Gargoyle von Andrew Davidson – Leseprobe und Trailer zum Buch

gargoyle2Der Protagonist und Ich-Erzähler aus Andrew Davidsons Roman-Debüt Gargoyle sieht einen Hagel brennender Pfeile auf sich herabregnen, kommt von der Fahrbahn ab, prallt fast mit einem Pick-Up zusammen, verliert die Kontrolle, stürzt in eine Schlucht †“und findet sich später, grausam entstellt, im Krankenhaus wieder.

Zunächst kann er sich die Visionen, die zu dem Unfall geführt haben, nicht erklären. Lag es am Koks oder waren es Bilder aus einem anderen Leben?
Marianne Engel erscheint an seinem Krankenbett und erzählt ihm Geschichten aus der Vergangenheit und einem Leben in Deutschland im 14. Jahrhunderts.

Sie und er, sagt die Unbekannte, seien einst ein Liebespaar gewesen. Sie lebte als Nonne im fränkischen Kloster Engelthal und er fristete sein Dasein als Söldner.

Andrew Davidson hat einen ungewöhnlichen Liebes-Fantasy- und Historienroman geschrieben, gespickt mit vielen Geschichten um historische Personen und Begebenheiten.

wasserspeierulmSo wird natürlich die Geschichte der Gargoyles erzählt, Wasserspeier, die seit dem 6. Jahrhundert aufgrund ihrer dämonischen Gestaltung den Einfluss des Teufels auf die irdische Welt symbolisieren und noch heute an vielen Kathedralen zu sehen sind. Diese wasserspeienden Wesen haben den Ruf, Beschützer zu sein. Ihr dämonisches Aussehen soll den Geistern und Dämonen einen Spiegel vorhalten, soll sie vergraulen. Und darum geht es in dem Roman, das Böse, das sich vielleicht schon eingeschlichen hat, soll wieder vertrieben werden.

Gargoyle ist ein Roman von hypnotischer Sogkraft. Raffiniert konstruiert, spannend, sinnlich und intelligent zugleich, ist er ein einzigartiges literarisches Ereignis, ein grandioser Höhenflug †“ und eine der faszinierendsten Liebesgeschichten unserer Zeit! Bloomsbury Verlag

Trailer zum Buch mit dem Autor Andrew Davidson


Leseprobe mit freundlicher Genehmigung des Bloomsbury Verlags – Copyright © 2009 Berlin Verlag

[…]Lassen Sie mich mit der Beschreibung ihres Haares beginnen †” eigentlich könnte man unmöglich mit etwas anderem anfangen. Ihr Haar war wie tartareische Reben, die bei Nacht wachsen, aus einem dunklen Ort emporwuchern, wo die Sonne nur ein Gerücht ist. Sie sprossen wild in alle Richtungen, und die dunklen Locken stürzten so verführerisch herab, dass es aussah, als wollten sie die Hand verschlingen, hätte man das Glück, mit den Fingern hin durchzufahren. Ihr Haar war so fremdartig, dass ich mich noch jetzt, Jahre später, zu diesen lachhaften Metaphern veranlasst sehe, die ich am Morgen bereue, das weiß ich schon jetzt. Auch ihre Augen werden mich zwingen, mich lächerlich zu machen. Sie brannten wie die grünen Herzen eifersüchtiger Lieben der, die einander um Mitter nacht beschuldi gen. Nein, das stimmt nicht, sie waren nicht grün: Sie waren blau. Ozeanwellen umtosten die Iris gleich einem unerwar teten Sturm, der einen Seemann seiner Frau nehmen will. Nein, halt … Vielleicht waren ihre Augen doch grün: Stimmungsaugen viel leicht, ähnlich den Ringen, die angeblich je nach emütsverfassung ihres Trägers die Farbe wechseln.

