Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 38/2010

Platz 1 : Schändung von Jussi Adler-Olsen

Kurzbeschreibung
„Der Blutdurst der Jäger. Wie würden sie es machen? Ein einzelner Schuss? Nein. So gnädig waren die nicht, diese Teufel, so waren sie nicht …“
Ein Leichenfund in einem Sommerhaus in Rørvig. Zwei Geschwister sind brutal ermordet worden. Der Verdacht fällt auf eine Gruppe junger Schüler eines exklusiven Privatinternats, die für ihre Gewaltorgien bekannt sind. Einer von ihnen gesteht.
Zwanzig Jahre später. Nachdem Carl Mørck aus dem Urlaub zurückkommt, stößt ihn sein Assistent Assad mit der Nase auf die verstaubte Rørvig-Akte. Doch von oberster Stelle werden ihnen weitere Ermittlungen verboten. Carl und Assad ist klar, dass hier etwas zum Himmel stinkt: Die Spuren führen hinauf bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft, in die Welt der Aktienhändler, Reeder und Schönheitschirurgen †“ und sie führen ganz weit nach unten, in die Abgründe der Gesellschaft, zu einer Obdachlosen: äußerlich hart wie Granit, doch mit einer blutenden Seele …

Platz 2 : Freiheit von Jonathan Frantzen

Kurzbeschreibung
Patty und Walter Berglund – Vorzeigeeltern und Umweltpioniere, fast schon ideale Nachbarn in ihrer selbst renovierten viktorianischen Villa in St. Paul – geben plötzlich Rätsel auf: Ihr halbwüchsiger Sohn zieht zur proleten­haften repub­likanischen Familie nebenan, Walter lässt sich zum Schutz einer einzigen Vogelart auf einen zwielichtigen Pakt mit der Kohleindustrie ein, und Patty, Exsportlerin und Eins-a-Hausfrau, entpuppt sich als wahrlich sonderbar. Hat Walters bester Freund, ein Rockmusiker, damit zu tun? Auf einmal lebt Patty ihre kühnsten Träume, führt sie ein Leben ohne Selbstbetrug.
In diesem Roman einer Familie, der zugleich ein großes Epos der letzten dreißig Jahre ame­rika­nischer Geschichte ist, erzählt Jonathan Franzen von Freiheit – dem Lebensnerv der westlichen Kulturen – und auch dem Gegenteil von ihr, zeigt die tragikomischen Verwerfungen zeitgenössischer Liebe und Ehe, Freundschaft und Sexualität. Freiheit ist ein bedeutsames Buch über unser Leben in einer immer unübersichtlicher und fragiler werdenden Welt.

Platz 3 : Erbarmen von Jussi Adler-Olsen

ErbarmenKurzbeschreibung
Der Albtraum einer Frau.
Ein dämonischer Psychothriller.
Der erste Fall für Carl Mørck vom Sonderdezernat Q in Kopenhagen.
Die verzerrte Stimme kam aus einem Lautsprecher irgendwo im Dunklen: „Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?“
Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton gefangen gehalten.
Wer sind die Täter? Was wollen sie von dieser Frau? Und: Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?
„Ein ungewöhnlich schöner und hochspannender Thriller, der einem bis zur letzten Seite den Atem abschnürt.“ politiken.dk

Platz 4 : Endlich! von Ildikó von Kürthy

Kurzbeschreibung
„Nur eine schlafende Frau ist eine zufriedene Frau.“ Ich dachte, ich sei einigermaßen glücklich. Aber so kann man sich irren. Denn ich habe versehentlich die Wahrheit über meine Ehe herausgefunden: Ich bin eine betrogene Frau! Ist das das Ende? Oder ein Anfang? Erst mal brauche ich ein neues Ego. Und definierte Oberarme. Ich beschatte meinen Mann, besuche das Seminar „Nackt besser aussehen“ und wache am Morgen danach nicht allein auf. Mein neuer Personal Trainer sagt: „Wahrheit oder Glück, du kriegst niemals beides.“ Ich sage: „Ich will meinen Mann und mein Leben zurück!“ Zum Schluss bekomme ich genau das, was ich mir schon immer hätte wünschen sollen. Endlich! „Ildikó von Kürthy ist die Spezialistin für den schlauen Frauenroman.“ Welt am Sonntag

Platz 5 : Hummeldumm: Das Roman von Tommy Jaud

Kurzbeschreibung
„Sitzreihe 12 war die letzte, die zwischen Tortellini und Hühnchen wählen durfte. Ich saß in Reihe 13. Schon auf dem Hinflug hätte mir klar sein können, dass der Jahresurlaub zum Albtraum wird.“
Wer an allem schuld ist, ist für Matze sowieso klar: seine Freundin Sina. Während er in endlosen Verhandlungen die neue Eigentumswohnung klargemacht hat, sollte sie einfach nur „irgendwas“ buchen. Hat sie auch. Doch musste dieses „irgendwas“ ausgerechnet eine zweiwöchige Gruppenreise durch Namibia sein, ein Land, in dem jede hüftkranke Schildkröte schneller ist als das Internet? Was hat er denn verbrochen, dass man ihn nun täglich in einen Kleinbus voller Bekloppter sperrt, um ihn dann zu österreichischen Schlagern über afrikanische Schotterpisten zu rütteln? Und warum stolpert er bei minus zwei Grad in einem albernen Wanderhut über die Dünen der Kalahari, statt auf Mallorca ein Bierchen zu schlürfen? Als Matze dann noch daran erinnert wird, dass die sicher geglaubte Wohnung an andere Käufer geht, wenn er nicht sofort die fünftausend Euro Reservierungsgebühr überweist, hat er gleich noch drei neue Probleme: Das nächste Internetcafé ist fünfhundert Kilometer entfernt, der Handyakku plattgedaddelt und das einzige Ladegerät fest in österreichischer Hand.
„Ich drücke meine Nase ans Busfenster und blicke hinaus ins weite Land. Die Namibier winken uns und lachen. Klar lachen sie, sie sind ja frei. Wir nicht. Wir sind die in Blech gepackte Rache für die deutsche Kolonialzeit.“

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Platz 6 : Schuld: Stories von Ferdinand von Schirach

Kurzbeschreibung
Der Erzählungsband „Verbrechen“ von Ferdinand von Schirach hat die Leser im deutschsprachigen Raum begeistert und bewegt, wie es Büchern nur ganz selten gelingt. Nun legt der als die literarische Entdeckung des Jahres 2009 gefeierte Autor und Strafverteidiger einen neuen Band Geschichten vor. Ein Mann bekommt zu Weihnachten statt Gefängnis neue Zähne. Ein Junge wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Die neun Biedermänner einer Blaskapelle zerstören das Leben eines Mädchens und keiner von ihnen muss dafür büßen Neue Fälle aus der Praxis des Strafverteidigers von Schirach die der Autor von Schirach in große Literatur verwandelt hat. Mit bohrender Intensität und in seiner unvergleichlichen lyrisch-knappen Sprache stellt er leise, aber bestimmt die Frage nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld und nach der moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns.

Platz 7 : Sommerlügen von Bernhard Schlink

Kurzbeschreibung
Lebensentwürfe, Liebeshoffnungen, Alterseinsichten †“ was ist Illusion, und was stimmt? Was bleibt, wenn eine Illusion zerplatzt? Die Flucht in eine andere? Weil das Leben ohne Lebenslügen nicht zu bewältigen ist? Sieben irritierend-bewegende Geschichten von Bernhard Schlink.
„Der Tag, an dem sie aufhörte, ihre Kinder zu lieben …« So beginnt die Geschichte einer Frau, die merkt, dass das, was ihrem Leben Sinn gegeben hat, nicht mehr trägt. Sie macht sich auf die Suche, trifft den Mann wieder, den sie als Studentin geliebt hat wie er sie. Hat sie damals die falsche Entscheidung getroffen? Ein Sohn will endlich wissen, wer sein Vater ist, und macht mit ihm eine Reise. Ein Mann, unheilbar krank, arrangiert einen Sommer mit den Seinen, um in den Tod zu gehen, wenn das Leben noch schön ist. Ein Passagier hört auf einem Flug die Lebensbeichte seines Sitznachbarn †“ oder sind es lauter Lügen? Warum versucht ein junger Mann und Vater seine erfolgreiche Frau vor der Welt zu verstecken? Was treibt einen Liebenden, seine Geliebte wieder und wieder zu belügen und in den Lügen sie und sich selbst zu verlieren? Und wie löst man die Stricke, mit denen einen das alte Leben hält, wenn späte Liebe ein neues Leben verspricht? Die Lügen, mit denen wir leben, behutsam aufzudecken ist der Kern dieser unbestechlich klaren, schwermütig schönen Erzählungen.

Platz 8 : Verbrechen von Ferdinand von Schirach

VerbrechenKurzbeschreibung
Ferdinand von Schirach hat es in seinem Beruf alltäglich mit Menschen zu tun, die Extremes getan oder erlebt haben. Das Ungeheuerliche ist bei ihm der Normalfall. Er vertritt Unschuldige, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, ebenso wie Schwerstkriminelle. Deren Geschichten erzählt er …Ein angesehener, freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach vierzig Ehejahren seine Frau mit einer Axt. Er zerlegt sie förmlich, bevor er schließlich die Polizei informiert. Sein Geständnis ist ebenso außergewöhnlich wie seine Strafe. Ein Mann raubt eine Bank aus, und so unglaublich das klingt: er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der deutschen Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Lauter unglaubliche Geschichten, doch sie sind wahr.

Platz 9 : Entsetzen von Karin Slaughter

Kurzbeschreibung
Eine falsche Tote †“ ein wahr gewordener Albtraum …
Noch auf der Schwelle zu ihrem Zuhause sieht Abigail Campano die Glasscherben. Den blutigen Fußabdruck auf dem Dielenboden. Und den Mann, der sich über den leblosen Körper eines Mädchens beugt. Ihre Tochter! Sie stürzt sich auf ihn, bringt ihn zu Fall, und in einem erbitterten Kampf um Leben und Tod erwürgt sie ihn. Das Mädchen, sieht sie, wurde erschlagen. Der Körper ist mit Bisswunden und Prellungen übersät. Doch es ist nicht ihre Tochter Emma, sondern deren beste Freundin Kayla. Emma ist wie vom Erdboden verschluckt.
Special Agent Will Trent weiß: Die Chance, das Mädchen lebend zu finden, wird von Stunde zu Stunde geringer. Doch noch entsetzlicher ist die Vorstellung, dass der sadistische Täter ungeschoren davonkommen könnte …
Der zweite Fall für Will Trent und seine neue Partnerin Faith Mitchell †“ Nervenkitzel pur!

