Thomas Coraghessan Boyle, besser bekannt als T.C. Boyle,  neuer Roman „Die Frauen“ ist Anfang Februar im Hanser Verlag erschienen.

„Der ideale Stoff für T. C. Boyle. … Mit großer Ironie schildert er einen leidenschaftlichen Egozentriker im lebenslangen Kampf gegen die Klatschpresse, Ex-Gattinen, kleingeistige Anwälte und Ehegesetze. So ist „Die Frauen“ am Ende auch weniger ein Künstlerroman als vielmehr ein aufschlussreiches Gesellschaftsporträt aus dem prüden Amerika des frühen 20. Jahrhunderts.“ Brigitte, 11.02.09

diefrauen1Kurzbeschreibung
Er ist genial, er ist exzentrisch und er ist der berühmteste Architekt der USA – wenn nicht gar der Welt: Mit der überlebensgroßen Figur Frank Lloyd Wright erweitert T. C. Boyle seine Darstellung mythischer Amerikaner. Mitten in der Prärie hat Wright einen Traum verwirklicht: das Anwesen Taliesin. Hier lebt und arbeitet er mit seinen treuen Schülern und seinen geliebten Frauen: der aparten Tänzerin aus Montenegro, der exaltierten Morphinistin und – natürlich – Mrs. Wright. Sie alle führen erbitterte Kämpfe gegen ihre Nebenbuhlerinnen und gegen die bigotte amerikanische Gesellschaft. Boyles Geschichte des großartigen Egomanen ist zugleich eine Kritik an der Prüderie der Amerikaner in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Leseprobe

Kapitel 1

FÜR DIE TOTEN TANZEN

An dem Tag im Herbst 1924, als er bei einer Ballettvorstellung in Chicago Olga Lazovich Milanoff Hinzenberg kennenlernte, war Frank Lloyd Wright* optimistisch gestimmt, geradezu vergnügt. Mag sein, dass es an jenem Tag regnete – doch, es regnete, das graue Gestrichel verwandelte die nähere Umgebung in ein pointillistisches Gemälde, gebeugte Gestalten stapften unter dem Schutz ihrer Regenschirme die Straße entlang, Graupelschauer waren angekündigt, gefolgt von Schnee –, doch seine Stimmung war durch nichts zu trüben.
Er hatte sich immer als ein heiteres Gemüt betrachtet, sonnig und übersprudelnd, als einen jener seltenen Menschen, die die Stimmung eines ganzen Raums verändern können, indem sie einfach nur zur Tür hereintreten, doch die Gefühlswirren der letzten zwei Jahre – jedenfalls seit seiner Rückkehr aus Japan – hatten ihn zermürbt. Das Problem, oder vielmehr dessen Gipfel und Krönung, war natürlich Miriam. Hinzu kamen Geldnöte. Zu wenige Aufträge, hasenherzige Kunden und die tief verwurzelte Ignoranz (und Feigheit, auch Feigheit) seiner Landsleute angesichts der Fauvisten, Futuristen, Dadaisten, Kubisten und all der anderen -isten und -ismen, Duchamp, Braque und Picasso sowie, noch schlimmer, des soi-disant Internationalen Stils von Le Corbusier, Gropius, Meyer, Mies – all dieser neuen Bewegungen, durch die er sich veraltet und bedrängt fühlte. Das alles
machte die Sache nicht besser. Während er im Fernen Osten gewesen war, waren die Europäer in Amerika eingefallen.
Doch es ging bergauf. Miriam war fort, seit Mai, mochte er auch, jedesmal wenn er über einer Zeichnung oder einem Buch die Augen
schloss, ihr Gesicht sehen, das tragische, das sie wie eine Maske trug: …Fortsetzung der Leseprobe hier beim Hanser Verlag .

* Im Original Wrieto-San.

Gebundene Ausgabe: 560 Seiten, erschienen im Hanser Verlag (4. Februar 2009), 24,90 Euro

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