Kategorie Belletristik – Die fünf nominierten Autoren für den „Preis der Leipziger Buchmesse“

Die Leipziger Buchmesse findet in diesem Jahr vom 13. bis 16. März statt.
Der „Preis der Leipziger Buchmesse“ wird bereits zum vierten Mal vergeben. Prämiert werden herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen. Die Auszeichnung, welche mit insgesamt 45.000 Euro dotiert ist, wird von einer siebenköpfigen Jury zu gleichen Teilen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essayistik sowie Übersetzung verliehen.  „Mit dem Preis würdigen wir nicht nur die Arbeit der Verlage und des Buchhandels, sondern wir geben den Lesern auch Empfehlungen“, so Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse.

Kategorie Belletristik

Jenny Erpenbeck: Heimsuchung (Eichborn Berlin)

HeimsuchungKurzbeschreibung
Heimsuchung reicht tief in die deutsche Vergangenheit. Eine literarische Spurensuche von stupender Wucht Ein Haus an einem märkischen See ist das Zentrum, zwölf Lebensläufe, Geschichten, Schicksale von den Zwanzigerjahren bis heute ranken sich darum. Das Haus und seine Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR, die Wende und die Zeit der Nachwende. Jedem einzelnen Schicksal gibt Jenny Erpenbeck eine eigene literarische Form, jedes entfaltet auf ganz eigene Weise seine Dramatik, seine Tragik, sein Glück. Alle zusammen bilden eine Art kollektives literarisches Gedächtnis des letzten Jahrhunderts, geformt in einer Literatur, die nicht nur großartige Sätze und Bilder zu bieten hat, sondern die auch Wunden reißt, verstört, beglückt, verunsichert und versöhnt. Worin das Geheimnis dieser Geschichten besteht, woraus sich ihr Glanz, ihre Wucht und ihre eminente Dramatik entfalten, ist schwer zu sagen. Sicher aber ist eins: Mit diesem Buch ist Jenny Erpenbeck ihr Meisterstück gelungen. »Immer, wenn Jenny Erpenbeck ihren scharfen Blick auf die Dinge richtet, verändern sie sich blitzartig. Die Oberfläche schmilzt. Darunter kommt zum Vorschein, was als subkutane Irritation die Figuren bewegt.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Sherko Fatah: Das dunkle Schiff (Jung und Jung)

Das dunkle SchiffKurzbeschreibung
Ein junger Iraker gerät unter die Gotteskrieger und flieht nach Deutschland. Ein kluger Abenteuerroman, der mit Spannung zeigt, wie ein kleines Leben von großen Umwälzungen erfaßt wird.
Das Buch erzählt die Geschichte des jungen Kerim, von Beruf Koch, der sich aus dem irakischen Grenzland auf die beschwerliche und gefährliche Reise nach Europa macht. Von früh an der Idee verfallen, sich zu verwandeln, hat er noch andere Gründe für seine Flucht, war er doch unter die Gotteskrieger geraten und mit ihnen durch das Land gezogen, bevor er sich von ihrem Weg der Gewalt lossagte. Kerim, bemüht, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen, kann, obwohl er in dem fremden Land auch Zuwendung und sogar seine erste Liebe findet, die Vergangenheit nicht abschütteln, vielmehr scheint diese sich fortwährend auf ihn zuzubewegen.
In diesem Roman geht es nicht um den Islam, sondern um den Extremismus, der viele Erscheinungsformen haben kann, um seine Verführungsmacht und die Folgen. Extremismus entsteht nicht in einem Kopf, sondern unter realen Lebensbedingungen. So ist Kerims Geschichte die eines kleinen, konkreten Lebens inmitten großer Umwälzungen, und sein spirituelles wie auch seine realen Abenteuer sind nicht so außergewöhnlich, wie sie aus europäischer Sicht scheinen mögen. Viele haben sich wie er auf den Weg gemacht, viele sind auch wie er verstrickt worden, wenn schon nicht immer aus nachvollziehbaren Gründen, so zumindest doch auf eine Weise, welche auch die besten Nachrichtenbilder uns nicht zeigen können.

