KrimiWelt-Bestenliste Oktober 2008

Platz 1 : Mariaschwarz von Heinrich Steinfest

Kurzbeschreibung
Gibt es die perfekte Beziehung? Am ehesten wohl bei jener Symbiose, die ein Wirt und sein Gast eingehen. Wie zwischen Job Grong, dem Wirt, und Vinzent Olander, seinem Gast. Bis zu dem Tag, als Grong ihn vor dem Ertrinken in einem See rettet. Danach ist alles anders. Der See ist ein tiefes Gewässer, das den Namen Mariaschwarz trägt und von dem die Einheimischen meinen, in ihm würde sich nicht nur das Weltall spiegeln, sondern auch ein Ungeheuer beheimatet sein. Als man ein Skelett aus jenem See birgt, ruft das den Wiener Kriminalinspektor Lukastik auf den Plan. Mit famoser Arroganz und gewohnt unkonventionellen Ermittlungsmethoden tritt er in das Leben der Dorfbewohner und stellt Mariaschwarz gewissermaßen auf den Kopf. Doch an manchen Beziehungen gibt es nichts zu rütteln.

Platz 2 : Fragen Sie den Papagei von Richard Stark

Kurzbeschreibung
Kennen Sie Parker? Er ist das durch und durch Böse. Parker ist nach einem Banküberfall auf der Flucht, verfolgt von einer Meute Polizisten mit Spürhunden. Reiner Zufall, dass er auf Tom Lindahl stößt, einen Außenseiter mit Papagei, der ihm eine Fluchtmöglichkeit und ein Dach über dem Kopf bietet. In dem tristen kleinen Ort in Massachusetts schmieden die beiden einen nicht ungefährlichen Plan, und jeder, der diesem in die Quere kommt, scheitert an Parkers Skrupellosigkeit. Parker ist „der hartgesottenste unter den Hartgesottenen, ein wahrhaft furchterregender Typ“ (The Guardian). Mit diesem Thriller beginnt Zsolnay die Wiederentdeckung des Autors Richard Stark. Viele Parker-Romane wurden verfilmt, darunter „Point Blank“ mit Lee Marvin in der Hauptrolle.

Platz 3 : Die Verschwundenen von Jean-François Vilar

Kurzbeschreibung
„Vilar versteht es scheinbar mühelos, mit Zeitebenen zu jonglieren. Es gibt, was die Durchdringung zeitgeschichtlicher Themen angeht, keinen besseren Schriftsteller, keinen, der handwerklich so souverän, inhaltlich so originell und sprachlich so meisterlich wäre. Er macht die Vergangenheit zu einem gegenwärtigen Stoff“ (Aus dem Nachwort von Christian v. Ditfurth). »Sie mögen Paris, die Revolution, den Roman noir, Unverschämtheiten? Vier Gründe, die Romane von Vilar mit Spannung zu verfolgen« (La Quinzaine Littéraire).

Platz 4 : Weißer Schatten von Deon Meyer

Kurzbeschreibung
Er nennt sich Lemmer, er ist weiß, und sein Job ist es, unsichtbar zu sein. Er ist der Bodyguard im Schatten. Als Emma le Roux, eine weiße Südafrikanerin, ihn anheuert, hofft Lemmer auf einen schnellen, harmlosen Job. Er soll Emma zum Krüger Nationalpark begleiten. Sie meint, ihren vor zwanzig Jahren verschwundenen Bruder in den Fernsehnachrichten gesehen zu haben. Angeblich hat er skrupellos vier Wilderer ermordet, die ein Reservat überfielen. Kaum sind sie im Krüger-Park angekommen, muss Lemmer eine giftige Schlange töten, die jemand in Emmas Apartment geschmuggelt hat. Er begreift, dass er einer Sache auf der Spur ist, die etliche Nummern zu groß und zu gefährlich für ihn ist. Dann, nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht, wird Emma schwer verletzt. Allein versucht Lemmer, ihren Angreifer zu finden. Der Showdown beginnt.

Platz 5 : Die dunkle Unermesslichkeit des Todes von Massimo Carlotto

Kurzbeschreibung
„Die dunkle Unermesslichkeit des Todes“erzählt von zwei Männern und einem brutalen Verbrechen, das die beiden untrennbar miteinander verbindet. Zwei Lebensgeschichten werden raffiniert verwoben zu einer wütenden Anklage gegen eine Gesellschaft, in der es keine Wiedergutmachung und keinen Trost geben kann. Eine große Geschichte über Rache und Vergebung.Silvio Contin, Weinhändler in einer venezianischen Kleinstadt, führt ein unbeschwertes Leben mit seiner hübschen Frau und einem kleinen Sohn. Doch eines Tages nehmen zwei Männer bei einem Raubüberfall Frau und Sohn als Geiseln und töten sie kaltblütig. Der Verlust lässt Contin tief fallen, bis ihn 15 Jahre nach der Tragödie ein Gnadengesuch des inhaftierten und mittlerweile schwer kranken Mörders, Raffaello Beggiato, erreicht. Langsam begreift Contin, dass dies die Chance seines Lebens ist: Rache.“Die dunkle Unermesslichkeit des Todes“ist ein Roman von erzählerischer Radikalität und rasender Spannung.