Sie erschien in der Tür der Verbrennungsstation in einem hellgrünen Krankenhauskittel mit jenen unergründlichen Augen
und dem wild verschlungen Haar, und ich wartete auf das Ächzen, das unweigerlich kam, wenn jemand mich zum ersten Mal sah. Ich wartete darauf, dass sie sich vor Schock und Bestürzung die Hand vor den Mund hielt. Sie enttäuschte mich da mit, dass sie nur lächelte. »Du wurdest verbrannt. Erneut.«
Im Allgemeinen mache ich es mir zur Regel, auf die bizarren Verkündigungen von Fremden nicht zu antworten, aber ehrlich gesagt, hatte mein Schweigen in diesem Fall den Grund, dass sie das kaputte Klo, das meine Stimme war, nicht hören sollte. Meine Kehle heilte langsam, doch mein Ohr (das jenige, das noch hör te) war diesen verfremdeten Klang noch nicht gewöhnt. Ich wollte, dass sie nur die Stimme kannte, die ich davor gehabt hatte, die, mit der ich Frauen ins Bett gelockt hatte.
Angesichts meines Schweigens sprach sie weiter. »Das ist jetzt
das dritte Mal, dass du verbrannt wurdest.« Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und verbesserte sie. »Das erste Mal.« Ein verwirrter Ausdruck strich über ihr Gesicht. »Vielleicht bist du ja gar nicht du.«[…]

Die Fortsetzung der Leseprobe findet man hier beim Bloomsbury Verlag

Kurzbeschreibung
Das aufregendste Debüt der letzten Jahre: eine fesselnde Geschichte über die erlösende Kraft des Leidens und eine Liebe, die die Grenzen von Zeit und Raum überschreitet.
Ein Mann fährt eine dunkle Straße entlang, als er plötzlich geblendet wird, sein Wagen in eine Schlucht stürzt und Feuer fängt. Er überlebt, wird mit schwersten Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert und hat in den Wochen der Rekonvaleszenz nur einen Gedanken: wie er nach seiner Entlassung Selbstmord begehen kann. Doch da taucht eines Tages eine mysteriöse Frau an seinem Krankenbett auf, die schöne Marianne Engel, Bildhauerin beeindruckender Gargoyles. Sie behauptet, sie seien einst Liebende gewesen vor siebenhundert Jahren in Deutschland, als sie eine Nonne war und er ein Söldner auf der Flucht. Ist diese Frau einfach verrückt? Oder ist sie der rettende Engel, der ihn aus seiner Verzweiflung und Todessehnsucht erlösen wird?

Über den Autor
Andrew Davidson wurde 1970 in Pinawa, Kanada, geboren. Nach seinem Literaturstudium an der University of British Columbia lebte er mehrere Jahre in Japan und konzipierte Englischkurse für japanische Internetseiten. Sein Debüt-Roman Gargoyle wurde bereits vor Erscheinen in 28 Länder verkauft und stieg sofort in die New-York-Times-Bestsellerliste ein.

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten, erschienen im Berlin Verlag am 31. Januar 2009 – 22,00 Euro

Lesung mit Günter Grass am 23.04.09 in der Münchner LMU

Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass liest am Donnerstag, den 23. April 2009, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „LMU im Dialog“ in Zusammenarbeit mit der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl aus seinem neuen Buch „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990.“ Die Lesung beginnt um 20.00 Uhr im Audimax im Hauptgebäude der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1.

Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“ heißt das Tagebuch von Günter Grass aus dem Jahr 1990. Seine Aufzeichnungen sind ein sehr persönliches Protokoll einer dramatischen Zeit, in der nach dem Mauerfall die Zukunft unseres Landes neu zu gestalten war. Grass war viel unterwegs in der Noch-DDR und war präsent, wo über den Prozess der Wiedervereinigung gesprochen wurde. Sein Tagebuch gibt Einblick in den Alltag eines Zeitgenossen, der im Bewusstsein des historischen Moments leidenschaftlich lebt und streitet.

