Januar 2005: Was ich liebte – Siri Hustvedt

Cover Was ich liebteKurzbeschreibung
„Was ich liebte“ erzählt von sexuellen und künstlerischen Lebensentwürfen, von Familien, Eltern und Kindern. Alles beginnt 1975 im New Yorker Stadtteil SoHo, wo der Kunsthistoriker Leo Hertzberg in einer Galerie ein Bild des jungen Malers Bill Wechsler kauft. Es ist ein Frauenakt, der jedoch den rätselhaften Titel „Selbstporträt“ trägt. Bald ziehen Leo und Bill mit ihren Frauen und neugeborenen Söhnen in ein Haus. Ihre Freundschaft ist bestimmt von der Suche nach ihrer Identität. Doch keine Erkenntnis der Welt kann sie auf die Schicksalsschläge vorbereiten, die ihr Leben für immer verändern.

Über die Autorin
Siri Hustvedt, geboren am 19. Februar 1955 in Northfield, Minnesota, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin.

Hustvedt ist Tochter einer Norwegerin und eines Norwegischprofessors. Sie wuchs zweisprachig auf. Seit sie vierzehn Jahre alt war, wollte sie Schriftstellerin werden und während ihrer Highschool-Zeit schrieb sie Gedichte. 1981 heiratete Siri Hustvedt den acht Jahre älteren Schriftsteller Paul Auster, welchen sie ein Jahr zuvor kennen gelernt hatte. Sie studierte Literatur und machte 1986 ihren PhD an der Columbia University. Das Paar lebt in Brooklyn mit seiner 1987 geborenen Tochter Sophie und Austers Sohn aus erster Ehe, Daniel. Hustvedts bekannteste Romane sind Die Verzauberung der Lily Dahl (1992) und Was ich liebte (2003). Ihr jüngstes Werk ist der Roman The Sorrows of an American (deutscher Titel: Die Leiden eines Amerikaners), der im März 2008 erschien.

November 2004: Die Freistatt – William Faulkner

DieFreistatt1Kurzbeschreibung
Die reiche und verwöhnte Studentin Temple Drake gerät nach einem Autounfall mit ihrem betrunkenen Galan in die Hände von Schwarzbrennern und Gangstern.
William Faulkner gelingt es, die Faszination des Bösen mit unheimlicher Unmittelbarkeit darzustellen. Eine vernichtende Gesellschaftskritik.

WilliamFaulknerÜber den Autor
William Cuthbert Faulkner, geboren am 25. September 1897 in New Albany, Mississippi, USA, gestorben am 6. Juli 1962 in Oxford, Mississippi; eigentlich William Falkner, war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger 1949.

Die meisten von Faulkners Geschichten spielen im fiktiven Yoknapatawpha County mit der Hauptstadt Jefferson, dem das reale Oxford in Mississippi zu Grunde liegt, wo er seit seinem fünften Lebensjahr aufwuchs. Heute findet man dort am County Courthouse eine Gedenktafel. Faulkner erzählt die Geschichte des Landes und seiner Familien †“ der Benbow, Chickasaw, Compson, De Spain, Gowrie, Grenier, Habersham, Hawk, McCaslin, Sartoris, Snopes, Stevens, Sutpen und Varner †“ von der Zeit, als nur Indianer dort lebten, bis nach dem Zweiten Weltkrieg.

Faulkner wuchs als William Falkner in Mississippi auf. Sein Urgroßvater, William Clark Falkner, war eine wichtige Figur in der Geschichte des Bundesstaates Mississippi. Er war Colonel in der Armee der Konföderierten, gründete eine Eisenbahnlinie und ist Namensgeber der Stadt Falkner im nahegelegenen Tippah County. Seine wichtigste Leistung war vielleicht jedoch das Verfassen mehrerer Romane und anderer Texte, womit er eine literarische Tradition in der Familie begründete. Vielleicht war Colonel Falkner das Vorbild für Colonel John Sartoris in den Texten von William Faulkner. Die Veränderung seines Nachnamens liegt an dem Versehen eines Verlegers; der Autor korrigierte es nicht und entschied sich, den neuen Namen zu übernehmen. In seinen späteren Jahren zog Faulkner nach Hollywood, um Drehbuchautor zu werden. Er schrieb unter anderem das Drehbuch von Raymond Chandlers The Big Sleep (dt. Tote schlafen fest) und Ernest Hemingways To Have and Have Not (dt. Haben und Nichthaben), welche beide unter der Regie von Howard Hawks verfilmt wurden. Faulkner begann eine Affäre mit der Sekretärin von Hawks, Meta Carpenter. (In dem Film Barton Fink von Joel und Ethan Coen aus dem Jahr 1991 wird diese Affäre zusammen mit Faulkners Alkoholproblemen anschaulich verarbeitet.)

