Black Dagger Ladies Online †“ Peru [Kapitel 13]

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Peru Kapitel 13

Nachdenklich schaltete ich mein Handy aus und lehnte mich zurück an das Kopfteil meines riesigen Bettes, auf dem bequem vier Personen Platz gehabt hätten. Ich habe mit Gwen gesprochen, nach Wochen endlich mal wieder. Nachdem was Lilli uns da aufgetischt hatte, wollte ich unbedingt mit ihr reden. Jetzt haben wir fast zwei Stunden miteinander gesprochen und inzwischen war es schon ziemlich spät. Von meiner Rettung durch Drago hatte sie schon von Sweetlife erfahren, nur wusste sie nicht, dass er mich mit seinem Blut wahrscheinlich vor Schlimmerem bewahrt hatte. Als ich ihr davon erzählte, geriet sie regelrecht aus dem Häuschen und hat mir eine neue Fähigkeit aufgezeigt, an die ich selbst nicht gedacht hatte. Ich musste grinsen. „Genau das werde ich auch gleich ausprobieren†œ, dachte ich in dem Moment, doch als ich ihr die ganze Geschichte von Duncan und mir erzählte, war es sekundenlang still am anderen Ende der Leitung geworden, sodass ich schon dachte, wir wären unterbrochen worden. „Gwen? Bist du noch da?†œ, fragte ich beunruhigt in die ungewöhnliche Stille hinein. „Wie heißt er, hast du gesagt?†œ Ihre Stimme war kaum zu verstehen, da sie plötzlich sehr leise sprach. „Na, Duncan Thorpe, und er ist ein Vampir. Warum, stimmt etwas nicht?†œ. Meine Unruhe nahm zu. Plötzlich lachte sie erleichtert auf und rief laut. „Ja! Ich wusste es doch! Hah, dem Schicksal kann man nicht entgehen. So, so, der Duncan und du. Dann frag ihn doch mal nach dem „grünen Herz†œ, wenn ihr euch das nächste Mal seht.†œ „Was hat es denn damit auf sich?†œ Jetzt war ich aber doch sehr neugierig geworden. „Das, mein Schatz, soll er dir schon selber erzählen!†œ Wieder lachte sie und dann redeten wir nur noch über Belangloses, sie wollte mir partout nicht sagen, was es mit diesem „grünen Herz†œ auf sich hatte. Nur, dass Duncan mir erzählt hatte, dass Lindsay plötzlich unter so mysteriösen Umständen wieder aufgetaucht ist, verschwieg ich ihr. Bisher wusste nur die Bruderschaft und wir Schwestern davon, und so sollte es auch vorerst bleiben. Abschließend wünschte sie uns allen viel Erfolg und schärfte mir nochmal ein, auf mich aufzupassen. Okay, diese Mission wird unsere ganze Kraft und unser Können erfordern, aber ich war sehr zuversichtlich, zumindest versuchte ich mir das immer wieder, wenn auch mit mäßigem Erfolg, einzureden. Es wurde langsam Zeit, dass wir in Lima einliefen und die Dinge in Gang kamen, sonst rosteten wir noch alle ein! Aber jetzt hatte ich genug gegrübelt! Ich nahm mir vor, Duncan bei unserem nächsten Treffen nach diesem merkwürdigen Herz zu fragen. Er hatte mir gesagt, dass er noch die letzten Vorkehrungen treffen und alles nochmal kontrollieren wollte. Für unsere Tour in den Anden musste einfach alles perfekt sein, denn dort waren wir völlig auf uns gestellt. Doch jetzt fiel mir ein, dass ich noch etwas ausprobieren musste, sprang aus dem Bett und lief ins Bad. Vorsichtshalber drehte ich gleich den Wasserhahn auf und ließ das Wasser einfach laufen. Unwillkürlich musste ich kichern. Wenn Gwen mich jetzt so hätte sehen können, wäre sie sehr zufrieden mit mir gewesen, denn so vorsichtig war ich leider nicht immer. Nun wollte ich es doch mal probieren. Also los. Ich legte die Fingerspitzen meiner rechten Hand so zusammen, dass sie wie ein geschlossener Blütenkelch aussahen. Dann konzentrierte ich mich auf die Spitze und sprach die uralte Formel, die nur wir Hexen kannten. Nun sprach ich zum ersten Mal die Worte, die Gwen mir in unserem Gespräch zugeflüstert hatte: „Feuer und Flamme, Hitze und Glut, zeig mir die Kraft, die in dir ruht.†œ Diese Worte wiederholte ich genau drei Mal. Und dann spürte ich ein leichtes Kribbeln in meinen Fingern. Da! Aus meinen Fingerspitzen wuchs eine kleine, gelbe Flamme, die ungefähr 5 cm groß wurde, und die sich überhaupt nicht heiß anfühlte, sondern angenehm warm war, und… sie verbrannte mich nicht! Vorsichtig setzte ich sie auf die Marmorplatte neben dem Waschbecken ab und beobachtete wie sie darauf hin und her tanzte. Nach wenigen Sekunden jedoch war der Spuk vorbei, und die Flamme erlosch. Ich strich mit dem Zeigefinger über eine winzige Rußspur und zeichnete den Weg nach, den die Flamme genommen hatte. Die Stelle war warm! Also war es echtes Feuer und kein magisches! „Ja!†œ, rief ich aus, klatschte in die Hände und lachte laut auf. „Das muss ich meinen Schwestern erzählen, oder besser noch, Duncan! Mensch, das war doch mal was!†œ Das Wasser ausstellen, die Tür aufreißen und raus stürmen, war eins! Ich flitzte durch den Gang und bremste erst vor seiner Kabine. Anklopfen? Ach was, in meiner Begeisterung riss ich die Tür auf und legte gleich los: „Duncan! Ich muss dir unbedingt etwas zeigen! Ich habe doch eben mit meiner Gwen… Duncan?†œ Erst jetzt bemerkte ich, dass er hinter seinem Schreibtisch stehen blieb und mich mit einem ernsten Gesichtsausdruck betrachtete. Seite 148 „Stimmt etwas nicht?†œ, fragte ich ihn leise. Als er meinem Blick auswich, überkam mich ein mulmiges Gefühl. „Was ist passiert? Ist was mit Lucy und Gavin? Sag doch!†œ „Nein, mit den Beiden ist alles in Ordnung, aber… Angie, setzt dich bitte… ich muss mit dir reden.†œ Irgendetwas stimmte hier nicht! Ganz und gar nicht! Ich setzte mich in den Stuhl vor seinen Schreibtisch und versuchte in seinem Gesicht zu lesen, doch er sah mich einfach nicht an! „Okay, aber etwas hast du… †œ „Ja, ich habe nachgedacht†œ, unterbrach er mich und sah mir endlich in die Augen. Das machte mich aber nur noch nervöser, da ich seinen Blick nicht deuten konnte. „Angie,… es fällt mir bestimmt nicht leicht, aber es ist wohl zum jetzigen Zeitpunkt besser, wenn wir… unsere Beziehung auf Eis legen. Ich meine natürlich nur, bis die Sache in Peru vorbei ist.†œ Ungläubig sah ich ihn an, und mein Magen verwandelte sich schlagartig in einen schmerzenden Klumpen. Die Luft wurde mir plötzlich knapp. Ich räusperte mich und fragte ihn: „Aber, warum? Ich verstehe dich nicht, habe ich…?†œ Er unterbrach mich wieder und sprach schnell weiter: „Nein, du hast nichts getan, aber diese Mission ist einfach zu wichtig! Mir hat meine dämliche Aktion heute Morgen die Augen geöffnet. Ich trage hier eine große Verantwortung, und kann mir einfach im Moment keine Ablenkung leisten, verstehst du das? Was, wenn ich mich zu sehr ablenken lasse und dadurch eine Fehlentscheidung treffe? Wenn jemand zu Schaden käme, das könnte ich mir das nicht verzeihen. Es fällt mir bestimmt nicht leicht aber… nein, es muss sein. Wir können ja nach dem Einsatz in Peru…†œ „Ach, du meinst da weitermachen, wo wir aufgehört haben?†œ Ich war bei seinen letzten Worten aufgestanden und klammerte mich an der Lehne fest, sah ihn an und schüttelte den Kopf. „Nein, mein Lieber, so läuft das nicht! Ich lasse mich von dir nicht in eine Schublade stecken, und dann bei Bedarf wieder raus holen. Und ich dachte, wir beide… gehören zusammen, gerade jetzt! Aber… Nun, du musst für dich entscheiden, was du willst. Mich bekommst du ganz, oder gar nicht.†œ Mit den letzten Worten drehte ich mich um und verließ seine Kabine. Mechanisch machte ich mich bettfertig und zog ein leichtes Shirt an, genauso mechanisch packte ich meine letzten Sachen in den Rucksack, legte den Waffengürtel mit den kleinen Wurfmessern, den ich mir morgen umlegen wollte, sorgfältig über den Stuhl, ging zum x-ten Mal ins Bad, um nochmal die Sachen auf der Ablage gerade zu rücken und… blieb endlich mitten im Raum stehen. Wem machte ich hier eigentlich was vor? Mit einem resignierten Blick auf die Tür dachte ich nur: „Er hat sich entschieden, gegen mich und er wird nicht kommen.†œ Da sah ich die Wasserflasche, packte sie und warf sie mit aller Kraft, die mir meine Verzweiflung in diesem Moment verliehen hatte, an die Wand und schrie: „Du verdammter Mistkerl!†œ. Mit einem lauten Knall zerplatzte sie, und das Wasser spritzte nach allen Seiten, die Scherben aber leider auch. Blind vor Tränen fiel ich auf die Knie und endlich konnte ich weinen. Nach einiger Zeit zwang ich mich aufzustehen und versuchte vorsichtig die Scherben einzusammeln. Natürlich musste ich in die letzte rein treten und ein scharfer Schmerz durchfuhr meinen Fuß. „Au!†œ, schrie ich auf und ließ mich auf mein Bett fallen. Da wurde plötzlich die Tür aufgerissen und Duncan stürzte auf mich zu: „Was ist passiert? Oh mein Gott, du blutest ja! Zeig mal her.†œ Er setzte sich einfach zu mir aufs Bett und untersuchte vorsichtig meinen Fuß. „Da haben wir ja den Übeltäter!†œ, sagte er leise und zog die Scherbe blitzschnell aus der Fußsohle. Schnell leckte er über die Wunde und versiegelte sie so. Er war hier bei mir! Ich beobachtete ihn wie er genießerisch meinen ganzen Fuß von dem Blut mit seiner Zunge befreite. Ich musste mir auf die Zunge beißen um nicht laut los zu lachen, es kitzelte so furchtbar. Aber so leicht würde ich ihn nicht davonkommen lassen. Doch dann ließ er meinen Fuß los und legte ihn behutsam aufs Bett. Er sah mich zerknirscht und reumütig an und sagte leise: „Ich wäre ja schon viel früher gekommen, aber Drago wollte mich noch unbedingt wegen Lindsay sprechen.†œ Er zog mich in seine Arme, vergrub sein Gesicht in meinem Haar und sagte leise: „Sag, dass ich ein riesiger Blödmann bin!†œ „Riesiger Blödmann†œ, murmelte ich und schniefte laut. Er nahm mein Gesicht in seine Hände, lächelte mich schief an und dann küsste er mir sanft die letzten Tränen weg. Er sah mir tief in die Augen und sagte sehr ernst: „Angie, weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe? Ich könnte nicht mal nur für kurze Zeit von dir getrennt sein, ohne dass ich mich so sehr nach dir sehne, dass es regelrecht weh tut. Ich weiß ja auch nicht, was mich da eben geritten hat. Manchmal mach ich mir einfach zu viele Gedanken. Seite 149 Vergiss es bitte ganz schnell wieder, ja? Bitte! Ich brauche dich so sehr, du bist für mich die Luft zum Atmen, jeder Schlag meines Herzens… meine Seele. Meine Gefährtin. Bitte sag, dass du mir verzeihst. Bitte!†œ Flehentlich sah er mich an und flüsterte noch einmal leise: „Bitte!†œ Er liebt mich! Das war das einzige, was für mich in diesem Moment zählte. Eigentlich wollte ich ihn ja noch ein bisschen schmoren lassen, aber wenn er diesen Blick drauf hatte… „Duncan, tu das nie wieder!†œ „Versprochen!†œ Ich zog mit einem Finger die Konturen seine Lippen nach und murmelte: „Ich liebe dich doch auch, du riesiger, wunderbarer, lieber Blödm…†œ Weiter kam ich nicht, denn er verschloss mir die Lippen mit so einem intensiven Kuss, dass mir die Luft weg blieb. Eine Weile lagen wir engumschlungen auf dem Bett und genossen einfach nur die Nähe des anderen, bis mir das Gespräch mit Gwen wieder einfiel. „Sag mal, was hat es eigentlich mit dem grünen Herz auf sich? Gwen meinte, ich soll dich danach fragen.†œ „Grünes Herz? Mh… keine Ahnung, was sie damit meint†œ, überlegte er laut. Doch plötzlich schlug er sich mit der flachen Hand gegen die Stirn, lachte laut und rief: „ Oh! Jetzt weiß ich, was sie meint! Das gibt es doch nicht! Moment mal! Ich bin sofort wieder da!†œ Er sprang auf und schoss so schnell zur Tür raus, dass ich kaum etwas erkennen konnte. Verwundert starrte ich auf die Tür, doch da war er schon wieder zurück und setzte sich mir gegenüber aufs Bett. In der Hand hielt er eine schlichte Goldkette, an der ein kleines Herz hing. Dieses Herz bestand aus einem wunderschönen grünen Smaragd. Er lächelte mich an und mit funkelnden Augen fing er an zu erzählen. „Vor vielen Jahren traf ich in den Staaten auf eine merkwürdige Frau. Sie war sehr nett und hatte mir bei einer schwierigen Aufgabe geholfen. Als ich ihr danken wollte, winkte sie nur ab und sah mir in die Augen. Dann nahm sie meine Hand und sagte sie zu mir: „Sie werden eine junge Frau treffen, und Sie werden in ihr Ihre Gefährtin erkennen. Sie wird die gleiche Augenfarbe haben, wie das Herz ihrer Mutter. Das ist Ihr Schicksal. Oder so ähnlich. Tja, und diese Kette mit dem Anhänger hat einmal meiner Mutter gehört und ich habe sie immer bei mir. Wie konnte ich das nur vergessen?! Und nun soll sie dir gehören.†œ „Dann war diese Frau meine Gwen?†œ Ich sah ihn mit großen Augen verwundert an. „Ja, das muss sie wohl gewesen sein.†œ Er legte mir die Kette um, küsste mich und flüsterte mir dann ins Ohr: „Ich liebe dich, mein Schicksal.†œ Glücklich schmiegte ich mich in seine Arme und nach einer Weile schliefen wir eng aneinander gekuschelt ein. Gerade als die Sonne aufging, wurde ich wach und hörte ihn neben mir telefonieren. Er hatte einen Arm um mich gelegt und sprach mit Gavin: „Okay, mein Lieber. Dann lassen wir das Ganze. Ist mir auch recht so. Wenn Lindsay mit uns Kontakt aufnehmen will, wird sie schon einen Weg finden. So, wir treffen euch dann im Hangar 51. Und vergiss die Zigarren nicht. Hahaha. Was? … wie höre ich mich an? … ja, stimmt! … das bin ich auch. Also seid vorsichtig! Bis heute Nachmittag dann, und grüß Lucy von uns.†œ Er legte auf, drehte sich zu mir um und küsste mich auf die Nasenspitze. „Frühstück, Mylady?†œ „Mh, ja?†œ, flüsterte ich und knabberte an seinem Ohrläppchen. Sofort tippte er die Nummer von Tiago ein. „Tiago… ja, auch guten… Oh!†œ Ich hatte mich über ihn gebeugt. „… wo war ich? Ach ja, äh… Frühstück.†œÂ  „Äh… Tiago okay… du…†œ Ich legte meinen unschuldigsten Blick auf und sah in seine dunklen Augen, dann sagte ich etwas lauter: „Guten Morgen Tiago, bitte das Frühstück erst in einer Stunde, ja? Und stell es doch bitte vor meine Tür. Danke!†œ Keine Ahnung, ob er sein Handy ausgestellt hatte, es landete jedenfalls sehr schnell auf dem Boden.