Platz 10 : Die Insel unter dem Meer von Isabel Allende

Kurzbeschreibung
Die Mulattin Zarité, genannt Tété, ist erst neun Jahre alt, als der junge Plantagenbesitzer Toulouse Valmorain sie als Dienstmagd für seine lebensuntüchtige Frau kauft. Doch in Tété schlummert eine andere Bestimmung als die der willfährigen Sklavin. Selbst als ihr Herr sie in sein Bett zwingt, als man ihr das erste Kind entreißt und ihr Geliebter sie verläßt, um sich den aufständischen Sklaven in den Bergen anzuschließen, verliert Tété ihr Ziel nicht aus den Augen: die Freiheit für sich und ihre Tochter. Der Konflikt zwischen den aufständischen Sklaven und den weißen Herren in Saint-Domingue eskaliert, und Tété muß eine schwere Entscheidung treffen; sie flieht mit Valmorain, dessen kleinem Sohn und ihrer Tochter aus der brennenden Stadt Le Cap nach Kuba und weiter nach New Orleans. In der bunten kreolischen Gesellschaft findet ihr Drang nach Freiheit und Verantwortung für das eigene Leben neue Nahrung, doch müssen Jahre vergehen, bis ihr Traum Wirklichkeit wird. Mit ihrem neuen Roman Die Insel unter dem Meer entführt uns die chilenische Bestsellerautorin Isabel Allende von den Zuckerrohrplantagen auf Saint-Domingue, dem heutigen Haiti, in das pulsierende New Orleans des frühen 19. Jahrhunderts. Ein schillernder, dramatischer Bilderbogen um eine starke Frau, die alles riskiert und sich bedingungslos ihre Freiheit erkämpft.

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 38/2010

Platz 1 : Leichenblässe von Simon Beckett

Kurzbeschreibung
Dr. Hunter ist zurück … Bei seinem letzten Einsatz ist David Hunter nur knapp dem Tode entronnen. Nicht vollständig genesen, quält ihn die Frage, ob er seinem Beruf noch gewachsen ist. Bis ein alter Freund den Forensiker um Hilfe bittet: In einer Jagdhütte in den Smoky Mountains wurde ein Toter gefunden. Die Leiche ist bis zur Unkenntlichkeit zersetzt. Die Spuren sind widersprüchlich. Und David Hunter ist im Begriff, einen folgenschweren Fehler zu begehen … «Mit einem schwermütigen Forensiker als Ermittler avanciert der Brite Simon Beckett zum neuen Krimikönig.» DIE WELT

Platz 2 : Der Chinese von Henning Mankell

Kurzbeschreibung
An einem frostigen Januartag 2006 macht die Polizei von Hudiksvall eine entsetzliche Entdeckung. In einem kleinen Dorf sind neunzehn Menschen auf bestialische Weise ermordet worden. Die Polizei vermutet dahinter die Tat eines Wahnsinnigen. Als Richterin Birgitta Roslin in der Zeitung von der Tat liest, ist ihr sofort klar, dass die Pflegeeltern ihrer Mutter unter den Mordopfern sind. Mehr noch: Sie erkennt, dass die Polizei eine falsche Spur verfolgt, und beginnt selbst zu recherchieren. Ein Hinweis führt nach China, wo Birgitta auf grausame Machenschaften der politischen Führungselite stößt.

Platz 3 : Herbstmagie von Nora Roberts

Kurzbeschreibung
Romantisch und gefühlvoll: Der dritte Roman des Jahreszeitenzyklus von Nora Roberts
Gemeinsam mit ihren drei besten Freundinnen betreibt die hübsche Konditorin Laurel die erfolgreiche Hochzeitsagentur Vows. Tag für Tag hilft sie glücklichen Paaren, ihre Liebe mit einem rauschenden Fest zu krönen, in Laurels eigenem Privatleben sieht es aber alles andere als rosig aus. Doch dann verliebt sie sich in den smarten Staranwalt Del. Er ist für sie die Liebe ihres Lebens, aber sieht der heißbegehrte Junggeselle das ebenso?

Platz 4 : Der verborgene Garten von Kate Morton

Kurzbeschreibung
Ein verwunschener Garten, eine adlige Familie, ein dunkles Geheimnis
Als die junge Australierin Cassandra von ihrer Großmutter ein kleines Cottage an der Küste Cornwalls erbt, ahnt sie nichts von dem unheilvollen Versprechen, das zwei Freundinnen ein Jahrhundert zuvor an jenem Ort einlösten. Auf den Spuren der Vergangenheit entdeckt Cassandra ein Geheimnis, das seinen Anfang in den Gärten von Blackhurst Manor nahm und seit Generationen das Schicksal ihrer Familie bestimmt.
Blackhurst Manor, Cornwall, Anfang des 20. Jahrhunderts: Nach dem Tod ihrer Eltern wächst Eliza bei ihrem Onkel auf Blackhurst Manor, dem Familienbesitz der Mountrachets, auf. Sie und ihre Cousine Rose werden schnell unzertrennlich. Um der Welt der Erwachsenen zu entfliehen, erkunden sie das geheimnisvolle Anwesen und entdecken einen verborgenen Garten mit einem Cottage †“ ein Ort, an den sich die fantasievolle Eliza immer wieder zurückziehen kann. Doch als die Mädchen erwachsen werden, zerbricht ihre einstige Freundschaft. Rose verliebt sich in Nathaniel, und als die beiden heiraten, zieht sich Eliza in das Cottage zurück, um sich ganz dem Schreiben von Geschichten zu widmen. So ahnt sie nicht, dass Rose zutiefst unglücklich ist, weil ihre Ehe kinderlos bleibt. In ihrer Verzweiflung bittet sie Eliza um Hilfe. Ein unheilvoller Plan wird in die Tat umgesetzt und bestimmt fortan das Schicksal der nachfolgenden Generationen.

Platz 5 : Eat Pray Love: Eine Frau auf der Suche nach allem quer durch Italien, Indien und Indonesien von Elizabeth Gilbert

Kurzbeschreibung
Essen. Beten. Lieben. Das braucht der Mensch zum Glücklichsein. Aber die einfachsten Dinge sind die schwersten, das weiß auch Elizabeth. Mit Anfang 30 hat sie ihren Mann verlassen und steht nun vor einem Scherbenhaufen. Nach tränenreichen Nächten beschließt die New Yorkerin, eine lange Reise anzutreten: In Italien lernt sie die Kunst des Genießens kennen, in einem indischen Ashram alle Regeln der Meditation und in Bali trifft sie auf Felipe und erfährt durch ihn die Balance zwischen innerem und äußerem Glück.

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Platz 6 : Verblendung von Stieg Larsson

verblendungKurzbeschreibung
Eine Familiengeschichte, die einen nicht mehr loslässt. Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffens spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zutage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, sie hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt. An seinem 82. Geburtstag erhält der einflussreiche Industrielle Henrik Vanger per Post anonym ein Geschenk. Das Paket enthält eine gepresste Blüte hinter Glas, genau wie in den 43 Jahren zuvor. Vangers Lieblingsnichte Harriet hatte ihm 1958 zum ersten Mal dieses Geschenk gemacht, doch dann verschwand sie spurlos. Ihr Leichnam wurde nie gefunden. In einer letzten Anstrengung beschließt Vanger herauszufinden, was dem geliebten Mädchen tatsächlich zustieß. Er engagiert den Journalisten Mikael Blomkvist, der, getarnt als Biograf, bald auf erste Spuren stößt. Unterstützt wird er von der jungen Ermittlerin Lisbeth Salander, einem virtuosen Computergenie mit messerscharfem Verstand. Je tiefer Blomkvist und Salander in der Vangerschen Familiengeschichte graben, desto grauenvoller sind ihre Enthüllungen. Ausgezeichnet mit dem skandinavischen Krimipreis. -> mehr Infos zu der Trilogie und zum Film

Platz 7 : Alles Glück kommt nie von Anna Gavalda

Kurzbeschreibung
»Unterhaltungsliteratur vom Feinsten, gute Geschichte blendend erzählt, besser geht s nicht!« Elke Heidenreich
Charles Balanda, Ende Vierzig, ist ein erfolgreicher Architekt und glücklich mit seinem Leben. Bis er einen Brief bekommt, in dem nur drei Worte stehen: Anouk ist tot. Von da an ist nichts mehr, wie es war. Denn Anouk ist seine große Liebe gewesen, bis…? Was damals geschah, lässt Charles nicht mehr los. Er begibt sich auf Spurensuche und merkt, dass er sich eigentlich nach einem ganz anderen Leben sehnt. Ein wunderbares Feuerwerk an witzigen Dialogen und unvergesslichen Szenen. Ein Buch über das große Glück, die Schatten der Vergangenheit und über die ganz, ganz große Liebe.

Platz 8 : Vergebung von Stieg Larsson

vergebungKurzbeschreibung
Wer suchet, der tötet
Die Ermittlerin Lisbeth Salander steht unter Mordverdacht. Ihr Partner Mikael Blomkvist schwört, ihre Unschuld zu beweisen. Er weiß, dass es um Salanders Leben geht. Als seine Ermittlungen die schwedische Regierung in ihren Grundfesten zu erschüttern drohen, setzt er alles auf eine Karte.
Klappentext
†œLarssons Gespür für Timing und Spannung ist überragend.† taz
†œSo packend, dass man dafür Urlaub nehmen sollte!† TV Spielfilm
†œStieg Larssons erzählerische Virtuosität (…) lässt seine Trilogie weit über das Genre des Polit-Thrillers hinauswachsen: Sie ist ein großer Gesellschaftsroman.† Der Spiegel

Platz 9 : Verdammnis von Stieg Larsson

VerdammnisKurzbeschreibung
Mikael Blomkvist recherchiert in einem besonders brisanten Fall von Mädchenhandel, die Hintermänner bekleiden höchste Regierungsämter. Als sein Informant tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf Blomkvists Partnerin Lisbeth Salander. Eine mörderische Hetzjagd beginnt. Der neue große Roman des preisgekrönten Bestsellerautors Stieg Larsson. Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin „Millennium“ eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt.