Platz 6 : Der Nebel von gestern von Leonardo Padura

Der Nebel von gesternKurzbeschreibung
»Havanna war die aufregendste Stadt der ganzen Welt! Die Nacht hörte nie auf. Als wärs das Normalste der Welt, hast du zwischen Marlon Brando und Cab Calloway gesessen, gleich neben Errol Flynn und Josephine Baker. Mit all den verrückten Leuten, den besten Musikern, die Kuba je hervorgebracht hat. Kannst du dir das vorstellen?« Not macht erfinderisch. Auch Mario Conde, der sich als Antiquar durchs Leben schlägt – kein schlechtes Geschäft in Zeiten, in denen viele Kubaner ihre Bücher zu Geld machen müssen. Eines Tages stößt Conde auf eine außerordentlich wertvolle, seit vierzig Jahren vergessene Bibliothek. All seine Geldsorgen scheinen mit einem Schlag gelöst. Doch dann entdeckt er zwischen den bibliophilen Kostbarkeiten eine Zeitschrift aus den Fünfzigerjahren mit dem Porträt der Bolero-Sängerin Violeta del Río. Ihr Bild und die einzige Schallplatte, die sie vor ihrem rätselhaften Tod aufgenommen hat, verzaubern ihn. Er macht sich auf die Suche nach ihr und dringt vor in das Havanna von gestern, zu den letzten Zeugen jener wilden Jahre, in die Welt der Boleros, der Mafia und der Spielhöllen, aber auch in das zerfallende, melancholische Havanna der Gegenwart.

Platz 7 : Portugiesische Eröffnung von Jenny Siler

Portugiesische EröffnungKurzbeschreibung
Nicole Blake streift durch Lissabon, vom Bairro Alto bis zum Gassengewirr der Alfama. Sie fragt in Cafés, Läden, Fälscherwerkstätten. Sie muss ihn finden, Rahim Ali, ihren früheren Geliebten. Der Auftrag kommt direkt vom US-Verteidigungsministerium. Eigentlich wollte Nicole nichts mehr mit ihrer Vergangenheit zu tun haben, und jetzt erinnert sie doch alles an früher, mit einer Ausnahme: Ihr arabischer Exfreund steht unter Terrorverdacht.
Jenny Silers atmosphärischer Thriller erzählt die Geschichte eines großangelegten Verrats, der der Vorbereitung des Irakkriegs dient. Die Suche nach der Wahrheit führt ihre Heldin zum ersten Golfkrieg und den Konflikten im Libanon der achtziger Jahre, wobei sie auch den Geheimnissen ihrer Familie auf die Spur kommt.

Platz 8 : Der Fahrer von Andrew Vachss

Kurzbeschreibung
Die Karriere als Fluchtfahrer ist Eddie gewissermaßen vorherbestimmt schon lange vor dem Führerschein, war er fasziniert vom Autofahren. Sein Leben als Kleinkrimineller nimmt eine Wendung, als er J.C. begegnet. Das Superhirn einer hochprofessionellen Gang schätzt Eddies bedingungslose Loyalität ebenso wie sein Geschick am Steuer und heuert ihn für einen letzten großen Coup an. Alles läuft glatt bis eine Frau dazwischenfunkt.

Platz 9 : Tödliche Schlagzeilen von Michael Collins

Kurzbeschreibung
Ein Journalist auf der Spur eines abscheulichen Verbrechens
Früher eine Hochburg industrieller Produktion, ist die kleine amerikanische Stadt, in der Bill lebt, nur noch eine verlassene Ruine ihrer selbst. Und ihre Bewohner sind traurige Verlierertypen. Auch Bill verzweifelt an seinen banalen Artikeln für das Lokalblatt „Daily Truth“, und schreibt heimlich an seinem großen Essay zum Niedergang des amerikanischen Traums. Dann kommt plötzlich eines Nachts der alte Lawson nicht mehr nach Hause. Und Ronny, sein Sohn, gerät unter Mordverdacht. Die Stadt berauscht sich an dem Skandal, den Bill mit seinen Berichten anheizt. Bis er sich zu fragen beginnt, was wirklich hinter dem Verschwinden des alten Mannes steckt …

Platz 9 : Die Augen der Medusa von Bernhard Jaumann

Kurzbeschreibung
Frost liegt auf den Feldern von Montesecco. Doch eine Explosion zerstört die friedliche Winterlandschaft: Die Limousine von Staatsanwalt Malavoglia wurde von einer Granate getroffen. Am nächsten Tag kesselt eine Spezialeinheit der italienischen Polizei ganz Montesecco ein und arbeitet sich zum Haus des 17-jährigen Vannoni vor. Binnen kurzem belagern Journalisten das kleine Bergdorf in der Mitte Italiens. Nach Gutdünken drehen sie den Einwohnern das Wort im Mund um. Schnell wird Montesecco zum kriminellsten Ort des Landes, wo aus einem übersensiblen Jungen ein Killer wird. Es dauert lange, bis die Bewohner aus ihrer Agonie erwachen. Denn Montesecco ist in Gefahr. Und es geht um alles.

Quelle: arte.tv

Der Name des Windes von Patrick Rothfuss

Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik. Erster Tag

Ein amerikanisches Magazin hat „Der Name des Windes“ bereits mit der Trilogie  „Der Herr der Ringe“ verglichen. Die Fantasy-Szene ist begeistert von dem ersten Teil der „Königsmörder-Chronik“, die auch als Trilogie angelegt ist.

In „Der Name des Windes“ erzählt Patrick Rothfuss die Geschichte von Kvothe, dem berühmtesten Zauberer seiner Zeit.

Denis Scheck legt uns dieses „zauberhafte“ Buch am 05. Oktober 2008  in seiner Literatursendung Druckfrisch mit folgender Begründung ans Herz:

Fehlt es Ihrem Leben an Magie? Ich spreche nicht von Varietéschnickschnack, also verschwundenen Elefanten oder weggehexten weißen Tigern á la David Copperfield oder Siegfried und Roy. Ich spreche von echter Magie, Magie, wie Fantasy-Leser sie von Tolkien, J.K. Rowling oder Cornelia Funke kennen.

Sollten Sie diese Art von Magie in Ihrem Alltag gerade vermissen, dann habe ich genau das Richtige für Sie: „Der Name des Windes“, ein exzeptionell intelligenter Fantasy-Roman von Patrick Rothfuss.