Faulkner war bekannt für sein Alkoholproblem; Zeit seines Lebens war er Alkoholiker. Beim Schreiben seiner Werke stand er aber nicht unter Alkoholeinfluss. Den Gerüchten zufolge waren Faulkners Alkoholexzesse besonders nach größeren Erfolgen besonders drastisch. Eine Anekdote beschreibt, wie er nach Zuerkennung des Nobelpreises für Literatur 1949 besonders viel trank, während er seine Abfahrt nach Stockholm erwartete. Sein Neffe brachte ihm einen Drink und erzählte ihm von seinen jüngsten Erfolgen in einem Football-Spiel, das am selben Tag stattfand wie Faulkners geplante Reise zur Preisverleihung. Trotz seines Rausches erkannte Faulkner, dass man ihn über das tatsächliche Datum der Reise belogen hatte um sicherzustellen, dass er bei der Preisverleihung nüchtern wäre, woraufhin er heftig weiter trank bis zum tatsächlichen Datum.

Bei der Preisverleihung hielt er eine der großartigsten Reden, die je von einem Preisträger gehalten wurden. Er sagte u. a. I decline to accept the end of man…Man will not only endure, but prevail… (dt.: Ich lehne das Ende der Menschheit ab…Die Menschheit wird nicht nur Bestand haben, sondern siegen…). Faulkner spendete sein Preisgeld für eine Stiftung zur Unterstützung von Nachwuchsautoren, die heute den PEN/Faulkner Award for Fiction vergibt.

Faulkner war von 1957 bis zu seinem Tod im Jahre 1962 durch Thrombose in Folge eines Reitunfalls an der University of Virginia beschäftigt. Er wurde auf dem Saint Peter Cemetery, Oxford, Lafayette County, Mississippi beigesetzt.

Wirkung in Deutschland

Anders als die Bücher Ernest Hemingways waren Faulkners Werke in Deutschland ab 1933 nicht verboten. Bereits 1935 erschien beispielsweise die Übersetzung Licht im August, begeistert aufgenommen von Gottfried Benn. Größere Wirkung entfaltete Faulkner bei der deutschen Leserschaft jedoch erst in der Nachkriegszeit: seine Arbeit beeinflusste wesentlich das Schaffen Heinrich Bölls, Alfred Anderschs und Uwe Johnsons.

Oktober 2004: Balzac und die kleine chinesische Schneiderin – Dai Sijie

Cover Balzac und die kleine chinesische SchneiderinKurzbeschreibung
Zwei pfiffige chinesische Studenten, die zur »kulturellen Umerziehung« in ein abgelegenes Bergdorf ans Ende der Welt verschickt wurden, merken bald, daß sie nur eine einzige Möglichkeit haben zu überleben: Sie müssen in den Besitz jenes wunderbaren Lederkoffers gelangen, der die †“ verbotenen †“ Meisterwerke der westlichen Weltliteratur enthält. Denn nur mit ihnen können sie den Widrigkeiten ihres Daseins entkommen †“ und vielleicht am Ende das Herz der kleinen Schneiderin gewinnen.

Über den Autor
Dai Sijie (chin. 戴思杰/戴思傑, geboren am 2. März 1954 in Chengdu, Provinz Sichuan, Volksrepublik China, ist ein in Frankreich lebender chinesischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur.

Dai Sijie wurde als Sohn eines Mediziners geboren. Von 1971 bis 1974 wurde er im Zuge der kulturellen Umerziehung in ein Bergdorf in Sichuan verschickt. Angestellt in einem Gymnasium in der Provinz studierte er nach Maos Tod Kunstgeschichte und emigrierte 1984 nach Paris. Seine Erfahrungen aus der Umerziehung dienten ihm später als Inspiration für seinen ersten Roman Balzac und die kleine chinesische Schneiderin, der ein großer internationaler Erfolg und 2002 in einer französisch-chinesischen Produktion verfilmt wurde. Zu diesem Film schrieb Dai auch das Drehbuch und führte Regie.