Platz 10 : Nein! Ich will keinen Seniorenteller: Das Tagebuch der Marie Sharp von Virginia Ironside

Kurzbeschreibung
Ein bezauberndes, witziges Lesevergnügen für alle, die sich so alt fühlen, wie sie sind
Herbst des Lebens? Generation Silber? Unsinn! Marie Sharp wird demnächst sechzig und damit schlicht alt. Ein Grund zum Feiern, wie sie findet. Schon wegen all der Dinge, die sie jetzt nicht mehr tun muss, wie etwa Volkshochschulkurse besuchen. Nichts hasst Marie so sehr wie umtriebige Senioren, die nur so alt sind, wie sich fühlen †“ sie stürzt sich lieber kopfüber in das Vergnügen, nicht mehr jung sein zu müssen. Dazu gehört ihre neue Rolle als Großmutter und eine alte Liebe. Denn Maries Jugendschwarm ist wieder zu haben …
Vom Vergnügen, endlich nicht mehr jung sein zu müssen.
„Keine leeren Floskeln, keine leeren Entmutigungen. Sondern die Erfahrungen einer liebenswerten Frau, die um keinen Preis jünger sein möchte, als sie ist und gerade dadurch wesentlich jugendlicher erscheint als manche, die dem Jugendkult verfallen sind.“ (NDR 1 )

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Frankfurter Buchmesse: Argentinien vorab zu Gast in München

Verschiedene Veranstaltungen widmen sich in den nächsten Tagen in München Argentinien, dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse.
Die argentinische Dichterin Maria Elena Walsh sagt über die Kultur Argentiniens, sie sei die Kunst zu überleben, ständig zu entdecken und zu erfinden. Entsprechend bunt und lebendig ist das kulturelle Treiben.

Dass der achtgrößte Staat der Erde weit mehr zu bieten hat als Tango, Gauchos und Maradona, zeigt die Frankfurter Buchmesse, die sich im Oktober dem Ehrengast Argentinien widmen wird. Auch München möchte einen Teil dazu beitragen. Literaturhaus, Siemens Stiftung und Instituto Cervantes warten bis zum 05. Oktober 2010 mit einem vielfältigen Programm auf, das sich hauptsächlich auf die lateinamerikanische Literatur konzentriert, aber auch Filme oder Ausstellungen bietet. Nachfolgend einige Veranstaltungstipps:

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Literaturhaus München:

Der in Argentinien geborene Alberto Manguel liest am 21.9.10 aus seinem neuen Roman „Alle Menschen lügen“.
Kurzbeschreibung
Bevilacqua rettet sich aus dem falschen Leben in Buenos Aires nach Madrid. Aber im Exil regieren statt der Zwänge der Diktatur nur Verdacht und Zwietracht. Da hilft es nichts, dass man in seinem Koffer ein mysteriöses Manuskript findet, das ein „Lob der Lüge“ verspricht. Bei dessen Erscheinen erntet Bevilacqua statt Ruhm und Ehre bloß Scham und Untergang.
Raffiniert stellt Alberto Manguels Roman der Lüge eine Falle. Vor Augen und Ohren des Lesers entsteht ein spannender Roman über die schmale Linie zwischen Liebe, Lüge und Verrat, eine melancholische Komödie über das wahre Falsche und das falsche Wahre: „Ein Meisterwerk“, urteilte El País.

„Argentinien unterwegs“ – bei der zweiten Afterworklesung liest Peter Fricke aus „Der Tunnel“ von Ernesto Sabato am 21.09.2010 von 18.30 bis 19.15 Uhr im Foyer. Musik: Enrique Ugarte (Akkordeon), Moderation: Cornelia Zetzsche

Zwei argentinische Stadtschreiber machen außerdem Station in München: Im Rahmen des Projektes Rayuela lebt und schreibt Ariel Magnus einige Wochen in Berlin, Alan Pauls in Zürich (die Tagbücher sind nachzulesen unter blog.goethe.de/rayuela). Ariel Magnus ist am 23.9.2010 („Übersetzer stellen vor“) und Alan Pauls am 2.10.2010 („Diwan“) im Literaturhaus München.

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Siemens Stiftung

Am 29. September folgt mit Samanta Schweblins „Die Wahrheit über die Zukunft†œ (Suhrkamp Verlag) die Lesung einer Autorin, die von der argentinischen Literaturkritik bereits als die beste Erzählerin ihrer Generation gefeiert und mit Julio Cortázar und Adolfo Bioy Casares verglichen wird. In ihrem wundersamen Erzählkosmos verschwinden die Grenzen zwischen Realem und Phantastischem, und der Leser taucht ein in eine aberwitzige Welt, die traumartig überscharf die unsere spiegelt. Auch die hiesige Kritik zeigt sich begeistert: „Der schmale Band liegt leicht in der Hand, sein literarisches Gewicht ist jedoch beträchtlich†œ (Eberhard Falcke, Die Zeit). Samanta Schweblin, 1978 in Buenos Aires geboren, hat Filmwissenschaften studiert und war Inhaberin einer Agentur für Webdesign, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Ihre Lesung wird moderiert von Volker Isfort von der Münchner Abendzeitung. Vortrag der deutschen Übersetzung: Hans Jürgen Stockerl.

Die Lesung findet um 19:00 Uhr im Auditorium des SiemensForum München (Oskar-von-Miller-Ring 20) statt. Der Eintritt ist frei.

Seitensprung der Sisterhood †“ Engelsduft

Seitensprung der Sisterhood

Kapitel 2
Engelsduft

Ikarus war ein bisschen blass um die Nase und ließ sich auf einen Plastikstuhl im Wartebereich nieder. Doc setzte sich neben ihn und Sam lief nachdenklich vor ihnen auf und ab.
„Das war wirklich knapp, ich glaube, wer auch immer dahinter steckt, wollte uns mit der Maschine in die Luft jagen.†œ
„Das waren mit Sicherheit die Wiesel-Brüder!†œ sagte Doc und warf einen besorgten Blick auf ihren Piloten.
„Also, der Typ beim Auftanken heute …, der hatte auch irgendwas von einem Wiesel, der roch auch so. Hätte ich gewusst, dass …†œ
„Schon gut†œ, unterbrach Doc ihn, „es war nicht deine Schuld, du wusstest doch gar nichts von ihnen.†œ Ikarus hatte sich von dem Schock immer noch nicht ganz erholt, aber sein Gesicht bekam langsam wieder etwas Farbe. Er war noch nicht lange bei der Bruderschaft und noch in der Ausbildung. So knapp dem Tod zu entkommen, damit musste man erst umzugehen lernen.
„Dann können die Wiesel aber unmöglich morgen Mittag in Louisiana sein, was denkst du, Jane?†œ Sam sah sie fragend an, doch bevor sie antworten konnte, klingelte ihr Handy.
Ein anonymer Anruf, das konnte nur Sweetlife sein. Sie nahm das Gespräch an und telefonierte eine ganze Weile mit ihrer Chefin. Nachdem sie aufgelegt hatte, blickten sie zwei neugierige Augenpaare an. Doc seufzte, das würde noch eine lange Nacht für sie alle werden.
„Sweetlife wollte uns warnen. Zwar nicht vor dem Anschlag, aber Louisiana war eine Falle.
Die O´Connelys sind gar nicht dort. Sie halten sich nach wie vor in Irland auf. Genauer gesagt sind sie auf den Weg nach Belfast.†œ Zum Glück hatten ihre Informanten die O´Connely-Brüder weiter im Auge behalten, da es suspekt erschien, dass die drei sich so offenkundig zurück an ihren bekannten Wohnsitz begeben wollten.
†œAlso wissen wir auch, wer dafür verantwortlich war.†œ Sie machte eine Handbewegung in Richtung Rollfeld und deutete auf die Feuerwehr sowie die Sicherheitsleute des Flughafens, die schwer damit beschäftigt waren den Brand unter Kontrolle zu bekommen.
„Ikarus, Sweetlife informiert jetzt ein Mitglied der Bruderschaft, das hier in Irland stationiert ist. Du sollst hier auf einen Mr. Greedy warten. Er wird die Ermittlungen übernehmen. Die Pressemitteilung wird gefaked. In den Nachrichten wird dann bekannt gegeben, dass zwei verkohlte Leichen in dem Flugzeugwrack gefunden wurden. Du sollst ihm helfen und danach zurück nach Schottland kehren. Sam und ich werden jetzt mit dem Auto nach Belfast fahren, und dann knöpfen wir uns diese Pyromanen vor.†œ Sie stand auf, tätschelte dem Piloten den Arm, nickte Sam auffordernd zu und ging in Richtung Autovermietung, um die Autoschlüssel wieder abzuholen.
Herzhaft gähnend stieg sie in den Wagen. Sam blieb davor stehen.
„Sollte ich nicht lieber fahren? Du siehst aus, als ob du gleich einschlafen würdest.†œ Er hatte recht, und auch wenn sie ihre Müdigkeit nur ungern zugab, rutschte sie rüber auf den Beifahrersitz.
Sam setzte sich hinter das Steuer, doch bevor sie losfuhren, würgte er den Motor dreimal ab. Oh je, konnte er überhaupt fahren? Seltsam, aber in Newgrange war er auch ohne Auto unterwegs gewesen, fiel Doch jetzt wieder ein. Ruckelnd fuhren sie vom Parkplatz. Das konnte ja was werden. Sie fühlte sich auf einmal nicht mehr müde genug um zu schlafen und hatte lieber ein Auge auf den Verkehr. Gleich bei der nächsten roten Ampel würgte er wieder den Motor ab. Das war Anlass genug für Doc sich anzuschnallen und mit einer Hand am Türgriff schützend Halt zu suchen. Er fuhr wie ein Betrunkener, der eine ganze Flasche Whisky intus hatte und zeichnete Schlangenlinien auf die zweispurige kerzengerade Straße. Wahrscheinlich lag es an seinen Knien, die beidseitig das Lenkrad berührten.
„Sam, du darfst hier 60 fahren, mit 20 kommen wir niemals an.†œ
„Gib mir noch ein paar Minuten, ich bin bestimmt 30 Jahre kein Auto mehr gefahren, da hat sich mittlerweile viel verändert.†œ
„Oh, okay, dann fahr besser doch nicht schneller.†œ

