Costa Favolosa: Südafrikanische Tänzerin geht in der Ägäis über Bord

Kurzentschlossen buchte ich am vorletzten Freitag für meine beiden Töchter und mich eine Kreuzfahrt auf der Costa Favolosa – der Märchenhaften. Die Costa Favolosa ist das 15. Kreuzfahrtschiff der Reederei Costa Crociere und erst seit Juni 2011 in Betrieb. Am 26. August 2012 legte das Schiff mit circa 3000 Passagieren und über 1000 Besatzungsmitgliedern pünktlich um 18 Uhr in Venedig ab und fuhr in Richtung Bari. Weiter über Katakolon (Olympia), Izmir und Istanbul sollte das Kreuzfahrtschiff auf dem Rückweg über Dubrovnik am 2. September wieder in Venedig einlaufen. Sieben märchenhafte Tage auf dem östlichen Mittelmeer und fünf interessante Städte erwarteten uns.

Am 30. August verließen wir um 18.30 Uhr den Hafen von Istanbul und nahmen Kurs über das Marmarameer und die Ägäis in Richtung Dubrovnik. 896 Seemeilen und ein Tag auf See lagen vor uns. Abends wurde im Theater eine Musikshow mit der siebenköpfigen weiblichen Tanzgruppe an Bord des Schiffes gezeigt.

Als ich am 31. August gegen 7 Uhr morgens aufwachte, spürte ich gleich, dass das Schiff nicht mit voller Fahrt unser neues Ziel anstrebte, sondern kreiste. Gegen 9.30 Uhr zogen wir immer noch unsere Runden in der Position – mit uns ein weiteres Kreuzfahrtschiff sowie mehrere Frachter in immer gleichen Abständen. Gegen 10 Uhr gab dann Kapitän Mario Moretta bekannt, dass ein Mitglied der Crew in den frühen Morgenstunden über Bord gefallen sei und die türkische Hafenbehörde die Weiterfahrt nicht gestatte, da sich das Kreuzfahrtschiff an der Suche nach der vermissten Person beteiligen müsse. Die Durchsage wurde zunächst in italienischer Sprache und später in weiteren Übersetzungen verkündet. Die Passagiere reagierten erwartungsgemäß geschockt und viele konnten den Blick von der Wasseroberfläche in der Hoffnung auf ein Lebenszeichen nicht abwenden.

Dennoch ging das Leben an Bord schnell gewohnt laut und gesellig weiter. Mittags zeigten Köche und Servicemitarbeiter Tanzeinlagen am zentralen Pool oder kreierten kunstvoll Figuren aus Obst. Gegen 13 Uhr teilte der Kapitän dann schließlich mit, dass die türkische Hafenbehörde der Costa Favolosa die Erlaubnis erteilt hatte, die Fahrt fortzusetzen. Die griechischen und türkischen Hafenbehörden würden die Suchaktion gemeinsam weiter fortsetzen. Als das Schiff wieder Fahrt aufnahm, überflog noch ein Hubschrauber die Unglücksstelle.

Was konkret passiert war oder wer bei dem Sturz ums Leben gekommen ist, konnte oder wollte niemand beantworten. Die Servicekräfte gaben mit Hinweis darauf, dass sie nichts Genaues wissen, keine Antworten und auch unsere deutsche Reiseleiterin wollte nichts über den Vorfall sagen. Weil meine Kinder sehr beunruhigt waren und erfahren wollten, ob es noch Hoffnung für die vermisste Person gab, suchte ich sie am nächsten Tag auf. Aber auch die Reiseleiterin nannte keine Details und erwähnte lediglich, dass eine Frau über Bord gegangen sei, andere Crew-Mitglieder den Vorfall beobachtet hätten und dass man so einen Sturz vom Deck ein Kreuzfahrtschiffes kaum überleben könne.

