Ein Entlein kann so nützlich seinDie 40-jährige argentinische Bilderbuchautorin, Sängerin und Komponistin Marisol Misenta, die unter dem Psydonym Isol veröffentlicht, erhält den mit fünf Millionen Schwedischen Kronen (knapp 600.000 Euro) dotierten Astrid Lindgren-Gedächtnispreis für Literatur 2013.

Ihre Bilder sprühen vor Energie und explosiven Gefühlen. Mit zurückhaltender Farbpalette und stetig neuen Bildlösungen erweitert sie gewohnte Bildhorizonte und sprengt die Grenzen des Bilderbuchmediums. Ausgehend von der klaren Sicht der Kinder auf unsere Welt verleiht sie ihren Fragen drastisch Ausdruck und beantwortet sie offen. Mit befreiendem Humor und Leichtigkeit beschreibt sie die dunkleren Seiten des Daseins„, lautet die Jurybegründung. Sie stehe auf der Seite des Kindes und blicke auf unsere Welt mit den Augen von Kindern und lege dabei die Absurditäten der Erwachsenenwelt bloß, lobte die Jury weiter.

Isol hat rund zehn Bücher geschrieben und illustriert und ungefähr die gleiche Zahl an Texten anderer Schriftsteller bebildert. Sie lebt und arbeitet in Buenos Aires. Ihre Bücher sind in rund 20 Ländern veröffentlicht. Mit ihrem im Februar 2012 im Jungbrunnen-Verlag veröffentlichten Bilderbuch „Ein Entlein kann so nützlich sein“ ist sie derzeit für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2013 in der Kategorie Bilderbuch nominiert.

Der Astrid Lindgren-Gedächtnispreis für Literatur wird am 27. Mai 2013 im Stockholmer Konzerthaus verliehen.

Quelle: Börsenblatt

Berlin ist zu groß für BerlinDer 65-jährige Schriftsteller Hanns Zischler ist Schauspieler, Dramaturg, Regisseur, Hörspielsprecher, Fotograf, Übersetzer und nicht zuletzt Schriftsteller. Die Programmleiterinnen und Programmleiter der im Netzwerk verbundenen Literaturhäuser Basel, Berlin, Graz, Hamburg, Köln, Leipzig, München, Rostock, Salzburg, Stuttgart und Zürich haben ihm in diesem Jahr den mit 11.000 Euro dotierten Preis der Literaturhäuser zugedacht.

Die vollständige Jurybegründung ist hier auf Literaturhaus.net nachzulesen.

Der Preis ist mit einer Lesereise durch alle im Netzwerk zusammengeschlossenen Literaturhäuser verbunden. Hanns Zischler wird vom 7. Mai bis 13. Juni 2013 zu Leseabenden durch die Literaturhausstädte reisen und sein neues Buch „Berlin ist zu groß für Berlin“ vorstellen.

Die Auftritte des Preisträgers und die Laudationes zu seinen Ehren finden statt am:

Dienstag, 7. Mai 2013, 20.00 Uhr, Literaturhaus Köln
Dienstag, 14. Mai 2013, 19.00 Uhr, Literaturhaus Basel
Mittwoch, 15. Mai 2013, 19.30 Uhr, Literaturhaus Zürich
Donnerstag, 16. Mai 2013 , 20.00 Uhr, Literaturhaus Stuttgart
Dienstag, 21. Mai 2013, 20.00 Uhr, Literaturhaus Rostock (im Festsaal des Rathauses)
Mittwoch, 22. Mai 2013, 19.30 Uhr, Literaturhaus Hamburg
Donnerstag, 23. Mai 2013, 19.30 Uhr, Literaturhaus Leipzig
Montag, 29. Mai 2013, 20.00 Uhr, Literaturhaus Berlin
Dienstag, 11. Juni 2013, 19.30 Uhr, Literaturhaus München
Mittwoch, 12. Juni 2013, 20.00 Uhr, Literaturhaus Graz
Donnerstag, 13. Juni 2013, 20.00 Uhr, Literaturhaus Salzburg

Quelle: Literaturhaus.net

Peter SloterdijkDer 65-jährige Philosoph, Kulturwissenschaftler und Essayist Peter Sloterdijk erhält den Ludwig-Börne-Preis 2013. Ãœber die Vergabe entschied in diesem Jahr in alleiniger Verantwortung der deutsch-amerikanische Romanist, Literaturwissenschaftler und Literaturhistoriker Hans Ulrich Gumbrecht. Peter Sloderdijk schaffe es regelmäßig, die Öffentlichkeit in „intensive Zustände intellektueller Wachheit“ zu versetzen, begründete laut Börsenblatt Gumbrecht seine Wahl.