Es gibt gar nicht wenige Menschen, die können bestimmte Arten von Literatur nicht ausstehen. Sie mögen einfach keine Fantasy oder keine Sciencefiction, so wie man vielleicht keine Muscheln mag oder keinen Brokkoli. Mir liegt es fern, hier missionieren zu wollen †“ höchstens durch den Hinweis, dass unser Leben und unsere Literatur schon armselig genug sind, auch ohne dass man die Palette des Möglichen noch mutwillig einschränkt.

Patrick Rothfuss‘ epische Geschichte ist ein moderner Mythos darüber, wie Mythen entstehen. „Der Name des Windes“ erzählt die Lebensgeschichte eines jungen Musikers und Wanderschauspielers, dessen Familie mitsamt ihrer Truppe eines Tages aus heiterem Himmel ermordet wird. Kvothe, so wird sich der Musiker und Magier später nennen, ist der einzige Überlebende, und alles, was er von der Bluttat weiß, deutet auf einen Zusammenhang mit einem uralten Mythos, der schon fast in Vergessenheit geraten ist.

Kvothe fühlt sich dabei in etwa so, wie Sie es tun würden, wäre Ihnen in unsere Welt ein Leid geschehen und Sie könnten der Polizei als Täterbeschreibung nur den großen bösen Wolf nennen. Das ist der Ausgangspunkt eines Romans, der mitreißend neu uralten Zauber wirkt. Für mich ist „Der Name des Windes“ die überzeugendste Fantasy seit Tolkiens „Der Herr der Ringe“, Roman von Musik und Magie, der sich wie eine Kreuzung aus Bob Dylan und Jack Vance liest.

Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie Patrick Rothfuss‘ „Der Name des Windes“, deutsch von Jochen Schwarzer, erschienen im Verlag Klett-Cotta.

Klappentext
„Vielleicht habt ihr von mir gehört“ … von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot – „sie haben einfach die falschen Lieder gesungen“. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken.

Im Mittelpunkt dieses Leseabenteuers steht ein großer Magier und leidenschaftlicher Wissenschaftler, ein Musiker, dessen Lieder die Sänger zum Weinen bringen … und ein schüchterner Liebhaber.

Mit Der Name des Windes legt Patrick Rothfuss den ersten Teil der Königsmörder-Chronik-Trilogie vor, der in den USA bei Kritikern und Fantasylesern begeistert aufgenommen wurde und schon bald einen der vorderen Plätze in der New York Times Bestsellerliste belegte.

Der Bestseller-Autor Terry Brooks schreibt: „Der Name des Windes stellt das Debüt eines Autors dar, den wir lieber im Auge behalten sollten.“ Das Magazin „The Onion“ gibt den Lesern folgenden Rat: „Stellen Sie Der Name des Windes neben Der Herr der Ringe ins Regal und erwarten Sie den Tag, an dem beide in einem Atemzug genannt werden, vielleicht als Erste unter Gleichen.“

2007 wurde Patrick Rothfuss für seinen Roman Der Name des Windes mit dem Quill Award sowie dem Pulishers Weekly Award für das beste Fantasy-Buch des Jahres ausgezeichnet.

Über den Autor
Patrick Rothfuss, geboren am 06. Juni 1973 in Madison, Wisconsin, USA, ist ein US-amerikanischer Fantasy-Schriftsteller. 1991 begann er sein Studium an der Universität von Wisconsin, das er 1999 mit einem Bachelor of Arts abschloss. An der Washington State University setzte er sein Studium fort und graduierte mit einem Master of Arts. Seitdem lehrt er an der Universität von Wisconsin. Im März 2007 veröffentlichte er sein erstes Buch The Name of the Wind, das im selben Jahr mit dem Quills Award ausgezeichnet wurde.

Werke
The Kingkiller Chronicle (deutsch: Die Königsmörder-Chronik)

1. The Name of the Wind, März 2007 (deutsch: Der Name des Windes, erschien im September 2008)
2. The Wise Man’s Fear, geplant Oktober 2008
3. The Doors of Stone, geplant 2009 (Arbeitstitel)

Leseprobe

Prolog. Eine dreistimmige Stille

Es war wieder Abend geworden. Das Wirtshaus zum Wegstein lag still da, und es war eine dreistimmige Stille.

Die vernehmlichste der dreifachen Stille war dumpf und lastend und verdankte sich dem, was fehlte. Hätte ein Wind geweht, so hätte er in den Bäumen geseufzt, hätte das Wirtshausschild quietschend zum Schaukeln gebracht und die Stille wie trudelndes Herbstlaub die Straße hinabgeweht. Wäre das Wirtshaus gut besucht gewesen, hätten sich dort auch nur eine Handvoll Männer aufgehalten, so hätten sie die Stille mit Geplauder und Gelächter erfüllt, mit dem Radau und Bohei, den man in dunklen Abendstunden in einer Schenke erwartet. Wäre Musik erklungen … aber nein, natürlich erklang keine Musik. All das fehlte, und so blieb es still.

Im Schankraum saßen zwei Männer an einem Tresenende beieinander. Sie tranken mit stiller Entschlossenheit und mieden ernsthafte Gespräche über beunruhigende Neuigkeiten. Und indem sie das taten, fügten sie der großen, dumpfen Stille eine kleine, mürrische hinzu. Daraus entstand eine Art Legierung, ein Kontrapunkt.

Die dritte Stille war weit weniger vernehmlich. Hätte man eine Stunde lang gelauscht, so hätte man vielleicht begonnen, sie im Dielenboden des Raumes oder in den Holzfässern hinterm Tresen zu erahnen. Sie lag in der steinernen Masse des schwarzen Kamins, der noch die Wärme eines erloschenen Feuers barg. Sie lag im langsamen Hin und Her eines weißen Leinentuchs, das die Maserung des Tresens entlangfuhr. Und sie lag in den Händen des Mannes, der dort stand und eine Mahagonifläche polierte, die bereits im Lampenschein glänzte.

