Der Name der RoseEs gibt literarische Werke, die sind so präzise, klug und spannend geschrieben, da möchte man auf kein Wort verzichten. Umberto Ecos „Der Name der Rose“ ist ein solches Buch. Man möchte bis in den letzten Winkel hören, wie William von Baskerville mit seinem Adlatus durch die Gänge der Abtei streift. Man möchte seiner zornigen Auseinandersetzung mit den Dominikanern lauschen und auch dem Wahnsinn in der Stimme des alten Bibliothekswächters Jorge.

Gert Heidenreich führt mit seiner Lesung souverän durch diesen historischen Krimi, in dem jede Silbe, jede Betonung, jeder Nachklang seinen unverzichtbaren Platz hat.
Er beherrscht Sprachrhythmus und Klangfarben so gut, dass man das Gefühl hat, des Autors Gedanken zu hören. (Bayrischer Rundfunk)

Kurzbeschreibung
Daß er in den Mauern der prächtigen Benediktinerabtei an den Hängen des Apennin das Echo eines verschollenen Lachens hören würde, das hell und klassisch herüberklingt aus der Antike, damit hat der englische Franziskanermönch William von Baskerville nicht gerechnet. Zusammen mit Adson von Melk, seinem etwas tumben, jugendlichen Adlatus, ist er in einer höchst delikaten politischen Mission unterwegs.

Doch in den sieben Tagen ihres Aufenthalts werden die beiden mit kriminellen Ereignissen und drastischen Versuchungen konfrontiert: Ein Mönch ist im Schweineblutbottich ertrunken, ein anderer aus dem Fenster gesprungen, ein dritter wird tot im Badehaus gefunden. Aber nicht umsonst stand William lange Jahre im Dienste der heiligen Inquisition. Das Untersuchungsfieber packt ihn. Er sammelt Indizien, entziffert magische Zeichen, entschlüsselt Manuskripte und dringt immer tiefer in ein geheimnisvolles Labyrinth vor, über das der blinde Seher Jorge von Burgos wacht …

Die Spieldauer dieser ungekürzten Fassung beträgt 26 Stunden und 26 Minuten. Bei Audible ist diese Fassung regulär für 34,95 Euro erhältlich, im Abonnement kostet das Hörbuch nur 9,95 Euro.

desireeDas Schuljahr ist so gut wie zu Ende – Lektüren wie Lessings Minna von Barnhelm und Emilia Galotti oder Der geteilte Himmel von Christa Wolf sind interpretiert, benotet und hoffentlich noch nicht vergessen, die Sommerferien fangen bald an.

„Was kann ich lesen, Mum?“, fragte mich meine fast erwachsene Tochter. Es darf keinesfalls langweilig sein, nicht zu schwer und durchaus romantisch. Nach dem überstandenen „Bis(s)-Hype, machte ich mich natürlich gerne auf die Suche nach „Ferien-Lesestoff“,  und prompt fiel mir meine angestaubte Ausgabe von Désirée von Annemarie Selinko in die Hände.

Ich glaube, eine Frau kann viel leichter bei einem Mann etwas erreichen, wenn sie einen runden Busen hat. Deshalb habe ich mir vorgenommen, mir morgen vier Taschentücher in den Ausschnitt zu stopfen um wirklich erwachsen auszusehen. In Wirklichkeit bin ich natürlich schon ganz erwachsen, aber das weiß nur ich, und man sieht es mir noch nicht richtig an.

Mit diesen Zeilen beginnt Annemarie Selinkos, in Form eines fiktiven Tagebuches, geschriebener Roman Désirée. Er erschien 1951, wurde in 25 Sprachen übersetzt und gehört mit einer Gesamtauflage von über 2,8 Millionen Exemplaren zu den  größten Unterhaltungsromanen der deutschen Literatur.

Annemarie Selinko wurde 1914 in Wien geboren, studierte einige Semester Sprachen und Geschichte an der Universität Wien, war dann als Journalistin tätig, unter anderem als Österreich-Korrespondentin für die französische Zeitschrift L`Intransigeant. Mit der Veröffentlichung des  Unterhaltungsromans  Ich war ein häßliches Mädchen wurde sie bekannt, die Kritiker stellten sie auf eine Stufe  mit Vicky Baum. Als sie sich 1937 in Genf aufhielt, um einige Politiker-Interviews aufzunehmen, lernte sie dort bei einer internationalen Studentenkonferenz Erling Kristiansen kennen. Nach der Heirat mit dem dänischen Diplomaten Kristiansen 1938 lebte sie in Kopenhagen, Stockholm, Paris und London. Durch ihre Heirat wurde sie dänische Staatsbürgerin.