Clemens Meyer: Die Nacht, die Lichter (S. Fischer Verlag)

Die Nacht, die LichterKurzbeschreibung
Er setzt alles auf eine Karte, der Hundebesitzer, der auf der Rennbahn sein Geld verwettet, um eine teure OP zahlen zu können. Sie will es allen zeigen, die junge Frau, und sich vom Flüchtlingsschiff in die erste Liga hochboxen. Sie reden eine Nacht lang, der junge Mann und eine alte Freundin, haben einander zufällig wiedergetroffen, sie denkt vielleicht an ein gemeinsames Leben, doch er weiß, dass es anders kommen wird.
Clemens Meyer erzählt von der Hoffnung, einmal im Leben den großen Gewinn einzustreichen, von dem Willen, etwas aus sich zu machen, und der verpassten Liebe. Seine Geschichten spielen in der stillen Wohnung, in der Lagerhalle und am Fluss. Seine Helden sind dem Leben ausgesetzt, es sind die Heimatlosen und Träumer, die die nächtliche Stadt durchstreifen. Meyer trifft die Töne unserer Zeit: In seinen rauen, präzisen und zarten Sätzen spricht er von verlorenen Illusionen, von Sehnsucht und Einsamkeit.

Ulrich Peltzer: Teil der Lösung (Ammann Verlag)

Teil der LösungKurzbeschreibung
Überwachungskameras am Potsdamer Platz, globalisierte Markenwelten und limitierte Bewegungsfreiheit: an Vorzeichen, die jedes politische Handeln notwendig und zugleich illusionär erscheinen lassen, mangelt es nirgends. Christians Themen werden zunehmend politisch. Als freier Journalist schlägt er sich mit journalistischen Gelegenheitsaufträgen durch, ist Teil eines akademischen Proletariats, wie es in Berlin ganze Stadtviertel besiedelt. Selbst Mitte dreißig, hat er die Zeit des bewaffneten Widerstands gegen die Staatsmacht nur noch als Echo miterlebt. Vielleicht sucht er gerade deshalb für eine längst fällige Story Kontakt zu untergetauchten Ehemaligen der Roten Brigaden. In Paris soll ein wichtiger Informant anzutreffen und bereit zum Reden sein. Zunächst aber trifft Christian auf Nele bzw. sie trifft ihn, mit dem Ellenbogen ins Kreuz in der Tür eines Klubs. Von einer geheimnisvollen Wut getrieben, bewegt sich die hochbegabte Studentin durch den Jahrhundertsommer 2003. Was mit ein paar ruppigen Zufallsbegegnungen eher harmlos beginnt, entwickelt sich zu einer heftigen und verqueren Anziehung, deren Ausganzpunkt im neuen Berlin liegt und die ihren Show-down in den Arabervierteln von Paris erlebt. Teil der Lösung ist ein hochaktueller Roman, der in einem rasanten Ineinander von einzelnen Szenen abbildet, wie bruchstückhaft und vielfältig Wirklichkeit ist. Kontrollierter Raum und spielerische Störmanöver, Decknamen und Spitzel, geheime Treffen und präzise Attentate auf den Alltag: Subtil verbindet Ulrich Peltzer eine störrische Liebesgeschichte mit der Beobachtung neuer politischer Bewegungen in einer Grammatik der Überwachung. Eine atemraubende Verschwörungsgeschichte von unmittelbarer erzählerischer Kraft.