Der Mann hatte leuchtend-, ja flammenrotes Haar. Seine Augen blickten dunkel und abwesend, und er bewegte sich mit einer Sicherheit, die sich aus vielfältigem Wissen speiste.

Das Wirtshaus gehörte ihm, wie ihm auch die dritte Stille gehörte. Und das war nur recht und billig so, denn sie war die größte der dreifachen Stille und schloss die anderen ein. Sie war so tief und so weit wie der Spätherbst. Sie wog so schwer wie ein großer, vom Fluss glatt geschliffener Stein. Es war der geduldige, schnittblumenhafte Laut eines Mannes, der darauf wartet zu sterben.
Fortsetzung der Leseprobe hier bei Klett-Cotta

Gebundene Ausgabe: 910 Seiten, Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1 (September 2008), 24,90 Euro

Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 41/2008

Platz 1 : Feuchtgebiete von Charlotte Roche

FeuchtgebieteKurzbeschreibung
Nach einer missglückten Intimrasur liegt die 18-jährige Helen auf der Inneren Abteilung von Maria Hilf. Sie wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern, in der irren Hoffnung, die beiden könnten sich am Krankenbett der Tochter endlich versöhnen. Unterdessen nimmt sie jene Bereiche ihres Körpers unter die Lupe, die gewöhnlich als unmädchenhaft gelten, und lässt Krankenpfleger Robin die Stellen fotografieren, die sich ihrem neugierigen Blick entziehen. Nebenher pflegt sie ihre Sammlung von Avocadokernen, die ihr auch in sexueller Hinsicht wertvolle Dienste leisten. Selbst wenn Helens Besessenheit eine Notoperation nötig werden lässt – ihr ungestümer Witz und ihre Wahrhaftigkeit machen sie zu einer Sensation nicht nur auf der Station des Krankenhauses. Sie spricht aus, was andere nicht einmal zu denken wagen. »Feuchtgebiete« ist eine Exkursion zu den letzten Tabus der Gegenwart. Mutig, radikal und provokant rebelliert Charlotte Roches Roman gegen Hygienehysterie und die sterile Ästhetik der Frauenzeitschriften, gegen den standardisierten Umgang mit dem weiblichen Körper und seiner Sexualität – und erzählt dabei die wunderbar wilde Geschichte einer ebenso genusssüchtigen wie verletzlichen Heldin. -> hier steht was Denis Scheck von dem Buch hält

Platz 2 : Der kleine Bruder von Sven Regener

Kurzbeschreibung

Der lang erwartete Mittelteil der Lehmann-Trilogie von Sven Regener
„Neues Leben hin, neues Leben her, dachte Frank, es sollte nicht mit der Fahrt durch einen langen, dunklen Tunnel beginnen. Oder vielleicht doch, dachte er, als in der Ferne die hell strahlende Grenzkontrollstelle auftauchte wie ein frisch gelandetes Raumschiff. Oder vielleicht gerade doch.“
Berlin-Kreuzberg, November 1980: Im Schatten der Mauer gedeiht ein Paralleluniversum voller Künstler, Hausbesetzer, Kneipenbesitzer, Kneipenbesucher, Hunde und Punks. Bier, Standpunkte, Reden, Verräterschweine †” alles ist da. Nur eins fehlt: jemand, der alles mal richtig durchdenkt †” Frank Lehmann aus Bremen. Nachdem seine WG dort vom Gesundheitsamt geschlossen wurde, das Zimmer bei seinen Eltern zum Fernseherreparieren benötigt wird und er nach kühnem Ausbruch aus dem Wehrdienst noch keinen Plan hat, fährt er erst mal nach Berlin †” zu seinem großen Bruder Manni, der dort als Künstler lebt und eine große Nummer ist. Dachte er. Doch Manni ist weg. Weder sein Vermieter Erwin Kächele noch dessen Nichte Chrissie oder sein Mitbewohner Karl haben eine Ahnung, wo Manni steckt. Außerdem nennen sie ihn nicht Manni, sondern Freddie. Und haben sofort eine konkrete Idee davon, was Frank zu tun hat: Anstelle seines Bruders an einem kurzfristig anberaumten Krisenplenum teilnehmen.
Damit beginnt eine lange Nacht, in der Frank Lehmann lernt, dass in einer Welt, in der alle Künstler sein wollen, nichts notwendigerweise das ist, als das es erscheint, und in der er mehr über seinen Bruder erfährt, als er wissen will, aber nie das, wonach er fragt.
Und mit einer Nacht ist es nicht getan, denn wie sagt Karl, der Typ, den Frank auf Anhieb nicht mag und der sein bester Freund werden wird: „Das ist wie in der Geisterbahn. Jetzt sind alle eingestiegen, und der Bügel geht runter, und dann müssen das auch alle bis zu Ende mitmachen …“

Platz 3 : Die souveräne Leserin von Alan Bennett

Kurzbeschreibung
Wer hätte gedacht, dass eine Liebeserklärung an die Queen und die Literatur so gut zusammenpassen? Die Hunde sind schuld. Beim Spaziergang mit der Queen rennen sie los, um den allwöchentlich in einem der Palasthöfe parkenden Bücherbus der Bezirksbibliothek anzukläffen. Ma’am ist zu gut erzogen, um sich nicht bei dem Bibliothekar zu entschuldigen, leiht sich ebenfalls aus Höflichkeit ein Buch aus – und kommt auf den Geschmack.
Die Auswirkungen der majestätischen Leselust sind unvorhersehbar, die Grundfeste des Buckingham Palace werden jedenfalls gehörig durcheinander gewirbelt und für den Leser bleibt kein Auge trocken. -> Leseprobe beim Wagenbach Verlag