Als im Zweiten Weltkrieg Dänemark von den Deutschen besetzt wurde, schloss sich Selinko der Widerstandsbewegung an und wurde 1943 für kurze Zeit von der Gestapo inhaftiert. Mit ihrem Mann konnte sie in einem offenen Fischerboot nach Schweden flüchten und arbeitete in Stockholm bei einer Nachrichtenagentur. Gegen Kriegsende war sie als Dolmetscherin beim Hilfswerk des Roten Kreuzes tätig.

Annemarie Selinko starb 1986 im Alter von 72 Jahren in ihrer Wahlheimat Dänemark.

Ihr letztes Werk, den Roman Désirée über Désirée Clary, die ehemalige Verlobte Napoleons und spätere schwedische Königin, widmete sie ihrer Schwester Liselotte, die von den Nazis ermordet wurde.

Annemarie Selinko ÜBER MICH SELBST
Ich wurde am 1. September 1914 in Wien geboren. Solange ich denke kann, hatte ich den Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Mit 13 Jahren veröffentlichte ich eine Kurzgeschichte in einer Zeitschrift. Als ich zur Redaktion ging, um mein Honorar abzuholen, fragte man mich, ob meine Mutter mich ermächtigt hätte, es in Empfang zu nehmen. Man glaubte, meine Mutter sei die Autorin. Ich wagte nicht zu sagen, daß ich die Geschichte geschrieben hatte, die ich sehr spitzfindig und ein bißchen sündhaft fand. Am Tage meines Abiturs bat ich einen Wiener Zeitungsverleger um einen Job. Ich zeigte ihm mein Abiturzeugnis und erklärte bescheiden: „Ich fürchte, in Latein und Mathematik bin ich nicht sehr tüchtig.“
Um mich loszuwerden, beauftragte er mich, eine Geschichte über arbeitslose Frauen zu schreiben. Da ich eine sehr behütete Kindheit verbracht hatte, machte diese erste Begegnung mit einer schrecklichen Armut einen ungeheuren Eindruck auf mich, und erschüttert schrieb ich einen Artikel, durch den ich ständige Mitarbeiterin der Redaktion dieser Zeitung wurde. Ich war damals 17 Jahre alt. Mein Vater wünschte, daß ich zur Universität ging, und so war ich gleichzeitig Journalistin und Studentin.

desiree1Kurzbeschreibung
Annemarie Selinkos großer historischer Roman, beschreibt die Geschichte der Désirée Clary, Seidenhändler-Tochter aus Marseille, die es tatsächlich zu etwas bringen und in die Weltgeschichte eingehen sollte. Sie war die erste Verlobte Napoleons, heiratete später den französischen Marschall Bernadotte, lebte in der Gunst des Kaisers in Paris und verließ Frankreich schließlich mit ihrem Mann, als der den schwedischen Thron bestieg. Das Buch erreichte in kurzer Zeit Millionenauflagen. Der Hollywood-Film mit Jean Simmons als Désirée und und Marlon Brando als Napoleon wurde ebenfalls ein Welterfolg, und auch heute noch hat dieser historische Liebesroman nichts von seinem Zauber verloren.

Der Roman besticht durch seine große Authenzitität der Beschreibung über das Ende der französischen Monarchie Er ist bunt, farbenprächtig und voller Gefühle, die natürlich auch nicht zu kurz kommen.  Désirée, die Protagonistin, verliebt sich unglücklicherweise in einen kleinen dahergelaufenen korsischen Soldaten mit großen Ambitionen – eine schicksalhafte Begegnung.

simplicissimusoriginalcovergrimmelshausenSprechende Bücher sind im Urlaub sehr nützlich, sie sind nicht schwer, werden nicht sandig, fettig und nass und erlauben es zudem, die Umgebung im Auge zu behalten. Wenn die Buchstaben, serviert wie das Essen, im Zusammenhang deftig, schräg, amüsant und auch tragisch erscheinen, handelt es sich zwar nicht um leichte Kost, sondern hier um die Abenteuer des Underdog und Womanizer Melchior Sternfels von Fuchshaim.