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Ein köstlicher Duft stieg in Doc´s Nase. Sie atmete nochmal tief ein, blinzelte und öffnete dann ein Auge. Bowen kniete vorm Bett mit einer Riesentasse Kaffee und wedelte ihr den Dampf zu. „Guten Morgen, Jane.†œ Sie setzte sich auf nahm ihm die Tasse aus der Hand, nippte daran und schloss die Augen. „Hm einfach köstlich.†œ Durch die ihre tiefe zu Bowen Verbindung spürte sie, ohne ihn zu sehen, dass er ungewöhnlich angespannt war. Nach einem weiteren Schluck, blickte sie ihm in die Augen. „Bowen, ich merke, dass du etwas auf dem Herzen hast. Was ist es?†œ Er räusperte sich. Dann nahm er seinen Becher vom Nachttisch und prostete ihr zu. Es dauerte eine ganze Weile bis er sprach: „Genau genommen gehen mir tausend Sachen durch den Kopf. Schätze jetzt kann ich meine Gefühle wohl nicht mehr vor dir verheimlichen, was? Ich mache mir Sorgen um dich und natürlich auch um die anderen. Ich sollte wohl erwähnen, dass ich vor jedem Einsatz ein ungutes Gefühl habe, sobald wir uns in Bewegung gesetzt haben, verschwindet es aber bestimmt wieder. Nur dieses Abwarten, sowas kann ich einfach überhaupt nicht gut.†œ Sie lächelte ihn an, und er fühlte was sie fühlte und er war so stolz, dass sie jetzt seine Gefährtin war. Sie hüllte ihn in absolute Liebe, es war einfach vollkommen. Die Anspannung begann nachzulassen. Er nahm ihre freie Hand in seine. „Dann wollte ich dir sagen, dass egal, was in Peru passieren wird, sobald wir beide wieder zurück sind, und ich bin mir sicher, dass wir das unbeschadet überstehen, möchte ich unsere Verbindung etwas offizieller feiern. Wie, können wir uns ja noch überlegen. Ich finde du hast etwas Besonderes verdient.†œ Er küsste sie und fühlte bei ihr leichtes Unbehagen. „Keine Sorge, wenn du nicht möchtest, machen wir keine Riesensache daraus, aber ich denke, deine Schwestern finden auch, dass es ein Grund zum Feiern ist. Leider hatten wir ja gestern noch eine Besprechung, ansonsten hätte ich dir so gerne noch ein paar Tricks gezeigt.†œ Jane stellte ihre Tasse ab und rutschte auf seinen Schoss. „Ja, du hast Recht, die waren ja ganz schön aus dem Häuschen, als ich es ihnen erzählt habe. Jetzt werde ich schnell duschen und dann müssen wir auch los.†œ Er nuschelte etwas in ihren Nacken, was ganz nach „sieht ganz so aus†œ klang. „Jane, als du gestern Abend solange in deiner Kabine warst, um zu packen, also ich glaub, ich konnte spüren, dass du dich über etwas aufgeregt hast. Willst du mir verraten, was es war?†œ Doc zuckte leicht zusammen. „Oh Bo, ich glaube, das hast du falsch interpretiert, ich habe etwas nicht gefunden, das hat mich geärgert.†œ „Noch etwas. Soll Tiago, während wir weg sind, wieder deine Sache rüberholen?†œ Sie nickte und lächelte ihn an. Sie wollte nirgendwo lieber sein, als an seiner Seite. Punkt 11 Uhr standen alle Sixpack-Schwestern und die Brüder der Schwarzen Orchidee an der Planke, um von Bord zu gehen. Eric kam an Bord und gesellte sich zu Jean, Tim und Tiago. Duncan sprach noch kurz mit ihnen, dann marschierte er los, und alle anderen folgten ihm. Bowen legte den Arm um Doc und wollte hinter den anderen das Schiff verlassen. Plötzlich ließ sie ihre Tasche fallen „Oh Mist, ich habe etwas vergessen, ich bin in fünf Minuten wieder da.†œ Sie flitzte davon und er blickte ihr nach. „Na ja, Frauen, die können ja eine ganze Menge wichtiger Dinge vergessen, wobei es eigentlich nicht zu ihr passte†œ, überlegte er der bei sich. Die Tasche mit der medizinischen Ausrüstung trug er, und ihre persönlichen Dinge hatte sie am Vorabend gepackt und sehr lange dafür gebraucht. Sie war zwar auf liebenswerte Weise etwas chaotisch, aber wenn es drauf ankam, ganz und gar nicht. Da kam sie auch schon wieder angehechtet. Allerdings ohne etwas geholt zu haben. Er hob eine Augenbraue „Ach, falscher Alarm, ich hatte doch nichts vergessen. Los komm, die anderen warten schon am Pier.†œ Atemlos blieb sie neben ihm stehen und hob ihre kleine Reisetasche mit den privaten Dingen auf. An Land angekommen, ernteten die beiden einen strengen Blick von Duncan, den Bo ganz charmant mit einem Achselzucken entgegnete. „Also gut, da wir nun endlich vollzählig sind, folgt mir bitte ohne weitere Verzögerung zu unserem Reisebus.†œ Noch trugen alle zivile Kleidung, um den Eindruck einer Reisegruppe abzugeben. Duncan drehte sich um, mit Angie an seiner Seite ging er auf einen leicht ramponiert wirkenden Reisebus zu.