Feridun Zaimoglu: Liebesbrand (Verlag Kiepenheuer & Witsch)

LiebesbrandKurzbeschreibung
Die Liebe in den Zeiten der kalten Rationalität Feridun Zaimoglu beschwört die großen Gefühle. Am Anfang ist es fast zu Ende: Das Leben von Richard, sowieso nicht in bester Verfassung, droht bei einem Busunglück zu verlöschen. Doch er wird gerettet und begegnet einer engelsgleichen Erscheinung. Eine junge schöne Frau übernimmt die Erstversorgung und verschwindet in einem Auto mit deutschem Kennzeichen. Fortan ist der Erzähler in Liebe entflammt und macht sich auf die Suche. Nach seinem Bestseller »Leyla« begibt sich Feridun Zaimoglu mit »Liebesbrand« hinein in die bundesrepublikanische Gegenwart. Seine Hauptfigur ist ein junger Aktienhändler, der rechtzeitig vor dem Börsenkrach aus dem Geschäft ausgestiegen ist; jetzt lebt er in Kiel und sehnt sich nach einer neuen Versuchung. Er kann zwar einen Familienzwist bei entfernten Verwandten im Ausland schlichten, es kostet ihn aber eine Menge Geld und fast das Leben. Mit zahlreichen Blessuren am Körper, dem Bild eines Ringes mit blauem Emaillekopf im Gedächtnis und einer Haarspange im Gepäck kehrt er nach Deutschland zurück. Dort begibt er sich auf die unermüdliche Suche nach der Frau seines Lebens, die ihn nach Nienburg an der Weser und weiter nach Prag und Wien führt. Unterwegs wird er geliebt und verstoßen, angegriffen und gehasst, erleuchtet und enttäuscht. Die Hoffnung aber, dass er sich nicht vergeblich sehnt, gibt er nicht auf. Feridun Zaimoglu gelingt es, eine Liebesgeschichte unserer Tage in der Tradition der deutschen Romantik zu erzählen. Der Suchende strebt nicht nach Perfektion, aber nach Erfüllung, sogar nach Erlösung und begegnet dabei immer neuen Anfechtungen und Herausforderungen. Gut, dass es den Freund und Helfer Gabriel gibt, der dem Erzähler beisteht und ihm beizeiten den Kopf zurechtrückt. Mit Mut zum Pathos und feiner Ironie erzählt der Roman von einer großen Liebesbeschwörung rasant, berührend und komisch.

„Ein liebender Mann“ von Martin Walser wird als Vorabdruck in der FAZ veröffentlicht

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung lehnte vor 6 Jahren den Vorabdruck von Martin Walsers „Tod eines Kritikers“ ab. Sie hielt das Buch zwar nicht für literarisch missglückt, seinen Autor Martin Walser und das Buch allerdings für antisemitisch. Der Vorwurf, den FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher 2002 in einem offenen Brief an Walser erhob, lautete:

Der Schriftsteller Walser spiele mit antisemitischen Klischees und hole symbolisch jenen Mord nach, dem der Jude Marcel Reich-Ranicki im realen Leben wider alle Wahrscheinlichkeit entkommen sei.

Martin WalserNun wird Martin Walsers neuer Roman „Ein liebender Mann“ überraschend nach der Kontroverse ausgerechnet in der FAZ vorabgedruckt.

„Ein liebender Mann“ kommt am 7. März in die Buchhandlungen. Darin schildert der 80-jährige Schriftsteller die Liebe des alternden Goethe zu der 19-jährigen Ulrike von Levetzow.

Der FAZ-Vorabdruck soll voraussichtlich in der zweiten Februarhälfte beginnen. Ein genaues Datum stand zunächst noch nicht fest. Am 27. Februar wird der Schriftsteller sein neues Werk in Weimar bei einer „Ur-Lesung“ vorstellen.

„Der Rowohlt-Verlag hat mit meinem Einverständnis den Roman der FAZ zum Vorabdruck angeboten, Schirrmacher hat positiv reagiert“, sagte Walser. Der Streit über die Vorab-Veröffentlichung in der Zeitung von „Tod eines Kritikers“ habe er zwar nicht vergessen. „Ich weiss, was passiert ist, ich habe mein Gedächtnis.“

Angesichts seiner vielfältigen Erfahrungen mit Kritikern sei er aber zu dem Schluss gekommen: „Der Kritiker muss nicht sein Urteil revidieren, das er irgendwann über mich gefällt hat. Es genügt, wenn er mit einem ganz anderen Buch genauso extrem gerecht wird, wie er früher extrem ungerecht geworden ist.“

Die Süddeutsche Zeitung fragt sich in der Wochenendausgabe vom 2/3. Februar: Wenn an der damaligen Aufregung irgendetwas dran war, was heißt das dann für die FAZ? „Wir drucken nur Ihre antisemitischen Bücher nicht, die zur Weimarer Klassik aber schon?“ Das Frivole dieses Vorgangs besteht darin, dass beide Seiten, der Ankläger wie der betroffenen Autor, den Antisemitismusvorwurf wie ein Geschmacksurteil behandeln, bei dem es naturgemäß geboten ist, irgendwann zur Tagesordnung zurückzukehren.

