Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 04/2012

Platz 1 : Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson

Platz 2 : Aleph von Paulo Coelho

Platz 3 : Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt von Dora Heldt

Platz 4 : Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner von Kerstin Gier

Platz 5 : Erlösung: Der dritte Fall für Carl Mørck von Jussi Adler-Olsen

Platz 6 : In Zeiten des abnehmenden Lichts

Platz 7 : Schändung von Jussi Adler-Olsen

Platz 8 : Eragon 04 – Das Erbe der Macht von Christopher Paolini

Platz 9 : Der Friedhof in Prag von Umberto Eco

Platz 10 : Schoßgebete von Charlotte Roche

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 04/2012

Platz 1 : Der Beobachter von Charlotte Link

Platz 2 : Der Feind im Schatten von Henning Mankell

Platz 3 : Zwei ein einem Tag von von David Nicholls

Platz 4 : Das geheime Vermächtnis von Katherine Webb

Platz 5 : Vampire küsst man nicht von Lynsay Sands

Platz 6 : Verblendung von Stieg Larsson

Platz 7 : Erbarmen von Jussi Adler-Olsen

Platz 8 : Alle Rache will Ewigkeit von Val McDermid

Platz 9 : Der Verehrer von Charlotte Link

Platz 10 : Mädchenfänger von Jilliane Hoffman

Quelle: Spiegel Online Kultur

„Ziemlich beste Freunde“ erster Titel bei Hanser Berlin

Ziemlich beste Freunde: Das zweite Leben des Philippe Pozzo di Borgo lautet der erste Titel im neuen Hanser Verlag Berlin.

Philippe Pozzo di Borgos autobiografische Erzählung erschien bereits 2001 in Frankreich unter dem Titel Le Second Souffle. Die deutschsprachige Übersetzung umfasst 240 Seiten und erscheint am 19. April 2011. Die Erzählung ist die Vorlage des gleichnamigen Films, der allein in Frankreich 18 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte. Auch in Deutschland startete am 5. Januar 2012 „Ziemlich beste Freunde“ mit über 300.000 Zuschauern am ersten Wochenende sehr erfolgreich.

Das Buch von Philippe Pozzo di Borgo ist in seiner Heimat ein Bestseller. In Deutschland kommt es bei Hanser Berlin mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren in den Handel. Das erste vollständige Programm mit zehn Titeln, darunter neue Bücher von Richard Ford, Henning Ritter und Richard Sennett, wird im Herbst 2012 veröffentlicht.

Kurzbeschreibung
Philippe Pozzo di Borgo ist Geschäftsführer der Firma Champagnes Pommery, als er mit dem Gleitschirm abstürzt und vom Hals ab querschnittsgelähmt bleibt. Er ist 42 Jahre alt und braucht einen Intensivpfleger. Der arbeitslose Ex-Sträfling Abdel erscheint zum Vorstellungsgespräch eigentlich nur, um eine Unterschrift fürs Sozialamt zu bekommen. Und kriegt den Job. Mit seiner mitleidslosen, lebensfrohen, ungehobelten und authentischen Art wird Abdel zu Philippes „Schutzteufel“. Zehn Jahre lang begleitet er ihn durch alle dramatischen und komischen Momente seines Lebens †“ und gibt ihm die Lebensfreude zurück. Von Olivier Nakache und Eric Toledano verfilmt, ist dieses moderne Märchen zu einem der erfolgreichsten französischen Filme aller Zeiten geworden. †“ Eine wahre Geschichte, die man sich nur unter höchstem Kitschverdacht hätte ausdenken können.

Quelle: Focus Online

Das wird teuer, Lady! Autor und Verlegerin drohen Literaturblog mit Klage

Am 16. November 2011 hat Myriel auf ihrem Literaturblog „Bücherzeit“ eine Rezension zu einem im Februar 2011 im Roder Verlag erschienen Roman von John Asht veröffentlicht. Da sie sich mit den vielen „Ungereimtheiten“ und der „schwerfälligen Sprache“ in dem über 900 Seiten starken „Ziegelstein“ nicht länger quälen wollte, hat sie nach 90 Seiten „Twin-Pryx. Zwillingsbrut“ abgebrochen.