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Er nickte dem Fahrer, der offensichtlich auch ein Mitglied des Ordens war, zu. Zischend öffneten sich die Türen, und alle stiegen ein. Bo zog Doc direkt auf die hinterste Bank und überließ ihr einen Fensterplatz. In der Reihe vor ihnen saßen Kerstin und Drago. Sie klopfte Kerstin auf die Schulter, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern. Da ertönte plötzlich eine unbekannte Stimme mit starkem französischem Akzent: „Merde! Willst du mich hier zu Tode quetschen? Du hast wohl noch nie was von PETA gehört, oder was? Außerdem ist hier ein geschmolzenes Schokotoffee in deiner Hosentasche. Sind Merküren immer solche Ferkel?†œ Schlagartig wurde es sehr still im Bus. Die Türen hatten sich wieder geschlossen und der Bus fuhr los. Alle drehten sich um und blickten verwirrt umher. Welchem blinden Passagier gehörte diese Stimme? Leider hatten alle so ein gutes Gehör, dass ihre Blicke auf Doc hängenblieben. Sie versuchte sich so klein wie möglich auf ihrem Sitz zu machen. Dass Bowen sie ebenfalls fragend musterte, machte die Situation auch nicht besser. „Was war das? Doc, das kam doch von dir. Du bist doch nicht unter die Bauchredner gegangen. Also, was war das?†œ Kerstin sah sie an und auch Drago hatte sich umgedreht. „Öhm, also ich weiß nicht, habt ihr den Fußgänger nicht gesehen, der gerade hier am Bus vorbeigegangen ist. Ich schätze, Franzosen machen hier auch schon mal Urlaub.†œ „Jane, die Fenster sind geschlossen und hier ist keiner vorbeigegangen. Das kam von dir!†œ Und schon ertönte wieder dieses dumpfe Stimmchen: „Könnte jemand dieser Tierquälerin sagen, dass es nicht die feine Art ist, jemanden in die Hosentasche einer viel zu engen Hose zu stopfen und sich dann auch noch hinzusetzen. Sacrebleu, oder sie soll abspecken.†œ Inzwischen hatten alle ihre Plätze verlassen und sich zu Doc und Bowen in den hinteren Teil des Busses begeben. Fragend schauten sie Doc an. Es war nicht einfach für sie aus der Nummer wieder rauszukommen. Also entschied sie sich für die Wahrheit, stellte sich hin und griff in die Hosentasche ihrer Hotpants. Zum Vorschein kam ein kleiner, silberfarbener Goldhamster mit einer winzigen Redsox Baseball-Cap auf dem Kopf. Der Hamster grinste triumphierend in die Runde und sagte: „Bonjour, Mesdames et Messieurs! Mein Name ist Ford Fleur, aber bitte nennt mich Ef-Ef das klingt irgendwie cooler. Alors, diese Tierquälerin Doc ist meine Herrin, aber die kennt ihr ja wahrscheinlich.†œ „Halt doch einfach mal die Klappe.†œ Doc funkelte das kleine Nagetier wütend an. Sekundenlang war es totenstill in dem Bus, fassungslos starrten alle abwechselnd zu Doc und das kleine, sprechende Wesen mit dem französischen Akzent. Dann redeten plötzlich alle auf einmal auf Doc ein. „Wie süß! Wo hast du denn her?†œ Igitt, ich mag keine Ratten!†œ „Jane, ich denke, du bist uns eine Erklärung für diesen Zirkus schuldig†œ, beendete Duncan mit seiner donnernden Stimme das Durcheinander. Er hatte Recht, schuldbewusst senkte Doc die Augen, aber der Blick, den er Doc schenkte, machten sie nur noch nervöser. Von einem Fuß auf den anderen tretend blickte sie noch einmal alle an und legte dann los: „Also gut. Gestern, nach der zweiten Besprechung, hatte Kerstin mir eine Art Rezept gegeben. Sie hatte es in der Bibliothek gefunden. Jedenfalls war es die Anleitung zur Beschwörung eines Geistes. Ich dachte, ich könnte so herausfinden, was es mit der Voraussagung von Kerstins Traum auf sich hat und eventuell sogar diesen speziellen Schutzgeist rufen, um genauere Erklärungen zu bekommen. Laut Anleitung sollte man den Geist auch wieder zurückschicken können. Die Schrift war sehr alt, keltisch, und nicht einwandfrei leserlich, ich habe also in manchen Dingen improvisiert, und ich hätte niemals für möglich gehalten, dass es funktioniert. Ich dachte auch nicht, dass die Farbe der Kerzen so einen Unterschied macht. Da ich nur schwarze Kerzen auftreiben konnte, habe ich also keinen Geist, sondern einen Dämon gerufen. Unglücklicherweise einen, der gerade von seinem Unterweltfürsten seiner Mächte beraubt worden war und sozusagen rausgeworfen wurde. Das heißt, ich konnte ihn nicht mit der Spruchformel zurückschicken. Und glaubt mir, ich habe es wirklich versucht. Ich hoffe, wenn wir zurück sind, dass ich in der Bibliothek etwas finde, um dieses kleine Fellknäuel loszuwerden.

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Bis dahin sieht es wohl so aus, als ob ich seine neue Herrin bin. Er kann uns nichts Böses tun. Leider hat es den Anschein, als hätte er auch keine guten Eigenschaften an sich. Trotzdem konnte ich ihn nicht einfach an Bord zurücklassen. Es tut mir leid, dass ich euch nicht sofort davon in Kenntnis gesetzt hab.†œ Stille. Keiner sagte etwas und alle blickten den kleinen Hamster in Docs Hand an, der sie ebenfalls mit seinen Knopfaugen musterte. Hatte er tatsächlich gerade Angie zugezwinkert? „Hey Doc, wer ist die hübsche Puppe da vorne? Die mit den blond gelockten Haaren.†œ Sie verdrehte die Augen. „Halt doch bitte einfach nur deine Klappe. Oder verrate mir, was ich tun muss, um dich zum Schweigen zu bringen. Mir fällt nur die Alternative ein dich aus dem Fenster zu werfen.†œ „Mon dieu, so grausam könntest du sein? Also gut, mit Bitten kommst du bei mir nicht weit, aber deinen Befehlen muss ich Folge leisten.†œ „Okay, also Ford Fleur ich befehle dir zu schweigen.†œ Der Dämon presste seine Lippen aufeinander und guckte Doc beleidigt an. „Och wie niedlich, der schmollt ja. Ich wusste gar nicht das Hamster das können. Gib mal her.†œ Kerstin schien richtig angetan von dem kleinen Biest zu sein. Doc reichte ihn ihr und ließ sich zurück auf ihren Sitz fallen. „Bowen, es tut mir leid, darüber habe ich mich gestern so geärgert. Das war auch der Grund, warum ich solange gebraucht habe, um meine Klamotten zu packen. Mir war das nur so peinlich, ich hatte gehofft, ihn wieder loszuwerden, bevor irgendwer etwas davon mitbekommt.†œ „Ach Süße, mach dir mal keinen Kopf. Was soll so ein kleiner machtloser Dämon schon tun, und wenn wir zurück sind, helfe ich dir bei den Nachforschungen. Wer weiß, vielleicht ist er nützlicher als es bisher den Eindruck erweckt.†œ Duncan scheuchte alle wieder auf ihre Plätze zurück. Er konnte ganz schön furchteinflößend wirken, wenn er wollte. Doch dann lächelte er. „Erstmal möchte ich euch noch zu eurer Verbindung gratulieren. Du wurdest ja gestern so von deinen Schwestern in Beschlag genommen, dass ich gar nicht dazu gekommen bin.†œ Er umarmte Doc und ihr fiel ein riesiger Stein vom Herzen, sie hatte ja eher mit einer Standpauke gerechnet. „Jane, dieser Ef-Ef fällt in deinen Zuständigkeitsbereich, achte darauf, dass er keinen Mist baut, du bist für ihn verantwortlich. Das nächste Mal ziehe bitte jemanden zu Rate, wenn du so was Bescheuertes ausprobierst. Wir haben jetzt jedoch Wichtigeres vor uns, als uns damit aufzuhalten.†œ Damit beließ er es dabei und ging wieder nach vorne. Kerstin gab Ef-Ef wieder an Doc zurück, die ihn neben sich auf den Sitz setzte „Hier. Also ich finde den ganz knuffig. Und danke, ich weiß, dass du das nur meinetwegen ausprobiert hast.†œ Sie lächelte Doc aufmunternd zu und vertiefte sich dann in ein Gespräch mit Drago. Ruckelnd fuhr der Bus über eine Landstraße. Trotz des angenehmen Klimas, war sie jetzt schon ganz durchgeschwitzt. Die anderen plapperten munter durcheinander, man hätte wirklich denken können, es handelte sich um ganz normale Touristen. Da bogen sie ein weiteres Mal ab und fuhren auf den Hangar zu. Aus dem Fenster konnte sie den Airwolf sehen, neben dem zwei bekannte Gesichter standen: Lucy und Gavin. Endlich waren sie wieder alle vollzählig. Das Abenteuer konnte beginnen.