Seit 1993 verleiht die Ludwig-Börne-Stiftung jährlich den mit 20.000 Euro dotierten Ludwig-Börne-Preis. Mit dem Literaturpreis werden deutschsprachige Autorinnen und Autoren geehrt, die im Bereich des Essays, der Kritik und der Reportage Außergewöhnliches geleistet haben. Laut den Statuten der Stiftung entscheidet jeweils ein vom Vorstand benannte/r Juror/in über die Vergabe und hält auch die Laudatio auf den Preisträger/in. Der Ludwig-Börne-Preis wird am 16. Juni 2013 in der Frankfurter Paulskirche an Peter Sloterdijk überreicht.

Mit Marie-Luise Scherer (1994), Daniela Dahn (2004) und Alice Schwarzer (2008) wurden in den letzten 20 Jahren insgesamt drei Frauen mit dem Literaturpreis geehrt. Die in dieser Zeit benannten vier Jurorinnen Monika Maron (1994), Klara Obermüller (1995), Rachel Salamander (2002) und Necla Kelek (2009) vergaben die Auszeichnung jeweils an Autoren.

Shakespeares HühnerDer mit 20.000 Euro dotierte Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg geht in diesem Jahr an den 59-jährigen Schriftsteller Ralf Rothmann. Den mit 7.500 Euro dotierten Förderpreis erhält der Schweizer Autor Arno Camenisch. Der Literaturpreis wird seit 1983 alljährlich am 6. Juni, dem Vorabend des Todestages von Friedrich Hölderlin, in Bad Homburg verliehen.

Die Jury begründet ihre Entscheidung für Ralf Rothmann wie folgt: „Der Friedrich-Hölderlin-Preis 2013 der Stadt Bad Homburg v.d.Höhe (Stiftung Cläre Jannsen) wird verliehen an Ralf Rothmann für sein literarisches Werk, das sich in Gedichten, Erzählungen und Romanen durch atmosphärische Dichte und sprachliche Genauigkeit auszeichnet. Prägende Themen sind die Erinnerungen an die frühen Jahre im Ruhrgebiet und die Erfahrungen in Berlin, wo der Autor seit 1976 lebt. Stets luzide, nie aber rechthaberisch richtet sich sein Blick auf uns und unseren prekären Alltag. Rothmanns Å’uvre weist über den Tag hinaus und hat sich auch dadurch repräsentativen Rang erworben.

Zuletzt erschien von Ralf Rothmann „Shakespeares Hühner: Erzählungen“
Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 16. April 2012 im Suhrkamp Verlag (211 Seiten)
In einer der neuen Erzählungen Ralf Rothmanns denkt Fritzi, eine junge Gitarristin, über William Shakespeare nach und findet: „Verglichen mit den Sorgen und Nöten seiner finsteren Gestalten sind wir eigentlich nur Hühner oder? Shakespeares Hühner. Wir machen ein unglaubliches Gegacker um lauter Kram – Prüfungen, Lockenstäbe, Handymarken, Geld –, und wissen insgeheim doch alle, dass es nicht das Wahre ist. Dass nichts das Wahre sein kann hinterm Hühnerdraht.“ Dramatische oder auch beglückende Wendepunkte im Leben schildert dieses Buch, dessen Sprache durch eine magische Genauigkeit besticht, und ob wir nun vom Selbstbetrug eines sterbenden Stasi-Beamten, von einer missratenen Orgie an der Ostsee, vom Wiedererwachen einer Liebe in einem japanischen Kloster oder vom Gedächtnis des Schnees hören: „Es ist ja nicht dieser oder jener Zustand, der das Leben ausmacht“, sagt Fritzi. „Es sind die Ãœbergänge, wie in der Musik. Manchmal denke ich, sogar der Tod ist nur ein Akkordwechsel.“ Ralf Rothmann, der unangefochtene Meister der langen wie der kurzen Prosa, hat Erzählungen geschrieben, deren Realismus von der Sehnsucht nach dem Unvermuteten befeuert wird, voller Humor und Empathie. Und deren Nachhall verändert.

Die Entscheidung für den Förderpreis begründet die Jury wie folgt: „Der Förderpreis zum Friedrich-Hölderlin-Preis 2013 der Stadt Bad Homburg v.d.Höhe (Stiftung Cläre Jannsen) wird verliehen an Arno Camenisch für die sprachartistische Erzähltrilogie über Landschaft und Leute seiner Graubündner Herkunft. Souverän spielt der Autor in den so kurzen wie konzisen Romanen „Sez Ner’, „Hinter dem Bahnhof’ und ‚Ustrinkata’ mit den Idiomen, die ihn prägten: mit dem Rätoromanischen, dem Schweizerdeutschen und mit unserer Hochsprache. Entstanden ist darüber eine klangmächtige Wörtersymphonie, die ihre Figuren und Motive fest im Alltag verankert, sie aber auch in surreale Schwebezustände zu versetzen weiß. Arno Camenisch ist ein Literatur-Versprechen.

