KrimiZEIT-Bestenliste Januar 2013

Platz 1 : Süden und das heimliche Leben von Friedrich Ani

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 2. November 2012 im Knaur TB Verlag
Als die fleißige, zuverlässige Kellnerin Ilka Senner verschwindet, glaubt jeder an ein Gewaltverbrechen. Bei seinen Ermittlungen stellt Tabor Süden fest, dass keiner wirklich etwas über sie weiß. Auch ihre Familie nicht, die auf das Verschwinden mit Desinteresse und Herzlosigkeit reagiert. Erst ein Gespräch mit der Schwester lässt Süden erahnen, was Ilka aus Scham vor aller Welt verbirgt …

Platz 2 : Killer Country von Mike Nicol

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 19. November 2012 im btb Verlag
Cool, böse, abgebrüht †“ Die Rache-Trilogie geht weiter …
Die Reichen und Schönen auf Südafrikas gefährlichen Straßen zu schützen †“ das ist der Job von Mace Bishop und Pylon Buso. Zwei frühere Waffenschmuggler, die aus der Angst anderer Profit schlagen. Und die vor allem hoffen, dass ihre düstere Vergangenheit sie nicht einholt. Doch dann steigen sie in einen dubiosen Grundstückshandel ein, um Geld zu waschen. Und plötzlich sind ihnen zwei Männer auf den Fersen: ein korrupter Politiker und ein Auftragskiller. Und Mace muss einen zwielichtigen Geschäftsmann in Berlin treffen. Ihr Leben und das ihrer Familien gerät aus den Fugen. Und hinter allem scheint eine alte Bekannte zu stecken: Die Anwältin Sheemina February hat eine Rechnung mit den beiden offen …

Platz 3 : Kings of Cool von Don Winslow

Kurzbeschreibung
Don Winslows Meisterwerk: eine Saga von Verbrechen, Verrat und Familie. Am Strand ist das Paradies. Am Strand verlor Kalifornien seine Unschuld. Aussteiger, die in Versuchung gerieten. Lokalhelden und Träumer, die nicht genug bekommen konnten. Drogen, Gier, der Sündenfall. Es ist eine Geschichte, die weit zurückreicht, bis in die Sechziger, als in Laguna Beach Surfer und Hippies zusammentrafen und einen Pakt mit dem Teufel schlossen. Eine brutale, majestätische, atemberaubende Geschichte. Laguna Beach heute: Ben, Chon und O sind jung und sehen unverschämt gut aus, sie leben gefährlich und sind erfolgreich damit. Ihr Geschäft: erstklassiges Marihuana. Als korrupte Cops und rivalisierende Dealer mitverdienen wollen, wehren sie sich, planen ihren nächsten Zug. Sie sind klug, sie halten zusammen, doch ihr Spiel ist riskant, ihr Gegner übermächtig. Und noch ahnen sie nicht, dass ihr Schicksal unauflösbar mit der Vergangenheit ihrer eigenen Familien verknüpft ist. Dass sie die Sünden ihrer Eltern geerbt haben. Was folgt, ist ein blutiger Kampf der Generationen.

Platz 4 : Grenzfall von Merle Kröger

Kurzbeschreibung
1992 starben an der deutsch-polnischen Grenze zwei Menschen. 2012 muss die Juristin Mattie Junghans ans Licht bringen, was seinerzeit wirklich geschah. Denn ihre Mandantin hat angeblich den Todesschützen von damals erstochen. Deutschland 1992. Im deutsch-polnischen Grenzgebiet fallen in den frühen Morgenstunden plötzlich Schüsse. Zwei Menschen sterben im Weizenfeld. Mord oder fahrlässige Tötung? Erst Jahre später kommt es zur Gerichtsverhandlung. Die Schützen werden freigesprochen.
Der Dokumentarfilm „Revision“ ist die filmische Untersuchung der damaligen Opfer- und Täterperspektiven. Merle Krögers Roman „Grenzfall“ geht noch einen Schritt weiter. Im ersten Teil zoomt sie sich literarisch an die handelnden Personen des Dramas im Grenzgebiet heran, im zweiten Teil, der heute spielt, schreibt sie die fiktive Geschichte der Kinder der Erschossenen und verstrickt sie ein weiteres Mal in einen Kriminalfall, der die Grenzen der europäischen Rechtsauffassung scharf ins Bild rückt: Wir schreiben das Jahr 2012. In Rumänien kämpft die Wanderarbeiterin Adriana ums Überleben ihrer Familie und fasst einen verzweifelten Entschluss: Sie reist nach Deutschland und fordert Entschädigung für den Tod ihres Vaters. Doch die Sache läuft anders als geplant: Adriana landet in Untersuchungshaft. Sie wird beschuldigt, den Schützen von damals erstochen zu haben. Die Berliner Roma-Community schickt ihr Juristin Mattie Junghans als Rechtsbeistand. Aber Adriana vertraut der deutschen Anwältin nicht.

Platz 5 : Philby: Porträt des Spions als junger Mann von Robert Littell

Kurzbeschreibung
Als Elitestudent, überzeugter Kommunist, MI6-Agent und sowjetischer Held ist „Kim“ Philby nicht nur einer der schillerndsten Protagonisten des Kalten Krieges sondern auch ein Mann, dessen wahre Motive bis heute im Dunkeln liegen. In einem kühnen Spiel mit Fakten und Fiktion geht Robert Littell der Frage nach, wer Philby wirklich war.
1933: Während sich der Faschismus in Europa immer weiter ausbreitet, kommt ein junger Engländer nach Wien. In der fremden Stadt macht der frischgebackene Cambridge-Absolvent und Diplomatensohn aus besseren Kreisen Bekanntschaft mit der großen Politik, aber auch der ersten Liebe: Gemeinsam mit seiner Freundin, der jüdischen Kommunistin Litzi, stürzt sich Adrian in die Aufstände gegen den Austrofaschismus und den Kampf für die kommunistische Idee. Um Litzi vor den Faschisten zu retten, heiraten die beiden und fliehen nach England. Bald nach seiner Rückkehr wird der idealistische junge Mann von den Russen als Agent angeworben und in die geheimnisvolle Welt der Spionage eingeführt. Kurz darauf zieht er als Korrespondent in den Spanischen Bürgerkrieg nun jedoch aufseiten des Faschisten Franco. Als er als Kriegsheld und gefeierter Times-Journalist heimkehrt, macht ihm auch der britische Secret Service ein Angebot. Aus Adrian wird der Meisterspion „Kim“ Philby. Doch schon bald beginnen nicht nur seine Feinde, sondern auch seine Freunde sich zu fragen, auf wessen Seite Philby wirklich steht.