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Während Doc und Bowen sich unterhielten, rutschte Ef-Ef unbemerkt von seinem Sitz, krabbelte zu Kerstin rüber und machte durch leichtes Kratzen an ihrem Bein auf sich aufmerksam. Vorsichtig hob Kerstin ihn hoch. Sie war von Ef-Ef total hingerissen und kuschelte und unterhielt sich mit ihm, während Drago die beiden misstrauisch beobachtete. Ihm gefiel das ganz und gar nicht, dass Kerstin so vernarrt in diesen Hamster war. Drachen waren schon seit je her nicht gut auf Dämonen zu sprechen, und obwohl er persönlich keine schlechten Erfahrungen gemacht hatte, wusste er das aus alten Überlieferungen. „Was haben wir jetzt vor?“, fragte Ef-Ef und schlug seine Augen so hinreißend auf, dass Kerstin vor Begeisterung fast quietschte. „Wir machen einen Ausflug“, mischte Drago sich barsch in ihre Unterhaltung ein. Ef-Ef zog eine Schnute und antwortete schnippisch: „Oha, da hat aber jemand schlechte Laune. Bist du eifersüchtig?“ Drago schaute ihn böse an. „Auf was denn? Etwa auf Katzenspielzeug? Mal schauen wie Lucy dich findet. Kann mir vorstellen, dass sie dich für einen besonderen Leckerbissen hält.“ Kerstin knuffte Drago leicht in die Seite. Ef-Ef lächelte zufrieden und kuschelte sich in Kerstins Hände. Dann war es Zeit zum Aussteigen. Ef-Ef wurde wieder von Doc in Empfang genommen, die noch gar nicht bemerkt hatte, dass ihr neuer, kleiner Freund sich selbstständig gemacht hatte. Drago legte seinen Arm um Kerstins Taille und schob sie in Richtung Ausgang. Draußen wartete schon der Hubschrauber. Lucy und Gavin standen schon da und lächelten erfreut, als die Brüder und Schwestern auf sie zu kamen. Mit einem großen Geschrei und Geplapper fielen sich alle in die Arme. Es tat so gut sich wieder zu sehn. Es gab so viel zu erzählen und da alle durcheinander sprachen, brauchte Duncan drei Anläufe, um die Aufmerksamkeit aller auf sich zu ziehen. „So, Kinder, jetzt beruhigen wir uns mal wieder. Ich rede jetzt mit dem Piloten und ihr Jungs holt bitte schon mal das Gepäck. In einer viertel Stunde treffen wir uns am Heli. Wenn die Damen nochmal wohin müssen?“ Mit dieser Andeutung drehte Duncan sich grinsend um, gab Angie einen zärtlichen Kuss und ging zum Heli. Die Jungs marschierten zurück zum Bus und die Schwestern machten sich auf den in den Hanger, um sich frisch zu machen. Dabei plapperten und kicherten sie die ganze Zeit. Daran hatte sich auch nichts geändert, nachdem sie wieder zurück waren. Die Jungs, die vor dem Hanger warteten, verdrehten die Augen, als die Mädels ranrückten. „Warum gehen Frauen eigentlich immer im Rudel auf die Toilette?“, fragte Bowen. Er erhielt aber keine Antwort, sondern nur ein Schulterzucken der anderen. „Hey, was ist los? Was zieht ihr denn für Gesichter?“, fragte Lilli in die Runde.“Tja, wegen einer Schlechtwetterfront können wir nicht starten, und so wie es aussieht, müssen wir diese Nacht wohl hier verbringen“, sagte Duncan. „Na toll, und dafür haben wir uns so beeilt“, murmelte Doc. „Ach echt?“, neckte Bowen sie und sie streckte ihm dafür die Zunge raus. „Wir bauen uns jetzt hier ein provisorisches Lager auf. Lucy, Gavin, Angie und ich versuchen etwas zum Essen zu organisieren. Dann können uns die zwei auch schon mal über alles Wichtige informieren. Und wir fallen in einer kleineren Gruppe nicht so auf. Ihr anderen macht bitte die Lager fertig.“ Mit dem Jeep aus dem Hanger fuhren die vier los. Lilli, Doc und Kerstin sahen sich die nähere Umgebung an und machten sich auf die Suche nach Dingen, die ihnen die Situation so angenehm wie möglich machen könnten. Sie fanden alte Öllampen, Kisten, die sie als Sitzgelegenheit umfunktionierten. Drago, Bowen und Fernando bewiesen ihr Geschick darin das Lager so aufzubauen, dass jedes Paar seine eigene bescheidene Privatsphäre hatte. Nach gut zwei Stunden waren wieder alle beisammen. Duncan, Angie, Lucy und Gavin brachten, zur Überraschung der anderen, etwas zum Grillen mit. Zusätzlich noch Besteck, Geschirr, Wein und Kerzen. Es gab landestypisches Brot, Rippchen, Steak und Garnelen. Und für die Schleckermäulchen hatten sie doch tatsächlich einen Käsekuchen aufgetrieben. In einer Ecke im Hanger hatte Gavin einen Rost gefunden, der sich zu einem Grill umfunktionieren ließ. Lilli und Fernando hatten über die Kisten ein paar Decken gelegt und die Kerzen verteilt. So schafften sie eine wirklich gemütliche Atmosphäre. Und während das Essen auf den Grill brutzelte, berichteten Lucy und Gavin nochmal allen, was sie auf Kuba erlebt und herausgefunden hatten. Seite 154 Eigentlich waren sich Gavin und Duncan ja einig, den anderen gegenüber Lindsay nicht weiter zu erwähnen. Sie sprachen während ihres Einkaufs noch einmal darüber. Aber Lucy und Angie legten Widerspruch ein. „Also, ich bin der Meinung, dass ihr den anderen nichts verschweigen dürft†œ, sagte Angie zu den beiden. „Ihr wisst nicht welche Rolle Lindsay in der ganzen Sache spielt und ihr wisst auch nicht wie sie zu den Dragons gekommen ist und warum. Dieses kleine Miststück hat euch jahrelang glauben lassen, dass sie tot ist und dass Drago für das alles verantwortlich ist. Dadurch hat sie sich bei mir komplett disqualifiziert und sie ist in keinster Weise vertrauenswürdig. Was ist, wenn wir im Kampf auf sie treffen? Was ist, wenn sie plötzlich in Choqequirao auftaucht und die anderen sind nicht darauf vorbereitet? Das würde in einer Katastrophe enden! Schließlich wissen ja noch nicht alle, dass sie nicht nur lebt, sondern scheinbar auch zur Führungstruppe der Dragons gehört.†œ Angie schaute die beiden durchdringend an. Lucy stellte sich demonstrativ neben sie und sagte mit fester Stimme: „Ich bin der selben Meinung wie Angie! Ihr müsst es allen sagen!†œ Gavin schaute Duncan an. „Sie haben Recht, Duncan. Wir müssen es allen sagen. Vor allem Drago muss es erfahren.†œ Duncan nickte kurz. „ Mir war sowieso die ganze Zeit nicht wohl bei dem Gedanken, es zu verschweigen.†œ Jetzt war es also an der Zeit es zur Sprache zu bringen. Es tat Duncan zwar leid, diese schöne Lagerfeuer-Atmosphäre zu zerstören, aber es musste sein. Duncan erhob sich und sagte in die Runde: „Gavin und Lucy haben noch etwas in Bezug auf Lindsay in Erfahrung gebracht, dass ihr alle wissen solltet.  Oder besser gesagt, sie sind über etwas Unfassbares gestolpert, das uns alle zutiefst erschüttern wird. Duncan machte eine kurze Pause und schaute sie mit sehr ernstem Gesicht der Reihe nach an.  Angie ergriff Dragos Hand und drückte sie fest, als Duncan die Bombe platzen ließ. „Dass Lindsay lebt, wisst ihr ja bereits, es hat sich aber herausgestellt, dass sie zu den Führungsmitgliedern der Dragons gehört und mit einem ihrer Anführer zusammenlebt!†œ Fernando und Bowen schauten geschockt und mit weit aufgerissenen Augen Duncan an. „Wie kann das nur sein?†œ, stammelte Fernando. Drago riss sich von Angie los, sprang auf und brüllte ein verzweifeltes, zorniges „Nein!†œ in die Nacht hinaus. Duncan und Fernando waren sofort bei ihm und fingen in auf, als er mit schmerzverzerrtem Gesicht in sich zusammensackte. Drago schaute die beiden an: „Warum hat sie uns das angetan? Sie war doch wie unsere Schwester. Wir haben ihr bedingungslos vertraut. Sie hat gesagt, dass sie mich liebt. Warum hat sie uns so bestraft?†œ Duncan setzte sich Drago gegenüber: „Ich weiß es nicht, Drago. Ich kann es mir auch nicht erklären. Sie wollte sich mit mir treffen, aber Gavin und ich fanden es besser, damit bis nach unserem Einsatz zu warten. Wir können ihr nicht mehr vertrauen, und wenn ich mit ihr gesprochen hätte, hätte sie gewusst, dass wir alle hier sind. Wir dürfen unsere Mission aber nicht gefährden. Es steht zu viel auf dem Spiel.†œ Drago zitterte zwar noch am ganzen Körper, aber er hatte sich wieder etwas gefangen. Kerstin bewegte sich vorsichtig auf ihn zu und legte ihm zärtlich ihre Hand auf die Schulter. „Es tut mir so leid†œ, sagte sie mitfühlend zu ihm und strich ihm sanft mit der anderen Hand über den Arm. Drago sah ihr dankbar in die Augen und nahm sie dann zärtlich in die Arme. Er vergrub sein Gesicht in ihrem Haar und drückte sie noch fester an sich. Er hörte auf zu zittern, löste sich aus der Umarmung und ein Ruck ging durch seinen Körper. Er drehte sich um und blickte entschlossen in die versammelte Runde, die ihn alle abwartend ansahen. „Ich weiß nicht, ob ihr mich jetzt verstehen könnt, aber ich bin mir gerade über etwas klar geworden. Auch wenn Lindsay nicht tot ist, für mich ist sie mit dem jetzigen Zeitpunkt gestorben! Sie hat uns jahrelang in dem Glauben gelassen, dass sie tot ist. Sie hat uns bewusst entzweit und in tiefe Trauer versinken lassen. All meine Gefühle ihr gegenüber, egal welcher Art, sind verschwunden und ich empfinde nur noch eine Leere. Sicher müssen wir uns in naher Zukunft mit ihr und ihrem Handeln auseinandersetzen, aber mich berührt es nicht mehr und es ist mir egal, was mit ihr passiert. Diese Jahre der Trauer, der Einsamkeit und der Schuldgefühle, kann und will ich ihr nicht verzeihen. Ich bin fertig mit ihr!†œ Drago setzte sich ganz ruhig wieder auf seinen Platz, zog Kerstin in seine Arme und flüsterte: „Ich habe endlich mein Glück gefunden.†œ Irgendwie waren alle erleichtert über die Reaktion von Drago. Duncan schaute in die Runde und atmete tief durch. „Dann lassen wir das Thema Lindsay wohl am besten ruhen, bis wir gefahrlos mit ihr sprechen können. 

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Wenn sie dann immer noch Interesse daran hat, mit mir in Verbindung zu treten. Ich wollte nur, dass ihr auf ein eventuelles Zusammentreffen mit ihr vorbereitet seid. Wir wissen ja nicht, welche Rolle sie in der Organisation der Dragons spielt und welche Absichten sie hat. Falls sie allerdings in Choqequirao bei den Dragons auftaucht, müssen wir sie als unseren Feind ansehen und entsprechend handeln. Das muss uns allen klar sein!†œ Fernando, Bowen, Gavin und Drago nickten zustimmend und machten einen sehr entschlossenen Eindruck. Bevor alle in tiefe Grübelei versinken konnten, ertönte Lillis Ruf. „Essen ist fertig!†œ Alle schauten sich erschrocken an, an das Essen hatte keiner mehr gedacht. Sie sprangen auf und versammelten sich mit ihrem Geschirr um den provisorischen Grill. Lilli lächelte vergnügt in die Runde. „Kann es sein, dass hier einige ganz schönen Hunger haben?†œ Es gab wirklich nicht viel, was Lilli die Laune verhageln konnte und ihre unbeschwerte Art, die sie gerade an den Tag legte, tat allen gut und ging auf sie über. Der Bann war gebrochen, alle machten sich über das gute Essen her und die Stimmung wurde wieder etwas fröhlicher. Nach dem Essen plapperten wieder alle wild durcheinander und die eine oder andere Lagerfeuer-Geschichte wurde zum Besten gegeben. Plötzlich stand Duncan mit einem breiten Grinsen und einer Gitarre in der Mitte. „Die habe ich im hinteren Eck der Baracke gefunden und ich glaube, es ist an der Zeit, dass ich noch etwas preisgebe†œ, sagte er und blickte dabei auf Fernando. „Duncan, muss das sein?†œ, fragte dieser und schaute etwas verlegen. „Ja, das muss sein!†œ Duncan ging auf Fernando zu und drückte ihm die Gitarre in die Hand. „Ihr müsst nämlich wissen, dass unser Fernando ein kleines Geheimnis hat.†œ Alle schauten neugierig auf Duncan und Fernando. „Er ist einer der besten Gitarristen, die ich je gehört habe. Ich hatte das Vergnügen, als ich bei ihm zu Hause auf der Rinderfarm war und wir jeden Abend an einem gemütlichen Lagerfeuer saßen. Keiner spielt argentinischen Tango so gut auf der Gitarre, wie unser Nando.†œ Fernando machte immer noch einen verlegenen Eindruck und Lilli hätte schwören können, dass er kurz rot angelaufen war. „Duncan, du übertreibst mal wieder maßlos, und ich habe schon seit Jahren nicht mehr gespielt.†œ „Nein ich übertreibe überhaupt nicht, und dass ist doch wie beim Fahrrad fahren, man verlernt es nie. Los zier dich nicht so und spiel uns was vor!†œ Alle redeten jetzt durcheinander auf Fernando ein. „Ja, ja schon gut. Ich spiele ja†œ, sagte er lachend und fing an die Gitarre zu stimmen. „Das kostet dich aber was!†œ, sagte er grinsend zu Duncan und dann ließ die Gitarre erklingen. Alle waren mucksmäuschenstill, und sofort waren sie von den wunderschönen Klängen eines Tangos gefangen. Eine ruhige, entspannte Stimmung legte sich über die Runde, jeder der Jungs hatte seine Lady in den Armen und sie lauschten gemeinsam Fernando und seiner Gitarre. Lilli hatte sich zu Fernandos Füßen gesetzt, ihren Kopf auf sein Bein gelegt und schaute ihn voller Bewunderung und Liebe an. Er schaute ihr tief in die Augen, vergaß alles um sie herum und spielte und sang nur noch für sie. Alle hatten den Eindruck, als säßen sie friedlich mitten in der argentinischen Pampa, und für eine kurze Zeit dachten sie nicht an die Gefahr und den Kampf, der vor ihnen lag. So nach und nach zogen sich die Pärchen zurück, und bei den Klängen von Fernandos Gitarre schliefen sie auch bald ein. Auch Lilli konnte ihre Augen nicht mehr offen halten, und Fernando hörte auf zu spielen und trug sie zu ihrem Schlafplatz. „Warum hast du mir nie erzählt, dass du so wundervoll Gitarre spielen und singen kannst?†œ „Das wollte ich mir für einen besonderen Moment aufheben. Duncan dachte wohl, dass dieser besondere Moment heute Abend war†œ, antwortete Fernando und lächelte verschmitzt. Lilli kuschelte sich in seine Arme. „Ja, das war wirklich ein ganz besonderer Moment dir zuzuhören. Es war wunderschön.†œ „Das freut mich, dass es dir gefallen hat und jetzt schlaf, meine Schöne.†œ Fernando zog Lilli fest in seine Arme und küsste sie zärtlich. „Es wird wohl die letzte ruhige Nacht sein, für die nächsten Tage. Ab morgen stehen wir wieder im Kampf.†œ Alle waren in einen ruhigen, erholsamen Schlaf verfallen, außer Fernando und Duncan. Die beiden waren glücklich die Frauen ihres Lebens, die sie so lange gesucht hatten, im Arm zu halten. Aber sie dachten sorgenvoll an eine andere Frau, die ihnen auch einmal sehr viel bedeutet hatte, und von der sie nicht wußten, was sie im Schilde führte.

