Während die Verlage in Großbritannien und den USA die zigtausend “Book Clubs” als strategischen Faktor zur Umsatzsteigerung längst wahrgenommen haben, werden im deutschsprachigen Raum kaum Kontakte zur kollektiv lesenden Basis gesucht. Das soll sich nun ändern.

Lesebegeisterte können sich im Forum bei „Read&Meet“ anmelden und sich aktuell über Lily Bretts Roman „Chuzpe“ austauschen. Katharina Liehr vom Forum Zukunft und Jasmin Marschall vom mediacampus frankfurt betreuen die neue Initiative im Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., um das Konzept interaktiver Leserunden in der Branche zu etablieren.

In dem neuen Forum werden neben der „Initiative Read&Meet“ ganz allgemein Leserunden, Lesezirkel, Reading Groups vorgestellt. Unter „R&M-Leserunden“ finden derzeit die Diskussionen zu Lily Bretts „Chuzpe“ statt. Teilnehmer können sich hier vorstellen und sich ganz konkret zu den Kapitel 1 bis 5, 6 bis 9 und 10 bis 14 äußern. Unter der Rubrik „Resümee“ ist Platz für Schlussbetrachtungen, Resümees, Rezensionen und Fazite.

Wer möchte, kann sich für ein Treffen am 23.04.2012 am Welttag des Buches im Restaurant Margarete im Haus des Buches in Frankfurt am Main anmelden und dann abschließend über „Chuzpe“ diskutieren. Die nächsten Titel für die Online-Diskussionen werden von den „Read&Meet“-Teilnehmern vorgeschlagen und gewählt – jedes Genre ist willkommen.

Das zweite Offline-Treffen von „Read&Meet“ ist für Ende Mai geplant und wird auf dem mediacampus frankfurt stattfinden.

Ein weiteres Modul des Projekts seien so genannte Webinare für Mitarbeiter aus Buchhandlungen und Verlagen, heißt es in einer Mitteilung des Börsenvereins. Die Webinare werden im Laufe des Jahres vom mediacampus frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Forum Zukunft online angeboten, um Leserunden als innovatives und wirksames Marketing- und Vertriebsinstrument vorzustellen.

Im Moment ist das Interesse an dem Projekt mit lediglich 45 Beiträgen im Forum erschreckend gering. Das größte Problem stellt wohl die „Kontaktaufnahme zur kollektiv lesenden Basis“ dar. Wie schafft man es, webaffine Lesebegeisterte in das Forum zu locken und dafür zu begeistern? Büchereule.de und Leserunden.de haben laut Katharina Liehr als Anregung und Erfahrungsschatz gedient. Das sind gewachsene Portale, die bereits seit vielen Jahren gepflegt werden. Dass sie als Vorbild gedient haben, ist bei „Read &Meet“ unschwer zu erkennen. Kann sich eine neue Plattform nicht deutlich innovativer präsentieren?

Seit dem 01. Dezember 2010 wird im diesjährigen literarisch-kulinarischen Adventskalender auf boersenblatt.net gebrutzelt, gebraten und gebacken. Entsprechend lecker sind auch die Preise im Gesamtwert von 1.300 Euro, die auf die Gewinner warten. Nämlich:

  • Ein Verwöhnwochenende für zwei Personen im Literaturhotel Villa Orange in Frankfurt (2 Übernachtungen im Deluxe-Doppelzimmer mit Frühstück), auf Wunsch Besuch der Börsenblatt-Redaktion am Freitag.
  • Zwei Champagne Barons de Rothschild-Pakete vom Hanseatischen Wein- und Sektkontor im Wert von je 105 Euro
  • Zwei Gutscheine im Wert von je 100 Euro für den Weinversand Meevio
  • 2×2 Karten für ein GALADINNER, in einem der 200 Spielorte deutschlandweit nach Wahl, ausgenommen Spielorte bei denen die Getränke zum Essen im Ticketpreis enthalten sind.
  • 2×2 Karten für eine Show in einem der bekanntesten Varieté-Theater in Deutschland, dem Tigerpalast in Frankfurt, zu ausgewählten Terminen
  • Zwei leseleckere Geschenksets („Gaumenkitzel“, „Arabica & Robusta“) aus dem literarisch-kulinarischen Verlag Stories & Friends

Bei richtiger Beantwortung der Quizfragen, ergeben die in Klammern gesetzten Buchstaben aneinandergereiht einen Lösungssatz, der bis zum  31. Dezember 2010 mit Adresse und Telefonnummer (wg. der Kontaktierung)  per Mail an adventskalender@mvb-online.de geschickt werden muss. Die Gewinner werden Anfang Janurar benachrichtigt und auf boersenblatt.net und im Printheft Börsenblatt genannt.