Platz 6 : Stiller Tod von Roger Smith

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 24. Oktober 2012, Tropen Bei Klett Cotta
Roger Smith – der härteste Thrillerautor aus Südafrika
Nick Exley ist mit Frau und Kind in die Stadt seiner Kindheit zurückgekehrt, das gepflegte Kapstadt der reichen Weißen. Doch sein luxuriöses Leben wird zum Albtraum, als seine vierjährige Tochter stirbt und Expolizist Vernon Saul teuflischen Nutzen aus der Tragödie zieht. Bald läuft Exley Gefahr, nicht nur seine Familie, sondern auch sich selbst zu verlieren.Nick Exley ist mit Frau und Kind in die Stadt seiner Kindheit zurückgekehrt, das gepflegte Kapstadt der reichen Weißen. Doch sein luxuriöses Leben wird zum Albtraum, als seine vierjährige Tochter stirbt und Expolizist Vernon Saul teuflischen Nutzen aus der Tragödie zieht. Bald läuft Exley Gefahr, nicht nur seine Familie, sondern auch sich selbst zu verlieren.
Als die kleine Sunny vor dem Haus ihrer Eltern ertrinkt, raucht ihr Vater gerade einen Joint, während ihre Mutter sich mit ihrem Liebhaber in der Küche vergnügt. Nur Vernon Saul, eine verwundete, aber gefährliche Seele, bekommt mit, was am Strand vor sich geht. Doch er greift nicht ein. Der ehemalige Polizist aus den Elendsvierteln von Kapstadt ist für seine Skrupellosigkeit und Brutalität bekannt. Inzwischen arbeitet er für eine Sicherheitsfirma und dreht in den Bezirken der Reichen seine Runden. Das Gefühl von Macht ist das Einzige, was Saul antreibt. Und er hat Macht – über Dawn, eine drogensüchtige Prostituierte, die er erpresst, über seine Mutter, die er in ihrem eigenen Haus wie eine Sklavin hält, und über Nick Exley, der kurz nach Sunnys Tod eine Tat begeht, die alles auf den Kopf stellt. Als die kleine Sunny vor dem Haus ihrer Eltern ertrinkt, raucht ihr Vater gerade einen Joint, während ihre Mutter sich mit ihrem Liebhaber in der Küche vergnügt. Nur Vernon Saul, eine verwundete, aber gefährliche Seele, bekommt mit, was am Strand vor sich geht. Doch er greift nicht ein. Der ehemalige Polizist aus den Elendsvierteln von Kapstadt ist für seine Skrupellosigkeit und Brutalität bekannt. Inzwischen arbeitet er für eine Sicherheitsfirma und dreht in den Bezirken der Reichen seine Runden. Das Gefühl von Macht ist das Einzige, was Saul antreibt. Und er hat Macht – über Dawn, eine drogensüchtige Prostituierte, die er erpresst, über seine Mutter, die er in ihrem eigenen Haus wie eine Sklavin hält, und über Nick Exley, der kurz nach Sunnys Tod eine Tat begeht, die alles auf den Kopf stellt.
Eine ausführliche Rezension zu „Stiller Tod“ von Roger Smith hat Henny Hidden, Die Krimilady, am 3. Dezember auf ihrem Blog veröffentlicht.

Platz 7 : Denn die Gier wird euch verderben von Šsa Larsson

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 12. November 2012 im C. Bertelsmann Verlag
Düster, nordisch, atemberaubend spannend!
Eine Frau namens Sol-Britt wird in der Nähe Kirunas mit einer Heugabel grausam ermordet. Zunächst wird ihr Liebhaber verdächtigt. Doch Staatsanwältin Rebecka Martinsson und Polizistin Anna-Maria Mella setzen sich näher mit Sol-Britts Familienverhältnissen auseinander †“ und stoßen auf verdächtig viele tödliche Unglücksfälle unter den Vorfahren ihrer Familie. Die Spur führt ins Kiruna von 1914: Sol-Britts Großmutter kam damals als junge, bildhübsche Lehrerin mit riesigen Erwartungen in die frisch gegründete Eisenerz-Stadt. Als sie mit dem mächtigsten Mann Kirunas, dem Bergwerksdirektor, eine Liaison eingeht, kann sie ihr Glück kaum fassen. Doch der einflussreiche Mann, von allen nur „König von Lappland“ genannt, hat in den politisch unruhigen Zeiten ganz anderes im Sinn, als seiner jungen Liebhaberin eine sichere Zukunft zu bieten…

Platz 8 : Rache verjährt nicht von Reginald Hill

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 11. November 2012 im Suhrkamp Verlag
Wolf Hadda hat alles verloren: seine Familie, seinen Reichtum, seinen guten Ruf. Obwohl er seine Unschuld beteuert, wird er zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Seine Freunde haben sich von dem einst so erfolgreichen und beliebten Geschäftsmann abgewandt, seine Frau ist mit seinem Anwalt durchgebrannt. Er ahnt, wem er dies zu verdanken hat. Noch sitzt er im Gefängnis, doch bald wird er entlassen werden … Als Wolf nach sieben Jahren endlich aus dem Gefängnis freikommt, hat er nur eines im Sinn: Er will sich an denjenigen rächen, die sich gegen ihn verschworen haben. Er kehrt zurück in die abgelegenen Wälder von Cumbria in Nordengland, wo einst alles begann. Kurz darauf wird einer von Wolfs alten Feinden ermordet aufgefunden. Alva Ozigbo, Wolfs Gefängnispsychiaterin, ahnt, was er im Schilde führt und stellt eigene Nachforschungen an. Bald kommt sie den Intrigen, die Wolf zu Fall brachten, auf die Spur. Doch wird es ihr auch gelingen, seine Rachepläne zu vereiteln? Ein atemberaubendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt …

