Denis Scheck gehen die Feuchtgebiete am A… vorbei!

Mit Spannung warte ich jeweils auf die Sendung Druckfrisch, in der Denis Scheck u.a. offenherzig die Top Ten der Spiegel-Bestenliste bewertet. So fiel sein Urteil über die derzeitige Nummer 1, Feuchtgebiete von Charlotte Roche, dem Genre der Buches entsprechend, kraftvoll aus:

Platz 1

Charlotte Roche: Feuchtgebiete

Zu den hehrsten Aufgaben der Literatur zählt, dem Meer des Unsagbaren ein Stück neues Land abzuringen. Das leistet „Feuchtgebiete“ zweifellos: hier wird ein Tabu geknackt: in diesem Fall das Tabu von Intimhygiene und Analsex. Allerdings hat das nach 20, 30 Seiten auch der größte Dämel begriffen, und dann, ja dann kommt der Roman. Ohne nun als Korinthenkacker dastehen zu wollen, ist das freundlichste, was ich über die wahnsinnig brave und biedere Handlung dieses Romans sagen kann, dass sie mir am Arsch vorbeigeht.

(Dumont Verlag, 219 Seiten, 14,90 Euro)

1995 zu brutal: American Psycho von Bret Easton Ellis

Als das Buch 1991 erscheinen sollte, zog der Verlag Simon & Schuster sein Angebot zurück. Zu brutal. Der Vintage Books Verlag brachte eine geänderte Fassung in den USA heraus. In Deutschland kam American Psycho 1995 auf den Index. Sechs Jahre später war es wieder frei verkäuflich, da der Verlag Kiepenheuer und Witsch gegen das Verbot klagte. Bret Easton Ellis erhielt böse Briefe und Todesdrohungen wegen seines Buches. Im Jahr 2000 wurde der Roman verfilmt.

Kurzbeschreibung
Der Wallstreet-Yuppie Patrick Bateman scheint ein normaler Oberschichten-Snob Mitte der 80er zu sein: Er trägt teure Anzüge, hat eine überteuerte Wohnung und langweilt sich mit seinen oberflächlichen Bekannten in Luxus-Clubs oder auf Koks-Partys. Doch unter der Oberfläche ist er mehr als seine Bekannten erahnen können, denn er versucht, die Leere in seinem Leben auf die denkbar brutalste Weise zu kompensieren: Er misshandelt und tötet Menschen.

Im Laufe der Handlung verliert sich Bateman zusehends in seinem Blutrausch und weiß bald nur noch schwer Realität und Phantasie zu unterscheiden. Gegen Ende des Romans richtet Bateman ein Blutbad an, das nicht übersehen werden kann und beichtet seinem Anwalt alle seine Greueltaten. Allerdings muss er erkennen, dass selbst sein Anwalt ihn ignoriert, das Ganze für einen Scherz hält und ihn sogar mit einem anderen verwechselt. Das stellt ein Schlüsselmotiv des Romans dar, zum einen weil Bateman immer wieder von Bekannten verwechselt wird und zum anderen, da er ständig seine Greueltaten gesteht ohne jedoch Gehör zu finden. Als Bateman nach den Opfern, die er noch in der Eigentumswohnung eines von ihm ermordeten Bekannten vermutet, sehen will, sind diese schon alle verschwunden und die Wohnung, in der er die Leichen lagerte, ist gestrichen und zum Verkauf angeboten. Auch der Taxifahrer, der ihn als den Mörder eines Kollegen wiedererkennt, zeigt ihn nicht an, sondern will lediglich sein Geld und seine Rolex.

Bret Easton Ellis entwirft in American Psycho eine Art „Amerikanischen Albtraum†œ. Bateman hat das geschafft, wovon alle träumen: Reich zu werden und ein sorgenfreies Leben zu führen. Dieses Leben erscheint dem Leser jedoch als albtraumhaft langweilig und inhaltslos. Der einzige Inhalt sind Batemans Sex- und Gewaltexzesse. Sein Reichtum, seine Zugehörigkeit zur Gesellschaft der Reichen hat ihn in Wirklichkeit nicht weitergebracht. American Psycho zeigt das böse Gesicht eines amoralischen Materialismus, aus dem es für Bateman keinen Ausweg mehr gibt.