Bislang gilt es folgende Fragen zu knacken. Details zu den einzelnen Fragen finden sich jeweils hinter dem Link im Datum, der direkt  zum Adventsrätsel beim Börsenblatt führt. Viel Spaß beim Rätseln! 😉

_______________________________________________________________________________________

01.12.: Was will ein gesuchter Romanheld, dessen Autor auch Sänger in der Band „Element of Crime“ ist, essen, als er in der Berliner Kneipe sitzt, in der Heidi kocht?

1. Schweinebraten (W)
2. Sauerbraten (G)
3. Hackbraten (N)

_______________________________________________________________________________________

02.12.: Wie heißt der berühmte Koch, der Eislutscher aus Lakritze-Honig-Ghee zu seiner Spezialität zählt, müde Ehepaare munter macht und auch die Libido ergrauter Wirtschaftsbosse befeuert?

1. Majan (O)
2. Maketa (I)
3. Maravan (E)

_______________________________________________________________________________________

03.12.: Wie heißt die Leckerei aus dem Backofen, die zwei furchtlose Helden aus der Kinderliteratur und dem Puppentheater zuhause auf ihrer Inselidylle genießen ?

1. Käsekuchen (L)
2. Frankfurter Kranz (E)
3. Gugelhupf (I)

_______________________________________________________________________________________

04.12.: Welches ist das Hilfsmittel der Verführungskünste eines kleinen, stimmgewaltigen Romanhelden, das er aus dem Buchnabel eines Mädchens genießt.

1. Malzbier (I)
2. Limonade (S)
3. Brausepulver (N)

_______________________________________________________________________________________

05.12.: Wonach wird gesucht, wenn es sich um Süßigkeiten aus der magischen Welt handelt, die unter Umständen völlig unerwartet nach Ohrenschmalz schmecken?

1. Druhbels bester Blaskaugummi (W)
2. Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung (U)
3. Essbare Dunkle Male (E)

_______________________________________________________________________________________

06.12.: Wofür schwärmt die Witwe Bolte in Wilhelm Buschs Max und Moritz?

1. Steckrüben (I)
2. Sauerkohl (N)
3. Rettich (H)

_______________________________________________________________________________________

07.12.: Welches Gericht fand Esau so gelungen, dass er dafür seinem Bruder Jakob das Erstgeburtsrecht verkaufte?

1. Erbsen (B)
2. Bohnen (A)
3. Linsen (D)

_______________________________________________________________________________________

08.12.: Was ist das Lieblingsgericht von Holly Golightly aus „Frühstück bei Tiffany“?

1. Schildkrötenbouillon mit Cognac (B)
2. getrüffelte Hechtklößchensuppe (N)
3. Steinpilzrahmfond mit Armagnac (Z)

_______________________________________________________________________________________

09.12.: Was half Casanova bei der Eroberung der Damenwelt?

1. Mandelschlagsahne (I)
2. Wachtelbrüstchen (E)
3. Austern (U)

_______________________________________________________________________________________

10.12.: Wer war der Rockstar unter den Fernsehköchen, lange vor Tim Mälzer und präsentierte den Deutschen nach Jahren der Entbehrungen exotische Gerichte?

1. Clemens Wilmenrod (C)
2. Kurt Drummer (L)
3. Max Inzinger (K)

_______________________________________________________________________________________

11.12.: Was isst die Hauptfigur eines irischen Autors, dessen Werk Virgina Woolf als „die Arbeit eines überempfindlichen Studenten, der seine Pickel kratzt“ bezeichnet haben soll?