Platz 4 : Schweigeminute von Siegfried Lenz

ScheigeminuteKurzbeschreibung
Stella Petersen war zweifellos eine der beliebtesten Lehrerinnen am Lessing-Gymnasium. Ihre Lebensfreude, ihre Intelligenz und Belesenheit verschafften ihr die Anerkennung und den natürlichen Respekt des Kollegiums wie den ihrer Schüler. Und gewiss führte die Liebe zu ihrem Schüler Christian, die über das ungleiche Paar am Ende der Sommerferien hereinbrach, zu jener Verwirrung der Gefühle deren Intensität und Kraft beide überwältigt. Siegfried Lenz hat eine großartige Novelle geschrieben über die Liebe eines Gymnasiasten zu seiner Englischlehrerin, eine Geschichte über das Erwachsenwerden und das Erwachsensein, eine Geschichte, in der unbeschreibliches Glück neben tief empfundener Trauer steht. -> kurze Leseprobe

Platz 5 : Die Tore der Welt von Ken Follett

Die Tore der WeltKurzbeschreibung
England im Jahre 1327. Es ist der Tag nach Allerheiligen. In der Stadt Kingsbridge trifft sich im Schatten der Kathedrale das Volk. Vier Kinder flüchten vor dem Trubel in den nahe gelegenen Wald. Dort werden sie Zeugen eines Kampfes – und eines tödlichen Geheimnisses. Merthin, ein Nachfahre von Jack Builder, dem Erbauer der Kathedrale, hat dessen Genie und rebellische Natur geerbt. Sein starker Bruder Ralph strebt den Aufstieg in die Ritterschaft an. Caris, Tochter eines Wollhändlers, hat den Traum, Arzt zu werden. Gwenda, Kind eines Taglöhners, will nur ihrer Liebe folgen. Und da ist noch Godwyn, Caris†™ Vetter, ein junger Mönch, der entschlossen ist, Prior von Kingsbridge zu werden. Koste es, was es wolle. Ehrgeiz und Liebe, Stolz und Rache werden den Weg dieser Menschen bestimmen. Pest und Krieg werden ihnen das Liebste nehmen, was sie besitzen. Glück und Unglück werden sie begleiten Doch sie werden die Hoffnung niemals aufgeben. Und immer wird der Schwur sie verfolgen, den sie an jenem schicksalhaften Tage leisteten. -> mehr Infos zu dem Buch

Platz 6 : Brida von Paulo Coelho

Kurzbeschreibung
„Aber woran erkennt man den Mann oder die Frau seines Lebens?“, fragte Brida. „Du musst etwas riskieren“, war die Antwort. „Dabei wirst du oft scheitern, du wirst enttäuscht werden, desillusioniert. Aber wenn du nie aufhörst, nach deiner Liebe zu suchen, wirst du sie am Ende finden.“ Eine bewegende Geschichte über Liebe, Mut und eine spirituelle Form der Erotik.

Platz 7 : Die Eleganz des Igels von Muriel Barbery

Die Eleganz des IgelsKurzbeschreibung
Der große Bestseller aus Frankreich: Muriel Barberys Roman über eine kleine, hässliche, aber ungemein gebildete Concierge in Paris und eine altkluge Tochter reicher Eltern. Hinreißend komisch und zuweilen bitterböse erzählen die beiden sehr sympathischen Figuren von ihrem Leben, ihren Nachbarn im Stadtpalais, von Musik und Mangas, von Gott und der Welt. Eine großartige Gesellschaftssatire, ein sehr intelligenter Führer durch Kunst und Philosophie, die höchst unterhaltsame und anrührende Geschichte zweier Außenseiter. -> mehr Infos zu dem Buch

Platz 8 : Der Katalane von Noah Gordon

Kurzbeschreibung
Eine mitreißende Mischung aus Spannungsroman, Familiengeschichte, Liebesdrama und Historienepos Vier lange Jahre war Josep Àlvarez im fernen Languedoc, um die große Kunst des Weinmachens zu erlernen – und um sich vor den Schergen zu verstecken, die den Grafen von Reus des Nächtens in Madrid kaltblütig ermordet hatten. Nun, zurück in seinem Heimatdorf, hofft Josep, dass er sich seinen Lebenstraum erfüllen kann. Vollmundigen Wein möchte er auf dem Gut seiner Väter kultivieren. Doch die Reben sind vertrocknet, die Geldforderungen seines Bruders für den Erbhof horrend. Tapfer nimmt Josep zusammen mit seiner Geliebten den Kampf ums Überleben auf, bis ihn die Vergangenheit einholt … Katalonien 1870. Josep erstarrt, als die Schüsse fallen. Der Mann sollte eigentlich nur verhaftet werden. Aus Angst vor den Schergen, die das Leben des Grafen von Reus Juan Prim auf dem Gewissen haben, flieht Josep über die Grenze ins Languedoc. Im französischen Exil entdeckt er seine Leidenschaft für Wein – und träumt schon bald davon, die Kunst des Weinmachens in seine Heimat zu bringen. Als ihn eines Tages die Nachricht vom Tod seines Vaters ereilt, kehrt Josep zurück. Doch ob es ihm gelingen wird, in einer Region, in der Winzer wie sein Vater bisher nur Essig erzeugen konnten, süffigen Wein zu keltern? Außerdem ist das Familiengut heruntergekommen, die Rebstöcke tragen kaum Frucht. Und sein Bruder, der rechtmäßige Erbe des Hofs, presst aus Josep auch noch den letzten cèntim. Josep beginnt gerade, alle Schwierigkeiten zu meistern, er hat eine Frau gefunden, die seinen Traum teilt, da taucht jener Mann im Dorf auf, der weiß, dass Josep als Einziger den Mord an Juan Prim bezeugen kann. Bleibt Josep wieder nur die Flucht?