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Die Nacht verlief trotz der aufziehenden Schlechtwetterfront ruhig und ohne Zwischenfälle. Für einen Moment dachte Lucy, sie hätte ein leichtes Beben gespürt, schlummerte dann aber wieder schnurrend an der Seite von Gavin ein. Erst in den frühen Morgenstunden, die Sonne war noch nicht aufgegangen, wurde Duncan von seinem Handy geweckt. Auf seinem Display erschien Bones Nummer. Seit Bones und Kate das Schiff verlassen und auf einem U-Boot angeheuert hatten, hatten sie keinen Kontakt mehr gehabt. Nachdenklich, die Stirn in Falten, nahm er das Gespräch entgegen. „Thorpe†œ, bellte er ins Telefon. Angie schlug mit geschlossenen Augen mit dem Kissen nach ihm und murmelte etwas, das nach „verzieh dich†œ klang. Erst jetzt wurde er sich bewusst, dass alle noch schliefen. „Einen Moment Bones, ich geh nach draußen†œ, flüsterte er und wand sich geschmeidig wie eine Raubkatze aus seinem Schlafsack hervor. „Was gibt†™s? Geht es euch gut? †“ Ja, ich hör ja zu. Hm, welche Warnung? †“ Auch das noch. Okay, bist du dir sicher? -Wann? †“ bleibt nicht mehr viel Zeit. Danke, dass du angerufen hast. Ging die Meldung schon raus? Ah, verstehe, uns zuerst. Woher weißt du überhaupt, wo wir †“ Sweetlife, klar. Gut, wir machen uns sofort auf den Weg. Danke.†œ Duncan schloss die Augen, atmete tief ein und ließ die Nachricht erst einmal sacken. Die ersten Sonnenstrahlen kamen hinter dem Hangar hervor und wärmten sein Gesicht. Es war zwar noch sehr windig, doch zumindest fiel im Moment kein Regen mehr. Die Frage war, ob sie es wagen konnten mit dem Heli zu fliegen, oder ob der Wind nicht doch zu stark war. Die Brüder waren alle erfahrene Piloten und deshalb beschloss er, das Risiko einzugehen. Ihnen lief die Zeit davon. Mit energischem Schritt ging er zurück und rüttelte Norbert bis er die Augen aufschlug. Ihm übertrug er die undankbare Aufgabe, den Rest der Mannschaft zu wecken. „Ich will, dass alle in 10 Minuten im Hubschrauber sitzen“, schnauzte er ihn an. „Dir auch einen guten Morgen“, erwiderte Norbert bissig, war aber bereits dabei seine Sachen anzuziehen. „Was ist denn überhaupt los?“, wollte er wissen. „Erdbeben, Tsunami, Bones, nicht viel Zeit“ war alles, was er verstand, denn Duncan hatte ihm schon den Rücken zugedreht und war in Richtung Angie unterwegs. „Liebes, du musst aufstehen“, sanft schüttelte er sie. „Geh weg, es ist ja noch nicht mal hell“, grummelte sie in das Kissen. „Ich will noch schlafen!. Duncan, der es immer noch nicht gewohnt war, dass ihm jemand widersprach, lächelte hinterhältig. „Sag nicht, ich hätte es nicht auf die sanfte Tour versucht“, und zog ihren Schlafsack mit einem Ruck in die Höhe. Angie, ihrer warmen, kuschligen Höhle beraubt, schoss hoch und versuchte im gleichen Moment einen Boxhieb bei Duncan zu landen. Der hatte aber mit einem solchen Manöver gerechnet und entkam ihrem Schlag mit einer kaum wahrnehmbaren Bewegung. Immer noch grinsend hob er entschuldigend die Hände, um sie ein wenig zu besänftigen. „Es tut mir leid, aber wir müssen ganz schnell aufbrechen. Bones hat mich informiert, es gibt für die Küste hier eine Tsunami-Warnung. Ich erklär euch alles später. Nun sieh zu, dass du und deine Schwestern in 10 Minuten angeschnallt an Bord sitzt.“ Angie riss die Augen auf. 10 Minuten? Du spinnst wohl, wie sollen wir das denn schaffen, ich hab noch nicht mal eine Tasse Kaffee getrunken, ohne die geht gleich gar nichts†œ, meckerte sie los. Noch während sie vor sich hin schimpfte, sickerte allmählich der erste Teil der Nachricht zu ihr durch. Duncan beobachtete ihr Minenspiel und wartete einfach ab, bis diese Gewitterfront abzog. Duncan riss sie in dem Moment an sich und nuschelte noch „später†œ in ihr Haar und eilte davon. Angie blickte sich um, alle waren schon in Bewegung. Die Nachricht hatte sich schon also herumgesprochen. Die ganze Meute rannte im Hangar hin und her, man hätte fast meinen können, wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen. Doch das geschulte Auge von Angie erkannte, dass keine Bewegung zufällig war, kein Weg unnötig, alle hoch konzentriert und effizient bis in die Haarspitzen. Sie waren sich ihrer Situation und der Gefahr bewusst. In Windeseile schlüpfte sie in ihre Kleider, rollte ihren Schlafsack auf und sammelte ihre restlichen Sachen ein. Innerhalb weniger Minuten war sie fertig und trat mit ihrem Gepäck aus dem Hangar. Dort traf sie auf ihre Schwestern und stellte sich zu ihnen. Die Brüder waren alle damit beschäftigt, die Helikopter startklar zu machen und das Gepäck und ihre Ausrüstung zu verstauen. Einen Großteil hatten sie zu ihrem Glück schon gestern verstaut. Ihre sorgenvollen Blicke gingen in Richtung Meer, das sie von ihrem Standpunkt aus nicht sehen, sondern nur erahnen konnten. Angie schaute von einer Schwester zur anderen und musste unweigerlich lächeln. So wie sie aussahen, würde sie kein Gegner ernst nehmen. Die Haare zerzaust und ungekämmt, das Gesicht ungeschminkt, unter den Augen die dickem schwarze Balken aus verlaufener Mascara. Doch Angie spürte die Anspannung, es brodelte unter der Oberfläche. Lilli schien total abwesend. Den Blick leer, lauschte in die Ferne, als ob sie die aufkommende Sturmflut hören konnte. Lucy wurde immer unruhiger, trat von einem Fuß auf den anderen. „Ich kann es spüren, sie kommt, wir müssen sofort hier weg†œ, sagte sie und griff nach ihrem Rucksack. Angie, Kerstin, Lilli und Jane folgten ihrem Beispiel und wuchteten ihre Gepäckstücke auf den Rücken. So schnell sie konnten, rannten sie zu den Hubschraubern.

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Gestikulierend und rufend versuchten sie den Brüdern klar zu machen, dass sie sofort in die Luft mussten. Behände kletterten sie an Bord, verstauten ihre Rucksäcke unter den Sitzen und schnallten sich an. Norbert verteilte kleine handliche Headsets, damit sie sich trotz des Lärms verständigen konnten. „Ef-Ef, ich habe Ef-Ef vergessen†œ, rief Jane aus. Und blitzartig sprang sie aus dem sich schon in der Luft befindenden Hubschrauber und rannte Richtung Hangar. „Jane, lass ihn, komm zurück, wir haben keine Zeit mehr†œ, rief Angie ihr nach. Aber vergebens, Jane konnte sie nicht hören. Bowen sprintete ihr hinterher und versuchte sie einzuholen, doch Jane war schon im Hangar verschwunden. Duncan befahl Norbert mit dem anderen Hubschrauber schon zu starten. Er wollte auf Doc und Bowen warten. Über den Lärm der Hubschrauber hörten sie plötzlich ein Rauschen und Dröhnen aus der Ferne. Der Tsunami kam. Von ihrem Standpunkt aus konnten sie das Meer nicht sehen, aber sie konnten es hören. Eine riesige Wand aus Wasser baute sich vor ihnen auf und drohte jeden Moment die Küste zu erreichen. Und Jane und Bowen waren immer noch nicht zurück. Doch da, in diesem Augenblick tauchten sie wieder auf. Jane hielt einen kleinen Beutel in der Hand, der sich nach genauerem Hinsehen als eine Socke herausstellte. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit, wer würde zuerst den Hubschrauber erreichen. Die riesige Welle oder Jane und Bowen. Lucy war schon blau im Gesicht, denn sie hielt vor Anspannung den Atem an. Lilli legte ihr beruhigend eine Hand aufs Bein. „Sie schaffen das, glaube mir.†œ „Wir müssen hoch†œ, brüllte Duncan Gavin zu. „Du kannst sie nicht hierlassen†œ, schrie Angie ihn an. „Sie schaffen das, warte!†œ Aber zu spät, der Heli erhob sich in die Luft. „Gavin, halt ihn in 20 Meter Höhe, und ihr, werft endlich das Seil raus, oder muss ich alles alleine machen?†œ, schimpfte er wütend vor sich hin. Jane und Bowen rannten um ihr Leben, es waren nur noch wenige Meter bis zum Hubschrauber. Hinter ihnen verschluckte die Welle gerade den Hangar, das Gebäude wurde fortgespült, als wenn es aus Pappe wäre. Das Wasser schoss hinter ihnen her, kein Hindernis konnte auf seinem Weg Stand halten. Jane und Bowen hatten es fast geschafft, sie wollten gerade nach dem Seil greifen, als die Welle sie erreichte und einfach umwarf. Die Schwestern schrien auf, doch in der nächsten Sekunde waren Jane und Bowen von den Wassermassen verschluckt. Fassungslos starrten sie nach unten auf das immer noch wütende Wasser, keine Spur von Jane und Bowen. „Zieh hoch†œ, bellte Duncan Fernando zu. Langsam erhob sich der Hubschrauber weiter in die Luft, das Seil immer noch hinter sich her ziehend. Mit einem Auflachen deutete Kerstin ihnen nach unten zu schauen. Am Ende des Seils hingen triefend nass Jane und Fernando. Keiner wusste im Nachhinein, wer die Seilwinde angestellt hatte, um die Beiden nach oben an Bord zu holen, war ja auch egal. Hauptsache die zwei, oder besser die drei, Ef-Ef eingeschlossen, waren wohl auf. Ef-Ef, der wohl eine tief verwurzelte Abneigung gegen Wasser zu haben schien, schimpfte wie ein kleiner Rohrspatz. Allmählich entspannte sich die Gruppe wieder. Die Schwestern plapperten wieder wild durcheinander und kramten gleichzeitig in ihren Rucksäcken. Haarbürsten, Cremes, Mascara und Lippenstifte kamen zum Vorschein, auch ein kleiner Spiegel kam zum Einsatz. Die Brüder lächelten entspannt beim Anblick ihrer Gefährtinnen und dem Bild, das sie abgaben. Gab es überhaupt etwas, das die Schwestern aus der Bahn werfen konnte?