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens Schelmenroman Der abenteuerliche Simplicissimus ist das wichtigste Werk seiner Art im 17. Jahrhundert, erschienen 1668, datiert auf 1669.

der-abenteuerliche-simplicissimus1„Ach“, sagte ich zu mir selbst, „Simplici was tust du? Du liegst hier auf der faulen Bärenhaut und dienest weder Gott noch den Menschen!“

Also zieht er los, der Bauerntölpel und Waisenknabe. Die Zeitumstände sind übel, die Mächte Europas befinden sich im Dreißigjährigen Krieg. Der Umgang unter den Menschen ist rau und die Sitten sind derb. Als Reaktion darauf beschließt Simplicissimus, als Narr durch die Welt zu gehen. Simplici gerät in die unglaublichsten Abenteuer und Geschichten und Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (um 1622–1676) erzählt sie in einem faszinierend-abenteuerlichen, derb-drastischen und von hintergründigem Humor zeugenden Zeitroman.

Dank seiner direkte Sprache und präzisen Schilderungen der damaligen Lebensverhältnisse ist er auch ein kulturhistorisch wertvolles Zeugnis der damaligen Gesellschaft. Die knapp 18-stündige Lesung von Roberto Gaspard ist die derzeit einzige, vollständige Hörbuch-Fassung.

Die lebendige Erzählweise ermöglicht einen leichten und amüsanten Zugang zu diesem Klassiker der Weltliteratur.

Erschienen 2006 im Christoph Merian Verlag, Spieldauer 17 Std. 44 Min. Regulär kostet das Hörbuch 74,00 Euro, bei Audible.de als Download 51,95 Euro und im Abo (monatlich kündbar) nur 9,95 Euro!

Die Eleganz des IgelsDie fabelhafte Welt der Reneé

Die gebildete Concierge Reneé, die ihr Wissen vor aller Welt verbirgt, ein altkluges Mädchen auf der Suche nach der Schönheit in der Welt und ein geheimnisvoller japanischer Geschäftsmann: Muriel Barberys Überraschungserfolg Die Eleganz des Igels

„An einem Tag scheint mir, ich umfasse mit einem einzigen Blick die Gesamtheit des Wissens“, grübelt Reneé, „und dann entzieht sich mir unvermittelt der Sinn“. Die 54-jährige Witwe lebt seit 27 Jahren als Concierge in der Rue de Grenelle 7 und glaubt, ein Klischee erfüllen zu müssen: Nach außen spielt sie die einfältige Concierge, tatsächlich ist sie aber sehr gebildet und nutzt die ruhigen Stunden im Haus zum Studium der Literatur und Philosophie. Paloma ist 12 Jahre alt, hat reiche Eltern und wohnt in demselben Pariser Stadtpalais. Das intelligente Mädchen macht sich in Tagebüchern „Tiefgründige Gedanken“ und ist – ebenso wie Reneé – auf der Suche nach der Schönheit in der Welt. Da Paloma die verlogene Welt der Erwachsenen gegen den Strich geht, plant sie, sich vor ihrem 13. Geburtstag umzubringen. Doch dann taucht der japanische Geschäftsmann Kakuro Ozu auf – und verändert das Leben in der Rue de Grenelle 7 gewaltig.

Der große Bestseller aus Frankreich: Hinreißend komisch und zuweilen bitterböse erzählen die beiden sehr sympathischen Figuren von ihrem Leben, ihren Nachbarn im Stadtpalais, von Musik und Mangas, von Gott und der Welt. Eine großartige Gesellschaftssatire, ein sehr intelligenter Führer durch Kunst und Philosophie, die höchst unterhaltsame und anrührende Geschichte zweier Außenseiter.