Platz 9 : Brisingr von Christopher Paolini

Kurzbeschreibung
ACHTUNG! hier handelt es sich um die englischsprachige Originalausgabe. Brisingr ist der Originaltitel des 3. Teils von Eragon. In Deutschland erscheint Eragon 3 am 25. Oktober unter dem Titel „Die Weisheit des Feuers„.

Schlachten, große Abenteuer und ein Tod, der alles verändern wird … Die Schlacht auf den brennenden Steppen haben die Rebellen gewonnen – und wieder brauen sich die dunklen Wolken des Krieges über Alagaësia zusammen. Galbatorix und seine Armee warten nur auf den geeigneten Zeitpunkt für einen Vergeltungsschlag. Varden, Elfen und Zwerge brauchen Eragons magische Fähigkeiten so dringend wie nie zuvor, aber der Drachenreiter hat den Schwur, den er seinem Cousin Roran gab, nicht vergessen: Im Helgrind, dem Unterschlupf der grausamen Ra’zac, wartet Rorans geliebte Katrina auf ihre Rettung. Ungeahnte Gefahren lauern dort, doch sie sind erst der Beginn einer abenteuerlichen Reise, die Eragon und seinen Drachen Saphira bis über die Grenzen des Königreichs führt.
Diese Kurzbeschreibung bezieht sich auf die Deutsche Ausgabe von Brisingr – Die Weisheit des Feuers, Teil 3 der Eragon – Saga. Die Weisheit des Feuers ist ab 25. Oktober im Handel. Mehr zu die „Weisheit des Feuers“ einschließlich Leseprobe siehe hier.

Platz 10 : Weiberabend

Kurzbeschreibung
Acht ganz verschiedene Frauen versammeln sich zur Pyjamaparty: Ohne Männer, ohne Kinder, mit köstlichem Essen und einer Menge Alkohol. Und diese Nacht hat es in sich! Geheimnisse werden enthüllt und Freundschaften auf die Probe gestellt, wenn sich Joanne und ihre Freundinnen in Helens Landhaus treffen und die Nacht durchquatschen. Zwischen Erdbeer-Daiquiris, Garnelen-Koriander-Curry und Schokolade bis zum Abwinken geht es auch ans Eingemachte: Ist es besser, seinen Kindern in allem vollkommene Freiheit zu lassen, selbst wenn man es nur mit Beruhigungsmitteln ertragen kann? Oder ist alles eine Frage des richtigen Kinesiologen? Was macht man, wenn das Kind Bettnässer ist, und wer hat heute überhaupt noch Zeit für Sex?

Quelle: Spiegel Online

Druckfrisch mit Denis Scheck am 05.10. um 23.35 Uhr in der ARD

Am 05. Oktober wird um 23.35 Uhr in der ARD die Sendung Druckfrisch mit Denis Scheck ausgestrahlt. Das Programm prophezeit eine vergnügliche, informative halbe Stunde.

Denis Scheck stellt vor:
Reiner Stach: Kafka. Die Jahre der Erkenntnis
Hinter all den Mythen, Interpretationen, Geheimnissen und Legenden findet Reiner Stach endlich den wahren Franz Kafka, den Menschen, der zu einem der größten Autoren des 20. Jahrhunderts nicht zuletzt deshalb wurde, weil er als einer der ersten das Leben eines modernen Mannes führte.

Denis Scheck spricht mit:
Orhan Pamuk über das „Das Museum der Unschuld“.
Istanbul in den siebziger Jahren, ein Playboy, eine Verlobung, eine blutjunge und wunderschöne Geliebte: Der große neue Roman des Nobelpreisträgers Pamuk †“ eine Liebesgeschichte, wie es noch keine gab!

Denis Scheck empfiehlt:
Die Fantasy-Szene jubelt bereits: In „Der Name des Windes“ erzählt Patrick Rothfuss die Geschichte von Kvothe, dem berühmtesten Zauberer seiner Zeit. Denis Scheck legt Ihnen dieses „zauberhafte“ Buch ans Herz.
Ausführliche Informationen zu Der Name des Windes findet man hier.

Denis Scheck bewertet:
Die Top-Ten Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch.
Was lohnt das Lesen? Was kann man sich getrost sparen? Denis Scheck kommentiert †“ wie immer †“ die Tops und Flops der Bestsellerliste. Dieses Mal knöpft er sich die Sachbuch-Top-Ten vor.

Denis Scheck stellt vor:
Den „Druckfrisch“-Soundtrack!
Gute Musik zu guten Büchern. Der „Druckfrisch“-Soundtrack hat schon Kult-Status erreicht:

Die Auszeichnung „Druckfrisch-Musiker des Monats“ geht im Oktober posthum an den amerikanischen Poeten William S. Burroughs, der 1993 zusammen mit dem amerikanischen Musikprojektleiter Hal Willner eine CD namens „Spare Ass Annie and Other Tales“ veröffentlichte.

Zum herbstlichen „Druckfrisch“-Abspann liest uns Burroughs sein Gedicht vom unvorstellbaren „One God Universe“ und Hal Willner hat dazu in Zusammenarbeit mit den Polit-Rappern von den „Disposible Heroes Of Hiphoprisy“ Musik gedichtet, die immer weiß, dass auch in der Literatur der Sound manchmal die Botschaft ist.

