Wolf Haas erhält den mit 20.000 Euro dotierten Bremer Literaturpreis 2013. Die Jury zeichnete den 52-jährigen österreichischen Schriftsteller für seinen 2012 im Hoffmann & Campe Verlag erschienenen Roman „Verteidigung der Missionarsstellung“ aus.

Der Roman ‚Verteidigung der Missionarsstellung‘ von Wolf Haas verkuppelt mit Lust und Witz das Erzählen mit der sprachphilosophischen Reflexion. Er versetzt alle Abenteuer des Reisens und der Liebe, alle großen und kleinen Katastrophen in ein Spiegelkabinett, aus dem es kein Entkommen gibt: ein virtuoses Sprachspiel, dessen Abgründigkeit seinem Humor die Waage hält„, heißt es in der Begründung der Jury.

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 30. August 2012 bei Hoffmann & Campe
Als ich mich das erste Mal verliebte, war ich in England, und da ist die Rinderseuche ausgebrochen. Als ich mich das zweite Mal verliebte, war ich in China, und da ist die Vogelgrippe ausgebrochen. Und drei Jahre später war ich das erste registrierte Opfer der Schweinegrippe. Sollte ich je wieder Symptome von Verliebtheit zeigen, musst du sofort die Gesundheitspolizei verständigen, versprich mir das.
Gegen das Verlieben kämpft Benjamin Lee Baumgartner einen aussichtslosen Kampf. Diese Seuche bringt ihn um den Verstand. Mit Kopfverdrehen fängt es an. Mit Gehirnerweichung geht es weiter. Und das Schlimmste daran: Der Patient infiziert auch noch seinen Autor. Vorsicht, höchste Ansteckungsgefahr!

Der mit 6.000 Euro dotierte Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2013 geht an Andreas Stichmann für seinen 2012 erschienenen Debütroman „Das große Leuchten„.

Andreas Stichmann erhält den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis für seinen Roman ‚Das große Leuchten‘, der in nüchtern knappen Episoden den Ausbruch von Jugendlichen aus ihrer Herkunftswelt und aus ihren Gefühlsverwirrungen nachzeichnet. Ihre Suchbewegung wird gleichermaßen angetrieben von der Lust nach Chaos wie der Sehnsucht nach neuer Ordnung und mündet in eine Ernüchterung, die mit erzählerischer Emphase und sanfter Komik ins Offene weist„, begründet die Jury die Vergabe.

Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 7. September 2012 im Rowohlt Verlag
Sie führt aus der deutschen Provinz in den Iran und weiter ans Kaspische Meer: die Suche nach Ana – Ana, der Tankstellenräuberin, Ana, deren persischer Vater nie so recht hat Fuß fassen können im deutschen Exil. Es ist ein weiter Weg, kreuz und quer durch die Wüste, voller komischer und rätselhafter Prüfungen, die Rupert zu bestehen hat – und mit ihm sein schizophrener Freund Robert, der am liebsten Vögel beobachtet, der die Welt nicht versteht und stattdessen das Schachspiel neu erfindet. So war das zumindest, bis Ana kam. Bis Rupert und Ana abgehauen sind, um das große Leben zu beginnen. Und bevor Ana plötzlich verschwand. „Das große Leuchten“ ist der Roman einer ausgedehnten Reise, abgründig, empfindungsstark und voller abenteuerlicher Echos. Einhörner und Jäger, Derwische und Ex-Generäle, russische Kleinkriminelle, opiumrauchende Kunstfilmerinnen und uralte Orangenfarmer finden darin Platz – Figuren, die niemals blinzeln, sondern „brennen, brennen, brennen wie phantastische gelbe Wunderkerzen“ (Jack Kerouac).

Zur diesjährigen Jury zum Bremer Literaturpreis gehören:
Dr. Wiebke Porombka, Dr. Roman Bucheli (Zürich), Richard Kämmerlings, Barbara Lison, Dr. Lothar Müller , Michael Sieber und Dr. Daniela Strigl (Wien).

Die Preise werden am 28. Januar 2013 im Bremer Rathaus verliehen. Am Vorabend der Preisverleihung findet eine moderierte Lesung der beiden Preisträger in der Glocke statt.

Quelle: Rudolf Alexander Schröder Stiftung

 

Die 61-jährige österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz erhält in diesem Jahr den mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreis der Stadt Bremen. Sie wird für ihren im September 2011 erschienen Roman „Die Schmerzmacherin“ geehrt.