Der Roman ist überwiegend aus der Sicht Batemans geschrieben. Die Handlung ist aus Abschnitten seines Lebens innerhalb von etwa drei Jahren chronologisch aufgebaut. Der Romanheld sieht die Welt wie einen Film und bedient sich in seinen Beschreibungen der filmischen Techniken (z. B. Zeitlupe, Schwenken, Heranzoomen etc.). Die scheinbar einzigen Konstanten des Romans sind Batemans endlose Aneinanderreihungen von Besitztümern und den dazugehörigen Marken. Die Räume werden nicht bis ins allerletzte Detail beschrieben, sondern auf ihre Oberfläche (Designermöbel, Bilder von angesagten Künstlern) reduziert.

Autorenporträt
Bret Easton Ellis, geboren am 07. März 1964 in Los Angeles, ist ein US-amerikanischer Schriftsteller.
Aufgewachsen ist Ellis in Sherman Oaks in Kalifornien, seit 1987 lebt er in New York. Ellis ist Absolvent des Bennington College. In den frühen 80er Jahren spielte er Keyboard in einigen New-Wave-Bands. Mit seinem dritten Roman „American Psycho†œ (1991) stieg Ellis zum Kultautor auf. Die detailliert beschriebenen brutalen Gewalt- und Sexexzesse, die eingebettet in das sinnentleerte Leben der Hauptfigur sind, haben dem Roman viel Aufmerksamkeit gebracht.

Verblendung und Vergebung von Stieg Larsson

So oft kommt es nicht vor, dass zwei Titel eines Autors gleichzeitig in den Spiegel-Bestenlisten der Taschenbücher und der Hardcover auftauchen. Stieg Larsson, der bereits 2004 an den Folgen eines Herzinfarktes starb, ist dies posthum in dieser Woche mit seinen Krimis Verblendung und Vergebung gelungen.

Stieg Larsson, geboren am 15. August 1954 als Karl Stig-Erland Larsson in Umeå, Schweden, gestorben am 09. November 2004 in Stockholm, war ein schwedischer Journalist, Schriftsteller und Herausgeber des antifaschistischen Magazins „EXPO„.

Nach dem Besuch des Gymnasiums und mehreren Jahren mit wechselnden Jobs (u.a. bei der schwedischen Post) wird er 1979 bei der schwedischen Nachrichtenagentur TT (Tidningarnas Telegrambyrå) angestellt und arbeitet dort die nächsten 19 Jahre hauptsächlich in der graphischen Abteilung, verfasst aber auch Essays, kleinere Artikel und Buchkritiken. Schon in seiner Schulzeit beginnt sein Interesse für Politik, was sich später auch in seiner Arbeit ausdrückt als Herausgeber des antifaschistischen Magazins „EXPO†œ und in den 80er Jahren „Der Vierten Internationalen†œ.

Besonderes Interesse seiner Arbeit widmet er dem Rechtsextremismus. 1991 veröffentlicht er zusammen mit Anna-Lena Lodenius das Buch „Extremhögern†œ, das sich mit dem schwedischen Rechtsradikalismus befasst. Im Jahre 1995, als fünf Schweden von Rechtsextremisten ermordet wurden, gründet er die EXPO-Stiftung.

Er galt weltweit als einer der führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus. Noch vor seinem Tod konnte er drei Kriminalromane fertig stellen, die jedoch erst posthum veröffentlicht wurden. Stieg Larsson starb 2004 an den Folgen eines Herzinfarktes.

2006 erhielt er posthum den skandinavischen Krimipreis Glasnyckeln für Verblendung, welches ein Jahr zuvor bereits vom schwedischen Buchhandel zum besten Buch des Jahres gewählt worden war.

Werke

Sachbuch
1991 Extremhögern, zusammen mit Anna-Lena Lodenius

Romane (Die Millennium-Trilogie):
2005 Verblendung (Män Som Hatar Kvinnor, dt. von Wibke Kuhn, erschienen im Heyne Verlag, 2006)
2006 Verdammnis (Flickan som lekte med elden, dt. von Wibke Kuhn, erschienen im Heyne Verlag 2007) 2007 Vergebung (Luftslottet som sprängdes, dt. von Wibke Kuhn, erschienen im Heyne Verlag 2008)

Verfilmungen

Im März 2008 sollen die Dreharbeiten für die Verfilmungen der Millennium-Trilogie beginnen. Für den ersten Teil Verblendung sind ein Kinofilm (Premiere wahrscheinlich 2009) und zwei, je 90 Minuten lange Teile für das Fernsehen geplant. Die Bände Verdammnis und Vergebung werden nur fürs Fernsehen verfilmt. In den Hauptrollen werden Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist und Noomi Rapace-Norén als Lisbeth Salander zu sehen sein.