1. Gegrillte Hammelnieren (H)
2. Gebackene Rinderleber (K)
3. Gekochte Kalbslunge (I)

_______________________________________________________________________________________

12.12.: Welches Gemüse aß Goethe so gern, dass er sich davon immer wieder nach Weimar schicken ließ?

1. Teltower Rübchen (B)
2. Badischen Spargel (M)
3. Spreewälder Schmorgurken (L)

_______________________________________________________________________________________

13.12.: In seinen Fantasiestücken erzählt E.T.A. Hoffmann vom Lieblingsgetränk des Kapellmeisters Johannes Kreisler. Handelt es sich dabei um:

1. heißen Holunderwein (I)
2. angezündeten Arrak (E)
3. Vogelbeerschnaps (Ö)

_______________________________________________________________________________________

14.12.: Was kam in einer berühmten Kurzgeschichte von Roald Dahl auf den Tisch?

1. Kugelfisch (T)
2. Lammkeule (F)
3. Eisbein (K)

_______________________________________________________________________________________

15.12.: Was war der Lieblingswhiskey von Charles Bukowski?

1. Old Grand Dad (L)
2. Hawthorn (F)
3. Southern Comfort (K)

_______________________________________________________________________________________

16.12.: Welches Gegenmittel hilft einer Romanfigur, nachdem sie von der Mutter zur Weihnachtszeit mit Engeln und Lametta, mit Marzipan, Spekulatius und Spargel, stille Nacht und heilige Nacht fast in den Wahnsinn getrieben wird.

1. Schwarzwälder Kirschtorte (Ä)
2. Saure Gurken (Ü)
3. Zwiebeln (E)

_______________________________________________________________________________________

17.12.: Welches mit einem Löffel in Tee getunktes Gebäck bringt einer französischen Romanfigur die Erinnerung an seine Kindheit zurück?

1. Éclair (M)
2. Madelaine (G)
3. Croissant (S)

_______________________________________________________________________________________

18.12.: Wessen Buch wurde 1844 in Preußen verboten und beschlagnahmt und gegen wen erging ein Haftbefehl.

1. Ludwig Börne (O)
2. Georg Büchner (I)
3. Heinrich Heine (E)

_______________________________________________________________________________________

19.12.: Was sind „Nonnenfürzchen“?

1. Scharfe Hackfleischbällchen (S)
2. Aus Brandteig hergestellte Kügelchen (L)
3. In Schnaps eingelegte Kirschen (N)

_______________________________________________________________________________________

20.12.: Raten Sie mal: Wie viel Fleisch verzehrte ein Deutscher durchschnittlich im Jahr 2009?

1. 35,2 Kilo (T)
2. 88,2 Kilo (N)
3. 120,2 Kilo (Z)

_______________________________________________________________________________________

21.12.: Welcher kulinarisch passionierter Ermittler glaubt, dass Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält?

1. Commissario Brunetti von Donna Leon (B)
2. Commissario Guarnaccia von Magdalen Nabb (Z)
3. Commissario Montalbano von Andrea Camilleri (D)

_______________________________________________________________________________________

22.12.: Von welchem Fisch träumt der Orchestermusiker Sylvain Pons, der verarmte Titelheld des Romans „Cousin Pons“ von Honoré de Balzac?

1. um eine Mandelforelle (U)
2. um einen fetten Karpfen (I)
3. um einen zarten jungen Hecht (A)

_______________________________________________________________________________________

23.12.: Welche Fischspezialität wird als „Schillerlocken“ bezeichnet?

1. in Dill eingelegte Heringsstreifen (R)
2. in Streifen geschnittene, eingerollte und geräucherte Bauchlappen des Dornhais (C)
3. längs eingeschnittene und geräucherte Aal-Streifen (N)

_______________________________________________________________________________________

24.12.: Was wärmt die Kinder Sanna und Konrad in Adalbert Stifters „Bergkristall“ (1845) am Heiligabend in ihrem Unterschlupf in einer Berghöhle?