Nun ist verständlicherweise kein Autor begeistert, wenn ein Rezensent sein monumentales Werk nicht zu Ende lesen kann. Aber wer will ihn dazu zwingen? Letztendlich ist doch die Wahrnehmung eines jeden Buches reine Geschmackssache. Auch an diesem Roman scheinen sich die Geister zu scheiden, denn alle vier Kundenrezensionen haben ihn bei Amazon mit 5 Sternen bewertet.

Warum sich der Autor John Asht und die Verlegerin Antje Roder jedoch anmaßen, Muriels Fazit nicht nur in Frage stellen, sondern sie auf beleidigende Art und Weise diffamieren und mit Klage drohen, ist unfassbar.

Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch†™ unqualifizierte Pseudo-Rezi.
Mädel, schreib†™s dir hinter die Ohren: Phantastische Literatur ist nicht „Fantasy†œ.
Also, tu uns allen einen Gefallen und bleib bei deinen Zwergen und Elfen †“ für mehr reichts nicht!
„, kommentierte John Asht am 17.12.2011 einen Monat nach der Veröffentlichung die Rezension.

Doch damit nicht genug, denn gut dreieinhalb Stunden später schrieb er folgendes: „… außerdem werde ich „Myriel†œ und „Bücherzeit†œ von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen †“ denn mir sieht diese Einrichtung sehr suspekt aus †“ etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten. Das wird teuer, Lady!

Noch suspekter wird die Angelegenheit, als die Verlegerin Antje Roder höchstpersönlich der Bloggerin nur einige Stunden später ausführlich erklärt, wie sie eine Rezension zu verfassen hat. Auch sie unterstellt Myriel, dass es natürlich bequem sei, so schön anonym einen Verriss zu posten. Man müsse ja dem vermeintlichen „Gegner†œ dabei nicht in die Augen schauen. Das sei nicht gerade mutig, aber eben einfach. Auf diese Weise könne man auch wunderschön sogenannte „Freundschaftsdienste†œ erfüllen und sich zum Handlanger anderer machen. Allerdings besitze jeder Verlag und auch jeder Autor die Handhabe, eine feindliche und destruktive Kampagne ahnden zu lassen, sodass dann vor der Staatsanwaltschaft auch der Deckname nichts mehr nütze. Die Person werde identifiziert und zur Rechenschaft gezogen.

Hat denn Frau Roder noch nie etwas von Artikel 5 des Grundgesetzes gehört?

Zum Glück bleibt Myriel gelassen und hat in mittlerweile fast 150 Kommentaren viel Zuspruch erhalten. Fast alle sind über das Vorgehen von Autor und Verlegerin empört, entsetzt und distanzieren sich öffentlich von ihnen.

Aber John Asht ist noch nicht fertig mit Myriels Bücherzeit und lamentiert heute auf seinem Blog über die guten alten Zeiten, als es noch echte Literaturkritiker gab. Unter der Headline Literatur-Kriminalität im Internet erzählt er eine unheimliche Geschichte, die von Rache für ein verschmähtes Manuskript, nicht geflossenen Geldern, gezielter Geschäftsschädigung wider besseren Wissens und einer Anzeige wegen Verstoßes gegen § 15 UWG „Geschäftlicher Verleumdung“ handelt.

Diesen Beitrag veröffentlichte der Autor heute ebenfalls auf Facebook und zwar direkt in die Gruppe „Schreiben & Lektorieren & Verlegen“.