September 2004: Kleine Gemeinheiten – Panos Karnezis

Cover Kleine GemeinheitenKurzbeschreibung
Als ein griechisches Dorf von einem Erdbeben heimgesucht wird, ist dies für den verzweifelten Pater der unwiderlegbare Beweis für den himmlischen Zorn, der angesichts der vielen kleinen und großen Sünden seiner gottlosen Schäfchen auf sie herabkommt. Vom Bahnwärter über den Bürgermeister bis hin zur Hure bleibt keiner verschont. Am Ende jedoch ist es nicht der göttliche Zorn, der die Zerstörung bringt, sondern, der Mensch selbst.

Über den Autor
Panos Karnezis, geboren 1967, ist ein griechischstämmiger Schriftsteller.

Er zog 1992 nach England und studierte dort Ingenieurswesen. Nach einiger Zeit in der Industrie machte er seinen Master in Creative Writing an der University of East Anglia.

Panos Karnezis lebt zur Zeit in London.

Werke

Kleine Gemeinheiten (Erzählungen) (2002)
Der Irrgarten (Roman) (2004)

Der Irrgarten handelt von einer griechischen Brigade nach dem Ende des griechisch-türkischen Krieges. Während die übrige Invasionsarmee der Griechen aus der Türkei flüchtet, sitzt die Truppe um den morphiumsüchtigen General Nestor in der Wüste fest. Neben Diebstählen und kommunistischen Manifesten nagt auch das an einer Dorfbevölkerung verübte Massaker an der Moral der Soldaten. Als sie auf eine kleine Stadt stoßen, glauben sich die Männer gerettet.

Karnezis schildert die miteinander verstrickten Schicksale von Armeeangehörigen und Stadtbewohnern. Er skizziert so das Bild eines in Vergessenheit geratenen Krieges.

Juni 2004: Das Buch des Vaters – Urs Widmer

Cover Das Buch des VatersKurzbeschreibung
Er liebt alles, was lebt: Freunde, Frauen, Feste. Am meisten aber die Bücher. „Das Buch des Vaters“ ist die Aufzeichnung eines leidenschaftlichen Lebens, von der Liebe zur Literatur bestimmt. Von den großen Utopien, Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts. Und von der Liebe zu Clara Molinari, einer geheimnisvollen Frau.

Über den Autor
Urs Widmer, geboren am 21. Mai 1938 in Basel, ist ein Schweizer Schriftsteller.

Er ist der Sohn des Übersetzers und Gymnasiallehrers Walter Widmer. Urs Widmer studierte in Basel, Montpellier und in Paris Germanistik, Romanistik und Geschichte. 1966 promovierte er an der Universität Basel mit einer Arbeit über die deutsche Nachkriegsprosa zum Doktor der Philosophie. Anschließend war er als Verlagslektor beim Walter-Verlag in Olten und beim Suhrkamp-Verlag in Frankfurt am Main tätig. Von 1967 bis 1984 lebte er als freier Schriftsteller in Frankfurt. Während dieser Zeit schrieb er Kritiken für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und lehrte als Dozent für neuere deutsche Literatur an der Universität Frankfurt. 1969 gehörte er zu den Mitbegründern des Verlag der Autoren. 1984 kehrte er in die Schweiz zurück. Er lebt heute in Zürich, ist verheiratet und hat eine Tochter.

Urs Widmer ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, der Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main und der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg.

Urs Widmer beschrieb seine literarische Tätigkeit einmal so: „Ich bin zuweilen damit beschäftigt, mir in meinem Kopf drin etwas Schönes vorzustellen, Bäume oder Ozeane oder Luft oder Liebe, weil es da, wo ich wohne, irgendwie nicht immer schön genug ist, zuwenig Bäume und Ozeane und Luft und Liebe“. Tatsächlich lässt sich bei Widmer der Gegensatz zwischen Sehnsucht und Realität immer wieder ausmachen. „Fiction“ will er schreiben, aber auch „möglichst viel gesellschaftliche Wirklichkeit spürbar werden lassen“.

Urs Widmers umfangreiches Werk umfasst Romane, Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Hörspiele. Seine Stärke ist das fantasievolle, ironische Ausspinnen trivialer Handlungsschemata der klassischen Abenteuer- und Reisegeschichte bis hin zur Parodie und zum Surrealen.