1. starker Kaffee (H)
2. Met (I)
3. Marillenlikör (R)

_______________________________________________________________________________________

Quelle: Börsenblatt

Frankfurter Buchmesse 2010 – Börsenblatt-Café: Zeit für Debatten – und das „wahre Buch“

Zur Buchmesse eröffnet wieder das Börsenblatt-Café – in Halle 4.0, Stand D 1339. Nachfolgend eine Übersicht über das geplante Programm:

Mittwoch, 6. Oktober 2010

„Wahre Bücher! Warum die digitale Zeit nicht ohne Druckwerke auskommt“, 11 bis 12 Uhr
Am ersten Messetag stehen Verlage im Mittelpunkt; ab 11 Uhr geht es um die Qualität von gedruckten Büchern, um die Wuünsche von Käufern und Herstellern.

„E-gitt? Das Problem der digitalen Rechte“, 14 bis 15 Uhr
Thema Nummer zwei sorgt in den USA längst für großen Wirbel und wird auch für deutsche Verlage zunehmend wichtiger – die Autorenhonorare bei digitalen Ausgaben.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

„Schon abgehängt oder gut aufgestellt?“ 11 bis 12 Uhr
Der Messedonnerstag widmet sich einem Dauerthema im Sortiment: der Frage, wie sich der Buchhandel im digitalen Geschäft beteiligen kann.

„Mehr Hardcore: Brechen Autoren und Verlage alle Tabus im Jugendbuch“ 14 bis 15 Uhr
Im Jugendbuch gibt es nichts, das es nicht gibt. Je drastischer die Story, umso besser scheint der Absatz
zu sein. Eine Debatte über Thesen, Trends und Tabus rund ums Buch für junge Leser.

Freitag, 8. Oktober 2010

„Deutscher Buchpreis: Gespräch mit dem Gewinner“ 11 bis 12 Uhr
Am Freitagvormittag ist das Börsenblatt-Café für den Gewinner des Deutschen Buchpreises 2010 reserviert. Mit auf dem Podium: sein Verleger.

„Viereckig und hart reicht nicht mehr: Zusatzsortimente für den Buchhandel“ 14 bis 15 Uhr
Bücher sind im Buchhandel nicht alles, längst füllen Sortimenter ihre Regale und Auslagen auch mit DVDs, Geschenkartikeln oder Musik-CDs. Was sich lohnt, worauf es bei der Präsentation ankommt – und beim Pricing.

Samstag, 9. Oktober 2010

„Lesen unter Hitler“ 15 bis 16 Uhr
Zum Abschluss der Veranstaltungsrunde widmet sich die Börsenblatt-Redaktion einem historischen Thema: Autor Christian Adam und der Verleger K. G. Saur sprechen über Autoren, Bestseller und Leser im Dritten Reich.

Ken Follett zu Gast beim Buchjournal
Wer das Buchjournal auf der Frankfurter Buchmesse besucht, braucht diesmal vermutlich sehr spitze Ellenbogen: Die Redaktion hat am Messedonnerstag ab 15.30 Uhr Starautor Ken Follett zu Gast – und spricht mit ihm im Börsenblatt-Café über seinen neuen Roman „Sturz der Titanen“ (Lübbe).

Wie kreativ die Leser des Kundenmagazins sind, wird sich am Samstag zeigen, wenn der Kurzgeschichtenwettbewerb 2010 endet  – garantiert mit viel Applaus – 14 Uhr. Das Thema in diesem Jahr hieß: „Das Fest“.

Quelle: Börsenblatt

Die Jury für den Deutschen Buchpreis 2009 hat sechs Romane für die Shortlist nominiert.

Deutscher Buchpreis 2009Jury-Sprecher Hubert Winkels sagte: „Die Shortlist-Diskussion in diesem Jahr dauerte einen ganzen Tag. Alle Beteiligten waren beeindruckt von der Intensität der Gespräche, die oft ans Grundsätzliche rührten – der Literatur, der eigenen Arbeit -, die die ganze Verstrickung des Lesers mit einzelnen Büchern offenbarten und eben deshalb manchmal auch schmerzhaft waren. Dann nämlich, wenn ein Roman nicht unter die letzten sechs gelangte, den man für einen großen hält, oder umgekehrt.