Der Thriller nehme den Leser mit in die Bedrohung einer überkontrollierten Welt, hieß es in der Jury-Begründung.

Der Preis wird seit 1954 von der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung vergeben. Die Preisverleihung findet im Januar 2012 im Bremer Rathaus statt.

Die Schmerzmacherin

Kurzbeschreibung
Leute werden verschleppt, verschwinden, werden eingesperrt oder gefoltert. Amy arbeitet für einen privaten Sicherheitsservice, sie kann die Korruption und Gewalt nur ahnen, die sich als Abgrund hinter den geheimen Operationen abzeichnet. Als sie beschließt auszusteigen, gerät sie endgültig in die Fänge einer undurchsichtigen, aber brutalen Organisation.
Amys Verlorenheit korrespondiert mit dem Ringen um die Wahrnehmung der Realität. Was kann sie glauben? Wer ist sie selbst? Und vor allem: Was passierte an dem Tag, an den sie sich nicht erinnern kann?
Marlene Streeruwitz entwirft in ihrem meisterhaften Roman ein unheimliches und unvergessliches Szenario und fragt nach dem Ort des Individuums in einer zunehmend privatisierten Öffentlichkeit.

Über die Autorin

Marlene Streeruwitz, geboren in Baden bei Wien, Studium der Slawistik und Kunstgeschichte in Wien. Autorin und Regisseurin von Theaterstücken und Hörspielen. Für ihre Romane wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Wien und Berlin. 2009 erhielt sie den Peter-Rosegger-Literaturpreis der Steiermark.

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Seit 1977 wird zudem ein mit 6.000 Euro dotierter Förderpreis zum Bremer Literaturpreis vergeben. Dieser geht 2012 an den Schauspieler Joachim Meyerhoff für sein Erstlingswerk “Alle Toten fliegen hoch. Amerika”.

Alle Toten fliegen hoch. Amerika

Kurzbeschreibung
„Mit achtzehn ging ich für ein Jahr nach Amerika. Noch heute erzähle ich oft, dass es ein Basketballstipendium war, aber das stimmt nicht. Meine Großeltern haben den Austausch bezahlt.“ So beginnt der erste Roman von Joachim Meyerhoff, der seinen Ich-Erzähler aus der norddeutschen Provinz in die Weiten des amerikanischen Westens führt – und in ein Wechselbad der Gefühle. Entscheidend ist der selbstironische, empfindsame, pointiert-witzige Ton: Von der ersten Seite an folgt der Leser dem jugendlichen Helden, der sich aufmacht, einen der begehrten Plätze in einer amerikanischen Gastfamilie zu ergattern. Aber schon beim Auswahlgespräch in Hamburg werden ihm die Unterschiede zu den weltläufigen Großstadt-Jugendlichen schmerzlich bewusst. Konsequent gibt er sich im alles entscheidenden Fragebogen als genügsamer, naturbegeisterter und streng religiöser Kleinstädter aus – und findet sich bald darauf in Laramie, Wyoming wieder, mit Blick auf die Prärie, Pferde und die Rocky Mountains. Der drohende „Kulturschock“ bleibt erst mal aus, der Stundenplan ist abwechslungsreich, die Basketballsaison steht bevor, doch dann reißt ein Anruf aus der Heimat ihn wieder zurück in seine Familie nach Norddeutschland – und in eine Trauer, der er nur mit einem erneuten Aufbruch nach Amerika begegnen kann. Dieser mitreißende Entwicklungsroman erzählt von Liebe, Fremde, Verlust und Selbstbehauptung und begeistert durch Sensibilität, Selbstironie und Witz. Auf der Bühne hat „Alle Toten fliegen hoch“ bereits Furore gemacht. – Eine literarische Entdeckung.

Über den Autor

Joachim Meyerhoff, geboren 1967 in Homburg/Saar, aufgewachsen in Schleswig, hatte nach seinem Schauspielstudium an der Otto-Falckenberg-Schule Engagements in Kassel, Bielefeld, Dortmund und Köln. 2001 wurde er Ensemblemitglied am Maxim Gorki Theater Berlin, wo er auch Regie führte. Er wechselte 2002 ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg und ist seit 2005 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. In seinem sechsteiligen Zyklus „Alle Toten fliegen hoch“ trat er als Erzähler auf die Bühne und wurde zum Theatertreffen 2009 eingeladen. 2007 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt.

Friederike Mayröcker erhält den Bremer Literaturpreis 2011

Die 85-jährige österreichische Schriftstellerin Friederike Mayröcker erhält den mit 20.000 Euro dotierten Bremer Literaturpreis 2011.