Ein liebender MannKurzbeschreibung zu Ein liebender Mann
Der 73-jährige Goethe †“ Witwer und so berühmt, dass sein Diener Stadelmann heimlich Haare von ihm verkauft †“ liebt die 19-jährige Ulrike von Levetzow. 1823 in Marienbad werden Blicke getauscht, Worte gewechselt, die beiden küssen einander auf die Goethe†™sche Art. Er sagt: Beim Küssen kommt es nicht auf die Münder, die Lippen an, sondern auf die Seelen. «Das war sein Zustand: Ulrike oder nichts.» Aber sein Alter holt ihn ein. Auf einem Kostümball stürzt er, und bei einem Tanztee will sie ein Jüngerer verführen. Der Heiratsantrag, den er Ulrike trotzdem macht, erreicht sie erst, als ihre Mutter mit ihr nach Karlsbad weiterreisen will. Goethe, mal hoffend, mal verzweifelnd, schreibt die «Marienbader Elegie». Zurück in Weimar, lässt ihn die eifersüchtige Schwiegertochter Ottilie nicht mehr aus den Augen. Martin Walsers neuer Roman erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe: bewegend, aufwühlend und zart. Die Glaubwürdigkeit, die Wucht der Empfindungen und ihres Ausdrucks †“ das alles zeugt von einer Kraft und (Sprach-)Leidenschaft ohne Beispiel.

Quelle: swissinfo.ch

Lesung mit Alain Finkielkraut und Peter Sloterdijk – NEUER TERMIN 21.02. im Literaturhaus

Alain Finkielkraut und Peter Sloterdijk
Was zählt, kehrt wieder. Über die ewige Wiederkehr des Überwundenen
Der dritte Münchner Dialog

ACHTUNG: NEUER TERMIN
Donnerstag, 21.2., 20 Uhr, Saal

Dolmetscher: Vincent von Wroblewski
AlainFinkielkraut Alain Finkielkraut (»Die Niederlage des Denkens«, 1990, »Die Undankbarkeit. Gedanken über unsere Zeit«, 2001) und Peter Sloterdijk PeterSloterdijk(zuletzt »Zorn und Zeit«, 2007, »Gottes Eifer. Vom Kampf der drei Monotheismen«, 2007) sind zwei der schöpferischsten Denker und streitbarsten europäischen Intellektuellen. An unvergessenen Abenden in München haben sie sich denkend (2005 zu Sartre, 2006 zu Hannah Arendt) geäußert und ausgetauscht. Den so begonnenen Diskurs setzen sie heute mit dem Thema der »ewigen Wiederkehr des Überwundenen« fort und knüpfen gleichzeitig an ihre 2003 begonnenen zeitdiagnostischen Gespräche an, die im Französischen als »Les battements du monde« erschienen waren.
Die deutsche Fassung wird im Herbst 2008 im Suhrkamp Verlag unter dem Titel »Was zählt, kehrt wieder« vorliegen, erweitert um die drei Münchner Dialoge.
Veranstalter: Stiftung Literaturhaus. Eintritt: Euro 10.- / 8.-
Die für den 19.2. reservierten Karten gelten auch für den 21.2. – sollte jemand diesen Termin nicht wahrnehmen können, bittet das Literaturhaus um einen Anruf unter 089-29 19 34-27.

