Kevin Lukas wird Chef

Rico Beutlich mit seinem Text, den fünf von sechs Verlagen als „spannend“, „bemerkenswert“, „eindringlich“, „hochinteressant“, „gut bearbeitet“, „fundiert“ und „packend“ bezeichneten:

Kevin-Lukas wachte auf. Und er guckte aus dem Fenster und was er da sah war auch nicht gut, alles voll Regen. Große Tropfen, kleine Tropfen und dazu sehr viele mittelgroße Tropfen sind auch da. Sie alle liefen die Fensterscheibe hinunter. Sehr langsam. Ziemlich nass die Sache, gar keine Sonne, bloß Regen….

Der 814 Seiten umfassende Roman von Rico Beutlich, eine Kunstfigur der 42er Autoren, hat weder Struktur noch Sinn. Der Inhalt wurde aus Textbausteinen aus dem Internet kopiert. Trotzdem wollten gleich 5 der 6 Verlage, bei denen der Text eingereicht wurde, den Roman publizieren.

Tom Liehr, Mitglied der „42er Autoren“, sagte in einem heute veröffentlichten Interview mit der SZ:

„Es gibt Verlage, die sich „Zuschuss-„, „Service-“ oder „Dienstleistungsverlage“ nennen und Autoren mit dem vollmundigen Versprechen locken, gegen einen Zuschuss im vier- bis fünfstelligen Bereich ihr Werk zu einem Bestseller werden zu lassen. Wir wollten wissen, welche Qualität diesen Unternehmen dabei noch förderungswürdig erscheint. Schließlich tragen einige dieser Verlage die Namen großer Dichter oder Künstler im Firmenschild. Das sollte sie eigentlich verpflichten.

Rico Beutlich steht exemplarisch für viele bedauernswerte, talentfreie Autoren, die sich – menschlich verständlich – über das Lob der Verlage freuen, auch wenn es rein wirtschaftlich motiviert ist. Andererseits vernichten solche Verlage womöglich auch literarische Perlen, die man nur einmal anständig lektorieren müsste. Das wollten wir mit unserer Aktion zeigen.“

Die ca. 60 Mitglieder starke Autorenvereinigung „42er Autoren“ sieht sich als „Verein zur Förderung der Literatur“. Mehr darüber findet sich auf der Website der Autorenvereinigung.

Ein Gedanke zu „42er Autoren: Rico Beutlich, Kevin Lukas wird Chef

  1. Einst schickte die „konkret“ an die großen Verlage Musils „Mann ohne Eigenschaften“, welches durchweg abgelehnt wurde. Dafür verlegt man „Feuchtgebiete“ und Co. Ohne seriöse DKZV würden viele gute Bücher nie veröffentlicht. So sollte man es auch einmal betrachten. Welcher Verlag würde heute noch ein Manuskript von Goethe verlegen?
    Und ganz ehrlich, wer das Geld dafür hat, sollte die Chance haben, einen seriösen DKZ-Verlag zu finden.

    Was ich nur schade finde, an dieser ganzen Geschichte, dass eben genau dieser eine seriöse Verlag, der Frieling-Verlag, nur am Rande einmal kurz erwähnt wird, aber dann doch wieder alles über einen Kamm geschert wird. Objektivität ist eben nichts für Schriftsteller, die das Glück hatten, einen Verleger zu finden.

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