unterwegs-von-und-nach-deutschlandKurzbeschreibung
Ein sehr persönliches Dokument wird zur spannenden Zeitreise: Seit fast zwanzig Jahren bekommt Günter Grass von seinem Verleger Blindbände geschenkt, Bücher mit leeren Seiten, die er per Hand mit ersten Fassungen seiner Texte füllt. Und er nutzt sie als Tagebuch und damit als Nährboden für seine Ideen. Mit dem Jahr 1990 begann Grass sein bis heute anhaltendes intensives Notieren.
Nach dem Mauerfall war Deutschland im Umbruch, und Günter Grass wollte nah dran sein an der Stimmung unter den Menschen und den politischen Debatten. Er war viel unterwegs in der Noch-DDR, war präsent, wo über die Zukunft und den Prozeß der Wiedervereinigung gesprochen wurde, pflegte einen regen Austausch mit seinen Kindern und Freunden.
Das Tagebuch von Günter Grass gibt Einblicke in den Alltag eines Zeitgenossen, der im Bewußtsein des historischen Moments leidenschaftlich lebt und streitet. Es steckt voller Begegnungen, Beobachtungen und Gedanken; Ideen zu späteren Erzählwerken keimen hier auf und entfalten sich. Das Tagebuch ist ein erzählerisches Protokoll aus einer Zeit, da die Geschichte wieder mächtig in Bewegung geraten war.

Über den Autor

Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren, absolvierte nach der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft eine Steinmetzlehre, studierte dann Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin. 1956 erschien der erste Gedichtband mit Zeichnungen, 1959 der erste Roman „Die Blechtrommel„. 1965 erhielt der Autor den Georg-Büchner-Preis. 1994 erhält er den Karel-Capek-Preis. 1999 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Grass lebt in der Nähe von Lübeck. Zuletzt erschienen seine autobiographischen Bücher „Beim Häuten der Zwiebel“ und „Die Box„.

Der Eintritt für die Veranstaltung in der Münchner LMU beträgt 10 Euro, für Studierende und Schüler 5 Euro. Karten sind nur über die Buchhandlung Lehmkuhl, Leopoldstr. 45, erhältlich.

München Muffathalle: Rawi Hage liest aus Als ob es kein Morgen gäbe

Bomben fallen wie Glasmurmeln auf Beirut, aber Bassam will nicht in den Keller, er will lieber draußen sterben, in der Stadt, die ihn süchtig nach Leben macht. Schulmädchenbeine, Siebzigerjahre-Frisuren, Schlaghosen, Haschisch und Waffen: Für die jugendlichen Bassam und George zählen im Alltag des libanesischen Bürgerkrieges nur ihre kleine Fluchten, – bis George sich einer christlichen Miliz anschließt und aus beiläufigen Gaunereien große Gewalt wird.

Als ob es kein Morgen gäbe (Dumont) ist ein fulminanter Roman. Süddeutsche Zeitung

als-ob-es-kein-morgen-gabeKurzbeschreibung
Bassam und sein bester Freund George, den alle nur De Niro nennen, ziehen durch das Bürgerkriegs-Beirut der achtziger Jahre. In ihrer Kindheit sammelten sie gemeinsam Kugeln und Granathülsen in den Ruinen, um sie gegen Zigaretten einzutauschen. Seitdem sind zehntausend Bomben auf Beirut gefallen. Heute sind sie Teenager und haben Eltern und Geschwister, Nachbarn und Freunde verloren. Sie sind Überlebenskünstler, die ihren Anteil am Glück fordern. Sie ergaunern sich Geld, sie verlieben sich, sie fangen an zu leben. Aber während Bassam davon träumt, nach Rom zu gehen, wo »sogar die Tauben glücklich und gut genährt wirken«, schließt De Niro sich einer christlichen Miliz an, um zu kämpfen. Bassam weigert sich, und eins ist klar: Er muss fliehen. Aber auf dem Weg zum Schiff in die Freiheit fängt De Niro ihn ab …

Über den Autor
Rawi Hage, 1964 geboren, aufgewachsen in Beirut und auf Zypern, erlebte den libanesischen Bürgerkrieg am eigenen Leib. 1982 ging er nach New York, wo er Fotografie studierte. Seit 1991 lebt er als freischaffender Künstler und Autor in Montreal. Für Als ob es kein Morgen gäbe (De Niro’s Game) wurde er 2008 mit dem höchstdotierten Literaturpreis der Welt, dem IMPAC-Award, ausgezeichnet. Im Herbst 2008 erschien in Kanada sein zweiter Roman, Cockroach .

Heute, um 20.30 Uhr, liest Rawi Hage aus Als ob es kein Morgen gäbe im Münchner Cafe Muffathalle. Die deutsche Fassung liest August Zirner. Kartenreservierung unter 21 83 91 82.