Lesung mit Vladimir Sorokin
Donnerstag, 21.2., 20 Uhr
ACHTUNG: NEUER ORT
Bibliothek

Der Tag des Opritschniks
Lesung des deutschen Textes: Stefan Wilkening (Bayerisches Staatsschauspiel)
Wladimir_Georgijewitsch_Sorokin Vladimir Sorokin, geboren 1955, gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Russlands. Sein neuer Roman ist eine beißende Satire im Sinne von Huxley, Orwell und Burgess. Er beschreibt Russland im Jahr 2027:Der Tag des Opritschniki Abgeschottet vom Westen lebt es allein vom Gas- und Öl-export und seinen Handelskontakten nach China. Das Land ist von der Großen Russischen Mauer umgeben und wird re­giert von »Gossudar«, einem absoluten Alleinherrscher, der seine Macht mithilfe der Opritschniki, der »Auserwählten«, ausübt, einer Leibgarde, die vor keiner Bestialität zurückschreckt.
Mit Johanna Renate Döring-Smirnov, Professorin für Slavische Philologie in München, diskutiert Vladimir Sorokin über sein neues Buch und über das heutige Russland.
Veranstalter: Verlag Kiepenheuer & Witsch, Stiftung Literaturhaus
Eintritt: Euro 8.- / 6.-

Suhrkamp Verlag stellt Florian Havemanns „Havemann“ mit geschwärzten Stellen ins Netz

Weil ein anonymer Kläger seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah, war der Suhrkamp Verlag gezwungen das Buch von Florian Havemann „Havemann“ kurz vor Weihnachten 2007 zurückzuziehen. 7000 Exemplare waren bis dahin verkauft. Inzwischen wehren sich weitere Personen gegen ihre Charakterisierung in dem drei Generationen umfassenden Zeitgemälde. Lt. Verlagssprecher Thomas Sparr sind es eine gute Hand voll, die Einsprüche werden zur Zeit geprüft, es seien nicht alle berechtigt. Havemanns Schwester, Sibylle wehrte sich in einem offenen Brief gegen den „Missbrauch des Namens“ und die „Verletzung der Integrität von Menschen“. Das Buch sei „kokett, missgünstig, hämisch“ usw.

Der Suhrkamp Verlag will nun das überarbeitete Buch mit geschwärzten Stellen ins Netz stellen, später soll es auch eine Neuerscheinung in Buchform geben.

Ohne Rücksicht auf Dogmen und Personen schildert der 1952 geborene Sohn des Chemikers, Kommunisten und Dissidenten Robert Havemann seine, programmatisch als eigene, „nur meine Wahrheit“ bezeichnete Sicht. So suggeriert er, dass Wolf Biermann und Margot Honecker sexuelle Kontakte pflegten. Aber weder Biermann noch Honecker haben gegen die Darstellung geklagt.

HavemannInhalt
Heftig, wie ein Wintergewitter kommt Havemann über Berlin, über Deutschland, Ost- wie West-, So vieles ist umzudrehen und anzuzweifeln, zu enthüllen und aufzudecken, zu ergänzen und geradezurücken, so vieles zum ersten Mal zu erzählen, wenn die Geschichte der Familie Havemann über drei Generationen bis hinein in die unmittelbare Gegenwart ihres Autors dargestellt †“ oder wie Havemann sagt: „behauptet†œ – werden soll.
Über die geteilte Stadt hat man uns viel erzählt: Ostberlin, den sowjetischen Sektor, die Hauptstadt der untergegangenen DDR, die in Anekdoten und Geschichten von offiziellen und inoffiziellen Mitarbeitern, Amtsträgern und Ausgewiesenen überlebt. Fast zwanzig Jahre nach dem Mauerfall jedoch ist Ostberlin, dieser Eigenkosmos mit Außenwirkung, noch immer ein Rätsel. Was geschah damals in Ostberlin wirklich, in der inzestuös übersichtlichen Enge, in der Kultur nicht ohne Politik, Abweichung nicht ohne Staatssicherheit, Loyalität nicht ohne Verrat zu haben waren? Druck und Herausforderung †“ wie haben sie Leben, Werk, Verhalten der Akteure bis heute geprägt?
In welcher Wahrheit haben wir uns eingerichtet?
Des Autors großer Bericht über Familie Havemann, Vater Robert, den bekanntesten Dissidenten der DDR,
und das eigene Leben in Ostberlin und, ab 1971, in Westdeutschland – als junger Rebell, Künstler, Linker, Flüchtling, als Außenseiter mit Ambitionen, künstlerischen und politischen, und als Verfassungsrichter-wirft, ohne mit Hieben und Seitenhieben zu sparen, zahllose Einsichten und Antworten ab. Havemann erzählt, klärt auf und greift ein.
Havemann provoziert.