Über die Autorin
Muriel Barbery, geb. 1969 in Casablanca in Marokko, ist Absolventin der Ecole Normale Supérieure und Professorin für Philosophie, sie lehrt am IUFM von Saint-Lô.
Mit ihrem zweiten Roman L’Elégance du hérisson – Die Eleganz des Igels ist Muriel Barbery derzeit auf Platz 9 der Spiegel-Bestenliste vertreten. Sie erhielt für dieses Werk ein halbes Dutzend Preise, darunter den Prix Georges Brassens und den Prix Rotary. 2000 wurde Muriel Barbery vom Verlag Gallimard entdeckt, als sie dort per Post ihren ersten Roman Die letzte Delikatesse eingesendet hatte. Ihr Werk wurde bisher in zwölf Sprachen übersetzt, so auch ins Deutsche.
Muriel Barbery lebt derzeit in Kyoto.

Der dtv hat unter dem Titel: Ein Roman bedeutet Freiheit ein Interview mit der Autorin und eine Hörprobe des Romans online gestellt.
Und eine sehr schöne, ausführliche Rezension von Urs Jenny ist hier bei Spiegel Wissen nachzulesen.

Erschienen im Dtv (Mai 2008), 360 Seiten

Wir besprechen das Buch am 19.06.2010 im Lesekreis. Treffpunkt: 21 Uhr bei Karin.

Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz

Der erste Satz:
Als Mr. Silvera endlich (look, look, Mr. Silvera) den Sicherheitsgurt lockert und sich über seine Sitznachbarn hinüberreckt, um aus dem Flugzeugfenster zu spähen, ist Venedig schon wieder verschwunden; er sieht nichts als ein fernes Stück aluminiumfarbenes Meer und ein ganz nahes, massiges Aluminiumtrapez, den Flügel.

Kurzbeschreibung
Eine stürmische Romanze bahnt sich an zwischen Mr. Silvera, dem geheimnisvollen, polyglotten Reiseleiter mit verblüffend profunder Kenntnis von Venedigs Historie und Kunst, und der römischen Principessa, die im Auftrag eines Auktionshauses eine venezianische Gemäldesammlung begutachtet. Doch was weiß der „Mystery Man“ über den raffinierten Kunstschmuggel, dem die Aristokratin mit seiner Hilfe auf die Spur zu kommen versucht? Dieser Roman ist eine bittersüße Liebesgeschichte, eine faszinierende Hommage an Venedig und zugleich ein aufregender Krimi.
Die Hauptfigur des Buches, Mr. Silvera, ist ein „Mann um die 40, groß und mager, mit einem scharf geschnittenen Medaillenkopf und leicht gekrümmten Schultern“. Bezeichnend für ihn ist sein grashalmdünnes, nur sehr schwer deutbares Lächeln und seine viel sagende Antwort auf schwierige Fragen — „ah“. Man könnte sich für ihn alle möglichen Berufe vorstellen, aber er passt nur sehr schwer in das Bild eines Reisebegleiters. Mit unendlicher Geduld lässt er die immer wiederkehrenden Begeisterungsausbrüche der Touristen, die er durch Venedig führt, über sich ergehen: „Look, look, Mr. Silvera!“

Autorenporträt
Hinter den beiden Nachnamen Fruttero & Lucentini (oft auch nur F&L) verbergen sich die beiden italienischen Krimiautoren Carlo Fruttero, geboren 1926 und Franco Lucentini (1920–2002). Als sehr erfolgreiches Autorenduo auftretend, werden sie auch „Die Firma“ (La ditta) genannt. Ihre Romane sind meist nicht nur Krimis, sondern enthalten auch hintergründige Gesellschaftskritik. Zudem leiteten sie gemeinsam von 1961-1986 das Science Fiction-Magazin Urania, welches bei Mondadori in Mailand erscheint und traten für den Verlag Einaudi in Turin als Übersetzer in Erscheinung.

In Der Lieberhaber ohne festen Wohnsitz spielen Fruttero und Lucentini die verschiedenen Möglichkeiten der Figur des Mr. Silvera bravourös durch, selbst der CIA und der KGB werden nicht ausgelassen, doch diese Lösung ist für die beiden Autoren natürlich zu primitiv. Sagen sie doch von sich, dass sie genau die Bücher schreiben, die sie selbst gerne lesen würden. In einem Interview führen sie aus, dass sie bei diesem Projekt zum Ziel hatten, das alte Venedig sichtbar zu machen und so zu erhalten, bevor es in einem Abfallhaufen versinkt. Und dieses Ziel haben sie zweifelsohne erreicht.

Ein schönes Buch, wirklich sehr empfehlenswert!