Die „Druckfrisch“-Musiktitel vom 5. Oktober 2008

Titel: All Weirded Out
Interpret: Tom Verlaine
Titel: This Girl Is In Love With You
Interpret: Brenda Lee
Titel: I Can’t Hardly Stand It
Interpret: The Cramps
Titel: Heardstopper
Interpret: Emiliana Torrini
Titel: One God Universe
Interpret: W. S. Burroughs & Hal Willner with the Disposable Heroes Of Hiphopricy

Denis Schecks Empfehlungen in der Buchhandlung

Abschaffung der Arten von Dietmar Dath, Suhrkamp
Treffen sich zwei von Iris Hanika, Jung und Jung
Mariaschwarz von Heinrich Steinfest, Piper
Stolz und Vorurteil von Jane Austen, Deutsch von Andrea Ott, Manesse

Quelle: DasErste.de

Schweizer Buchpreis 2008 – 4 Schweizer und ein Nordlicht auf der Shortlist

Zum ersten Mal hat die Jury des Schweizer Buchpreises eine Shortlist veröffentlicht. Vier Autoren und eine Autorin sind nominiert. Das Preisgeld beträgt insgesamt 60 000 Schweizer Franken, die Preisträgerin bzw. der Preisträger des Schweizer Buchpreises erhält 50 000  Schweizer Franken (ca. 32 800 Euro); die übrigen Autorinnen und Autoren der Nominationsliste erhalten jeweils 2 500 Franken.

In der Präambel zum Schweizer Buchpreis heißt es:

„Bücher sind eine unverzichtbare Voraussetzung für eine funktionierende demokratische Gesellschaft. Der Trägerverein Buch- und Literaturfestival Basel und der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband verschaffen mit der gemeinsamen Lancierung des Schweizer Buchpreises herausragenden Autorinnen und Autoren über die Landesgrenzen hinaus mediale und kommerzielle Anerkennung. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Förderung des Mediums Buch sowie des Lesens in breiten Kreisen der Bevölkerung.

Mit dem Schweizer Buchpreis wird ab 2008 jährlich das beste erzählerische oder essayistische Werk einer Schweizer Autorin oder eines Schweizer Autors gewürdigt.

Die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern, insbesondere dem Bund und Institutionen aus den übrigen Landesteilen sowie die Ausschreibung von Preisen in den anderen Landessprachen und weiteren Kategorien wird angestrebt.“

Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2008 sind folgende Bücher:

Hundert Tage von Lukas Bärfuss (Wallstein Verlag)

Kurzbeschreibung
Die Geschichte eines moralischen Irrtums, der in Ruanda eines der größten Verbrechen des Jahrhunderts ermöglichte. Der Roman zweier Menschen, die im Chaos ihrer Zeit um ihre Unschuld kämpfen.Ruanda, April 1994, in Kigali wütet der Mob. David, Mitarbeiter der Schweizer Entwicklungshilfe, hat das Flugzeug, mit dem die letzten Ausländer evakuiert wurden, abfliegen lassen. Er versteckt sich hundert Tage in seinem Haus, vom Gärtner mit Nahrung versorgt und mit Informationen über Agathe, Tochter eines Ministerialbeamten, die der Grund für sein Bleiben ist. Die vergangenen vier Jahre ihrer Liebe ziehen ihm durch den Kopf, die Zeit, die er als Entwicklungshelfer in Kigali verbrachte. Millionen wurden in ein totalitäres Regime gepumpt, das schließlich, als es die Macht an eine Rebellenarmee zu verlieren drohte, einen Genozid organisierte. Auch David wurde zum Komplizen der Schlächter, und als die Aufständischen Kigali einnehmen, flieht er mit den Völkermördern über die Grenze. Dort findet er in einem Flüchtlingslager Agathe wieder, aber esist nicht die Frau, die er einmal liebte.Lukas Bärfuss` minutiös recherchierter Roman berichtet von Menschen, die das Gute beabsichtigten und das Böse bewirkten. »Hundert Tage« erzählt ein dunkles Kapitel aus Afrikas Geschichte, in das wir tiefer verstrickt sind, als wir glauben wollen. Nicht zuletzt ist es die bewegende Geschichte einer Liebe in Zeiten des Krieges und die Geschichte von den Verheerungen, die der Hass anrichtet.

Über den Autor
Lukas Bärfuss, geboren 1971 in Thun/Schweiz, zählt zu den erfolgreichsten Dramatikern der letzten Jahre. Seine Stücke werden weltweit gespielt. Bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute wurde Bärfuss zum Dramatiker des Jahres 2005 gewählt, neben zahlreichen an deren Auszeichnung erhielt er den Mühlheimer Dramatikerpreis. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Zürich. »Hundert Tage« ist er erste Roman des gefeierten Dramatikers.

Als der Mond vom Himmel fiel von Anja Jardine (Kein & Aber Verlag)

Kurzbeschreibung
Von manchen Menschen kennen wir nicht einmal den Namen und werden uns dennoch immer an sie erinnern.
Zwei Fremde begegnen sich morgens auf dem Weg zur Arbeit. Ohne jemals miteinander zu sprechen, gehören sie für die Dauer dieser S-Bahn-Fahrten unzweifelhaft zusammen. Ein Frau erhält zwei Briefe im November, in denen ein Unbekannter sie an seinem Leben teilhaben lässt. Ein alter Mann beobachtet auf einer Apfelplantage die Anfänge einer jungen Liebe und wird von der eigenen, die ein halbes Jahrhundert zurückliegt, ein zweites Mal erschüttert. Um Verlust und Flüchtigkeit geht es in Anja Jardines dichten Erzählungen – und um den unendlichen Reichtum, der selbst in der namenlosen Begegnung liegen kann. Selten geht es um Liebespaare im eigentlichen Sinn, und dennoch sind es ausnahmslos Geschichten von der Liebe.

Über die Autorin
Anja Jardine, 1967 bei Hamburg geboren, arbeitete nach einem Wirtschaftsstudium und dem Besuch der Henri-Nannen-Journalistenschule als Filmemacherin bei Radio Bremen Fernsehen, dann als Redakteurin beim Die Zeit-Magazin, beim Spiegel Reporter und als Autorin für das Wirtschaftsmagazin Brand eins. Seit 2005 ist sie Redakteurin beim NZZ Folio. Anja Jardine lebt in Zürich. Ihre Erzählung Badjnars Augen wurde beim Bettina-von-Arnim-Wettbewerb ausgezeichnet.