Seite 14

Jane konnte nicht anders, sie kicherte los. Es sah so lustig aus, wie er todernst das Lenkrad umklammert hielt und versuchte das Auto unter Kontrolle zu bringen. Prustend gab sie ihm ein paar Tipps.
„Auf jeden Fall solltest du mal versuchen, im ersten Gang anzufahren, das macht man heute so.†œ Er warf ihr einen grimmigen Blick zu und starrte dann weiter verbissen auf die Fahrbahn.
„Sam, ganz im Ernst, stell den Sitz doch mal 50 cm zurück und du wirst sehen, das ist viel entspannter, und du musst auch nicht mit der Stirn die Scheibe berühren.†œ
Plötzlich machte er eine Vollbremsung.
„Sam!†œ, kreischte Doc lachend. Er beugte sich ganz nah zu ihr herüber.
„Du machst dich über mich lustig? Hör zu: Ich. Kann. Das.†œ
„Ich bin ja schon ruhig.†œ Das Grinsen bekam sie allerdings nicht mehr aus dem Gesicht. Er stellte den Sitz ein ganzes Stück zurück und fuhr an, ohne den Motor zu würgen. Er warf ihr ein triumphierendes Lächeln zu. Allmählich schien er sich wirklich daran zu gewöhnen, und eine halbe Stunde später fielen Doc die Augen zu.
Etwas kribbelte in ihrem Gesicht. Langsam öffnete sie die Augen. Sam hatte die Beifahrertür geöffnet und hockte vor ihr. Mit einer Hand strich er ihr die Haare aus dem Gesicht. Doc zuckte zurück.
„Haben wir einen Unfall gebaut?†œ
„Nein, hier ist eine Tankstelle, vielleicht brauchst du noch etwas.†œ
Er reichte ihr eine Hand. Ohne darüber nachzudenken, griff sie danach und ließ sich aus dem Auto ziehen. Mit einem Ruck stand sie neben ihm und der Wind wehte ihr eine volle Ladung seines Duftes ins Gesicht. Man, wie sie das nur die nächste Zeit ertragen sollte, ohne sich in ein schmachtendes Weibchen zu verwandeln, war ihr schleierhaft. Dass er so auf Tuchfühlung ging, verunsicherte sie etwas. Vielleicht waren Engel einfach so? Sie sah sich um, der Morgen graute bereits. Er hatte schon vollgetankt, und sie gingen gemeinsam hinein, um zu zahlen. Dann holten sie sich noch einen Becher Kaffee.
„Soll ich jetzt weiterfahren?†œ Kaffeeschlürfend blickte sie ihn an. Sam schmollte ein wenig gespielt
„Du weißt doch noch gar nicht, wie gut ich jetzt fahren kann.†œ
„Okay, dann fahr du weiter, Schumi.†œ Verwirrt blinzelte er sie an, setzte sich aber ohne nachzufragen wieder hinter das Steuer. Seltsamerweise fuhr er wirklich gut. Sie entspannte sich zunehmend in seiner Gegenwart.
„Stört es dich, wenn ich eine Zigarette rauche?†œ
„Wenn du mir auch eine gibst, dann nicht.†œ Sie hatte ja darauf getippt, dass Rauchen eine Sünde war, anderseits, die Frauen, die sie in seiner Gegenwart gesehen hatte, waren sicherlich keine Betschwestern gewesen. Sie zündete für jeden eine an und blickte aus dem Fenster.
„Laut Navi sind wir bald da. Schon eine Idee wie wir vorgehen?†œ Jane dachte nach.
„Nicht so richtig. Vielleicht sollten wir uns zunächst ein Hotel suchen, danach können wir die Umgebung erkunden.†œ
„Klingt gut.†œ Er warf einen Blick auf sie und sah dann wieder auf die Fahrbahn.
„Was ist?†œ
Er sah nochmals kurz zu ihr rüber und fasste sich ein Herz. Sein Instinkt sagte ihm, dass ihre kühle Haltung nur Fassade war.
„Ach, nichts weiter …, ich dachte nur, du könntest mir irgendwas erzählen. Ein wenig Klatsch und Tratsch vom Orden oder etwas in der Art. Du bist immer so still.†œ
Jetzt hatte sie das Gefühl, sich verteidigen zu müssen
„Ich habe dich gerade erst kennengelernt. Ich weiß doch gar nicht, wer von ihnen zu deinen Kumpeln gehört hat. Sie sind ja überall auf der Welt zerstreut.†œ
„Duncan und Bowen kenne ich ganz gut, und dann noch einen Wolf Shawn oder so ähnlich. Mit denen konnte man gut Pokern.†œ

Seite 16

Bowens Namen zu hören, versetzte ihr einen Stich. Sie hatte die letzten Stunden gar nicht mehr an ihn gedacht, und nun kam die Trauer um ihn mit einem Schlag zurück.
Sie stieß den Qualm aus und wusste einfach nicht, was sie sagen sollte. Lügen war ja keine Option, aber ihm davon zu erzählen kam ihr zu intim vor. Also sagte sie einfach gar nichts.
„Oh, ich habe ein Fettnäpfchen erwischt?†œ
„Nein†œ, entfuhr es ihr.
„Das ist gelogen, Süße.†œ Mist, er hatte also wirklich einen eingebauten Detektor oder so was in der Art.
„Duncan hat in Angie, eine meiner Schwestern, seine Gefährtin gefunden, sie sind gerade in Schottland, und Jean ist mit ein paar anderen Brüdern auf der MS Seraphim vermutlich jetzt in Miami. So, zufrieden?†œ
„Wo sind die anderen vom Sixpack? Wieso bist du hier alleine?†œ
„Denkst du, ich kann keine Einsätze alleine erledigen?†œ, gab sie kratzbürstig zurück. Man, sie hatte einfach keinen Nerv über all das zu sprechen, sollte er sie doch in Ruhe lassen.
„Die anderen sind alle mit ihren Gefährten in deren Heimat gereist.†œ Sam spürte, dass sie verletzt worden war und ahnte, dass es mit Bowen zu tun haben musste, da sie ihn nicht erwähnt hatte. Er konnte nicht anders, er musste einfach nochmal nachhaken.
„Hm, was treibt McRieve denn so, der alte Blutsauger? Hast du ihn kennengelernt?†œ Er lächelte bei der Erinnerung an Bowen. Mit ihm hatte er so einige Clubs unsicher gemacht.
„Bo ist … er …  in Peru sind wir Dungeon begegnet. Er hat mich vor ihm beschützt und dafür mit seinem Leben bezahlt.†œ
Sam warf ihr einen überraschten Blick aus seinen schönen Augen zu und hakte nicht weiter nach. Er spürte den Schmerz, den er in ihrer Stimme vernommen hatte und in ihren Augen sah. Normalerweise konnte er durch Körperkontakt die Emotionen anderer nachempfinden, aber bei ihr reichte ein einfacher Blick aus. Würde er sie jetzt berühren, wüsste er die ganze Geschichte, aber er wollte sie nicht ausspionieren und sie gegen sich aufbringen. Auch so konnte er sich vorstellen, dass ein erfahrener Kämpfer wie Bowen nicht einfach sein Leben hergeben hatte. Sie mussten in einen grausamen Kampf verwickelt gewesen sein.
„Oh, das tut mir sehr Leid†œ, sagte Sam, und Jane erkannte wie betroffen auch er von dieser Neuigkeit war.
Um sich abzulenken, holte sie ihr Handy aus der Tasche und sah sofort das kleine Briefchen auf dem Display. Sie hatte eine SMS bekommen.
„Bin heil in Schottland angekommen. Das Anwesen ist gigantisch! Vermisse dich sehr! LG Angie.†œ
Sie simste eine Antwort zurück.
„Hey Süße! Lass dich von Duncan ordentlich verwöhnen! Mache Irland unsicher. glg Doc†œ

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Sie steckte ihr Handy wieder weg und klappte die Sonnenblende nach unten, um einen Blick in den Spiegel zu wagen. Gott, wie ihre Haare aussahen, sie brauchte dringend eine Dusche. Seit ihrer Nacht in Newgrange hatte sie weder Zeit gehabt sich frisch zu machen noch sich umzuziehen. Plötzlich erhielt ihr Wagen einen Stoß und machte einen unsanften Satz nach vorne. In letzter Sekunde konnte sich Doc noch am Armaturenbrett abstützen.
„Hey, was soll das verdammt nochmal?†œ, fluchte Sam und trat aufs Gas. Irritiert blickte Doc in den Spiegel der Sonnenblende und sah einen weißen Jeep mit einem rothaarigen Mann am Steuer direkt hinter ihrem Wagen. Sofort erkannte sie Patrick O´Connely. Sam trat aufs Gaspedal, und da sie in ihrem Sportwagen viel schneller waren, fiel der Jeep schnell hinter ihnen zurück. Sie rasten über eine schmale Serpentine, die rund um einen Felsen führte.
„Sam, das war das Wiesel, und oh mein Gott, geh vom Gas… da vorne…!†œ, schrie Doc und starrte mit aufgerissenen Augen auf die Straße. Sam hatte auch gesehen, dass vor ihnen ein Felsbrocken auf der Straße lag und die Weiterfahrt blockierte. Abrupt trat er auf die Bremse und Doc wurde wieder gegen das Armaturenbrett katapultiert.
Fast im selben Moment wurden sie wieder von hinten gerammt. Ihr Wagen drehte sich wie ein Kreisel und kam vor der Leitplanke zum stehen. Der Jeep setzte ein Stück zurück, und bevor Doc realisiert hatte, dass er sie wieder rammen würde, war es auch schon geschehen. Sie durchbrachen die Leitplanke und ihr Wagen senkte sich in Richtung Abgrund. Nur die Hinterreifen standen noch auf der Straße. Sie hörte, wie die Leitplanke ein ächzendes Geräusch von sich gab und nachzugeben drohte.
„Oh Gott, wenn er uns noch einmal berührt, schmieren wir hier ab†œ, sagte Jane und starrte wie paralysiert auf den glitzernden Bachlauf, der sich ungefähr hundert Meter tiefer durchs Tal schlängelte. Sam spürte ihre Panik. So ein Absturz konnte selbst einer Unsterblichen wie ihr gefährlich werden.
„Jane, bleib ganz ruhig. Du musst mir jetzt Vertrauen. Mach keine hastigen Bewegungen. Wenn ich los sage, lege die Arme um meinen Hals und halte dich verdammt gut fest.†œ Mit angstgeweiteten Augen sah sie ihn an.
„Okay … Okay…†œ, stammelte sie und sah, wie er sich ganz, ganz langsam zu ihr rüber beugte. Mit einer Hand löste er die Schnalle ihres Gurtes und die andere lag auf dem Türgriff.
„Jane, jetzt! Los!†œ Sie legte ihre Arme um seinen Hals, und im gleichen Moment öffnete er blitzschnell ihren Gurt und gleichzeitig die Beifahrertür. Er stieß sich ab und sprang mit ihr aus dem Wagen. Doc hatte die Augen zugekniffen. Der Typ war doch wahnsinnig. Dachte er, sein Körper würde sie genügend davor beschützen sich das Genick zu brechen? Kalter Wind umwehte sie. Sie hörte einen Motor aufheulen und dann, wie der Wagen schmetternd irgendwo aufprallte und explodierte. Warum waren sie noch nicht unten angekommen? Es rauschte um sie herum. Sie öffnete ein Auge und riskierte einen Blick. Sie schwebte mit Sam hoch oben in der Luft. Er hielt sie fest umklammert. Als sie ihren Kopf aus seiner Halsbeuge hob, sah sie seine Flügel. Aber natürlich, er war ein Engel!
„Alles ok?†œ, erkundigte er sich, als er bemerkte, dass sie sich einigermaßen gefangen hatte.
„Lass mich bitte nicht fallen†œ, brachte sie nur kleinlaut hervor. Sam lachte. Sie spürte, wie der Ton angenehm in seinem Brustkorb vibrierte.
„Niemals.†œ Mit gleichmäßigen Flügelschlägen flog er Richtung Tal. Er spannte seine Schwingen weit auseinander und sie glitten tiefer und tiefer der Erde entgegen. Janes Magen machte Purzelbäume, und sie klammerte sich fest an ihn. Trotz dieser bizarren Situation kam sie nicht umhin festzustellen, wie anziehend er doch auf sie wirkte. Er hatte atemberaubend schöne Flügel. Sie waren nachtschwarz und schimmerten in den Spitzen silbern. Sie wirkten so pudrig und weich, dass sie sie am liebsten berührt hätte. Sie flogen über den kleinen Bach und landeten schließlich am Ufer. Sanft berührten seine Füße den Boden. Sam kommentierte ihre Landung nur mit einem „geschafft†œ und hielt sie weiter in seinen Armen. Jane machte keine Anstalten sich von ihm zu lösen. Sie hätte ewig so mit ihm an diesem Ufer stehen bleiben können, wenn nicht ihr Pflichtbewusstsein sie wieder in die Realität geholt hätte.

