein großzügiges gastronomisches Angebot aufgebaut.“

    Also auch hier bleiben Klein-VIPs beim Catering unter sich, von Musikgenuss gar nicht zu reden… Und um das großzügige gastronomische Angebot herum stehen dicht (ab)gedrängt die Normalbürger an überteuerten Pommesbuden und Bierständen (siehe Lageplan, und die drei bis vier übernächtigten Backpacker-Wagner-Fans, die aus fernen Gefilden anreisen, geraten mit Sicherheit in die Fänge der Security.

    Bleibt noch das Benefiz-„Open Air“ mit munteren Wagnerklängen und weiteren musikalischen Ausflügen von „Mitgliedern des Festspiel-Orchesters“ am 1. August auf dem Bayreuther Geißmarkt – eine Gelegenheit für knapp 2.000 lokale und regionale Honoratioren, Weckleproduzenten und sonstige Gschäftleshuber, sich zu präsentieren.

    Bayreuther Festspiele – innovativ, erschwinglich? Blödsinn!

  2. ok, wenn das so ist!
    Habe deinen ausführlichen Kommentar mal direkt in den Beitrag gepackt. Vielen Dank, mein lieber Don.
    LG

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