Kurzbeschreibung zu Verblendung
Eine Familiengeschichte, die einen nicht mehr loslässt Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffens spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zutage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, sie hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt. An seinem 82. Geburtstag erhält der einflussreiche Industrielle Henrik Vanger per Post anonym ein Geschenk. Das Paket enthält eine gepresste Blüte hinter Glas, genau wie in den 43 Jahren zuvor. Vangers Lieblingsnichte Harriet hatte ihm 1958 zum ersten Mal dieses Geschenk gemacht, doch dann verschwand sie spurlos. Ihr Leichnam wurde nie gefunden. In einer letzten Anstrengung beschließt Vanger herauszufinden, was dem geliebten Mädchen tatsächlich zustieß. Er engagiert den Journalisten Mikael Blomkvist, der, getarnt als Biograf, bald auf erste Spuren stößt. Unterstützt wird er von der jungen Ermittlerin Lisbeth Salander, einem virtuosen Computergenie mit messerscharfem Verstand. Je tiefer Blomkvist und Salander in der Vangerschen Familiengeschichte graben, desto grauenvoller sind ihre Enthüllungen. Ausgezeichnet mit dem skandinavischen Krimipreis.

Kurzbeschreibung zu Verdammnis
Mikael Blomkvist recherchiert in einem besonders brisanten Fall von Mädchenhandel, die Hintermänner bekleiden höchste Regierungsämter. Als sein Informant tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf Blomkvists Partnerin Lisbeth Salander. Eine mörderische Hetzjagd beginnt. Der neue große Roman des preisgekrönten Bestsellerautors Stieg Larsson. Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin „Millennium“ eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt.

Kurzbeschreibung zu Vergebung
Wer suchet, der tötet
Die Ermittlerin Lisbeth Salander steht unter Mordverdacht. Ihr Partner Mikael Blomkvist schwört, ihre Unschuld zu beweisen. Er weiß, dass es um Salanders Leben geht. Als seine Ermittlungen die schwedische Regierung in ihren Grundfesten zu erschüttern drohen, setzt er alles auf eine Karte. Nach „Verblendung“ und „Verdammnis“ der grandiose Höhepunkt der Trilogie um das Ermittlerduo Blomkvist und Salander. Mit einer Kugel im Kopf wird Lisbeth Salander in die Notaufnahme eingeliefert. Sie hat den Kampf gegen Alexander Zalatschenko, berüchtigter Drahtzieher mafiöser Machenschaften, ein weiteres Mal knapp überlebt. Aber wird sie gegen den schwedischen Geheimdienst bestehen können, der alle Kräfte mobilisiert, um sie ein für alle Mal mundtot zu machen? Zu groß ist die Gefahr, dass sie die Verbindung zwischen Zalatschenko und der schwedischen Regierung aufdeckt. Unterdessen arbeitet Mikael Blomkvist unter Hochdruck daran, Salanders Unschuld zu beweisen. Es fehlen nur noch wenige Details, und er wird das Komplott gegen Salander aufdecken. Auch als seine Ermittlungen von höchster Stelle massiv behindert werden, führt Blomkvist seine Arbeit unbeirrt fort. Er weiß genau, dass er nur noch diese eine Chance hat, um Lisbeth Salander zu retten.

1958 zu sexistisch: Lolita von Vladimir Nabokov

Jerry Tallmer, Kritiker der Zeitschrift The Voice, war vom Stoff etwas überfordert. „300 Seiten Sex“ habe er nun im Kopf, schrieb Tallmer, als er im Blatt 1958 Vladimir Nabokovs Erzählung Lolita besprach. Das sei ihm bei weitem „zu viel“. Auch bei anderen Kritikern fiel das Buch erstmal durch.
Lolita ist der bekannteste Roman von Vladimir Nabokov, erschienen 1955.

Der Roman, der zu den bedeutendsten des 20. Jahrhunderts gehört, war lange Zeit wegen seines Themas umstritten: Der parthenophile Ich-Erzähler Humbert Humbert zwingt seine zu Beginn der Erzählung zwölfjährige Stieftochter Dolores („Lolita†œ) zu einer zweijährigen Reise durch die USA. Von ihm als „Vater und Tochter†œ ausgegeben leben sie für mehrere Jahre auf einer Odyssee durch die USA in einer †“ zunehmend gewaltsamen †“ sexuellen Beziehung, aus der Dolores schließlich flieht.