Am 1. September haben wir abends in unserer Kabine einen Brief vorgefunden, in dem der Kapitän nochmals den tragischen Unfall bedauerte. In erster Linie ging es allerdings um Details der Rückabwicklung der gebuchten und ausgefallenen Ausflüge nach Dubrovnik, da die Costa Favolosa wegen der stundenlangen Suche nun direkten Kurs auf Venedig genommen hatte und Dubrovnik somit nicht anfahren konnte.

Die italienische Zeitung Articolo Tre und die Webseite Crew Center berichteten am 31. August bzw. am 1. September, dass eine amerikanische Tänzerin Selbstmord begangen hat. Der US-amerikanische Anwalt Jim Walker, der weltweit sowohl Passagiere als auch Besatzungsmitglieder vertritt, hat den Vorfall aufgegriffen und auf Cruise Law News darüber gebloggt. Demnach handelt es sich bei der Toten um eine junge Tänzerin aus Südafrika. Während in den Kommentaren die Selbstmordtheorie bezweifelt wird und man eher von einem Unfall ausgeht, scheint Costa Crociere die Theorie inzwischen bestätigt zu haben. In dem Artikel heißt es weiterhin, dass in den letzten 10 Jahren weltweit 185 Personen über Bord von Kreuzfahrtschiffen gegangen sind.

Uns fiel auf, dass in der abendlichen Show am 31. August 2012 erstmals nicht sieben sondern nur sechs Tänzerinnen dabei waren. Ob nun tatsächlich ein Mitglied dieser Tanzgruppe in den frühen Morgenstunden am 31. August ums Leben kam, ist nicht gewiss. In Gedanken sind wir immer noch bei einer jungen Südafrikanerin, die in der Ägäis spurlos verschwunden ist. Und obwohl diese erste Kreuzfahrt für uns in vielerlei Hinsicht wirklich traumhaft war, hinterlässt sie einen albtraumhaften Eindruck.

Navid Kermani erhält den mit 20.000 Euro dotierten Kleist-Preis 2012

Foto: Navid Kerami © Manfred Sause

Der 44-jährige Kölner Schriftsteller Navid Kermani erhält den mit 20.000 Euro dotierten Heinrich-von-Kleist-Preis 2012, teilte der Präsident der Heinrich-von-Kleist Gesellschaft, Prof. Günter Blamberger, am 20. August 2012 in Köln mit.

Als Sohn iranischer Eltern in Siegen geboren ist Navid Kermani deutscher und iranischer Staatsbürger. Er studierte Orientalistik, Philosophie und Theaterwissenschaft in Köln, Kairo und Bonn und gilt als führender Iran-Experte in Deutschland. Zwischen 1995 und 2000 hat Kerami für die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Entwicklung in Iran verfolgt.

In seinen Werken setzt er sich mit dem Verhältnis zwischen Glauben und Gesellschaft auseinander. Zuletzt erschien im Hanser Verlag im August 2011 „Dein Name“. Hier schreibt er über die Gegenwart und die Vergangenheit seiner Familie, die Erinnerung an gestorbene Freunde und die mitreißende Lektüre Jean Pauls und Hölderlins. Die Geschichte seines Großvaters, der von Nahost nach Deutschland ging, wird zum Herzstück des Romans.

2010 wurde Navid Kermani mit der Buber-Rosenzweig-Medaille 2011 ausgezeichnet und 2011 erhielt er den Hannah-Arendt-Preis für seine „lagerüberwindenden, religionswissenschaftlichen und politischen Analysen“ sowie den Kölner Kulturpreis 2012.

Navid Kerami ist verheiratet mit der Journalistin und Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur, hat zwei Töchter und lebt als freier Schriftsteller und Regisseur in Köln.

Der Kleist-Preis wird am 18. November 2012 in Berlin während einer Matinée im Berliner Ensemble übergeben. Die Laudatio hält der Präsident des deutschen Bundestages, Dr. Norbert Lammert, der – als von der Jury der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft gewählter Vertrauensmann – Navid Kermani in alleiniger Verantwortung, der Tradition des Preises gemäß, zum Preisträger bestimmt hat.