Die Autorin Claudia Martini kommentiert dazu: „das alles hier hättest du dir lieber schenken sollen, damit schadest du nur dir selbst, deinem Werk und sogar ein bisschen uns anderen Autoren!“

John Asht sieht das allerdings ganz anders: „im Gegenteil – der Verkauf läuft gerade deswegen prima – die Leute kaufen jetzt TWIN-PRYX, lesen es und geben mir Recht: der Roman ist SUPER, sagen sie – allerdings nichts für Greenhorns…und ich bekomme Inbox soviele Zusprachen von Autoren die es ebenfalls satt haben, Geschenke und Gelder an kriminelle Rezensenten zu zahlen für positive Kritik. Genug ist Genug! Literaturkritiker haben neutral und objektiv zu sein! Was ich sehr verwerflich und abscheulich finde, ist dieses Meutegebaren von Halbstarken – das sind die Pseudeliteraten, die sich gegenseitig die Werke loben ohne sie überhaupt gelesen zu haben – so ziehen sie auch über andere her, ohne überhaupt zu wissen um was es geht. Unreif & Lächerlich!

Alles nur virales Marketing auf Kosten von Myriels Literaturblog?  Ich werde auf jeden Fall kein Buch aus dem Roder Verlag lesen, geschweige denn von dem Autor!

 

Hapu: Teufel im Leib von Michael Zandt [Rezension]

Bade nicht in Selbstmitleid! Du bist jung! Du hast zwei Hände, zwei Beine, einen Kopf! Nimm dein Leben in die Hand!

Hapu ist eine junge Frau, die mitten im Leben steht. Sie hat einen Job, Hobbys und teilt sich mit ihrer Freundin Hari eine Wohnung. Doch sie unterscheidet sich nicht nur äußerlich von ihren weiblichen Artgenossen, sondern auch durch ihre Lebensgewohnheiten. Sie ist eine Asartu, eine Dämonin, die menschliche Enzyme zum Überleben braucht †“ und zwar von lebenden Spendern.

Menschen und Asartu leben scheinbar in einer friedlichen Koexistenz miteinander in einer Welt, wie wir sie kennen, doch nicht nur unter dieser Oberfläche beginnt es zu brodelt, sondern auch bei den Dämonen scheint sich ein Umbruch anzubahnen. In einer Tempelruine tief im Regenwald, von der Hapu sich magisch angezogen fühlt, erhofft sie endlich Antworten über ihre zweite Seele Lilith zu finden. Lilith, eine Sepuku, ist in ihrem Körper erwacht und hat viele Fragen aufgeworfen. Dort kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung.…

Entwurzelt und mittellos landet Hapu nach einigen blutigen Auseinandersetzungen, die eine Ausbürgerung aus ihrer Heimat in Deutschland zur Folge hat, auf Kemet und muss sich dort ein neues Leben aufbauen. Um nicht in die Obdachlosigkeit abzurutschen, beherzigt sie den Rat Ahweres:

[…] „Kemet ist der einzige Ort auf der Welt, der wirklich dir gehört! Nur hier bist du weder auf die Gnade, noch das Mitleid der Menschen angewiesen. Nur hier musst du dich nicht dafür entschuldigen, wer du bist! Tausende und Abertausende haben dir diese Heimat mit ihrem Leben erkauft. Zeige dich diesem Opfer würdig! Bade nicht in Selbstmitleid! Du bist jung! Du hast zwei Hände, zwei Beine, einen Kopf! Nimm dein Leben in die Hand! Geh´ hinaus und spüre, dass du frei bist!†œ[…]

Hapu beschließt ihren Militärdienst zu leisten, um danach studieren zu können. Doch etwas oder jemand in ihr hat ganz andere Pläne, die mit ihren eigenen so gar nicht konform gehen.

Knallhart und ohne Schnörkel erzählt uns Hapu ihre Geschichte. Brutal ehrlich, blutrünstig und hin und wieder scheinbar emotionslos, gerade so, als wolle sie um Luzifers Willen bloß keine Gefühle für ihre Mitmenschen oder Mitdämonen zulassen.