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„Hey, wir sind wieder am Boden, du kannst mich jetzt loslassen†œ, murmelte sie leise an seiner Schulter, obwohl sie sich selbst nicht aus seiner Umarmung befreien mochte, sie fühlte sich so sicher und geborgen in seinen Armen. „Du riechst aber so gut†œ, sagte er und drückte sie weiter an sich. Dann hob sie den Kopf und sah ihn an. Die Luft zwischen ihnen vibrierte regelrecht, doch bevor seine Lippen ihre berührten, machte sie sich von ihm los.
„Man, woher wusste dieses Wiesel, dass wir nicht mit dem Flugzeug gegrillt wurden?†œ Er schmunzelte über ihren galanten Themenwechsel.
„Patrick hat vermutlich am Flughafen nach uns Ausschau gehalten und ist uns gefolgt.†œ
„Ja, so wird†™s wohl gewesen sein.†œ Sie musterte ihn, seine Flügel waren nicht mehr zu sehen. Er sah ihren fragenden Blick und flüsterte grinsend:
„Magie.†œ
Sie lächelte zurück. Davon aufgemuntert griff er ihre Hand und zog sie mit sich in den angrenzenden Wald. Das Wetter war trübe, Nebel waberte um die Bäume und es nieselte leicht. Jane war froh, dass sie ihre Lederklamotten anhatte, so fror sie wenigstens nicht. Als sie das Waldstück durchquert hatten, kamen sie am anderen Ende in einem kleinen Dorf an. Es wirkte nicht sehr einladend, die Häuser waren einfache Holzhütten mit Schindeldächern. Auch die Straße war geisterhaft leer.
„Da drüben ist ein Pub, das noch geöffnet hat. Hast du Lust auf ein Pint Guiness und eine kleine Verschnaufpause?†œ Jane blickte über die Straße und sah auf das kleine schwarze Häuschen mit der roten Tür, über der „Dead Men Inn†œ in leuchtenden Lettern stand.
„Oh ja, allerdings. Das haben wir uns wirklich verdient†œ, antwortete Jane. Sie überquerten die Straße und gingen hinein. Es dauerte einen Moment, bis sich ihre Augen an das abgedunkelte Licht im Inneren gewöhnt hatten. Dafür, dass es fast morgens war, war dort noch einiges los. Ein paar zwielichtige Gestalten lungerten herum und starrten sie unfreundlich an. Sie hätte ihre rechte Hand darauf verwettet, dass sich hier nicht nur Menschen aufhielten. Jane setzte sich an einen Tisch ans Fenster und beobachte Sam wie er da so lässig am Tresen stand. Er orderte ihr Bier und plauderte noch etwas mit dem Barmann. Der ungepflegte kahlköpfige Wirt hatte einen enormen Bierbauch Als er merkte, dass sie ihn beobachtete, zwinkerte er ihr zu. Doc blickte schnell in eine andere Richtung. Die Luft war von Rauch gefüllt und das ganze Pub wirkte schmutzig und verwahrlost. Neben dem Tresen verhinderte ein Vorhang die Sicht in einen Raum, aus dem das Geräusch von Würfeln klang. Ganz offensichtlich fanden da illegale Glückspiele statt. Endlich kam Sam mit dem Bier und setzte sich zu ihr.
„Du wirst es nicht glauben. Der Typ heißt Lee Monade.†œ Sie stießen an. Zum Erstaunen von Doc, trank Sam sein Glas mit einem Zug leer.
„Er ist auch ein Gestaltwandler, ein Waschbär um genau zu sein. Das kommt uns wirklich gelegen. Außerdem vermietet er Zimmer. Ich habe einfach mal für uns gebucht. In Belfast findet gerade eine Messe statt, er meinte, wir würden da nichts bekommen.†œ Er legte einen Antik aussehenden Schlüssel auf den Tisch.
„Warum ist gut, dass er ein Wer-Waschbär ist?†œ Sie musste schmunzeln.
„Tja, ich habe mal irgendwo gelesen, dass Waschbären Wiesel überhaupt nicht leiden können. Ich denke, wenn einer etwas über deren Aktivitäten weiß, dann kann er uns sicherlich dabei helfen es herauszufinden.†œ
Sie blickte sich noch einmal um. In den Ecken hingen Spinnweben samt Bewohner. Ein besonders großes haariges Exemplar war gerade dabei sich abzuseilen. Sie bekam eine Gänsehaut bei dem Anblick. Sie griff nach dem Schlüssel, der fast am Tisch festklebte. Ob das eine gute Idee war hier ein Zimmer zu mieten? Doch sie was so müde, dass sie schnell ihr Glas leer trank und aufstand.
„Dann lass uns mal nachsehen, ob unsere Zimmer ebenso feudal sind wie dieses Ambiente hier.†œ Sam hustete und blickte sie schelmisch an.
„Was?†œ
„Naja, also er hat eigentlich nur ein Zimmer, das er vermietet. Aber es hat ein Doppelbett, ein Bad und einen Fernseher.†œ
Gegenüber vom Tresen war eine Tür mit der Aufschrift „Private†œ, durch die die beiden in ein schmales Treppenhaus gelangten.

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Das Treppengeländer war abgewetzt, und die Tapete pellte sich von den Wänden. Die Treppe endete direkt an ihrer Zimmertür. Jane erspähte um die Ecke herum einen weiteren Treppenaufgang. Vermutlich führte er auf den Speicher. Sam schloss auf, verpasste der Tür einen kräftigen Tritt und bedeutete Doc zuerst einzutreten. Sie riss sich zusammen und stolzierte an ihm vorbei in das Zimmer. Sie machte extra kein Licht, sollte der Engel doch die Wand nach dem Lichtschalter abtasten. Problemlos fand er den Schalter und eine einzelne nackte Glühbirne verströmte ein schummriges Licht. Das schmucklose Zimmer war verhältnismäßig sauber. Gegenüber der Tür stand ein Bett, das zumindest von oben sauber bezogen war. An einer Wand befand sich ein Schränkchen, auf dem ein kleiner, alter Fernseher stand. Auf der gegenüberliegenden Seite war das Badezimmer. Jane ging hinein. Es war klein, aber relativ sauber Das Nötigste war vorhanden, sogar saubere Handtücher und kleine Shampoofläschchen lagen auf einer Ablage. Plötzlich stand Sam in der Tür.
„Meinst du, wir halten es hier ein paar Stunden aus?†œ
„Ja, ist schon okay. Ich würde jetzt gern duschen, wenn du nichts dagegen hast.†œ
„Okay, lass mir auch noch warmes Wasser übrig.†œ Er ließ sie allein, setzte sich aufs Bett und schaltete den Fernseher ein. Er suchte nach dem Sportkanal, als ein schriller Schrei aus dem Badezimmer ertönte. Sam riss die Tür auf. Das Wasser rauschte in der Dusche. Nur in Unterwäsche bekleidet stand Doc davor und blickte ihn überrascht an.
„Jane, was ist passiert?†œ
„Teufel noch mal, was machst du denn hier?†œ Mit vor der Brust verschränkten Armen richtete sie ihren Blick in die Duschkabine.
„Du hast geschrien, ich dachte, Norman Bates wäre hier aufgetaucht.†œ
„Nicht du! Er! Ich habe mich nur erschrocken, weil ER plötzlich aufgetaucht.†œ Sie zeigte in die Duschkabine.
Sam kam näher und blickte hinein.
„Mon Dieu. Wiedörrsehensfreudö stelle isch mir aber anders vor. Würde es dir etwas ausmachen das Wassör abzustellen, ich habe heute schon gebadet.†œ
„Ford? Ford Fleur?†œ Sam sah völlig überrumpelt aus und der kleine Dämon blickte zu ihm auf. Wiedererkennen blitze in seinen Augen.
„Hölle und Verdammnis. Samael der Engel. Isch fasse es nicht. Was zum Henker machst du denn hier bei meiner Herrin?†œ
„Herrin? Oh du bist rausgeflogen aus der Unterwelt? Ach so.†œ Das schien für ihn alles zu erklären.
„Momentmal, ihr beiden kennt euch?†œ Ungläubig sah Doc von einem zum anderen.
„Natürlich.†œ Antworteten beide gleichzeitig, dann verließ Sam ohne ein weiteres Wort zu sagen das Bad, um sich weiter durch das TV-Programm zu zappen. Doc zog eine Braue hoch und verkniff sich jeden weiteren Kommentar, langsam wunderte sie sich über gar nichts mehr.
„Woher wusstest du wo ich bin, und warum bist du nicht mehr in der Tierpension?†œ Doc sah Ef-Ef tadelnd an und hob ihn dann aus der Dusche. Sie durchsuchte ein kleines Schränkchen nach einem Fön.
„Isch freue misch auch wieder bei dir zu sein, wo auch immer das ist. Die habön misch dort tatsäschlich rausgeworfen. Kannst du dir das vorstellen? Isch habö eine Flasche Desinfektionsalkohol gefunden und gekostet, dann habö ich nachts über die Lautspröscheranlage gesungen und ein paar Witze erzählt. Das fanden sie gar nischt lustig und sie haben misch zurück zu dir verbannt. Diese Wiccas die dort arbeiten wissen wirklich eine Menge über Dämonen, und habön misch zu meinem Herrn geschickt. Wo sind wir hier? In Schottland? Kann ich mon Angel sehen?†œ Es wunderte sie nicht wirklich, dass er es sich dort verscherzt hatte. Auf der Seraphim hatte er auch so einige Nerven zum Zerreißen gebracht.
Mit großen Augen blickte er Jane an, die den Fön einsteckte und wortlos dem kleinen Kerl das Fell trocknete. Was sollte sie jetzt machen? Er sollte eigentlich bei dieser Mission nicht dabei sein, andererseits könnte er sich auch bei der Suche als nützlich erweisen und Sam war ja mittlerweile auch von der Partie. Da die beiden sich kannten, war es sicher kein Problem, dass der Hamster bei ihnen blieb.
„Ich bringe dich jetzt rüber zu Sam er kann dir alles erklären, ich will duschen!†œ