Florian Havemann„Alle kennen Havemann. Keiner kennt Havemann“.
Der Großvater: Hans Havemann, Doktor der Philosophie, Gymnasiallehrer, Autor von Theaterstücken, philosophischen Büchern, Zeitungsredakteur, Feuilletonchef, dann Geologe, Arbeit in der Akademie der Wissenschaften der DDR, 1933 Mitglied der NSDAP, dann 1946 der SED.
Der Vater: Robert Havemann, Doktor der Philosophie, Naturwissenschaftler, Erfinder, Institutsdirektor, Professor, Autor, Widerstandskämpfer, durch die Nazis zum Tode verurteilt, Mitglied der SED, Abgeordneter der Volkskammer der DDR, Oppositioneller, Dissident, unter Hausarrest.
Der Sohn: Florian Havemann, Maler, Komponist, Autor, Arbeit als Elektriker, Reinigungskraft, Bühnenbildstudium, 1968 in der DDR wegen staatsfeindlicher Hetze im Gefängnis, Flucht in den Westen, Verfassungsrichter im Lande Brandenburg, Kandidat der PDS für die Bundestagswahl 2002«
Florian Havemann

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Suhrkamp Verlag, Wikipedia

Gran Sol von Ignacio Aldecoas – ein großartiger Seefahrer-Roman

Gran Sol Klappentext
Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen. Ignacio Aldecoa erzählt die Fahrt von dreizehn kantabrischen Fischern zu der Fischbank Gran Sol westlich von Irland. Die Männer mit ihren unterschiedlichen Temperamenten bilden eine Schicksalsgemeinschaft in einer Welt von salziger Nässe und klammer Scheußlichkeit: Sie zweifeln, streiten, trinken und träumen, schuften bis zum Umfallen, hadern mit dem Verlust ihrer Heimat und der Sehnsucht nach ihren Frauen. Sie sind allein mit sich auf dem urgewaltigen Meer, das ihnen Ort ewiger Bewährung ist.

Über das Produkt
Mit Gran Sol hat Ignacio Aldecoa ein zeitloses Werk über des Menschen Arbeit, die Liebe und den Tod geschaffen. Sein Mittel ist ein Realismus, der den Leser völlig absorbiert: Es ist das nackte Leben, das in diesem Roman pulsiert. Das macht Gran Sol zu einem literarischen Ereignis von ungeheurer Dichte, Faszination und archetypischer Gültigkeit (Kindlers Neues Literatur Lexikon).
Ausgezeichnet mit dem Kritikerpreis Premio de la Cr¡tica, der in Spanien für höchste literarische Anerkennung steht, zählt Gran Sol zu den wichtigsten Romanen des 20. Jahrhunderts. Ignacio Aldecoa erzählt die Fahrt von dreizehn kantabrischen Fischern zu der Fischbank Gran Sol westlich von Irland. Die Männer mit ihren unterschiedlichen Temperamenten bilden eine Schicksalsgemeinschaft in einer Welt von salziger Nässe und klammer Scheußlichkeit: Sie zweifeln, streiten, trinken und träumen, schuften bis zum Umfallen, hadern mit dem Verlust ihrer Heimat und der Sehnsucht nach ihren Frauen. Sie sind allein mit sich auf dem urgewaltigen Meer, das ihnen Ort ewiger Bewährung ist.

Rezensionen von Tobias Lehmkuhl auf NDR Kultur vom April 2007 und auch hier unter dem Titel Nordwind ist Mordwind.