Platz 9 : Zahltag: Ein Fall für Kostas Charitos von Petros Markaris

Kurzbeschreibung
Reiche Griechen zahlen keine Steuern. Arme Griechen empören sich darüber, oder sie verzweifeln ob ihrer aussichtslosen Lage. Ein Unbekannter tut weder das eine noch das andere: Er handelt. Mit Drohbriefen, Schierlingsgift und Pfeilbogen †“ im Namen des Staates.
Im krisengeschüttelten Athen geht alles drunter und drüber, nur bei der Mordkommission herrscht Flaute. Kein Mord weit und breit, nur langweilige Büroarbeit. Als auf dem antiken Kerameikos-Friedhof eine Leiche gefunden wird, ist Kommissar Charitos beinah erleichtert. Aber nur beinah. Denn er steht unter Druck. Sein Chef hat ihm eine Beförderung in Aussicht gestellt †“ da darf er jetzt niemandem auf die Füße treten. Charitos kommt jedoch um unbequeme Fragen nicht herum. Der Tote war ein renommierter Chirurg, der von der Misswirtschaft im Gesundheitswesen profitierte. Das wusste jeder. Auch jener anonyme Steuereintreiber, der seit neuestem Steuersünder erpresst †“ und notfalls auf Mordmethoden aus der Antike zurückgreift.

Platz 10 : Rocking Horse Road von Carl Nixon

Kurzbeschreibung
Kurz vor Weihnachten 1980 wird die Leiche der 17jährigen Lucy Asher frühmorgens am Strand von The Spit gefunden. In der Mitte dieser schmalen Landzunge vor Christchurch verläuft die Rocking Horse Road. Lucys Eltern haben ein Milchgeschäft an dieser Straße, und Lucy arbeitete oft dort, angeschwärmt von einer Gruppe 15jähriger Jungen. Einer von ihnen findet die Leiche, die anderen sind bald ebenfalls zur Stelle. Lucy wurde erwürgt. Für die Jungen ist damit ihre Kindheit zu einem traumatischen Ende gekommen. Die Suche nach dem Mörder schweißt sie zusammen über 25 Jahre später sind sie ihm noch immer auf der Spur.
Im Jahr nach dem Mord, 1981, macht der Staat Neuseeland eine traumatische Erfahrung: Die Springboks, das südafrikanische Rugby-Team, touren durch das Land. Protest gegen das Apartheidsregime erhebt sich. Es kommt zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, zum ersten Mal in der Geschichte des Landes. Die Jungen sind Rugby-Fans und erleben das Geschehen hautnah mit: „Wir hatten das Gefühl, daß da vor unseren Augen etwas sehr Wichtiges zerbrach. Wir konnten es nicht benennen, es war etwas, das uns zuvor selbstverständlich gewesen war und das, wie wir instinktiv wußten, niemals würde repariert werden können.“
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Die KrimiZEIT-Bestenliste wird in der Kooperation Die ZEIT, und NordwestRadio von Tobias Gohlis als verantwortlichen Sprecher monatlich erstellt. Der Jury kommt es auf Qualität an. Monatlich wählen 18 auf Kriminalliteratur spezialisierte Literaturkritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus der Masse der Neuerscheinungen die zehn Titel aus, denen sie besonders viele Leser wünschen.

Die hier zu den einzelnen Büchern eingefügten Kurzbeschreibungen stammen von den Verlagen und geben nicht die Meinung der Jury wieder.

Quelle: Zeit Online

Ausgezeichnte Krimis: Die zehn besten Krimis der KrimiZEIT-Bestenliste aus dem Jahr 2012

Platz 1 : Die Nacht des Zorns von Fred Vargas

Kurzbeschreibung
Ein jahrhundertealter Mythos führt Kommissar Adamsberg in die dunklen Wälder der Normandie. Ein Heer aus Schattengestalten soll dort wüten und ungesühnte Verbrechen strafen. Lina, eine junge Frau aus der Normandie, hat es jüngst in der Nacht über den Waldweg reiten sehen. Und nicht nur das: Die Reiter hatten vier Menschen in ihrer Gewalt, deren Tage †“ der Legende nach †“ gezählt sind. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis das erste Opfer des Wütenden Heeres stirbt. Adamsberg ist überzeugt, dass sich jemand der mittelalterlichen Sage bedient, um ungestört zu morden. Wieder einmal findet sich in diesem Roman alles, was die unnachahmliche und inzwischen sprichwörtliche Magie Vargas ausmacht: wunderbare Charaktere, ein intelligenter Plot, eine subtile Handlungsführung, gefärbt mit einem sprühenden Funken Humor. „Wenn Vargas Musikerin wäre, wäre sie allein ein ganzes Orchester.†œ ELLE

Platz 2 : Öl auf Wasser von Helon Habila

Kurzbeschreibung
Port Harcourt, Nigeria, im Delta des Niger. Eine Frau verschwindet. Dies wäre keine Nachricht in den Medien wert, handelte es sich nicht um eine Britin, die Ehefrau eines hochrangigen Mitarbeiters einer ausländischen Ölgesellschaft, die im Delta und vor der Küste Öl bohren. Die Entführung ist offensichtlich das Werk einer Rebellengruppe, die gegen die Ölgesellschaften kämpfen, die das Land ausbeuten und zerstören. Als eine Lösegeldforderung eingeht, wittert der junge Journalist Rufus die Chance zu einer großen Story und macht sich mit dem gealterten Starreporter Zaq auf die Suche nach der Entführten. Es wird eine Reise ins Delta des Nigers hinein, ins Herz der Finsternis, in eine apokalyptische Welt. Mit wachsendem Entsetzen nimmt Rufus die Zerstörung der Umwelt wahr, die Eskalation der Gewalt, die je eigenen Profitinteressen, die die widerstreitenden Kräfte Ölgesellschaften, Polizei und Armee, Politiker und lokale Würdenträger auf der einen Seite, die Rebellen mit ihren Sympathisanten auf der anderen in den Auseinandersetzungen verfolgen, die Entmenschlichung auf beiden Seiten der Front. Opfer sind in jedem Fall die einfachen Menschen, Fischer zumeist, die im Delta des Flusses leben. Sie haben nicht die Mittel, sich zur Wehr zu setzen, ihre Dorfgemeinschaften werden zwischen den Fronten zerrieben, sie verlieren ihre Lebensgrundlage, werden vertrieben, müssen fortziehen, hin zur großen Stadt, an deren Rand sie stranden. Hoffnung vermittelt einzig ein Dorf auf der kleinen Insel Irikefe, das einen humanistischen, egalitären Gegenentwurf lebt, ähnlich dem, den Wole Soyinka in Zeit der Gesetzlosigkeit beschreibt: im Einklang mit der Natur, ihren Rhythmen und Gesetzen folgend. Hier findet Rufus nach einem Brand körperlich und seelisch schwer verletzte Schwester Boma Ruhe, hier findet Rufus eine Liebe, hier schließt Zaq seinen Frieden. Doch auch hier ist nicht alles so, wie es scheint. Wie überhaupt nichts so ist, wie es an der Oberfläche aussieht. Das Grab der Britin ist leer. Nur ein Stein ist darin begraben. Öl auf Wasser ist Bildungsroman und Umweltkrimi zugleich, Politthriller und anrührende Liebesgeschichte.