Eine ausführliche Rezension unter dem Titel Russisches Roulette in Beirut ist heute in der FAZ nachzulesen.

Quellen: Süddeutsche Zeitung

Ilija Trojanow erhält den Preis der Literaturhäuser

Der Schriftsteller Ilija Trojanow, 1965 in Bulgarien geboren, ist auf der Leipziger Buchmesse mit dem Preis der Literaturhäuser 2009 ausgezeichnet worden.

Die Programmleiter der Literaturhäuser Berlin, Frankfurt, Graz, Hamburg, Köln, Leipzig, München, Rostock, Salzburg, Stuttgart und Zürich würdigten seine Romane, Reiseberichte und Essays als „einzigartige Sammlung von Beispielen und Modellen der Begegnung von Kulturen, die nicht unter dem Zeichen des Kampfes stattfinden“.

Der Preis der Literaturhäuser wird seit 2002 für außerordentliche Text- und Präsentationsqualitäten an einen deutschsprachigen Autor vergeben. Der Preis besteht aus einer Lesereise durch alle elf im Netzwerk vereinigten Literaturhäuser mit einem Gesamthonorar von 11.000 Euro sowie einem Empfang mit Laudatio in jedem besuchten Literaturhaus.

Zu den bisherigen Preisträgern der zum achten Mal vergebenen Auszeichnung gehören Ulrike Draesner (2002), Bodo Hell (2003), Peter Kurzeck (2004), Michael Lentz (2005), Uwe Kolbe (2006), Sibylle Lewitscharoff (2007) und Anselm Glück (2008).

Ilija Trojanow entstammt einer bulgarischen Familie, die 1971 über Jugoslawien und Italien in die Bundesrepublik Deutschland floh, wo sie Politisches Asyl erhielt. 1972 zog die Familie weiter nach Kenia, wo der Vater eine Anstellung als Ingenieur erhalten hatte. Unterbrochen von einem Deutschlandaufenthalt in den Jahren 1977 bis 1981, in denen er von 1979 bis 1981 das Staatliche Landschulheim Marquartstein besuchte, lebte Ilija Trojanow bis 1984 in Nairobi. Er besuchte die Deutsche Schule Nairobi, die er mit der Reifeprüfung abschloss. Danach folgte ein Aufenthalt in Paris, und von 1985 bis 1989 studierte er an der Universität München Rechtswissenschaften und Ethnologie. Nachdem er dieses Studium abgebrochen hatte, gründete er 1989 in München den Kyrill-und-Method-Verlag, 1992 den Marino-Verlag, die beide auf Afrikanische Literatur spezialisiert waren. 1999 übersiedelte Trojanow nach Mumbai; in den folgenden Jahren beschäftigte er sich intensiv mit Indien. Von 2003 bis 2007 lebte Trojanow in Kapstadt; 2007 war er Mainzer Stadtschreiber. Er lebt in Wien.

Trojanow verfasste in den Neunzigerjahren einige Sachbücher und Reiseführer über Afrika, er gab eine Anthologie mit afrikanischer Gegenwartsliteratur heraus und übersetzte afrikanische Autoren. 1996 erschien sein erster eigener Roman Die Welt ist groß und Rettung lauert überall, in dem er die Erfahrungen seiner Familie als politische Flüchtlinge und Asylanten verarbeitete. Es folgten der Science-Fiction-Roman Autopol, der als „novel in progress†œ im Internet entstanden war, mit Hundezeiten ein Reisebericht über ein Wiedersehen mit der bulgarischen Heimat sowie Bücher über Trojanows indische Erfahrungen. In der Reportage Zu den heiligen Quellen des Islam beschrieb Trojanow seine Pilgerreise nach Mekka. Zu seinen erfolgreichsten Romanen zählt Der Weltensammler.

der-weltensammlerKurzbeschreibung
Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821-1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat.

Ilija Trojanow ist seit 2002 Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Im November 2007 war Trojanow im Rahmen der Tübinger Poetik-Dozentur Dozent an der Universität Tübingen.