Quelle Foto Wikipedia: Navid Kerami © manfred.sause@volloeko.de
Quelle: Börsenblatt

12. Münchner LiteraturBrunch der BücherFrauen am 16.09.2012 im Stragula

Der 12. Münchner LiteraturBrunch der BücherFrauen findet am 16. September 2012 im Stragula, Bergmannstr. 66, statt.

Unter dem Motto Familie – Trügerische Idylle? lesen und diskutieren die Autorinnen Jasmin Ramadan, Lisa-Maria Seydlitz und Keto von Waberer.

Die Veranstaltung wird von der Journalistin und Publizistin Olga Mannheimer moderiert.

Jasmin Ramadan, geboren 1974, lebt in Hamburg. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Ägypter. Sie studierte Germanistik und Philosophie. 2009 gelang ihr mit ihrem Debüt Soul Kitchen zum gleichnamigen Kino-Hit von Fatih Akin ein Überraschungserfolg.
Für ihren neuen Roman Das Schwein unter den Fischen, Tropen Verlag 2012, aus dem sie lesen wird, erhielt sie den Hamburger Förderpreis für Literatur.

Lisa-Maria Seydlitz wurde 1985 in Mannheim geboren, wo sie inzwischen auch wieder lebt. Sie besuchte den Studiengang Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus der Universität Hildesheim und studierte an der Université de Provence Aix-Marseille. Sie war Herausgeberin der Literaturzeitschrift Bella triste und Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkreises.
Sie liest aus ihrem ersten Roman Sommertöchter.

Keto von Waberer studierte Kunst und Architektur. Sie lebte mehrere Jahre in Mexiko, heiratete und bekam zwei Kinder. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland war sie als Architektin, Galeristin und Journalistin tätig. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin in München, wo sie auch an der Hochschule für Film und Fernsehen ‚Creative Writing‘ lehrt. 2011 erhielt sie den Literaturpreis der Stadt München.
Keto von Waberer liest aus Seltsame Vögel fliegen vorbei, Berlin Verlag 2011.

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Lesung und Diskussion um 12.00 Uhr, Einlass zum Brunch ab 10.30 Uhr
Stragula, Bergmannstraße 66, München
Eintritt (Lesung): 9,00 Euro, ermäßigt 7,00 Euro
Karten an der Tageskasse

Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 33/2012

Platz 1 : Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson

Platz 2 : Bretonische Verhältnisse von Jean-Luc Bannalec

Platz 3 : Die Frauen, die er kannte von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt

Platz 4 : Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry von Rachel Joyce

Platz 5 : Die Tribute von Panem 02. Gefährliche Liebe von Suzanne Collins

Platz 6 : Die Tribute von Panem 03. Flammender Zorn von Suzanne Collins

Platz 7 : Die Tribute von Panem 01. Tödliche Spiele von Suzanne Collins

Platz 8 : Das Lied von Eis und Feuer 10: Ein Tanz mit Drachen von George R.R. Martin

Platz 9 : Mayas Tagebuch von Isabel Allende

Platz 10 : Das Alphabethaus von Jussi Adler-Olsen

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 33/2012

Platz 1 : Shades of Grey 01 – Geheimes Verlangen von E. L. James

Platz 2 : Verwesung von Simon Beckett

Platz 3 : Die hellen Tage von Zsuzsa Bánk

Platz 4 : Das Lächeln der Frauen: Roman von Nicolas Barreau

Platz 5 : Léon und Louise von Alex Capus

Platz 6 : Das Mädchen auf den Klippen: Roman von Lucinda Riley

Platz 7 : Unter Haien von Nele Neuhaus

Platz 8 : Tschick von Wolfgang Herrndorf

Platz 9 : Für Eile fehlt mir die Zeit von Horst Evers

Platz 10 : Die fernen Stunden von Kate Morton

Quelle: Spiegel Online Kultur