Fast wie das richtige Leben, gesteigert in einer kommunikativen Ausnahmesituation und mit einem Ergebnis, das nur auf den ersten Blick verwundern mag, da der eine oder andere noch weniger bekannte Autor und Titel dabei ist. Bei der Lektüre wird vielleicht nicht jeder allen Entscheidungen zustimmen, aber immer wissen, warum das jeweilige Buch derart ausgezeichnet ist. Und er wird sehen, dass nicht nur thematisch, sondern auch formal die deutschsprachige Literatur über eine bestechende Bandbreite verfügt.“

Am 19. August hatten die sieben Jurymitglieder die 20 Titel der Longlist bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet am 12. Oktober in Anwesenheit der nominierten Autorinnen und Autoren der Shortlist zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt. Der Preisträger erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Mit dem Deutschen Buchpreis 2009 zeichnet der Börsenverein den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus.

Die nominierten Romane der Shortlist (in alphabetischer Reihenfolge):

Lichtjahre entferntRainer Merkel: Lichtjahre entfernt (S. Fischer, März 2009)

Kurzbeschreibung
Der Familientherapeut Thomas Kaszinski wird vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe gestellt. Er muss sein Leben in Ordnung bringen. Auf einer Reise nach New York trifft er seine langjährige Freundin. Doch die Beziehung scheint am Ende zu sein. In immer neuen Anläufen und in dem ständigen Bemühen um noch intensivere Erlebnisse nähert er sich dem Zentrum der Katastrophe und erinnert sich an die dramatischen Ereignisse der letzten Monate, die, wie seine Liebe, Lichtjahre entfernt sind. Er verliert sich in der Vergangenheit. Eine gemeinsame Reise in die Wüste wird zu einer Grenz-Erfahrung. Kurz vor seinem Rückflug erkennt er plötzlich, dass es noch eine Möglichkeit auf Rettung gibt.

AtemschaukelHerta Müller: Atemschaukel (Hanser, August 2009)

Kurzbeschreibung
Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. „Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15° C.“ So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.

Überm RauschenNorbert Scheuer: Überm Rauschen (C. H. Beck, Juni 2009)

Kurzbeschreibung
Einst sind der Vater und die Brüder gemeinsam fischen gegangen, das Rauschen des Wehrs hinter der Gaststätte in der Eifel, in der sie gelebt haben, hat die Kindheit der Brüder mit Ahnungen und Phantasien belebt. Aber der Vater, der beim Angeln immer auf der Suche nach einem riesigen, mythischen Urfisch war, ist schon lange tot. Und der ältere Bruder Hermann ist abgeholt worden, musste in die Klinik, er hat den Verstand verloren, sein Schicksal ist ungewiss. Der jüngere Bruder, der Ich-Erzähler, ist zurückgekehrt an den Ort der Kindheit, um der Familie zu helfen, steht im Fluss, angelt und lässt das Leben des Bruders, sein eigenes, das der Familie Revue passieren. Die Kindheit am Fluss, die erste Liebe, die kauzigen Gäste der elterlichen Gastwirtschaft, die Ausbruchsversuche des Bruders, der Niedergang der Kneipe, der Fluss und die Fische, der Tod der holländischen Gelegenheitsgeliebten des Bruders und die ungeklärte Frage nach dem eigenen leiblichen Vater – erschöpft und doch überwach versucht der Erzähler, aus den Erinnerungen und Gesprächen, Ereignissen und Beobachtungen einen Zusammenhang herzustellen, eine Erklärung zu finden. Norbert Scheuers neuer Roman „Überm Rauschen“ entwickelt mit seiner genauen und poetischen Sprache einen enormen Sog. Trauer und Schönheit einer ganzen Welt entstehen durch diese suggestive Geschichte, deren Protagonisten mit ihrer Suche nach dem großen mythischen Fisch zugleich auf der Suche nach dem Glück sind. Und das Glück ist da, im Rauschen, in der wehmütigen Kraft des Erzählens.