Platz 3 : Das Handwerk des Teufels von Donald Ray Pollock

Kurzbeschreibung
Ein Roman als Wegführer in die Hölle. Seit Langem hat sich kein Erzähler mehr mit einer solchen Wucht in die erste Reihe der amerikanischen Literatur katapultiert. In seinem Debütroman entwirft Donald Ray Pollock eine Schreckensvision menschlicher Abgründe, brutal, nachtschwarz und ohne Hoffnung.Zwei Lebensfluchten kollidieren, eine auf dem Weg in die Verdammnis, die andere aus ihr heraus. Der junge Arvin wächst in den fünfziger Jahren im heruntergekommenen Niemandsland des Mittleren Westens auf. Hier hat sich der amerikanische Traum in einen fiebrigen Albtraum verwandelt, der bevölkert wird von psychopathischen Verbrechern, korrupten Sheriffs und religiösen Fanatikern. Arvin ringt um einen Ausweg aus dieser Welt. Doch als seine Freundin vom Ortsprediger missbraucht wird und sich daraufhin erhängt, nimmt auch er das Gesetz in die eigene Hand. Zur gleichen Zeit, nur wenige Meilen entfernt, brechen die beiden Serienkiller Carl und Sandy zur Jagd auf. Sie locken arglose Tramper in ihren Wagen, um sie dort auf brutale Art und Weise umzubringen. Irgendwo in der Tiefe des Hinterlandes, in jenem unsichtbaren Grenzgebiet zwischen Zivilisation und archaischer Grausamkeit, kreuzen sie schließlich Arvins Weg … Unaufhaltsam verstrickt Pollock seine Leser in ein undurchdringliches Labyrinth des Bösen. „Das Handwerk des Teufels“ ist ein ebenso verstörender wie mitreißender Roman über den epischen Kampf zwischen Schicksal und Moral, Schuld und Gerechtigkeit. Die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Aber sie stirbt.

Platz 4 : Tage des Bösen von Peter Temple

Kurzbeschreibung
Constantine Niemand arbeitete für einen Sicherheitsdienst in Johannesburg. Er ist auf der Flucht, seit er einen Videofilm in seinen Besitz gebracht hat, der international Politikern und Waffenlobbyisten gefährlich werden kann. Es scheint aber kein sicheres Versteck für ihn zu geben †“ auch in London nicht, wo er versucht, den Film an eine Enthüllungsjournalistin zu verkaufen. Immer wieder spüren ihn die Killer auf. Wie kompromittierend, wie brisant ist die Information, die ihm in die Hände gefallen ist?
Peter Temple zeigt uns erschreckend deutlich eine Welt, in der Informationen gefährlicher sind als Sprengstoff †“ und Geheimnisse wertvoller als Menschenleben. Ein faszinierender Thriller von meisterhafter Spannung.

Platz 5 : Die Stadt der Toten von Sara Gran

Kurzbeschreibung
Hurrikan Katrina hat New Orleans verwüstet. Claire DeWitt soll in diesem Chaos den verschollenen Bezirksanwalt Vic Willing finden. Ist der Anwalt in der Naturkatastrophe umgekommen oder hat er sich einfach davongestohlen? Ein Fall für die beste Ermittlerin der Welt! Ihr Beruf ist ihre Berufung und ihre Ermittlungsmethoden sind so einzigartig wie genial. Mit Hilfe ihres französischen Detektivhandbuchs, ihrer Qigong-Münzen und ihrer drogendurchsetzten Träume wird Claire der Spur des Anwalts folgen…

Platz 6 : Süden und das heimliche Leben von Friedrich Ani

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 2. November 2012 im Knaur TB Verlag
Als die fleißige, zuverlässige Kellnerin Ilka Senner verschwindet, glaubt jeder an ein Gewaltverbrechen. Bei seinen Ermittlungen stellt Tabor Süden fest, dass keiner wirklich etwas über sie weiß. Auch ihre Familie nicht, die auf das Verschwinden mit Desinteresse und Herzlosigkeit reagiert. Erst ein Gespräch mit der Schwester lässt Süden erahnen, was Ilka aus Scham vor aller Welt verbirgt…

Platz 7 : Grenzfall von Merle Kröger

Kurzbeschreibung
1992 starben an der deutsch-polnischen Grenze zwei Menschen. 2012 muss die Juristin Mattie Junghans ans Licht bringen, was seinerzeit wirklich geschah. Denn ihre Mandantin hat angeblich den Todesschützen von damals erstochen. Deutschland 1992. Im deutsch-polnischen Grenzgebiet fallen in den frühen Morgenstunden plötzlich Schüsse. Zwei Menschen sterben im Weizenfeld. Mord oder fahrlässige Tötung? Erst Jahre später kommt es zur Gerichtsverhandlung. Die Schützen werden freigesprochen.
Der Dokumentarfilm „Revision“ ist die filmische Untersuchung der damaligen Opfer- und Täterperspektiven. Merle Krögers Roman „Grenzfall“ geht noch einen Schritt weiter. Im ersten Teil zoomt sie sich literarisch an die handelnden Personen des Dramas im Grenzgebiet heran, im zweiten Teil, der heute spielt, schreibt sie die fiktive Geschichte der Kinder der Erschossenen und verstrickt sie ein weiteres Mal in einen Kriminalfall, der die Grenzen der europäischen Rechtsauffassung scharf ins Bild rückt: Wir schreiben das Jahr 2012. In Rumänien kämpft die Wanderarbeiterin Adriana ums Überleben ihrer Familie und fasst einen verzweifelten Entschluss: Sie reist nach Deutschland und fordert Entschädigung für den Tod ihres Vaters. Doch die Sache läuft anders als geplant: Adriana landet in Untersuchungshaft. Sie wird beschuldigt, den Schützen von damals erstochen zu haben. Die Berliner Roma-Community schickt ihr Juristin Mattie Junghans als Rechtsbeistand. Aber Adriana vertraut der deutschen Anwältin nicht.