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Fortsetzung: Black Dagger Ladies Online – Lindsay [Kapitel 14]

Reckless – Cornelia Funkes neuer Roman erscheint am 14.09.2010 weltweit

„Reckless“ lautet der Titel von Cornelia Funkes neuem Roman, der am 14.09.2010 weltweit erscheinen soll.

„Reckless ist der erste Band einer neuen, packenden Serie über die zwei Brüder Jacob und Will Reckless. Die Handlung spielt in einer gleichermaßen magischen wie beängstigenden Welt, in der die Brüder atemberaubende Abenteuer erleben. Die mitreißende Geschichte, die alte wie neue Funke-Fans begeistern wird, hat ihre literarischen Wurzeln in den Märchen der Brüder Grimm. Reckless wurde in Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Lionel Wigram entwickelt, seines Zeichens Produzent der Harry-Potter-Reihe sowie Produzent und Co-Autor des aktuellen Blockbusters Sherlock Holmes“, heißt es auf Homepage der Autorin Cornelia Funke.

Das Adjektiv „reckless“ steht für rücksichtslos, leichtsinnig, gewagt, leichtfertig, unverantwortlich, waghalsig, sorglos, unbekümmert, verwegen, unbesonnen und draufgängerisch. Diese Eigenschaften geben uns im Moment vielleicht den einzigen Anhaltspunkt zum Inhalt. Denn mehr, als dass es um die Brüder Jacob und Will Reckless geht und um abenteuerliche Geschichten aus den Märchen der Brüder Grimm, ist im Moment noch nicht bekannt.

Mit einer Gesamtauflage von über 1 Million Hardcover-Exemplaren bringt der internationale Verlags-Verbund †“ bestehend aus dem britischen Chicken House, dem deutschen Cecilie Dressler Verlag und dem in den USA beheimateten Little, Brown Books for Young Readers †“ „Reckless“ am exakt gleichen Tag auf den Markt. Laut Amazon umfasst die gebundene Ausgabe 352 Seiten und soll 19,95 Euro kosten.

Am 14. September 2010, dem offiziellen Erstverkaufstag von „Reckless“, wird in New York City ein Premieren-Event stattfinden, der als Livestream in alle Welt gesendet wird.

Quelle: Cornelia Funke

Krimifestival München: Lesungen in der Krimibuchhandlung Glatteis

Krimifestival München 2010: Lesungen in der Krimibuchhandlung Glatteis

Ab dem 09. März 2010 regiert in München für drei Wochen wieder der Krimi. Rund 70 Krimi-Autoren aus aller Welt strömen zur Spurensuche an die Isar, darunter Gorki-Park-Autor Martin Cruz Smith, Josh Bazell und Daniel Depp aus den USA, Deon Meyer und Roger Smith aus Südafrika, Ian Rankin aus Großbritannien, Esther Verhoef und Marion Pauw aus den Niederlanden oder Tarquin Hall aus Indien.

Auch in Münchens einziger Krimibuchhandlung Glatteis, in der Corneliusstraße 31, 80469 München, wird es anlässlich des Krimifestivals Lesungen an folgenden Tagen geben. Anmeldung zu allen Lesungen unter der Telefonnummer 089 / 201 48 44. Der Eintritt beträgt jeweils 6 Euro.

Samstag, den 13. März um 17.00 Uhr – Fangschuss von Sunil Mann

Sunil Mann liest aus seinem Krimi-Debüt Fangschuss. Ein schräger indisch-schweizerischer Privatdetektiv ermittelt. Für die Fans, die sich auch beim Krimi lesen amüsieren wollen und dabei den Wortwitz genießen.
Kurzbeschreibung
Vijay Kumar ist dreißig Jahre alt, indischer Abstammung, frischgebackener Privatdetektiv – und schon desillusioniert: Seine erste Auftraggeberin ist eine anstrengende Frau, die ihre Katze vermisst. Indischer Whisky und eine gehörige Portion Selbstironie helfen ihm, aufkommende Zweifel an seiner Berufswahl zu verdrängen. Doch auch sein zweiter Auftrag ist weder lukrativ noch Glanz und Ruhm versprechend: Die junge Ness macht sich Sorgen um ihren Freund, den Drogendealer Philipp. Lustlos hört sich Vijay in der Szene um und merkt erst, als er über eine Leiche stolpert, dass er längst selbst in Gefahr schwebt. Eine Jagd beginnt – durch das noble Zürcher Bankenviertel bis in die Einsamkeit einer Berghütte. Ein indischer Schweizer oder ein Schweizer Inder? Spannend und amüsant spielt Sunil Mann mit Klischees.
Über den Autor
Sunil Mann wurde als Sohn indischer Einwanderer im Berner Oberland geboren. Nach der Matur schrieb er sich in Zürich für Psychologie und Germanistik ein. Beide Studien brach er erfolgreich ab. Zurzeit ist er als Flugbegleiter tätig, ein Job, der ihm genügend Zeit zum Schreiben lässt. Für seine Kurzgeschichten hat er bereits zahlreiche Preise gewonnen. Fangschuss ist sein Romandebüt.

Samstag, den 27. März um 17.00 Uhr – Der Bajazzo von Regula Venske

Regula Venske stellt Ihren aktuellen Kriminalroman Der Bajazzo vor. Eine eher ungewöhnliche Wohngemeinschaft hat sich in einem Wasserschloss eingerichtet. Als sie dort die mumifizierte Leiche eines Opernsängers finden, rufen sie nicht die Polizei, sondern nehmen die Sache selbst in die Hand, wo doch eine der Bewohnerinnen passionierte Krimischreiberin ist…
Kurzbeschreibung
Damals, im eingeschneiten Ferienhaus, war es eher eine Schnapsidee: Auf unsere alten Tage, in dreißig Jahren, wenn alle anderen so richtig spießig werden, ziehen wir zusammen in eine Wohngemeinschaft. Und genau so ist es gekommen: Die WG ist ein idyllisches Wasserschloss, und aus den Studienfreunden um Winnie und Frieder sind Best Ager geworden. Die bekanntlich abenteuerlustig sind. Und so kommt auch niemand auf die Idee, die Polizei zu rufen, als im Heizkeller die mumifizierte Leiche eines einst berühmten Opernsängers gefunden wird, der vor Jahrzehnten bei einer Karnevalsparty im Schloss spurlos verschwunden ist. Der Verdacht fällt ausgerechnet auf die entzückende alte Thusi, die aus alten Zeiten ein Wohnrecht hat und auch in der Nacht anwesend war, als der Bajazzo verschwand …
Über die Autorin
Regula Venske, geboren 1955, lebt nach Lehrtätigkeiten an der Universität Hamburg, der FU Berlin, der University of London und diversen Ausflügen ins Angestelltendasein (Literaturredakteurin bei BRIGITTE, Verlagsleiterin des Rotbuch-Verlags u.a.) als freie Schriftstellerin in Hamburg. Zahlreiche wissenschaftliche und journalistische Veröffentlichungen, zu Männerbildern und Frauenliteratur

Vorschau auf den April

Dienstag, den 13. April um 20.00 Uhr – Wenn die Wahrheit stirbt von Deborah Crombie mit Nina Petri und Günther Keil

Die Fans von Superintendent Duncan Kinkaid und Inspector Gemma James haben nach der Lesung Gelegenheit, der Autorin Fragen zu ihren beiden Hauptfiguren zu stellen.
Kurzbeschreibung
Ein raffinierter, typisch englischer Krimi über Verrat und Betrug
London: Der Psychotherapeut Tim Cavendish ist besorgt, da sein Patient, der Rechtsanwalt Nazir Malik, nicht zur vereinbarten Sitzung erschienen ist. Vor einigen Wochen war Nazirs Frau spurlos verschwunden, und der Rechtsanwalt stand längere Zeit unter Verdacht, ihr etwas angetan zu haben. Als kurz darauf seine Leiche gefunden wird, übernimmt Superintendent Duncan Kincaid den Fall. Handelt es sich um Selbstmord? Oder wurde Nazir ermordet? Gemeinsam mit seiner Frau Inspector Gemma James kommt Duncan einem grausamen Geheimnis auf die Spur …
Ein neuer Fall für Superintendent Duncan Kincaid und Inspector Gemma James.
Über die Autorin
Deborah Crombies höchst erfolgreiche Romane um Superintendent Duncan Kincaid und Inspector Gemma James wurden für den „Agatha Award“, den „Macavity Award“ und den „Edgar Award“ nominiert. Die Autorin lebt mit ihrer Familie im Norden von Texas.

Samstag, den 24. April  um 17.00 Uhr – Tegernseer Seilschaften von Jörg Steinleitner

Jörg Steinleitner (einige erinnern sich sicher an den Fall Augustin oder an Hirschfänger) präsentiert seinen Krimi Tegernseer Seilschaften in einer szenischen Lesung mit Victoria Mayer vor (Krimi-Fans kennen sie als Kriminal­oberkommissarin Sofia Lechner von der ZDF-Serie Stolberg).
Kurzbeschreibung
Ein Bauer wird erhängt im Wald aufgefunden. Polizeihauptmeisterin Anne Loop, neu am Tegernsee, glaubt nicht an Selbstmord. Sie vermutet, dass Ferdinand Fichtner vor seinem Tod ein Doppelleben führte, in dem geheime Geschäfte und erotische Verwicklungen eine Rolle spielten. Was wissen Fichtners Stammtischbrüder? Verheimlichen sie etwas? Und gibt es eine Verbindung zum Tod des Milliardärs, der eines Tages leblos in seinem Swimmingpool treibt? Anne Loop macht sich auf Spurensuche, und was sie entdeckt, ist so manchem ein Dorn im Auge …
Über den Autor
Jörg Steinleitner, geboren 1971 im Allgäu, studierte Jura, Germanistik und Geschichte in München sowie Augsburg und absolvierte die Journalisten-schule in Krems/Wien. 2002 ließ er sich nach Stationen in Peking und Paris als Rechtsanwalt in München nieder. Er veröffentlichte mehrere Bücher und schreibt unter anderem für den Focus und das Süddeutsche Zeitung Magazin. Steinleitner, dessen Familie ursprünglich vom Tegernsee stammt, lebt und arbeitet in München sowie in einem 200 Jahre alten Bauernhaus am Riegsee im Bayerischen Oberland.

Quelle: Krimibuchhandlung Glatteis

Günter Grass im Visier – Die Stasi-Akte.

Günter Grass im Visier – Die Stasi-Akte. Eine Dokumentation mit Kommentaren von Günter Grass und Zeitzeugen
von Kai Schlüter

Wie die Stasi den kritischen Dichter ausspionierte.

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begannen die NVA, 5000 Angehörige der Deutschen Grenzpolizei (Vorläufer der Grenztruppen), 5000 Angehörige der Schutz- und Kasernierten Volkspolizei und 4500 Angehörige der Betriebskampfgruppen die Straßen und Gleiswege nach West-Berlin abzuriegeln.

Im Juli 1961 hielt ein Leutnant Schindler vom Ministerium für Staatssicherheit fest:

„GRASS ist ein Mensch ohne jede feste politische Einstellung und Haltung. Er schießt praktisch nach beiden Seiten und kommt sich dabei sehr imposant vor. Er möchte als ein Freiheitsapostel erscheinen.