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Als sie erfrischt aus dem Bad kam, saßen sich Dämon und Engel auf dem Bett gegenüber und amüsierten sich prächtig. Es war um die Mittagszeit. Ein einzelner Sonnenstrahl schaffte es durch die schmutzigen Fenster und bündelte sein Licht auf dem Engel. Die beiden hatten irgendwoher etwas zu essen aufgetrieben. Sam deutete auf den kleinen Couchtisch vor dem Sessel auf dem ein Tablett mit einem köstlich duftendem Burger stand, über den sie sich sofort hermachte.
Dabei erfuhr sie, dass Sam Ef-Ef in ihre Mission bereits eingeweiht hatte, und dass er sich viel davon versprach, den Hamster im Team zu haben. Es schien ihn überhaupt nicht zu stören, anscheinend konnten die beiden sich sehr gut leiden.
„Lee Monade wird mir nachher ein paar Adressen von Clubs geben, in denen die hiesigen Gestaltwandler sich gern herumtreiben, und Ef-Ef kann für uns dort rumspionieren. Einen Hamster übersieht man ja schnell mal.†œ
„Oui oui, isch helfe dir gern mon ami. Die Schachtel der Petra finden wir schon. Wenn sie noch so riescht wie damals, als sie die bei uns in der Unterwelt hat anfertigen lassen, werde isch sie finden.†œ
„Du weißt von der Schachtel?†œ Völlig baff setzte sie sich auf den Rand des Bettes und sah abwechselnd zwischen den beiden hin und her.
„Naturelement. Die Schachtel ja, aber keine Ahnung was sie dann darin aufbewahrt haben. Misch möschtest du ja lieber abschieben. Dabei habe ich dir immer geholfen. Bei allem!†œ
„Ef-Ef es tut mir leid. Anfangs sah es auch nach einem kurzen Einsatz aus, der deutlich unkomplizierter verlaufen sollte. Ich hatte keine Wahl. Ich verspreche dir, wenn wir das hier erledigt haben, dann fahren wir sofort zu Angie und Duncan. Klingt das gut?†œ Ef-Ef grinste und krabbelte Doc aufs Bein.
„Deine Hose riescht muffig.†œ Liebenswert wie eh und je.
„Tja, meine Tasche mit den Wechselklamotten fliegt irgendwo in einer Schlucht rum.†œ
„Du bist aber auch zerstreut manschmal.†œ Die Einzelheiten schienen ihn nicht weiter zu interessieren.
Kichernd stand Sam auf und ging ins Bad. Als die Dusche wieder ertönte, winkte Ef-Ef Doc zu sich heran. Sie senkte den Kopf.
„Wo hast du denn den Engel aufgerissen? Ich bin von dir ja einiges gewöhnt, aber das hätte isch dir nischt zugetraut. Respekt. Isch hattö schon Sorge, isch muss misch mit diesem Werwolf rumschlagen. Ganz schön scharf dieser Engel was?†œ, flüsterte er ihr ins Ohr und zwinkerte verschwörerisch.
„Es ist nicht so, wie du denkst.†œ Ärgerlich merkte sie, wie sie leicht errötete.
„Ich habe ihn zufällig in Newgrange getroffen. Er verfolgt das gleiche Ziel wie wir, und er kennt den Orden und Sweetlife. Jetzt ist er unser Verbündeter und wir sind Partner im beruflichen Sinne†œ, antwortete sie ihm leise und mied bewusst seinen Blick.
„So so, beruflich, ich verstehe.†œ Der kleine Kerl grinste tatsächlich.
„Also, isch glaubö das sieht er aber anders. Er ist nett. Du solltest ihn nischt so schlescht behandeln wie die anderen armen Kerle. Außerdem sind Engel fast unbesiegbar, sowas kannst du gut gebrauchen, bei allem was bei dir so schief läuft.†œ Jane schnaubte und setzte ihn auf den Boden vors Bett.
„Dein Feingefühl hab ich am allermeisten vermisst.†œ Sie streckte sich auf dem Bett aus. Wenig später kam Sam aus dem Bad und setzte sich Ef-Ef in den Sessel. Bis er sich abends mit dem Barmann treffen wollte, hatten sie noch etwas Zeit um sich ausruhen. Sie sahen sich alle gemeinsam eine Talkshow an, und es überraschte sie nun auch nicht mehr, dass der Engel sich so etwas Niveauloses gebannt ansah. Ef-Ef und er schienen diesbezüglich auf einer Wellenlänge zu liegen. Irgendwann schlief sie dabei ein. Ein schmerzhaftes Zwicken am Ohrläppchen weckte sie im Morgengrauen. Sie hatte den restlichen Tag und die Nacht durchgeschlafen. Doc setzte sich auf und Ef-Ef grinste sie frech an.
„Endlisch! Du hast fast den ganzen Regenwald abgeholzt, und Sam hatte die Nacht gar keinen Platz im Bett, er musste auf dem Sessel schlafen!†œ
„Ich schnarche nicht!†œ Empörte sah sie ihn an.
„Komm, lass gut sein, sie hat doch wirklich nicht geschnarcht. Der Sessel ist auch sehr bequem. Er steckte den Dämon in seine Manteltasche und setzte sich neben Doc, die sich verschlafen und leicht beschämt die Augen rieb. Er hielt ihr einen Becher Kaffee hin, den sie dankbar entgegen nahm. „Hab ich solange geschlafen?†œ

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„Du hattest auch eine Menge nachzuholen. Ich war ja noch gestern Abend unten bei Lee, er hat mir die Adressen von zwei Clubs gegeben, wo wir unsere Nachforschungen anstellen können.†œ Er unterbrach sich und hielt ihr einen Schokomuffin unter die Nase. Dann fuhr er fort, während Jane kauend seiner angenehmen Stimme lauschte.
„Ich hab ihn gerade beim Frühstück unten getroffen. Er fährt jetzt gleich nach Belfast und nimmt uns mit dorthin. Ein Freund von ihm hat dort ein Hotel, und er meinte, er würde uns dort ein Zimmer besorgen. Wenn das erledigt ist, sollten wir uns neu einkleiden. Dann machen wir uns auf die Suche nach den Wieseln. In Ordnung?†œ
„Ja klar. Aber warum legt er sich so für uns ins Zeug, findest du das nicht seltsam?†œ
„Er hat mit den Wieseln noch eine Rechnung offen. Sie haben Spielschulden bei ihm, und er möchte, dass sie ihre Quittung bekommen. Die drei sind ziemlich unbeliebt. Wenn Lee mich angelogen hätte, wäre mir das aufgefallen. Vertrau mir Jane†œ
Er hatte wirklich an alles gedacht. Froh, sich keine Gedanken machen zu müssen, stand sie auf, reckte sich. Dann verließen die drei das Zimmer. Vor dem Pub stand eine schwarze schnittige Limousine mit laufendem Motor. Als sie davor standen, schwang eine der hinteren Türen auf und der vierschrötige Wirt winkte sie zu sich herein. Sam und Doc nahmen gegenüber von ihm Platz, und Lee gab dem Chauffeur ein Zeichen, dass er losfahren sollte. Doc war ziemlich überrascht, dass der Werbär so einen Luxusschlitten fuhr, aber sie stellte keine Fragen. Auch Ef-Ef benahm sich ausnehmend gut und schwieg in Sams Manteltasche. Zwei Stunden später kamen sie in der Abenddämmerung in Belfast an. Der Wagen hielt vor einem urig wirkenden Hotel namens „The Shamrock Inn†œ. Lee ging hinein und bat die beiden draußen zu warten. Wenig später kam er fröhlich pfeifend wieder hinaus und drückte ihnen grinsend eine Schlüsselkarte in die Hand. Wie versprochen hatte Lee es geschafft, ihnen in der ausgebuchten Stadt noch ein Zimmer zu besorgen.
„Das Zimmer wird noch gereinigt, aber in zwei Stunden könnt ihr dort einchecken.†œ Dann verabschiedete er sich und fuhr davon. Doc blickte Sam an. Der zuckte nur mit den Schultern, hakte sich bei ihr ein und zog sie mit sich die Straße entlang.

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„Na komm, lass uns in die Stadt gehen und dann was Essen. Schließlich brauchen wir dringend ein paar neue Klamotten.†œ Jane schmiegte sich an ihn und sie zogen los.
Wie sich herausstellte, war Sam ein ausgezeichneter City-Guide und ein noch besserer Shoppingberater. Normalerweise ging sie nicht gerne einkaufen, aber in seiner Gesellschaft machte ihr die Erkundung von Belfast wirklich Spaß. Sogar Ef-Ef benahm sich richtig gut, er schlummerte seelenruhig in ihrer Tasche.
Zum Glück hatte sie die Kreditkarte von Sweetlife in die Hosentasche gesteckt, sodass der Engel und sie das Stück Plastik regelrecht zum Glühen brachten. Als das Auto die Klippen hinabgestürzt war, hatten sie bis auf das, was sie am Leib trugen, nichts übrig behalten.
Deshalb hatte sie auch kein schlechtes Gewissen, als sie sich neben neuen Jeans, einem hellgrauen Rollkragenpullover, ein Paar Schuhen und etwas Unterwäsche auch ein neues lilafarbenes Notebook und ein Abendkleid kaufte. Nach einem kleinen Snack, machten sich die beiden auf den Rückweg.
Ganz gentlemanlike trug er die Einkäufe und hielt er ihr die Hoteltür auf. Als sie vor ihm in das Foyer trat, stürmte eine riesenhafte sehr kurvige Blondine, die hinter dem Tresen gestanden hatte, auf sie zu. Kreischend rauschte sie an Doc vorbei. Mit einem kleinen Sprung fiel sie Sam um den Hals. Der wirkte überrascht und verlegen, ein Ausdruck, den Jane zum ersten Mal in seinem Gesicht sah.
„Rosi! Wow… ich bekomme keine Luft. Was machst du denn hier?“ Sie riss ihre ohnehin schon riesigen blauen Augen auf und boxte ihm kumpelhaft auf die Schulter. Dann kralle sie sich seine Hand und zog ihn in Richtung Empfangstresen. Als sie so neben ihm her trippelte, folgte Doc den beiden und lauschte dem piepsigen Plappern. Es gefiel ihr überhaupt nicht, wie diese aufgetakelte Tusse sich an Sam klammerte, und bedachte sie mit einem finsteren Blick.
„Ich bin hier seit kurzem die Geschäftsführerin. Lee hat mir gar nicht erzählt, für wen ich die Honeymoon-Suite freimachen sollte. Du ahnst ja nicht, welche Umstände mir das gemacht hat. Ich hoffe, das Pärchen, das eigentlich dort gewohnt hat, erzählt nichts rum. Ich habe nämlich behauptet, wir hätten einen Kakerlakenbefall. So, und jetzt erzähl mal, was dich hierher verschlagen hat. Du kommst nach Belfast ohne mich vorher anzurufen?†œ Sie zog mit ihren glänzenden knallroten Lippen einen Schmollmund, der Doc irgendwie sofort an ein Schlauchboot erinnerte.
Rosi? Diese Frau sah einfach unmöglich aus, fand Doc. Die Haare waren wasserstoffblond gefärbt und zeigten einen 5 cm breiten roten Ansatz, im Gesicht klatschte tonnenweise Makeup. Ein blendend pinkes Stretchoberteil umspannte ihre gewaltige Oberweite und untenrum trug sie einen Lackminirock, der auch locker als Gürtel durchgegangen wäre. War das sein Typ Frau? Mittlerweile hatte Sam sich gefangen und legte freundlich einen Arm um Rosi. Doc beobachtete die zwei und wurde zunehmend ärgerlicher.
„Wir sind auf der Suche nach jemandem und es hat sich zufällig ergeben, dass wir hier in der Stadt gelandet sind. Wenn du hier arbeitest und Lee deinen Boss kennt, dann kann dieser Laden ja nur dem alten Phil Igran gehören.†œ
„Stimmt, ach die guten alten Zeiten… nicht wahr†œ, säuselte Rosi und zwinkerte ihm dabei zu. „Hoffentlich können wir die später noch ein bisschen auffrischen, aber jetzt möchtest du bestimmt auf dein Zimmer. Hätte ich gewusst, dass du mit… öhm….†œ Erst jetzt schien sie Doc zu bemerken und scannte sie mit einem Blick von oben bis unten. Sie nickte ihr kurz zu, und dann schnellten ihre Augen sofort wieder zu Sam.
„… Begleitung hier bist, hätte ich versucht zwei Einzelzimmer zu besorgen. Das ist im Moment zwar schwierig, aber soll ich mal nachsehen, ob sich da was machen lässt?†œ
Sam schüttelte den Kopf und bedankte sich bei Rosi, die sie zum Lift begleitete. Als sich die Fahrstuhltür geschlossen hatte, konnte Doc nicht länger schweigen.
„Wer zur Hölle war das denn bitte?†œ, platzte sie heraus.
Sam blickte auf sie herab, und ein kleines Lächeln stahl sich auf sein Gesicht.