Lolitas Entstehung beanspruchte mehrere Jahre, beginnend mit der Emigration der Nabokovs nach Amerika 1941. Das Romanmanuskript Lolitas hat Nabokov in einem Anfall künstlerischen Suizids im Herbst 1948 zu verbrennen versucht. Nabokovs Frau, Vera, entriss das Manuskript in letzter Minute den Flammen. Das Scheitern, einen amerikanischen Verleger zu finden, führte dazu, dass der Roman zuerst in Europa veröffentlicht wurde.

Wegen des, besonders in den prüden 1950er Jahren, heiklen Sujets, fand Nabokov anfänglich keinen amerikanischen Verleger für seinen Roman. Die erste Ausgabe von Lolita erschien deshalb bei dem englischsprachigen, aber in Paris angesiedelten Verlag Olympia Press, der sich auf erotische Literatur spezialisiert hatte. Eine sehr positive Besprechung des Romans durch Graham Greene führte dann dazu, dass 1958 auch eine amerikanische Ausgabe des Buchs erschien. In der Folge wurde der Roman schnell zum Bestseller und machte Nabokov, der zuvor nur wenigen Insidern bekannt gewesen war, zu einem berühmten Autor.

Die erste deutsche Ausgabe des Romans erschien 1959 bei Rowohlt, übersetzt von Helen Hessel unter Mitarbeit von Maria Carlsson, Gregor von Rezzori, Kurt Kusenberg und Heinrich Maria Ledig-Rowohlt. 1989 brachte Rowohlt eine von Dieter E. Zimmer revidierte Fassung heraus.

Kurzbeschreibung
Der Roman schildert die unselige Leidenschaft des 1910 in Frankreich geborenen Literaturwissenschaftlers und Privatlehrers Humbert Humbert zu der kindhaften und gleichzeitig frühreifen 12-jährigen Dolores (Lolita) Haze. Humbert Humbert ist Mädchen zwischen neun und vierzehn Jahren verfallen; deren vollkommene Inkarnation findet er in Lolita. Um in ihrer Nähe bleiben zu können, heiratet er ihre Mutter, die Witwe Charlotte Haze; er verursacht indirekt deren Tod und beginnt mit Lolita – aus Furcht vor Entdeckung seiner verbotenen Leidenschaft – ein unstetes Reiseleben durch die USA. Humbert Humbert stellt bald fest, dass sie verfolgt werden, und eines Tages ist Lolita, offenbar mit dem Verfolger im Bunde, verschwunden. Als er sie nach Jahren wiedersieht – verheiratet, schwanger und in ärmlichen Verhältnissen lebend -, weigert sie sich, zu ihm zurückzukehren, doch gelingt es ihm, den Namen des damaligen Nebenbuhlers zu erfahren. Es ist der Dramatiker Clare Quilty, den er in einer furiosen Racheszene erschießt. Mit sprachlicher und stilistischer Virtuosität geschrieben, zahlreiche literarische Anspielungen aufweisend und mit distanzierender Ironie unterlegt, ist der Roman weder Schilderung der Überschreitung moralischer Schranken noch Diagnose einer dekadenten Epoche, sondern am ehesten die Geschichte einer tragischen Leidenschaft, die ihren Gegenstand – wenn überhaupt – nur um den Preis der Zerstörung erreichen kann. Versuche, den Roman allegorisch zu deuten, wonach sein Thema v. a. in der Konfrontation des alten Europa (Humbert Humbert) mit dem jungen Amerika (Lolita) zu sehen sei, hat Nabokov zurückgewiesen.