Friedericke Mayröcker erhält den Preis für ihren im Mai 2010 im Suhrkamp Verlag erschienenen Roman „ich bin in der Anstalt. Fusznoten zu einem nichtgeschriebenen Werk„, teilte die Jury der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung am Samstag mit. Die Sprache Mayröckers verwandle sich in dem Buch in eine Prosa, die ein Lebensjahr in allen seinen Facetten in sich aufnehme, hieß es zur Begründung.

„ich bin in der Anstalt“ nennt Friederike Mayröcker, die „Grande Dame der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur„, ihre Prosaschrift – ein Buch der Betrachtungen von Körperlichkeit und Körperempfinden, ein Tasten nach den ständig sich verschiebenden Grenzen von Innen und Außen, ein Versuch ihrer Auflösung im Moment des Schreibens, radikal und schonungslos:

ich habe die Staubkrankheit, in Eschen laufend, ich wache auf mit dem Wort ZWISCHENGEBIRGE, wir fahren im Lift abwärts und ich ziehe 1 grünes Haar aus dem Ärmel seines schwarzen Mantels, Nixe mit grünen Haaren, der alte grüne Steingutteller mit den grünen Seerosenblättern, vor Wochen auseinandergebrochen, wieder geklebt, aus groszelterlichen Beständen oder weiter zurück, etwas wie Wollust über die Seerosenblätter zu streichen, imaginiere, wie sie, die längst Hingegangenen, ihre Speisen darauf verzehrt hatten, vermutlich Kuchenstücke, Bäckereien, denn es gab kein Leid in der Tiefe ihrer Schritte, ich heize, neige (dazu), überstürzt zu handeln, zu antworten, in Eschen laufend, und trug grünes Reisig unter den Augen, nämlich Rousseau, ‚ich liebe es, mich mit Nichtigkeiten zu befassen, 100 Sachen anzufangen und keine zu Ende zu bringen, oder den ganzen Tag wirr und planlos zu vertändeln‘, mit grünen Ziegenblättern, etc.

Der Literaturpreis der Stadt Bremen wird seit 1954 jährlich an deutschsprachige Schriftsteller für ein Einzelwerk vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten Siegfried Lenz, Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Mayröcker besitzt u.a. den „Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur“ und den „Literaturpreis der Stadt Wien„, wie auch den „Anton-Wildgans- und den Georg-Trakl-Preis„.

Der mit 6.000 Euro dotierte Förderpreis zum Bremer Literaturpreis geht 2011 an die ebenfalls aus Österreich stammende Nachwuchsautorin Andrea Grill für ihr Werk „Das Schöne und das Notwendige„.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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Bremer Literaturpreis geht an Clemens J. Setz

Der 27-jährige österreichische Sänger, Autor und Übersetzer Clemens Johann Setz erhält den Bremer Literaturpreis 2010. Ausgezeichnet wird er für seinen Roman „Die Frequenzen“ (Residenz Verlag).

Der mit 20.000 Euro dotierte Preis der Rudolf-Alexander Schröder Stiftung wird seit 1954 jährlich verliehen. Er gehört zu den angesehensten Literaturpreisen in Deutschland. Den mit 6.000 Euro dotierten Förderpreis des Bremer Literaturpreises erhält 2010 Roman Graf für seinen Roman „Herr Blanc“ (Limmat Verlag). Überreicht werden die Auszeichnungen am 26. Januar im Bremer Rathaus.

In der Begründung der Jury heißt es, Setz habe einen „unerhörten Vater Sohn-Roman vorgelegt, der sprachliche Könnerschaft mit Intelligenz und Leichtigkeit ausspiele“. Mit zielsicherer Komik und abgründigen Metaphern demontiere der Autor den klassischen Familienroman.

Die FrequenzenClemens J. Setz wurde 1982 in Graz geboren. Seit 2001 studiert er an der dortigen Universität Mathematik und Germanistik. Er ist Obertonsänger, Übersetzer und Gründungsmitglied der Literaturgruppe Plattform. Zahlreiche seiner Gedichte und Erzählungen wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. 2008 wurde er beim Bachmann-Wettbewerb mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet. Setz lebt und arbeitet in seiner Geburtsstadt Graz. „Die Frequenzen“ ist sein zweiter Roman nach dem Debut „Söhne und Planeten“.

Kurzbeschreibung
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf. Dies ist die Geschichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen Nach Söhne und Planeten, seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.

Quelle: Börsenblatt