UstrinkataKurzbeschreibung „Ustrinkata“
Erscheinungstermin: 1. Februar 2012 im Engeler Verlag (96 Seiten)
Es ist der letzte Abend in der Helvezia, der Alkohol fliesst in Strömen wie der junge Rhein, und wes des Herzen voll ist, des geht der Mund über: Jetzt heisst es Austrinken! Noch einmal sitzen sie um den runden Tisch, der Otto, die Tante, der Luis, der Giachen und mit ihnen all die andern, die noch leben oder schon lange tot sind. Arno Camenisch hört ihren tragischen und zugleich komischen Geschichten genau zu, mit seinem präzisen Sinn für den Klang und die Eigentümlichkeiten ihrer Sprache hält er diese von Tod und Vergessen, von Naturgewalten und menschlichen Abgründen, von Hochwassern und Liebeswirren, von Steinschlägen und Händeln bedrohte Welt lebendig. Auf unverkennbar eigenwillige Art beschliesst Arno Camenisch mit „Ustrinkata“ nach „Sez Ner“ und „Hinter dem Bahnhof“ seine äusserst erfolgreiche Bündner Trilogie – es geht alles zu Ende, aber so lange einer noch erzählt, ist das letzte Glas nicht ausgetrunken.

Quelle: Stadt Bad Homburg

Jenny ErpenbeckDie 45-jährige Schriftstellerin und Regisseurin Jenny Erpenbeck erhält für ihren im August 2012 erschienenen Roman “Aller Tage Abend” den Evangelischen Buchpreis 2013. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis ist ein Leserpreis, dessen Auswahl ausschließlich auf Vorschlägen von Leserinnen und Lesern beruht. Er wird in diesem Jahr zum 35. Mal verliehen. Die Preisverleihung findet am 15. Mai 2013 in der Alten Handelsbörse in Leipzig statt, teilte der Verband Evangelisches Literaturportal am 13.02.2013 in Göttingen mit.

In der Begründung der Jury heißt es: In „Aller Tage Abend“ lasse Jenny Erpenbeck sprachgewaltig eine Welt am Anfang des 20. Jahrhunderts im jüdisch-christlichen Milieu Galiziens erstehen: Die stumme Trauer der erst achtzehnjährigen Mutter, das Auseinanderdriften der Eheleute, die Reaktionen der wegen der Heirat mit einem Nicht-Juden entzweiten Familie. Doch es sei nicht aller Tage Abend. Die Autorin erwecke ihre namenlose Protagonistin durch ein Intermezzo zum Leben und skizziere, wie sich das Geschick der Familie hätte entwickeln können. In vier weiteren „Büchern“ werden die Möglichkeiten einer Biographie ausgelotet: Jugend und erste Liebe im vom Hunger geprägten Wien der Zwanziger Jahre, bedrohte Künstlerexistenz im Moskau des Stalinismus, Karriere als hochdekorierte Schriftstellerin im Ostberlin der Sechziger Jahre und vom Sohn betrauerter Tod der Neunzigjährigen im Altenheim im Berlin der Nachwendezeit. Dabei bleibe die Fragilität der menschlichen Existenz immer im Bewusstsein, jedes Buch ende mit einem durchaus möglichen, denkbaren Tod, jedes Intermezzo behaupte die Möglichkeit des (Ãœber)Lebens. Diese mutige, ein Jahrhundert umspannende Konstruktion gelinge, weil Jenny Erpenbeck über eine wunderbare Sprache verfüge. Kunstvoll webe die Autorin Redewendungen, Bibel- und Literaturzitate ein und verknüpfe diese mit der Alltagssprache der Personen. Bewundernswert gelinge es ihr, jedes Kapitel in eine eigene, die Leserschaft fesselnde Form zu gießen.

Aller Tage AbendKurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 20. August 2012 im Albrecht Knaus Verlag (288 Seiten)
Wie lang wird das Leben des Kindes sein, das gerade geboren wird? Wer sind wir, wenn uns die Stunde schlägt? Wer wird um uns trauern? Jenny Erpenbeck nimmt uns mit auf ihrer Reise durch die vielen Leben, die in einem Leben enthalten sein können. Sie wirft einen scharfen Blick auf die Verzweigungen, an denen sich Grundlegendes entscheidet. Die Hauptfigur ihres Romans stirbt als Kind. Oder doch nicht? Stirbt als Liebende. Oder doch nicht? Stirbt als Verratene. Als Hochgeehrte. Als von allen Vergessene. Oder doch nicht?

Meisterhaft und lebendig erzählt Erpenbeck, wie sich, was wir „Schicksal“ nennen, als ein unfassbares Zusammenspiel von Kultur- und Zeitgeschichte, von familiären und persönlichen Verstrickungen erweist. Der Zufall aber sitzt bei alldem „in seiner eisernen Stube und rechnet“.

Quelle: Evangelischer Buchpreis