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„Das war Rosi Nenkuchen. Sie ist ein Leprechaun. Ich kenne sie jetzt schon seit ungefähr 50 Jahren. Ich habe sie auf dem Junggesellenabschied von Liam Thorpe kennengelernt. Seitdem haben wir uns immer mal getroffen, wenn ich in Belfast war. Das letzte Mal ist aber bestimmt schon 10 Jahre her.
„Ist dir klar, dass man den Schönheitschirurgen für diesen Ganzkörperunfall eigentlich verklagen sollte? Meine Güte und ich dachte, Engel würden im Zölibat leben oder hätten wenigstens Stil. Und was sucht die auf einer Jungesellenenparty? Hat sie da gekellnert? Liam? Ein Verwandter von Duncan?†œ Obwohl Doc wusste, dass sie kein Recht dazu hatte, konnte sie sich nicht bremsen, und die Vorwürfe über diese zweifelhafte Bekanntschaft sprudelten nur so aus ihr heraus.
Sam amüsierte sich und schüttelte lachend den Kopf. War sie tatsächlich eifersüchtig auf Rosi?
„Jane, sie und ich sind wirklich nur befreundet. Um genau zu sein, hüpfte sie damals aus einer Torte. Liam ist Duncans kleiner Bruder. Früher haben wir öfter zusammen einen drauf gemacht.†œ Doc zog eine Braue hoch und malte dieses Bild in Gedanken aus. Er konnte ja nicht lügen und so unglaubwürdig das auch klang, es war wohl die Wahrheit. Docs bissige Bemerkung, dass es sich wohl um eine riesige Torte gehandelt haben musste, ging unter als sich in dem Moment die Aufzugstüren öffneten.
Die Honeymoon-Suite befand sich im 6. Stockwerk. Wenn man grün mochte, konnte man sich hier wirklich wohlfühlen. Passend zum Namen des Hotels waren die Vorhänge, die Bettwäsche, das Sofa und sogar die Fliesen im Bad mit vierblättrigen Kleeblättern übersät. Doc ließ sich gleich auf dem grünen Sofa nieder und testete das neue Notebook. Nach kurzer Installation der notwendigen Tools, checkte sie die Homepages der beiden Clubs, die Lee Sam auf einen Zettel geschrieben hatte.
„Das 12 Moons oder Swallows Nest, was meinst du, wo versuchen wir es zuerst?†œ, fragte Doc Sam, der sich neben sie gesetzt hatte und ein paar Erdnüsse aus der Minibar naschte. Er entschied sich für das Swallows. Dann ging noch mal runter zu Rosi, damit sich Doc in aller Ruhe frisch machen konnte. Nach einem ausgiebigen Bad und einem Telefonat mit Sweetlife, zog Doc das schwarze Kleid an, das sie gekauft hatte. Zufrieden schlüpfte sie in ihre Stiefel, versteckte einen ihrer schwarzen Dolche im Schaft und wartete, dass auch Sam, der mittlerweile nach seinem Besuch bei Rosi wieder aufgetaucht war, sich umgezogen hatte. Als er aus dem Bad kam, stockte ihr der Atem. Er hatte sein Haar zu einem Zopf zusammengebunden und trug zu seiner lockersitzenden Jeans ein waldgrünes Hemd. Auch wenn sie auf einer Mission waren, freute sie sich insgeheim mit ihm auszugehen. Nachdem sie den laut protestieren Ef-Ef ins Bad gesperrt hatten, gingen sie zu Fuß zum Swallows Nest. Der Club lag nur zwei Blocks weiter entfernt.
Vor der Tür hatte sich eine lange Warteschlange gebildet, der Türsteher war allerdings eine Frau, die ganz offensichtlich gefallen an Sam gefunden hatte. So wurden sie durchgewunken und konnten direkt eintreten.
Im Club war es brechend voll. Jane schien das nichts auszumachen. Sie bahnte sich einen Weg durch die Masse zur Theke und wurde direkt bedient. Wäre Sam der Barkeeper gewesen, er hätte auch alle anderen für sie warten lassen. In diesem hautengen Kleid sah sie zum Anbeißen aus und er konnte seinen Augen nicht von ihr lassen. Strahlend drehte sie sich mit zwei Cocktails in den Händen zu ihm um, dann bedeutete sie ihm mitzukommen. Die Musik war unglaublich laut, der Bass wummerte so stark, dass man das Gefühl hatte zu vibrieren. Sie machten sich auf den Weg in eine hintere Ecke. Beim Überqueren der Tanzfläche wurde er immer wieder an sie gedrückt. Er legte seine Hände an ihre Taille, bis sie einen freien Tisch ansteuerte und stehen blieb. Von dort aus konnten die beiden die gesamte Tanzfläche sowie auch die Theke gut überblicken. Leider waren keine Wiesel in Sicht. Nach einer geschlagenen Stunde bahnte Jane sich durch die Massen in Richtung Toilette. Als sie den Waschraum wieder verließ, erhaschte sie einen Blick auf einen bekannten rothaarigen Mann, der ihr entgegenkam. Jetzt oder nie.

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Sie hatte keine Zeit Sam davon in Kenntnis zu setzen, dass sie Patrick entdeckt hatte. Sie schubste ihn und zerrte ihn mit einem Ruck zu dem nahe gelegen Hinterausgang. O´Connely, der ziemlich angetrunken war, leistete vor Überraschung keinerlei Widerstand. Selber schuld! Der Hinterausgang mündete in einer dunklen Gasse, in der es menschenleer war. Einige Müllcontainer, hinter denen sich ein paar Ratten tummelten, verdeckten die Sicht auf sie. Über der Türe flackerte eine gelbe Neonröhre und verlieh der Umgebung eine zwielichtige Atmosphäre. Ein perfekter Ort für einen kleinen Plausch unter vier Augen. Er sah sie verdutzt an und langsam dämmerte ihm, wen er da vor sich hatte. Jane hielt ihn, mit eisernem Griff an der Kehle, fest an die Wand gedrückt. Gegen Sam hatte sie zwar keine Chance, aber vielen anderen Kreaturen war sie überlegen.
„Glaub mir, keine Frau die etwas auf sich hält, würde dich wortlos abschleppen, du Idiot. So, und nun erzählst du mir, wo du die Schachtel versteckt hast.†œ Seine verschlagenen Augen verengten sich und plötzlich spuckte er ihr mitten ins Gesicht. Jane verzog keine Miene und landete mit ihrer Faust direkt auf seiner Nase, die laut knirschte als sie brach. Patrick lachte.
„Du wirst sie nicht bekommen, du Miststück!†œ Doc fackelte nicht lange und verpasste ihm auf direktem Weg eine ihrer Energiekugeln. Zuckend sank er auf dem Boden zusammen und blieb bewegungslos liegen. Im Begriff Sam zu holen, hörte sie ein Klicken hinter sich.
„Hände hoch und langsam umdrehen, sonst puste ich dir dein Gehirn weg!†œ Ruhig folgte sie dieser Anweisung. Neben den Müllcontainern stand ein nackter Mann, der große Ähnlichkeit mit Patrick hatte. Er sah etwas jünger aus, demnach musste es sich um Kevin handeln.
„Hast du hier mit den Ratten am Müllcontainer gespielt? Hat Mami dir das denn erlaubt?†œ Da flog die Tür zum Club auf und Sam trat in die Gasse. Perfektes Timing. Kevin riss die Waffe herum. Er sah in Sam die größere Gefahr und drückte ab. Die Kugeln prallten wie Hagelkörner von ihm ab. Gemächlich schlenderte der Engel auf den Gestaltwandler zu und stellte sich zwischen ihn und Jane, um sie aus der Schusslinie zu bringen. Kevin schoss sein ganzes Magazin leer, dann ließ er die Waffe fallen, und die Luft um ihn herum begann zu flirren.
„Jane, er wandelt sich, bleib du hier bei Patrick, ich schnapp mir den hier …†œ
Kevins Knochen knackten und knirschten bei der Verwandlung seines Körpers in ein Wiesel. Mit einem kurzen Fiepen rannte er wie ein geölter Blitz aus der Gasse. Da begann auch die Luft um Sam herum zu flirren, die unangenehmen Geräusche blieben aber aus. Stattdessen war er einfach verschwunden. Unsichtbar, das erklärte auch, warum sie ihn in Newgrange damals nicht bemerkt hatte. Nervös tigerte sie die Gasse auf und ab, rauchte eine Zigarette nach der anderen bis er endlich, eine gefühlte Ewigkeit später, wieder auftauchte.