Platz 8 : Payback von Mike Nicol

Kurzbeschreibung
Cool, böse, abgebrüht
Postkartenidylle am Kap der guten Hoffnung? Das Ende der Apartheid ist besiegelt. Seit über einem Jahrzehnt. Die früheren Waffenschmuggler Mace Bishop und Pylon Buso wollen ihr Leben ruhig angehen. Ein entspanntes Kapstadt-Dasein, danach sehen sie sich. Ihr Sicherheitsservice für wohlhabende Touristen, die Schönheits-OPs mit anschließender Safari buchen, floriert. Denn wer nach Südafrika kommt, der hat Angst. Doch Mace schuldet einem alten Bekannten noch einen Gefallen. Und plötzlich ist ihm Sheemina February auf den Fersen, Anwältin einer islamistischen Antidrogen-Gruppe. Sie beobachtet Mace. Schickt seiner Frau Oumou Blumen. Stiehlt den heißgeliebten Teddy seiner Tochter. Kennen sie sich von früher? Maces Vergangenheit ist düster, bewegt, zwielichtig. Und Rache ist süß.

Platz 9 : Schattenstill von Tana French

Kurzbeschreibung
„Ich sah den Ort vor mir, wie er wirklich war: tödlich; hergerichtet und feingeschliffen zur Vernichtung.!
Broken Harbour, eine windgepeitschte Geisterstadt voller Bauruinen nördlich von Dublin: In einem der wenigen bewohnten Häuser wird eine junge Familie aufgefunden †“ die Eltern brutal niedergestochen, die beiden kleinen Kinder erstickt. In den Wänden ihres hübsch eingerichteten Häuschens klaffen rätselhafte Löcher. Detective Mike Kennedy ist überzeugt, dass er den Fall lösen wird, schließlich arbeitet niemand in der Mordkommission so effektiv wie er. Doch Broken Harbour entpuppt sich als erbarmungsloser Abgrund, der auch ihn zu verschlingen droht…

Platz 10 : Philby: Porträt des Spions als junger Mann von Robert Littell

Kurzbeschreibung
Als Elitestudent, überzeugter Kommunist, MI6-Agent und sowjetischer Held ist „Kim“ Philby nicht nur einer der schillerndsten Protagonisten des Kalten Krieges sondern auch ein Mann, dessen wahre Motive bis heute im Dunkeln liegen. In einem kühnen Spiel mit Fakten und Fiktion geht Robert Littell der Frage nach, wer Philby wirklich war.
1933: Während sich der Faschismus in Europa immer weiter ausbreitet, kommt ein junger Engländer nach Wien. In der fremden Stadt macht der frischgebackene Cambridge-Absolvent und Diplomatensohn aus besseren Kreisen Bekanntschaft mit der großen Politik, aber auch der ersten Liebe: Gemeinsam mit seiner Freundin, der jüdischen Kommunistin Litzi, stürzt sich Adrian in die Aufstände gegen den Austrofaschismus und den Kampf für die kommunistische Idee. Um Litzi vor den Faschisten zu retten, heiraten die beiden und fliehen nach England. Bald nach seiner Rückkehr wird der idealistische junge Mann von den Russen als Agent angeworben und in die geheimnisvolle Welt der Spionage eingeführt. Kurz darauf zieht er als Korrespondent in den Spanischen Bürgerkrieg nun jedoch aufseiten des Faschisten Franco. Als er als Kriegsheld und gefeierter Times-Journalist heimkehrt, macht ihm auch der britische Secret Service ein Angebot. Aus Adrian wird der Meisterspion „Kim“ Philby. Doch schon bald beginnen nicht nur seine Feinde, sondern auch seine Freunde sich zu fragen, auf wessen Seite Philby wirklich steht.
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Die KrimiZEIT-Bestenliste wird in der Kooperation Die ZEIT, und NordwestRadio von Tobias Gohlis als verantwortlichen Sprecher monatlich erstellt. Der Jury kommt es auf Qualität an. Monatlich wählen 18 auf Kriminalliteratur spezialisierte Literaturkritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus der Masse der Neuerscheinungen die zehn Titel aus, denen sie besonders viele Leser wünschen.

Die hier zu den einzelnen Büchern eingefügten Kurzbeschreibungen stammen von den Verlagen und geben nicht die Meinung der Jury wieder.

Quelle: Zeit Online

Trauriger Rekord: 88 Journalisten und 47 Blogger wurden im Jahr 2012 getötet

© McCann Erickson
Wie die Menschenrechtsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ mitteilte, wurden in diesem Jahr 88 Journalisten sowie 47 Blogger und Bürgerjournalisten bei ihrer Arbeit getötet. Das sind mehr als je zuvor, seit Reporter ohne Grenzen 1995 die erste Jahresbilanz veröffentlichte. Des Weiteren wurden in diesem Jahr 879 Journalisten festgenommen, 1993 Journalisten angegriffen oder bedroht, 38 Journalisten entführt, 6 Medienmitarbeiter getötet und 144 Blogger und Internetaktivisten festgenommen. 193 Journalisten sind derzeit im Gefängnis und 73 aus ihrem Heimatland geflohen zeigt die neueste ROG-Bilanz für das Jahr 2012.

„Zu den enorm hohen Opferzahlen haben vor allem der Syrien-Konflikt, die Gewalt der Taliban in Pakistan und der Bürgerkrieg in Somalia beigetragen„, sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske in Berlin.