Eine Woche nach dem Mauerbau, am 18. August 1961, begann mit dem „Suchzettel“ und der Notiz: „aufgefallen wegen Provokation“ die systematische Stasi-Überwachung des Schriftstellers Günter Grass. In den folgenden Jahren wurden, bis zum Mauerfall im Jahr 1989, etwa 2200 Aktenseiten angefertigt.

Kai Schlüter hat die 2200 Seiten gesichtet und daraus die wichtigsten ausgewählt. Entstanden ist ein aussagekräftiges, beachtenswertes Buch über die deutsche „Literatur- und Teilungsgeschichte“ verfasst. Die Dokumentation wird ergänzt mit Kommentaren von Grass und Zeitzeugen.

Kurzbeschreibung
Im Mai 1961 gerät Günter Grass ins Visier des Ministeriums für Staatssicherheit, die ihn als ideologischen Gegner ausmacht und bis zum Herbst 1989 engmaschig überwacht. Grass beharrt auf der Einheit der deutschen Literatur, kritisiert die Zensur, hilft unterdrückten Schriftstellerkollegen, fordert Abrüstung und Umweltschutz in Ost und West – um den Preis, dass seine Bücher Jahrzehnte in der DDR nicht erscheinen dürfen. 2200 Seiten Akten legen Zeugnis ab vom Kontrollwahn des Geheimdienstes der DDR, offenbaren die Mechanismen der Überwachung, aber auch die Wege, sie zu umgehen. Der vorliegende Band macht das schwer auffindbare und verstreut archivierte Material erstmals zugänglich, ordnet es chronologisch und thematisch. Günter Grass selbst sowie viele Autorenkollegen und Zeitzeugen liefern mit ihren Kommentaren aufschlussreiche Hintergrundinformationen. Ein Dokument deutscher Literatur- und Zeitgeschichte.

Über den Autor

Kai Schlüter: Jahrgang 1956; Studium der Germanistik und Sozialwissenschaften in Göttingen; 1977/78 Deutschlehrer des Goethe-Instituts in Pietarsaari/Finnland; 1983 Promotion über die Münchener Nachkriegszeitschrift „Die Fähre/Literarische Revue“; 1983/84 Volontariat bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung; 1984-86 Hörfunkredakteur beim Norddeutschen Rundfunk in Oldenburg; seit 1986 Redakteur bei Radio Bremen in verschiedenen Funktionen, u. a. ARD-Hörfunkkorrespondent in Washington und London sowie Chef vom Dienst im Nordwestradio (RB/NDR), Feature-Autor und -redakteur. Autor des Hörbuches „Deckname Bolzen – Günter Grass im Visier der Stasi!.

Die gebundene Ausgabe umfasst 384 Seiten und ist am 08. März 2010 im Ch. Links Verlag erschienen. „Günter Grass im Visier – Die Stasi-Akte“ ist für 24,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Little Brother von Cory Doctorow: Kapitel 23

Little Brother

Kapitel 23

Nachwort von Bruce Schneier

Übersetzung: Andreas Schleth

Ich bin Sicherheitsspezialist. Mein Job ist es, Leuten Sicherheit zu geben.

Ich denke über Sicherheitssysteme nach und darüber, wie man sie umgehen kann. Und dann, wie man sie sicherer machen kann. Computersicherheitssysteme. Überwachungssysteme. Flugzeugsicherheit und Wahlmaschinen und RFID-Chips und alles andere.

Cory lud mich zu den letzten paar Seiten seines Buchs ein, weil er wollte, dass ich euch zeige, dass Sicherheit Spaß macht. Es macht unwahrscheinlich viel Spaß. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, wer überlistet wen, Spaß wie bei Räuber und Gendarm. Ich denke, dass es der Job mit dem höchsten Spaßfaktor ist, den man haben kann. Wenn du fandest, dass es witzig war, wie Marcus die Gang-Überwachungskameras mit Splitt in den Schuhen überlistet, dann denk mal, wie viel mehr Spaß es machen würde, die erste Person auf der Welt zu sein, die diese Idee hatte.

Im Sicherheitsbereich zu arbeiten bedeutet, eine Menge über Technologie zu wissen. Es kann bedeuten, eine Menge über Computer und Netzwerke, über Kameras und ihre Funktion oder über die Chemie hinter der Entdeckung von Bomben zu wissen. Doch in Wirklichkeit ist Sicherheit ein bestimmter Denkansatz, die Art, wie man über Dinge nachdenkt. Marcus ist ein gutes Beispiel für diese Art des Denkens. Er denkt immer an Wege, wie ein System versagen kann. Ich wette, er kann in keinen Laden gehen, ohne darüber nachzudenken, wie man wohl etwas klauen könnte. Nicht dass er das auch täte †“ es ist ein großer Unterschied, zu wissen, wie man ein System überlisten könnte, und es tatsächlich zu umgehen -, aber er wüsste, wie es geht.

So denken Sicherheitsfachleute. Wir sehen uns die ganze Zeit Sicherheitssysteme an und überlegen, wie man sie umgehen könnte; wir können gar nicht anders.

Diese Denkweise ist wichtig, unabhängig aufwelcher Seite des Sicherheitssystems man ist. Wenn du den Job hast, einen diebstahlsicheren Laden zu entwerfen, dann solltest du dich möglichst auch damit auskennen, wie man etwas stibitzt. Wenn du ein Kamerasystem entwickelst, das Leute an ihrem Gang erkennen soll, tust du gut daran, damit zu rechnen, dass Leute sich Splitt in die Schuhe tun. Wenn nicht, wirst du nichts Gutes zustande bringen.

So, wenn du jetzt durch deinen Tag gehst, nimm dir doch einen Moment Zeit, die Sicherheitssysteme um dich herum zu betrachten. Sieh dir die Kameras in den Läden an, in denen du einkaufst. (Verhindern sie Kriminalität, oder verschieben sie das Problem nur zum Nachbarladen?) Sieh dir an, wie Gaststätten arbeiten. (Wenn die Leute erst zahlen, nachdem sie gegessen haben, warum gehen dann nicht mehr Leute, ohne zu bezahlen?) Betrachte die Sicherheit an Flughäfen. (Wie könntest du eine Waffe in ein Flugzeug schmuggeln?) Beobachte den Kassierer einer Bank. (Sicherheitssysteme in Banken sind genauso dazu da, den Kassierer am Stehlen zu hindern wie dich.) Beobachte einen Ameisenhaufen. (Bei Insekten dreht sich alles um Sicherheit.)

Lies die Verfassung und schaue nach, wie sie das Volk mit Sicherheit gegenüber seiner Regierung ausstattet. Sieh Ampeln, Türschlösser und all die Sicherheitssysteme im Fernsehen und in Filmen an. Finde heraus, wie sie funktionieren, gegen welche Bedrohungen sie wirken und gegen welche nicht, wie sie versagen und wie sie missbraucht werden können.

Wenn du genügend Zeit damit verbracht hast, wirst du merken, dass du die Welt mit anderen Augen siehst. Du wirst feststellen, dass viele der Sicherheitssysteme da draußen gar nicht das bewirken, was sie sollen, und dass viel von unserem nationalen Sicherheitsapparat sein Geld nicht wert ist. Du wirst verstehen, dass der Schutz der Privatsphäre Voraussetzung für Sicherheit ist und nicht im Gegensatz dazu steht. Du wirst vor vielen Dingen keine Angst mehr haben, dich aber plötzlich über Dinge beunruhigen, von denen andere Leute nicht mal eine Ahnung haben.

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Manchmal wirst du über ein Sicherheitssystem irgendetwas herausfinden, an das noch niemand gedacht hatte. Und vielleicht wirst du eine neue Methode entdecken, ein Sicherheitssystem zu umgehen.

Es ist erst wenige Jahre her, dass jemand das Phishing erfunden hat.

Mich erstaunt es immer wieder, wie leicht man einige der bekanntesten Sicherheitssysteme überwinden kann. Dafür gibt es viele Gründe. Der Hauptgrund ist jedoch, dass man nicht beweisen kann, dass ein System sicher ist. Alles was man machen kann, ist zu versuchen es auszuhebeln †“ wenn es dir misslingt, weißt du, dass es sicher genug ist, dich auszusperren. Aber was ist mit jemandem, der schlauer ist als du? Jeder kann ein Sicherheitssystem errichten, das er selber nicht knacken kann.

Denk darüber mal einen Moment nach, weil das nicht offensichtlich ist. Niemand ist dazu qualifiziert, sein eigenes Sicherheitssystem zu analysieren, weil Entwickler und Analytiker dieselbe Person mit denselben Beschränkungen ist. Jemand anders muss die Analyse machen, um sie gegen Dinge abzusichern, an die der Entwickler nicht gedacht hat.

Das bedeutet, dass wir alle die Systeme Anderer auf ihre Sicherheit hin untersuchen. Und erstaunlich oft gelingt es einem von uns, Sicherheitslücken zu finden. Marcus†™ Umgehungsmethoden sind alle nicht weit hergeholt, das sind Dinge, die immer wieder passieren. Such doch mal im Netz nach †œbump key† oder †œBic pen Kryptonite lock†; du wirst eine ganze Reihe spannender Geschichten finden, wie scheinbar unüberwindbare Sicherheitstechnik mit ganz einfachen Methoden zu überwinden ist.

Und wenn das passiert, dann sieh zu, dass du es irgendwo im Internet publik machst. Geheimnistuerei und Sicherheit sind nicht das Gleiche, auch wenn es den Anschein hat. Nur schlechte Sicherheitstechnik beruht auf Geheimhaltung; gute Sicherheitstechnik funktioniert auch dann, wenn alle ihre Details öffentlich sind.

Das Veröffentlichen von Sicherheitslücken zwingt die Entwickler von Sicherheitssystemen dazu, ihr Design zu verbessern, und macht uns alle zu besseren Anwendern von Sicherheitstechnik. Wenn du ein Kryptonite-Schloss kaufst, das mit einem Bic-Kuli geknackt werden kann, dann hast du nicht viel Sicherheit für den Geld bekommen. Und im gleichen Sinne: Wenn ein Trupp schlauer Kids in der Lage ist, die Anti-Terror-Technologie des Innenministeriums zu überwinden, dann wird diese Technologie gegen echte Terroristen auch nicht viel ausrichten.

Privatsphäre gegen Sicherheit einzutauschen ist dumm genug; wenn man dann nicht einmal richtige Sicherheit bekommt, ist es nur noch dümmer.

Nun klapp†™ das Buch zu und geh hinaus. Die Welt ist voller Sicherheitssysteme. Überliste eines von ihnen.

Bruce Schneier

http://www.schneier.com/

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Nachwort von Andrew †œbunnie† Huang, Xbox-Hacker

Übersetzung: Andreas Schleth

Hacker sind Entdecker, digitale Pioniere. Es liegt im Wesen eines Hackers, Konventionen zu hinterfragen und sich von verzwickten Problemen herausgefordert zu fühlen. Jedes komplexe Problem ist eine sportliche Herausforderung für einen Hacker; ein Nebeneffekt ist, dass Hacker sich von Problemen rund um Sicherheit besonders angezogen fühlen. Die Gesellschaft ist ein großes und komplexes System und sicher nicht tabu für ein bisschen Hackerei. Deswegen werden Hacker oft mit dem Klischee Bilderstürmer und soziale Außenseiter belegt, Leute, die sich nur aus Trotz nicht an soziale Normen halten.