Du stirbst nichtKathrin Schmidt: Du stirbst nicht (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2009)

Kurzbeschreibung
Vom Hirnschlag erwacht – die Geschichte einer Heilung Helene Wesendahl weiß nicht, wie ihr geschieht: Sie findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Ihr Weg zurück ins Leben konfrontiert sie mit einer fremden Frau, die doch einmal sie selbst war. Kathrin Schmidt packt ihre Leser diesmal durch die Beschränkung, und zwar im wörtlichen Sinne. Mit den Augen ihrer erwachenden Heldin blicken wir in ein Krankenzimmer, auf andere Patienten, das Pflegepersonal und den eigenen Körper, der plötzlich ein Eigenleben zu führen scheint. Und wir erleben die mühsamen Reha-Maßnahmen mit, die Reaktionen der Familie, den aufopferungsvollen Einsatz ihres Mannes – und die bruchstückhafte Wiederkehr ihrer Erinnerung. Was da zutage tritt, konfrontiert Helene mit einem Leben, in dem sie sich kaum wiedererkennt, und das vieles in Frage stellt, was in der neuen Situation so selbstverständlich scheint. Sie entdeckt frühe Brüche in ihrer Biographie, verdrängte Leidenschaften und aus der Not geborene Verpflichtungen. Als ihr bewusst wird, dass ihr Herz sich bereits auf Abwege begeben hatte und sie den Mann, der sie jetzt so eifrig pflegt, eigentlich verlassen wollte, droht sie den Boden unter den Füßen zu verlieren. Kathrin Schmidt gelingt das Erstaunliche: Sie macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung, der in zwei Richtungen führt, zurück und nach vorn. Dabei entsteht ein Entwicklungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und durch die Rückhaltlosigkeit, mit der seine Heldin sich mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert, fasziniert. Er überzeugt vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neubeginns.

Die FrequenzenClemens J. Setz: Die Frequenzen (Residenz, Februar 2009)

Kurzbeschreibung
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf. Dies ist die Geschichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen Nach Söhne und Planeten, seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

GrenzgangStephan Thome: Grenzgang (Suhrkamp, August 2009)

Kurzbeschreibung
Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest, und dabei werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Auch abends im Festzelt wird ausprobiert, wie weit man gehen kann. Alle sind dabei, nur zwei stehen am Rand: Thomas Weidmann und Kerstin Werner. Er ist nach gescheiterter Uni-Karriere als Lehrer ans Gymnasium Bergenstadt zurückgekehrt. Sie versorgt nach gescheiterter Ehe ihre demenzkranke Mutter und hat Ärger mit ihrem pubertierenden Sohn. Vor sieben Jahren beim letzten Grenzgang sind sich die beiden schon einmal begegnet, und damals ist etwas passiert, woran sich die beiden auch noch bei diesem Fest nur mit gemischten Gefühlen erinnern.
Grenzgang ist das furiose Debüt eines jungen Autors, der von Anfang an aufs Ganze geht: Spannungsreich und voller überraschender Wendungen erzählt Stephan Thome von der Jagd nach dem Glück, die seine Figuren aus Berlin und Köln in die hessische Provinz und von dort in einen Swinger-Club an der Frankfurter Peripherie führt. Schnell wird klar, wie leicht vermeintliche Sicherheiten abhanden kommen können und wie dünn das Eis ist, auf dem Lebensentwürfe gründen – und daß es trotzdem keine Alternative zum Kampf um das eigene Glück gibt.

Quelle: Börsenblatt

„Mafia: Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ von Petra Reski

Das Landgericht München I hat am 16.12.08 dem Widerspruch des Droemer Verlags gegen eine vom Restaurantbetreiber Spartaco Pitanti erwirkte Einstweilige Verfügung nicht entsprochen.

Das Buch der Journalistin Petra Reski mit dem Titel „Mafia: Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ enthält eine kurze Passage über Pitanis Aktivitäten und den Verstrickungen der Mafia in Deutschland.
Gegen die Veröffentlichung wurde im November eine Einstweilige Verfügung von den Anwälten des Gastronomen Spartaco Pitanti beantragt.

In der mündlichen Verhandlung bestätigte das Gericht seine am 13. November erlassene Einstweilige Verfügung, nach der der Droemer Verlag das Buch weiterhin nur mit entsprechenden Schwärzungen verkaufen darf.