Die Bürgerkriegsländer Syrien und Somalia, das von den Taliban und Stammesrivalitäten destabilisierte Pakistan sowie Mexiko und Brasilien, wo Drogenkartelle die Macht des Staates in Frage stellen, gehörten 2012 zu den gefährlichsten Orten für Journalisten.

In der Türkei, wo sich die Zahl der Festnahmen seit der Verschärfung des Kurdenkonflikts verdoppelte, zählte die Menschenrechtsorganisation die meisten inhaftierten Journalisten und Blogger. Weiterhin in China, wo die Regierung die Zensur vor dem Parteitag enorm verschärfte, sowie in Syrien, im Iran und in Eritrea, das seit Jahren den letzten Platz auf der ROG-Rangliste einnimmt.

Quelle: Reporter ohne Grenzen
Quelle Foto: © McCann Erickson

Geschenktipp: Ausgezeichnete Bücher 2012 zu Weihnachten


Weihnachten steht vor der Tür und die fieberhafte Suche nach idealen Geschenken hat begonnen. Buchgeschenke sind besonders beliebt. Im letzten Jahr haben 44 Prozent der Deutschen ein Buch unter den Weihnachtsbaum gelegt. Die Auswahl aus der Fülle der unterschiedlichsten Genres ist allerdings nicht ganz einfach. Verschenkt man nun einen Thriller oder Krimi, einen Roman, ein Sachbuch oder lieber eine Biografie an lesebegeisterte Familienangehörige und Freunde, oder versucht gar einen Lesemuffel zu bekehren? Wer die Wahl hat, hat die Qual heißt es in einer alten Redensart und aufgrund der vielen Alternativen ist es schwer, sich zu entscheiden. Vielleicht erleichtert die folgende Liste mit einer bunten Mischung „ausgezeichneter“ Bücher die Suche etwas Passendes zu finden. Alle Titel haben in diesem Jahr einen Literaturpreis gewonnen.

Den Anna-Seghers-Preis 2012 hat die 1984 in Baku (Aserbeidschan) geborene und im Kaukasus aufgewachsene Autorin Olga Grjasnowa für ihren Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ erhalten. „Mit perfekter Ausgewogenheit von Tragik und Komik und mit einem bemerkenswerten Sinn für das Wesentliche erzählt sie die Geschichte einer Generation, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat.“

Der Buxtehuder Bulle 2012 (Jugendliteraturpreis) ging in diesem Jahr Lauren Oliver für ihren Roman „Delirium„. Delirium ist ein dystopischer Roman für Jugendliche ab 14 Jahre. „Es ist jetzt vierundsechzig Jahre her, dass der Präsident und das Konsortium die Liebe als Krankheit identifiziert haben, und vor dreiundvierzig Jahren haben die Wissenschaftler ein Heilmittel dagegen entwickelt“, lautet der erste Satz. In Lenas Welt kann Amor Deliria Nervosa durch einen kleinen Eingriff geheilt werden, danach wird sie sich niemals mehr verlieben können…

Mit „Landgericht“ hat Ursula Krechel den Deutschen Buchpreis 2012 gewonnen. Der Roman handelt vom Exil und von den fünfziger Jahren, von einer Rückkehr ohne Ankunft. Ursula Krechel geht auf Spurensuche in die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt. Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaasschen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna…

Den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012 für Jugendliche am 16 Jahre hat die Jury an den Hamburger Autor Nils Mohl für „Es war einmal Indianerland“ vergeben. „Es ist ein kunstvoll gebauter Roman, der mit seinen zahlreichen Neologismen auch sprachlich innovativ und überzeugend ist. Er bietet dem Leser eine neue und aufregende Variante aus Bildungsroman und Liebesgeschichte. Mohl gelingt es, anspruchsvolles literarisches Erzählen thematisch dicht bei seinen jugendlichen Lesern zu realisieren †“ und das mit viel Herz und Ohr für seine Adressaten“, urteilte die Jury.

Mechtild Borrmann erhielt den Deutschen Krimi Preis 2012 für „Wer das Schweigen bricht„. Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt Robert Lubisch im Nachlass seines Vaters das Foto einer attraktiven Frau und einen Wehrpass, ausgestellt auf einen ihm unbekannten Mann. Was hat das alles mit seinem Vater zu tun? Robert macht sich auf die Suche und stößt dabei auf eine Journalistin, die sofort eine große Story ahnt und bereit ist, dafür auch den Ruf seines Vaters zu opfern. Doch noch bevor sie Robert etwas mitteilen kann, wird sie grausam ermordet. Robert ist entsetzt. Welche alten Wunden hat er mit seinen Nachforschungen wieder aufgerissen…

Die Journalistin Katja Thimm erhielt in diesem Jahr für ihr Sachbuch †œVatertage †“ eine deutsche Geschichte† den Evangelischen Buchpreis. In der Begründung der Jury heißt es: †œKatja Thimm hat mit Vatertage ein herausragendes gleichermaßen politisches und persönliches Buch über die Begegnung mit der sogenannten Kriegskinder-Generation geschrieben.† Gemeinsam mit ihrem Vater Horst Thimm (geb. 1931) rekonstruiert die Autorin ein Stück Lebens- und Zeitgeschichte. Meisterhaft halte sie die Balance zwischen sachlicher Erzählweise und emotionaler Dichte, zwischen Sympathie und Distanz.

Dem regimekritischen chinesischen Schriftsteller, Dichter und Musiker Liao Yiwu wurde der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012 verliehen. Im Oktober erschien „Die Kugel und das Opium: Leben und Tod am Platz des Himmlischen Friedens„, ein ebenso schockierendes wie bewegendes Zeugnis der unfassbaren Ereignisse vom 4. Juni 1989, als die chinesische Regierung die Volksbefreiungsarmee mobilisierte, um die friedlichen Demonstrationen Zehntausender Studenten niederzuschlagen, die mehr Freiheit und Demokratie forderten. Am Platz des Himmlischen Friedens richteten sie ein Massaker an, das die Welt schockierte.