Fortsetzung folgt …

Kapitel 1: „Seitensprung der Sisterhood – Doc Jane in geheimer Mission“ findet sich hier!

Copyright © Seitensprung der Sisterhood

Bücherliste: Die Vorleser am 17.09.2010 im ZDF

Die Vorleser: Amelie Fried & Ijoma Mangold am 17.09.2010 im ZDF

In ihrer achten „Vorleser-Sendung“ im ZDF begrüßen Amelie Fried und Ijoma Mangold am 17.09.2010 um 23 Uhr als Gast den Schauspieler Matthias Brandt. Matthias Brandt, der übrigens der Sohn des verstorbenen Bundeskanzlers Willy Brandt ist, stellt sein Lieblingsbuch „Eine Jugend“ von Patrick Modiano, einem der bedeutendsten französischen Autoren der Gegenwart, vor.

Eine Jugend von Patrick Modiano

Kurzbeschreibung

»Was aus Sherwood Andersons Winesburg, Ohio (BS 1330) durch die Jahrzehnte leuchtet, was die Filme von Peter Bogdanovich, The Last Picture Show, und François Truffaut, Jules et Jim, gezeigt haben, mit unterschiedlichen Mitteln, an ganz verschiedenen Gegenständen, doch auf jeweils ähnliche, kurz gesagt: auf eine poetische Weise, den Versuch, die Geschichte stillzustellen, die Zeit anzuhalten und damit ein Stück (schon verlorener) Utopie festzuschreiben, das geschieht auch in dem kleinen, hingehuschten, scheinbar anspruchslosen Roman von Patrick Modiano, Eine Jugend.« Martin Lüdke
Aus dem Französischen von Peter Handke.

Was davor geschah von Martin Mosebach

Kurzbeschreibung
Es ist eine gefährliche Frage, die bereits den Keim einer Eifersucht enthält: Wie war das eigentlich mit dir, bevor wir uns kannten? Die beiden sind seit Kurzem ein Paar, und sie stellt ihm jene Frage. Seine Antwort wird zu einem Gespinst aus Wahrheit und Dichtung, einem wahren Lügenpalast, errichtet aus soliden Bausteinen von Wirklichkeit. Auf der Bühne Frankfurts inszeniert Martin Mosebach, mit detektivischer Genauigkeit und meisterhafter Sprachkunst, ein böses Spiel von Liebe und Zufall.

Nichts: Was im Leben wichtig ist von Janne Teller

Kurzbeschreibung
„Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun.“ Mit diesen Worten schockiert Pierre alle in der Schule. Um das Gegenteil zu beweisen, beginnt die Klasse alles zu sammeln, was Bedeutung hat. Doch was mit alten Fotos beginnt, droht bald zu eskalieren: Gerda muss sich von ihrem Hamster trennen. Auch Lis Adoptionsurkunde, der Sarg des kleinen Emil und eine Jesusstatue landen auf dem Berg der Bedeutung. Als Sofie ihre Unschuld und Johan seinen Zeigefinger opfern mussten, schreiten Eltern und Polizei ein. Nur Pierre bleibt unbeeindruckt. Und die Klasse rächt sich an ihm … Eine erschütternde Parabel über das Erwachsenwerden, Erziehung und Gewalt in unserer Gesellschaft. Mehr Informationen über „Nichts“ von Janne Teller findet sich hier.

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Ijoma Mangolds 3 Bücher in 3 Minuten:

Strohfeuer von Sascha Lobo

Kurzbeschreibung
Tausche Seele gegen Erfolg. Sascha Lobos packender Debütroman über die Lebensgier in den Zeiten der New Economy. «Der Croupier warf die Kugel in den Kessel, schaute mich aufmunternd an und sagte: †¹Rien ne va plus.†º Es fiel die 23. In diesem Moment war ich vollends überzeugt, dass sich gerade mein Schicksal entschied †“ mit dem Agenturverkauf, mit dem vielen Geld, das wir bekommen würden, mit Lena, irgendwie auch mit Sandra, mit meinem Leben. Das Schicksal war auf meiner Seite.»

Tagebücher 1982-2001 von Fritz J. Raddatz

Kurzbeschreibung
Ein Buch wie dieses hat es noch nicht gegeben. Von Rudolf Augstein bis Marion Dönhoff, von Günter Grass bis Hans Magnus Enzensberger zeigt es die deutschen Intellektuellen, ja überhaupt die ganze bundesrepublikanische Gesellschaft, wie sie so hellsichtig nie beschrieben worden ist: wahrgenommen mit dem Sensorium eines Hochempfindsamen, subjektiv und treffend, anteilnehmend, scharfzüngig. Das Buch, das von der Kritik immer erhofft, von den Schriftstellern aber nie geschrieben worden ist – der große Gesellschaftsroman der Bundesrepublik, das Balzac’sche Porträt unserer Zeit -, hier ist es. Und vermutlich war niemand so geeignet, es zu schreiben, wie Fritz J. Raddatz. In Deutschland ist er der widersprüchlichste Intellektuelle seiner Generation: anziehend durch seinen Witz, distanzierend durch seinen Eigensinn, geistreich, gebildet, streitbar und umstritten – und immer, bei aller Geselligkeit, bestimmt von einer klaren Empfindung der Unzugehörigkeit. Sie ist auch die Entstehensbedingung dieser Aufzeichnungen, die von Raddatz‘ letzten Jahren als Feuilletonchef der ZEIT bis zum Beginn des neuen Jahrhunderts reichen und im Fall der Mauer, in der deutschen Wiedervereinigung, ihren kontroversenreichen Mittelpunkt haben.

Kleine Herren von Carl von Siemens

Kurzbeschreibung
Ein ehrgeiziger Student aus der deutschen Provinz kommt Ende der achtziger Jahre ans Trinity College in Oxford. Gleich zu Beginn erhält er einen wegweisenden Rat: »Wenn dich die Engländer einmal ins Herz geschlossen haben, dann bist du da drin. Betrinke dich auf jeden Fall, sonst bist du kein good sport, aber trinke immer ein Glas weniger als der Gastgeber. Schlafe niemals mit seiner Frau – es sei denn, er bittet dich darum.« Welche Regeln und Ratschläge kleine Herren sonst noch beherzigen, erzählt Carl von Siemens in wunderbaren Anekdoten eines ungelenken Erstsemesters, der um jeden Preis versucht, englischer als die Engländer zu sein. »Kann man die Geister von Evelyn Waugh und Kingsley Amis auf Deutsch beschwören? Carl von Siemens ist eben dies mit Aplomb, Geist, großartigem Humor und einem besonders feinen Gespür für Dialoge gelungen.« Christian Kracht

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Tipps von Amelie Fried:

Ins Freie von Joshua Ferris

Kurzbeschreibung
Vor fast allem kann man davonlaufen … nur nicht vor den Dämonen des eigenen Ichs!
Eigentlich will Tim Farnsworth nur funktionieren. Im Beruf. In seiner Ehe. Als Vater. Warum auch nicht, hat er doch alles, was es für ein erfülltes Leben braucht: Erfolg, Wohlstand, familiäres Glück. Doch dann ist von einem Tag auf den anderen nichts mehr, wie es war. Denn er sieht sich getrieben, das zu zerstören, was er liebt.
Tim Farnsworth ist ein attraktiver Mann im besten Alter. Seine Frau Jane liebt ihn, trotz mancher Krisen, auch nach all den Jahren noch. Obwohl er meist bis spätabends in seinem Büro in einer angesehenen Anwaltskanzlei in Manhattan arbeitet, mag er seinen Job. Und auch wenn sich seine pubertierende Tochter Becka immer mehr hinter ihrer Gitarre, ihren Rastalocken und einem Polster überschüssiger Pfunde versteckt, bleibt sie für ihn das schönste Mädchen auf der Welt. Er liebt seine Familie, sein Haus und seine Arbeit wie nichts sonst auf der Welt. Und doch steht er eines Tages auf und geht fort. Nicht weil er möchte, sondern weil er muss. Weil ihn nichts mehr halten kann. Er macht sich auf den Weg, hinaus ins Freie. Doch es wird kein Aufbruch hin zu neuen Horizonten. Es wird ein Abstieg in die Abgründe seines Ichs, und so sehr seine Frau auch versucht, ihm dabei beizustehen, ist es am Ende doch ein Weg, den er ganz alleine gehen muss.
Gesellschaftsroman, Eheroman, Psychodrama: »Ins Freie« ist ein ebenso beeindruckendes wie verstörendes Buch über die Zwänge der Gesellschaft und die apokalyptischen Kräfte in uns selbst. Es ist ein Buch über eine dunkle Obsession, die einen Menschen am Ende dazu bringt, das zu zerstören, was er liebt. Es ist die bewegende Geschichte eines Paares, das sein glückliches Leben als Selbstverständlichkeit betrachtet, bis von einem Tag auf den anderen alles unwiederbringlich auseinanderbricht.
Aus dem Amerikanischen von Marcus Ingendaay

Diese alte Sehnsucht von Richard Russo

Kurzbeschreibung
Jack Griffin wollte niemals werden wie seine Eltern. Seit dreißig Jahren ist er verheiratet, hat eine wohlgeratene Tochter und wurde nach seiner Karriere als Hollywood-Drehbuchautor Professor an einem kleinen College im Nordosten. Doch nun ist er Mitte fünfzig und erkennt, dass ihn die Lebensmuster seiner wunderbar scheußlichen Eltern längst eingeholt haben.
Der Pulitzer-Preisträger Richard Russo, der in den USA schon seit Langem zu den bedeutenden Schriftstellern zählt, zeigt in seinem facettenreichen Roman, dass wir den Rollenbildern, denen wir zu entfliehen suchen, niemals ganz entkommen: Wir wiederholen sie oder verkehren sie in ihr Gegenteil. Diese alte Sehnsucht führt ebenso unterhaltsam wie kunstvoll vor, dass Familie dort ist, wo uns das Schlimmste, aber auch das Beste geschieht.
„Eine romantische Komödie aus der Lebensmitte, voller Humor und Zuversicht.“ The Guardian
Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren

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Kurzfristig kann laut ZDF noch ein Buch dazu kommen oder wegfallen. In diesem Fall werden die Informationen zu den neuen Büchern in der „Bücherliste†œ auf www.dievorleser.zdf.de veröffentlicht.

Weitere Informationen zur Sendung finden sich unter www.dievorleser.zdf.de

Die nächste Sendung „Die Vorleser“ im ZDF mit Amelie Fried und Ijoma Mangold wird am Freitag, 22. Oktober 2010, ab 23.00 Uhr, zu sehen sein.

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