2007 drehte Trojanow den Film „Vorwärts und nie vergessen. Ballade über bulgarische Helden†œ, der noch im selben Jahr in 3sat und im ZDF zu sehen war. Diese Dokumentation basiert auf Gesprächen mit politischen Gefangenen und Zeitzeugen, die auf Jahre und Jahrzehnte in den Gefängnissen und Lagern Bulgariens verschwanden. Er handelt von den Verbrechen und Grausamkeiten der Kommunisten und den Lügen in der heutigen bulgarischen Gesellschaft.

Im April 2008 kuratierte Trojanow das Literaturfestival „RE ASIA – Avatar. Asiens Erzähler†œ im Berliner Haus der Kulturen der Welt.

Für die taz verfasst Trojanow im Wechsel mit mehreren anderen Autoren seit 2006 die wöchentliche Kolumne „Das Schlagloch“.

Ilija Trojanow wird in der Zeit vom 06. April bis 17. Juni 2009 eine Lesereise durch die Literaturhausstädte unternehmen.

LitCologne: Die Lust an sich – Onanie oh la la!

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Bei der Veranstaltung der LitCologne am 14.03. im Kölner Theater am Tanzbrunnen beschränkte sich die Lust an sich zunächst darauf, Hannelore Hoger und Richy Müller auf der Bühne zu erleben. Wahrscheinlich wusste niemand im Publikum der ausverkauften Veranstaltung so genau, was ihn erwarten würde. Es war zumindest keine Lesung im herkömmlichen Sinne, aber ein Event der besonderen Art.

Andreas Platthaus, Feuilleton-Redakteur der FAZ, führte souverän durch den Abend und spielte den ernsthaften Moralisten, wenn er Hannelore Hoger und Richy Müller abwechselnd aufforderte Texte zum Thema Onanie zum Besten zu geben.
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Die historische Reise begann mit Diogenes und endete mit John Harvey Kellogg (Kellogs-Frühstücksflocken), der noch im 20. Jahrhundert gegen das Übel der Masturbation folgendes empfahl:

„Ein Mittel gegen Masturbation, welches bei kleinen Jungen fast immer erfolgreich ist, ist die Beschneidung. Die Operation sollte von einem Arzt ohne Betäubung durchgeführt werden, weil der kurze Schmerz einen heilsamen Effekt hat, besonders, wenn er mit Gedanken an Strafe in Verbindung gebracht wird. Bei Mädchen ist die Behandlung der Klitoris mit unverdünnter Karbolsäure hervorragend geeignet, die unnatürliche Erregung zu mindern.“

Auch wenn bei derartigen Passagen so manches Mal das Lachen im Halse stecken blieb, überwog eindeutig der Humor wegen der Absurdität dieses Feldzugs unserer Vorfahren im 18. und 19. Jahrhundert gegen die Masturbation. Die römisch-katholische Kirche betrachtete sie als Sünde, Wissenschaftler machten sie für Gehirnerweichung, Rückenmarksschwund, Krebs, Wahnsinn oder Lepra verantwortlich.

Christian Gotthilf Salzmann (1744 †“ 1811), Leiter des Philanthropinums in Schnepfenthal, erstellte eine Liste mit

acht Signalen, die ein Leben retten können:

1. Die ehemals gesunde Gesichtsfarbe wird leichenblass.
2. Die Muskeln werden schlaff.
3. Die Haut um die Augen färbt sich auffallend braunrot bis schwärzlich, die Augen selbst wirken eingesunken, blicken trüb und scheu.
4. Die Lippen wirken blutleer und fahl.
5. Alle Bewegungen des Gesichts geschehen mühsam.
6. Der Betroffene ist leicht reizbar, neigt zu übler Laune und Zorn, nimmt leichter als gewöhnlich übel.
7. Im Schlaf wird man, besonders an den betreffenden Teilen, auch manches wahrnehmen können, vor allem des Morgens.
8. Auch das allzuhäufige Urinlassen ist verdächtig, so wie das Verunreinigen des Bettes damit.

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Es war ein sehr interessanter, kurzweiliger und humorvoller Abend dank der brillanten Hannelore Hoger, dem charmanten Richy Müller und dem großartigen Andreas Platthaus. Und natürlich war es ein zutiefst menschlicher Abend, abgerundet durch die Schlussworte von Hannelore Hoger:

Lieben Sie sich selbst! 😉