Die 51-jährige deutsche Schriftstellerin Felicitas Hoppe wurde mit dem Georg-Büchner-Preis 2012, dem wichtigsten Literaturpreis in Deutschland, ausgezeichnet. Zuletzt erschien im März 2012 ihr biografisches Buch †œHoppe†œ. Hoppe ist keine Autobiographie, sondern Hoppes Traumbiographie, in der Hoppe von einer anderen Hoppe erzählt: von einer kanadischen Kindheit auf dünnem Eis, von einer australischen Jugend kurz vor der Wüste, von Reisen über das Meer und von einer Flucht nach Amerika. Hoppes Lebens- und Reisebericht wird zum tragikkomischen Künstlerroman, mit dem sie uns durch die Welt und von dort aus wieder zurück in die deutsche Provinz führt, wo ihre Wunschfamilie immer noch auf sie wartet“, lautet die Kurzbeschreibung.

Die Landeshauptstadt München und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels †“ Landesverband Bayern haben den Geschwister-Scholl-Preis 2012 an Jürgen Dehmers für sein Buch †œWie laut soll ich denn noch schreien? Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch† verliehen. Jürgen Dehmers (Pseudonym) schildert in seinem Bericht was ihm und anderen Schüler angetan wurde, er beschreibt auch die Folgen einer Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch †“ Gefühle der Ohnmacht, Angst, Wut, Ekel, Störungen der Persönlichkeitsentwicklung, bis hin zu Suchtkrankheiten und Suizidgefahr. Opfer sexueller Gewalt äußern sich selten öffentlich. Dies machen sich Täter zu nutze. Dass Jürgen Dehmers es gewagt hat, das Schweigen zu durchbrechen und zu benennen, was geschah, würdigt die Jury des Geschwister-Scholl-Preises als ein seltenes Beispiel von Mut.

Der 55-jährige rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu bekam den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt für seinen Roman †œDer Körper†œ zuerkannt. †œDem rumänischen Autor Mircea Cărtărescu ist mit †œDer Körper† ein fulminanter Roman und sprachlich elektrisierendes Kunstwerk von seltener Intensität und Leuchtkraft gelungen. Er gleicht einem grellbunten Kaleidoskop aus Bewusstseinssplittern und Kindheitserinnerungen, familiengeschichtlichen Episoden und Bildern des unter Ceaucescu in großen Teilen zerstörten Bukarests, aus politischen Momentaufnahmen seiner Herrschaftszeit und phantastischen, elektrisierenden Gedankenflügen†œ, lautet die Begründung der Jury.

Im Jahr 2012 zeichnete die Jürgen Ponto-Stiftung die Autorin Carmen Stephan für ihr literarisches Debüt „Mal Aria“ mit dem Jürgen-Ponto-Literaturpreis aus. Am Abend lief Carmen noch um die Wette am Strand †“ in der Nacht weckt sie ein kalter Schmerz. Es ist der letzte Urlaubstag ihrer Reise durch den Amazonas. Von einem Tag auf den anderen kämpft die junge Frau um ihr Leben. Kein Arzt weiß ihr zu helfen, sieht das Naheliegende. In der scheinbaren Sicherheit eines Krankenhauses geschieht das Unvorstellbare †“ und nur einer weiß alles: der Moskito, der Carmen gestochen hat und von da an, durch das Blut mit ihr verbunden, zur Stimme der Natur, zum sprachmächtigen Erzähler wird. „Bewegend. Schön. Unheimlich. Und man vergisst, dass es ein Moskito ist, der die Geschichte über Leben und Tod erzählt†œ, so das Resümee von Prof. Dr. Hans-Martin Gauger, Fachkurator der Jürgen Ponto-Stiftung für den Bereich Literatur.

Wolfgang Herrndorf erhielt in der Kategorie Belletristik den Preis der Leipziger Buchmesse 2012 für seinen Roman †œSand†œ. †œEin furioser Abenteuerroman, ein faszinierend verwirrender Antiagenten-Thriller, der so waghalsig wie gekonnt mit verschiedenen Ebenen jongliert†œ, lautete die Begründung der Jury.

Die mexikanische Schriftstellerin Sabina Berman wurde für ihren Roman †œDie Frau, die ins Innerste der Welt tauchte† mit dem LiBeraturpreis, der ausschließlich an Frauen vergeben wird, ausgezeichnet. Die Jury lobte die ungewöhnliche Perspektive, die Berman in ihrer Schilderung der Geschichte eines Mädchens, welches zu Beginn des Romans verwahrlost und autistisch ist und in der Obhut ihrer Tante, „ich“ zu sagen und „ich“ zu werden lernt. Das Meer und die großväterliche Thunfischfabrik werden ihre liebsten Orte, Wesen mit Kiemen sind ihr näher als „Standardmenschen“.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green erhielt von der LovelyBooks-Community in der Kategorie Allgemeine Literatur als bestes Buch den Leserpreis 2012. „Krebsbücher sind doof†œ, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander – trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Ein tiefgründiges, emotionales und zugleich freches Jugendbuch über Krankheit, Liebe und Tod. „Der Leserpreis †“ die besten Bücher 2012“ wurde übrigens in insgesamt 10 Kategorien vergeben. Hinter dem Link finden sich sicherlich weitere Anregungen.

Die Jury des Wilhelm-Raabe-Literaturpreises 2012 hat den Schweizer Schriftsteller Christian Kracht mit seinem Roman †œImperium†œ bedacht. In der Begründung heißt es, die Geschichte der deutschen Kolonien zu Kaiserzeiten sei †œnoch nie so farbig schillernd, so böse komisch, phantastisch realistisch, pathologisch weltbeglückend, so schräg verzerrt† wie von Kracht erzählt worden. In „Imperium“ erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans eines Melville, Joseph Conrad, Robert Louis Stevenson oder Jack London spielt…

In der Hoffnung, dass diese subjektive Zusammenstellung aus mittlerweile über eintausend jährlich zu vergebenen Literaturpreisen die eine oder andere Anregung erhält, wünsche ich allerseits eine stressfreie Adventszeit und besinnliche „Lese-Weihnachtsfeiertage“.