Margit Ketterle, die das Sachbuchprogramm des Verlags verantwortet, zu der Rechtsprechung: „Wir müssen das Urteil akzeptieren, werden aber weiterhin alle juristischen Optionen prüfen, um unseren Standpunkt letztlich doch durchzusetzen und gehen mit Sicherheit in die Berufung.“

Kurzbeschreibung
Die Morde von Duisburg haben eine unbequeme Wahrheit ans Licht gebracht: Die Mafia hat ihre Tentakeln längst nach Deutschland ausgestreckt. Weltweit perfekt organisiert, ist sie eine Gefahr für Staat und Gesellschaft, die von deutschen Politikern und Sicherheitskräften allzu lange unterschätzt wurde. Wie funktioniert diese ganz und gar nicht »ehrenwerte Gesellschaft«?

Petra Reski lebt seit zwanzig Jahren in Italien. Aufgrund ihrer langjährigen Recherchen und ihrer Insiderkenntnisse gilt die Journalistin als Spezialistin in Sachen Mafia. Petra Reski kennt die Strukturen der kriminellen Organisation aus erster Hand: Sie hat an geheimen Orten mit abtrünnigen Mafiosi gesprochen, sie hat mafiose Verstrickungen von Priestern aufgedeckt und war Gast auf der Hochzeit des wohl spektakulärsten Mafia-Verteidigers Siziliens. Sie weiß, wie Antimafia-Staatsanwälte und Ermittler ausgeschaltet werden sollen, und beobachtete involvierte Politiker aus nächster Nähe. Und sie beschreibt, wie die Verbrecherorganisation auch bei uns im großen Stil ihren schmutzigen Geschäften nachgeht. Journalismus, der zu Literatur wird – spannend wie ein Thriller!

Seit über zwanzig Jahren lebt Petra Reski in Italien. Nicht in Sizilien, wo die Cosa Nostra zuhause ist, oder in der von der Camorra gebeutelten Campania, und auch nicht in Kalbrien, dem Herrschaftsgebiet der ‘Ndrangheta. Aber auch in ihrer Wahlheimat Venedig und dem Rest Italiens, wie auch, wie wir aus ihrem überaus lesenswerten Buch erfahren, im übrigen Europa, wimmelt es nur so von Mafiosi – und von Politikern, ja selbst Priestern, die sich von der Mafia in irgendeiner Form in Dienst nehmen lassen oder gleich mit ihr gemeinsame Sache machen.

Nachdem es Anfang der neunziger Jahre so ausgesehen hatte, als sei man nun selbst in Palermo fest entschlossen und vielleicht sogar in der Lage, der Herrschaft der Mafia endlich ein Ende zu machen, hat die Cosa Nostra ihre Reihen in den letzten Jahren trotz manches Rückschlags wieder schließen können. Auch die ‘Ndrangheta, die international bestorganisierte Mafiaorganisation, sitzt fest in ihrem Sattel. Und trotzdem sich die neapolitanische Camorra seit Jahren in blutigen Bandenkriegen aufzureiben scheint, wird man wohl auch ihrer in absehbarer Zeit kaum Herr werden. Das ist das traurige Fazit, dass man aus der Lektüre von Reskis sachlich fundierten und im Detail ausgesprochen informativen Reportagen ziehen muss.

Reski nimmt uns mit auf eine unbehagliche Reise, lässt uns teilhaben an ihren Begegnungen mit den Paten, „Soldaten“, Anwälten, Priestern, Frauen und Kindern der „ehrenwerten Gesellschaft“ des Mezzogiorno und zeichnet so ein sehr authentisches Bild von der mafiadurchtränkten Lebenswelt des italienischen Südens. Sie zeigt uns die bizarren Früchte der Korruption und der Angst, führt uns in die von der Mafia zerstörten Quartiere Palermos, verrät, warum vierspurige Autostraßen im Nichts enden und es im Innern der absurd protzigen Justizpaläste an den notwendigsten Kleinigkeiten mangelt, während die trotzigen Denkmäler an ermordete Staatsanwälte und Richter vor ihren Toren die Hilflosigkeit gegenüber der eigentlichen Macht im Lande nur umso augenfälliger machen. Und sie öffnet uns die Augen dafür, dass die Macht der Mafia längst weit über Italien hinausgreift und eine sehr reale Gefahr für das europäische Gemeinwesen insgesamt darstellt. Eine Gefahr, auf die wir schlecht vorbereitet sind. — Andreas Vierecke, Literaturanzeiger.de

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Börsenblatt