Nach Hause schwimmen von Rolf Lappert (Carl Hanser Verlag)

Kurzbeschreibung
Wilbur, gerade mal 1,50 Meter groß, ist wirklich kein Glückskind: Seine irische Mutter stirbt bei der Geburt, sein schwedischer Vater macht sich aus dem Staub, und sein erstes Zuhause ist der Brutkasten. Erst als seine Großeltern ihn nach Irland holen, erfährt er, was Heimat ist. Doch das Glück währt nicht lang: Sein bester Freund kommt in die Erziehungsanstalt, und seine Großmutter Orla stirbt bei einem Unfall. Auch wenn er gern so stark wäre wie Bruce Willis: Er ist und bleibt ein Verlierer. Erst die charmante Aimee bringt ihm etwas anderes bei: Wilbur muss endlich lernen, zu leben – ob er will oder nicht. Rolf Lappert hat einen großen Roman über das Erwachsenwerden eines kleinen, an der Welt verzweifelnden Jungen geschrieben, der durch seine bezwingende Komik mitreißt.

Über den Autor
Rolf Lappert wurde 1958 in Zürich geboren und machte eine Ausbildung zum Grafiker. Er unterbrach für längere Zeit das Schreiben und gründete mit einem Freund einen Jazz-Club.
Zwischen 1996 und 2004 arbeitete er als Drehbuchautor, unter anderem für eine Serie des Schweizer Fernsehens. Heute lebt Rolf Lappert als Autor in Listowel, County Kerry, Irland.
Rolf Lapperts Roman Nach Hause schwimmen ist auch für den Deutschen Buchpreis 2008 nominiert.

Kinderhochzeit von Adolf Muschg (Suhrkamp Verlag)

Kurzbeschreibung
Klaus Marbach und seine Frau, die Juristin Manon de Montmollin, haben sich in der Arbeit am sogenannten Bergier-Bericht über die Schweizer Neutralitätspolitik im Zweiten Weltkrieg kennengelernt. Als sie sich trennen, setzt er seine Recherche im badischen Nieburg, im Herzen des Bühlerschen Aluminium-Imperiums, auf eigene Faust fort: »Das Böse in Nieburg, ich möchte wissen, wo es herkam und wie man ihm widersteht.« Lange merkt Marbach nicht, daß er ausgezogen ist, das Fürchten zu lernen. Denn die Verstrickung der Kriegsgeneration und diejenige ihrer Nachkommen wird zu seiner eigenen. Es ist Imogen Selber-Weiland, die letzte der Bühler-Dynastie und Alleinerbin, die seine Nachforschungen protegiert und sich seiner Phantasie zunehmend bemächtigt. Bald gerät Marbach auch auf die Spur ihrer ehelichen Verbindung mit dem auf geheimnisvolle Weise abwesenden genialischen Schriftsteller Iring Selber. Von einer Grenzüberschreitung zur nächsten führt Marbachs Passion zu dieser älteren Frau ihn schließlich zu den Quellen seiner Existenz und ins Labyrinth einer unvergangenen Geschichte.

Über den Autor
Adolf Muschg wurde am 13. Mai 1934 als Sohn eines Volksschullehrers in Zollikon (Kanton Zürich) geboren. Er studierte Germanistik, Anglistik und Philosophie in Zürich und zwei Semester in Cambridge. Nach der Promotion 1959 war Muschg zunächst Lehrer an einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium in Zürich. Von 1970 bis in die frühen Neunziger Jahre war er Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Muschg ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS), und war 1975 Zürcher Ständeratskandidat. Sein politisches Engagement drückt sich auch in der Mitarbeit in der Kommission für die Vorbereitung einer Totalrevision der Schweizerischen Bundesverfassung von 1974 bis 1977 aus. Adolf Muschg wohnt in Männedorf bei Zürich. 1994 wurde der Autor mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Wir fliegen von Peter Stamm (S. Fischer Verlag)

Kurzbeschreibung
Heidi zeichnet das junge Mädchen, das sie nie gewesen ist. Vor Jahren wollte sie Künstlerin werden, in Wien studieren an der Akademie, aber die Reise ging nur bis Innsbruck. Jetzt hat sie Mann und Kind, die sie nie gewollt hat. Erst durch Carmen, die hübsche Lehrtochter aus der Bäckerei, fängt sie wieder an zu träumen. Bruno arbeitet seit dreißig gleichmäßigen Jahren als Portier in einem Hotel. Er war beim Arzt, ein schlimmes Ergebnis könnte ihn erwarten. Noch weiß er nichts endgültiges, es ist seine letzte Nacht vor dem Resultat. Aber es wird nichts sein, bestimmt nicht. Für einen Moment ist er ganz glücklich.
Es sind diese Momente, in denen sich etwas verändert im Leben, in denen etwas geschieht, man merkt es kaum. Momente, die der Zeit enthoben scheinen. Eine neue Welt tut sich auf, man erkennt die Sackgasse, in die man vor langer Zeit geraten ist. Und plötzlich herrscht ein anderes Licht.

Über den Autor
Peter Stamm, geboren 1963, studierte nach einer kaufmännischen Lehre einige Semester Anglistik, Psychologie, Psychopathologie und Wirtschaftsinformatik. Längere Aufenthalte in Paris, New York und Skandinavien. Seit 1990 freier Autor und Journalist. Verfasste mehrere Hörspiele, ein Theaterstück und arbeitet seit 1997 als Redakteur für die Literaturzeitschrift „Entwürfe für Literatur“. Peter Stamm lebt heute in Zürich.

Die Verleihung des Schweizer Buchpreises findet am Sonntag, den 16. November an der buch.08 in Basel statt.

Quelle: Schweizer Buchpreis