 

 

Historischer Roman: Die Hure Babylon von Ulf Schiewe [Rezension]

Anno 1147 werben die Kirchenoberhäupter erneut mit überzeugenden und verlockenden Worten für einen Kreuzzug, um das Heilige Land von den Ungläubigen zu befreien. Auch Arnaut de Montalban nimmt das Kreuz, obwohl er hin- und hergerissen ist zwischen seiner Liebe zu Ermengarda von Narbona und dem Glauben an Vergebung seiner vermeintlichen Sünden. Ein verlorener Zweikampf, die damit verbundenen Konsequenzen und Ermengardas Reaktion sind letztendlich das Zünglein an der Waage, die ihn in seinem Vorhaben bestärken und in den Krieg ziehen lassen. Doch noch bevor das große Heer von Kriegern und Pilgern auf dem entbehrungsreichen Marsch sein eigentliches Ziel erreicht, nagen Zweifel an Arnauts Entschluss.

Dies ist nicht nur die Geschichte von Arnaut und seiner geliebten Ermengarda, sondern auch die von seinen Mitstreitern und Freunden, einem schwachen König, edlen und diabolischen Rittern, mutigen und intriganten Frauen jeden Standes. Viele der gut ausgearbeiteten Charaktere wachsen einem ans Herz und so manch aufkeimende Liebe inmitten des Kreuzzuges und blutiger Schlachten lassen einen Moment lang die Grausamkeiten des Krieges vergessen. Schmerzliche Verluste sind zu beklagen, als die ganze Unmenschlichkeit über ihnen zusammenschlägt. Zum Spielball zwischen weltlichen und geistlichen Oberhäuptern deklassiert, findet sich so mancher tapfere Kämpfer als Bauernopfer auf dem Schlachtfeld wieder. Fehlgeleitet von den Mächtigen, die Gottes Wort schamlos missbrauchen, und gelockt mit falschen Versprechungen machen sie sich auf, um das Heilige Land von den „Ungläubigen“ zu befreien. Doch die wahren Motive offenbaren sich ihnen erst, als es für viele zu spät zur Umkehr ist. Was wie ein Abenteuer beginnt, endet schnell in blutiger Realität, denn nur wenige kehren, gezeichnet mit Narben auf Leib und Seele, zurück. Ruhm und Ehre ist auf diesen Schlachtfeldern nicht zu erringen – letztendlich geht es einzig um das nackte Überleben.

Auch Arnaut de Montalban findet sich plötzlich in einem Ränkespiele um Macht, Besitz und Geld wieder. Das ergreifende Schicksal von seinem treuen Schlachtross Amir ist besonders eindringlich. Ermengarda von Narbona schildert in einigen Kapiteln mit eigenen Worten parallel ihre Geschichte. Nach dem Verlust ihres und Arnauts Kindes, seinem Wunsch das Kreuz zu nehmen und für eine vermeintlich gerechte Sache zu kämpfen, lässt sie sich aus verletztem Stolz zu unüberlegtem Handeln hinreißen. Doch ihre Liebe zu ihm ist ungebrochen und überdauert auch die lange Zeit ihrer Trennung.

Der Autor, Ulf Schiewe,  versteht es durch seinen sehr prägnanten und zeitgemäßen Erzählstil den Leser zu fesseln. Er lässt uns tief in die Geschehnisse der damaligen Zeit eintauchen. Das Lagerleben, der beschwerliche und mit Verlusten gepflasterte lange Weg, die Schlachten und Hinterhalte, Intrigen und Verrat, Krankheiten, Entbehrungen und Tod sind von ihm so bildhaft in Szene gesetzt als seien sie auf Leinwand gebannt.  Auch die Liebe und Treue, der Respekt und ständeübergreifende Freundschaften haben in diesem Roman neben all der Dramatik und blutigen Auseinandersetzungen einen angemessenen Platz. Epilog, Anhang und Glossar und auch das ausführliche Personenverzeichnis der realen und fiktiven Personen tragen zu einem außergewöhnlich interessanten und wunderbaren Leseerlebnis bei.

Abschließend sei noch erwähnt, dass es sich um eine eigenständige Geschichte handelt, obwohl viele Personen in den ersten beiden Bänden, Bastard von Tolosa (2011) und Die Comtessa (2012), eine große Rolle spielen. Ohne sich in langatmigen Erklärungen zu verlieren, hat der Autor geschickt einige wegweisende Worte für den unkundigen Leser eingeflochten. Vielen Dank dafür!

Mir hat dieser hervorragend recherchierte und spannende historische Roman sehr gut gefallen, und ich empfehle ihn gerne weiter. Von mir bekommt er 5 von 5 Sternen/Punkten.

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 2. November 2012 im Droemer Verlag
Sie sprachen vom himmlischen Frieden †“ und riefen zum Kreuzzug auf. Sie mahnten zu Mäßigung und Keuschheit †“ und führten ein Leben in Verworfenheit. Rom war die biblische Hure Babylon … Südfrankreich im 12. Jahrhundert: Der junge Edelmann Arnaut ist verzweifelt, denn wieder hat seine heimliche Geliebte, die Vizegräfin Ermengarda von Narbonne, ihr Kind verloren †“ ein Fingerzeig des Himmels? Arnaut will Buße tun und sich dem Kreuzzug ins Heilige Land anschließen. Mit dem fränkischen Heer zieht er gen Osten und muss doch bald erkennen, dass es weniger um Erlösung als um Macht und Eitelkeit der Herrschenden geht, dass im Namen Gottes Verrat und unvorstellbare Greueltaten begangen werden. Gefährliche Abenteuer warten auf ihn, Kampf, Intrigen †“ und so manche Versuchung …

Über den Autor
Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Eigentlich wollte er Kunstmaler werden, doch statt der †œbrotlosen Kunst† widmete er sich der Technik und wurde Software-Entwickler und später Marketingmanager für Softwareprodukte.
Seit frühester Jugend war Ulf Schiewe eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Lauf der Jahre erwuchs aus der Lust am Lesen der Wunsch, selbst einen großen historischen Roman zu schreiben, der in den †œBastard von Tolosa† , seinen ersten Roman, mündete und in „Die Comtessa“ bereits eine Fortsetzung fand.
Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.

Der Lesekreis bedankt sich ganz herzlich bei Angie für diese ausführliche schöne Buchbesprechung und beim Droemer Verlag für die freundliche Überlassung eines Rezensionsexemplares.