Seite 205

Als ich 2002 während meiner Zeit am MIT die Xbox hackte, tat ich das nicht, um zu rebellieren oder um Schaden anzurichten; ich folgte nur einem natürlichen Impuls, dem gleichen Impuls, der dich dazu bringt, einen defekten iPod zu reparieren oder die Dächer und Tunnel des MIT zu erforschen.

Dummerweise erzeugt die Kombination aus Abweichen von sozialen Normen und Wissen um †œbedrohliche† Dinge, wie etwa den RFID-Chip deiner Kreditkarte lesen zu können oder zu wissen, wie man Schlösser knackt, bei einigen Leuten Angst vor Hackern. Dabei ist die Motivation eines Hackers oft nichts anderes als †œIch bin Ingenieur, weil ich ich gerne Dinge konstruiere.† Leute fragen mich oft: †œWarum hast du das Sicherheitssystem der Xbox geknackt?† Und meine Antwort ist ganz einfach: Erstens gehören Dinge, die ich gekauft habe, mir. Wenn mir jemand sagen darf, was ich auf meinem Gerät laufen lassen darf und was nicht, dann gehört es mir nicht. Zweitens, weil es da ist. Es ist ein genügend komplexes System, um eine gute sportliche Herausforderung zu sein. Es war eine großartige Ablenkung, während ich nächtelang an meiner Doktorarbeit schuftete.

Ich hatte Glück. Die Tatsache, dass ich ein Student am MIT war, als ich die Xbox knackte, legitimierte diese Aktivität in den Augen der richtigen Leute. Andererseits sollte das Recht zum Hacken nicht nur Forschern gegeben sein. Ich begann mit dem Hacken, als ich noch ein Junge in der Grundschule war, indem ich jedes elektronische Gerät, das ich in die Finger bekam, zerlegte, sehr zum Verdruss meiner Eltern. Mein Lesestoff umfasste Bücher über Modellraketen, Artillerie, Kernwaffen und die Herstellung von Sprengstoffen †“ Bücher, die ich aus meiner Schulbücherei ausgeliehen hatte (ich vermute, dass der kalte Krieg die Auswahl des Lesestoffs in den öffentlichen Schulen beeinflusst hatte).

Ich spielte auch ausgiebig mit improvisierten Feuerwerkskörpern und stromerte über offene Baustellen, wenn in meiner Nachbarschaft im mittleren Westen neue Häuser gebaut wurden. Obwohl es sicher nicht besonders klug war, diese Dinge zu tun, waren sie doch wichtige Erfahrungen auf dem Weg, erwachsen zu werden. Und so wuchs ich auf, ein freier Geist zu sein, weil ich die soziale Toleranz und das Vertrauen meiner Gemeinschaft hatte.

Die aktuelle Entwicklung ist nicht so günstig für aufstrebende Hacker. Little Brother zeigt, wie wir vom jetzigen Zustand in eine Welt geraten können, in der die soziale Toleranz für abweichende Gedanken vollends verloren geht. Ein aktuelles Ereignis beleuchtet genau, wie dicht wir davor sind, die Schwelle zum Land von Little Brother zu überschreiten. Ich hatte das Glück, einen frühen Entwurf von Little Brother schon im November 2006 zu lesen.

Schneller Vorlauf: 2 Monate später, Ende Januar 2007, als die Polizei in Boston verdächtige Apparate fand, die sie für Bomben hielt, und daraufhin die ganze Stadt einen Tag lang abriegelte. Es stellte sich heraus, dass die Apparate nichts anderes waren als Leiterplatten mit blinkenden Leuchtdioden, die für eine Sendung im Cartoon Network werben sollten. Die Künstler, die diese urbanen Graffiti angebracht hatten, wurden als Terroristen verdächtigt und schließlich wegen eines Verbrechens angeklagt. Der Sender musste schließlich im Rahmen eines Vergleichs 2 Millionen Dollar bezahlen, und der Vorstand des Cartoon Network trat deswegen zurück.

Haben die Terroristen bereits gewonnen? Haben wir der Angst schon soweit nachgegeben, dass Künstler, Hobbyisten, Hacker, Bilderstürmer oder vielleicht eine bescheidene Gruppe Jugendlicher, die †œHarajuku Fun Madness† spielt, auf so banale Art als Terroristen verdächtigt werden?

Es gibt einen Begriff für diese Fehlfunktion †“ sie wird Autoimmunerkrankung genannt; das ist, wenn das Verteidigungssystem eines Organismus so überdreht, dass er es nicht mehr schafft, sich selbst zu erkennen, und seine eigenen Zellen angreift. Schließlich zerstört der Organismus sich selbst. Im Augenblick befindet sich Amerika am Rande eines allergischen Schocks gegen seine eigenen Freiheiten, und wir müssen uns dagegen impfen.

Technologie ist kein Heilmittel gegen Verfolgungswahn, sie kann den Wahn im Gegenteil sogar noch verstärken: Sie verwandelt uns in Gefangene unserer eigenen Gerätschaften. Millionen von Leuten zu nötigen, ihre Oberbekleidung abzulegen und täglich barfuß durch Metalldetektoren zu laufen, ist auch keine Lösung.

Seite 206

Das dient nur dazu, die Bevölkerung jeden Tag daran zu erinnern, dass sie einen Grund hat, sich zu ängstigen, während es in Wirklichkeit nur eine windelweiche Hürde gegen einen entschlossenen Gegner ist.

Die Wahrheit ist, dass wir auf keinen Anderen rechnen können, um uns frei zu fühlen, und an dem Tag, an dem unsere Freiheiten an den Verfolgungswahn verloren gehen, wird M1k3y nicht kommen, um uns zu retten. Denn M1k3y ist in dir und in mir †“ Little Brother ist eine Erinnerung daran, dass wir unabhängig davon, wie unvorhersehbar die Zukunft sein mag, Freiheit nicht durch Sicherheitssysteme, Kryptografie, Verhöre und Durchsuchungen gewinnen. Wir gewinnen Freiheit durch den Mut und die Überzeugung, jeden Tag frei zu leben und als freie Gesellschaft zu handeln, egal, wie groß die Bedrohungen am Horizont sind.

Sei wie M1k3y: Tritt vor die Tür und trau dich, frei zu sein.

ENDE

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Nachwort des Übersetzers Christian Wöhrl

Im 13. Kapitel von †œLittle Brother† heißt es in einer E-Mail an den Helden: †œHier in Deutschland haben wir eine Menge Erfahrung damit, was passiert, wenn Regierungen außer Kontrolle geraten.† Nun ist Deutschland im Jahre 2008 sicherlich kein totalitärer Staat, doch die aktuelle Sicherheitsgesetzgebung (Stichworte hier etwa: Vorratsdatenspeicherung, E-Pass, BKA-Gesetz, Fluggastdatenerfassung) lässt die Einschätzung von Bürgerrechtsaktivisten, hier werde der schleichende Umbau zu einem Überwachungsstaat vorangetrieben, zumindest nicht völlig abwegig erscheinen.

Vor diesem Hintergrund wollte ich nicht darauf warten, ob und wann Cory Doctorows Little Brother †“ der sich eben nicht nur als spannender Entwicklungsroman über und für junge Erwachsene lesen lässt, sondern auch als Plädoyer für angemessenen zivilen Ungehorsam und gegen undifferenzierte Terror-Hysterie †“ in einer deutschen Übersetzung erscheint. Und da Cory seine Werke unter remix-fähigen Creative-Commons-Lizenzen veröffentlicht, habe ich im Sommer/Herbst 2008 die tägliche U-Bahn-Pendelei dazu genutzt, die Geschichte ins Deutsche zu †œremixen†.

Das vorliegende Ergebnis, inhaltlich kein †œMix†, sondern eine vorlagengetreue Übersetzung, steht ebenfalls unter einer entsprechenden CC-Lizenz †“ siehe dazu Seite 2. In der Originalfassung des Dokuments schreibt Cory Doctorow übrigens auch sehr ausführlich über seine Motivation, seine Texte unter solchen Lizenzen zu veröffentlichen.

Das vorliegende Dokument versteht sich durchaus nicht als Endprodukt, sondern als †œWork in Progress†. Der Übersetzer ist weder leidenschaftlicher Computer-Spieler noch versierter Programmierer, und sollte Ihnen bei der Lektüre diesbezüglich ein sachlicher Fehler aufgefallen sein, werden entsprechende Hinweise gern entgegengenommen und gegebenenfalls in kommende Versionen dieses Textes eingearbeitet. In die Versionen ab 1.1 sind einige Anregungen aufmerksamer Leser eingeflossen; dafür auch an dieser Stelle herzlichen Dank!

Download-Adresse dieses PDFs:
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http://cwoehrl.de/?q=node/425

Meine E-Mail-Adresse:
chw@wort-und-satz.de

Mein öffentlicher PGP-Schlüssel:
0×3e4f310497fe2c8f

Dem Geist des Romans angemessen nutzte ich für die Arbeit überwiegend freie Software:

Die Rohtexte entstanden zumeist im Minimal-Editor meines Linux-Netbooks; zusammengeführt, formatiert und ins PDF-Format konvertiert wurde der Text in OpenOffice. Lediglich für die Gestaltung des Titels nutzte ich mit Adobe Photoshop eine kommerzielle Software; Gimp zu lernen steht zwar schon seit geraumer Zeit auf meinem Zettel, aber ich hatte in letzter Zeit zu viel zu übersetzen, um mich auch noch damit zu beschäftigen 😉

(Anmerkung zu Version 2 vom 12. Dezember: Hier habe ich das Dokument in Adobe InDesign bearbeitet, um schöneren Schriftsatz zu erzielen, als es mit einer reinen Textbearbeitung möglich wäre.)

Als Nachschlagewerke nutzte ich für inhaltliche Fragen die Wikipedia in deutscher und englischer Version, für allgemeine sprachliche Zweifelsfälle das Wörterbuch dict.cc und für Slang-Fragen das Urban Dictionary; wo es sich nicht vermeiden ließ, Google zu konsultieren, bediente ich mich des weitaus weniger datenhungrigen Scroogle Scrapers.

Sollte die Thematik des Romans bei Ihnen einen Nerv getroffen haben, dann finden Sie im Internet etliche Angebote, die sich mit Datenschutz, Bürgerrechten und Überwachung beschäftigen. Exemplarisch einige Links zu deutschsprachigen Seiten von Organisationen und Einzelpersonen:

Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung
http://www.vorratsdatenspeicherung.de/

Ravenhorst
http://blog.kairaven.de/

Humanistische Union
http://www.humanistische-union.de/

Netzpolitik.org
http://netzpolitik.org/

Chaos Computer Club
http://www.ccc.de/

Annalist
http://annalist.noblogs.org/

Christian Wöhrl im November 2008

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Vielen Dank an den „Rollmops im Kanzlerbunker“, der sich hier als Texteditor betätigt hat und die PDF-Datei in ein Word-Dokument umgewandelt hat!

Little Brother erschien am 01.03.2010 in einer Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn im Rowohlt Verlag. Die 489 Seiten umfassende broschierte Taschenbuchausgabe wird Jugendlichen zwischen 14 und 15 Jahren empfohlen und ist für 14,95 Euro im Handel erhältlich.

Der Autor, Cory Doctorow, stellt am 18. März 2010 von 18.00 bis 20.00 Uhr zusammen mit dem deutschen Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn in der Universität Leipzig – Zentraler Campus Augustusplatz, Ritterstraße 26, 04109 Leipzig seinen Roman Little Brother vor.
Am 19. März findet in der gleichen Besetzung die Buchpräsentation von 11.30 bis 12.00 Uhr auf der Leipziger Buchmesse statt. Ort: Lese-Treff, Halle 2, Stand C208