Verzeihung, ich meine natürlich, dass der Autor Michael Zandt uns ihre Geschichte erzählt, aber zuweilen hatte ich schlichtweg vergessen, dass hier ein Autor seine Feder schwang. Er hat es meisterlich verstanden, gerade so, als hätte Hapu manchmal leibhaftig vor mir gesessen und mit mir bei Kaffee und Zigaretten über ihr Leben geplaudert. Zuerst war ich ob ihrer Brutalität etwas irritiert, doch nach wenigen Seiten dachte ich spontan… das passt! Genau so muss ein Dämon sein, genau so muss er handeln, um glaubwürdig als Luzifers Nachkömmling zu erscheinen.

Auch Hapus Kampf mit den Behörden der Asartu auf Kemet, ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte und ihre Lernbereitschaft, ihre Wut, die sie selbst als rote Woge bezeichnet, unter Kontrolle zu bekommen und in die richtigen Bahnen zu lenken, wird sehr anschaulich von Michael Zandt geschildert.

Hapu schließt nicht schnell Freundschaften, nur wen sie in ihr dämonisches Herz geschlossen hat, kann sich glücklich schätzen. Da ist ihre Menschenfreundin Hari oder auf Kemet Selkis und nach einigen Anfangsschwierigkeiten auch Ashayt. Für sie würde Hapu sogar die Hölle zufrieren lassen.

Der Leser erfährt viel über das Leben und die Historie der Asartu und anderer Dämonenarten. Dann und wann sind die Informationen vielleicht ein wenig zu geballt, wodurch der aufgebaute Spannungsbogen etwas abflacht, doch so manches Mal katapultiert er sich schlagartig in die Höhe, wenn am Ende eines Absatzes plötzlich etwas vollkommen Unerwartetes passiert und man überrascht nach Luft schnappt.

Mir persönlich haben auch die Illustrationen von Grit Richter in dem Buch und ihre Covergestaltung sehr gut gefallen.
Angenehm ist es ebenfalls, einmal nicht von überdurchschnittlichen gutaussehenden Superhelden und ach so tapferen Gutmenschen zu lesen. Der wohldurchdachte Erzählstil passt wunderbar zu der Figur Hapu und den verschiedenen Spezies in dieser Geschichte. Alles andere wäre in meinen Augen zu „weichgespült†œ und unglaubwürdig. Man sollte sich einfach darauf einlassen †“ dann steht einem ungewöhnlichen Lesegenuss nichts mehr im Weg.

Hapu: Teufel im Leib von Michael Zandt. Taschenbuchausgabe, 273 Seiten. Candela Verlag, Korb 2011

Der Lesekreis bedankt sich bei Angie für die schöne ausführliche Buchbesprechung und bei Candela Verlag für die freundliche Überlassung einen Rezensionsexemplares.

Kurzbeschreibung
Die attraktive Hapu ist eine junge Frau wie viele andere auch. Sie liebt ihr Motorrad, geht keiner Prügelei aus dem Weg und ist engagierter Fan der Stuttgarter Kickers. In mancher Hinsicht unterscheidet sich Hapu aber von der Mehrzahl ihrer Altersgenossinnen. Sie hat schneeweiße Haut, einen beweglichen Schwanz und … manchmal Appetit auf Menschenfleisch.

Über den Autor
Seinen ersten Kontakt mit der Literatur hatte Michael Zandt nach eigenen Angaben am Zeitschriftenregal des örtlichen Supermarktes, wo er regelmäßig (und taschengeldneutral) die Abenteuer der Schlümpfe verschlang.
Jules Verne und H.G. Wells ebneten ihm später den Weg in die Welt der Phantastik. Er bewunderte Perutz, vergötterte Poe und amüsierte sich leidlich bei Lovecraft. Auch durch den unvermeidlichen Herrn der Ringe hat er sich gekämpft. Eine grandiose Zeitverschwendung übrigens, meint Zandt.
Heute sind seine literarischen Interessen verhältnismäßig breit gestreut. So finden sich neben Cormack McCarthy auch Louis-Ferdinand Céline oder Wenedikt Jerofejew in seinem Bücherregal. Hapu: Teufel im Leib ist sein Debütroman.