Autorenporträt
Nabokov, Vladimir russ.-US-amerikan Schriftsteller, geboren am 23.4.1899 in Petersburg, gestorben am 2.7.1977 in Montreux, Schweiz

In seinem vielseitigen Werk Lolita, das Romane, Theaterstücke und Erzählungen umfasst, wies sich Vladimir Nabokov als fantasievoller Romancier und virtuoser Erzähler aus. Ein Skandal und dann ein internationaler Erfolg wurde dieser ironisch-frivoler Roman. Nabokov wuchs in einer großbürgerlichen russischen Familie auf, die 1919 nach Deutschland emigrierte. Er studierte französische Literatur sowie Entomologie in Cambridge (England). Ab 1922 lebte er als Staatenloser in Berlin. Nach ersten Gedichten verfasste er unter dem Pseudonym Sirin Prosaschriften, die schon bald die Aufmerksamkeit der Kritik auf sich zogen. 1937 verließ Nabokov Deutschland, lebte bis 1940 in Paris und übersiedelte schließlich in die USA. Dort war er 1941-48 „Poet in residence“ am Wellesley College bei Boston und beschäftigte sich daneben mit Schmetterlingskunde am Museum für Zoologie der Harvard University. 1948-59 war Nabokov Professor für russische und europäische Literatur an der Cornell University; anschließend lebte er als freier Schriftsteller in Montreux.

†œThe Origianl of Laura† heißt das unveröffentlichte Manuskript von Vladimir Nabokov, das eigentlich schon vor 30 Jahren hätte verbrannt werden sollen, erscheint nun voraussichtlich im September 2009.

In 180 Tagen um die Welt. Ein Abend mit Matthias Politycki

Ein Abend mit Matthias Politycki

In 180 Tagen um die Welt
Das Logbuch des Herrn Johann Gottlieb Fichtl

Lesung am Mittwoch, 2.4.2008, um 20:00 Uhr im Saal des Münchner Literaturhauses, Salvatorplatz 1
Moderation: Christoph Bartmann

Matthias PolityckiÜber den Autor
Matthias Politycki, geboren 1955, gilt als «eminenter Humorist» (Die Zeit) und ist einer der wichtigsten deutschen Autoren der Gegenwart. Sein umfangreiches Werk, darunter der Weiberroman, umfasst Prosa, Essays und Lyrik. Zuletzt erschienen die erzählenden Essays Vom Verschwinden der Dinge in der Zukunft und sein großer Kuba-Roman Herr der Hörner. Matthias Politycki lebt in Hamburg und München.

In 180 Tagen um die WeltKurzbeschreibung
«Fonsä, Veit, Wolfi, Zenz! Wenn ich s nicht mit eignen Augen gesehen hätte, ich würde s schier selber nicht glauben.» Wer eine Reise auf dem besten aller Kreuzfahrtschiffe macht, der hat etwas zu erzählen; wer sie als einfacher Finanzbeamter aus dem bayerischen Oberviechtach antritt, den ein Lottogewinn an Bord geführt hat, der kommt aus dem Staunen so schnell nicht mehr heraus: Johann Gottlieb Fichtl, von seiner Tippgemeinschaft mit Motivkrawatten und einem «Aldi-Smoking» aus dem Fundus des Bürgermeisteramtes für seine Reise ausgestattet, macht sich auf, die Welt im Allgemeinen und vom Penthouse-Deck bis hinunter in die Pumpensümpfe die von MS Europa im Besonderen zu erkunden.
In 184 Shortcuts berichtet er vom aberwitzigen Fünfsterneplus-Alltag an Bord und seinen nicht minder (aber-)witzigen Erlebnissen an Land: Die Reisegesellschaft entpuppt sich dabei mehr und mehr als Kuriositätenkabinett, das auf einem schwimmenden Zauberberg unserer Zeit dem Rausch der Intrigen und Gerüchte frönt und dabei grandios an Leben und Tod und all dem existenziellen Ernst vorbeifeiert, dem auch die Europa auf ihrer Fahrt durch die sieben Weltmeere nicht entkommt. Dieser Fichtl aus Oberviechtach aber, der an Bord bald zu «einem Großen, einem ganz Großen» hochgetuschelt wird, findet am Ende der Reise den Ort seiner Bestimmung: Für ihn hat das Abenteuer gerade erst begonnen.
Mit In 180 Tagen um die Welt hat Matthias Politycki den Schelmenroman des beginnenden 21. Jahrhunderts geschrieben: Das Logbuch des Herrn Johann Gottlieb Fichtl ist eine kühne Tour de farce, auf der Politycki die Idiosynkrasien unserer Gesellschaft mit satirischer Brillanz in ihre Bestandteile zerlegt. Und für den Leser zu einer ganz und gar phantastischen Reise neu zusammensetzt.

Veranstalter: Antje Kunstmann Verlag, marebuchverlag, Stiftung Literaturhaus, Eintritt: 8,00 Euro/ermäßigt 6,00 Euro